Wishbone Ash – Support: Doris Brendel – 27.01.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Ein überragender Abend mit Wishbone Ash und ihrem Support Doris Brendel im Musiktheater Piano in Dortmund, wenn auch zunächst nicht ganz rund verlaufen. Die Bands waren verspätet am Ort des Geschehens eingetroffen und hatten vermutlich auf einen Soundcheck hinter ‚verschlossener Tür‘ bestanden. Das hatte bei einem ausverkauften Haus im Piano zu einer langen dicht gedrängten Warteschlange bis durch die ganze Kneipe geführt. Besitzerin Jenny Dore war die ‚dicke Krawatte‘ angesichts des damit wohl verbundenen Verlust an Getränkeumsatzes förmlich anzumerken.

Hier hätten sich die Akteure eigentlich keinen Zacken aus der (britischen) Krone gebrochen, wenn man die Vorbereitungen unter Anwesenheit des Publikums durchgeführt hätte. Brexit hin oder her, es wären sicherlich keine Staatsgeheimnisse offeriert worden. Immerhin, nach einigem hektischen Treiben, betraten Doris Brendel samt Band und ihren markanten Kostümierungen, kurz nach 20:00 Uhr die Bühne.

Das Quintett präsentierte einen 6-Stücke-Set, wobei das immer noch aktuelle Album „Upside Down World“ mit den Stücken „Slap Me And You Die“, „A Little Act Of Defiance“ und dem schönen „Adored“ das Grundgerüst bildete. Das soundtechnisch noch nicht perfekt funktionierende, proggige „You’re Losing It“ als Opener, „Latest Fantasy“ und das finale, mit  zusätzlichen Trommeln von Gitarrist Lee Dunham und Bassist Lincoln Spalding begleitete „The One“, sorgten für eine kurzweilige Dreiviertelstunde, mit einigen schönen Lichteffekten seitens Brendels (Laserleuchthandsschuhe und -wedel), in Neofolk-, klassisch- und keltisch-umwehten Rock-Ambiente, Richtung Acts wie Runrig & Co. Ein schöner und auch durchaus gut passender Support für Wishbone Ash. Die separate Bildergalerie kann man hier anklicken.

Der Headliner des Abends (übrigens 1980 mein aller erster größerer Gig in meinem damalig noch jungen Leben) inklusiv seines charismatischen Bandleaders Andy Powell, ja quasi ein Urgestein der Rockmusikgeschichte, schien sich, aufgrund der Unannehmlichkeiten, besonders ins Zeug legen zu wollen. Ich habe die Band noch nie so gut gesehen.

Das lag hauptsächlich an der Einbindung des neuen Zweitgitarristen Mark Abrahams, in dem Powell jetzt einen absolut kongenialen Partner gefunden zu haben scheint. Der spielte sich im Gegensatz zum eher introvertierten Vorgänger-Gitarristen Muddy Manninen vor fast einem Jahr an gleicher Stelle, teilweise regelrecht in einen Rausch, lächelte oft ins Publikum und hatte offensichtlich großen Spaß an den deutlich mehr gewährten spielerischen Freiheiten seitens des Bandleaders.

Der hatte ebenfalls sichtliche Freude, hier nochmals so richtig von einem Jungspund gefordert zu werden. Er gab sich natürlich keine Blöße und brillierte ebenfalls. Das obligatorische Instrumental „Bonafide“ als Eröffnung diente zur Abstimmung der Twin-Passagen, das berühmte und kaum jemals in dieser Form von anderen Interpreten übertroffene Markenzeichen und Stilmittel der Kulttruppe, an diesem Abend natürlich wieder reichhaltig praktiziert.

Die starke Rhythmusfraktion aus Drummer Joe Crabtree und dem kauzigen Langzeit-Bassisten Bob Skeat (wieder mit beeindruckend aussehendem Rickenbacher-Viersaiter) bildete das gewohnt kräftige Fundament für die beiden E-Gitarristen (Abrahams überwiegend mit einer Gibson Les Paul und sporadisch einer Stratocaster agierend, Powell größtenteils mit seinen typischen Flying V Gibsons).

Eine nette Geste war es, Doris Brendel und Lee Dunham für einige Stücke wie den Ohrwurm „Way Down South“ und die ‚epische Phase‘ samt Klassikern wie „The King Will Come“ und den ineinander übergehenden „Warrior“ und „Throw Down The Sword“, sowie den beiden finalen großartigen Zugaben, mit als Backgroundsänger einzubinden.

Schön war auch der Akustikteil mit den beiden Tracks „Leaf And Stream“ und dem geschichtsträchtigen „Wings Of Desire“. Bei einem der Highlights des Gesamt-Gigs, dem Instrumental „F.U.B.B.“ zog der fingerfertige Abrahams dann wirklich auch alle Register heutiger soundtechnischer Gitarren-Effekt-Spielereien an seinem Fußboard. Grandios, was hier bei seinen variablen Soli abging.

Die weiteren Klassiker wie das herrlich rockende „Jailbait“ und das ebenfalls furiose WA-Uralt-Paradestück „Phoenix“, sowie die launigen Zugaben „Blowin‘ Free“ und der megastarke Rausschmeißer „Faith, Hope & Love“ (mit Reggae-Touch am Schluss, tolle Hamoniegesänge von Brendel) ließen das proppevolle Musiktheater zu Begeisterungsstürmen avancieren. Als Andy Powell die beeindruckende Performance seiner Band mit dem plakativen Statement „faith, hope and love … is everything you need!“ beendete, gab es kein Halten mehr und das Quartett wurde mit Standing Ovations in den Feierabend verabschiedet.

Line-up Wishbone Ash:
Andy Powell (lead vocals, lead guitar)
Mark Abrahams (lead guitars, vocals)
Bob Skeat (bass, vocals)
Joe Crabtree (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Wishbone Ash
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Doris Brendel – 27.01.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbilder

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Das bunt kostümierte Quintett um Bandleaderin und Namensgeberin Doris Brendel präsentierte sich an diesem Abend im Dortmunder Musiktheater Piano als angemessener und auch durchaus gut passender Support für Wishbone Ash.

Line-up Doris Brendel:
Doris Brendel (lead vocals, flute)
Lee Dunham (lead guitars, vocals, percussion)
Lincoln Spalding (bass, vocals, percussion)
Sam White (drums)
Rob Lindop (keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Doris Brendel
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Devin Dawson – Dark Horse – CD-Review

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Mit Devin Dawson betritt ein weiterer hochtalentierter Jungkünstler die Bühne Nashvilles. Kein geringerer als Star-Produzent Jay Joyce (The Wallflowers, Emmylou Harris, John Hiatt, Eric Church, Little Big Town) erkannte sein Potential und verhalf dem zuvor bereits durch YouTube-Clips populären Burschen, direkt zu einem Major-Kontrakt bei Warner Music Nashville.

Zwölf gelungene Eigenkompositionen (mit teilweise namhaften Co-Writern wie a. a. Barry Dean, Brett Beavers und den Warren Brothers), sein starker variabler Gesang und seine Einbindung an der Akustikgitarre (da gibt es ja wahrlich auch viele Spezialisten unter Nashvilles Studiomusiker-Zunft) sind zweifellos Indikatoren dafür, warum Joyce hier frühzeitig seine Fühler in Richtung Dawson ausgestreckt hat.

Trotz seines Lippenbekenntnisses im Titelstück „Dark Horse“ mit „my heart bleeds for country music“ benötigt man, wie schon in letzter Zeit bei Kollegen der Marke Brown, Hunt, Rhett & Co., meiner Ansicht nach, bis auf ein paar typischer Akustik- und E-Gitarrenspiel-Ingredienzien (Steel-ähnliches Slide, Bariton-E-Fills), doch ein erhebliches Maß an Phantasie, um Genre-Bezüge herzustellen.

Vieles erinnert mich persönlich von der dezent introvertierten, melancholischen Art und auch vom Gesang her, an die weniger Blues-betonten Sachen eines John Mayers. Überwiegend sehr schöne Musik zum Relaxen, manchmal auch tanzbar, nicht zuletzt auch dank der sehr transparent und glasklaren Produktion von Joyce.

Wir tauchen mit „Dip“, „Placebo“, „War Paint“ und „Prison“ in zum Teil sehr kühl und distanziert wirkende Klangwelten ein, aber genießen auch mit Stücken wie „Second To Last“ oder „Symptoms“ das wärmende Esprit R&B-lastiger Kreationen.

Besonders Spaß bereiten mir die Sachen, wo zumindest unterschwelliges (New) Country-Flair aufkommt. Hier stehen mit dem wunderschönen Ohrwurm „All On Me“ (erste Single mit Top-20-Platzierung), dem atmosphärischen „Asking For A Friend“ (Acoustic Slide), „I Don’t Care Who Sees“, dem Schwofer „Secondhand Hurt“, „I Can’t Trust Myself“ und dem finalen, Melancholie-getränkten Titelstück „Dark Horse“ doch gut die Hälfte der Tracks zu Buche.

Trotz eines gewissen Faibles Devin Dawsons für die Dunkelheit (Coverartwork mit allen Texten als auch der Videoclip zur ersten Single sind komplett im düsteren Bereich der Schwarz/Weiß-Skala gestaltet), stellt der Protagonist mit seinem insgesamt hörenswerten Debütalbum „Dark Horse“ die Weichen in eher rosarote Zeiten.

Atlantic/Warner Music Nashville (2018)
Stil: R&B, Countrypop

01. Dip
02. All On Me
03. Asking For A Friend
04. Second To Last
05. Symptoms
06. I Don’t Care Who Sees
07. Secondhand Hurt
08. Placebo
09. War Paint
10. I Can’t Trust Myself
11. Prison
12. Dark Horse

Devin Dawson
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Warner Music Germany

Thunder – 23.01.2018, Kantine, Köln – Konzertbericht

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Ich kenne eigentlich niemanden in meinem Southern Rock-Bekanntschaftskreis, der nicht auch irgendwie Sympathien für die britische Hard Rock-Band Thunder empfindet. Gutes, melodisches, niveauvolles und auch viel launiges, biersüffiges Songmaterial, charismatischer Leadgesang samt starker Band-Persönlichkeiten, hervorragende Gitarrenarbeit, sind allesamt, auch in ‚unseren‘ Kreisen, gern registrierte Attribute.

So bin ich seit Anfangstagen in Besitz aller ihrer eigentlich ausnahmslos gelungenen Studioalben und auch einiger Live-Tonträger. In unseren Landen war die Band um Luke Morley und Danny Bowes nie die ganz große Nummer, sondern eher immer ein gern gebuchter und angesehener Anheizer für Festivals und die ganz großen Acts der Hard Rock und Heavy Metal-Szene. Es reichte als Headliner meist, wenn überhaupt, leider höchstens für Hallen der mittleren Kategorie.

Seitenprojekte, nach sporadischen Trennungen und Reunion der Band, ihrer beiden Leader (Bowes & Morley) und auch von Chris Childs und Harry James (wieder mit herrlich kauziger Erscheinung) bei Shadowman, waren stets von gewohnt ordentlicher Qualität, fanden aber kommerziell gesehen, lediglich überschaubare Beachtung.

Live habe ich die Briten bisher zweimal erlebt, einmal 1995 in der proppevollen Bochumer Zeche (mit Lee Aaron als Support) am vermeintlichen Zenit ihrer Karriere und viele Jahre später auch nochmals an gleicher Stelle, was aber auch schon weit über zehn Jahre her ist. Schön, dass sich jetzt wieder im Rahmen ihrer aktuellen „Rip It Up“-Tour, in der Kölner Kantine, erneut die Gelegenheit, diesmal sogar im Rahmen eines Konzertberichts ergab. Nur enttäuschende, knapp etwas über 300 Zuschauer, hatten letztendlich an einem Dienstag in der Woche die gleiche Intention wie wir.

Zunächst hatte die Dortmunder Band Markk 13 mit Eigenkompositionen im Dunstkreis klassischen 90er Hard Rocks a la Bonfire und Konsorten wie u. a. „Dead Widow“, Girls Gone Wild“ und „Bad Side Of The City“ für eine halbe Stunde den Support-Act gegeben, wobei Gitarrist Roman Rakete mit einigen quirligen E-Soli punkten konnte. Eine ganz passable Vorstellung.

Nach 30 Minuten Umbaupause betraten um 21:00 Uhr Bowes, Morley, James, Childs und Ben Matthews die Bühne, um mit „Wonder Days“, dem Titelstück ihres vorletzten Albums, sofort den Stimmungspegel auf ein beträchtliches Maß anzuheben (und auch bis zuletzt zu halten). Über „The Enemy Inside“, „Serpentine“ ging es zu „Ressurection Day“, das die überstandene Krebserkrankung mit den damit verbundenen Unannehmlichkeiten von Ben Matthews reflektiert.

Mit „Right From The Start“ folgte das erste Stück des neuen Werkes „Rip It Up“ und zugleich die erste der berühmten Thunder-Semi-(Akustik) Balladen, bei der Danny mit emotionalem Gesang und Luke mit seinen filigranen Soli (hier an der Stratocaster) glänzten. Die beiden Thunder-Klassiker „Backstreet Symphony“ und „Higher Ground“ führten zum ersten Siedepunkt des Gigs.

Überhaupt trug der nicht zu bremsende, stetige Unruheherd, Danny Bowes, wie immer, seinen erheblichen Teil dazu bei, dass der beträchtliche Unterhaltungswert garantiert war. Er sang in seiner unnachahmlichen Art, kreischte, wirbelte über die Bühne, hüpfte und animierte die Zuhörerschaft immer wieder zur Interaktion. Das war durchgehend 120% pure Energie, obwohl der Mann mittlerweile ja auch schon stramm auf die Sechzig zugeht.

Das starke atmosphärische „In Another Life“ (hymnisch anmutendes Solo von Morley am Ende), das stoneske „The Thing I Want“ und die Killerballade „Don’t Wait For Me“ (Highlight!) waren die Vorboten für ein furioses Finish-Trio mit Tracks wie „She Likes The Cocaine“, dem 90er-Hit „Love Walked In“ und dem zünftigen „I Love You More Than Rock’n’Roll“ zum Ende des Hauptteils.

Die stürmischen Zugabeforderungen des begeistert und frenetisch mitgehenden Publikums wurden mit dem launigen Who-Evergreen „Substitute“ (sprichwörtlich als Ersatz für das eigentlich geplante „River Of Pain“) und „Dirty Love“ (Bowes zelebrierender Auftritt beim Intro war schon allein das Eintrittsgeld wert) bestens gewürdigt, bei dem das Quintett der diesmal, auch mit vielen jüngeren Menschen durchsetzten Audienz, wie so oft bewies, dass Männer unseres Alters immer noch höllisch intensiv abrocken können. Unterhaltung pur, ein absolut starker und kurzweiliger Abend mit Thunder in der Kölner Kantine – natürlich auch für Southern Rock-Freaks wie uns!

Danke an Marcus Neu (Kantine) für die Akkreditierung!

Line-up:
Danny Bowes (Lead vocals)
Luke Morley (Electric and acoustic guitars, vocals)
Ben Matthews (Keyboards, electric guitar, vocals)
Chris Childs (Bass, vocals)
Harry James (Drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Thunder
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Kantine Köln

Blues Caravan – 21.01.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Was für ein grandioser Abend im Musiktheater Piano in Dortmund! Labelinhaber Thomas Ruf, hat diesmal im Rahmen eines 22 Konzerte umfassenden Blues Caravans durch Deutschland mit Bernard Allison und Mike Zito, zwei echte Blues-Rock-Schwergewichte auf die Reise geschickt und ihnen mit der Kroatin Vanja Sky noch eine talentierte weibliche Newcomerin in Obhut gegeben, deren neue CD „Bad Penny“ es auch ein wenig bei uns zu promoten galt.

Dem nicht genug. Mit Star-Bassist Roger Inniss, den wir ja neulich schon bei Tasha Taylors Konzert bewundern durften, und dem furiosen Drummer aus der Bernard Allison Band, Mario Dawson, wurde das musikalische Treiben der drei Protagonisten in Sachen Rhythmus-Sektion, mit absoluter Weltklasse unterfüttert.

Auch Bernard Allisons neues Werk „Let It Go“ steht in den Startlöchern, zudem hatte Ruf Records ja noch anlässlich des 20. Todestages seines Vaters Luther im letzten Jahr ein fantastisches, limitiertes LP-Set auf den Markt gebracht, sodass der Geist dieser Blues-Musik-Ikone naturgemäß im Konzert  mitschwebte und auch mit Stücken gehuldigt wurde.

Aber von vorne. Pünktlich um 20:00 Uhr (vorbildlich!), betraten die Musiker samt Label-Chef die Bühne. Blickfang war zunächst natürlich der weibliche Part des Trios, der mit hochhackigen Stiefeletten, einer super-eng anliegenden Leggings und einem Flokati-ähnlichen weißen Überwurf, rein optisch, auch eher anderen Gewerben als dem Blues-Musikertum, hätte zugeordnet werden können. Aber was soll’s, scheiß was auf ‚Haute Couture‘, hier geht’s schließlich um Musik!

Nach Rufs Vorstellung stieg das Quintett mit Luther Allisons „Low Down And Dirty“, dem Stück, mit dem man das Ereignis auch als Trailer beworben hatte, in den Gig ein. Der abwechselnde Gesang der drei Hauptdarsteller und die surrenden E-Gitarren (Bernard mit klasse Slide), samt des damit verbundenen Southern Blues Rock-Flairs, waren natürlich direkt nach unserem Gusto. Stark!

Zu loben ist besonders die kurzweilige Gestaltung des Abends. Im Anschluss hatte jeder der drei Protagonisten Gelegenheit, sich in kleineren Segmenten, in eigener Sache zu präsentieren und zeitweise zu pausieren. Lediglich Inniss und und Dawson mussten richtig schuften, die spielten von Beginn bis Ende durch.

Los ging es mit Vanja Sky, die mit ein paar Stücken aus ihrem neuen Album „Bad Penny“ aufwartete. Ihre gute Stimme, ordentliches Gitarrenhandwerk und Songwriting, geben Hoffnung, in einem, von Damen mittlerweile auch stark frequentierten Genre, demnächst Fuß fassen zu können. Mike Zito kam zur Unterstützung zweimal mit auf die Bühne. Hängen blieb u. a. das Slide-trächtige „Crossroads Of Life“,  die Rory Gallagher-Cover-Nummer „Bad Penny“ und das Rhythm-bluesige, abschließende „Give Me Back My Soul“.

Als nächster war mit Mike Zito, einer meiner persönlichen Lieblings-Blues Rocker, an der Reihe. Mit seiner tollen Stimme, seiner Southern-umwehten Interpretation des Blues Rocks und all seinen ausnahmslos starken Alben, hat er sich schon lange in mein Herz gespielt. Jetzt hatte ich endlich auch mal die Gelegenheit, ihn live zu erleben (übrigens, wie sich nachher am Merchandising- Stand herausstellte, auch ein sehr sympathischer Typ).

„One More Train“, „Keep Coming Back“, das überragende „Gone To Texas“, „Wasted Time“ (mit Stevie Ray Vaughan-Flair) und „Make Blues Not War“, das Titelstück seines aktuellen Albums, und das Southern Rockige „Highway Mama“ hießen die Stationen seiner brillanten ‚Solo‘-Performance. Danach folgte eine viertelstündige Pause.

Der wie ein Rasta-lockiger Mafiosi in Erscheinung tretende Bernard Allison, legte als Spaßmacher im Bunde samt Inniss und Dawson, mit einem fingerfertigen Instrumental los und servierte mit dem Reggae-umgarnten „Love Was Meant To Be“ meinen Favoriten seines Sets nach. Auch seine Version von Hendrix „Voodoo Child“ in einer ‚Extended Version‘ war der Hammer.

Der mit satten vier Stücken gestaltete Zugabenbereich stand dann nochmals mit u. a. „Life Is A Bitch“, bei dem dann alle wieder zugegen waren, im Zeichen von Luther Allison. Am Ende konnten auch Roger Inniss und Mario Dawson mit zwei furiosen Solo-Einlagen auf ihren Arbeitsgeräten glänzen, wobei Letztgenannter auf seinem Schlagzeug (teilweise mit sich überkreuzenden Schlägen) regelrecht wütete.

Nach fast 3 Stunden (inkl. der Pause) ganz großer Blues Rock-Schule ging es anschließend noch am Merchandising-Stand weiter und es durfte sich über reißenden Tonträger-Absatz, den man sich auch redlich verdient hatte, gefreut werden. Sky, Zito und Allison standen am Ende auch noch anstandslos für unser obligatorisches Bild für die VIP-Galerie zur Verfügung.

Fazit: Ein herrlicher Abend mit spielfreudigen und gut gelaunten Akteuren, der keine (Blues Rock)-Wünsche offen ließ. Wer die reichhaltigen Gelegenheiten bei den noch kommenden Konzerten, verstreichen lassen sollte, verpasst wirklich einen musikalischen Genuss. Blues Caravan 2018 – Hingehen Pflicht!

Line-up:
Vanja Sky (lead vocals, electric guitar)
Bernard Allison (lead vocals, electric guitar)
Mike Zito (lead vocals, electric guitar)
Roger Inniss (bass, vocals)
Mario Dawson (drums, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Ruf Records
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Hot’n’Nasty, 19.01.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Hot’n’Nasty bewiesen mit ihrem Auftritt in der sehr gut gefüllten Kulturrampe, dass es auch hervorragende deutsche Blues-Rock-Bands gibt. Die in den 90er Jahren im Pott gegründete Band hat in den folgenden Jahren auch durch den Tod des 2014 zu früh verstorbenen Sängers Patrick Pfau mehrere Umbesetzungen erfahren, sodass von den Gründungsmitgliedern nur noch Gitarrist Malte Triebsch auf der Bühne steht, der sowohl in der Rhythmusarbeit, wie auch in den Soli unverkennbar das musikalische Gesicht der Band ist. Auf der Bühne selbst, steht aber der charismatische Sänger Robert Collins im Vordergrund und brilliert mit facettenreichen Gesangsparts und humorvoller Moderation durch die Show, die somit  das Publikum von Beginn an mitnahm.

Die ostdeutsche Rythmusfraktion um Drummer Dominique Ehlert und Jacob Müller, beides studierte Musiker aus Leipzig, tragen erheblich zu einem kompakten und klar definierten Sound bei. Die Bühnenpräsenz der beiden könnte aber kaum unterschiedlicher sein. Müller, bearbeitete seinen Bass meist scheinbar in sich gekehrt, mit geschlossenen Augen (mir fiel übrigens ein schöner Aufkleber am Bass auf, mit dem Müller auch ein politisches Statement zur Unpartei in Deutschland abgab, die wenig mit Integration und Gleichberechtigung verbindet).  Seine Qualitäten zeigte er auch in einem ausladenden Solo bei der Vorstellung der Band.

Ehlert dagegen suchte immer wieder Blickkontakt mit den Zuschauern, zog dabei die eine oder andere Grimasse zog und bearbeitet die Drums von gefühlvoll ruhig, bis zu brachial, dass man mit seinen Augen den Sticks kaum noch folgen konnten. Beide bewiesen, warum sie in anderen Projekten auch als Studiomusiker gern gesehen Gäste sind. Kompliment an dieser Stelle auch wieder an Malte Menzer, der es wieder schaffte, einen sehr guten Sound und stimmungsvolles Licht in die Rampe zu bringen.

Ziemlich pünktlich gegen 21:00 Uhr betraten die vier Musiker die Bühne und begannen mit „Damned To Ride“ vom 2012 Longplayer „Boost“, gefolgt von „Hard Working Band“ vom 2005 veröffentlichten Album „Electified“.  Vor „She Talks“ verkündete Robert Collins, dass mit „Dirt“ ein neues Album am Start ist, welches auch im Mittelpunkt des weit über zwei Stunden dauernden zweigeteilten Acts stand.

Besonders hervorzuheben aus dem ersten Set sind das ein klein wenig an „Little Wing“ (in der Version an Derek And The Dominos erinnernd, Collins‘ Stimme einem Joe Cocker gleichend) und das stampfende „It’s Only Money“ mit, wie in fast jedem Song, einem ausladenden Solo von Triebsch. Spätestens ab diesem Song hatte Hot’n’Nasty die Rampe im Griff und sorgte für zum Teil fast exstatische Tanzeinlagen im Publikum.

Das Ende des Sets bildete mit „Out Of The bBue (Hell To Pay)“ eine klassische starke Bluesnumer mit virtuosen Gitarrenspiel, bei der die Lautstärke bis zu einem Minimum gedrosselt wurde und die Zuschauer in den Bann zog. Hier gab es aber leider auch den einzigen negativen Aspekt des Abend, in dem Pille Peelings, der Betreiber der Rampe kompromisslos Stärke zeigte. Leider wurde diese Passage von lauten Flaschenöffnen und Unterhaltungen einiger weniger Zuschauer gestört, was in meinen Augen respektlos gegenüber den Künstlern und auch den anderen Zuschauern ist, da diese Stille im Spiel Bestandteil der Performance war. Hoffentlich nehmen die Betroffenen es Pille nicht übel, dass er sie bat zu gehen und sie nach Reflektion des Abends beim nächsten Mal wieder, aber diesmal aber nicht störend dabei sind.

Nach einer etwa 20-minütigen Pause ging es dann weiter und die Zuschauer konnten bei Triebsch und Collins neue T-Shirts bewundern. Triebsch nun mit psychedelischen Hendrix-T-Shirt, nachdem er zuvor das ZOJO-Shirt von Led Zeppelin trug, womit er seine musikalischen Wurzeln zeigte.  Collins mit trug ein Einhorn-Shirt. Triebsch berichtete, dass Collins eine Unmenge komischer Shirts habe, die er uns vielleicht noch präsentieren wird, was für Gelächter im Publikum sorgte. Collins roch unter seinen Achseln und konterte humorvoll,  dass es noch nicht nötig sei. Der noch rockigere und jammende zweite Teil der Show nahm jetzt Fahrt auf.

Einer der Höhepunkte war mit Sicherheit die Vorstellung der Band, in der jeder der Musiker über Minuten in ausladenden Soli sein musikalisches Können beweisen konnte, wobei sich  insbesondere die Rythmusfraktion in den Vordergrund spielte. Müller zeigte, dass der Bass auch als Soloinstrument nutzbar ist und Ehlert bewies, dass Hände schneller sind als Augen. Wie sagt man auf Neudeutsch so schön: „Großes Kino“! Collins überras chte bei „Can’t Get Your Love“, dass er auch Stimmlagen einer Donna Summer beherrscht und setzte kurz zu „Feel Yor Love?“ an.

Mit „Going Down“, einem starken Cover von Don Nix ging Part 2 zu Ende, was natürlich enthusiastische Zugabeforderungen zur Folge hatte. Die Vier brachten noch ein Medley alter Klassiker aus Blues, Rock und Hardrock, wobei sie „La Grange“ (Collins mit starkem Harp-Intro), „Whole Lotta Rosie“ und „Radar Love“ gekonnt, aber mit eigenen Nuancen miteinander verknüpften, um wieder bei „La Grange“ endend, das über zwei Stunden dauernde Konzert abzuschließen.

Fazit: Ein starker Auftritt von Hot’n’Nasty in der Kulturrampe, der bewiesen hat, dass die Zukunft des Quartetts mit Sicherheit noch einiges erwarten lässt. Die Band schaffte es fast alle Bandbreiten des Blues in die Show zu integrieren und sorgte somit  in einem langen Auftritt für einen kurzweiligen Abend, der nur zufriedene Besucher zurückließ, wenn man die Stimmung während und nach dem Konzert als Bewertungsfaktor sieht.

Vielen Dank auch noch einmal an Pille und sein Team, für die, wie immer, unproblematische Akkreditierung und den herzlichen Empfang.

Line-up:
Robert Collins (lead vocals, harp)
Malte Triebs (guitars)
Jacob Müller (bass)
Dominique Ehlert (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Hot’N’Nasty
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Kulturrampe Krefeld

Gregg Allman – Southern Blood (Deluxe Edition) – CD-Review

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Ich muss ja schon sagen, dass es mich unheimlich gefuchst hat, dass wir Gregg Allmans letztes Werk „Southern Blood“ nicht zum Besprechen erhalten haben. Gerne hätte ich zum aktuellen Zeitpunkt noch ein paar würdigende Worte über ihn verfasst, zumal sich vorher in unserem, noch jungen Online-Medium keine Gelegenheit ergab, mal eine Rezension über ihn zu verfassen. Und was ist schon ein echtes Southern Rock-Magazin ohne ein solch musikalisches Schwergewicht im Künstlerindex?

Nun gut, wenn auch etwas verspätet, ist sein finales Album „Southern Blood“ doch auf Umwegen in meinem CD-Player gelandet. Aber von vorne. Gregg Allman ist natürlich ein Musiker und charismatischer Frontmann, der meinen musikalischen Weg seit frühster Jugend, mehr als nachhaltig begleitet hat. So war beispielsweise die Allman Brothers-LP „Brothers & Sisters“ mein allererster, mit eigenem Geld gekaufter Tonträger. Viele weitere im Dunstkreis der Allmans folgten im Verlaufe der Zeit.

Amüsant war damals seine Kurzehe mit Cher, ich meine mich an ein Zitat von ihr zu erinnern: „Für Gregg Allman sind Frauen nur für zwei Dinge gut: Die Betten zu machen, um sich anschließend wieder reinzulegen…“. Toll fand ich damals ihren gemeinsamen Song „Can You Fool“.

Live habe ich seine charismatische Ausstrahlung zweimal im Rahmen der Allman Brothers Band bewundern können. Einmal in der damals 1980 ausverkauften Kölner Sporthalle und später 1991 noch mal im E-Werk, ebenfalls in der Domstadt.

Aus seinen Solophasen befinden sich auch diverse Tonträger in meinem Besitz. Seine letzte in den Fame Studios in Muscle Shoals aufgenommene Veröffentlichung nun, mit dem plakativen Titel „Southern Blood“, wenn auch überwiegend mit Covernummern bestückt, bildet trotzdem einen würdigen und runden Abschluss seines beachtlichen Lebenswerkes.

Vermutlich war es für alle Involvierten keine einfache Sache, diese Songs im Angesicht des Todes und der damit verbundenen körperlichen Konstitution dieses Ausnahmemusikers, überhaupt zustande zu bringen. Ich gehe von einer unheimlich psychischen Belastung aus, zumal die Lieder teilweise auch textlich zur bedrückenden Situation passen.

Gar nicht wissen möchte man, wie es Gregg persönlich innerlich dabei ging, es heißt, dass er oft nur wenige Stunden im Studio präsent sein konnte und teilweise immer wieder unterbrochen werden musste. Alles in Allem hat Produzent Don Was am Ende ein einfühlsames Ganzes hinbekommen, das in Deluxe-Version noch um zwei Live-Tracks erweitert ist.

Im Großen und Ganzen wurden hier Greggs musikalische Vorlieben in seiner Karriere weitestgehend umrissen. Die bis auf ganz wenige Ausnahmen meist balladesk gehaltenen Songs beinhalten, naturgemäß bluesige Southern Rock- und Country-Einflüsse. Was vielleicht neu anmutet, ist die hier relativ omnipräsente Einbindung einer Bläserfraktion in jedes Stück, als auch die gospeligen Harmoniegesänge (verkörpert durch die McCrary Sisters) und somit ein verstärktes souliges Flair. Auch die Percussion-Unterstützung und viele Steel-Gitarren-Einlagen verbindet man jetzt nicht unbedingt mit seinem Namen.

Gänsehaut bekommt man sofort beim Opener „My Only True Friend“, eine der beiden neuen Kompositionen auf dieser Scheibe, die Gregg mit seinem Gitarristen und musikalischen Direktor Scott Sharrad kreiert hat. Sharrad hat im Text quasi den schon lange verstorbenen Bruder Duane zu Gregg sprechen lassen. Toller Einstieg in das Album!

Ein weiterer bewegender Moment ist für mich ist „I Love The Life I Live“, weil er das southern bluesige Terrain beschreitet, auf dem sich Gregg am pudelwohlsten fühlte und wohl auch sein Lebensmotto wiederspiegelt. Beim Hören spürt man, wie sich der Protagonist hier mit letzten Kräften, nochmals vokal so richtig reinhängt. Am Ende beim von Jackson Browne geschriebenen und unterstützten  „Song For Adam“ (mit (Harmoniegesängen), merkt und fühlt man ebenfalls förmlich am eigenen Leibe, dass hier der Kampf eines großen Künstlers zu Ende ging.

Mit Gregg Allman verliert die Southern Rock-Gemeinde eine weitere und mit eine ihrer letzten wahren Ikonen. Auch wenn er zeitlebens kein Engel war („I’m No Angel“) verabschiedet er sich mit „Southern Blood“ würdevoll in den Southern Rock And Roll Heaven und befindet sich jetzt hoffentlich wieder im illustren Kreise von Duane und seiner Brüder im Geiste wie Butch Trucks, Ronnie Van Zant, Toy Caldwell, Hughie Thomasson und Co. Mach et jut, Midnight Rider!

Concord Records (2017)
Stil: Southern Blues Rock

01. My Only True Friend
02. Once I Was
03. Going Going Gone
04. Black Muddy River
05. Love The Life I Live
06. Willin‘
07. Blind Bats And Swamp Rats
08. Out Of Left Field
09. Love Like Kerosene
10. Song For Adam (feat. Jackson Browne)
11. Love The Life I Live (Live)
12. Love Like Kerosene (Live)

Gregg Allman
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Beth Hart & Joe Bonamassa – Black Coffee – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Schwarzer Kaffee ist sicherlich nicht das typische Getränk, das man mit Rockmusik in Verbindung bringt. Vom Geschmack her sehr kraftvoll, kann schwarzer Kaffee gleichzeitig mit seinem unverfälschten Aroma überzeugen. Nein, das hier soll kein Bericht über eine Kaffeeverköstigung werden, aber das neue Album von Beth Hart und Joe Bonamassa, „Black Coffee“, wird mit diesen Attributen vortrefflich beschrieben: kraftvoll und unverfälscht.

Wenn der Scheinwerfer auf Joe Bonamassa gerichtet wird, sind Superlativen unvermeidbar. Das Wort „Gitarrenikone“ fällt in diesem Zusammenhang und seine Konzerte werden als „Guitar Event of the Year“ angekündigt. Seit den letzten Jahren hat er den Status als unangefochtene Zugspitze des jungen, modernen Bluesrock inne. Von daher ist eine Albumveröffentlichung des US-Amerikaners ein künstlerisches Großereignis.

Aber es steht halt nicht nur Joe Bonamassa auf dem Cover, sondern auch wieder Beth Hart. Die schrille und extravagante Bluesrockerin singt bereits zum dritten Mal an seiner Seite. Zwei Studioalben „Seesaw“ (2013) und „Don’t Explain“ (2011) und ein furioses Livealbum aus Amsterdam (2014) haben beide bereits zusammen aufgenommen. Auf „Black Coffee“ setzen sie Bewährtes gut fort. Zum einen wieder mit Kevin Shirley (u.a. Led Zeppelin, Iron Maiden, Aerosmith, Black Crowes) als Produzenten, der sich im Hard- und Bluesrock-Genre wohl fühlt. Zum anderen mit alten und neuen musikalischen Schätzen, die sie sich unnachgiebig und explosiv einverleiben.

Der kraftvolle Hard Rock Opener „Give It Everything You Got“ besticht mit voluminösem Sound, Joes ausgiebigem Solo und schönen Bläsersätzen. Auf „Damn Your Eyes“ glänzt Reese Wynans mit feiner Keyboarduntermalung. Den Titelsong „Black Coffee“, ein Ike und Tina Turner Cover, begleitet ein charismatischer Background Gesang in Motown Soul-Manier. Das langsame soul-jazzige „Lullaby Of Leaves“ beginnt sehr eintönig, rettet sich dann aber doch noch furios, mit einem 2-minütigen Gitarrensolo.

Eher swing-jazzige Töne gibt es auf Joe McCoys „Why Don’t You Do It Right“ von 1941 zu hören. Die 45-järige Beth Hart singt darauf rotzig und frech, erinnert dabei ein wenig an Amy Winehouse und man sieht sie schon förmlich vor sich mit dem Zeigefinger mahnend „„Why Don’t You Do It Right“, so intensiv kommt ihre Stimme rüber. „Saved“ ist eine schmissige Rhythm & Blues Nummer: mitreißend und tanzbar! „Sitting On Top Of The World“, ein typischer Blues-Rocker mit erneuter Bläseruntermalung, wurde bereits von Blues Größen wie Howlin‘ Wolf, B.B. King, Cream und Grateful Dead eingespielt. Dennoch schaffen es Beth und Joe dem Track, durch diese Big Band-Version wieder ihren unnachahmlichen Stil zu geben.

Das Album lebt von der guten und abwechslungsreichen Auswahl wunderschöner Songwriting-Perlen. Hart und Bonamassa verpassen den Songs dabei einen markanten und unverwechselbaren Sound. Die Arrangements überzeugen auf ganzer Linie und die fantastischen Gitarrenpassagen kommen anziehend intensiv zur Geltung. Kevin Shirley hat aus den gerade mal 5-Tage-Aufnahmesessions eine perfekt ausbalancierte Produktion abgeliefert. Da alle Songs mehr oder weniger live im Studio eingespielt wurden, kommt die Unverfälschtheit und nahbare Spontanität sehr gut zum Ausdruck.

„Joy, joy, joy“ ruft Beth Hart auf dem nächsten Track, der mit seinem unwiderstehlich stampfenden Rhythmus fesselt. Freude kommt bei diesem Album definitiv auf! Das abschließende „Addicted“ passt auf den ersten Blick nicht so recht auf die Liste zwischen 40-60er Jahre Blues, Soul und Jazz Nummern. Dem im Original Trip Hop Lied des österreichischen Elektrotrios Waldeck von 2007, drücken Joe und Beth aber ihren ganz eigenen hippen, musikalischen Stempel auf. „Addicted“ als abschließender Song, passt sehr gut, denn am Ende dieses Albums ist man wortwörtlich tatsächlich „Addicted“. Bitte zurücklehnen, unbedingt laut aufdrehen und genießen, gerne auch bei einem „Black Coffee“.

Mascot Label Group (2018)
Stil: Blues Rock

01. Give It Everything You Got
02. Damn Your Eyes
03. Black Coffee
04. Lullaby Of The Leaves
05. Why Don’t You Do Right
06. Saved
07. Sitting On Top Of The World
08. Joy
09. Soul On Fire
10. Addicted

Beth Hart & Joe Bonamassa
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Joe Bonamassa
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Mary Gauthier – Rifles & Rosary Beads – CD-Review

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Puh, schwermütiger Stoff. Die hoch angesehene Singer/Songwriterin Mary Gauthier (von der Los Angeles Times mittlerweile auf eine Stufe mit Musikern wie Kris Kristofferson, John Prine und Bob Dylan gehievt) hat sich mit auserwählten Kriegsveteranen zusammengefunden und sie, zwecks Aufbereitung ihrer Traumata, an den Liedern ihres neuen Werkes „Rifles & Rosary Beads“ mitarbeiten lassen, um quasi ihren Schicksalen und Erlebnissen eine Stimme zu verleihen. In der Intention zunächst mal sehr ehrenrührig und sicherlich wichtig.  Irgendwo hält sich, ehrlich gesagt, mein Mitleid für Berufssoldaten allerdings auch in Grenzen.

Gut, ich, der Dank seiner Aufnahme in die Sportkompanie, damals wie heute, unser Land eher mit dem Tischtennis-Schläger hätte verteidigen können (ich musste aber halt auch in den drei Monaten Grundausbildung mit Pistole, G3 und Panzerfaust hantieren und als Kanonier on top mit Flugabwehrraketen schießen – allerdings mit äußerstem Unbehagen), kann leicht reden. Trotzdem war dank dieser Erfahrungen recht schnell klar, dass sich meine nachfolgenden Kampfeinsätze, höchstens noch auf ungeliebte Insekten in den eigenen heimischen vier Wänden beschränken würden. Immerhin war es aus der Retrospektive irgendwo eine heilsame, als auch abhärtende Erfahrung.

Aber Menschen, die das Soldatentum zu ihrer Berufspassion machen und dann noch aus einem Land kommen, das sich als der Welt größter Kriegstreiber und Destabilisator gibt, brauchen sich dann im Prinzip nicht zu wundern, wenn es nicht bei Orientierungsmärschen in den Rocky Mountains bleibt, sondern zwecks monitärer und geopolitischer Interessenvertretung ihrer sogenannten Eliten, an den Hindukusch, in den Irak, nach Mali oder sonstige unkalkulierbare Krisengebiete geht, um den Kopf, mit all den potentiellen schlimmen Folgen (hier in den Songs schwerpunktmäßig thematisiert), hin zu halten. Ok, am Ende ist man immer schlauer.

Das elf Stücke umfassende Werk ist ein relativ schwermütiges Konglomerat aus allerdings sehr einfühlsam und fein instrumentierten (E-, Akustikgitarren, Fiddle, Cello, Harp, Piano, Akkordeon, Mandoline) sowie emotional besungenen Stücken geworden, die sich zwischen Singer/Songwriter-, Country- und Folk-Stoff, meist in bedrückender Form, gekonnt ihren Weg bahnen.

Wahrlich kein Stoff, der aufmuntert. Mehr was für innerlich stabile oder rein musikalisch interessierte Leute. Depressiv veranlagte Menschen, sollten, zumindest meiner Ansicht nach, gerade in diesen düsteren und ungemütlichen Tagen, wohl besser eine andere Musik wählen.

Eigentlich hat das Werk aus meiner Sicht eher präventiven, anklagenden Charakter und dient mehr als Wasser auf die Mühlen von intellektuellen Mahnern, Pazifisten, Friedensaktivisten & Co., die dem globalen Treiben ihres Landes (zurecht) kritisch gegenüberstehen.

So bleibt Mary Gauthiers „Rifles & Rosary Beads“ (produziert von Singer/Songwriter-Kollege Neilson Hubbard) ein gut gemeinter und auch durchaus richtiger Fingerzeig an Leute, die mit dem Gedanken spielen, aus verklärtem Patriotismus, sich in entsprechende Gefilde zu begeben, sowie als etwas Seelenmassage für die hier Involvierten, samt der unzähligen sonstigen betroffenen Leidensgenossen. Ändern muss sich allerdings in erster Linie vor allem die Politik und Selbsteinschätzung ihres Landes. In diesem Sinne – make music and love, not war!

Thirty Tigers (2018)
Stil: Singer/Songwriter

01. Soldering One
02. Got Your Six
03. The War After The war
04. Still On The Ride
05. Bullet Holes In The Sky
06. Brothers
07. Rifles And Rosary Beads
08. Morphine 1-2
09. It’s Her Love
10. Iraq
11. Stronger Together

Mary Gauthier
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Sweet Bourbon – Night Turned Into Day – CD-Review

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Die Niederländer sind ja für ihre Passion in Sachen Blues/Blues Rock hinlänglich bekannt. Jetzt hat mich der Gitarrist der im Raume Nijmegen angesiedelten Band Sweet Bourbon, Chris Janssen, via Facebook kontaktiert und gebeten, eine Expertise bezüglich ihres Zweitwerks „Night Turned Into Day“ abzugeben.

Wenige Tage später lag das vom Coverartwork her professionell und optisch ansprechend gestaltete Teil (Digipack mit Steckbooklet samt aller Texte, Bilder und Infos) plus einem Logo-verziertem Aufkleber und Bierdeckel im Briefkasten.

Was mir direkt gefiel ist, dass das Quintett, bestehend aus  Roeland van Laer (bass), René van Onna (lead vocals, acoustic guitar), Chris Janssen (guitars), Willem Van der Schoff (keys) und Martijn Cuypers (drums), den Fokus auf ergänzende weibliche Background vocals legt und die Damen Sonja Wolters, Suzan Wattimena und Laura Van der Vange, geführt unter dem Namen Bourbonettes, quasi bei allen Stücken fest mit eingebunden hat.

Dank einer gewissen Affinität auch zum Southern Rock bezeichnet die Band selbst ihren Stil als ‚a new Blues sound‘. Und in der Tat lassen sich vor allem aufgrund des teils allmanesken Orgelspiels des hier insgesamt überragend agierenden Allround-Keyboarders (Organ, piano, e-piano) Willem Van der Schoff (u. a. „2nd Wallstreet“, „Texas Woman“, „Blinded“), mancher E-Gitarreneinlagen von Janssen (Slide bei „I Don’t Care“) und vieler typischer Backings der Bourbonettes, Bezüge zu der von uns bevorzugten Musikthematik herstellen.

Als meine Favoriten kristallisierten sich das eingängig groovende „Cool Down“ (richtiger Weise auch als erste Single ausgekoppelt), die atmosphärischen „Blue Wonder“ und „Got To Say Goodbye“ (slow bluesig, aber auch im 70er Rock verankert) sowie das kurze, aber trotzdem jammige Instrumental „Enfants Terrible“ heraus, bei der das Ensemble zum Abschluss nochmal einen knackigen Groove entfacht.

Insgesamt ist „Night Turned Into Day“ von Sweet Bourbon eine mit viel Herzblut und klarer Intention versehene CD geworden, die sehr viel Licht und nur wenig Dunkelheit offenbart. Meine Wenigkeit als Nashville-erprobter Hörer hätte vielleicht noch die Einbindung eines richtig guten Produzenten, der vermutlich klangtechnisch noch marginale Verbesserungen erzielt und aus René van Onnas Gesang etwas mehr Emotionalität herausgekitzelt hätte, zur Diskussion gestellt. Ansonsten reift hier aber ein richtig gutes musikalisches Destillat heran.

Bourbon Records (2017)
Stil: Blues Rock

01. 2nd Wallstreet
02. Texas Woman
03. Cool Down
04. Blue Wonder
05. Kicked Me Out
06. I Don’t Care
07. This Year’s Destination
08. Got To Say Goodbye
09. Blinded
10. Swan
11. Enfants Terrible

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