Jason Isbell – Southeastern (10th Anniversary) – CD-Review

Review: Michael Segets

Jason Isbell sorgt mit der Wiederveröffentlichung seiner früheren Alben dafür, dass diese nicht in Vergessenheit geraten. Nach der Deluxe-Version seines Debüts „Sirens Of The Ditch“ folgten remasterte Ausgaben von „Jason Isbell And The 400 Unit“ sowie „Here We Rest“. Zum zehnjährigen Jubiläum des Erscheinens von „Southeastern“ bietet Isbell seinen Fans nun ein besonderes Paket, das drei CDs beziehungsweise vier LPs umfasst. Neben der Remasterung des von Brent Cobb produzierten Originals finden sich dort die Demos zu elf der zwölf Tracks – lediglich „Super 8“ fehlt – sowie der Mitschnitt eines Konzerts aus dem Jahr 2022. Jason Isbell spielte bei dem Auftritt im Bijou Theatre in Knoxville mit seiner Begleitband The 400 Unit „Southeastern“ komplett durch.

Beim Rolling Stone rangiert „Southeastern“ unter den besten 500 Alben. Neben dem von der Americana Music Honors & Awards 2014 ausgezeichneten „Cover Me Up“ hält der Longplayer einige hervorragende Songs bereit. Die Scheibe in seine Sammlung zu integrieren, ist daher sowieso nicht verkehrt. Mit dem Set zum zehnjährigen Jubiläum erhält man nun drei Varianten der Titel. Eine Ausnahme bildet das einzige Uptempo-Stück „Super 8“. Der Roots Rocker taucht nicht bei den Demos auf. Die Demoversionen werden von Isbell quasi im Alleingang mit akustischer Gitarre bestritten. Sie zeigen den Musiker pur als Singer/Songwriter. Dass die Aufnahmen als Demos bezeichnet werden, zeugt von Bescheidenheit. Klanglich bleibt an ihnen nichts auszusetzen und die Songs wirken auch nicht unfertig. Sie verdeutlichen, dass „Southeastern“ ebenfalls als Solo-Akustik-Album ein tragfähiges Werk geworden wäre.

Dass Isbell sich damals entschloss, es nicht dabei zu belassen, stellt sich dennoch als sinnvoller Schritt heraus. Der Harmoniegesang von Amanda Shires bei „Stockholm“ werten den Song gegenüber der reduzierten Demo-Version merkbar auf. Auch der Einsatz elektrischer Gitarren bei „Flying Over Water“ oder „Live Oak“ gibt den sowieso starken Titeln noch mehr Intensität. Zwei meiner Favoriten – „Traveling Alone“ und „Yvette“ –überzeugen in beiden Interpretationen. Mindestens gleichwertig sind die Demos mit den erstveröffentlichten Tracks bei „Different Days“ und „Songs That She Sang In The Shower“. „New South Wales“ gewinnt sogar gegenüber dem Original.

Die Live-Präsentation des Albums erhöht die ursprüngliche Spielzeit von „Southeastern“ um eine Viertelstunde. Dies liegt vor allem an den vergleichsweise längeren Instrumentalpassagen, wie dem Gitarrensolo bei „Cover Me Up“. „Stockholm“ hingegen wird etwas druckvoller. In der Gesamtschau entfernen sich die Titel aber nicht weit von den Studio-Versionen. Soweit ich die bisherigen Live-Aufnahmen von Isbell überblicke, sind „Live Oak“, „Songs That She Sang In The Shower“, „New South Wales“, „Yvette“ sowie „Relatively Easy“ auf keinem anderen Konzertmitschnitt veröffentlicht.

Wer einen Faible für Americana hat, sollte „Southeastern“ von Jason Isbell im Regal haben. Die 10th Anniversary-Edition des Albums bedient mit den Demo-Versionen zudem Freunde der puristischen Singer/Songwriter-Sparte. Die Live-CD bietet einige Tracks, die nicht auf anderen Konzertveröffentlichungen vertreten sind, welche die Neuausgabe für Fans, die „Southeastern“ bereits ihr eigen nennen, zusätzlich interessant macht.

Southeastern Records – Thirty Tigers/Membran (2023)
Stil: Americana

Tracks:

CD 1
01. Cover Me Up
02. Stockholm
03. Traveling Alone
04. Elephant
05. Flying Over Water
06. Different Days
07. Live Oak
08. Songs That She Sang In The Shower
09. New South Wales
10. Super 8
11. Yvette
12. Relatively Easy

CD 2
01. Cover Me Up
02. Stockholm
03. Traveling Alone
04. Elephant
05. Flying Over Water
06. Different Days
07. Live Oak
08. Songs That She Sang In The Shower
09. New South Wales
10. Yvette
11. Relatively Easy

CD 3
01. Intro (live)
02. Cover Me Up (live)
03. Stockholm (live)
04. Traveling Alone (live)
05. Elephant (live)
06. Flying Over Water (live)
07. Different Days (live)
08. Live Oak (live)
09. Songs That She Sang In The Shower (live)
10. New South Wales (live)
11. Super 8 (live)
12. Yvette (live)
13. Relatively Easy (live)

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