Ryan Adams – Wednesdays – CD-Review

Ryan Adams Wednesdays Albumcover 300

Review: Michael Segets

Die ersten Lorbeeren verdiente sich Ryan Adams als Frontmann von Whiskeytown. Seit der Jahrtausendwende startete er eine Solokarriere, phasenweise unterstützt von seiner Begleitband The Cardinals. Äußerst produktiv brachte er in den letzten zwanzig Jahren siebzehn Alben heraus. Damit nicht genug nahm er zudem auf dem Produzentenstuhl für Willie Nelson und Jesse Malin Platz. Quasi nebenher veröffentlichte er Gedichte und Kurzgeschichten. An seinem Debütroman arbeitet er zurzeit.

Ryan Adams genießt einen außerordentlichen Ruf als Songschreiber. Sein künstlerisches Schaffen ist vielfältig und als Musiker lässt er sich nicht auf eine Musikrichtung festlegen. Seine Bandbreite umfasst eine Palette zwischen den Eckpunkten Rock und Alternative Country. Das Grammy-nominierte „Gold“ (2001), „Rock n Roll“ (2003) und das etwas schwächere „Love Is Hell“ (2004), auf dem sich allerdings ein schönes Cover von „Wonderwall“ (Oasis) befindet, stehen ebenso in meinem CD-Regal, wie das mit The Cardinals eingespielte „Jacksonville City Nights“ (2005). Danach tut sich eine Lücke auf und ich habe seine Karriere nicht weiter verfolgt, bis mich ein Freund auf das Vorgängeralbum von „Wednesdays“ aufmerksam machte. Das kraftvolle „Prisoner“ (2017) rückte Adams wieder in meinen Wahrnehmungshorizont.

Eine für ihn ungewöhnlich lange Zeit hörte man nach „Prisoner“ nichts von ihm. Konfrontiert mit gesundheitlichen Problemen und Missbrauchsvorwürfen, zog sich Adams zurück und konzentrierte sich auf seine Wurzeln als Singer/Songwriter. In den vergangenen drei Jahren entwarf er wohl genug Material für drei Alben, die er als Trilogie herausgeben möchte. Den Auftakt dazu stellt „Wednesdays“ dar. Als Mitproduzenten konnte Adams keinen geringeren als Don Was gewinnen, der neben den Rolling Stones oder Bob Dylan auch etliche Musiker unterstützte, die bei SoS gerne besprochen werden (u. a. Bob Seger, Gregg Allman, Lucinda Williams, Garth Brooks).

Auf der CD präsentiert sich Adams von einer Singer/Songwriter-Seite, wie ich sie von ihm noch nicht gehört habe. Bei den meisten Stücken steht die akustische Gitarre als Begleitung im Fokus. Vor allem mit dem reduziert instrumentalisierten „Poison & Pain” bewegt sich Adams auf Augenhöhe mit den Klassikern der Folktradition. Er umschifft die Gefahr der Eintönigkeit, die Folkalben anhaftet, indem er die Möglichkeiten der akustischen Gitarre auslotet und dezente Variationen in der weiteren Begleitung einsetzt. So ist bei „So, Anyways“ eine langgezogene Mundharmonika zu hören oder bei dem klagenden „Mamma“ ein intensiver Harmoniegesang.

Eine breitere Instrumentalisierung weist die erste Single „I’m Sorry And I Love You“ auf, mit der der Longplayer einsteigt, sowie das eine besondere Dynamik entwickelnde „When You Cross Over“. Das mittig platzierte „Birmingham” bringt mit dem kräftigen, fast schon rockigen Schlagzeug, eine willkommene Abwechslung zwischen die ansonsten langsamen Songs.

Insgesamt durchzieht das Album eine getragene Stimmung, die mit den wehmütigen, aber nicht romantisch verklärenden Texten korrespondiert. Der Titel des Abschlussstück „Dreaming You Backwards” ist für die inhaltliche Ausrichtung der Songs charakteristisch, die meist um schmerzvolle Erinnerungen und vergangene Liebesgeschichten kreisen. Bei dem Track sitzt Adams am Klavier. Mit elektrischer Gitarre, Percussion und einem Background, der einen Anflug von Gospel vermittelt, krönt Adams das Ende seines Werks.

Ryan Adams zeigt sich auf „Wednesdays“ einmal mehr als kreativer Kopf. Über weite Teile des Albums erfindet er sich als Folksänger neu. Dabei verfolgt er keine puristische Linie, sondern lotet Genregrenzen aus und führt seine Songs zu einer atmosphärisch stimmigen Einheit zusammen.

Pax-Americana/Roughtrade (2021)
Stil: Folk, Americana

Tracks:
1. I’m Sorry And I Love You
2. Who Is Going To Love Me Now, If Not You
3. When You Cross Over
4. Walk In The Dark
5. Poison & Pain
6. Wednesdays
7. Birmingham
8. So, Anyways
9. Mamma
10. Lost In Time
11. Dreaming You Backwards

Ryan Adams
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Rough Trade
Another Dimension PR Agentur

Morgan Wade – Reckless – CD-Review

cover Morgan Wade - Reckless 300

Review: Michael Segets

Mit „Don’t Cry” ist Morgan Wade ein Geniestreich gelungen. Die Single von ihrem Debütalbum „Reckless“ geht sofort ins Ohr und setzt sich dort fest. „Other Side“ weist mit seinem eingängigen Refrain ähnliche Qualitäten auf. Die beiden Songs stechen unter den zehn Tracks hervor, die allesamt von der jungen Dame aus Virginia geschrieben sind, wobei Paul Ebersold sowie Sadler Vaden sie bei einigen unterstützten. Vaden, der Gitarrist von Jason Isbells Begleitband The 400 Unit, produzierte zudem ihr Erstlingswerk.

Schon in früher Jugend schrieb Wade Songs, entdeckte aber erst mit neunzehn, dass sie Spaß daran findet, diese vor Publikum zu spielen. Ihre ersten Erfahrungen auf der Bühne sammelte sie mit ihrer Begleitband The Stepbrothers. Im April supportet sie nun The Steel Woods, sofern Corona dies zulässt.

Die Stücke sind alle mit Band eingespielt und sind letztlich mit den Rock- und vereinzelten Country-Elementen im weiten Feld des Americana zu verorten. Dass Wades Musik allerdings ihre Grundlage im Singer/Songwriter-Bereich hat, zeigen „Matches and Metaphors”, „Take Me Away“, das ruhige Abschlussstück „Met You“ sowie die ausgefeilten Texte.

Die erste Zeile von „Other Side“ lautet: You knew my skin back before I had all these tattoos – ein schönes Beispiel für die originellen Lyrics. Der autobiographische Bezug wird sofort erkennbar, wenn man sich die Videos von Wade ansieht. Im Laufe der Jahre kann man nachvollziehen, wie die Haut schrittweise bunter wird. Nicht zuletzt auf dem Albumcover kommt ihre Vorliebe für Tätowierungen zum Ausdruck.

Die Lyrics drehen sich um Wades Selbstfindungsprozess, der besonders deutlich beim countryfizierten Midtempo-Song „Northern Air” thematisiert wird. Oftmals stehen Beziehungsgeschichten im Zentrum. Das Ende von ihnen wird bei „Mend“, dem leicht poppigen „Last Cigarette“ und dem starken „Reckless“ besungen. Der letztgenannte Song hat einen rockigen Einschlag mit glänzendem E-Gitarren-Solo. Zusammen mit Vaden schrieb Wade den Opener „Wilder Days“. Mit eingängiger Melodie und voller Bandbegleitung besingt Wade den Altersunterschied zwischen einer Frau und einem älteren Mann, der letztlich dafür verantwortlich ist, dass die Beziehung keine Zukunft hat.

Mit ihren 26 Jahren liefert Wade ein reifes Debüt ab. Ernsthafte und selbstreflexive Texte sind in schöne Melodien gekleidet. Die Produktion ist auf den Punkt gebracht: Die Instrumentalisierung gibt den Songs Drive, wobei Wades Gesang stets im Vordergrund bleibt. Bei den durchweg gelungenen Stücken setzt Wade einige Glanzlichter, die dafür sorgen, dass das Album auch zukünftig den Weg in den Player findet.

Ladylike/Thirty Tigers – Membran (2021)
Stil: Americana

Tracks:
01. Wilder Days
02. Matches and Metaphors
03. Other Side
04. Don’t Cry
05. Mend
06. Last Cigarette
07. Take Me Away
08. Reckless
09. Northern Air
10. Met You

Morgan Wade
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Track45 – Big Dreams – EP-Review

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Es ist manchmal schon wirklich erstaunlich, was sich Plattenfirmen alles einfallen lassen, um einen neuen, vielversprechenden Act zu promoten. Hier im Fall eines, von Kindheit an, Country-geschulten Geschwister-Trios, bestehend aus Jenna, Ben und KK Johnson (stammend aus Meridian im US-Bundesstaat Mississippi), das jetzt unter dem Namen Track45 firmiert, wurde zunächst im Oktober des vergangenen Jahres erst eine Mini-EP mit drei Stücken („Come On In“, „Me + You“ und „Met Me Now„) unter dem Namen „Small Town“ voran geschickt.

Wer jetzt meint, es folgt nach der Testphase ein komplettes Album, der bewegt sich auf dem falschen Pfad. Es wurden nämlich diese drei Stücke mit „Little Bit More“ und dem Dolly Parton-Cover „Light Of A Clear Blue Morning“ nochmals nur  um Track 4 und 5 erweitert, sodass der potentiellen Hörerschaft unter dem Titel „Big Dreams“ immerhin eine satte Spielzeit von knapp 16 Minuten präsentiert wird. Da verstehe wirklich einer die Welt…

Dass es sich bei den fünf Liedern um gutes Songmaterial handelt (geschrieben von den Dreien mit Leuten, die schon für Justin Timberlake, Weezer oder Charlie Puth aktiv waren und hochwertig eingespielt vom Who-Is Who der Nashville Studiomusiker), merkt man sofort, und nicht zuletzt sorgt kein geringerer als der frühere Tim McGraw-Mentor und Grammy-Preisträger Byron Gallimore für einen herrlich transparenten Sound an den Reglerknöpfen.

Das ist wirklich erfrischender Countrypop, bei dem die countryesken Instrumente immer die Federführung inne haben. Auch der breit aufgestellte Hauptgesang von KK Johnson, der von den klassischen Country-Chanteusen à la Parton bis hin zu modernen Vertreterinnen ihrer Art variiert (sie ’näselt‘ zwischenzeitlich fast wie Shania Twain), weiß zu begeistern.

Schwester Jenna und Bruder Ben, erweisen sich dabei als absolut perfekte Harmoniegesangspartner und letztgenannter zeigt sich bei sporadischen Kurzeinsätzen am Frontmikro auch als durchaus praktikable, weitere männliche Vokaloption.

Für unsere Klientel dürfte das dezent southern-epische „Little Bit More“ und das besagte, sehr modern umgesetzte Parton-Stück „Light Of A Clear Blue Morning“ (klasse hier vor allem die Temposteigerung im letzten Drittel) von besonderem Interesse sein, die restlichen Sachen gehen einfach luftig und melodiös in Ohr (u. a. mein Favorit, das front porch-mäßige „Come On In„).

Ob die großen Träume von Track45 mit „Big Dreams“ allerdings am Ende auch real in die Tat umgesetzt werden können, sprich, in die Phalanx der beherrschenden Misch-Acts wie Lady Antebellum, Little Big Town (den ähneln sie sehr stark), The Band Perry & Co. einbrechen zu können, steht am Ende auf einem anderen Blatt Papier. Immerhin, der erste, kleine Anfang ist gemacht, viel Talent und Potential ist beim Johnson-Trio in jedem Fall vorhanden.

Stoney Creek Records (2021)
Stil: New Country

01. Met Me Now
02. Little Bit More
03. Come On In
04. Me + You
05. Light Of A Clear Blue Morning

Track45
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Lime Tree Music

Israel Nash – Topaz – CD-Review

cover 300 Israel Nash - Topaz

Gleich fünf Tracks eines neuen Albums vorab digital als EP zu veröffentlichen, ist eher eine ungewöhnliche Entscheidung, um einen kommenden Longplayer zu promoten. Diese Vorgehensweise des US-Singer/Songwriters Israel Nash, der im Dezember seine „Topaz-EP“ unter Hinweis auf das gleichnamige Album herausbrachte, hat das Interesse an seinem nunmehr erscheinenden Longplayer jedoch nicht geschmälert.

Die von uns am 15.12.2020 rezensierte Edition ist insoweit nur die Hälfte einer 10 Songs umfassenden Scheibe, die bereits damals eine angenehme Erwartungshaltung aktivierte. Dieses Review erstreckt sich daher im Wesentlichen auf die neuen Titel, der von Nash in Kooperation mit Adrian Quesada (The Black Pumas) produzierten „Topaz“-LP.

Eindeutig ist, Nashs sechstes Studio-Werk bringt seine treibende Kraft auch bei den weiteren Songs mit intensiver Ausstrahlung unüberhörbar voran. So kann die Soul-Ballade „Stay“ (Anspieltipp) uneingeschränkt mit ihren Motown-Vorbildern konkurrieren und entwickelt in ihrer orchestrierten Version einen meisterlichen Sound.

Wie beim Ohrwurm „Indiana“, ist die vielseitige Stimme von Israel Nash die musikalische Eloquenz eines nachwirkenden Refrains, der die weiteren, guten Lyrics überstrahlt und den Einsatz der Bläser-Sektion und Pedal-Steel herausfordert. Das kontrastreiche „Howlin‘ Wind“ wirkt hingegen fast beruhigend.

Sehr unterschiedliche Einflüsse – etwa von Dylan bis Neil Young – bilden insgesamt die Basis der ideenreichen Eigenkompositionen und lassen das Album modern und zeitlos erscheinen – eine seltene Eigenschaft in der oft schnelllebigen, aktuellen Musikszene.

Dass der 40-jährige, ausgebildete Politikwissenschaftler sich auch vor politischen Statements nicht scheut, zeigen „Sutherland Springs“, mit verzehrten Klängen und traurigen Lyrics über den Amoklauf im kleinen US-Ort am 05.11.2017 und das wütend klingende „Pressure“, das eine zunehmende Einschüchterung von Menschen unter verzweifelten Lebensbedingungen beklagt.

Israel Nash hat mit „Topaz“ ein persönliches Album eingespielt, das zwischen Soul-Country und psychodelischem Folk-Rock die sehr hohen Erwartungen nach der EP erfüllt. Mit den in jeder Hinsicht ambitionierten Songs besitzt der Longplayer gute Chancen, in der Kategorie ‚Album des Jahres‘ ganz oben mitzumischen und damit als musikalischer Edelstein zu glänzen.

Loose Music (2021)
Stil: Folk-Rock, Country-Rock

Tracks:
01. Dividing Lines
02. Closer
03. Down In The Country
04. Southern Coasts
05. Stay
06. Canyonheart
07. Indiana
08. Howling Wind
09. Sutherland Springs
10. Pressure

Israel Nash
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Oktober Promotion

Charley Crockett – 10 For Slim – Charley Crockett Sings James Hand – Digital-Album-Review

cover Charley Crockett - 10 For Slim - Charley Crockett Sings James Hand 300

Review: Michael Segets

Charley Crockett ist anscheinend ein Arbeitstier. In den letzten sechs Jahren warf er neun Alben auf den Markt und das zehnte kündigte er noch für 2021 an. Auf seinem bislang erfolgreichsten Longplayer „Lil‘ G.L.‘s Blue Bonanza“ (2018) schlägt er bluesige Töne an, aber seine Domäne liegt im Country. Spätestens nach „The Valley“ (2019) und „Welcome To Hard Times“ (2020) kann Crockett zu den kreativen Köpfen und führenden Vertretern des New Traditional Country gezählt werden.

Sein Markenzeichen ist sein leicht metallischer Gesang, der einen hohen Wiedererkennungswert aufweist, auch wenn er Songs interpretiert, die nicht von ihm stammen. Für seine Cover-Alben legte sich Crockett mit Lil‘ G.L. ein Alter Ego zu. Während er bei seinen beiden bisherigen Longplayern, auf denen er sich Fremdkompositionen widmete, einen Streifzug durch den Honky Tonk beziehungsweise Blues unternahm, steht „10 For Slim“ ganz im Zeichen der Stücke von James Hand. Lil‘ G.L. präsentiert damit sein erstes Tribute-Album, das dem im letzten Jahr verstorbenen Country-Musiker gewidmet ist.

Aus der Bewunderung, die Crockett für den älteren Texaner empfand, erwuchs nach dem Kennenlernen schnell eine Freundschaft. Seine Verbindung zu Hand schildet Crockett in einem offenen Brief, der auf seiner Webseite nachzulesen ist. Eine gemeinsame Tour wurde zuerst durch Corona und dann durch den plötzlichen Tod von Hand verhindert. Zuvor versprach Crockett ihm allerdings, seine Stücke aufzunehmen. Dieses Versprechen löst Crockett nun mit „10 For Slim“ ein.

Der 1952 geborene James Hand machte zwar seit seiner Jugend Musik, veröffentlichte aber sein Debüt erst Ende der 1990er. Obwohl (Willie Nelson) in höchsten Tönen von ihm sprach und seine Musik lobend von der Kritik aufgenommen wurde, gelang Hand kein großer Durchbruch. So dürfte Hand nur eingefleischten Country-Fans ein Begriff sein. Mir war er bis heute jedenfalls nicht bekannt.

Nach meinen Recherchen bleiben die Interpretationen von Crockett nahe an den Originalen. Die meisten Songs bewegen sich im gemäßigten Tempo und sind tief im Honky Tonk und Country verwurzelt. Slide, Steel Pedal und Fidel prägen den Sound. Einen guten Eindruck der musikalischen Ausrichtung gibt die erste Single „Lesson In Depression“, obwohl dort keine Geige zum Einsatz kommt. Dafür ist sie bei „In The Corner“ prominent vertreten. Mit dem Tempo spielt das lockere „Floor To Crawl“, das sich damit von den anderen abhebt.

Die auffälligsten und meines Erachtens stärksten Titel auf dem Album sind der Boogie „Don’t Tell Me That“ mit klasse Bar-Piano und das dunkle, getragene „So Did I“. Zudem hat Crockett mit „Slim’s Lament“ das wohl letzte Werk von Hand für den Longplayer eingespielt. Kurz vor seinem Tod übermittelte Hand ihm eine erste Version des Stücks per Telefon.

Der Titel „10 For Slim – Charley Crockett Sings James Hand” ist Programm. Crockett gibt den Songs mit seinem markanten Gesang eine eigene Note mit, wobei sich die Cover deutlich an den Originalen orientieren. Gewohnt stilvoll würdigt Crockett die Musik seines Freundes und musikalischen Vorbilds James Hand.

Son Of Davy – Thirty Tigers/Membran (2021)
Stil: Country

Tracks:
01. Intro
02. Midnight Run
03. Just A Heart
04. In The Corner
05. Over There That’s Frank
06. Don’t Tell Me That
07. Lesson In Depression
08. Mighty Lonesome Man
09. So Did I
10. Floor To Crawl
11. Slim’s Lament

Charley Crockett
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Neil Young & Crazy Horse – Way Down In The Rust Bucket – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Etwa 30 Jahre, nachdem Neil Young mit Crazy Horse das Album „Ragged Glory“ eingespielt hatte, bringt er mit „Way Down In The Rust Bucket“ ein Livealbum, vom ersten Konzert der folgenden Tour im The Catalyst in Santa Cruz auf den Markt. Jetzt könnte man sich die Frage stellen, ob es sein muss, so einen alten Mitschnitt zu veröffentlichen.

Der Titel, frei übersetzt „Ganz unten im Rosteimer“ könnte es vermuten lassen. Ich sehe die Anspielung eher im titelmäßigen Zusammenhang zum legendären Livealbum „Live Rust“, welches knapp 12 Jahre später ein würdiges Nachfolgewerk hätte finden können.

Weil Neil Young ein gut verwaltetes Archiv in entsprechender Qualität hat, hat dieses Werk den Weg aus den „Rosteimer gefunden, das einen guten Einblick in die Schaffensphase gibt, als er auch Grunge Bands wie Pearl Jam inspirierte.

Nun aber zum Inhalt. Das Album umfasst nahezu das gesamte Konzert vom 13.11.1990, welches in drei Sets geteilt war (das auf CD bzw. Vinyl fehlende „Cowgirl In The Sand“ befindet sich allerdings auf der DVD). Es wird somit ein Konzertereignis authentisch wiedergegeben und nicht, wie so oft, ein Zusammenschnitt von einer Vielzahl von Konzerten oder nur ein “Best Of“ eines Gigs.

Schon im leicht countryesken „Country Home“ beginnt ein gitarrenlastiger Ritt von Neil Young mit dem Crazy Horse, der mit „Surfer Joe And Moe The Sleaze“ vom vielfach unterschätzten Album „Reactor“ Fahrt aufnimmt. Auf jeden einzelnen Song entsprechend einzugehen, würde nun den Rahmen sprengen.

Neil Young präsentiert auf jedem Fall große Teile des damals aktuellen Albums „Ragged Glory“ und verzichtet auf einige Hits erfolgreicher Alben wie „Harvest“, „Rust Never Sleeps“ oder dem kurz zuvor erschienenen „Freedom“. Schon da zeigte sich, dass Neil Young-Konzerttouren sich teils gravierend von der vorherigen unterscheiden.

Anders als viele andere Musiker, stellt er das aktuelle in den Vordergrund und umgibt es mit Perlen aus der Vergangenheit, die jeweils aus anderen Kisten gefischt werden. Neben den meist harten Songs von „Ragged Glory“, wie dem rotzige „F+!#in‘ Up“ und dem fast schon mystischen, sich über 13 Minuten hinziehenden „Love And Only Love“ mit sphärischen Gitarrenpassagen, stellt das zu dieser Zeit schon über 13 Jahre alte Album „Zuma“ einen zweiten Schwerpunkt. In den Songs klagt Young zum Teil fast wütend singend und spielend die damalige Kolonisierung Mittelamerikas an, womit Sie von der Songauswahl bestens zu den harten Sachen von „Ragged Glory“ passen.

Neben einer ausgiebigen Version von „Danger Bird“ ragt natürlich das zunächst träumerisch wirkende „Cortez The Killer“ als Zugabe heraus, wo von Young eine scheinbar traumhafte Kultur und deren Untergang beschrieben wird. Beendet wird das Stück, eingerahmt von Gitarrensoli, die regelrechte Klangteppiche erzeugten, gebührend mit dem Satz „Cortez, What a Killer“. Dieser Satz kann auch symbolisch unter anderen Vorzeichen genommen werden. Mit dem letzten Gitarrenton wurde ein Killerkonzert beendet – nichts geht mehr.

Zu erwähnen ist, dass zudem noch starke Versionen, unter anderem vom rockigen „Cinamon Girl“, dem hymnischen „Like A Hurricane“ sowie einer besonderen Perle präsentiert wurden. Mit „Homegrown“ spielte er einen Song von einem Album, das, nachdem es aus persönlichen Gründen Jahrzehnte in einer „Kiste“ lag und als Nachfolger vom legendären „Harvest“ geplant war, erst letztes Jahr veröffentlicht wurde (sozusagen auch aus dem Rosteiner geholt).

Einen erheblichen Anteil an dem energiegeladenen Konzert hat natürlich auch Crazy Horse, die Band, welche Neil Young über weite und erfolgreiche Phasen der Karriere begleitet hat, womit ich die Leistungen der anderen Begleitformationen in keinster Weise schmälern will. Wer Fan des rockenden Neil Young ist, wird seinen Gefallen an diesem starken Konzertmitschnitt haben. Ebenso ist es empfehlenswert für Rock und Grungefans. Wer allerdings den ruhigen folkigen Neil Young erwartet, wird eher enttäuscht sein.

Das Album ist in verschiedenen Versionen von CD, Vinyl bis zu einem Boxset mit DVD erhältlich und sollte inwelcher Art auch immer, in keiner gut sortierten Tonträger-sammlung fehlen.

Band:
Neil Young: Vocals & Guitar
Frank „Poncho“ Sampedro: Guitar
Billy Talbot: Bass
Ralph Molina: Drums

Reprise Records (2021)
Stil: Rock

Tracks:
CD 1
01. Country Home
02. Surfer Joe And Moe The Sleaze
03. Love To Burn
04. Days That Used To Be
05. Bite The Bullet
06. Cinnamon Girl
07. Farmer John
08. Over And Over
09. Danger Bird
10. Don’t Cry No Tears
11. Sedan Delivery

CD 2
01. Roll Another Number (For The Road)
02. F+!#in‘ Up
03. T-Bone
04. Homegrown
05. Mansion On The Hill
06. Like A Hurricane
07. Love And Only Love
08. Cortez The Killer

Neil Young
Oktober Promotion

Tebey – The Good Ones – CD-Review

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Im Jahr 2019, als die musikalische Welt noch in Ordnung war, hatte uns der kanadische Singer/Songwriter Tebey Solomon Ottoh, oder kurz Tebey, im Rahmen der SOUND OF NASHVILLE-Konzertreihe in Köln schon absolut positiv überrascht.

Jetzt zu Anfang dieses Jahres bringt er sein erstes Album „The Good Ones“ (insgesamt sein drittes) auf seinem eigens gegründeten Label Jayward Artist Group heraus. Stark mit involviert an allen Fronten auch wieder, wie damals in Köln beim Gig, Danick Dupelle, den Insider auch von der Gruppe Emerson Drive kennen werden, der sich hier als Co-Writer und -Producer, als auch Instrumentalist (Guitars, Bass, Keys, Ganjo, Banjo, Programming) vielschichtig in die Credits einträgt.

Dass Tebey ein feines ‚Händchen‘ für Songs mit Chartpotential hat, weiß man nicht zuletzt von Nr. 1-Hits wie „Somebody Else Will“, dass er für Justin Moore kreiert hat, als auch u. a. Who’s Gonna Love You“, mit dem er selbst die Pole-Position in Kanada erreichte.

AQ2A6350-1024x683Und so liefert er auch auf diesem Werk wieder acht traumhaft schöne Tracks ab, bei denen die Hooks und Refrains, fließend ins Blut und Gedächtnis gehen. Was mir dabei besonders gefällt ist, obwohl ich ja gewöhnlich eher rauer singende Fronter mag, seine außergewöhnlich klare und absolut auf den Punkt zu den Songs passende Stimme. Bestes Beispiel direkt, der auch schon in Köln performte Opener „Shotgun Rider„, der perfekt die positiv ansteckende Gesamtstimmung des Werkes widergibt.

Danick Dupelle sorgt mit seinen Ganjo-/Banjo-Untermalungen und immer wieder schön eingeflochtenen E-Gitarren (auch das eine oder andere starke Kurz-Solo ist zugegen) dafür, dass dem überwiegend poppigen Charakter der Stücke ein countryesker Mindestgehalt beigemischt wird.

Beim tollen „Good Jeans“ kommt man um den unweigerlichen Vergleich mit Keith Urban nicht mehr herum, klasse auch sein atmosphärisches Bariton-E-Spiel beim finalen „Doing It Again“. Auch Dupelles Band Emerson Drive oder Leute wie Drew Womack (Ex Lead-Sänger von Sons Of The Desert), Mitchell Tenpenny & Co. fallen einem spontan als Vergleichsgrößen ein.

Zu gefallen weiß natürlich auch der herrlich dahin schmachtende Titeltrack, bei dem im Wechsel- und Harmoniegesang mit der kanadischen Kollegin Marie-Mai (Star Académie, Sängerin auf der Abschlussfeier der olympischen Winterspiele in Vancouver) alle alle Register der Duettgesangeskunst gezogen werden.

Fazit nach 24 Minuten gute Laune versprühender, melodischer und eingängiger Countrypop-Musik: Tebey beweist mit „The Good Ones“ eindrucksvoll, dass er zu den wirklich Guten des Genres zählt. Für solche Musik wurden – so meine ich – irgendwann Cabriolets erfunden.

Jayward Artist Group (2021)
Stil: New Country

01. Shotgun Rider
02. Happened On A Saturday Night
03. The Good Ones
04. Song Of The Summer
05. Bad For Me
06. Good Jeans
07. See You Around
08. Doing It Again

Tebey
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Jayward Artist Group Inc.

Svenja Schmidt & Jan Bierther Trio – 11.02.2021, JuBB, Essen-Werden – Youtube Stream-Konzertbericht      

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Zu Zeiten von Corona versuchen Veranstalter wie auch Bands irgendwie den Kontakt zu Fans aufrecht zu erhalten. Dies gelingt momentan nur durch Videos und Livestreams, was natürlich nicht den Reiz von Livekonzerten ersetzen soll und kann. Viele kleine Clubs oder Veranstalter setzten schon seit geraumer Zeit auf Veranstaltungsreihen, um zu relativ festen Zeiten, verlässlich Liveauftritte von Musikrichtungen anzubieten, welche oft eher ein Nischendasein haben.

Jan Bierther veranstaltet schon seit einiger Zeit eine Reihe unter dem Motto ‚Jazz im JuBB‘, die natürlich seit Monaten nicht mehr in der gewohnten Form stattfinden kann. Aus diesem Anlass entschloss er sich zusammen mit dem Jugend- und Bürgerzentrum JuBB in Essen-Werden, im Saal des Zentrums, die Reihe in Onlineform fortzusetzen.

Diese Konzertreihe beschreibt Bierther als eine Herzensangelegenheit. Als Jugendlicher war er selbst oft Gast in diesem Jugendzentrum, das aus einem alten Gerichtsgebäude entstanden ist. Nach seiner Musikstudienzeit in den Niederlanden kehrte er später wieder in seine Heimatstadt Essen zurück, und initiierte dort auch die Konzertreihe ‚Jazz im Jubb‘.

Dass an diesem Abend Svenja Schmidt mit dem Jan Bierther Trio im Rahmen der Konzerttour auftrat, mag auf den ersten Blick irritierend sein, da Jazzeinflüsse hier eher peripher angesagt waren. Musikalisch standen an dem Abend Rock, Soul und Motown im Mittelpunkt. Der Bezug ist eher in der Besetzung der Band zu sehen, wo Bierther an der Gitarre, Dirk Leibenguth an den Drums, als Essener Urgesteine, unterstützt von Martin Engelien am Bass, an diesem Abend, die Combo der Rock- und Soulröhre Svenja Schmidt bildeten, die zudem am E-Piano glänzte.

Das Konzert, welches in zwei Sets von je etwa 45 Minuten übertragen wurde, war auch nur realisierbar durch die Unterstützung hiesiger Geschäftsleute, unter anderem einem ortsansässigen Biobäcker, welcher zudem eine Jazz-Mottotorte für die Künstler zubereitet hatte. Die Pause zwischen den Sets wurde zudem genutzt, um Werbung für eine kürzlich produzierte CD mit Highlights aus bisherigen Konzerten von ‚Jazz im JuBB‘ zu machen.

Nun aber zum eigentlichen Konzert, ohne Zuschauer im Saal, der bestuhlt etwa 100 Gästen Platz bietet. Den Start machte das Trio alleine mit dem etwa 10-minütigen Instrumental „Alles dreht sich“ aus der Feder Bierthers, das sofort Platz für Improvisationen der Musiker ließ.

Danach stieg auch Svenja Schmidt ein und es begann eine kurzweilige Zeitreise durch 60 Jahre-Musikgeschichte. Das Besondere dabei war, dass die Stücke nicht wie die Originalsongs runtergespielt wurden, sondern immer wieder jammende Phasen eingeschoben wurden. Einige Songs erhielten durch die kräftige Soulstimme Schmidts zudem ein ganz besonderes Flair.

Besonders hervorzuheben war der Rihanna-Hit „Love On The Brain“, der zuweilen den instrumentalen Charakter alter Fleetwood Mac-Songs hatte. In Stevie Wonders „Superstition“ konnten alle Musiker mit ausufernden Hammersoli ihr spielerisches Repertoire beweisen. Im, durch Marvin Gaye bekannt gewordenen Motown-Klassiker „Heard It Through The Grapevine“, der bekanntlich auch von vielen großen Bands, unter anderem CCR gecovert wurde, konnte Schmidt ihre gesangliche Qualität nachhaltig beweisen.

Den Abschluss machte „Nights In White Satin“, dem Schmidt mit ihrer Soulstimme eine ganz besondere Note gab. Auch hier glänzte Bierther mit feinster Gitarrenarbeit in einen Solo, das zunächst filigran, fast zerbrechlich wirkend, begann, um zum Ende hin geradezu zu explodieren.

Es ist schwer ein Fazit zu einem Onlinekonzert zu fassen, da das wichtige Interagieren von Band und Fans fehlt. Was ich als einziger Gast auf jeden Fall sagen kann, ist, dass der Sound im Saal bestens ausgesteuert war, alle Instrumente differenziert und klar hörbar waren.

Wenn man eine durchgehende Besucherzahl von 120 mit Spitzen bis zu 150 Zuhörern sieht, was höher als die Kapazität des Saales ist und die positiven Kommentare im Stream betrachtet, kann das Projekt als gelungen angesehen werden, was seitens des Veranstalters am Ende auch so gesehen wurde. Erwähnenswert ist auch, dass sich die ersten 30 Interessierten am Tag des Konzertes beim Biobäcker kostenlos eine Konzertsnacktüte abholen konnten.

Ein Dank an den Veranstalter und an Martin Engelien, der mich fragte, ob ich als einziger Vertreter eines Magazins, über den Abend berichten wolle.
Wer Spaß an Konzerten mit großer Nähe zu den Künstlern in einer feinen Location hat, sollte die Seite des JuBB in Essen öfters mal im Auge behalten. Neben der Jazzreihe finden dort in regelmäßigen Abständen auch Americana-Konzerte statt, wenn es die Zeit wieder zulässt.

Line-up:
Svenja Schmidt – Gesang, E-Piano
Jan Bierther – Gitarre
Dirk Leibenguth – Schlagzeug
Martin Engelien – Bass

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

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Svenja Schmidt
Jugend- und Bürgerzentrum Werden
Jazz im Jubb

Ally Venable – Heart Of Fire – CD-Review

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Ach, waren das noch Zeiten, als Ally Venable im Rahmen des Rufschen Blues Caravans in knappem Minifummel (zu sehen auch noch mal in gleicher Montur im Innenteil der CD) gerade mal ein Meter auf der Bühne im Dortmunder Musiktheater Piano von mir entfernt stand und der Audienz ihre vielen quirligen E-Gitarren-Soli um die Ohren fegte.

Jetzt bringt die gerade mal im April, 22 Jahre alt werdende Texanerin mit „Heart Of Fire“, ihr viertes offizielles Album heraus. Wie schon auf dem Vorgänger „Texas Honey“ gibt es wieder elf Lieders, diesmal aber produziert von Jim Gaines (John Lee Hooker, George Thorogood, Albert Cummings, Devon Allman, Royal Southern Brotherhood).

AQ2A9840-1024x683In fast allen Tracks, vielleicht bis auf das swampig-delta-bluesige „Played The Game“ (mit herrlichem Akustik-Slide-Spiel), ist die Verehrung ihres großen Vorbildes, Stevie Ray Vaughan, unverkennbar. Wer es bis zum Ende der CD dann noch immer nicht vernommen haben sollte, bekommt den endgültigen Beweis mit dem knapp neun-minütigen Instrumental „Tribute To SRV“, bei der sich ruhige Grundphasen, die mich so ein wenig an Peter Greens „Albatross“ erinnern, immer wieder von langen, euphorisch und quirlig gespielten E-Gitarren-Soli im Stil des einstigen texanischen Guitar Slingers durchbrochen werden.

Für schöne Farbtupfer zwischendurch sorgen Gastpräsenzen von Devon Allman bei „Road To Nowhere“ mit prägnantem Harmoniegesang und furiosem E-Gitarrensolo sowie Kenny Wayne Shepherd, der auf „Bring On The Pain“ bei seinen rasanten Saitenkünsten bis an die Schmerzgrenze geht.

Mein persönlicher Favorit ist jedoch das Southern-trächtige „Do It In Heels“, das ein wenig in der grimmigen  Art von Skynyrds „Gimme Back My Bullets“ daherkommt. Klasse! Da kann ich nur begeistert zu sagen: „Yes, do it in heels, Ally!“

Keine Frage, auch dieses vierte Werk verdeutlicht eindrucksvoll, dass in Ally Venables Herz das Blues Rock-Feuer lichterloh am brennen ist. Die blutjunge Texanerin zählt weiterhin zu den ganz großen Hoffnungsträgern der weiblichen Szene des Genres.

Ruf Records (2021)
Stil: Blues Rock

01. Heart Of Fire
02. Played The Game
03. Hateful Blues
04. Road To Nowhere
05. Bring On The Pain
06. Hard Change
07. Do It In Heels
08. Sad Situation
09. Use Me
10. Tribute To SRV
11. What Do You Want From Me

Ally Venable
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Ruf Records

Joanna Connor – 4801 South Indiana Avenue – CD-Review

cover Joanna Connor - 4801 South Indiana Avenue

Review: Jörg Schneider

Die aus Chicago stammende Slide-Gitarren-Virtuosin Joanna Connor wird inzwischen als eine der stärksten und einflussreichsten ihrer Zunft gefeiert. Am 26. Februar erscheint nun ihr vierzehntes Album, benannt nach der Adresse des kultigen Chicagoer Bluesclubs „Theresa’s Lounge“ an der 4801 South Indiana Avenue. Es ist eine Hommage an den Chicago-Blues.

Da Joanna Connor im Laufe der Jahre bereits mit vielen namhaften Musikern der Bluesszene zusammengespielt hat, darunter Größen wie James Cotton, Buddy Guy und Jimmy Page, um nur einige zu nennen, war es eigentlich unvermeidlich, dass auch Joe Bonamassa auf ihr intensives und leidenschaftliches Gitarrenspiel aufmerksam wurde.

Er bot ihr an, ein Album auf seinem Independent-Blues-Label „Keeping The Blues Alive“ (KTBA) zu produzieren. Herausgekommen ist ein Werk mit zehn authentischen und einzigartigen Blues-Nummern, an dessen Entstehung musikalisch auch Joe Bonamassa selbst, Josh Smith und andere hochrangige Bluesmusiker beteiligt waren.

Joanna selbst sagt, dass das Album das elektrisierende Gefühl transportieren soll, welches man beim Betreten eines Bluesclubs hat, in dem gerade schweißtreibende, heiße Rhythmen gespielt werden.

Und genauso startet die Scheibe. Der Opener „Destination“, ursprünglich von der eher unbekannten Band The Assassins mit Jim Thackeray stammend, ist eine pulsierende, ungebändigte Rock’n Roll-Nummer mit fetzigem Piano, unterstützt von Bonamassa und Smith.

Schwungvoll geht es dann auch mit dem Reese Wynans-Klassiker „Come Back Home“ weiter: bluesig-stampfend und mit wild schrammelnden Slide-Guitar-Einlagen. Mit dem folgenden Stück „Bad News“ wird dann nach dem Glockenintro (entfernt an AC/DCs „Hells Bells“ erinnernd) etwas Tempo herausgenommen. Luther Allisons Slowblues klingt mit Joanna Connors druckvoller Stimme herrlich verzweifelt, ja der Seelenschmerz ist fast körperlich zu spüren.

„I Feel So Good“ ist dann wieder ein äußerst flotter Boogie, der so richtig die Beine zappeln lässt, zum Ende aber harmonisch und ruhig auszuklingen scheint, bevor es noch einmal für ein paar Takte mit Schmackes in die vollen geht und Albert Kings „For The Love Of A Man“ präsentiert sich als schöner Schwofer mit funkigen Bläsersätzen, aber auch quietschenden Gitarrenriffs. Den Song „I Feel So Good“ kann man übrigens auch schon hier mal als Video genießen.

Eine weitere Blues-Facette ertönt zur CD-Halbzeit: „Trouble Trouble“, ein klassischer Chicagoblues-Tune mit typischem Pianogeklimper und Bläserklängen. Eine Hommage an Hound Dog Taylor ist der folgende Track „Please Help“. Der Song ist schnell, laut und in Hound Dog Taylors typischem Bottleneck-Stil arrangiert, ein kerniger Electric-Blues-Sound. Rhythmisch hypnotisierend und gut tanzbar ist auch „Cut You Loose“, während „Part Time Love“ wieder zum Klammerbluestanzen mit Bläseruntermalung einlädt.

Das zehnte und letzte Stück des Albums „It’s My Time“ passt dann allerdings nicht so ganz zum bis dahin gepflegten Stil der Scheibe. Es stammt aus der Feder von Josh Smith und besticht diesmal durch für ein Bluesstück doch eher unüblichen Sprechgesang, wartet dafür aber im Mittelteil mit einem wunderschönen Slide-Gitarren-Duett zwischen Joanna und Josh auf.

Mit diesem Album beweist Joanna Connor, dass sie ihrem Ruf als grandiose Gitarristin mehr als gerecht wird. Die Scheibe versprüht pure Energie und macht einfach nur Spaß. Ein absolutes Muss für jeden, der es etwas wilder mag. Das Album kann als CD oder auch als digitale Download-Variante bestellt werden.

KTBA Records
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Destination
02. Come Back Home
03. Bad News
04. I Feeling So Good
05. For The Love Of A Man
06. Trouble Trouble
07. Please Help
08. Cut You Loose
09. Part Time Love
10. It‘s My Time

Joanna Connor
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