Bones Owens – Best Western – CD-Review

Review: Michael Segets

Nach der Besprechung vieler Alben von Singer/Songwritern liegt nun wieder eine gute, laut zu hörende Rockscheibe auf dem Teller beziehungsweise in meinem CD-Player. Es handelt sich um den dritten Longplayer von Bones Owens, der den Titel „Best Western“ trägt. Nach seinem ersten, straight rockenden, selbstbetitelten Longplayer (2021) und dem Nachfolger „Love Out Of Lemons“ (2024), bei dem etwas Country anklang, dachte ich, dass sich Owens nun ganz diesem Genre zuwendet. Das stellt sich als Fehlannahme heraus.

Der in Nashville lebende Mann aus Missouri ist zwar mit der Musik von Johnny Cash und Hank Williams aufgewachsen, hat mit Country auf dem aktuellen Album aber wenig am Hut. Höchstens bei „Here Is Not My Home“ kann mit etwas gutem Willen eine Verbindung zum Alternative Country hergestellt werden. Der Name des Werks bezieht sich auf ein Hotel, in dem er zusammen mit Yelawolf während der Arbeit am Westernfilm „Day Of Reckoning“ residierte. Nachdem Owens schon bei Veröffentlichungen von Yelawolf mitwirkte, übernimmt dieser nun einen Rap-Part auf dem Titelsong von Owens‘ Scheibe.

Vor einem Jahr war Owens noch mit Blackberry Smoke in Köln. Die fünfzehn Stücke sind allesamt nach der letzten Tour entstanden. Am gradlinigen „Come Down To It“ schrieb Matt Thiessen mit, ansonsten entstammen alle Owens‘ Feder. Die selbstproduzierte Umsetzung der Kompositionen erfolgte ebenfalls nahezu im Alleingang. Lediglich Julian Dorio (Amanda Shires) übernimmt das Schlagzeug und Paul Moak (Marc Broussard) steuert an manchen Stellen Keyboard und B3-Orgel bei.

Im Vergleich zu seinem Debütalbum hat das Songwriting und der Sound an Variabilität gewonnen, was sich bereits auf „Love Out Of Lemons“ abzeichnete. Was ehedem fast durchgehend kräftig schepperte, zeigt nun mehr Facetten. Die Single „Old Time Low“ ist ein Rock’n Roll alter Schule. „Silver Spoon Blues” geht – wie der Titel schon nahelegt – in Richtung Bluesrock. Bei den eingestreuten langsameren Beiträgen orientiert sich Owens ebenfalls am Blues wie auf „Don’t Nobody Wanna Be Alone“ oder in einer entspannten Spielart auf „Sunday Fix“.

Insgesamt überwiegen aber die raueren Töne („Talkin‘ Loud“), gelegentlich mit einem Garage-Einschlag („Radiator Soup“, „Demolition“). Beim dunkel groovenden Opener „Before I’m In The Grave“ mischt etwas Southern mit – ein ziemlich starkes Stück. Kurz und knackig schallt „Time Bomb“ zum Abschluss aus den Boxen. Spaß macht auch „In The Wind“, bei dem T. Rex grüßen lässt. Als Inspirationsquellen der Songs werden etliche Bands genannt: von den Stones, über ZZ Top bis hin zu den Ramones.

Bones Owens vereint Einflüsse quer durch die Subgenres des Rocks. „Western Love“ ist daher deutlich facettenreicher als sein Debüt. In den letzten vier Jahren hat Owens als Songwriter einen Sprung vorwärts gemacht. Gleich geblieben ist die Energie, mit der er seine Kompositionen performt.

Black Ranch Records/Thirty Tigers – Membran (2025)
Stil: Rock

Tracks:
01. Before I’m In The Grave
02. Come Down To It
03. In The Wind
04. Old Time Love
05. Sunday Fix
06. Pay No Mind
07. Best Western (feat. Yelawolf)
08. Silver Spoon Blues
09. Talkin’ Loud
10. My Baby’s Gone
11. Radiator Soup
12. Demolition
13. Here’s Not My Home
14. Don’t Nobody Wanna Be Alone
15. Time Bomb

Bones Owens
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Rodney Crowell – Airline Highway – CD-Review

Review: Michael Segets

Auf dem letzten Album „The Chicago Sessions“ (2023) schlug Rodney Crowell einen Bogen zurück zu seinen musikalischen Anfängen und wurde dafür mit einer Grammy-Nominierung belohnt. Nun legt er den Fokus auf den Moment und setzt sich das Ziel, mit seiner Arbeit zufrieden zu sein. Dies kann er mit „Airline Highway“ sein. Crowell integriert frisches Blut in seine Produktion, indem er sich Musiker*innen der ihm nachfolgenden Generation ins Boot holt. Wenn man so will, richtet der Fünfundsiebzigjährige damit den Blick auch in die musikalische Zukunft.

Ob nun die Zusammenarbeit mit den jüngeren Musiker*innen als deren Förderung oder als marketingtechnischer Kniff interpretiert werden mag, um den Kreis der Hörerschaft zu erweitern, sei dahingestellt. Crowell ist von den Werken seiner Kolleg*innen begeistert und sagt, dass er eine besondere Verbindung zwischen ihm und den anderen Mitwirkenden während der Kollaboration entstand. Die beteiligten Musiker*innen geben ihrerseits an, dass er einen wichtigen Beitrag zu ihrer Entwicklung leistete.

Crowell begann als Songwriter für andere Country-Größen wie Jerry Jeff Walker, Johnny Cash oder (Willie Nelson, der in diesem Jahr ein Album ausschließlich mit Songs von Crowell herausbrachte. In den 1980ern startete Crowells erfolgreiche Solo-Karriere mit etlichen Hits.

Wie nicht anders zu erwarten, führt die Zusammenarbeit mit Lukas Nelson und Charlie Starr von Blackberry Smoke zu eher rockigen Resultaten. Lukas Nelson verfasste „Rainy Day In California“ mit und singt gemeinsam mit dem Altmeister. Charlie Starr ist bei „Heaven Can You Help“ am Mikro zu hören. Aber auch ohne die Unterstützung der Jungspunde weiß Crowell, wie man Uptempo-Nummern spielt („Don’t Give Up On Me“).

Der Texaner ist ursprünglich in der Country-Ecke beheimatet. Auf „Sometime Thang” frönt er dem Genre ganz Old-School. Der Titel ist rund und melodiös. Mehr Schwung hat „The Twenty-One Song Salute (Owed To G. G. Shinn And Cléoma Falcon)”, bei dem Tyler Bryant mitmischt. Die Schwestern Lovell von Larkin Poe begleiten Crowell auf dem sommerliches Flair versprühende „ Louisiana Sunshine Feeling Okay”. Sehr gefühlvoll ist sein Duett mit Ashley McBryde inklusive einem schönen Gitarrensolo am Ende des Songs. Bei dem Stück passt auch die gesprochene Bridge. Sprechgesang – von dem ich kein großer Freund bin – findet sich bei den Werken von Crowell häufiger. Er erscheint mir auf „Simple (You Wouldn’t Call It Simple)” zu dominant.

Crowell nutzt für seine Texte selbstverständlich seine Lebenserfahrung. Ein Rückblick auf vergangene Liebschaften und Beziehungen zu Frauen nehmen so einen wichtigen Raum ein („Maybe Somewhere Down The Road“, „Some Kind Of Woman“). Dabei räumt er ein, dass manche Gefühle mittlerweile nicht mehr zu vergegenwärtigen sind und Erinnerungen verblassen: Fluch und Segen des fortgeschrittenen Alters.

Für „Airline Highway“ holt sich Rodney Crowell eine Riege namhafter Musiker*innen ins Studio. Mit dem Staraufgebot bestehend aus Lukas Nelson, Larkin Poe, Ashley McBryde, Tyler Bryant und Charlie Starr kann eigentlich nichts schief gehen. So gelingt dem Routinier ein abwechslungsreiches und belebendes Album, das trotz der selbst verschriebenen Verjüngungskur seine Handschrift trägt.

New West Records – Bertus (2025)
Stil: Americana

Tracks:
01. Rainy Day in California (feat. Lukas Nelson)
02. Louisiana Sunshine Feeling Okay (feat. Larkin Poe)
03. Sometime Thang
04. Some Kind Of Woman
05. Taking Flight (feat. Ashley McBryde)
06. Simple (You Wouldn’t Call It Simple)
07. The Twenty-One Song Salute (Owed To G. G. Shinn And Cléoma Falcon) (feat. Tyler Bryant)
08. Don’t Give Up On Me
09. Heaven Can You Help (feat. Charlie Starr)
10. Maybe Somewhere Down The Road

Rodney Crowell
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New West Records
Oktober Promotion

Mathias Schüller – Das zarte Geräusch des Flügelschlages einer Libelle – CD-Review

Review: Michael Segets

Auf der Website von Mathias Schüller steht geschrieben, dass er auf der „Suche nach dem Besonderen, seinem ureigenen Klang“ sei. Ich kenne zwar nur die letzten drei seiner nunmehr fünf Alben, würde aber behaupten, dass Schüller seinen markanten, unverwechselbaren Sound längst gefunden hat: „Das zarte Geräusch des Flügelschlages einer Libelle“ knüpft nahtlos an „Wodka Wodka Superstar“ (2020) und „Dunkel:Rot“ (2023) an. Aber ein Künstler spürt wahrscheinlich immer dem nächsten, perfekten Ausdruck nach.

Auf dem aktuellen Longplayer fährt Schüller die rockigen Anteile, die allerdings bei „Reichtum & Ruhm“ nochmal anklingen, etwas zurück. „Das zarte Geräusch des Flügelschlages einer Libelle“ bietet durchgängig anspruchsvolle Singer/Songwriter-Kost mit variablen Rhythmen. Multiinstrumentalist Schüller komponierte, textete und spielte alle zehn Songs alleine ein. Für die Tontechnik zeichnet Markus Holzapfel verantwortlich. Das Booklet des schön aufgemachten Digipacks umfasst die Texte und ergänzende Angaben zur Entstehung der Stücke sowie den jeweiligen Inspirationsquellen.

Dass Schüller diese Hinweise gibt, ist sinnvoll, da sie zum verstehen seiner Lyrics beitragen. Die ohnehin anspruchsvollen Texte sind nach meinem Eindruck diesmal noch einen Deut schwieriger ausgefallen als auf den vorherigen Alben. So ist es bei „Only Lovers“ sicherlich hilfreich, den Film von Jim Jarmusch „Only Lovers Left Alive“ (2013) zu kennen, um die angestellten Bezüge einordnen zu können. Autoren der literarischen Hochkultur wie T.C. Boyle („Freaky Freak“, „Süßes Nichtstun Rosa Wolken“) oder Arno Schmitt („Reichtum & Ruhm“) zieht Schüller als Referenzen heran. Dabei nennt er auch „Das Treibhaus“ von Wolfgang Koeppen. Zu dem Werk belegte ich vor Jahrzehnten mal ein Seminar, welches ich – soweit ich mich erinnere – nicht durchzog.

Anregungen für seine Werke schöpft Schüller aus einer breiten Palette von Bands und Musikern unter anderem von 10CC, Johnny Cash, Bing Crosby, Einstürzende Neubauten, Foreigner, Steve Miller, Pink Floyd, Queen, Radiohead, Bruce Springsteen und Jack White. Die Verbindungen spiegeln sich eher auf der inhaltlichen Ebene seiner Songs als in seinen Kompositionen wider. Die Tracks wimmeln von Anspielungen. Diese zu erkennen ist nicht immer ganz leicht und gelingt wohl am ehesten, wenn man eine ähnliche Sozialisation wie Schüller durchlaufen hat. Die Bezüge aufzuspüren macht zwar Spaß, gelegentlich verstellt jedoch eine gewisse poetische Sprunghaftigkeit den Blick auf die Stories oder die Situationen, um die es in den Liedern geht.

Klar ist die Aufforderung bei „Tanz“, der ersten Single und sicherlich einem der eingängigsten Stücke auf dem Album. In dem Video scheinen erfrischende, selbstironische Züge durch. Die silberne Hose von Schüller ist freaky. Es überrascht mich dabei weniger, dass er anlässlich der Nummer eine solche trägt, sondern eher, dass er überhaupt eine solche besitzt.

Mathias Schüller bewegt sich mit seinem Songwriting weiterhin abseits des Mainstreams. Die Komplexität der Texte, die Schüller mit zahlreichen Querverweisen zu Film, Literatur und Musik spickt, stellt die Hörenden zum Teil vor intellektuelle Herausforderungen. Musikalisch bleibt er auf „Das zarte Geräusch des Flügelschlages einer Libelle“ seiner Linie und dem ihm eigenen Sound treu.

Bis Anfang Oktober tourt Schüller mit zahlreichen Konzerten durch Deutschland.

Timezone Records (2025)
Stil: Singer/Songwriter/

Tracks:
01. Freaky Freak
02. Rattenscharf
03. Room For Free
04. Tanz
05. A Taturanta Tomba (Für Immer Heinz)
06. Only Lovers
07. Fieber
08. Reichtum & Ruhm
09. Fliegen
10. Süßes Nichtstun Rosa Wolken

Mathias Schüller
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Timezone Records

Jason Isbell – Something More Than Free (10 Year Anniversary Edition) – Album-Review

Review: Michael Segets

Jason Isbell sorgt konsequent dafür, dass seine früheren Werke greifbar bleiben. Im Vergleich zu dem vor zwei Jahren erschienenen Paket zu „Southeastern“, das neben der remasterten Version des Albums Demoversionen und einen Konzertmitschnitt umfasst, fällt die Jubiläumsausgabe zum zehnten Jahrestag der Erstveröffentlichung von „Something More Than Free“ bescheidener aus.

Das Album wurde von Sylvia Massy (Tom Petty, Johnny Cash, Prince) neu abgemischt und bietet mit „Should I Go Missing“ einen Track, der nicht auf dem Original vertreten ist. Das bisher unveröffentlichte Stück mit dominanter Slide-Gitarre und hallverzerrtem Gesang führt das weiter, was mit „Palmetto Rose“ und „To A Band That I Loved“ am Ende des ursprünglichen Longplayers bereits anklingt. Insgesamt integriert sich der bluesorienierte Song aber nicht ganz nahtlos in das eher folkorientierte Werk. Er ist dennoch ein guter Beitrag, der als Ergänzung lohnt.

Das 2015 erschienene „Something More Than Free” bescherte Isbell seine beiden ersten Grammy-Awards. Ausgezeichnet wurde es als Americana-Album des Jahres und „24 Frames“ gewann in der Kategorie American Roots Song den Preis. Produziert hat Dave Cobb und an der Einspielung waren Amanda Shires, Sadler Vaden sowie weitere Mitglieder von „The 400 Unit“ beteiligt. Wann Isbell Solo-Alben und wann er welche mit „The 400 Unit“ veröffentlicht, erschließt sich mir nicht immer. „Something More Than Free” wird jedenfalls als Solo-Scheibe gezählt.

Neben „24 Frames“ und „Flagship“, die als Klassiker von Isbell gelten können, finden sich einige weitere Stücke, die zum gängigen Live-Repertoire gehören. So sind der Titelsong sowie „This Life You Chose“ auf der ersten CD aus dem Ryman Auditorium vertreten. „Speed Trap Town“ spielte Isbell auf der diesjährigen Akustiktour in Deutschland. Das von der Kritik hoch gelobte „Something More Than Free” enthält also einige Publikumslieblinge. Zu meinen Favoriten auf dem Album gehört der Folksong mit gospligen Refrain „If It Takes A Lifetime“.

„Something More Than Free” gehört in jede gut sortierte Americana-Sammlung. Wenn diese komplettiert werden soll, bietet es sich an, zur neu abgemischten und um einen Song erweiterten „10 Year Anniversary Edition“ zu greifen. Digital ist die Jubiläumsausgabe bereits erhältlich, als CD und LP ist sie für den 3. Oktober 2025 angekündigt.

Southeastern Records – Thirty Tigers/Membran (2025)
Stil: Americana

Tracks:
01. If It Takes A Lifetime
02. 24 Frames
03. Flagship
04. How To Forget
05. Children Of Children
06. The Life You Chose
07. Something More Than Free
08. Speed Trap Town
09. Hudson Commodore
10. Palmetto Rose
11. To A Band I Loved
12. Should I Go Missing

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Thirty Tigers
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Kulturkirche Köln

Phil Lynott – I Am Just A Cowboy – CD-Review & Gewinnspiel

Soweit ich weiß, dürfte jeder Southern Rock-Liebhaber meiner Generation und vermutlich darüber hinaus, auch einen Faible für die Musik von Thin Lizzy besitzen. Jeder davon wird sich vermutlich zumindest ihr legendäres Doppel-Live Album (und natürlich einige der tollen Studiowerke) zugelegt haben.

Ich hatte in der 9. und 10. Klasse des Rheinberger Amplonius Gymnasiums einen Englisch-Lehrer namens Paul Jenkins, der aus Dublin stammte und über ’sieben Ecken‘ mit der Familie Lynott verwandt gewesen ist. Er war es auch, der damals Songbesprechungen bei uns im Unterricht einführte.

Premiere feierte natürlich eine Single von Thin Lizzy aus der „Jailbreak“-Phase. Wir hielten auch nach seiner Rückkehr nach Irland bis zum heutigen Tage losen Kontakt.  Vor gut einem Jahr berichtete er mir, dass er bei einem Umzug einer Lynott-Großnichte geholfen hatte und im Keller in einem Karton eine runde Metall-Schatulle mit der Beschriftung „N.T. ’82“ gesehen hatte.

Die Nichte Rosalie gab im zu verstehen, dass diese samt Inhalt schon viele Jahre lang unbeachtet vor sich hinschlummerte und dass er sie als Dank für seine Hilfe gerne mitnehmen könne. Paul schickte mir, wissend um meine Magazin-Tätigkeit, das inkludierte Tonband, mit dem Vermerk, dass ich es gerne behalten könne. Es war erstmal gar nicht so einfach für mich, überhaupt jemanden zu finden, der das Tape mit einem kompatiblen Gerät noch abspielen konnte.

Nach  der ‚audiophilen Sichtung‘ blieb mir der Mund förmlich offen stehen. Es handelte sich zweifelsfrei um Countrysongs mit der Stimme von Dublins berühmten ‚Sohn‘ Philip Lynott, die sich auch von der musikalischen Qualität her überraschend gut anhörten. Um vermeintlichen rechtlichen Streitigkeiten aus dem Weg zu gehen, nahm ich dann über Paul sicherheitshalber Kontakt zur Nichte auf und wir einigten uns auf einen Betrag von 1.500 Euro, mit dem sie mir sämtliche Übertragungsrechte schriftlich zusicherte (Bild-Credit: Danke an den werten Kollegen Jochen von Arnim, aufgenommen neben der Lynott-Statue in Dublin).

Parallel hatte ich Kontakt zu einem bekannten Lynott-Chronisten und auch zu Brian Downey aufgenommen, die mir beide unabhängig von einander bestätigten, dass Phil ein großer Countrymusikfan war und sich in der Zeit vor seinem Tod im Jahr 1986 immer wieder (meist unabgesprochen) für mehrere Wochen nach Nashville begeben hatte, was neben seinen Drogenproblemen zu weiteren Spannungen innerhalb seiner Stamm-Band beitrug.

Zudem hatte er dort wohl ein sehr freundschaftliches Verhältnis zu Johnny Cash (zwei Stücke sind hier von ihm mit Phil zusammen komponiert) samt Gattin June aufgebaut und war einige Male auf dessen Farm zu Gast gewesen (als Beleg kann man hier, den diesen beiden  gewidmeten Track „Johnny The Cash Meets Junnie The Sweet“ hören).

Das Tape offenbarte letztendlich 13 Songs mit diversen Lynott-Kompositionen, inklusiv einiger Countryvariationen von bekannten Thin Lizzy-Klassikern wie „Southbound“, “ That Woman’s Gonna Break Your Heart“ und „Cowboy Song“ sowie eine furiose basslastige Version von Cashs „Folsom Prison Blues“, bei der Johnny gut erkennbar die  Backgroundvocals singt.

Den Recherchen zufolge hatte dieser für Phil wohl auch den Kontakt zum legendären Nashville A-Team mit den Gitarristen Hank Garland, Ray Edenton (dazu hier Mandoline, Ukelele und Banjo), Fred Carter,  Jr., Larrie Londin (Drums), den Keyboardern Floyd Cramer und  Owen Bradley, den Fiddle- und Steel Guitar-Playern Johnny Gimble  und Buddy Emmons hergestellt, das vermutlich, neben dem Protagonisten am Mikro (Phil versprüht auch hier, wie eh und je, sein energiegeladenes stimmliches Charisma) und Bass , für die musikalische Begleitung gesorgt hatte.

Speziell Owen Bradley, der als einer der frühen Architekten des Nashville-Sounds gilt, lieferte mit seinem berühmten Scheunen-Studio (Bradley’s Barn) die Räumlichkeiten und technischen Voraussetzungen zur Umsetzung des Projekts.

Ominös bleibt natürlich die „NT ’82“-Beschriftung der Schatulle (und auch der vergilbte Zettel innerhalb mit den Credits, aus denen man zumindest auf die Songtitel, besagte Musiker und Songwriter Rückschlüsse ziehen konnte), die meiner Ansicht nach als Abkürzung für „Nashville Tapes 1982“ stehen könnte. Ich habe das Band am Ende im Redroom Recording Studio des Rheinberger Musikers und Produzenten Heiko Dürr (u. a. Betontod) professionell digital ver- und nachbearbeiten lassen. Kompliment, was er letztendlich aus dem Band ‚herausgeholt‘ hat. Zu guter Letzt haben wir uns für den Album-Titel „I Am Just A Cowboy“, in Anlehnung an Phils Passion und den auch hier ganz am Ende vertretenen Thin-Lizzy-Klassiker „Cowboy Song“ entschieden.

Aus Kostengründen haben wir die CD in einem einfachen Pappschuber produzieren lassen (auf der Rückseite stehen lediglich die Songtitel), was dem Charme der damaligen Zeit aber eine durchaus gelungene Referenz erweist. Die CD mit einer Auflage von zunächst 1.000 Exemplaren, kann bei uns für 20 Euro (gegen Vorkasse) erworben werden. Bestellungen bitte an unsere SOS-Emailadresse (siehe auch unten beim Gewinnspiel erwähnt).

Ich habe jeweils vorab ein Exemplar an Rosalie und Paul als Dank versendet, die jedenfalls vom Ergebnis her hellauf begeistert waren!

Fazit: Wir meinen, herrlicher Outlaw Country Rock mit der typischen  Power und dem Feeling von Phil Lynott – Hammer!

Wir verlosen natürlich drei Exemplare von „I Am Just A Cowboy“  wieder an unsere treuen Leserinnen und Leser.

Folgende Frage muss dazu richtig beantwortet werden:

Auch wenn der Name Phil Lynott immer mit der Stadt Dublin in Verbindung gebracht wird – in welcher englischen Grafschaft wurde er tatsächlich geboren?

a) Staffordshire
b) Yorkshire
c) Shepherdshire

Bitte sende eine E-Mail mit der richtigen Lösung bis zum 01.04.2025 (vor 24:00 Uhr) an dan@sounds-of-south.de.
Wir losen unter allen richtigen Einsendern drei Gewinner/innen aus, die dann umgehend benachrichtigt und mit der CD beliefert werden,

DanD. Records (2025)
Stil: Outlaw Country (Rock)

Tracklist:
01. Whiskey In The Bar 
02. Tailgate 
03. Emalie
04. Southbound
05. Johnny The Cash Meets Junnie The Sweet
06. Singing In The Sunlight 
07. The Shocker
08. That Woman’s Gonna Break Your Heart
09. Folsom Prison Blues
10. White Rose
11. Sad Situation
12. No More Love With You
13. Cowboy Song

Thin Lizzy
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Charley Crockett – $10 Cowboy Chapter II: Visions Of Dallas – Digital-Album-Review

Review: Michael Segets

$10 Cowboy” wurde von Kritik und Publikum sehr positiv aufgenommen. Nach gerade mal drei Monaten schiebt Charley Crockett nun „$10 Cowboy Chapter II: Visions Of Dallas” hinterher. Ungeachtet üblicher Veröffentlichungsrhythmen gibt Crockett dann seine Musik heraus, wenn er es für richtig erachtet. Nun war anscheinend der optimale Zeitpunkt für ihn gekommen und seine Fans werden ihm das neue Album sicherlich nicht verübeln. Die Produktion der Hard-Copies dauert dann aber doch noch eine gewisse Zeit. LP und CD erscheinen am 29.11.2024.

Die selbst für Crockett ungewöhnlich schnelle Herausgabe neuen Materials hat seinen Grund darin, dass die Tracks auf „$10 Cowboy Chapter II: Visions Of Dallas” bereits bei den Sessions für „$10 Cowboy” aufgenommen wurden. Die Überlegung stand seinerzeit im Raum, ein Doppelalbum fertigzustellen, aber Crockett entschied sich für zwei getrennte Longplayer. Das von Taylor Grace geschriebene „Visions Of Dallas“ inspirierte ihn dazu, den Songs, die um thematisch um Dallas und Texas kreisen, ein gesondertes Werk zu widmen. So erklärt sich dann auch der etwas sperrige Albumtitel.

Crocketts neues Werk umfasst zwölf Tracks, von denen er die Hälfte selbst verfasst oder zumindest mitgeschrieben hat. Er covert Songs von Ringo Starr beziehungsweise Bobby Pierce („Loser’s Lounge“), den Osborne Brothers („Lonesome Feeling“), Hoyt Axon („Trouble And Misery“) sowie von Johnny Cash („Crystal Chandeliers And Burgundy”). Bei Bob Dylans „Goodbye Holly” nimmt Crockett Veränderungen am Text vor. Eigenkompositionen und Coverstücke wechseln sich ab und fügen sich nahtlos ineinander. Das Konzeptalbum hinterlässt somit einen homogenen Eindruck. Stilistisch weist es eine geringere Bandbreite auf als das vorherige, aber es gibt keine Lückenfüller.

Crockett liefert erneut New Traditional Country auf gewohnt hohem Niveau. Insidern wird das soulige „How Low Can You Go“ bekannt sein, das er bereits 2019 veröffentlichte. Ebenfalls typisch ist die Kürze der Songs. Deren Länge liegt meist unter drei Minuten und selbst der längste Track „20/20 Vision“ erreicht keine vier Minuten. „$10 Cowboy Chapter II: Visions Of Dallas” bleibt daher ein kurzes Vergnügen – aber ein Vergnügen.

Vor allem „Killers Of The Flower Moon“ ist dabei hervorzuheben. Thematisch greift der Song die Geschichte des gleichnamigen Films (2023) von Martin Scorsese auf, zu dem der im letzten Jahr verstorbene Robbie Robertson (The Band) den Soundtrack schrieb. Besonders bemerkenswert ist ebenso das sanfte „Loretta“. Dort lässt Crockett seine Stimme an manchen Stellen abfallen, was an den Gesang von Chuck Prophet erinnert.

Mit „$10 Cowboy Chapter II: Visions Of Dallas” lässt Charley Crockett keine Zweifel daran, wer der King of New Traditional Country ist. Den Mix aus Eigenkompositionen und Covern fügt Crockett in gewohnt souveräner Art zu einem stimmigen Album zusammen, mit dem er seinen Heimatstaat Texas würdigt.

Son Of Davy – Thirty Tigers/Membran (2024)
Stil: New Traditional Country

Tracks:
01. Visions Of Dallas
02. Avoiding Mirrors
03. Trouble And Misery
04. Killers Of The Flower Moon
05. Crystal Chandeliers And Burgundy
06. How Low Can You Go
07. Lonesome Feeling
08. Charlene
09. Losers Lounge
10. 20/20 Vision
11. Loretta
12. Goodbye Holly

Charley Crockett
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Jack McBannon – Tennessee – CD-Review

Review: Michael Segets

Der Wuppertaler Thomas Willer veröffentlichte 2021 unter seinem neuen Künstlernamen Jack McBannon das Album „True Stories“. SoS-Kollege Stephan Skolarski hatte seinerzeit das Werk, mit dem sich McBannon aufmachte, seine Country-Wurzeln zu erkunden, als zukunftsweisend eingeschätzt. Recht hat er behalten. Für den nun vorliegende Nachfolger „Tennessee“ nutzte McBannon die Chance, an geschichtsträchtigem Ort den eingeschlagen Pfad weiter zu verfolgen. „True Stories“ überzeugte nämlich nicht nur den SoS-Redakteur, sondern auch John Carter Cash. Nachdem McBannon dem Sohn von Johnny Cash auf gut Glück eine Aufnahme von „True Stories“ geschickt hatte, erhielt er die Einladung, das Cash Cabin Studio in Hendersonville zu nutzen. Mit elf neuen Songs im Gepäck machte sich McBannon dann auf den Weg nach Tennessee und John Carter Cash übernahm die Produktion des Longplayers.

Zwischen Americana und Country angesiedelt gelingt McBannon mit „Tennessee“ ein Album, das sich nicht hinter denen amerikanischer Songwriter verstecken muss. Mit seiner angerauten Stimme bringt er Atmosphäre in die Stücke, egal ob sie getragen oder rockig ausfallen. Das Duett mit John Carter Cash „The Only Rule“ ist sehr reduziert in der instrumentalen Begleitung, ansonsten hat McBannon eine souverän aufspielende Band im Rücken, die mal mehr und mal weniger dominant auftritt. Vor allem bei „A Sinner’s Sin“ lässt sie es ordentlich krachen. Der Song mit einem Grunge-Einschlag gehört neben „Can You Hear Me“ – einem Roots Rocker vom Feinsten – zu den beiden schnelleren Tracks auf der Scheibe. Sie setzen Akzente zwischen den überwiegend balladesk gehaltenen Beiträgen.

Aber auch bei den langsamen Titeln baut McBannon Variationen ein. Manche Songs sind von Country-typischem Slide untermalt („Tennessee“, „Home“), der bei „Not Alone“ stimmungsvoll mit einem Klavier kombiniert wird. Atmosphärisch dicht – mit einem Hauch von Pathos – fällt der Opener „Back Then“ aus. Leidenschaft legt McBannon bei „Turn Around“ in seine Stimme, das in der zweiten Hälfte des Longplayers das Tempo nochmal etwas anzieht. Darauf folgt die runde Americana-Ballade „In Us I Believe“. „As Simple As That“ fällt in die gleiche Kategorie. Für den Abschluss wurden Streicher eingeflogen. Die Tracks wurden allesamt live im Cash Cabin Studio eingespielt, was sicherlich dazu beiträgt, das deren Sound direkt und erdig klingt.

Wenn man denkt, zwischen dem Bergischen Land und Amerika liegen Welten, dann irrt man sich in musikalischer Hinsicht. Jack McBannon überbrückt die kulturellen Diskrepanzen anscheinend mühelos. „Tennessee“ dient als Beweis, dass auch Musiker aus deutschen Landen in der Lage sind, ernsthafte Genrebeiträge zum Americana und Country zu liefern. McBannon hat den Sprung über den Atlantik gewagt und unter den Fittichen von John Carter Cash ein durchgehend überzeugendes Album geschaffen. Dabei offenbart er ebenso Qualitäten in Sachen Roots Rock, von denen in den nächsten Projekten gerne mehr gezeigt werden können.

My Redemption Records – Cargo (2024)
Stil: Country / Americana

Tracks:
01. Back Then
02. Can You Hear Me
03. Tennessee
04. The Only Rule (feat John Carter Cash)
05. A Sinner’s Sin
06. Home
07. Not Alone
08. Turn Around
09. In Us I Believe
10. Dry County
11. As Simple As That

Jack McBannon
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Cargo
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Dean M. Collins – Land Where The Wishes Come True – CD-Review

Review: Michael Segets

In den letzten zehn Jahren brachte Dean M. Collins fünf Alben heraus. Auf dem jetzt erschienen „Land Where The Wishes Come True“ versammelt sich eine ansehnliche Riege von Musikveteranen. Kenny Aronoff (Johnny Cash, John Mellencamp), Smokin’ Brett Resnick (Kacey Musgraves, Brooks & Dunn), Justin Moses (Garth Brooks, Peter Frampton), Michael Clevelands (Alison Krauss) und Jimmy Zavalas (Bon Jovi, Tom Petty) sind einige von ihnen. Mit so viel Erfahrung im Hintergrund kann praktisch nichts schiefgehen.

Die drei Singles „Land Where The Wishes Come True”, „I Don’t Think She Knows” und „It Could Have Been Me” wurden am Anfang des Longplayers geschickt platziert. Sie stellen die stärksten Stücke des Werks dar. Bei den beiden ersten erzeugt vor allem das Schlagzeug von Aronoff eine erstklassige Dynamik. Nach dem folkrockigen Einstieg verliert das Album an Fahrt. In die folgenden Songs mischt sich gelegentlich etwas Westcoast („Here & Now“), Country („Still Gone“, „Small Worlds“) oder gar Pop („Time When We Were Close“) hinein. Die Titel sind gut hörbar und klar um die angenehme Stimme von Collins herum produziert.

Die Fidel von Michael Cleveland ist auf den meisten Tracks präsent und manchmal auch dominant („That’s All“, „Coming Home”, „Sorry (Closeout 602)”). Auffällig wimmert die Mundharmonika von Jimmy Zavala bei „Let It Go”. Neben den Singles sind das lockere „Nothing Lasts Forever” und das etwas dunklere, die Dynamik variierende „Athanasia“ hervorzuheben. Das letztgenannte Stück zählt definitiv zu den emotionalen Highlights des Albums. Insgesamt fehlen mir etwas die Ecken und Kanten in der Produktion, wobei sich auf der anderen Seite auch keine songtechnischen Ausfälle verzeichnen lassen.

Collins wuchs in Kentucky auf einer Farm auf. Später war er Pilot – zuerst beim Militär und dann bei einer privaten Fluggesellschaft. Mit seiner Karriere als Musiker lebt er einen weiteren Traum aus. Es ist alles in allem anscheinend ganz gut für ihn gelaufen, sodass der Albumtitel vermutlich sein tatsächliches Lebensgefühl widerspiegelt. In seinen Texten verarbeitet er seine Erinnerungen, die sich hauptsächlich um Familie und Beziehungen drehen. Da werden aber dann doch Rückschläge und das Bedauern von Entscheidungen thematisiert, sodass auch die Schattenseiten des Lebens anklingen.

Wenn auch nicht jeder Song von Dean M. Collins einen hohen Wiedererkennungswert aufweist, hält „Land Where The Wishes Come True” einige empfehlenswerte Tracks bereit. Mit einer beeindruckenden Line-up im Rücken präsentiert Collins sein fünftes Album, das vor allem mit den Folk Rock-Titeln punktet.

Dr. Music Records (2023)
Stil: Americana

Tracks:
01. Land Where The Wishes Come True
02. I Don’t Think She Knows
03. It Could Have Been Me
04. Here & Now
05. Nothing Lasts Forever
06. That’s All
07. Let It Go
08. Time When We Were Close
09. Still Gone
10. Athanasia
11. Coming Home
12. Small Words
13. Sorry (Closeout 602)

Dean M. Collins
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Dr. Music Records

Dr. John – Things Happen That Way – CD-Review

Review: Michael Segets

Malcolm John Rebennack Jr. verstarb am 6. Juni 2019. Als Dr. John sicherte er sich einen Platz in den Musikannalen. Der vielfach ausgezeichnete Musiker aus New Orleans ließ sich stilistisch nie genau festlegen. Er prägte die Bezeichnung Voodoo-Rock und widmete sich dem Blues, dem Funk und dem Jazz. Der Country spielte in seinem künstlerischen Schaffen kaum eine Rolle, allerdings hegte er schon länger den Plan, einen Longplayer aufzunehmen, bei dem er den Country als Inspirationsquelle nutzt.

Gut zwei Jahre nach seinem Tod erscheint nun „Things Happen That Way“, das quasi letzte Studioalbum von Dr. John. Sechs Coverversionen und vier Eigenkompositionen, die er meist in Zusammenarbeit mit seinem Gitarristen Shane Theriot schrieb, umfasst sein finales Werk. Obwohl Dr. John einige Klassiker des Country einspielt, ist der Longplayer letztlich eine Bluesscheibe, dessen Review vielleicht beim Kollegen Schneider in besseren Händen gewesen wäre.

„I’m So Lonesome I Could Cry“ lässt als einziges Stück deutlich erkennen, dass es aus der Country-Ecke stammt. Dr. John brummt mit tiefer Stimme den bekannten Text. Mit „Ramblin‘ Man“ berücksichtigt Dr. John einen weitere Song, der von Hank Williams stammt, und performt ihn schön erdig. Mit etwas gutem Willen kann die Interpretation des Titeltracks „Things Happen That Way“ ebenfalls noch dem Country-Genre zugeordnet werden. Der Song wurde zuerst von Johnny Cash veröffentlicht.

Obwohl auf dem Traditional „Gimme That Old Time Religion“ die Country-Ikone Willie Nelson mitsingt und ein Gitarrensolo beisteuert entpuppt sich die Version von Dr. John gleichfalls als Blues. Auch der Evergreen von Willie Nelson „Ain’t It Funny How Time Slips Away“ kann kaum mehr als Country bezeichnet werden. Mit seinem Klavier und der Bläsersektion interpretiert Dr. John ihn erstklassig, entspannt groovend. Lukas Nelson begleitet mit seiner Band Promise Of The Real Dr. John bei der Neueinspielung von „I Walk On Guilded Splinters“. Der Sohn von Willie wildert bei dem eher sphärisch angelegten Song in für ihn ungewohnten Regionen. Das Original nahm Dr. John bereits 1968 auf.

„End Of The Line“, einen der bekanntesten Songs von The Traveling Wilburys, transformiert Dr. John so, dass er sich deutlich von der ursprünglichen Version unterscheidet. Beibehalten hat er den mehrstimmigen Gesang im Refrain. Für diesen holte er sich Aaron Neville und Katie Pruitt ins Boot. Pruitt übernimmt auch bei „Holy Water“ zentrale Gesangsparts und rückt das Stück in Richtung Gospel. Der Track stammt ebenso wie die lockere Uptempo-Nummer „Sleeping Dogs Best Left Alone“ und das gleichförmige „Give Myself A Good Talkin‘ To“ aus der Feder von Dr. John.

Die durch die Songauswahl geschürte Erwartung, dass Dr. John posthum ein Country-Album vorlegt, erfüllt sich nicht. Er verwandelt stattdessen die ausgewählten Klassiker des Genres in Bluestitel, sodass sie sich nahtlos mit seinen Eigenkompositionen verbinden. Dr. John war ein kreativer Kopf, der unterschiedliche Musikrichtungen verarbeitete und in seinen eigenen Stil intergierte. „Things Happen That Way“ ist dafür ein letztes Zeugnis.

Rounder Records-Concord/Universal Music (2022)
Stil: Blues

Tracks:
01. Ain’t It Funny How Time Slips Away
02. Ramblin’ Man
03. Gimme That Old Time Religion
04. I Walk On Guilded Splinters
05. I’m so Lonesome
06. End Of The Line
07. Holy Water
08. Sleeping Dogs Best Left Alone
09. Give Myself A Good Talkin’ To
10. Guess Things Happen That Way

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Todd Snider – Live: Return Of The Storyteller – CD-Review

Review: Michael Segets

Wie vieles, was Todd Snider so produziert, hat der Titel „Return Of The Storyteller“ eine gewisse Doppelbödigkeit. Zum einen ist er eine Referenz an Sniders früheres Live-Album „The Storyteller“ (2011), zum anderen spielt er auf die Zeit nach der Hochphase der Pandemie an, in der nun wieder Konzerte möglich sind. In Sniders One-Man-Show blitzt immer wieder sein Sinn für Humor auf. Schon der erste Blick auf die Tracklist, die mit „Big Finish“ beginnt und mit „Opening Statement“ endet, offenbart seine teils skurrilen Gedankengänge.

Vierzehn weitere Songs umfasst der Zusammenschnitt mehrerer Auftritte aus der jüngeren Zeit, angereichert durch zahlreiche Zwischenbemerkungen und Anekdoten. Snider präsentiert sich dabei tatsächlich als Storyteller. Da die längeren erzählenden Passagen auf der CD einzeln gesplittet sind, können diese leicht weggelassen werden, wenn man sich bei mehrmaligen Hören auf die Musik konzentrieren möchte.

Die Auswahl der Stücke umfasst die gesamte Schaffensperiode von Snider. Angefangen bei „Alright Guy“ von seinem Debüt aus dem Jahr 1994, bis hin zu Titeln seiner beiden letzten Longplayer „Cash Cabin Sessions, Vol. 3“ (2019) und „First Agnostic Church Of Hope and Wonder“ (2021). Meine Favoriten dieser Alben finden sich auch auf der aktuellen Live-Scheibe wieder: „Like A Force Of Nature“, das im Studio mit Jason Isbell im Duett gesungen wurde, und „Handsome John“, mit dem Snider John Prine ehrt.

Sniders Inspirationsquellen sind vielfältig. Wer hätte gedacht, dass der ehemalige republikanische Vorsitzende der US-Notenbank Alan Greenspan den Anstoß für „In Between Jobs“ gab? Snider erinnert darüber hinaus an mehrere verstorbene Songwriter. Auch wenn sich keine Werke von John Prine, Jerry Jeff Walker, Neal Casal, Johnny Cash oder Colonel Bruce Hampton in der Interpretenskala von SoS finden, so sind sie dort doch präsent. Man denke an das Tribute „Highway Butterfly: The Songs Of Neal Casal“, auf dem auch Snider mitwirkte, oder an „Jerry Jeff“ von Steve Earle. Die Geschichten, die Snider zum Besten gibt, sind kurzweilig und amüsant. Insgesamt nehmen sie allerdings viel Raum ein.

Die Songs werden durch die Ausführungen von Snider in ein nicht gekanntes Licht gerückt. Zudem verändert sich die Wirkung der nun mit Gitarre und Mundharmonika interpretiert Stücke. Von seiner letzten CD, die mit ihrem funkigen Einschlag nicht so recht überzeugte, sind „Sail On, My Friend“ sowie „Turn Me Loose (I’ll Never Be The Same)” entnommen. Vor allem der letztgenannte Titel gewinnt in seiner akustischen Live-Version. Einen repräsentativen Eindruck von Sniders Performance vermittelt die erste Single „Just Like Old Times“, die im Original von „The Devil You Know” (2006) stammt. Weitere Anspieltipps sind „Play A Train Song” und „Too Soon To Tell”.

Bei Tood Sniders „Live: The Return Of The Storyteller” ist der Titel Programm. In Singer/Songwriter-Manier zieht Snider einen akustischen Querschnitt durch sein fast dreißigjähriges musikalisches Schaffen. An seinen Erinnerungen und Erlebnissen dieser Zeit lässt er in teils ausführlichen und amüsanten Anekdoten die Hörer teilhaben, sodass die Musik fast schon in den Hintergrund tritt.

Label: Aimless Records – Thirty Tigers/Membran (2022)
Stil: Singer/Songwriter

Tracks:
01. Big Finish
02. [Col. Bruce Hampton Ret.]
03. Turn Me Loose (I’ll Never Be The Same)
04. [East Nashville]
05. Play a Train Song
06. [Old Man Shakes Fist at Sky]
07. Too Soon to Tell
08. Like a Force of Nature
09. [John Prine]
10. Handsome John
11. [Hard Luck Love Song]
12. Just Like Old Times
13. [Speakneck Speedball]
14. Roman Candles
15. The Very Last Time
16. Sail on, My Friend
17. [Being Outdoors]
18. Ballad of the Devil’s Backbone Tavern
19. Alright Guy
20. [Free Bird]
21. [Sock Water]
22. Just Like Overnight
23. [Alan Greenspan]
24. In Between Jobs
25. [Where Will I Go]
26. Working on a Song
27. Opening Statement

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