Shania Twain – Now – CD-Review

Shania-Twain-1499352150

Neuer Stoff der Country Queen nach 15 Jahren! Da wir die Scheibe recht verspätet und auch nur in der um vier Tracks verkürzten Version erhalten haben, versuche ich mich auch recht kompakt zu fassen.

Über Shanias musikalische Erfolge, ihre Lyme-Borreliose-Krankheit, die sie fast die Stimme gekostet hat, die wenig erfreulichen Ereignisse bezüglich ihrer letztendlich gescheiterten Ehe mit Robert ‚Mutt‘ Lange, ihr Kampf zurück ins Künstlerleben samt ihres zweijährigen Las Vegas-Arrangements, wurde ja bereits ausgiebig in den heutigen Begleitmedien berichtet.

Jetzt ist sie nach ihrem ewig zurückliegenden „Up!“ mit „Now“ auch wieder auf kreativer Ebene ins musikalische Scheinwerferlicht zurückgekehrt. Erster Pluspunkt: Sie hat es sich, wie viele prominente Interpreten ihres Levels es vielleicht handhaben würden, nicht so leicht gemacht, sich ihr Comeback regelrecht ‚auf den Leib schneidern‘ zu lassen. Shania hat sämtliche Tracks selbst kreiert und auch mitproduziert.

Trotzdem wurde natürlich nichts dem Zufall überlassen und mit Ron Aniello, Matthew Koma, Jacquire King und Jake Gosling zeitgenössische Produzentenprominenz als kommerzielle Erfolgsgaranten hinzugezogen. Selbstredend, dass auch eine Riesenanzahl an guten Instrumentalisten (u. a. Matt Chamberlain, Roy Bittan, Jude Cole, Max Collins, Eric Darken, Greg Leisz, Chris Donegan, Tim Lauer, Kristin Wilkinson, etc.) und Backgroundsängern (u. a. Dan Book, Jason Wade) eingebunden wurde.

Ich muss zugeben, dass ich nach dem ersten Hördurchgang, abgesehen von dem schönen transparenten Sound und ihrem typisch genäselten Gesang (klingt am Ende eigentlich doch wie damals vor ihrer Erkrankung) und vieler kleiner instrumenteller Finessen, recht enttäuscht war. Mir fehlte auf den ersten Blick der Glanz, die Eingängigkeit und das gewisse Etwas ihrer einstigen Erfolgssongs, mit denen sie früher, einen sofort auf ihre Seite zog.

Davon sollte man sich jedoch nicht irritieren lassen. Es ist eine typische CD, die von Mal zu Mal ‚wächst‘ und peu à peu ihre Strahlkraft immer mehr zu entfalten beginnt. Spätestens nach dem vierten bis fünften Durchlauf wird man dann auch wieder mit den Sonstrukturen, bzw. besonders den Refrains der Kanadierin ‚warm‘.

Bestes Beispiel ist schon der Opener „Swingin‘ With My Eyes Closed“ mit seiner atypischen E-Gitarrenhook, die irgendwie so garnicht zum Reggae-beschwingten Verlauf des Stückes passen will. Mittlerweile mag man das Stück trotzdem ohne Wenn und Aber und muss auch durchaus einen Hitcharakter attestieren. Shania setzt zum Teil auf Retroklänge wie bei Tracks der Marke „Light Of My Life“, „You Can’t By Love“ (herrlich ihr freches „Aw, yeah“ am Ende), die an beste Flower Pop-Zeiten erinnern, oder beim Bläser-trächtigen „We Got Something They Don’t“, bei dem man fast die guten alten Hot Chocolate vor Augen hat.

Weitere Lieder mit Hitpotential sind „Home Now“ (dezentes Banjo, klare Akustikgitarre, Piano, Violine), „Who’s Gonna Be Your Girl“ (atmosphärische Streicher), „More Fun“ (leicht lasziv) und das flockige ”Life’s About To Get Good“, das am meisten an ihre frühere Ära reminisziert. Die eine oder andere Spitze in Richtung des früheren Gatten und der besten Ex-Freundin sind vermutlich aus selbsttherapeutischer Hinsicht und ein wenig Rache in so manchem Text mit integriert worden.

Lediglich das schwermütig polternde „Roll Me To The River“ zündet nicht so ganz. Im Sinne einer positiven mentalen Wende der Künstlerin, hätte ich das traurige „Soldier“ eher irgendwo in die Mitte des Albums platziert und mit dem lebensbejahenden Statement ”Life’s About To Get Good“ in Richtung Zukunft abgeschlossen. Nach Berücksichtigung aller Faktoren ist Shania Twains „Now“ aber eine insgesamt sehr gelungene Rückkehr ins Hier und ‚Jetzt‘!

Mercury Nashville (2017)
Stil: (New Country) Pop

01. Swingin‘ With My Eyes Closed
02. Home Now
03. Light Of My Life
04. Poor Me
05. Who’s Gonna Be Your Girl
06. More Fun
07. I’m Alright
08. Roll Me On The River
09. We Got Something They Don’t
10. You Can’t Buy Love
11. Life’s About To Get Good
12. Soldier

Shania Twain
Shania Twain bei Facebook
Universal Music

Skinny Molly – 07.10.2017, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

SKMO_haupt

Dritter Abend unserer Konzerttriologie an diesem Wochende mit Skinny Molly, einer Band, die natürlich, als lupenreiner Southern Rock-Act, am perfektesten in unser eigentliches Anforderungsprofil passt.

Gegründet einst von Mike Estes (Drivin‘ Sideways, zeitweise Lynyrd Skynyrd/Blackfoot) und dem vor kurzem leider verstorbenen Molly Hatchet-Gitarristen Dave Hlubek, sind sie heute im Quartett, bestehend aus Estes, einer weiteren Southern Rock-Legende, dem Kraftpaket Jay Johnson (Blackfoot, Rossington Band), Luke Bradshaw und dem aus Wien stammenden Christoph Ullmann, der auch schon früher für Blackfoot getrommelt hat, unterwegs.

Das anwesende Publikum an diesem Abend im schönen Musiktheater Piano in Dortmund war mit zwischen 70-80 Zuschauern doch recht überschaubar, die Leute hatten sich aber im Raum recht gut verteilt, sodass es überhaupt nicht trist wirkte.

Kleine Randnotiz: Zur Auflockerung der Stimmung trug vor dem Konzert dann noch ein kauziger Besucher bei, der im Vorfeld des Gigs augenscheinlich erheblich zu tief ins Glas geschaut hatte. Der wankte schon leicht angeschlagen, als die Musiker gerade zur Bühne schritten, vor diese, stellte sich dann quasi vors anwesende Plenum und brüllte mit erhobener Flasche, wie auch später immer mal zwischendurch, erstmal ein lautes ‚Yeah‘, heraus. Das kam aber wohl eher aus erheblich ‚beschwingter‘ Freude heraus, nicht aus irgendeinem Geltungsdrang.

Ich hatte Skinny Molly bisher nur ein einziges Mal zuvor live gesehen und das war vor einigen Jahren in Holland, im Rahmen eines Festivals (was ich aber gar nicht so zur Kenntnis genommen hatte, da ich mich ganz spontan, auf die ‚letzte Minute‘ aufgemacht hatte). Da spielte die Band am Ende als Headliner nach zwei langatmigen, mir nicht zusagenden Voracts, erst gegen 1 Uhr nachts und wurde von mir somit nur sehr ermüdet und angenervt aufgenommen, was demnach also nicht ihrer ordentlichen Leistung geschuldet war.

Umso schöner, dass sich jetzt im geliebten Piano bei ‚voller Konzentration‘ im Rahmen ihrer jetzt stattfindenden ‚Southern Fried World Tour 2017‘, nochmals die Gelegenheit ergab, den Vierer zu begutachten. Estes, Johnson und Co. starteten zum Auftakt mit „Here For A Good Time“, von ihrem, immer noch aktuellen, gleichnamigen Album von 2014. Mike riss am Ende des Liedes eine Saite und schwenkte dann im weiteren Verlauf des ersten Sets (die Pause nutzte er dann zur Reparatur), etwas unplanmäßig, zu einer anderen Gibson Les Paul-E-Gitarre.

Über „Too Much“ von ihrem Debüt „No Good Deed“ und dem Stampfer „After You“ sowie dem Skynyrd-trächtigen „I Don’t Care“ vom Nachfolger „Haywire Riot“ wurde der Cover-Reigen mit Steve Earles „Copperhead Road“ in Gang gesetzt, dem im weiteren Verlauf des Abend noch altbekannte Stücke wie „Wishing Well“ (mit integrierter Vorstellung der Band) , „Train, Train“ (Jay bei beiden mit Lead Gesang, Mitsing-Interaktion), „Dead Flowers“ und meine geliebten „Call Me The Breeze“ und „SHA“ (beide jetzt in der gefühlt 1.000sten Variante gehört…, aber natürlich gut gespielt!) folgen sollten.

Das ebenfalls bekannte „Devil In The Bottle“ (hier aber legitim, da von Estes mitgeschrieben),  „When The Goin‘ Gets Tough The Tough Go Fishin'“, „Me And The Devil Himself“ (atmosphärischer Opener des 2. Sets, Erzählgsang), „Snakebit“ (Mike mit Slide und Anschluss von Jay im Solo-Part), „Two Good Wheels“ und das starke „Better Than I Should“ sowie das von Estes mit einer kleinen Träne der Dankbarkeit im Auge (bezüglich der Treue), der Southern Rock-Fan-Gemeinde gewidmete „For Y’all“ (1. Zugabe), waren die selbst-kreierten Stücke, die mir persönlich im Verlauf des Konzerts am meisten Spaß bereiteten.

Am Ende durfte natürlich „Free Bird“ nicht fehlen, das auch in einer starken Version performt wurde. Jay übernahm die berühmten Rossington-Slide-Parts, und lieferte sich mit Mike (Gesang) im berühmten Finish wüste Duelle, um sich auch kurz in Twins zu ‚vereinigen‘. Hier hatte dann auch die insgesamt stark agierende  Rhythmusfraktion ihren Glanzpunkt, die sich mit kräftigen Mitteln, zur Gitarrenpower von Estes und Johnson gesellte (Bradshaw ließ den Bass ganz hart pumpen und stampfte heftig mit den Füßen, dass man fast Angst bekam, dass er den unter Teppichen verborgenen Bühnenholzboden durchtreten könnte; Ullmann mit deftig polterndem Drumming). Gernot wurde sogar gestattet, aus der Bandperspektive vom hinteren Bühnenteil, zu fotografieren.

Am Ende nach dem Gig gab sich das äußerst sympathische und kooperative Quartett sehr publikumsnah, erfüllte jeden Autogrammwunsch und ließ sich ganz locker für die SoS-VIP-Galerie mit unserer Logotafel ablichten. Mit gutem Gelingen in Richtung der vier Musiker für ihre restlichen Auftritte in Spanien, Frankreich und England und herzlichen ‚Handshakes‘ verabschiedeten wir uns dann zur Rückfahrt in die regnerische Nacht. Auch der dritte Konzert-Abend hintereinander mit gut aufgelegten Skinny Molly hatte sich für uns absolut gelohnt! Tolle Musiker!

Line-up:
Mike Estes (lead vocals, lead guitar)
Jay Johnson (lead guitar, lead vocals)
Luke Bradshaw (bass, vocals)
Christoph Ullmann (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Skinny Molly
Skinny Molly bei Facebook
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Thorbjorn Risager & The Black Tornado – 06.10.2017, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

Ris-Haupt

Zu solch einem späten Zeitpunkt des Jahres, beginnt man sich unweigerlich Gedanken zu machen, was es so an Konzerthighlights gab, gerade, wenn man wie Gernot und ich, doch eine erhebliche Anzahl von überwiegend starken Gigs bis dato in 2017 beleuchtet hat. Natürlich hat man da auch noch die restlich geplanten Veranstaltungen mit im Auge.

Auf der To-Do-Liste stand nämlich der von uns schon des öfteren reviewte Thorbjørn Risager mit seinen The Black Tornado, der bereits vor einem guten Jahr im Schwarzen Adler eine Glanzleistung abgeliefert hatte.

Damals war ihr aktuelles Album „Change My Game“ noch nicht veröffentlicht, die Band hatte dem Publikum aber trotzdem schon ein paar Stücke als Vorgeschmack serviert. Mittlerweile sind seit dem Erscheinen dieses erneut gelungenen Werkes auch wieder Monate ins Land gezogen. Jetzt wird der Verkauf der CD von den fleißig tourenden Dänen weiter angekurbelt.

Mr. Schwarzer Adler, Ernst Barten, konnte sich demnach wieder über ein prall gefülltes Auditorium freuen. Wie gewohnt präsentierten Risager und seine Kumpanen einen zweigeteilten Set und machten mit urgewaltigem Blues Rock, erweitert um viele Facetten wie Swing, Dixie-Jazz, Roots-, Country- und Southern Rock, ihrem Bandnamen alle Ehre.

Mit Stücken wie dem sofort rhythmisch losrockenden Opener „If You Wanna Leave“, „Maybe It’s Alright“, „Paradise“, „I Used To Love You“ (tolle Ballade), dem Countryblues „Holler ‚N‘ Moan“, „The Straight And Narrow Line“ (mit fulminanten Sax-Solo von Hans Nybo) , „Too Many Roads“ (swampiger Southern-Stampfer), „China Gate“ (sehr atmosphärisch) und dem ungemein wuchtigen „Rock’N‘ Roll Ride“ war Set 1 an Abwechslungsreichtum und Spielfreude schon kaum zu toppen.

Aus der Sicht unseres südstaatlich geprägten Magazins gefielen neben Risagers gewohnt prägnanter Stimme, auch sein Wirken auf einer schwarzen Les Paul (diesmal auch mit einigen starken Soli und Twins), Emil Balsgaards Honkytonk-Piano-Einlagen, und Peter Skjernings durchaus im Southern Rock verankertes Slide-Gitarrenspiel. Letztgenannter verbirgt seine Haarpracht somit zurecht weiter unter einem schwarzen Cowboyhut!

Nach der Verschnaufpause vom ersten Akt, ließen die Jungs ihr „Train“ direkt wieder in bester Southern Rock-Manier durch den Adler-Saal rauschen. Einer meiner Alltime-Favoriten der Truppe, das so herrlich groovige „Burning Up“, begeisterte nicht nur meine Wenigkeit.

Ach ja, da waren natürlich auch wieder die vielen Ansagen von Thorbjørn und seinen Mitstreitern, wie üblich, immer bemüht, in unserer Sprache, was natürlich zu großer Erheiterung beitrug. So offenbarte der Bandleader – man glaubt es kaum – dass er auch mal ein Kind war. Und so erfuhren wir von seiner schon ganz frühen Liebe zum Blues und der der damit verbundenen Faszination für B.B. King, den er mit dem anschließenden Blues würdigte.

Country-Feeling verbreitete dann der „Long Forgotten Track“ mit schönen Bariton-E-Gitarren-Parts, während das ZZ Top-Trächtige „Hold Your Lover Tight“ vom neuen Silberling das Southern Rock-Herz höher schlagen ließ. Auch das Delta-bluesige „On My Way“ passte ebenfalls in unser Beuteschema.

Die grandios gespielten „Baby Please Don’t Go“ (mit integrierten ‚Dialog‘ der Bläser und Gitarristen) und das fetzige „All I Want“ (Twin Gitarren, quirliges Abschluss-Solo von Skerning) brachten die insgesamt begeistert mitgehende, mitklatschende und mitsingende  ‚Adler-Meute‘ regelrecht in Rage.

Bei den fälligen Zugaben grüßte Thorbjørn zunächst mal vorab mit einer „Christmas Card From A Hooker In Minneapolis“ (Tom Waits-Cover, performt nur von ihm und Emil Balsgaard am Piano), und verwandelte zum guten Schluss wieder im vollen Line-up samt seiner vehement plusternden Bläser mit „Opener“ und dem Jimmy Reed-Klassiker „Baby What’s On Your Mind“ die Baerler Straße regelrecht zur Bourbon Street.

Unser Fazit: Der charismatische Fronter und seine Band haben eine perfekte Mischung aus kurzweiligen, abwechslungsreichen und packenden Songs, gepaart mit spielerischer Klasse und Entertainment gefunden, die einfach Jeden mitreißt. Am Ende resümierte ein sichtlich begeisterter Bekannter ebenfalls: „Mit dem Kauf eines Thorbjorn Risager & The Black Tornado-Tickets erwirbst du quasi ein Rundum-Sorglos-Paket.“  Dem bleibt am Ende eigentlich nichts mehr hinzuzufügen…außer, dass auch noch die Lichtbedingungen und der Sound top waren (Kompliment ans Adler-Team)!

Line-up:
Thorbjørn Risager (lead vocals, guitar)
Peter Skjerning (guitars, vocals)
Emil Balsgaard (Keys)
Søren Bøjgaard (bass)
Martin Seidelin (drums, percussion, vocals)
Hans Nybo (saxophone, vocals)
Peter W Kehl (trumpet, percussion, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Thorbjørn Risager & The Black Tornado
Thorbjørn Risager & The Black Tornado bei Facebook
Ruf Records
Schwarzer Adler

Lindsay Ell – Support: Walker McGuire – 05.10.2017, Blue Shell, Köln – Konzertbericht

Hauptbild_Bericht

Auftakt in Sounds Of South für einen Kraftakt mit drei Konzerten an drei aufeinander folgenden Tagen. Den Anfang machte die kanadische New Country-Hoffnungsträgerin Lindsay Ell, die mit den beiden Burschen Jordan Walker Johnny McGuire, alias Walker McGuire, noch einen höchst talentierten Support-Act im Kölner Blue Shell mit dabei hatte.

Pünktlich wie die Maurer betraten Walker McGuire um 21:00 Uhr die kleine, in Rottönen recht spärlich ausgeleuchtete Bühne und setzten sich mit ihren Akustikgitarren auf die bereitgestellten Hocker. Schon beim Opener „Back Together“ erhielt man eigentlich bereits den Vorgeschmack auf das, was bei den sechs weiteren Stücken, in der insgesamt 35 Minuten währenden Spielzeit, passieren wird.

Und zwar wunderbar melodische Songs mit sich abwechselnden Lead vocals, immer wieder durchzogen von perfekt sitzenden Harmoniegesängen Marke Mini-Eagles, unterlegt mit einem flockigen Akustikgitarrenspiel beider Akteure. Wie wir von ihrem Tourmanager erfuhren, bringen die Jungs im Dezember eine neue CD auf den Markt. Als Appetizer hierzu gab das Texas/Kansas-Duo dann eigene Kompositionen wie „Mysteries Of The World“, das launige, einem Cancoon-Urlaub zu verdankende „What’s Your Name“, das einem ihrer Idole – John Mellencamp – angenäherte „18 Forever“ und „When It Rains It Pours“ zum Besten.

Anlässlich des plötzlichen Todes von Tom Petty hatten sie noch „Mary Jane’s Last Dance“ als Coverstück zu seinen Ehren parat, um danach mit ihrem bereits ausgekoppelten Top-40 Hit „‘Til Tomorrow“, eine kurzweilige gute halbe Stunde abzuschließen. Auch wenn es zunächst mal Kaffesatzleserei ist, mutmaßen wir mal, dass ihr neues Werk, dann mit Unterstützung der bewährten Nashville-Studio-Musiker, Liebhaber von Acts wie z. B. Love & Theft, Luke Combs, Halfway To Hazard, Sundy Best & Co. ansprechen wird. Gute Burschen!

Eine knappe Viertelstunde später trat dann der in Natura sehr klein und zierlich erscheinende Hauptact des Abends, Lindsay Ell, aufs Podium. Sie ist bereits seit 2010 beim starken Broken Bow–Unterlabel Stoney Creek Records unter Vertrag und hatte mit „The Project“ ihr aktuelles Album zur Vorstellung mit auf Reise, das von keinem Geringeren als der männlichen Sugerland-Hälfte Kristian Bush produziert worden ist (CD-Review folgt demnächst separat).

Die hübsche Blondine, einst von BTOs Randy Bachman entdeckt, hatte ja bereits vor geraumer Zeit im Schlepptau von The Band Perry in Köln ihr Können gezeigt und so hatten sich, für einen Länderspiel Abend der DFB-Vasallen, doch ganz manierliche 80 Zuschauer im Blue Shell eingefunden.

Auch Lindsay gelang es als Allein-Unterhalterin, ihren gut 60 Minuten währenden Gig sehr abwechslungsreich und ohne Längen zu gestalten. Dabei bewies das quirlige Leichtgewicht schon zum Auftakt bei „Wildfire“ ihre E-Gitarrenspiel-Qualitäten auf ihrer bunt gestylten Stratocaster mit teilweise bluesrockigem Touch, der nicht zuletzt – vermutlich als Ergebnis früheren intensiven Tourens mit Blues-Legende Buddy Guy – hinterblieben ist.

Über „The Project“-Tracks wie „Mint“, das flockige „Waiting On You“, das süffisante, R&B-angelehnte „Champagne“ (mit an einem E-Pad erzeugten Rhythmus-Effekten angetrieben) schritt sie zum ersten Coverstück „Slow Dancing In A Burning Room“, einer wunderbaren John Mayer-Ballade, die auch von ihr mit großartigem E-Gitarrenspiel plus Solo atmosphärisch dicht performt wurde.

Mit dem interaktiv gehaltenen „Good“ lotete sie einfach mal die vokalen Qualitäten der anwesenden Audienz aus, die ihrem Nachsingwunsch des Titels im kurzen Akustikteil des Abends ’stante pede‘ folgte. Ihre Wut über die schrecklichen Geschehnisse in Las Vegas entlud sich im, mit knarziger E-Gitarre untermalten und emotional besungenen „Castle“, für mich mit ein Highlight des Gigs.

Mit Reminiszenzen an alte Klassiker-E-Riffs von Tracks wie „Stairway To Heaven“, „Sweet Home Alabama“ als Intro mündete sie in Stevie Wonders „Superstition“, wo sie auch ihr Potential als Soulsängerin offenbahrte. Das melodische „Space“ sowie das wieder mit Stimmgeräuschen als Rhythmusgeber digital effekthascherisch versetzte „Criminal“ (mit krachendem E-Solo) beendeten einen kompakten, spielfreudigen sowie sehen- und hörenswerten Auftritt der Protagonistin, der vielleicht nur ein wenig Country-lastiger hätte ausfallen dürfen.

Die sympathische Künstlerin, ließ es sich nach dem Gig nicht nehmen, am Merchandising-Pult sämtliche Autogramm- und Bildwünsche bis zum letzten anstehenden Zuschauer zu erfüllen (ihr Manager hatte mit den unterschiedlichen Handys Schwerstarbeit zu verrichten) und posierte natürlich auch letzten Endes mit unseren Logo für die SoS-VIP-Galerie.

Dabei gab Lindsay uns bereits zu verstehen, dass sie voraussichtlich im März kommenden Jahres, – diesmal mit echter Bandunterstüzung – in die Domstadt zurückkehren wird und unterbreitete uns auch direkt eine Interviewmöglichkeit. Angesichts ihrer jetzt schon starken Solo-Leistung sind das doch mal schon hervorragende Aussichten für 2018. Wir kommen natürlich auch ein zweites Mal gerne wieder…

Line-up Lindsay Ell:
Lindsay Ell (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar, percussion)

Line-up Walker McGuire:
Jordan Walker (lead vocals, acoustic guitar, harmony vocals)
Johnny McGuire (lead vocals, acoustic guitar, harmony vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Lindsay Ell
Lindsay Ell bei Facebook
Walker McGuire
Walker McGuire bei Facebook
Wizard Promotions
Blue Shell Köln

SweetKiss Momma – Get Ready For The Getdown – EP-Review

SKM_Get_300

Review: Michael Segets

Im Gegensatz zum Vorgänger „What You’ve Got“ finden sich auf der aktuellen EP von SweetKiss Momma „Get Ready For The Getdown“ wieder mehr Southern-Einflüsse. Die neue Scheibe ist zudem deutlich abwechslungsreicher als die vorher veröffentlichte EP aus dem Jahr 2015. Besonders auffällig ist der ausgiebige Einsatz der Keyboards, der sich auf den früheren Scheiben von SweetKiss Momma so nicht findet. Musikalisch erweitert die Band um Kopf und Sänger Jeff Hamel damit ihren Sound, ohne dass ihr Wiedererkennungswert verloren geht.

Temporeich wird die EP von den beiden Rock ’n Roll-Stücken „Old Dry Bones“ und „Go On, Get Off“ eröffnet. Der erste Song kommt schön erdig daher. Jeff Hamel bläst in die Mundharmonika, Aaron Arnold steuert ein Gitarrensolo bei und Tyson Lickert traktiert das Schlagzeug vor allem gegen Ende so energisch, dass alle Rocker ihre Freude haben. Beim zweiten Titel kommt Dan Walker an den Tasten das erste Mal zum Einsatz, wobei die Keyboards dem Song einen vollen Klang geben.

Nach dem bereits sehr gelungen Einstieg folgt mit „Just Have You“ der Höhepunkt des Albums. Hier ist das typische Songwriting von Jeff Hamel durch den Wechsel von Gesang, akzentuierten Gitarrenriffs und kurzen Breaks deutlich erkennbar. Die Instrumentalpassage, unterlegt von einem treibenden Schlagzeug, versprüht ordentlich Southern Rock-Flair.

Eine dunkle Atmosphäre entwickelt „Woman Of Wickedness“ vor allem durch härtere Gitarrenriffs und den durch die Keyboards erzeugten Klangteppich. Spannung wird zudem durch Varianz im Rhythmus aufgebaut. Jake Melius überzeugt dabei am Bass.

„Between The Flood And The Fire“ fängt als Gospel an, bei dem Jeff von seinen Familienmitglieder Kim und JT Hamel unterstützt wird. Danach verliert sich das Stück über vier Minuten in einem unspektakulären Instrumentalgeplänkel.

Mit Ausnahme dieses Tracks sind die einzelnen Songs tolle Nummern, auch wenn sie vielleicht nicht ganz an die Highlights der ersten beiden Longplayer heranreichen. In der Gesamtschau bietet „Get Ready For The Getdown“ – zieht man die fünf Minuten des Abschlussstücks ab – eine gute Viertelstunde Rockmusik, wie man sie von SweetKiss Momma hören möchte.

Die Band aus Seattle nutzt die neue Veröffentlichung, um zum dritten Mal Europa zu besuchen. Die Tour im November und Dezember führt SweetKiss Momma diesmal leider nicht in die Krefelder Kulturrampe, wo sie mich letztes Jahr noch mehr als Daniel begeisterte. Diejenigen, die nicht die Möglichkeit haben, sich an einem vorweihnachtlichen Konzertbesuch zu erfreuen, können sich mit „Santa’s Got Bad Intentions“, einem Track von SweetKiss Momma auf dem Sampler „A Band In Seattle“, trösten.

Eigenproduktion (2017)
Stil: Rock/Southern Rock

01. Old Dry Bones
02. Go On Get Off
03. Just Have You
04. Woman Of Wickednesss
05. Between The Flood And The Fire

SweetKiss Momma
SweetKiss Momma bei Facebook
Black Pike Favorites

Albert Castiglia – Up All Night – CD-Review

Castiglia_300

Review: Gernot Mangold

„Up All Night“, der Titel des mittlerweile achte Soloalbum von Albert Castiglia, kann auch als Synonym seiner Musikerlaufbahn gesehen werden. Spätestens seit den 2014 und 2016 erschienenen Alben „Solid Ground“ und „Big Dog“ scheint der in Florida lebende und in New York geborenen Castiglia seinen Stil, mit einem rauhen schnörkellosen Blues Rock gefunden zu haben.

Eine positiven Einfluss müssen wohl auch die Dockside Studios auf Castiglia ausstrahlen, in dem er schon die letzte Platte aufnahm. Er selbst sagte: „Warum sollte ein Ort verändert werden, an dem man sich wie zu Hause fühlt?“ Ein weiterer Faktor der zum Gelingen beigetragen haben dürfte ist, dass Mike Zito „Up All Night“ produzierte. So kann man bei einigen Songs auch musikalische Nähe zu einem Blues im Stile eines Stevie RayVaughn erkennen, ohne dass der Verdacht besteht, es wird ein Abklatsch versucht.

Mit „Hoodoo On Me“ nimmt die Platte schon im ersten Stück Fahrt auf. Unterstützt von seiner Rhythmussektion, Jimmy Pritchard am Bass und Brian Menendez an den Drums, bleibt Castiglia genügend Spielraum, seine Künste mit schnellen Soli auszuleben.

„I Been Up All Night“ ist mein absoluter Favorit auf der Platte. Dies mag auch daran liegen, dass der Gesang und manche Passagen mich an Randy Bachman von BTO, einen meiner Lieblingsmusiker erinnern. Einfach guter rockiger Blues! Das jammende „Three Legged Dog“ anfangs etwas düsterer daher kommend, endet in einem schnellen Gitarrensolo, welches live einen großen Spielraum bergen könnte.

„95 South“ eine schnelle rockige Nummer, dieauch aus der Feder eines John Fogerty kommen könnte und ist für mich das zweite absolute Highlight der Scheibe, an das „Knocked Down Loaded“ stilistisch fast nahtlos anschließt.

Mit „Quit Your Bitching“, aus der Feder von Mike Zito, wird etwas Fahrt aus der Geschichte genommen. Eine schöne Nummer, ein klein wenig swingend, auch als Untermalung in einer Bar gut geeignet. Nach dieser kurzen Atempause nimmt Castiglia mit „Woman Don’t Lie“ wieder Tempo in seinem eher rauhen Blues auf.

Bei „Unhappy House Of Blues“ wird das Trio von Lewis Stephens an den Keyboards und Johnny Sansone an der Mundharmonika unterstützt, was dem Song die nötige Breite gibt, um eine leicht tragende, zum Teil traurige Stimmung zu verbreiten. Da kommt das eher stimmungsvoll, peppige „Delilah“, in dem Sonny Landreth an der Slide Guitar unterstützt, genau richtig, dass gar nicht die Gefahr besteht in einen „depressiven Blues“ zu verfallen.

Mit „Chase Her Arround The House“ „küsst“ Castiglia den Rock’n’Roll: Eine Tanznummer für einen Honkytonk-Laden, mit schönen typischen Piano-Hintergrundeinlagen.

Den Abschluss bildet mit „You Got Me To That Place“ ein Old School Blues, der auch als Anspielung auf die Dockside Studios gesehen werden kann, da im Refrain zum Ende ein „where I never wanna ever leave“ ergänzt wird. Wenn es Castiglia mit Band gelingt, das Niveau auf kommenden Alben fortzusetzen, und der Aufnahmeort eine wichtige Rolle zur Stimmung beiträgt, ist es mit Sicherheit keine schlechte Idee, diesbezüglich nicht zu experimentieren.

Mit „Up All Night“ ist ihm auf jedem Fall eine abwechslungsreiche und starke Platte gelungen, die sich der Bluesfan nicht entgehen lassen sollte. Schön wäre es, wenn Castiglia und Band in naher Zukunft auch die hiesigen Breiten besucht, um den Liebhabern des Genres auch live seine Songs zu präsentieren.

Musiker:
Albert Castiglia – Guitar & Lead Vocals
Jimmy Pritchard – Bass
Brian Menendez – Drums

Gäste:
Mike Zito – Guitar & Vocals
Lewis Stepens – Keyboards
Johnny Sansone – Harp
Sonny Landreth – Slide Guitar

Ruf Records (2017)
Stil: Blues Rock

01. Hoodoo On Me
02. I Been Up All NIght
03. Three Legged Dog
04. 95 South
05. Knocked Down Loaded
06. Quit Your Bitching
07. Woman Don’t Lie
08. Unhappy House Of Blues
09. Delilah
10. Chase Her Around The House
11. You Got Me To That Place

Albert Castiglia
Albert Castiglia bei Facebook
Ruf Records

Andy Frasco And The U.N. – 02.10.2017, Blue Notez, Dortmund – Konzertbilder

Frasco_Haupt

Andy Frasco im fast vollen Club. Bereits zum 5. Mal im blue notez. Zwei Sets plus Zugaben. Meine Highlights „Ramble On“ (Led Z.) und „It’s Been A Struggle“ (Polka), das mich ein wenig an die Familie Popolski erinnerte. Vom ersten Song hatte Andy sein jüngeres Publikum im Griff. Singeinlagen, Tanzspielchen und Jägermeister lockerten die Darbietung auf. Party pur, da blieb kein Fuß still. Eine klasse Band die man gesehen haben sollte!

CD Tipp: „Songs From The Road“ (CD+DVD live aus Bamberg)

Line-up:
Andrew Frasco (lead vocals, keys)
Shawn Eckles (electric guitar)
Ernie Chang (saxophone)
Niels Kant (trumpet)
Andee Avila (drums, vocals)
Chris Lorentz (bass)

Text und Bilder: Peter Schepers

Andy Frasco And The U.N.
Andy Frasco And The U.N. bei Facebook
Ruf Records
Blue Notez Dortmund

Six Sanchez – ‚Till The Last One’s Gone – CD-Review

Six Sanchez_300

Hervorragendes „Real Country“-Debüt von Six Sanchez. Der in Austin geborene und in Zentral-Texas aufgewachsene Musiker veröffentlicht sein erstes Solo-Album unter der Regie von Trent Willmon.

Sanchez, zu einer Karriere als Countrykünstler animiert und unterstützt von seinem Vater, hatte früher schon einmal mit seiner Ex-Band Lost Wolf mit dem Song „She’s Gone“ einen Top-10-Hit in den Texas Music-Charts zu verzeichnen.

Unter den Fittichen von Trent Willmon, der alle Stücke mit diversen Co-Writern u. a. wie Brandon Lay, Chris Cavanaugh, Larry McCoy und Adam Yarger komponiert und produziert hat, überzeugt der Protagonist auf ganzer Linie.

Im besonderen Fokus dürfte die erste Single „Dance In The Rain“ (knackig stampfender Countryrocker mit viel Bakersfield-Drive) stehen, bei der kein geringerer als Shooting Star Chris Stapleton kompositorisch involviert war. Six beweist sein Talent in dieser Hinsicht bei der wunderbar Pathos-getränkten Ballade „Talkin‘ With My  Hands“. Einzige Fremdkreation ist das aus der Feder von Jeff Bates, Ben Hayslip und Rusty Tabor stammende „You Can’t Take It With You“ (auch eine schöne Ballade mit weinender Steel und Bariton-E-Gitarre).

Seine kräftige Stimme zeichnet sich durch den typischen Country-Schmelz neo-traditionalistischer Kollegen wie Blake Shelton, Justin Moore, Dustin Lynch & Co. aus.

Einen weiteren, nicht unerheblichen Teil am Gelingen des Werkes, haben die grandios aufspielenden und zusammenwirkenden Musiker Brian Pruitt (drums), Steve Bryant (bass), Carl Miner (acoustic guitar, banjo), die beiden filigranen E-Gitarristen JT Corenflos und Justin Ostrander, der omnipräsente Scotty Sanders (steel guitar), David Dorn (keys) und Russell Terrell (bgv).

Und so zünden auch alle anderen Tracks wie die beiden flockigen Opener „She’s Got Her Country On“ (klasse Banjo-Untermalung) und das launig groovende „Broken Heart“ (Orgel, Piano, klasse zweigeteiltes Southern E-Solo), die beiden saustarken relaxten Southern Soul-Stücke „Blue Collar“ sowie „Old Soul“ (mit tollen E-Gitarren), die fulminant, in Bakersfield-Manier abgehende Uptemponummer „My Thang“, das southern-blues-rockige „One Of Those“ (knarzende Bariton- und Slide-Gitarre, gurgelnde Orgel) und das melancholische Titelstück am Ende, als überaus kurzweiliger Mix.

In Anlehnung an das allseits bekannte, gegenseitige Abklatschen, nach einer gelungenen Aktion mit einem ‚Gimme Five‘, kann es bei uns nach dem starken Debüt „‚Till The Last One’s Gone“ des texanischen Durchstarters eigentlich nur heißen: „Gimme Six… Sanchez“! Klasse Scheibe!

Burning Canoe Records (2017)
Stil: New Country

01. She’s Got Her Country On
02. Broken Heart
03. Blue Collar
04. Talkin‘ With My Hands
05. My Thang
06. Old Soul
07. Dance In The Rain
08. You Can’t Take It With You
09. One Of Those
10. ‚Till The Last One’s Gone

Six Sanchez
Six Sanchez bei Facebook
Bärchen Records

King King – Exile & Grace – CD-Review

KingKingExile_300

Review: Jörg Schneider

Bereits vor zwei Jahren wurde ich das erste Mal auf die Band mit dem charismatischen, Schottenrock tragenden Frontmann Alan Nimmo aufmerksam. Leider kam es aber zeitlich nie aus, dass ich mal eines ihrer Konzerte besuchen konnte. Umso gespannter war ich natürlich auf das mittlerweile fünfte Album der Glasgower Jungs, die im Laufe ihrer achtjährigen Bandgeschichte bereits dreimal zur besten britischen Bluesband gewählt wurden und sich in bester Gesellschaft mit Joe Bonamassa in der British Blues Awards Hall Of Fame befinden.

„Exile & Grace“ unterscheidet sich merklich von den Vorgängeralben, die alle durchweg wesentlich bluesig-poppiger waren. Das neue Album ist eine Reminiszenz an die guten alten 70er Jahre („Heed The Warning“) und deren bekannte Rockbands. Es ist also deutlich härter und rockiger als die ersten Alben, wenngleich es trotzdem Elemente aus dem Bereich des Blues Rock enthält. Fast alle Tracks der auf dem Silberling enthaltenen neun Lieder lassen die Kraft und den Geist von so großartigen Bands wie zum Beispiel Bad Company oder Whitesnake wieder aufleben.

Bei allen Stücken steht Alan Nimmos markante Stimme im Vordergrund, in den Refrains oft mehrstimmig unterstützt. Zudem sind die Songs vielfach, 70er Jahre typisch, mit einem partiellen dezenten, Synthesizer-ähnlichen Klangteppich unterlegt („Broken“). Stimmige Leadgitarreneinlagen runden das rockige Gesamtbild ab.

Der einzige reine Blues auf dem Album ist „Find Your Way Home“, die anderen Nummern sind allesamt in ihrer Gangart härter, treibender („She Don’t Gimme No Lovin’“) und immer zum Abtanzen (z. B. das straighte „Long Time Running“) geeignet. Das Blues Rock-Stück „Betrayed Me“ erinnert in Tempo und Stil stark an Bad Company, während „I Don‘t Wonna Lie“ und das harte „Tear It All Up“ eher in die Richtung von Whitesnake tendieren. „Nobody Knows Your Name“ hebt sich durch ein Intro mit Southern Rock-typischen Elementen, die sich wiederholend durch den gesamten Song ziehen, stilistisch etwas vom Rest der CD ab.

Insgesamt ist „Exile & Grace“ ein kraftvolles Album mit deutlichen Classic Rock Anleihen. Es sage also niemand, die Schotten könnten nur Dudelsack. Dass dem tatsächlich nicht so ist, beweist King King hier mit Nachdruck. Vom 01.03.2018 an gehen die Schotten übrigens wieder auf eine 14-tägige Deutschlandtournee, ein guter Anlass also, um sich von den musikalischen Qualitäten der Jungs zu überzeugen, die zur Zeit sicherlich nicht umsonst eine der angesagten Bands Großbritanniens sind.

Line-Up:
Alan Nimmo – Vocals, Gitarre
Lindsay Coulson – Bass
Wayne Proctor – Drums
Bob Fridzema – Keyboards

Manhaton Records (2017)
Stil: Blues Rock/Classic Rock

01. (She Don’t) Gimme No Lovin‘
02. Heed The Warning
03. Broken
04. Find Your Way Home
05. Tear It All Up
06. Betrayed Me
07. Long Time Running
08. Nobody Knows Your Name
09. I Don’t Wanna Lie

King King
King King bei Facebook
Brooke Lynn Promotion

Hogjaw, 29.09.2017, Blue Notez, Dortmund – Konzertbilder

Hogjaw_Hau

2. Tourtag der Hogjaw-„Way Down Yonder“-Tour im Dortmunder blue notez club. Vor gut gefülltem Haus spielte die sympathische Südstaatengruppe aus Arizona ein tolles Konzert. Bereits nach den ersten Songs war klar, dass es hier heute Abend nur straighten Southern Rock gibt. Es kommt schon sehr homogen daher, was Sänger und Gitarrist Jonboat Jones, Jimmy Rose an der Leadgitarre, Elvis DD am Bass und Kwal, der Drummer an Sound abliefern. Das erste Set endet nach sieben Titeln mit dem Hammersong „County Line“ (inklusiv einem nicht enden zu scheinenden E-Gitarrensolo).

Nach kurzer Pause ging es durch das zweite Set. Ein Kracher folgt dem nächsten. Nach über zwei Stunden plus zweier Zugaben ist Schluss. Ein rundherum zufriedenstellender Gig. Diese Truppe sollte man gesehen haben. Gelegenheit gibt es auf der Tour noch genug. Unter anderem auch in Krefeld!

Line-up:
Jonboat Jones (lead vocals, electric guitar)
Jimmy Rose (electric guitar, vocals)
Elvis DD (bass)
J. ‚Kwall‘ Kowalski (drums)

Text und Bilder: Peter Schepers

Hogjaw
Hogjaw bei Facebook
Teenage Head Music
Blue Notez Dortmund