Modern Earl – 07.12.2018, The Ranch House, Kerken – Konzertbericht

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Wenn es einen Preis für die stärkste Southern Rock-Live-Präsenz in Deutschland geben würde, nicht nur, was die Quantität betrifft, sondern auch die Qualität und Spielfreude angeht, wäre Modern Earl sicherlich der unangefochtene Anwärter auf Platz 1. Das amerikanische Quartett um ihren charismatischen Leader Christopher ‚Earl‘ Hudson reist seit einigen Jahren unsere Republik rauf und runter und lässt sich auch durch unkonventionelle Locations nicht von ihrem munteren Treiben abhalten.

Bedingt durch die geografische Nähe zu unserem Wohnsitz in Rheinberg hatten wir uns dieses Jahr für ihren Gig im Ranch House am idyllischen Eyller See, irgendwo zwischen Kerken, Wachtendonk und Kempen im niederrheinischen Niemandsland gelegen, entschieden.

Bei so richtigem Regensauwetter kamen wir dann pünktlich zum Einlass an. Der recht gut gefüllte Parkplatz, ließ schon auf einen annehmlichen Besuch schließen, wie auch das ordentlich ausgelastete Restaurant dann eindrucksvoll offerierte.

Das Konzert fand allerdings in einem angeschlossenen beheizten Partyzelt statt, das nochmals um die 100 Leute fasste und am Ende mit ca. 80 Besuchern auch sehr gut und angenehm frequentiert war, sodass auch Klaustrophobiker nicht in Nöte gekommen wären.

Unser letzter Besuch von Modern Earl an der Freilichtbühne in Mülheim an der Ruhr lag jetzt schon knappe 1 1/2 Jahre zurück und wir waren nicht nur auf die Fortentwicklung der Band gespannt, sondern auch wie die Songs ihrer zwischenzeitlich neu erschienen CD „Ameriphonica“ im Live-Gewand rüberkommen würden.

Und so brachten Fronter Christopher ‚Earl‘ Hudson,  der variable und quirlige Gitarrist Ethan Schaffner sowie ihre Rhythmusfraktion, bestehend aus Bassist Ben Hunt und ihrem Drummer Daniel Telander (jede Musiker hatte eine kleine Parzelle auf der improvisierten Bühne für sich), mit dem launigen Rausschmeißer dieses Werkes „Hoorey For The Honkytonks“, von Anfang an, mächtig Stimmung in die Bude, ähm, das Freiluftzelt.

Der Stampfer „Whiskey On The Table“, „Catfish And Titties“, das Banjo-lastige Osborne Brothers-Cover „Rocky Top“, der schunklige Country-Ohrwurm „Blame The Bottle“ (wieder mal mein Favorit), „Angel From Montgomery“, „I Know You Rider“, das einigen trink- und tanzfreudigen Mädels gewidmete „Young Blood“ (mit schöner Twin-Passage), „Backwoods Betty“ (mit Publikums-Mitsing-Interaktion) sowie das psychedelische „Devil’s Playhouse“ als Warnung, sich nicht mit den falschen Menschen zu umgeben, ließen in Set 1 keine Wünsche offen.

Nach ca. 30 Minuten Pause, stand dann im zweiten, mit „Hot Damn“ eröffnetem Abschnitt, der neue Silberling etwas mehr im Fokus. Das swampige „The State Of Me“, der Southern Rock-Kracher „Gone To The Country“ als auch das laut Hudson am Frühstücksstisch kreierte „Red White And Blues“ standen als Blaupause für die Live-Kompatibilität ihrer neuen Stücke. Explizit zu erwähnen waren auch die tollen sitzenden Harmoniegesänge aller im Bandgefüge beteiligter Mitglieder, die mit ein Trademark des Vierers abgeben.

Die stark und eigenwillig interpretierten Fassungen von Southern-Klassikern wie „Long-Haired Country Boy“ und „T For Texas“ in der Schlussphase, ließen lautstarke Zugabeforderungen der begeisterten Anwesenden (übrigens viele mit Cowboyhüten und Western-typischem Outfit zugegen) auf dem Fuße folgen. Hudson & Co. legten danach mit „That Girl Can Drink“ und dem furios gespielten Medley aus „Sweet Home Alabama“ (sollten Skynyrd sich mal anhören…) und Lou Reeds „Take A Walk On The Wild Side“ ein wildes Finish hin, das noch mal alle Kräfte der Anwesenden mobilisierte.

Am Ende gab es nach dem Gig ein kurzes Handshaking mit den Jungs (Christopher bedankte sich für die vielen Reviews von uns) und das obligatorische Bild mit dem Logo (siehe unsere VIP-Galerie). Ein toller Southern Country Rock-Abend mit engagiert auftretenden Modern Earl an einem ungewöhlichen Ort, der seinerseits durch seine Gastfreundlichkeit überzeugen konnte.

Line-up:
Christopher ‚Earl‘ Hudson (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar)
Ethan Schaffner (electric guitar, banjo, lap steel, vocals)
Ben Hunt (bass, vocals)
Dan Telander (drums, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

Modern Earl
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The Ranch House, Kerken

The Cadillac Three – 02.12.2018, Luxor, Köln – Konzertbericht

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Nachdem ich bei meinem obligatorischen sonntäglichen Nachmittagslauf mit den diversesten niederrheinischen Regenarten durchnässt worden war, ging es nach der heißen Dusche schon kurze Zeit später mit Kollege Gernot in musikalischer Mission wieder in Richtung Köln.

Die Jungs von The Cadillac Three hatten sich zum dritten Mal hintereinander im Luxor angesagt. Einem Interviewwunsch seitens unseres Kooperationspartners Oktober Promotion in Verbindung mit dem gewohnten Konzertbericht, sind wir natürlich gerne nachgekommen. Das Gespräch mit den drei Musikern wird zu einem etwas späteren Zeitpunkt dann zu lesen sein.

Bedingt durch das Interview mit Johnston & Co. hatten wir nur noch eineinhalb Stücke der Kölner Support-Combo Giirl mitbekommen. Mit dem Kommentar „White Stripes on Acid“ eines in der ersten Reihe stehenden Pärchens, dass wir schon mal bei Country-/Southern Rock-Gigs in der Domstadt sporadisch antreffen, als Kategorisierung des Gehörten, lasse ich unsere Leserschaft dann mal sich ihren Teil dazu denken.

Um 21:00 Uhr legten dann Neil Mason, Kelby Ray und Fronter Jaren Johnston (wieder mit vielen Gitarrenwechseln) mit ihrem obligatorischen Programm und den allseits bekannten, dezent patriotisch untermalten Tracks wie u. a. „Peace Love & Dixie“, „Bury Me In My Boots“, Tennessee Mojo“, „Back It Up“, „American Slang“ oder „I’m Southern“ ihrer drei bisher erschienenen CDs los.

Überwiegend knallhart stampfender Riff-Southern Rock, gepaart mit diesen eingängigen Refrains und durchzogen mit einigen wenigen, etwas ruhiger anmutenderen Songs wie “Drunk Like You“, „Hank & Jesus“ oder „Take Me To The Bottom“, ließ ihre, mit vielen jüngeren Leuten durchwachsene, klatsch- und mitsingfreudige Klientel im satt gefüllten Luxor gewohnt frohlocken.

Mit dem brandneuen Lied „Whiskey & Smoke“ in typischer TCT-Manier, gab es einen ersten Ausblick auf das für 2019 geplante neue Album. Das den Kollegen von Blackberry Smoke, Whiskey Myers und Black Stone Cherry gewidmete und furios gespielte „Whiskey Soaked Redemption“ (inklusiv einer Solopassage von Kelby Ray an seinem Pedal Steel-Gerät), der Ohrwurm „White Lightning“ und das nochmals ihre Herkunft huldigende Abschlussstück als Rausschmeißer „The South“, ließen im Prinzip erneut keine Wünsche offen.

Das Nashville/Tennessee-Trio bewies an diesem Abend wieder, dass Southern Rock nicht nur was für alte Säcke ist, sondern gepaart mit junger und draufgängerischer Art, durchaus auch heute mit Erfolg in nachfolgende Generationen transportiert  werden kann. Somit darf man sich schon jetzt auf eine Rückkehr von The Cadillac Three in 2019 mit neuem Werk im Gepäck freuen. New Southern Rock is alive! Und die drei Burschen haben ohne Zweifel ihren hohen Anteil daran.

Line-up:
Jaren Johnston (lead vocals, guitars)
Neil Mason (drums, vocals)
Kelby Ray (lap steel, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Oktober Promotion
Luxor Köln

Zealand – Liberated – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Ein Aufbruch zu neuen Ufern ist das Album „Liberated“ für Phil Joe. Der ehemalige Bassist und Songschreiber der australischen Worship-Rockband Newsboys hat sich mit 45 Jahren den Status einer Rock-Ikone in der christlichen Musikszene erarbeitet und beginnt nun den ersten Schritt mit seiner neuen Band Zealand.

Bandleader Phil Joe, ursprünglich aus Auckland, Neuseeland, aber jetzt in Franklin, Tennessee wirkend, bleibt mit Zealand der Worship Musik treu, die er bereits während seiner Zeit bei den Newsboys zelebriert hat und so präsentieren sich auch Zealand im eingängigen Pop-Rock Gewand.

Diese christliche Sparte der Rockmusik kann trotz ihres Nischendaseins in Europa, vor allem eine breite Fanbasis in den USA hinter sich versammeln und 71 Millionen Aufrufe des Newsboys-Videos „God’s Not Dead“ auf YouTube zeigen, wie viele Menschen diese Worship-Musik erreicht.

Der radiotaugliche Song „Spirit Sing“ – treffender, einprägsamer Refrain, erinnert stark an den Pop-Rock Kracher „Kings And Queens“ von Thirty Seconds To Mars und „Center Of It All“, als Ed Sheeran-ähnliche Nummer mit Akustik-Gitarren-Intro und Keyboard-Pop, bestimmen die klangliche Tendenz des Albums.

Durchaus anspruchsvolle Stücke wie „Beloved“, „Still“ oder „Land Of The Living“ können hierbei als Beispiele einer modernen kirchenmusikalischen Richtung angesehen werden, die Fortführung traditioneller, christlicher Gospel- und Folkgesänge. Phil Joe war als Songwriter an sämtlichen Tracks auf „Liberated“ beteiligt und hat dabei mit vier verschiedenen Produzenten zusammengearbeitet.

Zealand sind hier konsequent im Pop-Rock Bereich unterwegs. Ein bisschen was von Coldplay, A-ha, mehrstimmiger Backstreet Boys-Gesang oder Simple Minds Passagen, greifen passend ineinander. Immer wieder werden die religiösen Motive in den Songs herausgestellt („My heart and lungs cry out to You, the living God/You make my spirit sing“) und eine wärmende, einladende und hoffnungsvolle Atmosphäre wird inszeniert.

Soweit diese fortwährende, christliche Mission und Absicht die Zuhörer nicht stören, wird passable, abwechslungsreiche und zeitgenössische Kunst geboten. Um „Liberated“ auf sich wirken zu lassen, braucht es daher nicht viel, nur ein wenig Gelassenheit und innerhalb dieser kurzweiligen vierzig Minuten, kann man getrost und unbeschwert eintauchen und dem Trubel der Zeit entkommen.

Word Entertainment (2018)
Stil: Pop-Rock, Christian Rock, Worship Music

01. Spirit Sing
02. Liberated
03. Center Of It All
04. Deeper Water
05. Beloved
06. Still
07. Land Of The Living
08. End Of The World
09. Sanctuary
10. Garden’s On Fire

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Jeff Jensen – Wisdom & Decay – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Das Line-up zu Jeff Jensens neuem Longplayer „Wisdom &Decay“ liest sich fast wie ein kleines „Orchester“. Für die Einspielung hat der US-Bluesrocker zehn Begleitmusiker zusammengetrommelt. Ergänzend kommen auf einigen Tracks noch ein Streicher- sowie ein Gesangsquartett hinzu.

Aufgenommen in vier verschiedenen Studios, u.a. im ruhmreichen ‚Kulttempel‘ von Sam Phillips in Memphis, TN, hat Jensen die Rolle des Produzenten übernommen und hervorragende Arbeit geleistet. Das erhabene Studio an der 639 Madison Avenue in Memphis hat Jensen offenbar nachhaltig inspiriert, da dort viele erfolgreiche Künstler gearbeitet haben (u.a. Elvis Presley, Roy Orbison, Bob Dylan, Johnny Cash, John Prine).

Unter den zehn Songs der LP finden sich neben sieben eigenkomponierten Stücken daher auch drei Coverversionen, die als Neuinterpretationen frisch und modern wirken. Das Little Milton-Stück „I’m Living Off The Love You Give“, als Opener, ein warmer Soul-Blues des alten Stax-Veteranen, verspricht bereits zum Auftakt einen interessanten Querschnitt durch klassische Blues-Gefilde.

Besonders das aus dem Repertoire des experimentierfreudigen US- Singer/Songwriters Tom Waits stammende „Downtown“, vom „Raindogs“-Album (1985),  hat Jensen überzeugend interpretiert. Die dritte Coverversion ist ebenfalls von einem nicht unbedingt dem Blues verbundenen Künstler.

„Tonight I’ll Be Staying Here With You“ von Bob Dylans berühmten „Nashville Skyline“-Album (1969), das er teilweise zusammen mit Johnny Cash eingesungen hat, bewegte sich ursprünglich im Folk-Country-Genre, doch Jensen macht aus diesem Song eine funkig sprühende Bluesnummer.

„2000 Days“ verbreitet im Vergleich zum angenehm Soul fundierten „Good Woman Back Home“ eine relaxte Jazz-Atmosphäre. Jensens Songwriting-Talent wird mit dem, im traditionellen Gospel Blues-Sound performten „Luck Is Gonna Change“ nochmals unter Beweis gestellt. Auf den abschließenden Instrumentalstücken „Something In The Water“, das ein wenig an einen Soundtrack im Stile von Mark Knopflers „Local Hero“ erinnert und „The Water Jam“ läuft die Band erneut zur Höchstform auf und wird von einem Streicherquartett unterstützt.

Jensen ist es mit seinem Album eindrucksvoll gelungen, Tracks aus dem weiten Spektrum des Blues gekonnt zu arrangieren und eigenwillige Aufnahmen abzuliefern. Als Produzent und exzentrischer Interpret, hat er damit ein engagiertes Werk vorgelegt, das ihn in der Reihe der Individualisten unter den modernen Bluesmusikern vorwärts bringen wird.

Jeff Jensen gelingt auf diesem Longplayer der schwierige Spagat, eine große Band passend und zielgenau einzusetzen, ohne die Tracks zu überfrachten. Das ist selbstbewusster und innovativer Blues Rock mit spielerischen Variationen und teilweise auch untypischen Instrumentalisierungen (u.a. Streichern oder Bläsern). „Wisdom & Decay“ ist somit ein bemerkenswertes Werk!

Swingsuit Records (2018)
Stil: Blues (Rock)

01. I’m Living Off The Love You Give
02. 2000 Days
03. Pretend Forevers
04. Good Woman Back Home
05. Downtown
06. Luck Is Gonna Change
07. What We Used To Be
08. Tonight I’ll Be Staying Here With You
09. Something In The Water
10. The Water Jam/Something In The Water Revised

Jeff Jensen
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Modern Earl – 07.06.2017, Freilichtbühne, Mülheim an der Ruhr – Konzertbericht

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Ein gutes halbes Jahr, nachdem ich die Southern Rock-Band Modern Earl im Dortmunder Blue Notez Club zum ersten Mal erlebt hatte, stand der hier, in unserem Land, recht umtriebige Vierer aus Tennessee, bestehend aus Bandchef Christopher ‚Earl‘ Hudson, Ethan Schaffner, Ben Hunt und Dan Telander, erneut auf dem Programm, diesmal mit fotografischer Unterstützung von Freund Gernot, für den die Amis absolutes Neuland waren.

Der gemeinnützige Verein Regler-Produktion mit seinem Vorsitzenden Hans-Uwe Koch (mittlerweile dank Spenden und einiger Sponsoren auch in ein paar soziale Projekte involviert), hatte im Rahmen seiner Mittwochs-Reihe, in die, durch ihn betreute, historische Freilichtlichtbühne (errichtet 1936) in Mülheim an der Ruhr, zur Open Air-Southern Rock-Party geladen.

Während des Tages hatte ich angesichts der zwischenzeitlichen Regengüsse und des, für den Abend, angesagten kräftigen Windes noch so meine Befürchtungen, dass der Aufwand für die Veranstaltung, bei freiem Eintritt, finanziell den Beteiligten nicht gerecht würde und unter Umständen in kalte Tristesse münden würde, zumal Modern Earl jetzt auch nicht gerade unbedingt zu den allseits bekannten Helden der Szene zählen.

Aber die geografisch günstige, windgeschützte Lage der kleinen Bühne (etwas erhöht und seitlich gelegen von dem eigentlichen Amphitheater-ähnlichen Hauptschauplatz, umrandet von kleinen Getränke- und Imbissbuden) im ehemaligen Steinbruch und eine auf der Hinfahrt bereits aufkommende Wetterbesserung zerschlugen die Bedenken. Lediglich eine, sich kurz mit ein paar dicken Tropfen meldende, aber dann sofort wieder verziehende Regenwolke im ersten Set, ließ nochmal kurz den Atem anhalten.

Womit ich allerdings überhaupt nicht gerechnet hatte, war schließlich das Besucheraufkommen. Die mir bis dato völlig unbekannte Location scheint im Laufe der Zeit ein treues Stammpublikum aufgebaut zu haben und so umsäumten den Vorbühnenplatz und die anliegende Wiese des Parks innerhalb der Woche fast 500 Zuschauer (!) aus allen Altersschichten, die ihr Kommen dann absolut nicht bereuen sollten. Auch das prima aufspielende Quartett aus dem Süden der USA dürfte sich somit über eine stattliche ‚per Hut rumgehende‘ Gage gefreut haben.

Modern Earl zogen ihr, in zwei Sets geteiltes Programm, ähnlich wie im Blue Notez durch. Im ersten Teil standen Tracks wie „Whiskey On The Table“ (mit schönen Tempowechseln, Marshall Tucker-Flair), das swampig stampfende „Catfish And Titties“, „Rocky Top“ (Gitarrist Ethan Schaffner am Banjo), mein Lieblingsong der Band, das melodische „Blame The Bottle“ (mit kurzem „Can’t You See“-Intermezzo), Coverstücke wie „Angels From Montgomery“ (der vielseitige Schaffner mit Lap Steel-Slide-Einlagen), „I Know You Rider“ und „Young Blood“, sowie die starke, dezent psychedelische Eigenkreation „Devil’s Playhouse“ (klasse Wah-Wah-E-Gitarren-Solo) zu Buche.

Nach zehn-minütiger Pause gaben die Burschen auch in Part 2 weiter unvermindert Gas und zogen die, zum Teil begeistert vor der Bühne tanzenden und mitsingenden Leute, mit Songs wie „Hot Damn“, die ineinander übergehenden „Dixie“ (im Acapella-Stil) und „Hillbilly Band“, dem groovenden „Road Trippin‘“, dem grandiosen hymnischen „Whiskey Sister“ (mit Southern Rock-typischen E-Gitarrenfinale“ – klasse Twins von Leader Christopher Earl Hudson und Schaffner), der Uptemponummer „Backwoods Betty“ (inkl. Mitsing-Interaktion nach vorhergehender Einweisung durch den ‚Earl‘) sowie dem Countryheuler „Bloody Mary Morning“ (kräftiges Drum-Solo von Telander) mit angeschlossenem „T For Texas“ (Schaffner slidet mit einer Bierflasche) endgültig auf ihre Seite.

Klar, dass mit „Gone To The Country“ und “American Band” da noch zwei Zugaben ‚fällig‘ waren. Ein starker Auftritt von Modern Earl, der sicherlich noch für den einen oder anderen Kauf ihrer CDs, darunter natürlich auch der aktuell angepriesene „Loud And Proud“-Live-Silberling, gesorgt haben dürfte.

Insgesamt eine astreine Werbung für eine mit viel Liebe und ehrenamtlicher Leidenschaft gepflegte, wunderschöne Location mit stimmungsvollem und geschichtsträchtigem Ambiente, als auch für den Nashville-Vierer in eigener Sache und den Southern Rock ganz allgemein. Zu solchen herrlichen Anlässen kommen wir in jedem Fall immer gerne wieder!

Line-up:
Christopher ‚Earl‘ Hudson (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar)
Ethan Schaffner (electric guitar, banjo, lap steel, vocals)
Ben Hunt (bass, vocals)
Dan Telander (drums, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

Modern Earl
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Regler Produktion e.V.

Southern Drawl Band – Elixir – CD-Review

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Die Southern Drawl Band, eine Mischung von Musikern aus Knoxville und Nashville, mit ihrem bereits 4. Album. Das mit diversen regionalen und nationalen Awards bedachte Quintett, das schon mit vielen prominenten Acts und Interpreten wie u. a. Lynyrd Skynyrd,  der Charlie Daniels Band, Jimmy Buffett, Brantley Gilbert, Blackberry Smoke und Justin Moore die Bühne geteilt hat, beschert uns mit „Elixir“ ein herrliches Gebräu aus Country- und Southern Rock-Zutaten vom Feinsten.

Der Fünfer um die beiden Köpfe Mike Nash (lead vocals, guitar) und Jo Edge (lead vocals, fiddle) sowie ihre Mitstreiter David Crow (lead guitar), Paul Wray (bass) und Larry Dunsmore (drums) spielt seit 2012 zusammen und hat mit seiner ‚Southern Rockin‘ Country music with a twist of lime distilled in the backwoods of Tennessee‘ ein Karriere-Highlight abgeliefert. Das Album überzeugt mit seiner variablen kurzweiligen Mischung von der ersten bis zur letzten Sekunde.

Tragischer Weise verstarb ihr brillanter Lead-Gitarrist David Crow nach Beendigung der Aufnahmen, als ein vom Sekundenschlaf übermannter Autofahrer frontal in sein Motorrad fuhr. Ihm ist auf der Innenseite der CD ein emotionales Gedicht („As The Crow Flies“) von einem der Mitkomponisten der Band, Mike Kuhl, gewidmet.

Der Auftakt mit dem Titel  „Damn Sure Comin‘ From Dixie“ lässt auch musikalisch keinen Zweifel an ihrer Herkunft. Ein typischer Stampfer an der Schnittstelle zwischen Montgomery Gentry, Travis Tritt sowie der Charlie Daniels Band und Lynyrd Skynyrd, wobei starke E-Gitarren und Jo Edges markantes Fiddle-Spiel auch im weiteren Verlauf  des Albums immer wieder als Trademarks herausstechen.

Stücke wie „Ghosts Of „New Orleans“, „Somewhere Down The Road“, „Tennessee Line“ oder das finale „You’ll Never Leave Harlan Alive“ (wie eine Bluegrass-Version vom Animals-Hit „Hose Of The Rising Sun“) dienen als Blaupause für die countryeske, rurale, ja grassige Seite der Musiker. Alles wunderbare hoch-melodische, mit viel Liebe zu instrumentellen Details  gestaltete, flockig ins Ohr gehende Songs, wie man sie von Acts wie der Pure Prairie League, Pirates Of The Mississippi oder SR-Bands a la Marshall Tucker Band, CDB oder den Outlaws kennt. Hier schlägt dann auch häufig die Stunde er einzelnen versierten Gäste wie Andy Wood (mandolin), Doyle Grisham (pedal steel) oder Travis Toy (Dobro).

Nash, der sich als Hauptsongwriter für den Großteil des Gesangs verantwortlich zeigt (seine Stimme ähnelt Leuten wie Eddie Montgomery, Travis Tritt oder Bruce Brookshire) und Jo Edge (klingt Eric Church zum Verwechseln ähnlich) ergänzen sich am Mikro vorzüglich (auch mit Harmoniegesängen).

Edges großer Moment ist auf der furios rockigen Cover-Darbietung von Skynyrds einstigem „Mississsippi Kid“, die Ronnie Van Zant sicherlich mit viel Freude und Stolz  im Southern Heaven vernehmen wird. Nash besingt dafür mit der  launigen Uptemponummer  „Rocky Top“ den ‚Hit‘ der Band, der als Video bei einem Football Match im ausverkauften Neyland Stadium in Knoxville vor 102.000 Zuschauern seine Premiere feierte und seitdem bei Spielen in dieser Sportart auch mit viel TV-Präsenz (u. a. bei NBC) gewürdigt wird.

Wenn sich schon Experten wie Lorren Cornelius (früherer Geffen Records Promotions-Chef) und Dermott McCormack (Sony/Viacom Programming) zu Statements wie „Southern Drawl Band is one of the Nation’s hottest emerging bands, ranking top among the best live performances to come along in decades“ und „a must see, swampy grit of modern country combined with a rockin‘ your face off stage performance reminiscent of the days when bands knew how to put on a show“ hinreißen lassen, weiß man, dass man es mit ganz besonderem Stoff zu tun hat.

Auch wir schließen uns dem, mit unserer Begeisterung in Sachen „Elixir“, restlos an und geben die uneingeschränkte Empfehlung: ‚Get’cha some great music‘ von der Southern Drawl Band! Herrliche Musik!

Down Home Records (2016)
Stil: Southern Rock

01. Damn Sure Comin‘ From Dixie
02. Ghosts Of New Orleans
03. Mississippi Kid
04. One Hell Of A Ride
05. Rocky Top
06. She’s My Angel
07. Somewhere Down The Road
08. Tattoo
09. Tennessee Line
10. When Did I Stop Growing Up
11. You’ll Never Leave Harlan Alive

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Bärchen Records

The Dirty Guv’nahs – Somewhere Beneath These Southern Skies – CD-Review

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Die Dirty Guv’nahs ziehen weiter ihre Kreise! Mit ihrem neuen, wundervollen Werk „Somewhere Beneath These Southern Skies“ eröffnet sich das Sextett aus Knoxville/Tennessee nun ganz neue Dimensionen. Trotz bärenstarker Alben im Vorfeld, unzähliger begeisternder Live-Shows, „standout festival appearances at Bonnaroo, Wakarusa, SXSW and others“, sowie einer stetig wachsenden Fanbasis, konnten sich die Mannen um ihren energiegeladenen Frontmann James Trimble und Gitarrist Michael Jenkins (beide auch diesmal wieder hauptverantwortlich für das Songwriting) bisher doch eher nur einen, allerdings hoch geachteten, Insider-Status erarbeiten (Rest des Line-ups: Aaron und Justin Hoskins, Chris Doody und Cozmo Holloway).

Dies dürfte sich mit dem neuen, fantastischen Silberling allerdings schlagartig ändern. Denn diesmal wird das 14 Songs umfassende Werk genau den Zahn der Zeit treffen. Der Band gelingt es glänzend ihre neuen Stücke in einem, und das meinen wir im positivsten aller Sinne, radiotauglicheren Gewand zu präsentieren, ohne dabei auch nur annähernd ihre bisherigen Trademarks zu sehr in den Hintergrund zu drängen. Das heißt, dass sowohl die Fans ihres leicht retro-infizierten, rock’n’roll-getränkten Southern Rocks, so gut wie keine Einbußen zu verkraften haben, aber auch jede Menge neue Fans durch eine sehr peppige und moderne Präsentation ihrer Lieder hinzugewonnen werden dürften.

Ein absolut schwieriger Balanceakt, der grandios gelingt. Das schöne dabei ist, dass ihre Aura einer typischen Live-Band, auch im Studio wunderbar erhalten blieb. Zum Auftakt schreit uns James Trimble direkt aus tiefstem Herzen ein inbrünstiges „Can You Feel It?“ entgegen und dann geht es in typisch euphorischer Guv’nahscher Manier mit dem gleichnamigem Song in die Vollen. Ja, wir fühlen es – und wie! Das ist Musik, die einen regelrecht ansteckt, das spürt man sofort und ist unmittelbar von der herrlichen, rootsigen Instrumentierung und der traumhaften Melodik gefangen. „Yes we do“ möchte man ihm direkt danach am liebsten entgegenschmettern.

Auch im weiteren Verlauf wird der Gute Laune-Pegel mit kleinen Durchatmern („Fairlane“ ein toller, souliger, wunderbar relaxter „Southern-Schwofer“ – klasse Slide-Solo) fast immer am oberen Limit gehalten. Herrlich, wenn beispielsweise bei „Good Luck Charm“ dem typischen Stones-Intro-Riff ein markiger Rocker wie zu besten Bob Seger-Zeiten folgt,.Goßartig hier auch die, in bester Alto Reed-Manier eingestreuten Saxophon Einsätze (arrangiert von Jeff Coffin). Überhaupt fühlt man sich bei vielen Tracks an diverse Größen des Business (Ther Black Crowes, Bruce Springsteen, The Rolling Stones, The Kings of Leon, Sister Hazel) erinnert, ohne aber den eigenen Charme und die eigene Identität einzubüßen.

Das Ganze wird vermutlich zu immens steigenden Popularitätswerten führen, sofern, davon ist aber auszugehen, die Radiostationen mitspielen. Sie finden hier aber tatsächlich einen immensen Fundus an tollen Stücken vor und dürften letztendlich sogar die Qual der Wahl haben, denn Ausfälle gibt es absolut keine. Der von den Hoskins-Brüdern entfachte flammende Rhythmus-Teppich, die immer wieder im Southern Rock verankerten E-Gitarren von Jenkins und Holloway, die raffinierten Orgel- und Piano-Einlagen (mit viel Honkytonk) von Doody und dieser sich immer am Limit zu bewegen scheinende, sich total verausgabende Gesang Trimbles (so eine Mischung aus Chris Robinson und Rob Thomas) sind schon eine Wucht.

Und so kommen die Lobeshymnen arrivierter Magazine wie „The Dirty Guv’nahs sling out boozy, bluesy Southern Rock with plenty of soul, chops and a rugged commitment to prove themselves at every show“, „Youth may be in their blood, but tradition guides their instincts“ oder „The Dirty Guv’nahs don’t just play music; they capture the human experience through song“ nicht von ungefähr. Mit ihrer neuen CD „Somewhere Beneath These Southern Skies“ haben die Dirty Guv’nahs einen echten Meilenstein in ihrer Karriere gesetzt. Energiegeladener, richtig Laune machender, herrlicher Southern Rock’n’Roll vom Feinsten, in der Tradition der Stones, Black Crowes, Georgia Satellites, Bob Seger, Faces & Co., der einen richtig mitreißt. „You will feel it“…

Dualtone Music Group (2012)
Stil: Southern Rock

01. Can You Feel It
02. Don’t Give Up On Me
03. Good Luck Charm
04. Temptation
05. Honey You
06. Live Forever
07. 3000 Miles
08. This Is My Heart
09. Fairlane
10. Lead Kindly Light
11. Dear Alice)
12. Child)
13. Goodnight Chicago
14. One Dance Left

The Dirty Guv’nahs
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