Steve Young – The Great North Road – EP-Review

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New Country-Musik erlebt ja derzeit auch bei unseren EU-abwanderungsfreudigen Briten einen regelrechten Boom, nicht zuletzt entstanden durch das aufsehenerregende mehrtägige Country2Country-Festival u. a. in der Londoner O2-Arena, in Dublin und Glasgow, bei dem sich die großen Stars der Nashville-Zunft, seit einigen Jahren, die Klinke allesamt in die Hand reichen.

So haben für 2018 z. B. auch schon wieder Tim McGraw und Ehefrau Faith Hill ihr Kommen avisiert. Es wird sogar an einer Expansion auf weitere Städte in Europa hingearbeitet. Wäre ja klasse, wenn so ein New Country-Spektakel auf höchstem Niveau auch bei uns mal ermöglicht würde.

Der hier zu besprechende Künstler Steve Young ist ein weit gereister Musiker, der 2016 das Vergnügen hatte, in London mit dabei gewesen zu sein.  Seine von Justin Johnson produzierte EP „The Great North Road“ wurde mir jetzt mal so einfach zugesendet. Laut der beigefügten Bio hatte er bisher musikalische Berührungspunkte u. a. mit Lionel Richie, Peter Andre und dem Ex-Savage Garden-Frontmann Harren Hayes, der Steve als Touring-Gitarrist mit um die Welt nahm und auch an seinem letzten Album partizipieren ließ.

Unter Mithilfe von Insel-Musikern wie Scott Poley, Ollie Collins, Chris Howard, Justin Johnson, Toby Shear, Kris Alexander, Joe Topping, Laura Oakes, Thorne Hill gibt er sechs selbst-komponierte Stücke zum Besten, wobei das erste mit 37 Sekunden Länge (ein bisschen Piano-Geklimper und Basstöne) nur als Intro für den Opener „Trembling Heart“ gewertet werden kann.

Youngs Songs lassen sich durchaus dem New Country-Genre zuordnen (fast in allen Tracks ist z. B die Pedal Steel präsent), klingen aber allesamt sehr bardenhaft. Überwiegend fühle ich mich mehr an die Zeiten der Donavans und Art Garfunkels & Co.  in den Flower-Folk-Pop-umwehten 70er-Jahren erinnert.

Alles ist sehr melodisch gehalten, „Beautiful Tonight“ ist aufgrund schöner Mandolinenklänge, integrierter Fiddle und einem zünftigen E-Gitarren-Solo mein Favorit des Werkes.

Der Rest von Steve Youngs EP „The Great North Road“ geht, genau wie seine Stimme, schön, meist samtweich, aber auch relativ unspektakulär ins Ohr. Was britische Musik angeht, bleiben hier wohl erst mal Blues- und Hard Rock doch meine dominierenden Präferenzen.

Eigenproduktion (2017)
Stil: New Country

01. Intro
02. Trembling Heart
03. Hard Times In A Beautiful Place
04. The Great North Road
05. Beautiful Tonight
06. The Greatest Love Song (Of All Time)

Steve Young
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Robert Jon & The Wreck – Wreckage Vol. 1 – CD-Review

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Die Süd-Kalifornier Robert Jon & The Wreck stehen  in unseren Augen für eine neue junge Generation an Südstaaten-Rockern. Nicht, dass sie dabei das Rad neu erfinden – auch sie bedienen sich natürlich der altbewährten Zutaten – wirken aber viel frischer, kreativer und hungriger als der mittlerweile schwer in die Jahre gekommene Rest der arrivierten Vertreter dieser Zunft.

Mit „Wreckage Vol. 1“, einer Ansammlung von B-Seiten und Outtakes, leisten sie sich jetzt den Luxus, direkt parallel zu ihrem gerade auf den Markt gekommenen neuen Album zur aktuellen Tour (wir haben ja wieder ihr Konzert in der Krefeder Kulturrampe beleuchtet), ihre stetig anwachsende Fanbasis, noch mit weiterem Stoff zu verwöhnen.

Im Gegensatz zu ihren letzten beiden Werken, wo ihre kompositorische und technische Weiterentwicklung deutlich spürbar in den Vordergrund gerückt wurde, erhält man hier, die quasi unbändige Variante der Band, so wie man sie bei ihren mitreißenden Live-Auftritten erlebt.

Die Songs kommen mit ihrem ungeschliffenen Charakter rau und kompromisslos rockend rüber, ja man fühlt sich zum Teil in die frühere analoge Anfangszeit des Southern Rocks zurückversetzt.

Fronter Robert Jon Burrison singt hier regelrecht gegen ein instrumentelles Bollwerk seiner Kollegen an, wobei Kristopher Butcher mit seinen furiosen E-Gitarren- und Slideeinlagen, Steve Maggiora mit variablen Keys (HT-Piano, Orgel, E-Piano) und Andrew Espantman mit seinem wüst polterndem Drumming immer wieder auffällig in Erscheinung treten.

Sämtliche Tracks spielen sich im gehoben Midtempo bis Uptempo ab und haben zum Teil einen dezenten psychedelischen 70er-Touch (u. a. „Water“, „Cry Of Love“). Zeit zum Durchatmen ist so gut wie Fehlanzeige.

Robert Jon & The Wrecks „Wreckage Vol. 1“ ist somit quasi ein schöner Nachspann als auch Goodie  zu ihren starken Konzerten der vergangenen Wochen, sowie dem grandiosen aktuellen Album. Nicht nur aus Vollständigkeitsgründen kann man auch hier bedenkenlos zugreifen, die Jungs bereiten einfach in jeder Hinsicht Spaß und sind immer ihr Geld wert!

Eigenproduktion (2017)
Stil: Southern Rock

01. Rhythm Of The Road
02. Georgia Mud
03. Don’t Let The Fire Burn Out
04. Breaker
05. Back Around
06. Water
07. On The Run
08. Raised By Wolve
09. Breaking Down The Road
10. Let Her Go
11. Cry Of Love
12. Gypsy Of Love

Robert Jon & The Wreck
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Teenage Head Music

Chris Rea – Road Songs For Lovers – CD-Review

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Review: Michael Segets

Chris Rea muss an dieser Stelle nicht eigens vorgestellt werden. 30 Millionen verkaufte Alben sprechen für sich. Klassiker wie „I Can Hear Your Heartbeat“, „Josephine“ oder „The Road To Hell“ gehen auf sein Konto. Nach seinen großen Erfolgen der 80er und 90er Jahren wurde um die Jahrtausendwende bei ihm eine schwere Erkrankung diagnostiziert und Chris Rea wandte sich Projekten zu, die ihm besonders am Herzen lagen, aber weniger mainstreamtauglich waren.

Jetzt legt er mit „Road Songs For Lovers“ ein neues Album vor, das nahtlos an den Sound früherer Jahre anknüpft. Seine unverwechselbare Stimme, sein typisches Gitarrenspiel und das Songwriting garantieren einen hohen Wiedererkennungswert. Thematisch geht es in vielen Stücken um Reisen, Veränderungen und die Bewegungen auf dem Lebensweg, wie bereits die Titel andeuten.

„Happy On The Road“ eröffnet den Longplayer. Die Midtempo-Nummer (sogar dezentes Southern-Flair) strahlt trotz aller Nachdenklichkeit eine Gelassenheit aus, die den Grundton des Albums vorgibt. Dieser wird auch bei der Ballade „Nothing Left Behind” aufgegriffen, in der sich schöne Klavierpassagen finden.

Dem unaufgeregten Titelstück „Road Songs For Lovers“ folgt das etwas sperrigere „Money“ mit Blues- und Jazz-Einflüssen. „Two Lost Souls“ ist eine wehmütige Rockballade, die sich direkt als Chris-Rea-Song identifizieren lässt. Mit „Rock My Soul“ greift Rea Swing-Elemente auf, welche durch den Einsatz des Schlagzeug-Besens und der Bläser verstärkt werden.

„Moving On“ überzeugt mit guter Percussion, „The Road Ahead“ mit kraftvollem Schlagzeug und rockiger Gitarre. Letztgenannter Song ist als erste Single sicherlich die richtige Wahl. Die beiden Tracks bilden zusammen mit dem folgenden, tief gesungenen Blues „Last Train“ den stärksten Teil des Albums. Bei dem Sprechgesang wirkt Chris Reas Stimme weniger samtig als üblich. Schlagzeug, Bläser und Gitarre ergänzen sich bei dem langen Instrumentalteil am Ende hervorragend. Einzig das Fade-Out hätte – wie bei anderen Songs auch – anders gelöst werden können.

Drei gefühlvolle Balladen vervollständigen die CD, bei denen es Rea auf seine eigene Weise gelingt, die mitschwingende Sentimentalität nicht im Kitsch enden zu lassen. Seine Stimme hat bei „Angel Of Love“ wieder die für ihn charakteristische warme Färbung. In die reduzierten „Breaking Point“ und „Beautiful“ mischen sich gebrochene Töne in seinen Gesang, die den Songs eine hohe Intensität verleihen.

Mit 66 Jahren, wenn andere an die Rente denken, will es Chris Rea nochmal wissen. Ihm ist ein Album gelungen, mit dem er Liebhaber seiner eingängigeren Werke wieder zurückgewinnen wird. Vermutlich findet sich kein überragender Single-Hit auf der Scheibe, aber Reas Einladung zu einem nachdenklichen und dennoch entspannten Road-Trip folgt man gerne über die ganze Strecke.

BMG – (2017)
Stil: Blues/Rock

01. Happy On The Road
02. Nothing Left Behind
03. Road Songs For Lovers
04. Money
05. Two Lost Souls
06. Rock My Soul
07. Moving On
08. The Road Ahead
09. Last Train
10. Angel Of Love
11. Breaking Point
12. Beautiful

Chris Rea
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Netinfect Promotion

David Crosby – Sky Trails – CD-Review

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Über die mittlerweile 75-jährige Musiker-Legende David Crosby braucht man nicht mehr viele Worte zu verlieren. Gerade in Verbindung mit seinen Kollegen Graham Nash, Stephen Stills und Neil Young ist sein Wirken so ziemlich jedem unserer Generation in irgendeiner Form bekannt. Er ist gleich zweimal in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen worden, dazu 2009 in die prestigeträchtige Songwriters Hall Of Fame.

Auch wenn er mich nicht zu seiner eigentlichen Klientel zählen darf, hatte ich ebenfalls meine Berührungspunkte mit ihm, die allerdings auch schon wieder eine halbe Ewigkeit her sind. Zum einen kaufte ich mir Anfang der Achtziger Jahre in einem Anflug einer Westcoast-Begeisterungsphase die CS&N-Alben „Daylight Again“ und „Allies“, im Rahmen des letztgenannten Werkes sah ich das Trio 1983, auf dem heiligen Rasen des Georg-Melches-Stadions stehend (leider war meine damalige, dort hinterlassene Aura als Tischtennis-Bundesliga-Spieler nicht mit den nachfolgenden Generationen der Rot-Weiss Essen-Fußballspieler kompatibel…) , als Headliner eines Festivals mit den weiteren Voracts Icehouse, Peter Tosh, Van Morrison und Mike Oldfield.

Das war es dann aber auch bis zum heutigen Tage. Jetzt hat mir Netinfect Promotion David Crosbys neues Solo-Werk „Sky Trails“ einfach mal zugeschickt, das im Wesentlichen in Zusammenarbeit von ihm und seinem einst zur Adoption freigegebenen Sohn, James Raymond,  getragen wird. Weitere involvierte Musiker sind u. a. Leute wie Steve Tavaglione (Sopran-Saxofon), Mai Agen (Bass) und Steve DeStanislao (Drums) sowie Becca Stevens (schöne Harmoniegesänge beim Titelstück „Sky Trails“).

Das Gesamtwerk wird überwiegend getragen von einem relaxten, oft fast schon meditativen Charakter, diverse Tracks sind von einem gediegenen Steely Dan-Flair umweht. Bezugspunkte zu unserem Magazin gibt es lediglich durch ein paar eingeflochtene Steel-Passagen wie bei meinem, die Gier in Politikerkreisen anprangernden Lieblingsstück auf diesem Silberling, „Capitol“, bei dem bei Crosby so ein wenig wieder der wütende Alt-Revoluzzer zum Vorschein kommt.

Insgesamt ist „Sky Trails“ ein sehr spezielles, teilweise manchmal schon fast Kammermusik-artiges Album für die eher ruhigen Momente im Wohnzimmer. Um eine weiterführende, vielleicht sogar himmlische Wirkung von Crosbys Kreationen hier beurteilen zu können, müsste begleitend vermutlich noch der eine oder andere Joint gezündet werden…

BMG – (2017)
Stil: Westcoast, (Psychedelic) Folk

01. She’s Got To Be Somewhere
02. Sky Trails
03. Sell Me a Diamond
04. Before Tomorrow Falls On Love
05. Here It’s Almost Sunset
06. Capitol
07. Amelia
08. Somebody Home
09. Curved Air
10. Home Free

David Crosby
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Netinfect Promotion

Jessy Martens – Gewinnspiel

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Das Gewinnspiel ist beendet.

Die richtige Antwort hieß ‚Jayfish Records‘!

Über die brandaktuelle Jessy Martens-CD „Tricky Thing“ darf sich

Jörg Reutter aus Baiersdorf,

freuen, dem der Gewinn in den nächsten Tagen zugeht!

Sounds Of South wünscht viel Spaß damit!

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Netinfect Promotion hat uns netterweise das neue Album der hanseatischen Blues-Röhre Jessy Martens (Gewinnerin German Blues Award), „Tricky Thing„, für ein Gewinnspiel zur Verfügung gestellt, dem wir natürlich gerne nachkommen.

Folgende trickreiche Frage muss dazu richtig beantwortet werden:

Unter welchem Label wurde „Tricky Thing“ von Jessy Martens produziert und eingespielt?

a) Jaycat Records
b) Jaydog Records
c) Jayfish Records

Bitte sende eine E-Mail mit der richtigen Lösung bis zum 30.09.2017 an dan@sounds-of-south.de.

Wir losen unter allen richtigen Einsendern eine/n Gewinner/in aus, der/die dann umgehend benachrichtigt und mit der CD beliefert wird.

Jessy Martens And Band
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Netinfect Promotion

Kip Moore – Slowheart – CD-Review

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Kip Moore ist ein Bursche, der viele Talente in sich vereint. Dem stand leider auch lange Zeit eine ‚Komm ich heute nicht, komm ich morgen‘-Mentalität entgegen. Sein Basketballspiel war nicht zu verachten, aber als Sohn eines Golfprofis wurde ihm das Schlagen, Chippen und Putten mit dem kleinen Dimples-bestückten Kunststoffball natürlich besonders mit in die Wiege gelegt, was ihm sogar ein Stipendium an einer Universität einbrachte.

Dort entdeckte er seine Vorliebe für die Musik und begann sowohl solo als auch in Bands aufzutreten. Nach dem Abschluss tauchte er erstmal für ein halbes Jahr auf Hawaii ab, wo schließlich der Entschluss reifte, es in Nashville zu versuchen. Zunächst als Songlieferant für Interpreten wie u. a. Jake Owen und Thompson Square tätig, zog er die Aufmerksamkeit von Hitschreiber Brett James auf sich, der ihn dann mit dem erfolgreichen Debütwerk „Up All Night“ so richtig in die musikalische Spur brachte.

Nach dem nicht minder gelungenen „Wild Ones“ legt Kip Moore jetzt mit „Longheart“ sein drittes Album vor, das er diesmal weitestgehend allein produziert hat, sporadisch wurden hier noch David Garcia und Luke Dick mit eingebunden, die sich auch bei den Songwriter- und Instrumentalisten-Credits wiederfinden. Großes Lob vorab! Auch auf dieser CD hat Kip wieder fast alle Stücke mitkreiert, Josh Kear, Dan Couch, Josh Miller, Blair Daly, Troy Verges, David Lee Murphy sind weitere bekannte Co-Writer in der Szene.

Auch ohne die typischen Instrumente wie Steel, Fiddle, Banjo, etc. auskommend (lediglich eine von Dan Tyminski gespielte Mandoline ist vertreten), gelingt es hier, mit den Tracks einen Nashville-Bezug herzustellen. Das ist in erster Linie den Gitarrenkönnern Rob McNelley, Tom Bukovac und Danny Rader zu verdanken, die mit ihren markanten Spieleinlagen sehr viel Southern-Flair erzeugen und das Gesamtwerk somit zum Teil in Richtung von Vertretern wie Jason Aldean, Brantley Gilbert, Eric Church & Co. rücken.

Beste Beispiel sind Songs wie „Just Another Girl“, “Fast Women“, „Blonde“ und „Last Shot“, bei denen sie in Sachen Hooks, Fills und Soli teilweise herrlich Southern Rock-mäßig in die Saiten greifen! Natürlich sind auch wieder jede Menge eingängige hittaugliche Nummern (z. T. mit viel Heartland-Flair) vertreten. Hier stechen besonders der flockige Opener „Plead The Fifth“, das treibende „I’ve Been Around“, das hymnische, stadion-taugliche „Bittersweet Company“, das launige „Sunburn“ (U2-Rhythmus-E-Gitarre), „The Bull“ (dezente Fleetwood Mac-Note) und das poppig euphorische „Good Thing“ hervor.

Wer gerne geschmackvoll inszenierte Balladen hört, ist hier, bei in der Trackliste gut platzierten Liedern wie „Fast Women“, „More Girls Like You“ oder „Try Again“, bestens aufgehoben. Und am Ende überrascht Kip Moore dann noch mit dem, in dylaneskem Erzählstil vorgetragenen „Guitar Man“, wo er so etwas wie eine Art Seelenstriptease in eigener Sache betreibt.

Kip Moore, der von sich sagt „Musik ist meine einzige echte Liebe, alles andere sind nur Affären“ liefert mit seinem dritten Lonplayer „Slowheart“ sein vielleicht bisher persönlichstes, aber auch bestes Album ab. Sehr empfehlenswert!

MCA Nashville (2017)
Stil: New Country

01. Plead The Fifth
02. Just Another Girl
03. I’ve Been Around
04. Fast Women
05. Bittersweet Company
06. Sunburn
07. More Girls Like You
08. The Bull
09. Blonde
10. Good Thing
11. Last Shot
12. Try Again
13. Guitar Man

Kip Moore
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Universal Music

Gil Edwards – Celebrate – CD-Review

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Review: Michael Segets

Gil Edwards feiert sein fünfzigjähriges Jubiläum als Musiker mit der passend betitelten CD „Celebrate“, die Live-Aufnahmen von Konzerten in Deutschland versammelt. Als Krefelder freut es mich, dass vier der neun Tracks im heimischen „Jazzkeller“ mitgeschnitten wurden. Da das Publikum kaum wahrnehmbar ist, handelt es sich bei der Scheibe allerdings nicht um ein Live-Album im üblichen Sinne. Die von Martin Engelien übernommene Produktion fängt den rauen Charme von Gil Edwards Stimme ein.

Die Einschätzung der Platte fällt zwiespältig aus und lässt sich an der Gegenüberstellung von Eigenkompositionen und Covern festmachen. Die fünf Eigenkompositionen überzeugen weitaus mehr als die Interpretation der „Klassiker“.

Das von Edwards geschriebene „Hey, Hey, Hey“ verfügt – wie der Titel bereits vermuten lässt – über einen sehr eingängigen Refrain, den auch „Don’t Wanna Hear About It“ vorzuweisen hat. Die beiden locker drauflos rockenden Stücke machen richtig Spaß und bringen bei Live-Shows das Publikum bestimmt in Wallung. Wie ein alter Bekannter wirkt das emotional bewegende „Lying“. Edwards, der seinen Musikstil auch als Roadhouse bezeichnet, zeigt bei „Turn My Head Around“ seine Affinität zum Blues Rock. Der Blues infiltriert auch „Wishing Well“. Die selbst geschriebenen Titel strotzen zwar nicht vor Originalität, aber sind doch sehr gelungene Genrebeiträge.

Backgroundsängerin Angie Damschen verfügt über eine unglaubliche Stimme und peppt mit ihren Einlagen viele Stücke ungemein auf. Elektrische Gitarrensoli sind fester Bestandteil aller Eigenkompositionen. Edwards überlässt diese Joerg Dudys und Dennis Hormes, die gute Arbeit abliefern.

Ausgeprägte Gitarrenpassagen prägen ebenfalls die vier Coverversionen. So kommen die beiden Stücke von den Rolling Stones jeweils fast an die acht Minuten. Bei „Wild Horses“ – einem meiner Favoriten aus der Feder von Mick Jagger und Keith Richards – will das Gefühl der Ballade nicht richtig überspringen. Aber das mag jeder anders empfinden. In „Paint It Black“ sticht die Percussion von Pitti Hecht heraus. Insgesamt ist die Version sehr verspielt und verliert dadurch etwas an Drive.

Das in meiner Jugendzeit von Kim Wilde performte – vorher von The Supremes und später von Vanilla Fudge aufgenommene – „You Keep Me Hangin´ On“ hat mich nie begeistert. Die Version von Gil Edwards, bei der mich auch der Gesang nicht durchgängig anspricht, ändert daran nichts. Die unaufgeregte Interpretation von Bob Dylans „My Back Pages“ ist das gelungenste Cover und bildet einen schönen Abschluss der CD.

Die Cover funktionieren im Konzertsaal bestimmt, aber ich hätte mir für den Longplayer mehr von Gil Edwards Kompositionen gewünscht. Er schreibt gute Lieder und vielleicht wäre es eine Idee gewesen, bei „Celebration“ auf Songs seiner beiden Alben „Can’t Give Up“ (1999) und „Mayday Situation“ (2004) zurückzugreifen, statt die anderer Künstler aufzunehmen.

A 1 Records/SPV (2017)
Stil: Rock/Roadhouse

01. Hey, Hey, Hey
02. Lying
03. You Keep Me Hangin‘ On
04. Don’t Wanna Hear About It
05. Paint It Black
06. Turn My Head Around
07. Wild Horses
08. Wishing Well
09. My Back Pages

Gil Edwards
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Brooke Lynn Promotion

Jive Mother Mary, 16.09.2017, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Nach Robert Jon & The Wreck im August präsentierten „Pille“ Peerlings und Teenage Head Musik mit Jive Mother Mary eine weitere hochkarätige Southern-Rock-Band in der Krefelder Kulturrampe. Frontmann Mason Keck und seine drei Mitstreiter zogen das Publikum von Beginn an in ihren Bann.

Der Titel „Feeling Fine“, mit dem die Band aus Alamance, North Carolina, loslegte, war zugleich Programm für die nächsten hundert Minuten. Die Begeisterung, mit der Jive Mother Mary den Auftritt bestritten, schwappte direkt auf die Gäste der Kulturrampe über. Dass mit „Long Odds“ und „Burning Up The Highway“ zwei bislang unveröffentlichte Songs auf den Opener folgten, ist zwar ungewöhnlich, tat der Stimmung aber keinen Abbruch. Beim zweitgenannten übernahm Gitarrist Tyler Schulz anfänglich die lead vocals. Keck und Schulz legten sich anschließend bei „Down South Manifesto“ mit zweistimmigem Gesang und Twin-Gitarren mächtig in Zeug.

Perfekt eingespielt und voller Elan jamte die Band „Have A Cigar“. Die beiden Gründungsmitglieder Mason Keck und Schlagzeuger Seth Aldridge verstehen sich blind, was bei ihren Langhaarfrisuren sehr vorteilhaft ist. Bassist Will Sanders war nicht nur hier, sondern während des gesamten Konzerts in ständiger Bewegung und auch Tyler Schulz arbeitete kräftig, wie sein durchgeschwitztes T-Shirt bewies. Schön war, dass Sänger und Gitarrist Mason Keck immer wieder Kontakt zum Publikum aufbaute und auch physisch die Nähe zu ihm suchte. So stellte er sich bei seinen Gitarrensoli oft an den Bühnenrand und stieg auch zweimal von ihm herunter, sodass man sein filigranes Wirken unmittelbar beobachten konnte.

Einen ersten Höhepunkt erreichte das Konzert bei dem Rockstück „Outta Love“ von dem Album „All Fall Down“ (2009). Das folgende „I Tried To Let Go“, das Keck als „Southern Rock ’n Roll” bezeichnet, ließ den satten Klang des Schlagzeugs von Aldridge besonders gut zur Geltung kommen. Nach dem ruhigeren Song „The Ride“ kochte die Stimmung des Publikums bei dem kraftvollen „Move On Home“. Die aufgenommene Fahrt wurde durch das countryfizierte „Hollywood“ etwas abgebremst. Man hätte auch mit dem tanzbaren und melodischen Rocker „Save Me“ den Schwung direkt mitnehmen können. Hier spielte Mason Keck zunächst souverän mit einer gerissen Saite weiter, um dann doch noch auf seine zweite Gitarre umzusteigen.

Mit „Planes, Trains & Automobiles“, „Ba Dum“ und dem Eagles-inspirierten „Great Decline“ steuerte das Konzert auf sein Ende zu. Den Abschluss des Hauptsets bildete „Home“. Bei dem grandiosen Song setzt die Gitarre von Schulz gelungene Akzente in das Spiel von Keck, der zudem bewies, dass er auch in höheren Tonlagen gesanglich sicher unterwegs ist. Wenn darüber hinaus der Titel gemeinsam von den Bandmitgliedern in die Mikros gerufen wird, entwickelt der Song eine ungeheure Wucht. Eine Textzeile lautet wie die letzten EP: „Home Is Where Your Heart Is“.

Die Jungs von Jive Mother Mary spielen mit so viel Leidenschaft, dass sie auf der Bühne zuhause sein müssen! Die Band zählt in ihrer Heimat North Carolina zu den anerkanntesten Live-Acts und konnte in Krefeld beweisen, dass dieser Status berechtigt ist. Die Live-Versionen der Stücke haben mich zumeist mehr überzeugt, als die mir bekannten Studio-Aufnahmen.

„The Climb“ und das sofort wiederzuerkennende „Keep On Keepin‘ On“ stellten die erste Zugabe dar. Damit hatten die Amerikaner alle Tracks der letzten beiden EPs im Programm. Da das Publikum die Band noch nicht gehen lassen wollte, gab sie als spontane Zweit-Zugabe „I Can Still Be Your Man“. Der ältere Song, war wohl zeitweise in Vergessenheit geraten und wurde nun erstmals live performt.

Jive Mother Mary liefern Southern Rock auf hohem Niveau. In Erinnerung bleibt vor allem das virtuose Gitarrenspiel von Mason Keck, begleitet von seiner eindrucksvollen Mimik. Dabei hatten seine Instrumental-Einlagen genau das richtige Maß. Sie waren ausgedehnt, aber nicht so lang, dass die Grundanlage der Songs in den Hintergrund getreten wäre.

Nach Daniels fast überschwänglichem Lob der niederländischen Konzertkultur anlässlich des vortägigen Auftritts von Sass Jordan wollte ich heute eigentlich einen Hinweis auf die treue Fan-Basis der Kulturrampe einbauen. Allerdings fehlten viele der üblichen Verdächtigen. Zum Glück haben einige neue Liebhaber von guter Live-Musik den Weg zum Krefelder Großmarkt gefunden.

Jive Mother Mary und die unverzagten Veranstalter hätten ein volleres Haus verdient gehabt. Vielleicht hat der Umstand, dass dies die erste Deutschlandtour der Band ist – oder die verhältnismäßig geringe Anzahl an (aktuellen) Veröffentlichungen – dies verhindert. Die Band zeigte sich aber begeistert von Publikum und der Location. Schlagzeuger Seth Aldridge kündigte an, bald mit einer neuen CD im Gepäck zurückzukommen. Das wäre dann eine zweite Chance – die wirklich jeder nutzen sollte – um Jive Mother Mary live zu erleben.

Line-up:
Mason Keck (lead vocals, electric guitar, vocals)
Tyler Schulz (electric guitar, vocals, lead vocals)
William Sanders (bass, vocals)
Seth Aldridge (drums, vocals)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Michael Segets

Jive Mother Mary
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Jessy Martens And Band – Tricky Thing – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Lange Zeit war es ruhig um diese kleine hanseatische Powerfrau mit der unglaublichen Bluesröhre. Jetzt ist Jessy Martens kraftvoller denn je mit ihrer Band zurück und legt mit ihrem neuen Album „Tricky Thing“ ein Werk vor, das sich nicht wirklich in eine Schublade pressen lässt.

Mal kommen ihre melancholischen Songs richtig bluesig daher, dann wieder eher mit Anleihen aus dem Jazz („Pack Of Lies“, ein soulig beschwingtes Stück mit passender Pianobegleitung, dessen Rhythmus in die Beine geht und zum Abtanzen einlädt) oder auch wie im Titelsong „Tricky Thing“, stimmlich und vom Arrangement her, an Amy Winehouse erinnernd, mit einem Gänsehaut erzeugendem Soulfeeling.

Die klare Sopran-Stimme der nur 1,52 m großen Gewinnerin des German Blues Award und des Deutschen Rockpreises ist mit den Jahren reifer und facettenreicher geworden. So kommt Ihre vokale Bandbreite z. B. besonders gut auf dem souligen „Undercover“ zur Geltung. Oft klingt sie auch nur zart und zerbrechlich und dann aber wieder rau und bluesig wie beim Opener „Stronger“, einem schönen Uptempo Blues über das Verlassen werden.

Eher zurückhaltend arrangiert ist dagegen der 6-minütige Blues „Hush Now“ mit zart gesungenen Refrains und bluestypischen Gitarreneinlagen. „Insanity“ hingegen ist ein sehr rhythmischer überschäumender Gute-Laune-Song, während der Slowblues „Fire“ einen wunderschönen Rahmen für Jessy Martens klaren Sopran bildet. Mit einem richtig hart-rockigen Intro und Extro geht’s dann auf „Home“ weiter, wobei der Mittelteil eher dem jazzig-souligen Grundstil des Albums entspricht.

Die beiden letzten Stücke der CD bieten dann einen sinnlich nachdenklich Ausklang, wobei „By Your Side“ weniger melancholisch und im Vergleich zu „Giants’’ richtig fröhlich klingt. „Giants“ überzeugt dafür mit wehmütigem Timbre, klaren Gitarrenklängen und Pianobegleitung – so richtig zum Chillen und Träumen.

Langweilig ist die Scheibe also nie, aber sie ist doch insgesamt eher für gemütliche, zweisame Couchabende geeignet. Die weiblichen und romantisch veranlagten Leserinnen dieses Magazin werden sicherlich ihre helle Freude an dem Album haben, für hartgesottene Americana- und Southern Rock-Fans ist das Teil wahrscheinlich zu soft. Allerdings sind, und dies kann nicht oft genug betont werden, die gesanglichen Qualitäten von Jessy Martens wirklich überragend.

Line-Up:
Jessy Martens – Lead vocals
Dirk Czuya – Electric guitar, background vocals
Christian Hon Adameit – Bass, background vocals
Markus „Mosch“ Schröder – Keyboards
Christian Kolf – Drums

Jayfish Records – (2017)
Stil: Blues, Soul

01. Stronger
02. Pack Of Lies
03. Hush Now
04. Tricky Thing
05. Insanity
06. Undercover
07. Fire
08. Home
09. By Your Side
10. Giants

Jessy Martens And Band
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Netinfect Promotion

Sass Jordan – Support: Chris Caddell And The Wreckage – 15.09.2017, Arnheim, Luxor Live – Konzertbericht

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Ein Gig, auf den ich mich dieses Jahr schon seit längerem gefreut habe, war der von Sass Jordan, die anlässlich des 25-jährigen Jubileums ihres Paradealbums „Racine“  (jetzt zeitgleich neu eingespielt, wieder aufgelegt als „Revisted“-Ausgabe, siehe unsere Besprechung), in Europa tourt.

Die Kinnlade ging natürlich immens runter, als das geplante Konzert im Kölner Jungle Club wegen zu geringem Kartenabsatzes kurzfristig abgesagt wurde. Der deutsche Michel besucht in der Domsadt scheinbar lieber anonyme Kommerz-orientierte Massenveranstaltungen zu horrenden Preisen – Metallica lassen grüßen.

Sounds Of South, das Magazin, das immer auf Zack und flexibel ist, reagierte sofort, und organisierte  in Verbindung mit Brooke-Lynn Promotion noch spontan eine Akkreditierung für den Gig im niederländischen Arnheim, übrigens Gernots und mein erster Auslandseinsatz in Sachen Live-Berichterstattung seit Bestehen dieses Magazins.

An dieser Stelle muss ich mal eine Lanze für unser Nachbarland brechen. Als Hundebesitzer und demnach passionierter langjähriger Zeeland-Urlauber bewundere ich immer wieder den Sinn für deren Gemeinschaftsleben, die recht entspannt und gebildet wirkenden Menschen, u. a. auch besonders die Pflege der dortigen Infrastruktur.

Das Land scheint nicht von einer, durch eine kleine elitäre geldgeile Klicke, infiltrierten selbstsüchtigen und entrückten Politikerschaft sowie einer weitestgehend unfähigen und nicht belastbaren Beamtenschaft delegiert zu werden. Und so auch in Arnheim: Eine einladende Stadtstruktur, perfekte Straßen, gepflegte Sauberkeit, wohin das Auge blickte, ein durch Elektrobusse befahrener Stadtkern, bezahlbare Parkhäuser (2 Euro für den Abend), dazu eine wunderbar hergerichtete Konzert-Location, eine straffe, freundliche Top-Organisation des Events eingeschlossen.  Der gerechte Lohn: Ein volles Haus (geschätzt etwas mehr als 500 Leute)!

Beim Jordan-Abend wurden direkt zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Die Kanadierin wurde von Chris Caddell begleitet, der als Vorband mit den beiden anderen involvierten Musikern Cassius Pereira und Derrick Brady, die Gelegenheit erhielt, für sein Solo-Projekt Werbung zu machen.

Das Trio (blues-) und (southern-) rockte mit einer wuchtigen Intensität, wobei sich Caddell  als angenehmer Sänger und starker E-Gitarrist (auch als Slide-Spieler) profilieren konnte. Stücke wie „From The Wreckage“, „Workin'“, „The Rescue“, „Through My Hands“ und die abschließenden „Ohio“ (fette rockige Version zur Freude des Neil Young-Liebhabers Gernot) und „Killing Me“ füllten eine toll performte erste halbe Stunde. Ich habe selten eine so gute Vorgruppe erlebt.

Nach einer halben Stunde Pause in dem eindrucksvoll gestalteten Konzertsaal, den die drei Burschen auch zum Kleidungswechsel nutzten, ging es mit der Protagonistin der Veranstaltung im Quartett weiter.

Schon der Auftakt mit den vier „Racine“-Stücken „If You Gonna Love Me“, „Who Do You Think You Are“, „Where There’s A Will“ und der herrlichen Ballade „Remind Me“ ließ einem wohlige Schauer, den Rücken runter laufen. Das Publikum, wie auch wir beiden, waren absolut begeistert und sofort auf Betriebstemperatur!

Sass Jordan ist einfach eine einnehmende Frontfrau. Für Ihr Alter immer noch toll aussehend, körperlich absolut erstklassig in Form, sympathisch, kommunikativ, dazu diese extravagante Stimme, sowohl zahm wie ein Lamm, aber auch überwiegend kräftig und aggressiv wie ein beute-hungriges Raubtier.

Sass, wie sich ihren Ansagen entnehmen ließ, wohl nicht zum ersten Mal an dieser Stelle auftretend, zeigte sich gut gelaunt, redefreudig, tanzte, gestikulierte, schlängelte mit den Armen, ließ die blonde Mähne wehen und zog mit einem gut ausgewähltem Programm ihres Schaffensspektrums, die Leute über die gesamte Dauer in ihren Bann. Auch hier bewiesen die drei Mitstreiter wieder ihre instrumentelle Klasse (Caddell mit toller Rhythmus-, Fill- und auf den Punkt gebrachter Solo-Arbeit an der E-Gitarre, der ungemein agile Brady mit seinem pumpenden Bass – beide auch mit guten Harmoniegesängen – sowie der heftig polternde Pereira).

Und so schloss sich in einem erstklassigen Wechselbad der musikalischen Gefühle, mit Songs wie „Mobile Again“, „Shuffle“ (herrliches Slide-Solo von Caddell, Schatten-Box-Einlage von Sass am Ende), dem fulminanten „Pissin‘ Down“ (Jordan knurrt regelrecht zum Abschluss des Liedes), dem grandiosen „The Feeling’s Gone“ (Sass mit schrillem Cockerschem Urschrei), dem stampfenden „Ugly“, „Damaged“ und „High Road Easy“, der „Racine“-Kreis des Hauptteils mit dem allseits beliebten „Make You A Believer“, das den Saal in euphorische Sphären bewegte.

Die nicht lange auf sich warten lassenden Zugaben wurden mit einer unter die Haut gehenden Cover-Version vom einstigen Stevie Nicks-Debütwerk „Bella Donna“, „Stop Dragging My Heart Around“ (damals im Duett mit Tom Petty), bei dem Sass und Chris diesmal duettierten, und dem knackigen „So Hard“ zelebriert.

Ein Wahnsinns-Abend, der in allen Belangen überzeugte. Selbst Kollege Gernot, bei dem meine anfängliche Überzeugungsarbeit gefruchtet hatte, war richtig ‚von den Socken‘. Ich bin mir relativ sicher, gestern mit Sass Jordan & Band, das vermutliche Konzert-Highlight des Jahres 2017 erlebt zu haben. Einfach wunderbar!

Danke an Birgit Bräckle von Brooke-Lynn Promotion und SJ-Tour-Manager Wouter Bakker für die verlässliche und spontane Unterstützung.

Line-up Chris Caddell And The Wreckage:
Chris Caddell (lead vocals, electric guitar)
Derrick Brady (bass, vocals)
Cassius Pereira (drums)

Line-up Sass Jordan:
Sass Jordan (lead vocals)
Chris Caddell (electric guitar, vocals)
Derrick Brady (bass, vocals)
Cassius Pereira (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Brooke Lynn Promotion
Luxor Live, Arnheim