Modern Earl – 26.11.2016, Blue Notez, Dortmund – Konzertbericht

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Eigentlich hatte ich den aus Sounds Of South-Sicht ziemlich anstrengenden November in Sachen Konzerte schon gedanklich abgehakt und am Ende, nach diversen Terminen/Erledigungen am Tag, einen gemütlichen Fernseh-Abend auf der Couch geplant, zumal auch noch mein Kopf von der schönen Betriebsfeier der Firma, in der ich meine Penunzen verdiene, im ansehnlichen Lokschuppen in Bottrop, vom am Abend vorher, noch ein wenig brummte.

In Zeiten sozialer Netzwerke wird man ja mit Informationen regelrecht überflutet. Das meiste kann man schnell ad acta legen, sie haben aber auch zum Teil den Vorteil, dass man mit der Nase auf Dinge gestoßen wird, die einem vorher nicht bekannt waren oder die man vielleicht aus irgendwelchen Gründen ignoriert hätte.

Unser freier Mitarbeiter Peter Schepers hatte mich auf seinen Besuch eines Gigs von Modern Earl im Dortmunder Blue Notez aufmerksam gemacht und spätestens nach dem Ansehen ihres Clips zu „Hillbilly Band“ (der launige Song war natürlich auch mit im Programm), sagte mir mein Instinkt, dass man sich den Vierer aus Nashville nicht entgehen lassen sollte. Also hieß es, nochmals die Kräfte zu bündeln und ab nach Dortmund, wo das nette umd hilfssbereite Blue Notez-Team noch schnell die Akkreditierung klar machte.

Fotograf Peter war ja vor Ort und so kam es dann auch zu unserer ersten gemeinsamen Zusammenarbeit. Der klotze im Stile eines früheren Dortmunder Mittelstürmers natürlich richtig rein, und knipste unter vollstem Körpereinsatz, aus und in allen erdenklichen Lagen. Vorbildlicher Einsatz! Herzlichen Dank!

Der Vierer aus Nashville mit dem bulligen Fronter Christopher Earl Hudson (ein echter raubeiniger Redneck-Typ, aber unheimlich nett, typische Genre-Stimme), Ethan Schaffner, Ben Hunt und Dan Telander, stiegen nach dem Motto, das sie vermutlich auf ihre eigene Fahne geschrieben haben, ‚Paid To Party‘, in das in zwei Sets angelegte Konzert ein. Im Mittelpunkt stand natürlich das aktuelle Modern Earl-Live-Werk, das im Rahmen des anstehenden Weihnachtsfestes als Geschenk u. a. auch gesanglich angepriesen wurde („… I’ll wish you a happy Christmas, if you buy our CD…“, eingebunden in eine starke ruppige Cover-Version von „T For Texas“).

Thema Cover-Stücke: Die Band hatte neben besagtem „T For Texas“ (Schaffner slidet mit Bierpulle) einige Nummern im Programm, die man eigentlich schon zu Genüge vorgeduddelt bekommen hat („I Know You Rider“, „Angel From Montgomery“ und „Sweet Home Alabama“), präsentierte die aber in solch fulminanten und teilweise ungewöhnlichen Versionen, dass man durchaus mehr als angetan war. Gerade das inflationäre  Skynyrdsche „SHA“ wurde in einer derart punkigen Speedversion abgerockt, dass einem wirklich die Spucke weg blieb. Da können sich die Original-Wiederkäuer mal eine Scheibe von abschneiden.

Mich persönlich interessierten natürlich die eigenständig kreierten Stücke des Quartetts am meisten. Auch die wussten allesamt zu überzeugen. „Whiskey On The Table“ (klassischer Southern Country Rock) , „Catfish & Titties“ (fetter Stampfer, Slide-Solo), mein Highlight des Abends „Blame The Bottle“ (wunderbar fluffiger melodischer (New) Country Rock, mit kurzem „Can’t You See“-Intermezzo) oder das wuchtige „Devil’s Playhouse“ (ein swampiger Southern Blues Rocker) hießen die Kostproben des ersten Sets, klasse hier zudem der alte, seiner Zeit durch die Osborne Brothers bekannte Blue Grass-Heuler „Rocky Top“, bei dem der starke Gitarrist Ethan Schaffner (eine Art Keith Urban-Typ, bis dato zunächst eine Telecaster bedienend) auch seine variable Spielfreudigkeit am Banjo (dazu auch mit Einsätzen an der Lap Steel) offerierte.

„Hot Dam“ (sehr schön shaky) , das bereits angeführte „Hillbilly Band“ (Schaffner mittlerweile mit einer Flying V-Gitarre zu Gange, starkes E-Solo), „Road Trippin'“ (lässig groovend), „Whiskey Sister“ (hymnisch, Twin-Part, Highlight!), „Backwoods Betty“ (flockiges Uptempo), „That Girl Can Drink“ (aus der Feder von Ethan, swampiger SR)  und „Bloody Mary Morning“ (grassiger Countryfeger mit Banjoführung, energiegeladenes Drum Solo am Ende von Dan Telander) bewiesen, dass die Jungs aus Tennessee, immenses Kreativ-Potential in sich stecken haben. Zu erwähnen sind sicher auch die gut sitzenden Harmoniegesänge der drei Musiker in vorderster Front, teilweise auch im Accapella-Stil.

Das brandneue „Gone To The Country“ wurde als erste Zugabe performt, bevor dann das furiose „Sweet Home Alabama“ mit eingestreutem „Walk On The Wild Side“-Zwischenpart einen höchst unterhaltsamen Gig beendete.

Fazit: Gut, dass man verlässliche Freunde in sozialen Netzwerken hat und auch schön, dass man sich auf seine Intuitionen noch verlassen kann, sowie keine spontanen Aktionen scheut. Ansonsten wäre diese starke und sympathische Band vermutlich an mir vorbeigerauscht. Modern Earl stehen ab jetzt in jedem Fall immer auf der To-Do-Liste, sollte irgendetwas im Rahmen dieses Magazins anstehen. Eine tolle energiegeladene und mitreißende Southern-Truppe!

Line-up:
Christopher Earl Hudson (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar)
Ethan Schaffner (electric guitar, banjo, lap steel, vocals)
Ben Hunt (bass, vocals)
Dan Telander (drums)

Bilder: Peter Schepers
Bericht: Daniel Daus

Modern Earl
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Blue Notez Dortmund

Ein Gedanke zu „Modern Earl – 26.11.2016, Blue Notez, Dortmund – Konzertbericht“

  1. Habe mit meiner „Ronnie Gaines Band“, im September letzten Jahres als Support für die Jungs in Bad Harzburg gespielt und kann nur Deinen Eindruck bestätigen, dass sie super symphatisch sind und live mächtig was her machen. „Whiskey Sister“ ist ein Song, der mir jedes mal, wenn ich ihn höre, eine Gänsehaut verursacht. Eine der geilsten Southern Rock Balladen der neuen Generation.
    Der zweite gemeinsame Gig ist leider geplatzt, aber ich hoffe die Truppe bald mal wieder zu sehen.
    Wer dazu die Gelegenheit hat: Unbedingt hingehen. Es lohnt sich.

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