Bo Phillips Band – Dirt Road – CD-Review

BO

Goßartiger, genauso entspannt und locker, wie knackig und würzig in Szene gesetzter, überaus angenehm ins Ohr gehender, durchaus mit Elementen des traditionellen Country behafteter „Red Dirt“-Countryrock/New Country/Alternate Country aus Stillwater, Oklahoma. Bo Phillips ist der große Bruder des im „Red Dirt-Circus“ längst Kultstatus geniessenden Stoney LaRue – und er ist nicht minder talentiert. Obwohl er sich bereits mit neun Jahren das Gitarrespielen selbst beigebracht hatte (sein Großvater hatte ihm als Erstem seiner Enkel das Instrument geschenkt, worauf Stoney damals fürchterlich eifersüchtig reagierte), muss man Bo Phillips fast als so etwas wie einen Spätstarter bezeichnen.

Er hat zwar schon immer Musik gemacht und auch die Bühne mit bereits unzähligen Leuten (mit denen er zum Teil auch gut befreundet ist) der „Red Dirt“-Szene geteilt (u.a. Wade Bowen, Jason Boland, Cross Canadian Ragweed, Bleu Edmondson, Micky & The Motorcars, Reckless Kelly, Randy Rogers Band und, sich von selbst verstehend, natürlich mit Stoney LaRue), ist aber letztendlich immer zweigleisig gefahren. Er hat als einziger der Familie studiert, eine Zeitlang als Lehrer gearbeitet und berät auch heute noch Firmen und Haushalte in Energiefragen. Mit dem Ergattern eines Plattendeals beim im Genre federführenden und von uns so sehr geschätzten Smith Entertainment Label, dürfte sich das Blatt aber eindeutig zu Gunsten der Musik gewandt haben, zumal sich damit ein von ihm lang gehegter Wunsch nun endgültig erfüllt hat.

Sein dreizehn Songs (inkl. eines Hiddentracks) umfassendes Studiodebüt „Dirt Road“ fällt aufgrund der reichhaltigen Erfahrungen des Künstlers schon sehr reif und überaus kompetent aus. Phillips hat seine Hausaufgaben gemacht und präsentiert eine wunderbare, schnörkellose, jederzeit melodische, absolut bodenständige „Red Dirt“-Musik, deren Wurzeln genauso im traditionellen Country/New Country, wie auch im rootsigen, von einem gepflegten Southern-Feeling durchzogenen Americana liegen. Der überwiegende Teil des durchweg exzellenten Songmaterials wirkt, trotz seines durchaus würzigen Ambientes, angenehm relaxt. Bo’s hervorragende Stimme, die genauso im Country wie in der typische „Red Dirt“-Musik zu Hause ist, strahlt eine überaus angenehme Wärme aus.

Zuweilen wir man musikalisch und stimmlich ein wenig an die famose Zac Brown Band erinnert. Zudem hat seine Stimmlage etwas vom Timbre eines Garth Brooks, der ja auch aus Oklahoma stammt. Die meisten Stücke bewegen sich im lockeren Midtempo-Bereich, wenngleich auch der ein oder andere, etwas mehr Fahrt aufnehmende (Roots)Rocker nicht fehlt. Phillips und seine Musiker bewegen sich auf einem von vorn bis hinten gleichbleibend hohen Niveau. Der Silberling beginnt mit einem recht originellen Einstieg. Man hört jemanden den knisternden Sender-Suchlauf seines Radios bewegen, und als er dann letztendlich bei dem schönen, sich locker ins Ohr windenden „Never“ angelangt ist, geht das Lied in seinen echten, vollen Sound über. Eine tolle, lässige Midtempo-Countrynummer mit viel Southern-Esprit und exzellenter E-Gitarren-Begleitung. Dazu klasse Fiddle-Einlagen von Gastmusiker Jeremy Watkins.

Darauf folgt das cool groovende, deutlich kraftvollere, Southern Rock-kompatible „Cornfed“ mit seinen satten Slide-Passagen. Der Titeltrack „Dirt Road“ zeigt Phillips dann von seiner entspannten Seite. Der ruhig gehaltene Country-Song duftet förmlich nach ländlicher Atmosphäre (Akustikgitarre, schöne E-Gitarren-Fills, klasse Fiddle). Das rhythmische „Perfect Girl“ (bereits sehr erfolgreiche Single) gibt einen ersten Vorgeschmack auf die kommende Cabrio-Saison. Ein voller positiver Energie steckender, gut abgehender Sommersong. Exzellente Party-Stimmung verbreitet „Tip Jar“, ein Stück mit viel launigem Drive, wie man ihn von Brooks & Dunn bestens kennt.

Das anschliessende „Hitchhiker“ ist „pure country“ in schöner, „rural atmosphere“. Ein klassischer, knackiger, dennoch lockerer honky-tonkin‘ Two-Stepper mit tollem Fiddle-Drive und vorzüglichem E-Gitarren-Picking. Herrlich dann das mit laut aufheulenden Southern E-Gitarren (tolle Lead Gitarren-Arbeit von Bandmitglied Nick Tate, der auch im kompletten Verlauf des Albums immer wieder mit feinen Soli zu glänzen weiß) bestückte „Peace On Earth“, in dem Bruder Stoney LaRue auch textlich erwähnt wird. Das balladeske „Love Me Tonight“ erinnert ein wenig an eine „Red Dirt“-Variante von „That Summer“ von Garth Brooks. Der Song versprüht fast so was wie Lagerfeuerromantik.

Das abschließende „Friends Like You“ unterstreicht Bo’s starken Bezug zu seinem Großvater Harvey Allen Phillips, der im Juni des vergangenen Jahres verstorben ist. Neben einer Widmung im Inlay der CD, steckt dieser balladeske Song voller Skynyrd’scher „Tuesday’s Gone“/“Free Bird“-Atmosphäre (ohne Gitarrenschlacht) und ist mit sehr viel Emotionalität behaftet. Ein sehr bewegendes Stück. Nach 45 Sekunden Pause gibt es danach noch einen akustisch und ebenfalls sehr ruhig gehaltenen Hiddentrack (schönes Akustikgitarrenspiel von Bo).

Bo Phillips gelingt mit „Dirt Road“ ein klasse Einstieg in die „Red Dirt“-Szene, der keine Wünsche offen lässt. Anhänger von Leuten wie Pat Green und der Randy Rogers Band zu ihren Anfangstagen, Django Walker, Jason Boland & The Stragglers, oder eben auch der Zac Brown Band und ähnlicher New Country-Kollegen werden auch mit der Bo Phillips Band ihre helle Freude haben. Ein sehr konsequentes, ehrliches und authentisches Werk, weitestgehend auf kommerzielle Avancen verzichtend. Bruder Stoney LaRue und sein Großvater werden stolz auf ihn sein. Ein weiteres „Red Dirt“-Qualitätsprodukt aus dem Hause Smith Entertainment!

Smith Entertainment (2010)
Stil: Red Dirt

01. Never
02. Cornfed
03. Dirt Road
04. Perfect Girl
05. Tip Jar
06. Love Like That
07. Hitchhiker
08. Peace On Earth
09. More To Me
10. Love Me Tonight
11. What Do They Know
12. Friends Like You (incl. hidden track)

Bo Phillips Band
Bärchen Records

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