Thorbjorn Risager & The Black Tornado – Change My Game – CD-Review

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Thorbjørn Risager und seine The Black Tornado hatten uns bei ihrem furiosen Konzert im Rheinberger Schwarzen Adler, schon bereits mit einigen Tracks aus ihrem neuen Album „Change My Game“ im Vorfeld konfrontiert. Hier war die spannende Frage, ob die Stücke auch im Studio so zünden würden und was die Dänen sich noch so an weiteren Dingen einfallen lassen haben.

Der erste Blick fällt natürlich auf die äußerst geschmackvolle Covergestaltung mit dem tollen Titelbild, auf dem die Burschen in irgendeiner düsteren nächtlichen Hintergasse, effektvoll in passenden Farben abgelichtet wurden. Sowas nennt man hohe Fotokunst.

Musikalisch bleibt sich das Oktett, bestehend aus Thorbjørn Risager (lead vocals, guitar), Peter Skjerning (guitars, canjo), Emil Balsgaard (keys), Søren Bøjgaard (bass, guitar, percussion), Martin Seidelin (drums, percussion), Hans Nybo (saxophone), Peter W Kehl (trumpet, saxophone) und Kasper Wagner (saxophone) weitestgehend treu, öffnet sich aber auch mit einer gesund eingebrachten Portion von mainstreamigerem Songwriting, einem breiteren Spektrum an Hörerschaft. Produziert in erstklassigem Sound haben die Burschen selbst.

Den Einstieg wählten die Nordlichter mit dem, vom Konzert bekannten, sehr atmosphärischen „I Used To Love You“, klasse hier das E-Solo von Skjerning, wie auch der, im gesamten Verlauf, wieder überragende Gesang ihres Leaders Thorbjørn Risager. Das folgende „Dreamland“ stampft mit Urgewalt in Südstaaten Rock-Manier, hat so ein bisschen was von „Penthouse Pauper“ vom einstigen Molly Hatchtet– Album „Beatin‘ The Odds“. Wahnsinn hier das Zusammenwirken von plusternden Bläsern, E-Gitarre und Emil Balsgaards gurgelnder Orgel.

Der ebenfalls schon performte Titelsong „Change My Game“ hat eine funkige Note. Cooler Song, sogar durchaus tanzbar. Auf „Holler’N’Moan“ kam vermutlich das von Skjerning in Rheinberg, mit einem, aus einer Blechbüchse als Korpus versehene, präsentierte Canjo zum Einsatz, das geslidet, quasi Dobro-ähnliche Klänge hervorruft. Demnach ein, auf unser Magazin zugeschnittener Track mit Swamp-Flair. Klasse auch das quäkige Trompeten-Solo.

„Hard Time“ entpuppt sich mit einer mandolinenartig gespielten flockigen Akustikgitarrenlinie als mein persönliches Lieblingsstück . Ein wunderbar eingängiger Ohrwurm, der statt nach harten Zeiten, eher nach melancholischer Besinnung bei Abendsonne mit kühlem Getränk in einer zum Meer geöffneten Strandbodega klingt. Wunderbar die Slide-Passagen und auch die schön dazu säuselnde Background-Crew samt Miriam Mandipura-Mumba, Pia Trøjgaard und Mads Lumboldt.

Der Slow Blues „Long Gone“ bietet wieder Atmosphäre pur. Hier kann sich Risagers Charakter-Stimme natürlich am besten entfalten. Unter dem Motto „ZZ Top meets Lynyrd Skynyrd“ fliegt einem das von röhrenden Gitarren,  wummernder Orgel und pausbackigen Bläsern dominierte „Hold My Lover Tight“ um die Ohren. Hier lässt die Band förmlich ihr ganzes, wuchtiges Spiel-Potential los.

„Maybe It’s Alright“ mit stoneskem E-Gitarren-Rhythmus ist wieder typischer Stoff, um ein Live-Publikum in Wallung zu bringen. Spaß machen die weiblichen Harmoniegesänge.  Der „Train“ dürfte mit markanter Canjo-Hook und klimpernden HT-Piano, erneut unsere Southern Rock-Klientel verzücken.

Schwere Kost bietet „Lay My Burdon Down“. Erinnert ein wenig an den guten alten Tom Waits. Wer sich schon mal mit seiner eigenen Beerdigung auseinandersetzen möchte, hätte, auch wenn er ja nicht mehr viel davon mitbekommen würde,  hier einen stilvollen Trauermarsch zu seinen Ehren im Angebot. Als Rausschmeißer haben dann die Dänen mit „City Of Love“ noch einmal einen stark instrumentierten Blues Rocker im Portfolio, der aufgrund der E-Gitarre, zum krönenden Abschluss, Esprit von ZZ Tops berühmten „La Grange“ versprüht.

Thorbjørn Risager & The Black Tornado sind mit „Change My Game“ auf einem Zwischen-Zenit ihrer Karriere angelangt. Der Begriff ‚Danish Dynamite‘ erhält in diesem Fall eine musikalische Dimension. Ihr unermüdliches Auftreten, ob in Clubs, Hallen oder auf Festivals hat sich auch auf ihre Studio-Arbeit weiter positiv ausgewirkt.  Hier passt und reift eigentlich alles zusammen, um zu einem der ganz großen (Blues) Rock-Acts unser Zeit zu avancieren. Ich hab momentan echt keine Idee, was man da noch groß verbessern könnte! Einfach erstklassig!

Ruf Records (2017)
Stil: Blues Rock & More

01. I Used To Love You
02. Dreamland
03. Change My Game
04. Holler ‚N‘ Moan
05. Hard Time
06. Long Gone
07. Hold My Lover Tight
08. Maybe It’s Alright
09. Train
10. Lay My Burden Down
11. City Of Love

Thorbjørn Risager & The Black Tornado
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