Brent Cobb – Support: Zack Logan, 12.09.2018, Studio 672, Köln, Konzertbericht

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Mit Brent Cobb gab sich ein Künstler im kleinen Club 672 in Köln die Ehre, auf den ich mich schon seit Wochen gefreut hatte. Anlass war natürlich sein tolles Album „Providence Canyon“, aber auch seine interessante Vita samt seines vermutlichen Talents, er ist ja der Cousin des sehr erfolgreichen Produzenten Dave Cobb. Da war man einfach gespannt, was der Bursche live zu bieten hatte.

Zunächst aber stellte der aus Mississippi stammende Zack Logan, in dem mit knapp 40 Leuten spärlich besuchten Club, seine Künste in den Mittelpunkt. Er hat ebenfalls mit „Raised By Wolves“ ein aktuelles Werk am Start, aus dem er dann Stücke wie „Dog Chase Cars“, „Annalee“, das sehr melodische „Two Weeks At A Time“, „Ramblin‘ Shoes“, das schön rockende „Trouble Doing The Right Thing“, „I’m Coming Home“ und den Titeltrack, „Raised By Wolves“, in einer guten halben Stunde vorstellte.

Unterstützt wurde er von zwei Schweden namens Erik und Pelle aus Göteborg mit Fiddle und Upright Bass, die dem Ganzen eine schönes Veranda-Country-Flair vermittelten. Gerade Erstgenannter setzte mit seinem sägenden, quietschenden und weinenden Streichinstrument viele schöne Zusatz-Akzente. Zack zeichnete sich besonders durch seinen angenehmen Gesang aus (tolle Stimme). Ihm wäre zu wünschen, dass mal ein bekannter Nashville-Künstler sich eines seiner Songs annimmt, um seinen Bekanntheitsgrad zu pushen. Verdient hätte er es, insgesamt ein guter Support, der mit viel Applaus bedacht wurde!

Nur ein paar Minuten später kam dann einer der neuen wilden Generation Nashvilles, Brent Cobb, mit seinen drei Begleitern Mike Harris, Jason Kott (bekannt auch durch The Soulshine Family Band) und OJ Jackson auf die, dank der umstehenden Instrumente, Verstärker und Effektgeräte, ziemlich platz-reduzierte Bühne (Folge war, dass direkt ein – am Geruch nachher deutlich erkennbar – am Boden stehendes Whiskey-Glas umgetreten wurde und sich die verschüttete Flüssigkeit, in einer kleinen Lache, ihren Weg suchte).

Der knackig zupfende und auch klasse Gesangsharmonien beisteuernde Bassist Jason Kott war mir schon wegen seines T-Shirts, das mit Logo der auch von uns rezensierten Band The Steel Woods bedruckt war, direkt sympathisch. Das Quartett legte mit „When The Dust Settles“ los und der im weiteren Verlauf überragend agierende Mike Harris deutete bereits früh seine Qualitäten als versierter Slide-Spieler an.

Brent streifte im weiteren Verlauf mit Songs wie  u. a. „Diggin‘ Holes“, „Down In The Gully“, „Solving Problems“, den beiden herrlichen „King Of Alabama“ und „Providence Canyon“ seine beiden, unter Major-Fahne erschienen Alben und bewies, warum auch Stars wie Luke Bryan, Kenny Chesney, Miranda Lambert oder Little Big Town, gerne auf seine Songwriter-Künste zurückgreifen.

Ein erster Höhepunkt des Konzerts wurde entfacht, als Brent die akustische Gitarre abstreifte (die er allerdings fast immer wie eine E-Gitarre spielte) und zur Telecaster griff. Es folgten mit „If I Don’t See Ya“ und „.30.06“ zwei furiose Southern Rocker, in bester Lynyrd Skynyrd-Manier. Erstgenanntes erinnerte stark an deren einstiges „Swamp Music“.

Beim Schunkler „Tavelling Poor Boy“ wurde dann wieder in die gemäßigtere Country Rock-Schiene zurückgerudert. Mit Liedern wie dem swampigen „Sucker For a Good Time“, dem progressiv angehauchten „Black Crow“ und einem weiteren Kracher, „Ain’t A Road Too Long“, ging es schon über ins Finale, das mit dem an Dynamik zulegenden „South Of Atlanta“ (tolles Instrumentalfinish) und dem mit schönen Tempowechseln variierenden „Country Bound“ toll inszeniert wurde.

Gerade der rauschebärtige Mike Harris spielte sich teilweise regelrecht in einem Rausch. Nach dem Konzert, begann dann sofort ein hektisches Treiben. Es wurde ratz-fatz abgebaut, da die Band heute Abend schon wieder in Berlin auf der Bühne steht.

Brent nahm sich aber dennoch die Zeit für ein paar Autogramme und das obligatorische Bild mit unserem Logo. Als wir nach Hause fuhren, waren Gernot und ich uns sicher, hier mit Brent Cobb eine kommende Größe des Southern Country Rocks gesehen zu haben, die man in Zukunft vermutlich nicht mehr in so intimen Rahmen erleben wird. Ganz starker Gig!

Line-up:
Brent Cobb (lead vocals, acoustic guitar, electric guitar)
Mike Harris (electric guitar, slide guitar, vocals)
Jason Kott (bass, vocals)
OJ Jackson (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Konzertbüro Schoneberg
Studio 672

Anderson East – 03.06.2018, Köln, Stadtgarten – Konzertbericht

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Der ursprünglich aus Athens, Alabama, stammende, heute in Nashville ansässige Musiker Anderson East machte mit seinem Ensemble im Rahmen seiner 2018er World Tour jetzt nochmal bei uns einen Stop für zwei Konzerte, unter anderem im Stadtgarten Köln, der an diesem Abend, trotz der sommerlichen Hitze, mit über 300 Zuschauern sehr gut gefüllt war.

Zunächst lieferte ein Künstler namens Sir Pryce auf einem Nord Stage 2 EX-Piano für eine gute halbe Stunde eine One Man Show als Support ab. Der äußerlich, mit buntem Belize-Hemd und teil-gefärbter Irokesen-Frisur, ziemlich exotisch anmutende Solo-Performer, bewies mit Stücken wie „All New“, „Follow Your Light“, „Through My Head“ oder „Pulse“, durchaus ein Gespür für gutes und melodisches Pop- und R&B-Songwriting, wenn mir auch am Ende das Ganze, insgesamt etwas zu sehr synthetisch und monoton rüber kam.

Um 21:00 Uhr stellte Anderson nach einem Einspieler mit seinen Begleitern Scotty und Jonny Murray, Darren Dodd, Philip Towns, Nate Hefron sowie Ben Clark, mit dem kräftigen „Somebody Pick Up My Pieces“ als Opener, sofort die Weichen auf eine begeisternde, schweißtreibende Show, mit überwiegend zünftigem Soul Rock und tollen Balladen samt wohl dosierter Pop-, R&B- und Country-Ingredienzien, die beim Publikum (überwiegend weiblich dominiert), als auch bei uns, bestens ankam.

Der 29-jährige hat eine tolle Stimme, spielt richtig gut Gitarre und kann eine Audienz mitreißen, auch wenn es altersbedingt in charismatischer Hinsicht, vielleicht noch etwas Spielraum nach oben gibt. Er wirkt halt noch sehr jungenhaft. Vom Niveau her, braucht er aber schon jetzt keine Vergleiche mit ähnlichen Acts wie JJ Grey & Mofro oder Thorbjorn Risager und seinen Black Tornados zu scheuen.

Verlassen kann er sich dabei vor allem auf ebenso starke Akteure in seinem ‚Rücken‘. Da wären mit Nate Hefron und Ben Clark eine herrlich, im Dienste der Songs, plusternde Bläserfraktion. Dann mit Darren Dodd ein routinierter und unaufgeregter Drummer, mit Philip Towns ein rasta-gelockter, spielfreudiger Keyboarder und dem, fast wie siamesische Zwillinge, dicht nebeneinander agierenden Murray-Brüderpaar an Bass und E-Gitarre (Scotty auch mit ein paar schönen Steel-ähnlichen Slideeinlagen), Musiker, bei denen ein Rädchen perfekt ins andere passt.

So flog die Setliste, bei der überwiegend natürlich sein aktuelles Major-Album „Encore“ die Hauptrolle spielte (übrigens von Dave Cobb produziert), mit Stücken wie „Satisfy Me“, „Sorry You’re Sick“, „Surrender“, „If You Keep Leaving Me“, „King For A Day“ und dem wunderbar atmosphärischen „Devil In Me“, regelrecht an einem vorbei. Erst ab dem für den Sampler „Southern Family“ kreierten, und am Ende frenetisch gefeierten „Learning“ wurden einige Tracks deutlich länger ausstaffiert.

Den Höhepunkt und zugleich Abschluss des Hautteils markierte die fantastische Southern Soul-Ballade „This Shall Too Last“ mit einem furiosen Instrumentalteil am Ende, in dem die Beteiligten noch mal alle Register zogen. Besonders die E-Gitarrenparts vom kauzigen, zwirbelbärtigen Scotty Murray an der Les Paul (in aller bester Southern Rock-Manier) und von Anderson (an der Stratocaster im Stile von Mark Knopfler), am Ende sogar kurz Twin-mäßig,  hauten mich regelrecht vom Hocker. Einer der besten Songs, die ich live bis jetzt in der ersten Jahreshälfte präsentiert bekommen habe!

Für die Zugaben ließ sich das Septett, angesichts der Begeisterung, nicht lange bitten, und machte mit dem Mariah Carey-Cover „Always Be My Baby“ und der weiteren tollen Ballade „House Is A Building“ (wieder mit furiosem, stimmungsreichen Finale) den ‚Sack‘ endgültig zu. Nach dem Konzert stand der sichtlich ausgepumpte Protagonist dann noch für Selfies und Autogramme geduldig zur Verfügung. Seine Frage, ob unser Bericht denn positiv ausfallen würde, konnte da eigentlich schon zu diesem Zeitpunkt, wie man es jetzt auch nachlesen kann, nur mit einem glasklaren „Yes, of course!“ beantwortet werden!

Line-up:
Anderson East (lead vocals, electric and acoustic guitar)
Scotty Murray (electric guitar)
Philip Towns (keys)
Jonny Murray (bass)
Darren Dodd (drums)
Nate Hefron (saxophone)
Ben Clark (trumpet)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Anderson East
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