Little Steven – Soulfire – CD-Review

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Review: Michael Segets

Steven van Zandt, alias Little Steven, ist ein Urgestein in der Musikbranche. Vor allem als kopftuchtragendes Mitglied der E Street Band von Bruce Springsteen wurde er international bekannt. 1982 startete er seine Solo-Karriere mit „Men Without Women“. Diesem Album folgten in den Achtziger Jahren noch drei weitere. 1999 meldete er sich mit „Born Again Savage“, das auf seinem eigenen Wicked-Cool-Label erschien, nochmal zurück.

Zwischenzeitlich widmete er sich der Schauspielerei als Mafiosi in „The Sopranos“ und „Lillyhammer“. Seit Jahren produziert er Alben junger Bands, moderiert seine Radio-Show ‚Little Steven’s Underground Garage‘ und tourt mit Springsteen.

Nun veröffentlicht Little Steven mit „Soulfire“ sein erstes Solo-Album in diesem Jahrtausend. Wer jedoch nach so langer Pause neues Songmaterial erwartet hat, wird weitgehend enttäuscht. Steven van Zandt wirft eher einen Blick zurück und spannt den Bogen von den 1970er Jahren, die von der Zusammenarbeit mit Southside Johnny und den Asbury Jukes geprägt waren, bis zu den neueren Arbeiten für Bands seines Labels. Die CD bietet acht von ihm (mit-)geschriebene Songs, die bereits andere Künstler veröffentlicht haben, zwei Coverversionen und zwei Erstveröffentlichungen.

Nach seiner politischen Phase, die ihn vom Rock’n’Roll in Richtung Pop entfernte, kehrt der Sechsundsechzigjährige nun zu seinen musikalischen Anfängen zurück. Sechzehn Musiker und sechs Backgroundsängerinnen unterstützen ihn dabei. Das Album bietet energiegeladene Rocksongs, die an die besten Zeiten Little Stevens anknüpfen. Der Little Stevens Frühwerk kennzeichnende Einsatz der Horn-Section prägt auch die aktuelle CD. Der mehrstimmige Gesang der Backgroundsängerinnen, wohl als Hommage an die frühe Phase des Rock’n’Roll gedacht, nimmt manchen Songs den ungeschliffenen Charme, der seine Alben aus der ersten Hälfte der 1980er Jahren charakterisiert, integriert sich aber nahtlos in den zumeist satten Klangteppich der Arrangements.

Mit dem Titelstück „Soulfire“ legt die CD rockig los und gibt das Grundtempo des Albums vor. Das hymnenhafte „I’m Coming Back“ reißt von Anfang an mit. Die Bläser-Abteilung mit den beiden alten Weggefährten Stan Harrison (Tenor Saxophon) und Eddie Manion (Bariton Saxophon) von den Asbury Jukes gibt dem Song enormen Schwung.

Bei „Blues Is My Buisness“ covert Little Steven eine Blues-Rock-Nummer, die aus der Feder von Kevin Bowe und Todd Cerney stammt. Durch die – für die Verhältnisse von Little Steven – langen Soli von Gitarre und Orgel, den mehrstimmigen Gesang und das Spiel zwischen Chor und Lead Vocals gelingt es ihm tatsächlich, ein authentisches Blues-Feeling aufkommen zu lassen, ohne dass er seine Wurzeln, die nun mal im Rock liegen, verleugnet. Little Steven liefert mit „I Saw The Light“ wiederum einen geradlinigen, bislang unveröffentlichten, Rocksong ab.

Das etwas langsamere „Some Things Just Don’t Change“ baut geschickt einen Spannungsbogen auf und gewinnt zunehmend an Intensität. „Love On The Wrong Side Of Town“, das Little Steven zusammen mit Bruce Springsteen geschrieben hat, wurde wie das vorangegangene Stück ursprünglich von Southside Johnny und den Asbury Jukes aufgenommen. Beide Songs gehören unter den Kompositionen von Little Steven zwar nicht zu meinen Favoriten, sind aber gut arrangiert und den ursprünglichen Versionen mindestens ebenbürtig.

„The City Weeps Tonight“ erinnert an die Schnulzen der Fünfziger oder Sechziger Jahre. Das bis dato unveröffentlichte Stück ist mit Doo Wop überfrachtet. Der mehrstimmige Backgroundgesang verleiht dem Song eine ziemliche Süße und für den schmachtende Gesang von Little Steven muss man schon in einer sehr speziellen Stimmung sein. In den ersten zwei Minuten steigt „Down And Out In New York City“ mit ungewohnt jazzigen Klängen ein, die auch später immer wieder durchscheinen. Little Steven gibt der Funk-Nummer von James Brown dann aber einen rockigen Einschlag, bei dem der mitreisenden Chorus das Highlight darstellt.

„Standing In The Line Of Fire“ galoppiert mit seinem treibenden Rhythmus, bei dem Schlagzeuger Rich Mercurio ganze Arbeit leistet, direkt in den Sonnenuntergang. Die staubtrockene Gitarre könnte einen Italowestern begleiten. Das als Single ausgekoppelte „Saint Valentine’s Day“, zeichnet sich durch den coolen Gesang von Little Steven aus, der durch den etwas reduzierteren Klangteppich voll zur Geltung kommt. Die Version seines Klassikers „I Don’t Wanna Go Home“ unterscheidet sich mit dem Einsatz der akustischen Gitarre von der Live-Performance beim Rockpalast 1982, ist deshalb aber nicht weniger gelungen. Den Abschluss der CD bietet mit „Ride The Night Away“ nochmal eine straight gespielte Rocknummer, die durch die Bläser viel Drive erhält.

Die anfängliche Befürchtung, dass die CD ein zusammengewürfeltes Konglomerat von Zweitverwertungen seiner Songs darstellt, bestätigt sich nicht. „Soulfire“ ist ein persönliches Album, bei dem sich Little Steven auch vor der Musikrichtungen seiner Jugend verneigt, die er bislang nicht in seinen Soloprojekten verarbeitet hatte. Als einer der Heroen meiner Jugendzeit löst Little Steven bei fast allen Songs das ein, was man von ihm erhoffen kann: kraftvolle, sorgfältig komponierte und arrangierte Rockmusik von einer großartigen Begleitband mit Herz gespielt und mit Leidenschaft gesungen.

Versteht man das Album als Zwischenbilanz und nicht als abschließende Werkschau, bleibt zu hoffen, dass Little Steven trotz seiner vielfältigen Betätigungsfelder den Blick wieder auf seine musikalische Solo-Karriere richtet und weitere Alben in Angriff nimmt, denn sein Feuer brennt noch.

Wicked Cool Records/Universal (2017)
Stil: Rock

01. Soulfire
02. I’m Coming Back
03. Blues Is My Buisness
04. I Saw The Light
05. Some Things Just Don’t Change
06. Love On The Wrong Side Of Town
07. The City Weeps Tonight
08. Down And Out In New York City
09. Standing In The Line Of Fire
10. Saint Valentine’s Day
11. I Don’t Wanna Go Home
12. Ride The Night Away

Little Steven
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Universal Music

Greasy Tree – Same – CD-Review

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Review: Michael Segets

Das selbstbetitelte Debüt von Greasy Tree bietet 42 Minuten kraftvollen Blues Rock. Greasy Tree sind Cameron Roberts (guitar, vocals), Dustin ‚Red‘ Dorton (bass, vocals) und Jacob Brumley (drums, vocals). Die jungen Männer aus Jonesboro, Arkansas, haben sich über die Zusammenarbeit mit Teenage Head Music gefunden und sind in den letzten zwei Jahren unter anderem auf diversen Festivals aufgetreten.

Bei ihrem in Memphis eingespielten Album wurden sie von Pete Matthews (Devon Allman, Evanescence, Paul Simon) sowie Toby Vest unterstützt. Die klare Produktion verzichtet auf Spielereien und konzentriert sich stattdessen auf die Qualitäten der Band. Greasy Tree loten die Spannbreite des Blues Rock aus und integrieren unterschiedliche musikalische Stilrichtungen in ihre Songs, ohne dass dies aufgesetzt oder bemüht wirkt. Die Band verarbeitet Einflüsse von Blues, Rock, Funk und Soul eigenständig, sodass ihr insgesamt ein stimmiges Album gelingt. Der Nachteil eines so vielfältigen Angebots liegt naturgemäß darin, dass sich der Hörer je nach musikalischem Geschmack eventuell mehr von dem einen oder weniger von dem anderen Element gewünscht hätte.

Die Gitarrenriffs, die kraftvolle und an den richtigen Stellen raue Stimme von Cameron Robert prägen den Opener „Don’t Worry About Me“. Ein kurzes Gitarrensolo und der mehrstimmige Background-Gesang gegen Ende des Stücks setzen die richtigen Akzente, um auf die nächsten Songs neugierig zu machen. Mit dem treibenden „Let Love Go“ legt die Band einen Zahn zu. Nach einem fast sanften Gitarrenintermezzo setzen die rockigen Riffs wieder ein und Roberts offenbart seine Shouter-Fähigkeiten. Neben dem eingängigen Refrain von „Sweet Sugar“ mischen sich durch die Breaks und das Bassspiel von Dustin ‚Red‘ Dorton Funk-Anleihen in den Song. Auch Schlagzeuger Jacob Brumley dreht bei diesem Song mächtig auf. Abwechslungsreiche Gitarreneinsätze sorgen zusätzlich für überraschende Momente.

Bei „Time, Love and Space“ schalten Greasy Tree einen Gang runter. Spannung erhält die Midtempo-Nummer durch das kraftvolle Schlagzeug und die Intensitätssteigerung des Gesangs.  „Goin‘ Home“ zeigt die Band von ihrer gefühlvollen, Blues-orientieren Seite. Der Refrain wartet mit einem Tempowechsel und stampfendem Rhythmus auf. „Shame (Behind the Bottle)“ ist ein weiterer Blues, bei dem Roberts seine Gefühle über eine unglückliche Kombination von Alkohol und Liebe herauslässt. Beschwingt und lässig wirkt hingegen das Soul-durchtränkte „Love That Lady“, das mit passendem Harmoniegesang gute Laune verströmt. Mit „Wiskey“ ist die Band dann wieder beim Thema Alkohol. Hier wird Dorton Raum gegeben, sein Können am Bass zu zeigen.

Das über sechs Minuten lange „Greasy“ startet mit einem Funk-Einschlag. Den zweiten Teil des Stücks prägt ein ausgiebiges, zunächst getragenes Gitarrensolo, das zum Ende Fahrt aufnimmt und so zum Refrain des Anfangsteils überleitet. Robert legt sich als Sänger und Gitarrist bei „She Wild“, dem knackigen Abschluss der CD, nochmal intensiv ins Zeug.

Der Blues Rock von Greasy Tree, der seine Wurzeln in den 60er und 70er Jahren hat, ist weit davon entfernt, angestaubt zu wirken. Vielleicht bietet die CD keine großen Innovationen, aber das abwechslungsreiche Songwriting, die Musiker, die ihre Instrumente beherrschen, und die passende Stimme von Cameron Roberts hebt die Band deutlich aus dem Mittelmaß heraus. Insgesamt debütiert Greasy Tree mit einem gelungenen Album, das Lust darauf macht, mehr von der Band zu hören.

Teenage Head Music (2016)
Stil: Blues Rock

01. Don’t Worry About Me
02. Let Love Go
03. Sweet Sugar
04. Time, Love, And Space
05. Goin‘ Home
06. Shame (Behind The Bottle)
07. Love That Lady
08. Whiskey
09. Greasy
10. She Wild

Greasy Tree
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Teenage Head Music

Evan Michaels – Ain’t No Stopping This – EP-Review

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Post aus Nashville! Wieder ist es Brandy Reed von der RPR Media-Agentur gelungen, mich trotz meines ja nicht gerade kleinen Horizontes in Sachen Red Dirt/New Country, mit mir unbekannter starker Musik zu überraschen.

Diesmal heißt der Interpret Evan Michaels, der in den nächsten Tagen seine neue EP „Ain’t No Stopping This“ veröffentlichen wird. Der Protagonist stammt aus Stillwater, Oklahoma, einem Ort, in dem Bob Childers, der quasi als Gründer (‚Godfather‘) der Red Dirt-Szene gilt, in Treffpunkten wie ‚The Farm‘, all seinen weiteren Aushängeschildern wie u. a. Mike McClure, Cody Canada, Stoney LaRue, Brandon Jenkins oder No Justice, den Nährboden für ihr weiteres Schaffen bereitete.

Evan Michaels Werdegang war allerdings von einigen Umwegen geprägt. Er lernte sein Handwerk vornehmlich nach dem College im Mekka des Country, nämlich in Nashville. Zunächst als Aushilfskraft in einem Aufnahmestudio, wo er die Session-Akteure genau studieren konnte, dann als hier und da auftretender Musiker.

Trotzdem zog es ihn zurück in die Heimat. Mittlerweile hat Michaels, der laut Begleitzettel auf einen Fundus von über 200 Songs zurückgreifen kann, eine CD (auch die enthält allerdings lediglich 7 Tracks) und mit „Ain’t No Stopping This“ jetzt die zweite EP auf der Habenseite verbucht. Produziert hat er zusammen mit dem Keyboarder seiner Band, Andrew Bair. Als weitere Mitspieler sind Tom Evans (guitars), Ian Smith (bass, vocals) und D.J. Petty (drums) mit an Bord.

Die musikalische Ausrichtung der sechs neuen Stücke, kombiniert auch ziemlich offensichtlich seine bisherigen musikalischen und geografischen Gradweiser, wobei Red Dirt und  New Country so gut wie kaum trennbar, harmonisch ineinander verschmelzen. Das macht ihn vom Grundprinzip her, ähnlich wie Wade Bowen oder die Eli Young Band & Co., natürlich theoretisch in beiden Stilrichtungen vermarktbar. Ob eine vermeintliche Rückkehr in Richtung Nashville aufgrund kommerzieller Optionen, als wünschenswert erachtet wird, steht dann allerdings vermutlich mal auf einem anderen Blatt Papier.

Sämtliche Tracks haben eigentlich die typischen Zutaten: Tolle, sofort ins Ohr gehende Melodien, eine angenehme Stimme, dazu immer wieder dezent leiernde Steel- sowie präzise gespielte E- und Akustik-Gitarren, solider Bass-/Drum-Rhythmus, hier und da ein paar Piano-/hallende, gurgelnde Orgel- („Must’ve Been Drinking“, „Tomorrow Today“), Banjo- („Too Big For The Both Of Us“) und Mandolinen-Tupfer („Like It Should“). Man merkt, dass Michaels sein Songwriting-Handwerk genauestens gelernt hat.

Als meine beiden Favoriten entpuppen sich das fluffige, E-gitarrenlastige Titelstück als Opener „Ain’t No Stopping This“ (schön verspieltes E-Gitarren-Solo) und das wunderbar melodische „Bet On A Backroad“ (eingängiger Refrain, erneut klasse E-Gitarren-Kurzsolo), das folgerichtig zur ersten Single auserkoren wurde.

Fazit: Evan Michaels neue EP  „Ain’t No Stopping This“ ist ein viel zu kurzes Vergnügen. Sechs tolle, abwechslungsreiche, in sich stimmige Songs, die Liebhaber beider angeführter Genres, bestens mit den bevorzugten Ingredienzien bedient. Angesichts seines o. a. großen Songpools fragt man sich unweigerlich, warum Mr. Michaels seine Zuhörerschaft in der Manier eines Nobel-Restaurants, immer nur mit kleinen Delikatess-Happen versorgt…

Eigenproduktion (2017)
Stil: Red Dirt / New Country

01. Ain’t No Stopping This
02. Too Big For The Both Of Us
03. Must’ve Been Drinking
04. Tomorrow Today
05. Bet On A Backroad
06. Like It Should

Evan Michels
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RPR Media

Rozedale – Long Way To Go – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Zu vielen Plattenreviews gibt es Vorgeschichten. Als ich meinen Freund Daniel anlässlich eines Konzertbesuchs von Marc Ford abholte, drückte er mir die Scheibe „Long Way To Go“ von Rozedale in die Hand, mit der Bitte, ob ich das Review übernehmen könnte. Rozedale, ein im Juni 2016 gegründetes französische Bluesrock-Projekt mit der Sängerin Amandyn Roses und dem Gitarristen Charlie Fabert als musikalischen Köpfen aus der Region Mulhouse und Nancy, war für mich zunächst absolutes Neuland. Die beiden veröffentlichen in Kürze ihren ersten Longplayer auf dem französischen Blues-Label DixieFrog, nachdem es im letzten Jahr eine, auf 300 Exemplare, limitierte EP gab.

Eine wichtige Bezugsgröße war für beide unter anderem von Led Zeppelin. Amandyn wurde gesanglich inspiriert von Größen wie Beth Hart, Eta James und Janis Joplin, was sich auch in der Vielseitigkeit der Gesangsbreite widerspiegelt. Das Songwriting und Gitarrenspiel von Charlie ist beeinflusst von Jimmy Page, dem Vorbild aus Jugendzeiten und Projekten, unter anderem mit Roger Cotton (Keyboarder bei Peter Green), Alan Glen (Gitarrist bei den Yardbirds und Dr. Feelgood) und Bobby Tench (Sänger der Jeff Beck Band). Dies hat dazu beigetragen, dass Rozedale die ganze Bandbreite der Bluesmusik ausfüllen kann. Unterstützt werden die beiden von Nathalie Theveny-Sagaert am Piano, Denis Palatin an den Drums und Philipe Sissler am Bass.

Der erste Song, „Bad News“, eine Midtempo Nummer, besticht durch den ausdrucksstarken Gesang und sehr melodisches, schnörkelloses Gitarrenspiel.
„Soul Posession“, einer meiner Lieblingsstücke auf der Scheibe, erschien mir beim ersten Hören schon wie ein alter Bekannter, den ich lange Zeit nicht mehr gesehen habe. Hier ist es Rozedale schön gelungen, eine Grundharmonie von Stevie Wonders „Superstition“ in einen auf Blueskomponenten reduzierten Song zu modifizieren.

Mit „Man, I Don`t Want You Around“ wird etwas Fahrt aufgenommen und die Gitarre mehr in den Vordergrund gestellt. „I Will Never Let You Go“ steht wieder im Zeichen von Amandyns Stimme und die Inspiration durch Beth Hart wird deutlich, ohne ein Gefühl zu erwecken, dass ein erfolgreicher Stil abgekupfert wird. Bei „Long Way To Go“, dem Titelsong, kommt die Vielseitigkeit der Band zum Vorschein. Blues als Grundelement mit Akzenten von Swing, aber auch leicht rockig mit mehreren Tempowechseln, ohne chaotisch oder hektisch zu wirken – mit ein Highlight der Platte.

Ähnlich geht es mit „When Evil Sets It’s Sights On You“ weiter, wobei hier die rockige Variante des Blues im Vordergrund steht. Zwei eher stramme Gitarrensoli runden den Track, unterstützt mit stampfenden Drums ab. Mit „Before You“ wird es wieder ruhiger. Ein Song, der auch in einer klassischen Cocktailbar gespielt werden könnte. Der im Mittelpunkt stehende Gesang und die eher untergeordneten Instrumente, rücken Amandyn Roses gedanklich in Sphären einer Diva, die von einer Barband begleitet wird.

Weg von der Lounge geht es mit „Lost Soul“, einer dynamischen Bluesrocknummer, auf die Straße, bei der das Gitarrenspiel in kurzen Momenten an ZZ Top erinnert. Den Abschluss unter ein kurzweiliges Album bildet „New Frontier“, wieder mit charismatischen Gesang von Amandyn, sowie psychedelischem Gitarrenspiel von Charlie, bzw. von Nathalie Theveny-Sagaert am Piano. Vom Stil her fühlt man sich zum Teil in die Zeit um Woodstock zurückversetzt, ohne dass der Song verstaubt wirkt – mein absoluter Favorit der Platte.

Insgesamt ist Rozedales „Long Way To Go“ ein starkes Debüt, bei dem manche Feinheiten erst beim zweiten Hinhören Gewahr werden. Wenn es der Band gelingt, die Kreativität, Dynamik und hörbare Spielfreude beizubehalten, kann der Titel „Long Way To Go“ dahin gehend interpretiert werden, dass sich Rozedale, für die Zukunft, noch einiges vorgenommen haben. Schön wäre es, auch in hiesigen Gefilden, live zu erleben, wie die Vielfältigkeit der Lieder auf die Bühne zur Wirkung gebracht werden.

DixieFrog (2017)
Stil: Blues Rock

01. Bad News
02. Soul Possession
03. Man, I Don’t Want You Around
04. I Will Never Let You Go
05. Long Way To Go
06. When Evil Sets Its Sights On You
07. Before You
08. Lost Soul
09. New Frontier

Rozedale
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H’ART Musik-Vertrieb GmbH

The Band Of Heathens, 21.05.2017, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

BOH Haupt

Ich habe die Band Of Heathens zuvor bisher dreimal live gesehen, das ist allerdings jetzt doch schon eine ordentliche Weile her. Es war zu Zeiten, als die Truppe aus Austin, Texas, noch mit ihrem ‚Drei-Gestirn‘, also mit Colin Brooks als drittem Fronter agierte. Dieser weilt ja bekanntlich schon seit längerem auf eigenen Pfaden, auch die Rhythmus-Sektion wurde im gleichen Zuge erneuert.

Mittlerweile haben die beiden verbliebenen Hauptakteure Ed Jurdi und Gordy Quist mit Trevor Nealon, Richard Millsap und Scott Davis ein festes Bandgefüge um sich versammelt, das sich jetzt wieder in Europa eingefunden hat, um ihre aktuelle CD „Duende“ (was laut Gordy Quists Ansage vor „Last Minute Man“ als Synonym für Passion, Herzblut, etc. , das in diese Scheibe investiert wurde, stehen soll) dem geneigten Publikum vorzustellen.

Selbiges war an diesem Sonntag Abend leider nicht allzu zahlreich im schönen Dortmunder Musiktheater Piano anwesend, nur geschätzt knapp unter 100 Leute hatten sich auf den Weg gemacht, um sich am texanisch-rootsigem Country Rock des aktuellen BOH-Line-ups zu erfreuen. Das Quintett ließ sich von der recht überschaubaren Audienz aber nicht negativ beeinflussen und lieferte einen richtig starken Gig ab.

Und so startete der Fünfer mit dem leicht stonesk angehauchten, von Ed Jurdi gesungenem „Miss My Life“ in den ersten, 45-minütigen Set. „Sugar Queen“, „DC9″ und eine tolle Version von „Keys To The Kingdom“ folgten. Bei “Over My Head” hatte Bassist Scott Davis die Gelegenheit, seine Gesangskünste am Frontmikro zu präsentieren. Herrlich dann ihr altbekanntes, Little Feat-umwobenes „Jackson Station“. Das atmosphärische „Hurricane“ und das knackig, im Stile der Stones rockende “Trouble Came Early“ (wer braucht die alten Männer angesichts solcher Stücke eigentlich noch, fragte man sich da mal ganz spontan – klasse HT-Piano hier von Nealon) schlossen den Kreis des ersten Abschnitts.

Nach einer viertel Stunde Pause hatten Jurdi, Quist & Co. mit dem „LA County Blues“ die Leute sofort wieder im Griff. Das an die Beatles erinnernde „All I’m Asking“ und auch „Deep Is Love“ kamen recht ‚retro-poppig‘ daher. „Green Grass Of California“ hatte eine leichte Countrynote (Gordy mit Akustikgitarre), das fulminant groovende “Daddy Longlegs” bestach durch eine rauschende Psychedelic-Instrumental-Passage.

Mein Lieblingsstück des Abends war die wunderbare Ballade „King Of Colorado“, bei der Ed Jurdi eine fantastische Vokalperformance ablieferte. Mit dem swampigen „I Got A Feeling“ (polternde Drums von Millsap) und dem gegen Ende grandios anziehenden „Medicine Man“ wurde es dann richtig Southern-rockig und die Spielzeit des 2. Sets war ebenfalls wie im Fluge vorüber.

Bei der satt rockenden Zugabe „Medicated Goo“ brachten die Burschen ihre Sympathien für die großen Grateful Dead zum Ausdruck und verabschiedeten, ein zufriedene, sehr gut mitgehende Hörerschaft. Zwei Tage zuvor hatte The Band Of Heathens noch vor restlos ausverkauftem Haus in der Bluesgarage gespielt (allerdings auch zu einem günstigeren Termin, übrigens für eine Stunde mit Colin Brooks-Unterstützung!), an diesem Sonntag-Abend im Piano leider, wie bereits oben erwähnt, vor nur spärlicher Kulisse. Aber so ist das Rock And Roll–Leben/Geschäft halt phasenweise. Hat trotzdem richtig Spaß gemacht, die Texaner mal wieder live vor Ort zu erleben!

Line-up:
Ed Jurdi (lead vocals, electric and acoustic guitars, vocals)
Gordy Quist (lead vocals, electric and acoustic guitars, vocals, percussion)
Scott Davis (lead vocals, bass, vocals)
Richard Millsap (drums)
Trevor Nealon (keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

The Band Of Heathens
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Luke Gasser – Mercy On Me – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Seit längerem dürfte inzwischen bekannt sein, dass die Eidgenossen nicht nur langsam, sondern musikalisch auch richtig rockig und poppig können. Anfang der 80’er Jahre des letzten Jahrhunderts hat es die schweizerische Hardrock Band Krokus mit ihren Anleihen bei AC/DC vorgemacht und 10 Jahre später ein Breakdancer und Musiker namens Peter René Baumann, besser bekannt als DJ BoBo.

Auch dieser Luke Gasser aus Kägiswil im Kanton Obwalden ist ein echtes Multitalent. Er ist nicht nur Rockmusiker, sondern auch gelernter Bildhauer, Autor und Filmemacher, dessen Filme bereits an über 30 internationalen Festivals zu sehen waren. Als Musiker ist er gemeinsam mit der deutschen Rockröhre Doro Pesch aufgetreten und war schon mit Bob Geldof, Status Quo, The Spencer Davis Group und Nazareth, die er selbst, wahrscheinlich um die Seelenverwandtschaft mit der Band zum Ausdruck zu bringen, als Waffenbrüder bezeichnet, unterwegs. Seit 2013 hat Gasser nahezu regelmäßig ein neues (englischsprachiges) Album pro Jahr veröffentlicht. Jetzt Ende Mai 2017 kommt also seine vierte CD „Mercy On Me“ auf den Markt, welche laut seinem Label LuckyBob Records sein bisher kraftvollstes Werk sein soll.

Stilistisch passt das Album an sich gar nicht in die vom Sounds-of-South-Magazin bevorzugte Musikrichtung des Southern Rock. Die Tracks des Albums erinnern teilweise eher an vergangene Punk-Zeiten, sie klingen überwiegend laut und anarchisch, nicht zuletzt wegen Gassers einprägsamer, rauer Stimme. In diese Richtung passen auch die wortgewaltigen Songtexte, die Ereignisse aus Gesellschaft, Politik und persönlichen Lebensbereichen kritisch, aber nicht moralisierend aufgreifen.

Dazu rocken und grooven Lukas Gasser und seine Mitstreiter Zach Prather (Bass) und Rudolf ‚Relli‘ Halter (Drums) was das Zeug hält. Bei fast allen Tracks des Albums handelt es sich um geradlinige und schnörkellose, und wie gesagt teilweise auch punkige, gitarrengetriebene Rocksongs, die unmittelbar ins Blut bzw. die Beine gehen. Ob der geballten Energie, die die Stücke ausstrahlen, dürfte sich aber auch der eine oder andere Southern Rock Fan, zumindest teilweise, von der Scheibe angesprochen fühlen.

Gleich der erste Song des Albums, das wilde „Stellar Queen“, bei dem sich Gasser als Verstärkung Frontmann Mark Fox von Shakra ins Boot geholt hatte, geht mit einem schönen Gitarrenintro so richtig ab und besitzt einen hohen Mitgrölfaktor. Rotzig und durch Background vocals unterstützt geht’s auch mit den nächsten beiden Stücken „Mercy On Me“ und „Cross My Heart“ weiter, immer getrieben von Gassers vorherrschender Leadgitarre. Erst das etwas gemäßigtere „Twinge Of Sadness“ lässt den Hörer etwas zur Ruhe kommen und verschnaufen.

Mit „Ruby MD nimmt die CD dann wieder gehörig an Fahrt auf, um von dem ruhigen und balladesken „Rooster On A Prowl“, einem Stück über die diffusen Ängste und die Unzufriedenheit in der heutigen Gesellschaft, abgelöst zu werden. Schön an diesem Song ist u. a., dass Gassers raue Stimme hier besser zur Geltung kommt und nicht durch laute Gitarrenriffs überlagert wird. Stilistisch ähnlich geht’s anschließend nahezu übergangslos mit „Winter Rest“ weiter.

„Hey Hey Hey“ überzeugt durch ein leicht southernmässig angehauchtes Slide-Intro, um letztendlich in einem zornigen Song über die Schleimer dieser Welt zu enden. Zwei Love-Songs in der Gasser-typischen Art, also etwas ruppig und rau und gar nicht romantisch, sondern eher verzweifelt, sind „Strive“ und „Throw A Light“, wobei letzterer Song im Gitarrenspiel durchaus bluesig rüberkommt. Punkiger und wütender wird’s dann zum Abschluss wieder mit „Smash To Smithers“ und dem letzten Song des Albums „Modesty“.

Für Fans harter, treibender Gitarrenriffs mit punkigen Einflüssen ist „Mercy On Me“ auf jeden Fall ein Kauftipp, die Liebhaber anderer Stilrichtungen werden sich sicherlich auch an einzelnen Songs erfreuen können, wahrscheinlich aber nicht am Komplettgenuss des Albums. Die Tracks sind eben recht ähnlich angelegt oder positiv ausgedrückt, jeder der Songs besitzt stellvertretend für das gesamte Album einen hohen Wiedererkennungswert.

Lucky Bob Records (2017)
Stil: Rock

01. Stellar Queen
02. Cross My Heart (And Hope To Die)
03. Mercy On Me
04. Twinge Of Sadness
05. Ruby, MD
06. Rooster On a Prowl
07. Winter Rest
08. Hey Hey Hey (Pussyfooter)
09. Strive (I225)
10. Throw A Light
11. Smash To Smither
12. Modesty

Luke Gasser
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Brooke Lynn Promotion

Them Dirty Roses – Same / Trouble (Deluxe Edition) – CD-Review

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Die Newcomerband Them Dirty Roses, das sind die Brüder James und Frank Ford sowie deren Freunde Andrew Davis und Ben Crain. Sie alle stammen aus Gadsden, Alabama und leben inzwischen in Nashville, dem Mekka des Country und in letzter Zeit vermehrt auch des Südstaaten Rocks, gemeinsam unter einem Dach, was entweder für hohe Toleranzschwellen der vier Jungs oder für gemeinsame Vorlieben wie Musik, Bier und Whiskey spricht. Immerhin kommen Bier, Whiskey und Kokain in einigen ihrer Songtitel vor… Wobei wir bei ihrem neuen Album angekommen sind.

Es enthält 14 reinrassige Southern Rock-Stücke, die fast ausschließlich von der 2014’er EP und dem 2016’er Album „Trouble“ stammen plus zwei weitere Songs. Es ist also kaum neues Material drauf, was aus hiesiger Sicht nicht weiter tragisch ist, da hierzulande bisher wohl kaum jemand von Band gehört haben dürfte. Aufgrund des einfachen Pappcovers und des fehlenden Booklets drängt sich zunächst auch der Verdacht auf, dass es sich bei dem Album um eine Low-Budget Produktion handelt, es sei denn die zur Rezension vorgelegte Scheibe dient lediglich zu Marketingzwecken und ist so für den Handel nicht vorgesehen.

Ist aber auch egal, denn beim Hören begeistert das Teil sofort und die Songs klingen ganz und gar nicht nach Billigproduktion. Sie haben es allesamt in sich, es sind klassisch schöne Südstaaten-Rock Stücke, wie ihn Redaktion und sicherlich auch die Leser dieses Magazins lieben. Aufgenommen und abgemischt wurde das Album im hauptsächlich analoge Technik bevorzugende ‚Welcome To 1979′-Studio in Nashville.

Mal kommen die Songs hart und rockig daher, wie zum Beispiel das von der Rhythmusgitarre beherrschte und mit Background Vocals zum Mitsingen einladende „What Your Daddy Doesn’t Know“, oder „A Bad Hand“ (eingängig und mit Rock’n‘ Roll Elementen behaftet) oder das kraftvolle „Shake It“ (welches gleich zweimal in leicht unterschiedlichen Versionen auf der Scheibe vertreten ist), ein anderes Mal sind die Stücke zwar auch southernmässig rhythmisch, aber dabei doch wesentlich melodiöser.

So ist der Opener des Albums „Cocaine And Whiskey“ ein mit einer eingängigen Grundmelodie, die sich immer wiederkehrend durch den Song zieht, versehener, recht melodiöser Track, ebenso wie der an Lynyrd Skynyrds „Sweet Home Alabama“ erinnernde Song „Beer Cans And Tire Swings“. Diese Stücke und die etwas ruhiger angelegten Songs wie z. B. „Back Home“ und „Fix You“ dürften sicherlich auch vor den Ohren unserer Herzensdamen Gnade finden. Ein weiteres starkes Highlight dieses Albums ist der Track „Head On“ mit der Country-Sängerin Kirstie Lovelady am Mikrofon und teilweise im Duett mit James Ford.

Alle Songs dieses Them Dirty Roses-Albums sind southern-typisch ehrliche, straighte Stücke, die ohne überflüssigen musikalischen Firlefanz auskommen und trotz ihrer Eigenständigkeit eine gewisse Nähe zu den großartigen Lynyrd Skynyrd erkennen lassen. Teils rockig-melodiös, teils wunderbar relaxt, laden sie förmlich dazu ein, sich mit einem Glas ‚Southern Comfort‘ oder einem ‚Jackie‘ in der Hand, an einem heißen Sommertag, ein schattiges Plätzchen zu suchen, den Alltag zu vergessen und gedankenverloren abzuspannen.

Eine tolle Scheibe von einer klasse Band von der wir hoffentlich in Zukunft noch viel hören werden!

Line-up:
James Ford – guitar, vocals
Andrew Davis – guitar
Ben Crain – bass
Frank Ford – drums

Teenage Head Music (2017)
Stil: Southern Rock

01. Cocaine And Whiskey
02. What Your Daddy Doesn’t Know
03. Whiskey In My Cup
04. Shake It
05. Beer Cans And Tire Swings
06. Songs About You
07. Molly
08. Back Home
09. Trouble
10. Grew Up In The Country
11. Fix You
12. Head On (feat. Kirstie Lovelady)
13. A Bad Hand (live)
14. Shake It (live)

Review: Jörg Schneider

Them Dirty Roses
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Teenage Head Music

Marc Ford & The Neptune Blues Club – 18.05.2017, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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Ein Hauch von ‚Stardom‘ gestern in der Kulturrampe! Der ehemalige Gitarrist der berühmten Black Crowes, Marc Ford, hatte sich mit seinem Projekt The Neptune Blues Club in dem beliebten Krefelder Club unter der Federführung von Teenage Head Music erstmalig vorgestellt.

Kulturrampen-Chef Markus ‚Pille‘ Peerlings hatte mal wieder das Pech, mit einem grippalen Infekt passen zu müssen. So war es einem anderen Kulturrampen-Original, Mario Scholten, vorbehalten, Ford und seine Mitstreiter Mike Malone sowie die aus dem englischen Bristol engagierte Rhythmus-Sektion, bestehend aus Tom Gilkes und Chris Jones, anzusagen.

Auf Songs aus der ‚Krähen-Ära‘ wurde von Marc komplett verzichtet (vermutlich auch aus rechtlichen Gründen), im Fokus standen ausschließlich Tracks aus dem Fundus seiner eigenen Alben, besonders natürlich dem aktuellen Longplayer „The Vulture“.

Nach etwas holprigen Beginn mit sporadischen Unstimmigkeiten über die Setlist, kleineren technischen Malheuren (z. B. das über dem Keyboard angebrachte Mikro flutschte bei Malone mal plötzlich nach unten weg, später riss der Gitarrengurt an einem von Fords Arbeitsgeräten während des Spielens) nahm der der erste Set mit dem von Malone gesungenen „Ghetto Is Everywhere“ richtig Fahrt auf. Stark die schöne Ballade „All We Need To Do Is Love“ mit sanft gurgelnder Orgel und atmophärischem E-Gitarren-Solo von Ford. Das launige „Arkansas Gas Card“ und das bluesig, dezent gospelige „Deep Water“ verabschiedeten in die Pause.

Im zweiten Set legte das Quartett nochmals eine Schüppe drauf und auch die Stimmung wurde von Stück zu Stück immer besser. Nach dem Beginn mit „Old Lady Sunrise“, dem Stampfer „I’m Free“, dem bluesigen „Don‘t Get Me Killed“ (Malone mit zwei aneinandergehaltenen Mikros beim Gesang und toller Harp), dem rhythmisch, mit HT-Piano und grandioser Slide-Vorstellung von Ford abgehenden „Shame On Me“, dem herrlich swampigen „I Pay For My Mistakes“ ging es bei „Shalimar Dreams“ zum ersten Mal in den Improvisations-Modus, der seinen Höhepunkt im grandiosen „Devil In The Details“ mit angehängtem furiosen jammigen „Greazy Chicken“, mit Soli aller Beteiligten, fand, bei dem vor allem dann natürlich Ford sein extravagantes Können zur Schau stellte.

Die frenetisch eingeforderte Zugabe der völlig begeisterten Audienz wurde dann mit dem Titelstück des aktuellen Werkes „The Vulture“ zu bereits später Stunde belohnt. Knapp 60 Zuschauer (für eine Premiere in der Rampe während der Woche durchaus ok) konnten sich einen guten Eindruck verschaffen, warum der leicht kauzig wirkende Marc Ford schon eine Hausnummer in der Riege der renommierten Gitarristenszene darstellt.

Insgesamt ein Abend mit dezent Southern umwobenen Blues Rock, der auch ohne BC-Songs als durchaus gelungen und wertvoll bezeichnet werden darf. Marc Ford & The Neptune Blues Club sollte man als Konzertbesucher unserer Tage in jeden Fall auf der Habenseite verbucht wissen.

Line-up:
Marc Ford (lead vocals, electric guitar, slide guitar, vocals)
Mike Malone (lead vocals, harp, keys, vocals)
Chris Jones (bass)
Tom Gilkes (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Marc Ford
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Blues Alive Festival, 13.05.2017, Bürgerhaus Stollwerck, Köln – Festivalbericht

Auch wenn unser Fokus ja bekanntlich in anderen Genres angesiedelt ist, mache ich keinen Hehl daraus, dass ich, besonders live, gut gemachten und gespielten Blues Rock, ebenfalls ganz gerne höre. Die Premiere des Blues Alive Festivals im Kölner Bürgerhaus Stollwerck bot sich mit dem hochwertigen Line-up, bestehend aus Layla Zoe (die ich allerdings in letzter Zeit schon fast inflationär gesehen habe) sowie den Herren Danny Bryant und Blues Rock-Legende Walter Trout, besonders an, zumal ich die beiden letztgenannten Musiker bisher noch nicht auf der Bühne erlebt habe.

Der ganz schön korpulente Danny Bryant betrat pünktlich um 20:00 Uhr mit seinen beiden Mitmusikern Alex Phillips und Dave Raeburn die für ihn vorbereitete Bühne. Er stieg mit einem Instrumental in den Gig ein und sorgte für exakt 45 Minuten mit seinen diversen verzerrten und knarzenden E-Gitarren für einen unterhaltsamen Auftakt des Abends.

Haften geblieben sind dabei das atmosphärische „Slow Suicide“, das mit einer Les Paul performte (tolles Solo), dezent southern-umgarnte „Take Me Higher“ sowie die furios gecoverte Version von „All Along The Watchtower“ als Schlusspunkt.

Line-up:
Danny Bryant (lead vocals, electric guitar)
Alex Phillips (bass)
Dave Raeburn (drums)

Layla Zoe glich, von der Besetzung und Setlist her, ihrem Auftritt vor geraumer Zeit im Schwarzen Adler, im Rahmen der Double Trouble-Geschichte, zusammen mit Jane Lee Hooker. Die rothaarige kanadische Blues-Röhre beeindruckte wie gewohnt mit toller Charakter-Stimme und ihrer, aufs Publikum eingehenden und emotionalen Art (kommunizierte viel, tanzte mit den Leuten, strich einem Fotografen mit der  Hand durch den wohl gepflegten Drei-Tage-Bart).

Höhepunkte hier waren die emotional berührenden Songs „Sweet Angel“ (gewidmet ihrer, an einem  Aneurysma verstorbenen Freundin Marsha) und „Highway Of Tears“ (über getötete, vermisste und verschleppte kanadische Ureinwohnerinnen), sowie das starke „Workinghorse“ (mit Talkbox-Einlage des furios aufspielenden und scheinbar immer besser werdenden Gitarristen Jan Laacks). Eine kurzweilige, ebenfalls wie im Fluge vergangene  Stunde, mit ansprechendem Diven-Blues Rock dieser Zeit.

Line-up:
Layla Zoe (lead vocals)
Jan Laacks (electric guitar, vocals)
Christoph Hübner (bass, vocals)
Claus Schulte (drums)

Walter Trout, dem die verbundenen Qualen und Erlebnisse  im Zuge seiner Lebertransplantation 2014 deutlich im Gesicht eingemeißelt waren, brachte zunächst seine Finger mit einem quirligen Intro zum Opener „Help Me“ auf Betriebstemperatur. In der Folgezeit wurde er bei seinem etwas über zwei Stunden währenden, hochdynamischen Auftritt, seinem Status als Headliner des Abends, voll und ganz gerecht.

Angesichts des Erlebten (60 Kilo abgenommen, 8 Monate ans Bett gefesselt, musste Laufen und Sprechen wieder lernen, geschweige, sich das Gitarrenspiel wieder beizubringen), glich es schon einem Geschenk (für alle Beteiligten), ihn hier wieder mitreißend singen zu hören, als auch seine unzähligen filigranen E-Gitarren-Soli bestaunen zu können.

Selbstredend, dass während seines Gigs, das aus seiner Sicht düstere, depresssive und z. T. morbide Werk „Battle Scars“ mit Tracks wie u. a. „Almost Gone“, „Haunted By The Night“, „Playin‘ Hideawy“ und „Please Take Me Home“ (seiner Frau gewidmet, die ihm durch diese schwere Zeit geholfen hat), in dem all diese wenig erfreulichen Umstände reflektiert werden, im Blickpunkt des Geschehens stand.

Laune machte neben der Standard-Formation mit Sammy Avila (ließ seine Hammond ordentlich gurgeln), dem tierisch Gas gebenden Drummer Michael Leasure und dem Benjamin, Adam Ditt am Bass (wirkte, vermutlich aufgrund der Schwergewichte um sich herum, etwas schüchtern, zupfte aber sehr solide) vor allem auch die Einbindung der Gäste wie Sohnemann Jon, der auch bewies, dass er die musikalischen Gene des Vaters intus hat (wirbelte ebenfalls schon gehörig auf seiner hellblau-weißen Strat, dazu mit gutem Kurz-Lead Vocals-Einsatz), Sänger Andrew Elt (überwiegend Harmoniegesänge, einmal kurz als Fronter) und dem beim furiosen „The Blues Came Callin'“-Jam dazu stoßenden und erneut glanzvoll aufgelegten Danny Bryant.

Das grandios dargebotene „Going Down“ mit munterem ‚Bäumchen- Wechsel-Dich‘-Intermezzo am Frontmikro (stark hier auch Sammy Avila) zum Abschluss des Hauptteils, plus zwei Zugaben (eine Ballade, ein launiger Boogie) sorgten für ein maximales Maß an finaler Freude im sehr gut besuchten Stollwerck. Verdienter Applaus für Stehauf-Männchen Walter Trout und seine starke Begleittruppe!

Line-up:
Walter Trout (lead vocals, electric guitar)
Adam Ditt (bass)
Michael Leasure (drums, vocals)
Jon Trout (electric guitar, vocals)
Sammy Avila (keys, vocals)
Andrew Elt (vocals, acoustic guitar)
Danny Bryant (electric guitar – jam)

Fazit: Dieses Blues Alive Festival im Kölner Bürgerhaus Stollwerck war ein toller und kurzweiliger Abend. Hervorragend durchorganisiert von der ersten bis zur letzten Minute mit drei vorzüglichen Bands, die sich allesamt in ihren ansprechenden Leistungen nichts schenkten. Schön dabei zu erleben, dass Walter Trout nach überstandener Lebertransplantation in seinem ‚2. Leben‘, musikalisch wie mental, wieder voll auf dem Damm zu sein scheint. Insgesamt eine Veranstaltung auf absolut hohem Niveau, die gerne in dieser Form im nächsten Jahr eine Fortsetzung finden darf.

P.S. Vielen Dank an Fotokünstler Albrecht Schmidt, der für den am Knie verletzten Jörg Schneider spontan eingesprungen ist und somit Premiere in diesem Magazin feiert.

Bilder: Albrecht Schmidt
Bericht: Daniel Daus

Danny Bryant
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Layla Zoe
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Walter Trout
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Rock-Times Production
Ruf Records
Bürgerhaus Stollwerck Köln

Joanne Shaw Taylor, 14.05.2017, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

JST_Haupt

Noch ganz unter dem Eindruck des kurz nach Mitternacht zu Ende gegangenen Blues Alive Festivals mit Diva Layla Zoe, Schwergewicht Danny Bryant und dem, nach seiner Lebertransplantation schwer gezeichneten, aber gewaltig aufgetretenen Walter Trout, stand zum Abschluss der Woche mit Joanne Shaw Taylor nochmal die unverbrauchte, nahezu jugendlich wirkende Variante des Blues Rocks im schönen Dortmunder Musiktheater auf dem Programm.

Dabei hat die noch so mädchenhaft wirkende 31-jährige britische, von Dave Stewart entdeckte Dame, seit 2009, bereits sechs Alben eingespielt und wurde von keinem geringeren als Joe Bonamassa  schon als ‚a superstar in waiting‘ bezeichnet. Die hatte mit ihren Mitstreitern Luigi Casanova (mit kunstvoll aufgedrehter Rastazopfmähne), Kraftpaket Oliver Perry und dem vielseitigen Drew Wynen ihr aktuelles, in Nashville aufgenommenes Studiowerk „Wild“ im Schlepptau, das, wie sie stolz verkündete, zum ersten Mal mit Top-20-Charterfolgen bedacht worden ist.

Genau wie auf dem Album, begann sie ihre Show mit „Dyin‘ To Know“, das mit seinem swampigen Intro und dem treibenden Boogiegroove, schon eine ganz unterschwellige ’südstaatliche Amerikanisierung‘ ihres Sounds andeutete (sie benutzte zudem ausschließlich Telecaster- und Les Paul-E-Gitarren für ihr Spiel), was unserem Magazin ja durchaus nicht unangenehm ist. Diese blitzte immer mal wieder im weiteren Verlauf sporadisch auf (z. B. wenn Wynen slidete und Joanne in kurz Twins verwickelte), war aber insgesamt nicht omnipräsent.

Überwiegend blieb sie, bis auf einige Stevie Ray Vaughan-Reminiszenzen („Time Has Come“), dem Stil ihrer Heimat treu. Das rockig powernde „Nothing To Lose“, das melodische „Reason To Stay“ (dezent southern) und das, mit zwei starken E-Soli bestückte „Jump That Train“ waren die nächsten Stationen. „Diamonds In The Dirt“ endete mit einer ziemlich lang gezogenen, am Ende recht aggressiv gespielten E-Gitarren-Solo-Passage, bei der sie ihre erstaunliche Fingerfertigkeit demonstrierte.

Klasse ihr rauchiger und auch insgesamt sehr schön ins Ohr gehende Gesang zu hallenden Orgelklängen von Wynen, beim  relaxten „Tired, Trusted & True“  und natürlich wieder ihre Soli (eines davon fast in der Tradition eines Dickey Betts). „Watch Em Burn“ stampfte traditionell und entwickelte sich zum lautesten und längsten Track des Abends.

Knackig und rhythmisch ging es bei „Wanna Be Your Lover“ zur Sache, das David Bowie gewidmete „Wild Is The Wind“ (Casanova und Wynen mit Harmoniegesängen) bestach atmosphärisch, während es mit „Going Home“, meinem Favoriten des Gigs und gleichzeitig Endstück des Hauptteils, nochmals southern-swampig zur Sache ging. Drew Wynen bot der Protagonistin hier mit tollem Slide-Solo die Stirn.

Als Zugabe gab es noch das flockige „Mud Honey“. Insgesamt ein angenehmer Blues Rock-Abend. Wenn es der so lieb und brav wirkenden Joanne Shaw Taylor noch gelingt, in Sachen Aura und Charisma zuzulegen, und somit ein Publikum mehr mitzureißen und für sich einzunehmen, wird Joe Bonamassa vermutlich Recht behalten. Und die junge Britin hat ja auch durchaus noch ein paar Jährchen vor sich…

Line-up:
Joanne Shaw Taylor (lead vocals, electric guitar)
Luigi Casanova (bass, vocals)
Oliver Perry (drums)
Drew Wynen (keys, acoustic, electric & slide guitar, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

Joanne Shaw Taylor
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