Keb‘ Mo‘ – Oklahoma – CD-Review

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Eines muss man dem Blues-/Blues Rock-Genre ja lassen. Es ist nach wie vor, was gute Veröffentlichungen angeht, eine musikalische Bank. Da ich trotzdem nicht der ausgewiesene Experte bin, muss ich zu meiner eigenen Schande mal wieder gestehen, dass ein bereits gestandener, mehrfach Grammy-dekorierter Musiker wie Keb‘ Mo’, bisher an mir vorübergegangen ist.

Schön, dass sich jetzt die Gelegenheit ergab, sein neustes Werk „Oklahoma“, mal unter die Lupe zu nehmen. Keb‘ Mo‘, oder bürgerlich Kevin Roosevelt Moore, ist schon seit den 1970er Jahren aktiv, u. a. spielte er für Papa John Creach und die Monk Higgins Band.

1980 floppte sein erstes Album, sodass er sich erst 1994 wieder unter dem jetzigen Namen an potentielle Käuferschichten seiner Kreationen wagte. Aber seit dieser Zeit läuft es. Mo‘ ist bei den Grammy-Awards Dauergast und konnte mit seinen Werken „Just Like You“, „Slow Down“, „Keep It Simple“ und „TajMo“ (zusammen mit Taj Mahal) den Titel für das beste zeitgenössische Bluesalbum einheimsen.

Auch „Oklahoma“, wo er sich beim gleichnamigen Titelsong mit den Besonderheiten des Wirbelsturm-geplagten Staates und seinen Menschen, in künstlerischer Form auseinandersetzt, dürfte gute Chancen besitzen, für diverse Auszeichnungen vorgesehen zu werden.

Mir gefällt vor allem die musikalische Bandbreite die Keb‘ in sein Songspektrum, das sich natürlich überwiegend auf einem Bluesfundament aufbaut, einfließen lässt, und auch countrytypischen Instrumenten wie Fiddle und Lap Steel („Oklahoma“), oder Mandoline („Don’t Throw It Away“) und Dobro (beim deltabluesigen „Ridin‘ On A Train), nicht den Zugang verwehrt.

Ganz stark ist direkt der coole swampige Opener „I Remember You“, der ein wenig an den guten Tony Joe White reminiszieren lässt, nicht zu vergessen, das  J.J. Cale-typische E-Solo, das sofort einen weiteren Bezug zum Albumtitel hervorruft.

Zu erwähnen sind neben Mo‘s charismatischem Gesang, auch die illustren Gäste wie Robert Randolph (Lap Steel auf „Oklahoma“), Taj Mahal (Harp bei „Don’t Throw It Away“ und „I Should’ve“), Rosanne Cash beim souligen „Put A Woman In Charge“ (Co-vocals), Christian-/Latin-Pop Star Jaci Velasquez (Co-vocals bei „This Is My Home“) und seine Ehefrau Robbie Brooks Moore, die am Ende vokal auf der Cello-unterlegten,  für heiratswillige Musikerpärchen, bestens geeigneten Hochzeitshyme, „Beautiful Music“, mitschmachtet.

Produziert hat den sehr schön klar und transparent klingenden Longplayer Colin Linden (Blacky And The Rodeos). Keb‘ Mo’s neuer Silberling „Oklahoma“ überzeugt auf allen Ebenen. Ob auch wieder Grammy-geschmückt oder nicht, gibt es für mich nur ein Kurz-Fazit: Just Beautiful Music!

Concord Records (Universal Music) (2019)
Stil: Blues & More

Tracks:
01. I Remember You
02. Oklahoma
03. Put A Woman In Charge
04. This Is My Home
05. Don’t Throw It Away
06. The Way I
07. Ridin‘ On A Train
08. I Should’ve
09. Cold Outside
10. Beautiful Music

Keb‘ Mo‘
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Oktober Promotion

Eli Young Band – Fingerprints – CD-Review

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Von einem texanischen College-Vierer zur Platin-dekorierten Nashville-Band – die Eli Young Band hat zweifelsohne eine atemberaubende Entwicklung hingelegt. Was einst in North Denton im Red Dirt-Genre begann hat sich peu à peu zu einem national, wie international, perfekt zu vermarktenden Schlager im New Country/Country Rock-Bereich entwickelt. Ja, man kann sagen die EYB ist mit fast der einzige, aus der Red Dirt-Sparte nach Music City vereinnahmte Act, der sich dort auch kontinuierlich behaupten und halten konnte.

Nach der 2015 nur digital veröffentlichten EP „Turn It On“ sind die Herren Mike Eli, James Young, Chris Thompson und Jon Jones jetzt mit „Fingerprints“ wieder mit einem kompletten Album, und zwar dem 6. ihrer Karriere, am Start. Ähnlich wie neulich bei den Rascal Flatts, bekommt man auch bei der Eli Young Band auf diesem neuen Werk genau das auf den Punkt geliefert, was diese Gruppe schon immer ausgezeichnet hat: Einen wunderbar melodischen Mix aus Red Dirt- und New Country-Zutaten, verpackt in elf fast ausnahmslos radiokompatible Tracks, getragen von Mike Elis markanter Stimme mit 100% Wohlfühlfaktor. Konstanz, Verlässlichkeit und nicht nachlassende Qualität sind die Erfolgskomponenten.

„Saltwater Gospel“ heißt der Opener, der auch die erste Single abgibt. Wie der Titel es schon andeutet, wurde der eingängige, recht euphorische Refrain mit dezent gospeligen Harmoniegesängen angereichert. Klasse an diesem Album ist, dass die Protagonisten, die Wurzeln ihrer Anfangszeiten nicht ganz außer Acht gelassen haben. Das swampige Titelstück mit seinem leichten psychedelischen Touch, hätte sich auch gut auf ihrem damaligen „Level“ gemacht.

Ganz stark ist die Hommage an die Tracks der guten alten Zeit mit „Old Songs“. Eine sehr reduziert gehaltene Countryballade mit viel Texas-Flair (mit typischen weiblichen Harmoniegesängen von Carolyn Dawn Johnson), und einer durchaus Southern Rock-kompatiblen Slide-/E-Gitarren-Solo-Kombination. Carolyn Dawn Johnson begeistert dann nochmals auf dem melancholischen „God Love The Rain“ (mit orientalisch anmutenden Akustikgitarren-Zwischenfills). Das rootsige „Skin & Bones“ (teilweise mit wunderbarer Akkordeon-Untermalung) trägt die Handschrift von Co-Writerin Lori McKenna und würde auch perfekt zu einem Will Hoge passen.

Die restlichen Stücke wie „Never Again“, „Drive“, “Once”, “A Heart Needs A Break“ und “Never Land” mit ihren eher poppigen, teilweise sogar tanzbaren Rhythmen und Powerrefrains werden auf niveauvolle Art dem Anforderungsprofil des Mainstreams in punkto Massenkompatibilität gerecht. Zum Abschluss begeistern Eli Young & Co. nochmal mit dem Heartland-umwobenen „The Days I Feel Alone“, das man sich auch gerne von einem Tom Petty mal anhören würde.

Die Eli Young Band hat mit ihren neuen Longplayer „Fingerprints“ erneut einen markanten und nachhaltigen Fingerabdruck im hart umkämpften New Country/Country Rock-Geschäft hinterlassen. Das kreative Cover-Artwork mit allen Texten, zwei Bandbildern und allen restlichen Infos wurde dazu mit dem Titel perfekt in Einklang gebracht. Die erkennungsdienstliche Behandlung ergab somit ein rundum gelungenes Album!

Valory Music (2017)
Stil: Red Dirt / New Country

01. Saltwater Gospel
02. Fingerprints
03. Never Again
04. Old Songs
05. Drive
06. Skin & Bones
07. A Heart Needs A Break
08. Once
09. Never Land
10. God Love The Rain
11. The Days I Feel Alone

Eli Young Band
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Universal Music

Evan Michaels – Ain’t No Stopping This – EP-Review

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Post aus Nashville! Wieder ist es Brandy Reed von der RPR Media-Agentur gelungen, mich trotz meines ja nicht gerade kleinen Horizontes in Sachen Red Dirt/New Country, mit mir unbekannter starker Musik zu überraschen.

Diesmal heißt der Interpret Evan Michaels, der in den nächsten Tagen seine neue EP „Ain’t No Stopping This“ veröffentlichen wird. Der Protagonist stammt aus Stillwater, Oklahoma, einem Ort, in dem Bob Childers, der quasi als Gründer (‚Godfather‘) der Red Dirt-Szene gilt, in Treffpunkten wie ‚The Farm‘, all seinen weiteren Aushängeschildern wie u. a. Mike McClure, Cody Canada, Stoney LaRue, Brandon Jenkins oder No Justice, den Nährboden für ihr weiteres Schaffen bereitete.

Evan Michaels Werdegang war allerdings von einigen Umwegen geprägt. Er lernte sein Handwerk vornehmlich nach dem College im Mekka des Country, nämlich in Nashville. Zunächst als Aushilfskraft in einem Aufnahmestudio, wo er die Session-Akteure genau studieren konnte, dann als hier und da auftretender Musiker.

Trotzdem zog es ihn zurück in die Heimat. Mittlerweile hat Michaels, der laut Begleitzettel auf einen Fundus von über 200 Songs zurückgreifen kann, eine CD (auch die enthält allerdings lediglich 7 Tracks) und mit „Ain’t No Stopping This“ jetzt die zweite EP auf der Habenseite verbucht. Produziert hat er zusammen mit dem Keyboarder seiner Band, Andrew Bair. Als weitere Mitspieler sind Tom Evans (guitars), Ian Smith (bass, vocals) und D.J. Petty (drums) mit an Bord.

Die musikalische Ausrichtung der sechs neuen Stücke, kombiniert auch ziemlich offensichtlich seine bisherigen musikalischen und geografischen Gradweiser, wobei Red Dirt und  New Country so gut wie kaum trennbar, harmonisch ineinander verschmelzen. Das macht ihn vom Grundprinzip her, ähnlich wie Wade Bowen oder die Eli Young Band & Co., natürlich theoretisch in beiden Stilrichtungen vermarktbar. Ob eine vermeintliche Rückkehr in Richtung Nashville aufgrund kommerzieller Optionen, als wünschenswert erachtet wird, steht dann allerdings vermutlich mal auf einem anderen Blatt Papier.

Sämtliche Tracks haben eigentlich die typischen Zutaten: Tolle, sofort ins Ohr gehende Melodien, eine angenehme Stimme, dazu immer wieder dezent leiernde Steel- sowie präzise gespielte E- und Akustik-Gitarren, solider Bass-/Drum-Rhythmus, hier und da ein paar Piano-/hallende, gurgelnde Orgel- („Must’ve Been Drinking“, „Tomorrow Today“), Banjo- („Too Big For The Both Of Us“) und Mandolinen-Tupfer („Like It Should“). Man merkt, dass Michaels sein Songwriting-Handwerk genauestens gelernt hat.

Als meine beiden Favoriten entpuppen sich das fluffige, E-gitarrenlastige Titelstück als Opener „Ain’t No Stopping This“ (schön verspieltes E-Gitarren-Solo) und das wunderbar melodische „Bet On A Backroad“ (eingängiger Refrain, erneut klasse E-Gitarren-Kurzsolo), das folgerichtig zur ersten Single auserkoren wurde.

Fazit: Evan Michaels neue EP  „Ain’t No Stopping This“ ist ein viel zu kurzes Vergnügen. Sechs tolle, abwechslungsreiche, in sich stimmige Songs, die Liebhaber beider angeführter Genres, bestens mit den bevorzugten Ingredienzien bedient. Angesichts seines o. a. großen Songpools fragt man sich unweigerlich, warum Mr. Michaels seine Zuhörerschaft in der Manier eines Nobel-Restaurants, immer nur mit kleinen Delikatess-Happen versorgt…

Eigenproduktion (2017)
Stil: Red Dirt / New Country

01. Ain’t No Stopping This
02. Too Big For The Both Of Us
03. Must’ve Been Drinking
04. Tomorrow Today
05. Bet On A Backroad
06. Like It Should

Evan Michels
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RPR Media

Lower 40 – Whiskey On My Grave – CD-Review

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Just, wo wir uns gerade mit den anstehenden Gigs der Tedeschi Trucks Band und Blackberry Smoke, über die wir natürlich berichten werden, auf eine erste absolute Hochphase in diesem Jahr zubewegen, ist es mit CD-Veröffentlichungen, gerade auch, was unseren Bereich angeht, eher mau bestellt.

Zeit, mal wieder etwas Unbekannteres hier vorzustellen. Ich habe mich für eine Scheibe aus dem Jahr 2015 von Lower 40 mit dem Titel „Whiskey On My Grave“ entschieden. Die Band aus Oklahoma und ihren Mitgliedern Kyle Earhart (lead vocals), Zach Felts (guitar, keys), Sherman Haynes (drums), Michael Hines (bass) und Nick Work (guitar) scheint aber schon wieder das Zeitliche gesegnet zu haben oder sich in einer anhaltenden Ruhephase zu befinden. Es gibt weder eine aktuelle Homepage noch eine Facebook-Seite und ihr Fronter Kyle Earhart befindet sich mittlerweile, so wie es aussieht, eher auf Solopfaden.

Wirklich schade, denn ihr vierzehn Stücke umfassendes Debüt unter der Regie vom mehrfachen Grammy Gewinner, Jack Joseph Puig (u. a. Green Day, Black Eye Pees, U2, Sheryl Crow, Beck, Rolling Stones, John Mayer, Lady GaGa, Keith Urban), offeriert erhebliches kreatives Potential und musikalisch auch alles, was dem geneigten Leser unseres Magazins, großen Spaß bereitet. Die Burschen präsentieren einen kurzweiligen Mix aus Southern Rock, New Country und, ihrer Region konform, klassischen Red Dirt-Bestandteilen.

Ihr Sänger Kyle Earhart erinnert von der Stimme und der Energie an einen jungen Garth Brooks (der ja ebenfalls aus Oklahoma stammt) und wird teilweise von toll eingestreuten Harmoniegesängen unterstützt. Das Quintett schaffte es mit dem Opener „My Country“ (launiger Southern Country mit markanter E-Hook), „Call Me Crazy“ (flockiger, melodischer, radio-tauglicher Red Dirt – Unplugged-Aufnahme im Best In Texas Music Magazine) und dem  atmosphärischen „28 Degrees“, gleich drei Tracks unter den Top 30 der Texas Music Charts zu platzieren.

Ja von 28 Grad kann man hier derzeit nur träumen, da hebt der fluffige, cabrio-taugliche „Summer Song“ doch direkt die Stimmung im hiesigen, kalt-regnerischen Trübsal. Dass die Burschen richtiges Southern Rock-Blut in sich fließen haben, beweisen satt abgehende Songs wie  das aggressiv polternde „Tearin Down The City“,  der Stampfer „All Night Long“ oder das swampige „Southern Boys“ (im Stile von Brantley Gilberts „Kick It In The Sticks“).

Weitere starke Lieder sind das düster-dramatische „Shot In The Dark“ der countryeske Party-Kracher „Whiskey On My Grave“ (spaßiger Mitgröl-Refrain), das ein wenig in Manier von Brooks‘ berühmten „The Thunder Rolls“ konstruierte „Last Time“ (Synthie-Hall, atmosphärische Piano-Tupfer, Akustikgitarrenfills, surrende E-Gitarre, tolle Vocals, herrliche Harmoniegesänge) oder das melancholisch/ patriotisch umwehte „American Dream“ (Marschtrommel-unterlegt).

Insgesamt eine hervorragend, sehr abwechslungsreich gestaltete Premiere einer äußerst talentierten Combo, der man durchaus noch so einiges zutrauen würde. Selten haben Eintagsfliegen soviel Laune bereitet. Und wenn die Jungs bei „Southern Boys“ vehement ein „Can I Get a ‚Hell Yeah'“ einfordern, erwidern wir angesichts dieser starken Mucke doch glatt ein „‚Hell Yeah‘ Lower 40“!

Land Run Records (2015)
Stil: (Southern) Country Rock

01. My Country
02. Summer Song
03. Tearin Down The City
04. All Night Long
05. Dangerous Game
06. Call Me Crazy
07. Shot In The Dark
08. Whiskey On My Grave
09. Last Time
10. 28 Degrees
11. American Dream
12. This Ole Place
13. Southern Boys
14. Fast

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Brandon Jenkins – Blue Bandana – CD-Review

Brandon Jenkins Cover

Brandon Jenkins hatte schon immer seinen eigenen Kopf. Damit meine ich in erster Linie eigentlich nicht sein oberstes Körperteil (auch wenn dies mit Glatze und langem roten Rauschebart ebenfalls eine gewisse Extravaganz widerspiegelt, abgesehen von seinen reichhaltigen Tattoos, die ihn quasi zu einem wandelnden Kunstwerk gemacht haben). Nein ich rede von seinem Kopf, den er als Musiker und Mensch vornehmlich zum Nachdenken und Kreieren benutzt und mit diesem, im Gegensatz zu den meisten, oberflächlich strukturierten Amerikanern, Dinge differenziert und (selbst-) kritisch betrachtet und zu seiner Meinung sowie dem damit verbundenen Handeln im Wesentlichen auch steht.

So konfrontiert Brandon seine Anhängerschaft auf seinem 13. Album „Blue Bandana“ mit Material, das sich vom Rahmen seines bisherigen Schaffensspektrums doch ziemlich unterscheidet. Der aus Tulsa stammende, seit vielen Jahren in Austin, Texas, lebende Vollblutmusiker/Songwriter, hat dieses Werk, das nur digital produziert wurde, in gerade mal zwei Tagen mit Langzeitfreund Dave Percefull (zusätzlich an den Reglerknöpfen) in dessen Yellow Dog Studio in Wimberly eingespielt und verarbeitet.

Herausgekommen ist ein instrumentell sparsam arrangiertes Gebilde von zehn Stücken, bei denen vornehmlich Brandons Gesang, eine knarzige Akustikgitarre und eine, auf allen erdenklichen Arten surrende Fiddle, die Hauptrollen spielen. An Jenkins‘ Stimme haben sich in meinem Bekanntenkreis schon immer die Geister geschieden. Die meisten kommen mit seinem knochigen hölzernen Gesangsstil überhaupt nicht klar. Mir persönlich gefällt er aufgrund des hohen Grades an Unverwechselbarkeit und Wiedererkennung. Sein vokales Organ kommt hier auf „Blue Bandana“ natürlich noch deutlicher zum Tragen.

Lediglich beim fröhlichsten Track (wenn man das hier überhaupt so bezeichnen darf) „High John The Conquerer“ und dem, von einem Southern Redneck-Flair umwehten Titelstück „Blue Bandana“ ist mal eine dezent hallende Orgel zu vernehmen, auch Drums und Percussion wurden sehr ‚zurückhaltend‘ eingesetzt. Stücke wie der Opener „Black Mood Ring“, der wie ein Grabesrede für eine gescheiterte Beziehung daherkommt, der leicht Gypsy-mäßige Coutrysong „She Likes To Ride“, das atmosphärische „The Path“ oder das, das trostlose Arbeiterleben in den Fabriken, melancholisch reflektierende „Under The Shadow Of The Refinery“ nehmen nach mehrmaligem Hören doch zunehmend gefangen.

„Burn“ versetzt sofort das Kopfkino in Gang und man sieht Brandon förmlich mit einer Akustikgitarre abends vor einer Brandstelle sitzend und über das Leid in der Welt sinnieren. In eine ähnliche Erzählgesangsrichtung gehen weitere Lieder wie „Don’t Hold On To The Past“ und das abschließende „Send Down An Angel“, wo es als Rhythmusunterstützung lediglich ein paar Claps von Brandon an den Korpus seiner Akustikklampfe zu vermelden gibt.

„Blue Bandana“ von Red Dirt-Legende Brandon Jenkins, ist, wie beschrieben, ein insgesamt sehr spezielles, aber überaus authentisches Werk geworden, für das man sich Zeit nehmen, sowie Ruhe lassen muss und mit dem man sich erst nach mehrmaligem Hören besser anfreundet. Ehrlich gesagt, fehlt mir doch ein wenig sein kratziges E-Gitarrenspiel (auf das gänzlich verzichtet wurde), das man, meiner Ansicht nach, durchaus an der einen oder anderen Stelle (als Fills oder Kurzsolo) hätte einfließen lassen können, ohne dem Werk seinen Charakter zu nehmen. Vielleicht wäre es ja eine interessante Option, dieses Album mal irgendwann als ‚Vollversion‘ umzusetzen.

Brandon Jenkins spielt übrigens mit dem Gedanken, demnächst nach Nashville zu ziehen. Man darf gespannt sein, welchen Einfluss Music City und seine Songwriter-Szene auf diesen eigenwilligen Musiker haben wird, der immer für neue Wege und Inspirationen offen ist.

Red Dirt Legend Recordings (2016)
Stil: Red Dirt / Singer/Songwriter

01. Black Mood Ring
02. She Likes To Ride
03. The Path
04. Under The Shadow Of The Refinery
05. Burn
06. High John The Conquerer
07. Reeva
08. Blue Bandana
09. Don’t Hold On To The Past
10. Send Down An Angel

Brandon Jenkins
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Mike McClure – Fifty Billion – CD-Review

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Dieser aus Tecumseh, Oklahoma stammende Mike McClure ist schon der Wahnsinn! Ein echter Tausendsassa der Red Dirt-Szene. Ob als emsiger Produzent/Studiomusiker bei vielen Interpreten des Genres (u. a. Cross Canadian Ragweed, Tommy Gallagher Band), Mitspieler bei diversen Live-Acts, Gründer und Frontmann von solch großartigen Bands wie The Great Divide, der Mike McClure Band oder auch ganz solo, mittlerweile sogar Mitinhaber eines eigenen Labels (598 Recordings), dieser Mike McClure ist, wenn es um Red Dirt geht, rastlos und omnipräsent (ob die ungewöhnliche Covergestaltung auch noch auf eine weitere Passion Mikes, der Schmetterlingskunde, hindeutet, bleibt ungeklärt…).

Das Erstaunliche dabei: Überall, wo er seine Finger im Spiel hat, kann man sich zum einen auf aussergewöhnliche, musikalische Qualität verlassen, zum anderen darf man sich auf (positive) Überraschungen gefasst machen. So liefert auch sein neues Solo-Werk „Fifty Billion“ erneut baumstarke Kost und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Hierzu hat er sich wieder mit seinem Spezi (ZZ Top-Produzent) Joe Hardy zusammengetan, der natürlich produziert und mit Mike sämtliche Kompostionen (alle aus der Feder von McClure) fast im Alleingang (lediglich bei Fiddle, Horns, Conga und Backs gab es partielle Unterstützung) mit diversesten Intrumenten eingespielt hat. Ja, beim Hören der ganzen Feinheiten, kann man gedanklich förmlich nachvollziehen, wie die beiden im Studio stundenlang herumgetestet, -experimentiert und jedes Songsdetail bis ins Kleinste „ausklamüsert“ haben.

Anders als bei den Scheiben, die McClure selbst produziert, und bei denen immer auch ein gewisser kommerzieller Nutzen nicht aus dem Auge verloren wird, gilt für seine eigenen Platten wohl eher das Motto „twice as different, half as popular“. „Fifty Billion“ bietet eine enorme Bandbreite an Stilen und Stimmungen (das reicht von wunderschönem, semi-akustischem Alternate Country bis zu knochentrockenem, riffigem Rootsrock, von staubigem Americana bis zu Bläser-geschwängertem Southern-Funk, oder von herrlichen Klangspielereien umgebenem, ungemein melodischem Countryrock bis hin zu punkigem Volldampf-Rock), die aber letztendlich doch alle in einer wunderbaren Harmonie und dem Oberbegriff „Red Dirt-Rootsmusic“ wie selbstverständlich zusammenfinden. Der eröffnende Titelsong, kommt zunächst einmal im enspannten, leichten Country-/Americana-Ambiente mit sehr schöner Melodie sowie etwas sonnigem Eagles-Feeling daher. Dieser „Wohlfühl-Song“ wird dann aber sofort jäh von einem deftigen, aber nicht minder starkem Rootsrocker („Black Diamond“) abgelöst, beo dem McClure mit zwei quirligen E-Gitarren-Solo-Passagen brilliert.

Beim folgenden „Horsehoe“ gibt’s direkt den nächsten Stimmungswechsel: Wundervoller Slow-Countryrock mit fast hawaianisch anmutender Steelgitarre und einem überraschenden Fiddle-Solo. „Almost Here / Almost Gone“ liefert einen kleinen Vorgeschmack auf die wohl kommende The Great Divide-Reunion (in 2012 soll es ja einige Konzerte geben), ein typischer Track in der Tradition ihres einstigen Song-Repertoires. Das sich anschließende „Distractions“ erinnert ein wenig an Lieder von Stoney LaRues letztem „Velvet“-Album mit recht introvertiertem Charakter, wo verschrobene E-Gitarren ein fast psychedelisches/hypnotisches Ambiente erzeugen. „Old Crow“ gibt sich dann wieder herrlich fröhlich. Ein kleiner hübscher, folkig/grassiger Country-Stomper mit Banjo, Dobro und Mandoline verziert, der zum Tanzen animiert und jede Menge Gute Laune verbreitet.

Bei „Hell And Highwater“ hingegen fährt McClure wieder ein „schweres Geschütz“ auf. Nach einem ruhigen, mit Akustikstreicheleinheiten unterlegten Gesangsintro und dezenten weiblichen „Uuhuuh“-Harmonies geht die Nummer in einen heissen, drückenden, souligen Memphis Funk-Blues mit fetter Hornsection und gospeligen weiblichen „Backs“ über. Man hat teilweise das Gefühl, McClure singt gegen eine ganze Big Band an. Wuchtig, aber großartig! Toll, wie sich die Bläser mit dem akzentuierten Mandolinenspiel vertragen. Und mitten in den Bläser-Part stösst der Meister dann noch mit einem bärenstarken E-Gitarrensolo vor. Das hat was! Die prompte Gelegenheit zur Erholung folgt mit „The Other Side Of Midnight“ auf dem Fuße, das fast wie ein Wiegelied mit viel Gefühl zelebriert wird. Schön hier vor allem die spanische Akustikgitarre. Dieses typische „Borderline-Flair“, wie es Charlie Daniels oft in seinen Southern Rock-Stücken verarbeitet hat, umgibt auch das voller Pathos umwobene „Outlaws Prayer“ (starke Twin-Leads). Am Ende versetzt McClure seine Hörerschaft dann endgültig ins Staunen.

„Little Birdie“ fängt zunächst mit Akustikgitarren-untermaltem Erzählgesang ganz simpel und harmlos an, wechselt dann aber plötzlich in einen überschwenglichen, mächtig abgehenden Gitarren-betonten, punkigen Rootsrocker mit Stadion-kompatiblen und Party-tauglichen „Ooohooh“-Mitgröl-Passagen, um dann so einfach und ruhig wie zu Anfang wieder abzuschließen. Ein selbst für McClure-Verhältnisse ungewöhlicher „Abflug“. Mike McClure ist sich mit seinem neuen Silberling „Fifty Billion“ wieder treu geblieben: Saustark auch wieder sein Gesang! Ist einfach wieder ein klasse Teil geworden, wie man es von ihm nicht anders erwartet. Keine „einfache“ Kost, trotzdem zumeist überaus melodisch, immer den Hörer fordernd, mutig, oft so genial wie extravagant, dann wieder schön einfach, durchgehend toll instrumentiert. Gratulation und grössten Respekt dafür, „Mr. Red Dirt“!

598 Recordings (2011)
Stil: Red Dirt

01. Fifty Billion
02. Black Diamond 4:23
03. Horseshoe
04. Almost Here/ Almost Gone
05. Distractions
06. Old Crow
07. Hell And Highwater
08. Other Side Of Midnight
09. Outlaw’s Prayer
10. Little Birdie

Mike McClure
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Bärchen Records

Stoney LaRue – Aviator – CD-Review

Rue

Stoney LaRue mit seinem vierten Studioalbum! Nachdem sich der in Edmond, Oklahoma lebende Singer/Songwriter auf seinem letzten Album „Velvet“ ein wenig experimentierfreudig gezeigt hatte und trotzdem, was die Charts anbelangt, mit seinem bisher größten Erfolg belohnt wurde, wählt er mit seinem neuen Werk „Aviator“ wieder die eindeutig eingängigere Variante und wartet mit wunderbar lockeren, flockig dahin fliessenden und sehr melodischen Songs auf, die sich, immer noch weit entfernt vom Nashville-Mainstream, genüsslich an der Schnittstelle zwischen rootsigem Country, teils mit durchaus traditionellem Ambiente, Americana, Alternate Country und feinem Red Dirt-Country tummeln.

Das Material ist klasse! Verantwortlich hierfür ist die erneute Zusammenarbeit LaRues beim Songwriting mit Mando Saenz, der ja auch schon auf „Velvet“ stark mit eingebunden war. Lediglich der Merle Haggard gewidmete Countryschwofer „Natural high“ (weinende Steel, wunderschöne Harmoniegesänge von Aubrie Sellers) stammt aus der Feder von Freddy Powers. Produziert haben, in einem angenehm warmen und transparenten Sound, Frank Lidell (Eli Young Band) und Mike McCarthy. LaRue beeindruckt mit einer reifen, großartigen Gesangsleistung und hat zuweilen gar ein ganz dezentes Garth Brooks-Timbre in der Stimme, das hervorragend dem countrydurchzogenen Gehalt vieler Tracks unterstreicht.

Natürlich ist es eine Freude, den hervorragenden Musikern (u. a. Wallflowers-Drummer Fred Eltringham, Glenn Worf, Oran Thornton, Glenn Duncan, Jim Hoke) zuzuhören, wobei Randy Scruggs (Sohn von Bluegrass-Legende Earl Scruggs) mit seinem herrlich klaren Akustikgitarrenspiel, Aubrie Sellers mit bezaubernden Harmoniegesängen und der variable Josh Grange mit E-Gitarre, Steel und Keys die auffälligsten Akteure darstellen. Vom flockigen Opener „One And Only“ (quirliges Akustikgitarrenspiel, Steel, Fiddle-Tupfer) über das Dancehall-taugliche „Til I’m Moving On“, dem atmosphärischen Titelstück „Aviatior“ (tolle Akustik-Slide, Akkordeon, E-Piano, Crowd-Harmoniegesänge) den sehr eingängigen „A Little Too Long“ (Akkordeon-Tupfer) und „Million Dollar Blues“ (klasse Bariton-E-Gitarre, einfühlsame Harmoniegesänge von Sellers), bis zum bereits o. a. Steel-getränkten Heuler „Natural High“ lässt Stoney diesmal vor allem seinem Country-Herz freien Lauf. Ganz stark auch das wunderbar lockere, entspannte, traumaft melodisch dahin gleitende „Blending Colors“, das mit seiner Rhytmik, seinen vereinzelten Flöten-Klängen und dem markanten Akustik Gitarren-Spiel gar ein wenig an die „Heard It In A Love Song“-Art der Marshall Tucker Band zu erinnern scheint.

Am Ende gibt es mit „Studio A Trouble Time Jam“ noch einen recht schroffen, psychedelisch angehauchten Countryrocker (mit dezentem Rockabilly-Flair, quäkiger Harp, rauem E-Gitarrenfinale) als Bonustrack, mit dem gegen eine unverhoffte Schließung eines RCA-Studios, das wohl inmitten einer Musiker-Session dicht gemacht wurde, protestiert werden soll. Sehr schön wieder mal das Cover-Artwork (schon auf „Velvet“ hatte ja der Samtüberzug für Aufsehen gesorgt) mit allen Texten, das diesmal ganz im Zeichen des Flugwesens (zum Teil mit technischen Zeichnungen) nebst einigen Fotos von Stoney illustriert wurde.

Stoney LaRue gelingt mit „Abviator“ eine deutliche Steigerung zum Vorgänger „Velvet“. Das Werk dürfte den Fans von lockerem, melodischem Alternate Country, Red Dirt Country und sicher auch dem ein oder anderen, traditionbewusstenCountry-Freund eine Menge Freude bereiten. Der Mann hebt dabei, wie der Titel es vermuten lassen könnte, überhaupt nicht ab, sondern stellt sich ganz in den Dienst der Musik. Er geht dabei weiter seinen ganz eigenen Weg – und das ist gut so. Klasse Stoff für aufgeschlossene Americana-/Country-Feinschmecker!

Entertainment One Music (2014)
Stil: Red Dirt / Country

01. One And Only
02. Golden Shackles
03. Til I’m Moving On
04. Aviator
05. First One To Know
06. Blending Colors
07. Spitfire
08. Still Runnin‘
09. A Little Too Long
10. It’s Too Soon
11. Million Dollar Blues
12. Dark Side Of The Line
13. Natural High (for Merle Haggard)
14. Studio A Trouble Time Jam

Stoney LaRue
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Bärchen Records

Brandon Jenkins – Through The Fire – CD-Review

Brand

Er darf sich mit Fug und Recht mit dem Titel einer Red Dirt-Legende schmücken, schließlich ist er schon seit Mitte der Neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts fester Bestandteil der Szene und liefert seitdem in regelmäßigen Abständen qualitativ hochwertiges Album nach dem nächsten ab. Und auch mit seinem neuen Werk „Through The Fire“ weiß der rauschebärtige Glatzkopf mit Vorliebe für reichhaltige Körperbemalung abermals nicht nur voll zu überzeugen, sondern liefert ein wahres Prachtteil zeitgemässen, variantenreichen, texanischen Rootsrocks ab. Seine Musik hat sich seit Beginn seiner Karriere stetig weiterentwickelt.

Mittlerweile hat der Mann mit der markanten Stimme eine ganz eigenwillige, einrigartige und extrem spannende Mischung aus Country, Storytelling, rauem (Texas)Blues und Southern Rock entwickelt, mit der er in der Sparte schon fast eine Sonderstellung einnimmt. Auf „Through The Fire“ präsentiert er seinen Fans 12 nagelneue Tracks (satte Gesamtspielzeit von über einer Stunde), die diesmal seine ganze Vielseitigkeit noch mehr offenbaren und vereinzelt auch mit ein wenig Experimentierfreudigkeit spielen . Jenkins hat natürlich alle Stücke selbst komponiert, zusammen mit David Percefull produziert, er singt, bedient die Harp, das Piano, sowie die Akustik- und E-Gitarre. Und das alles macht er großartig.

Für die Einspielung hat er sich auf einen relativ kleinen, aber sehr exklusiven Kreis an Musikern festgelegt, die zum Teil auch schon auf dem Vorgänger „Above The Sun“ präsent waren. Als belebende Elemente erweisen sich die Neubesetzungen in der Rhythmusfraktion mit den Bass-Leuten Tommy Munter und Austin Gilliam sowie dem stark auftrumpfenden Drummer Phil Hook. Schon das eröffnende Titelstück ist ein Genuss. In ganz entspannter Atmosphäre setzt Brandon zu filigraner, ganz klar klingender Akustikgitarrenuntermalung und Percefulls sanft hallender Orgel immer wieder seine Mundharmonika in wunderbarer, allerbester Neil Young-Manier ein . Ähnlich auch das folgende, bärenstarke, über 7-minütige „Burn Down The Roadhouse“, wobei hier dann aber statt der Harp die E-Gitarre die Akzente setzt, inklusive eines feurigen, tollen, finalen Solos Für den kraftvollen Roots-Boogie „Horsemen Are Coming“ wurde passend ein galoppierender E-Gitarren/Bass/Drum-Rhythmus gewählt (fast so wie bei „Ghost Riders In The Sky“), der prima Spielraum für klasse Orgel- und E-Gitarren-Soli bietet.

Im weiteren Verlauf setzt Jenkins auf viel Atmosphäre und Abwechslung. „Oh What Times We Live In“ wird vom Dialog zwischen Brandons Akustikgitarre und Percefulls Bariton-E-Gitarren-Spiel getragen, „Going Down To New Orleans“ erhält durch Matt Melis Akkordeon und seine rauschenden Mini Moog-Einsätze eine fröstelnde, beklemmende,. psychedelische Note, „Tattoo Tears“ ist eine angenehme, bluesige Rockballade und der vielleicht eingängigste Song der CD. Schöne Harmoniegesänge steuert hier Barbara Nesbit bei. Fast kammermusikartig verläuft „In Time“ (Brandon am Piano, trauriges Cello-Solo von Brian Standefer). Country mit The Marshall Tucker Band-ähnlichem Flair bietet das herrliche „Dance With The Devil“, wobei Kim Deschamps sein großartiges Pedal Steel-Spiel effektboll in Szene setzt (inkl. starkem Solo).

Was man in Texas unter kernigem Blues Rock versteht, demonstrieren die herrlich groovigen „Leave The Lights On“ und das furiose 8 Minuten-Instrumental „Ridgemont Street“. Großartige die trockene und sehr kräftige Rhythmus-Arbeit von Tommy Munter und Phil Hook, fast im legendären Double Trouble-Stil, die E-Gitarrenarbeit erinnert gar an Großtaten von Stevie Ray Vaughan, Storyville oder ZZ Top. Mann, was Hook beim Instrumental „Ridgemont Street“ an Trommelwirbeln ablässt, ist schon beeindruckend. Sollte es auf dieser Straße ähnlich zugehen wie in diesem Song, dann dürfte dort das satte Leben pulsieren. Ganz stark gespielt.

Auch Jenkins‘ E-Gitarren-Arbeit ist fulminant. Der quirlige Footstomper „Daddy Song“ und das abschließende „Mountain Top“ (abermals mit dezenter Marshall Tucker-Note) sind wieder mehr Country-orientiert und bilden auf dem so variablen, aber nie die Geschlossenheit vermissenden Gesamtwerk einen saustarken, harmonischen Abschluss. Auf „Through The Fire“ präsentiert sich Brandon Jenkins erneut in absoluter Top-Form und zeigt, dass seine „musikalische Flamme“ lichterloh brennt. Tolle Scheibe! „Absolute hot stuff“!

Smith Entertainment (2013)
Stil: Red Dirt

01. Through The Fire
02. Burn Down The Roadhouse
03. Horsemen Are Coming
04. Oh What Times We Live In
05. Going Down To New Orleans
06. Tattoo Tears
07. In Time
08. Dance With The Devil
09. Leave The Lights On
10. Ridgemont Street
11. Daddy Say
12. Mountain Top

Brandon Jenkins
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Bärchen Records

Brandon Jenkins – Faster Than A Stone – CD-Review

BJ

Großartige neue Scheibe des texanischen Singer-Songwriters und Gitarristen! Bester Texas-Rootsrock, mit herrlich groovigen Momenten, einem gepflegten Schuss Blues(rock) und auch den im „Lonestar-State“ beheimateten „Red Dirt“-mäßigen Countryrock-Elementen. Deutlich rockiger als der Vorgänger. Gefällt durch einen ruppigen, erdigen, kernigen, unverbrauchten Charme und steckt doch voller hervorragender Strukturen und Melodien. Klasse Gitarrenarbeit von Jenkins! Respekt! Respekt!

Auch mit seinem 8. Album „Faster Than A Stone“ liefert der in Austin, Texas lebende, aber aus Oklahoma stammende Brandon Jenkins wieder eine beieindruckende Qualität an Songs ab und um es vorwegzunehmen, sein wohl allerbestes Werk bisher. Vielleicht gegen Ende des Jahres noch mal so ein richtiger Geheimtipp, denn der bullige Musiker, der eher wie der Besitzer eines Tattoostudios daherkommt, dürfte nach wie vor, trotz solider und kontinuierlicher Leistungen, immer noch eher nur Insidern bekannt sein.

Das neue Album besticht vor allem durch die enorme Dichte und Qualität der Stücke, die abwechslungsreich aber dennoch fließend ineinander greifen. Jenkins hat hier beim Songwriting erheblich zugelegt auch seine eigens durchgeführte Produktion ist glasklar gelungen. Ein echter Ohrenschmaus! Er präsentiert die Stücke im klassischen Blues Rock-Line Up, ergänzt nur durch Tony Valdez am Bass und Jesse Frost am Schlagzeug. Bei einigen Liedern steuerten Stoney LaRue, Travis Fite und Jesse Fritz noch dezente Background Vocals mit bei. Die CD beginnt direkt mit dem Titeltrack, einem ruppigem und schön groovenden Southern Blues, der am Ende mit einer schönen E-Gitarren-Passage ausklingt. Danach gibt es mit „Damn Your Eyes“ einen diesmal entspannt groovenden Blues, auch wieder mit dezentem Southern-Bezug. Ein unglaublich starker Beginn!

Eher etwas verspielt, in Storytelling-Manier, folgen „Just Like California“ und das humorvoll bluesklassische (mit leichtem Country-Touch) „Big Mama’s Kitchen“. Der eindeutige Höhepunkt des Albums, „Probably Die Alone“, eine schöne warme und atmosphärische Southern-Ballade, hat gar Klassikerpotential. Der Song könnte so was wie zum „Can’t You See“ des neuen Jahrtausends avancieren. Eine grandiose Präsentation. Herrlich. Großes Songwriting! „I Never Figured It Out“ und „Never Any Doubt“ dienen nach diesem Knaller wieder zur Auflockerung und bestechen durch Jenkins‘ trockenen Gesang (Paul Thorn-Fans sollten auch mal ein Ohr riskieren) und die akzentuierte E-Gitarrenarbeit. Fast im Stile eines „Gute-Nacht-Liedes“ wandelt das melodisch atmosphärische und warmherzige „Till The Morning Comes“ vor sich hin. Wieder auffällig die gute Fill- und Solo-Gitarrenarbeit und eine ganz dezent wimmernde Orgel (auch von Brandon gespielt).

Der Wachmacher folgt mit „Help Me Jesus“ auf dem Fuße. Ein Texas-Blues Shuffle in bester ZZ Top-Manier mit kratziger E-Gitarrenbegleitung und E-Solo. Mit der unaufgeregten und wieder sehr atmosphärischen Ballade „Got To Be“ schließt ein hervorragend konzipiertes und in jeder Hinsicht exzellent umgesetztes Album seine Pforten. Brandon Jenkins ist mit „Faster Than A Stone“ ein tolles Werk gelungen, das eigentlich sehr viele Zuhörer verdient hat. Sehr sympathischer, stark umgesetzter Texas-Rootsrock mit deutlichen Blues- und dezenten Southern- und Red-Dirt-Anteilen. Überaus lohnenswert für nach Neuentdeckungen durstende. Klasse, dieser Brandon Jenkins!

Smith Entertainment (2008)
Stil: Red Dirt

01. Faster Than A Stone
02. Damn Your Eyes
03. Just Like California
04. Big Mama’s Kitchen
05. Probably Die Alone
06. I Never Figured It Out
07. Never Any Doubt
08. Till the Morning Comes
09. Help Me Jesus
10. Got To Be

Brandon Jenkins
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Bärchen Records

Bo Phillips Band – Dirt Road – CD-Review

BO

Goßartiger, genauso entspannt und locker, wie knackig und würzig in Szene gesetzter, überaus angenehm ins Ohr gehender, durchaus mit Elementen des traditionellen Country behafteter „Red Dirt“-Countryrock/New Country/Alternate Country aus Stillwater, Oklahoma. Bo Phillips ist der große Bruder des im „Red Dirt-Circus“ längst Kultstatus geniessenden Stoney LaRue – und er ist nicht minder talentiert. Obwohl er sich bereits mit neun Jahren das Gitarrespielen selbst beigebracht hatte (sein Großvater hatte ihm als Erstem seiner Enkel das Instrument geschenkt, worauf Stoney damals fürchterlich eifersüchtig reagierte), muss man Bo Phillips fast als so etwas wie einen Spätstarter bezeichnen.

Er hat zwar schon immer Musik gemacht und auch die Bühne mit bereits unzähligen Leuten (mit denen er zum Teil auch gut befreundet ist) der „Red Dirt“-Szene geteilt (u.a. Wade Bowen, Jason Boland, Cross Canadian Ragweed, Bleu Edmondson, Micky & The Motorcars, Reckless Kelly, Randy Rogers Band und, sich von selbst verstehend, natürlich mit Stoney LaRue), ist aber letztendlich immer zweigleisig gefahren. Er hat als einziger der Familie studiert, eine Zeitlang als Lehrer gearbeitet und berät auch heute noch Firmen und Haushalte in Energiefragen. Mit dem Ergattern eines Plattendeals beim im Genre federführenden und von uns so sehr geschätzten Smith Entertainment Label, dürfte sich das Blatt aber eindeutig zu Gunsten der Musik gewandt haben, zumal sich damit ein von ihm lang gehegter Wunsch nun endgültig erfüllt hat.

Sein dreizehn Songs (inkl. eines Hiddentracks) umfassendes Studiodebüt „Dirt Road“ fällt aufgrund der reichhaltigen Erfahrungen des Künstlers schon sehr reif und überaus kompetent aus. Phillips hat seine Hausaufgaben gemacht und präsentiert eine wunderbare, schnörkellose, jederzeit melodische, absolut bodenständige „Red Dirt“-Musik, deren Wurzeln genauso im traditionellen Country/New Country, wie auch im rootsigen, von einem gepflegten Southern-Feeling durchzogenen Americana liegen. Der überwiegende Teil des durchweg exzellenten Songmaterials wirkt, trotz seines durchaus würzigen Ambientes, angenehm relaxt. Bo’s hervorragende Stimme, die genauso im Country wie in der typische „Red Dirt“-Musik zu Hause ist, strahlt eine überaus angenehme Wärme aus.

Zuweilen wir man musikalisch und stimmlich ein wenig an die famose Zac Brown Band erinnert. Zudem hat seine Stimmlage etwas vom Timbre eines Garth Brooks, der ja auch aus Oklahoma stammt. Die meisten Stücke bewegen sich im lockeren Midtempo-Bereich, wenngleich auch der ein oder andere, etwas mehr Fahrt aufnehmende (Roots)Rocker nicht fehlt. Phillips und seine Musiker bewegen sich auf einem von vorn bis hinten gleichbleibend hohen Niveau. Der Silberling beginnt mit einem recht originellen Einstieg. Man hört jemanden den knisternden Sender-Suchlauf seines Radios bewegen, und als er dann letztendlich bei dem schönen, sich locker ins Ohr windenden „Never“ angelangt ist, geht das Lied in seinen echten, vollen Sound über. Eine tolle, lässige Midtempo-Countrynummer mit viel Southern-Esprit und exzellenter E-Gitarren-Begleitung. Dazu klasse Fiddle-Einlagen von Gastmusiker Jeremy Watkins.

Darauf folgt das cool groovende, deutlich kraftvollere, Southern Rock-kompatible „Cornfed“ mit seinen satten Slide-Passagen. Der Titeltrack „Dirt Road“ zeigt Phillips dann von seiner entspannten Seite. Der ruhig gehaltene Country-Song duftet förmlich nach ländlicher Atmosphäre (Akustikgitarre, schöne E-Gitarren-Fills, klasse Fiddle). Das rhythmische „Perfect Girl“ (bereits sehr erfolgreiche Single) gibt einen ersten Vorgeschmack auf die kommende Cabrio-Saison. Ein voller positiver Energie steckender, gut abgehender Sommersong. Exzellente Party-Stimmung verbreitet „Tip Jar“, ein Stück mit viel launigem Drive, wie man ihn von Brooks & Dunn bestens kennt.

Das anschliessende „Hitchhiker“ ist „pure country“ in schöner, „rural atmosphere“. Ein klassischer, knackiger, dennoch lockerer honky-tonkin‘ Two-Stepper mit tollem Fiddle-Drive und vorzüglichem E-Gitarren-Picking. Herrlich dann das mit laut aufheulenden Southern E-Gitarren (tolle Lead Gitarren-Arbeit von Bandmitglied Nick Tate, der auch im kompletten Verlauf des Albums immer wieder mit feinen Soli zu glänzen weiß) bestückte „Peace On Earth“, in dem Bruder Stoney LaRue auch textlich erwähnt wird. Das balladeske „Love Me Tonight“ erinnert ein wenig an eine „Red Dirt“-Variante von „That Summer“ von Garth Brooks. Der Song versprüht fast so was wie Lagerfeuerromantik.

Das abschließende „Friends Like You“ unterstreicht Bo’s starken Bezug zu seinem Großvater Harvey Allen Phillips, der im Juni des vergangenen Jahres verstorben ist. Neben einer Widmung im Inlay der CD, steckt dieser balladeske Song voller Skynyrd’scher „Tuesday’s Gone“/“Free Bird“-Atmosphäre (ohne Gitarrenschlacht) und ist mit sehr viel Emotionalität behaftet. Ein sehr bewegendes Stück. Nach 45 Sekunden Pause gibt es danach noch einen akustisch und ebenfalls sehr ruhig gehaltenen Hiddentrack (schönes Akustikgitarrenspiel von Bo).

Bo Phillips gelingt mit „Dirt Road“ ein klasse Einstieg in die „Red Dirt“-Szene, der keine Wünsche offen lässt. Anhänger von Leuten wie Pat Green und der Randy Rogers Band zu ihren Anfangstagen, Django Walker, Jason Boland & The Stragglers, oder eben auch der Zac Brown Band und ähnlicher New Country-Kollegen werden auch mit der Bo Phillips Band ihre helle Freude haben. Ein sehr konsequentes, ehrliches und authentisches Werk, weitestgehend auf kommerzielle Avancen verzichtend. Bruder Stoney LaRue und sein Großvater werden stolz auf ihn sein. Ein weiteres „Red Dirt“-Qualitätsprodukt aus dem Hause Smith Entertainment!

Smith Entertainment (2010)
Stil: Red Dirt

01. Never
02. Cornfed
03. Dirt Road
04. Perfect Girl
05. Tip Jar
06. Love Like That
07. Hitchhiker
08. Peace On Earth
09. More To Me
10. Love Me Tonight
11. What Do They Know
12. Friends Like You (incl. hidden track)

Bo Phillips Band
Bärchen Records