Joanna Connor – 4801 South Indiana Avenue – CD-Review

cover Joanna Connor - 4801 South Indiana Avenue

Review: Jörg Schneider

Die aus Chicago stammende Slide-Gitarren-Virtuosin Joanna Connor wird inzwischen als eine der stärksten und einflussreichsten ihrer Zunft gefeiert. Am 26. Februar erscheint nun ihr vierzehntes Album, benannt nach der Adresse des kultigen Chicagoer Bluesclubs „Theresa’s Lounge“ an der 4801 South Indiana Avenue. Es ist eine Hommage an den Chicago-Blues.

Da Joanna Connor im Laufe der Jahre bereits mit vielen namhaften Musikern der Bluesszene zusammengespielt hat, darunter Größen wie James Cotton, Buddy Guy und Jimmy Page, um nur einige zu nennen, war es eigentlich unvermeidlich, dass auch Joe Bonamassa auf ihr intensives und leidenschaftliches Gitarrenspiel aufmerksam wurde.

Er bot ihr an, ein Album auf seinem Independent-Blues-Label „Keeping The Blues Alive“ (KTBA) zu produzieren. Herausgekommen ist ein Werk mit zehn authentischen und einzigartigen Blues-Nummern, an dessen Entstehung musikalisch auch Joe Bonamassa selbst, Josh Smith und andere hochrangige Bluesmusiker beteiligt waren.

Joanna selbst sagt, dass das Album das elektrisierende Gefühl transportieren soll, welches man beim Betreten eines Bluesclubs hat, in dem gerade schweißtreibende, heiße Rhythmen gespielt werden.

Und genauso startet die Scheibe. Der Opener „Destination“, ursprünglich von der eher unbekannten Band The Assassins mit Jim Thackeray stammend, ist eine pulsierende, ungebändigte Rock’n Roll-Nummer mit fetzigem Piano, unterstützt von Bonamassa und Smith.

Schwungvoll geht es dann auch mit dem Reese Wynans-Klassiker „Come Back Home“ weiter: bluesig-stampfend und mit wild schrammelnden Slide-Guitar-Einlagen. Mit dem folgenden Stück „Bad News“ wird dann nach dem Glockenintro (entfernt an AC/DCs „Hells Bells“ erinnernd) etwas Tempo herausgenommen. Luther Allisons Slowblues klingt mit Joanna Connors druckvoller Stimme herrlich verzweifelt, ja der Seelenschmerz ist fast körperlich zu spüren.

„I Feel So Good“ ist dann wieder ein äußerst flotter Boogie, der so richtig die Beine zappeln lässt, zum Ende aber harmonisch und ruhig auszuklingen scheint, bevor es noch einmal für ein paar Takte mit Schmackes in die vollen geht und Albert Kings „For The Love Of A Man“ präsentiert sich als schöner Schwofer mit funkigen Bläsersätzen, aber auch quietschenden Gitarrenriffs. Den Song „I Feel So Good“ kann man übrigens auch schon hier mal als Video genießen.

Eine weitere Blues-Facette ertönt zur CD-Halbzeit: „Trouble Trouble“, ein klassischer Chicagoblues-Tune mit typischem Pianogeklimper und Bläserklängen. Eine Hommage an Hound Dog Taylor ist der folgende Track „Please Help“. Der Song ist schnell, laut und in Hound Dog Taylors typischem Bottleneck-Stil arrangiert, ein kerniger Electric-Blues-Sound. Rhythmisch hypnotisierend und gut tanzbar ist auch „Cut You Loose“, während „Part Time Love“ wieder zum Klammerbluestanzen mit Bläseruntermalung einlädt.

Das zehnte und letzte Stück des Albums „It’s My Time“ passt dann allerdings nicht so ganz zum bis dahin gepflegten Stil der Scheibe. Es stammt aus der Feder von Josh Smith und besticht diesmal durch für ein Bluesstück doch eher unüblichen Sprechgesang, wartet dafür aber im Mittelteil mit einem wunderschönen Slide-Gitarren-Duett zwischen Joanna und Josh auf.

Mit diesem Album beweist Joanna Connor, dass sie ihrem Ruf als grandiose Gitarristin mehr als gerecht wird. Die Scheibe versprüht pure Energie und macht einfach nur Spaß. Ein absolutes Muss für jeden, der es etwas wilder mag. Das Album kann als CD oder auch als digitale Download-Variante bestellt werden.

KTBA Records
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Destination
02. Come Back Home
03. Bad News
04. I Feeling So Good
05. For The Love Of A Man
06. Trouble Trouble
07. Please Help
08. Cut You Loose
09. Part Time Love
10. It‘s My Time

Joanna Connor
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