6. Blues ’n Jazz Meeting – 11.08.2018, Walzwerk, Dinslaken – Festivalbericht

Nachdem wir ja im letzten Jahr bei der 5. Ausgabe des Blues n‘ Jazz Festivals unsere Premiere in Sachen Berichterstattung gefeiert hatten und von der Machart, dem schönen Ambiente, der zügigen Organisation und auch der musikalischen Qualität ziemlich angetan waren, sind wir der Einladung von Organisator Klaus Diessner wieder gerne nachgekommen.

Diesmal konnten wir in Zusammenarbeit mit ihm noch 6 Personen glücklich machen, die im Rahmen des Vorberichts und eines Gewinnspiels 3 x 2 Freikarten ergattern konnten. Das Walzwerk-Team hatte zur aktuellen Veranstaltung mit den ‚Lokalmatadoren‘ Haranni Hurricanes, Andrew „The Bullet“ Lauer & Band und Chris Grey & BlueSpand wieder eine bunte stilistische Mischung aus deutschen und internationalen Akteuren zusammengestellt.

Um 18:30 Uhr eröffnete das in schwarz gekleidete und mit Cowboyhüten geschmückte Trio aus dem Emscher Delta mit ihrem ‚hurricanifizierten‘ Texas Blues Rock in der Tradition eines Stevie Ray Vaughan & Co. mit dem Titelsong ihrer noch aktuellen CD „Black Cadillac“, ihr letztendlich 17 Stücke (inkl. Zugabe) umfassendes Programm.

Sie hatten als Opener, wie auch schon im letzten Jahr The BlueBones, ein wenig den Nachteil, das zu dem Zeitpunkt noch viele Leute nicht eingetroffen waren oder gerade ankamen und mit den üblichen Begrüßungszeremonien der Bekanntschaften und den ersten Getränkebestellungen beschäftigt waren.

Trotz eines launigen Mixes aus ihren immerhin schon sieben Tonträgern mit u. a. dem ZZ Top-umwehten „You Upset Me Baby“, dem schönen Slow Blues „Time Change Love“, dem funkigen „Whiskey Drinkin‘ Woman“, dem shuffligen „Lady In Love“ und einer starken Cover-Version von „Cold Day in Hell“, taute die Stimmung erst so richtig auf, als ‚Texas Ralle‘ Bernschein mit seiner Gitarre beim „Hurricane Swing“ durchs Publikum stolzierte.

Ihr engagierter Auftritt wurde mit der Einforderung einer Zugabe letztendlich dann doch noch angemessen gewürdigt.

Line-up:
Ralf “ Texas “ Bernschein (lead vocals, electric guitar)
Andre Frin (bass, vocals)
Bernd Rademacher (lead vocals, drums)

Der mittlere Act um den wuchtigen Andrew „The Bullet“ Lauer und seinen jungen Begleitmusikern Jermaine Dobbins, Danny Eddy, Eugen Leonhardt und Marcel Weishäupl war die große Herausforderung an diesem Abend, da Hip Hop und Rap wahrlich nicht zu meinen persönlichen Präferenzen zählen.

Das Quintett mit seinem charismatischen Fronter holte die anwesende, überwiegend ältere Generation meiner Bauart von Anbeginn mit einer dynamischen Show ab. Dabei überzeugte nicht nur die voluminöse Stimme und das powervolle Bassspiel des Protagonisten. Auch seine restlichen Mitstreiter erwiesen sich als Musiker, die ihr Handwerk perfekt beherrschen.

So wurden die Rap- und Hip Hop-Einlagen von  Jermaine Dobbins sehr schön dosiert, sodass am Ende die durch Mark und Bein gehende Mischung aus Soul-, Funk, Blues- und R & B-Bestandteilen immer im Vordergrund stand.

Hängen geblieben sind Stücke wie das dem Vater gewidmete emotionale „I Will Always Be“, das recht rockige „I Just Got To Understand“, die atmosphärische Ballade „Be(a)dtime Story“ mit toller Piano-Solo-Einlage, und die aktuelle Single „I Don’t Wanna Think About It“ als Finale mit verspieltem E-Solo von Eugen Leonhardt.

Hut ab für diesen Auftritt und allein schon den Mut, sich einer doch eher auf Bluesmusik fixierten Audienz zu stellen und ein großen Blick über den Tellerrand einzufordern (vor allem bei mir…). Mission durchaus gelungen!

Line-up:
Andrew „The Bullet“ Lauer (lead vocals, bass)
Jermaine Dobbins (co-lead vocals)
Danny Eddy (keys, vocals)
Eugen Leonhardt (electric guitar)
Marcel Weishäupl (drums)

Der Headliner der diesjährigen Veranstaltung waren die mir und Fotograf Jörg (Kompliment für seine tollen Bilder!) bis dato unbekannten Dänen Chris Grey & The BlueSpand. Dass Skandinavier Blues Rock können weiß man, nicht zuletzt, dank ihrer Landsleute Thorbjorn Risager & The Black Tornado.

Der immer noch ein wenig lausbubenhaft wirkende, toll singende und fantastisch Gitarren-spielende Grey sowie seine Kollegen Kaspar Lauersen und der kräftige Drummer Lars Frimodt-Moeller, legten eine über zwei Stunden währende, genau nach meinem Gusto (und auch des restlichen Publikums) Blues Rock-Show vom Allerfeinsten hin.

Dabei ließ der Bandleader keine Gelegenheit aus, sein spezielles Verhältnis dem weiblichen Geschlecht gegenüber, pendelnd zwischen Muttersöhnchen und ‚Beziehungsluftikus‘, zu proklamieren. So erzählte er – keine Ahnung, ob es wirklich wahr ist – dass er bereits 5x (!!!) verheiratet gewesen ist (da wünschte man ihm spontan voller Mitgefühl – ich kenne das dänische Unterhaltsrecht nicht – zumindest, dass seine verflossenen Herzensdamen, besser betucht waren als er…).

Erstgenannter Sachverhalt spiegelte sich in Stücken wie „Lotta Love“ und dem grandios funkigen „Mammas „Mammalaid“, letztgenannter u. a. in dem seiner zukünftigen Ex-Frau gewidmeten „Come On“,  dem Lenny Kravitz-mäßigen „Set U Free“ oder der launigen ersten Zugabe“Woman I Know“ (Chris vor der Bühne in Gesangsinteraktion mit den Leuten).

Weitere Highlights waren die saustarken und eigenwilligen Versionen der Albert King- und Bob Marley-Klassiker „As The Years Go Passing By“ (bei dem die Leisespieleinlage im Solo leider weitestgehend im Gebrabbel der Leute unterging), beziehungsweise „I Shot The Sheriff“,  und die Eigenkomposition „Butterflies“ vom aktuellen Werk „Lotta Live“ mit gigantischem E-Solo von Chris.

Den stimmigen Abschluss des ‚Danish Blues Dynamite‘-Gigs als auch des Festivals bildete „No Diggity“, bei dem dann Lauer und Dobbins auf die Bühne geholt wurden und Blues Rock und Hip Hop kurz vor Mitternacht auf launige Art verschmolzen wurden.

Line-up:
Chris Grey (lead vocals, electric guitar)
Kaspar Lauersen (bass, vocals)
Lars Frimodt-Moeller (drums, percussion, vocals)

Fazit: Auch das 6. Event dieser Art war äußerst abwechslungsreich, unterhaltsam und kurzweilig, alles auf starkem musikalischen Niveau. Die Zuschauerresonanz hielt sich ungefähr auf dem gleichen Level wie im Vorjahr. Hier darf das Engagement von Klaus Diessner und seinem Team im nächsten Jahr mal mit deutlich mehr Zuspruch gewürdigt werden, es gibt sicher wieder einiges an toller Musik zu erleben!

Bilder: Jörg Schneider
Bericht: Daniel Daus

Haranni Hurricanes
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Andrew „The Bullet“ Lauer & Band
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Chris Grey & The BlueSpand
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Walzwerk Dinslaken

Jesper Binzer – 11.05.2018, Essen, Turock – Konzertbericht

Binzer-Haupt

Schon vor Einlass hatten viel Rockmusikliebhaber, von denen viele D-A-D Shirts trugen, die ums Turock angesiedelten Biergärten bereits gefüllt. Unter ihnen, genossen Jesper Binzer mit Band und den Supportern Gus G. den herrlichen frühsommerlichen, mediterran anmutenden Abend am Viehofer Platz, um sich kurz vor Einlass nach und nach ins Turock zu begeben.

Nach dem Support Gus G. und einer relativ kurzen Umbaupause erschien zunächst die Begleitband von Jesper Binzer, um mit einem furiosen Intro, um die Show ihres Fronters einzuleiten. Dieser betrat mit einer braunen Fransenlederjacke im Cowboystil, zunächst ohne Gitarre, unter frenetischen Applaus der in großer Zahl als D-A-D Fans erkennbaren Fans, die Bühne. Vorweggenommen, wurden die, welche ein D-A-D-Konzert erwarteten, vermutlich enttäuscht. Jesper spielte nicht einen der vielen D-A-D-Klassiker, sondern ein Solokonzert der Extraklasse, in dem er komplett sein aktuelles Album “Dying Is Easy (Rock’n’Roll Is Hard)” präsentierte.

Der den Auftakt markierende Titesong gab dann auch direkt vor, was die Besucher erwartete. Ein Hard Rock-Konzert, in welchem aber auch genügend Country- oder Americana- beeinflusste Songs ihren Platz fanden. Hard-rockend ging es mit “The Space She’s In” weiter, wobei Soren Andersen an der Lead-Gitarre wiederholt seine Soli präsentierte, während Christian Hede Madsen die rhytmische Basis an der zweiten Gitarre legte. Stark auch die Sektion um den bärtigen Drummer Jakob Ronlov, dessen Konterfei in Skelettform die Bassdrum zierte und den Bassisten Andets Borre Mathiesen.

Zu “Planet Blue” griff sich Binzer, dann seine akustische Gitarre und nahm etwas Tempo aus dem bis dahin harten Treiben, um bei “Real Love” sogar einen Song mit Country- Einschlag nachzulegen. Zu fast jedem Song erzählte Binzer etwas zur Entstehung. Dies tat er auf eine erfrischende Art und Weise zum Teil in gebrochenen Deutsch, immer wieder mit einem Schuss Selbstironie. Starkes Entertainment!

Ruhig ging es weiter mit “Rock On Rock On Rock” und bei “I See It In You” nahm sich auch Andersen eine akustische Klampfe, setzte sich auf einen Barhocker und die Band legte einen Americana-Song erster Güte hin. Mit “Undecided” wurde wieder etwas Fahrt aufgenommen und bei “Saint Fantasia” wurde das Publikum mit leicht folkigen Einschlag, wie Jesper es nannte, interaktiv zum Klatschen eingebunden.

Beim psychedelisch angehauchten, “The Bumpy Road” legte Binzer seine Gitarre beiseite und hauchte den Text zum Teil dahin. Danach folgte mit “Tell Myself To Be Kind” ein absoluter Hard Rock-Kracher, im Blitzlichtgewitter des, zum Teil, in absoluten Nebel gehüllten Turocks, wobei ein Gitarren-Solo das andere jagte. “The Future Is Now” einer meiner Favoriten des Albums, der auch viel über die positive Lebenseinstellung Binzers aussagt, beendete zunächst das Konzert mit frenetischen Applaus und folgenden Zugabe-Einforderungen.

Jesper und Co. legten mit den rockigen “Dream Big” und “Wild Child”noch zwei starke Rausschmeißer nach. Wobei letzteres Binzer, wie er in seiner Ansage beschrieb, besonders am Herzen lag, da es ein Cover-Song der Dänischen Band Savage Rose war, deren Musik wichtiger Bestandteil seiner Jugend war.

90 kurzweilige Minuten waren wie im Rausch vergangen, und Jesper Binzer bewies, mit zum Teil sehr emotionalen Songs, dass er auch ohne D-A-D-Songs, deren Sympathisanten sowie auch andere herkömmliche Rockfans begeistern kann. Absolute Konzert- und Plattenempfehlung (diese ist auch als farbige Sonderedition zu haben)!

Wem Jesper Binzer alleine nicht reicht, der kann ihn im Laufe des Jahres noch bei einigen Festivals, dann in gewohnter Umgebung mit D-A-D, erleben. Noch einmal mein Dank an Jörg Düsedau, für die Akkreditierung, das wirklich nette Team im Turock als auch den Sound- und Lichtmischer von Jesper, der mir im Nachgang noch einiges über die Tour und die Entstehung des Albums erzählte.

Line-up:
Jesper Binzer (lead vocals, acoustic guitar)
Soren Andersen (lead guitar)
Christian Hede Madsen (guitar)
Anders Borre Mathiesen (bass)
Jakob Ronlov (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

D-A-D/Jesper Binzer
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Turock Essen

Thorbjørn Risager & The Black Tornado – 27.04.2017, Piano, Dortmund – Konzertbilder

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Thorbjørn Risager & The Black Tornado im Rahmen ihrer neuen CD „Change My Game“ zu Gast im vollen Dortmunder Musiktheater-Piano.

Unser Fotograf Peter Schepers war angesichts der spektakulären Leistung der Dänen, die er bis dato nicht kannte, absolut begeistert.  Seine, wie immer, auf den Punkt gebrachten Schnappschüsse des in zwei Sets geteilten Konzerts, diesmal hier bei uns in einer unten angefügten Bildergalerie.

Line-up:
Thorbjørn Risager (lead vocals, guitar)
Peter Skjerning (guitars, vocals)
Emil Balsgaard (Keys)
Søren Bøjgaard (bass)
Martin Seidelin (drums, percussion, vocals)
Hans Nybo (saxophone, vocals)
Peter W Kehl (trumpet, percussion, vocals)

Bilder: Peter Schepers

Thorbjørn Risager & The Black Tornado
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Thorbjorn Risager & The Black Tornado – Change My Game – CD-Review

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Thorbjørn Risager und seine The Black Tornado hatten uns bei ihrem furiosen Konzert im Rheinberger Schwarzen Adler, schon bereits mit einigen Tracks aus ihrem neuen Album „Change My Game“ im Vorfeld konfrontiert. Hier war die spannende Frage, ob die Stücke auch im Studio so zünden würden und was die Dänen sich noch so an weiteren Dingen einfallen lassen haben.

Der erste Blick fällt natürlich auf die äußerst geschmackvolle Covergestaltung mit dem tollen Titelbild, auf dem die Burschen in irgendeiner düsteren nächtlichen Hintergasse, effektvoll in passenden Farben abgelichtet wurden. Sowas nennt man hohe Fotokunst.

Musikalisch bleibt sich das Oktett, bestehend aus Thorbjørn Risager (lead vocals, guitar), Peter Skjerning (guitars, canjo), Emil Balsgaard (keys), Søren Bøjgaard (bass, guitar, percussion), Martin Seidelin (drums, percussion), Hans Nybo (saxophone), Peter W Kehl (trumpet, saxophone) und Kasper Wagner (saxophone) weitestgehend treu, öffnet sich aber auch mit einer gesund eingebrachten Portion von mainstreamigerem Songwriting, einem breiteren Spektrum an Hörerschaft. Produziert in erstklassigem Sound haben die Burschen selbst.

Den Einstieg wählten die Nordlichter mit dem, vom Konzert bekannten, sehr atmosphärischen „I Used To Love You“, klasse hier das E-Solo von Skjerning, wie auch der, im gesamten Verlauf, wieder überragende Gesang ihres Leaders Thorbjørn Risager. Das folgende „Dreamland“ stampft mit Urgewalt in Südstaaten Rock-Manier, hat so ein bisschen was von „Penthouse Pauper“ vom einstigen Molly Hatchtet– Album „Beatin‘ The Odds“. Wahnsinn hier das Zusammenwirken von plusternden Bläsern, E-Gitarre und Emil Balsgaards gurgelnder Orgel.

Der ebenfalls schon performte Titelsong „Change My Game“ hat eine funkige Note. Cooler Song, sogar durchaus tanzbar. Auf „Holler’N’Moan“ kam vermutlich das von Skjerning in Rheinberg, mit einem, aus einer Blechbüchse als Korpus versehene, präsentierte Canjo zum Einsatz, das geslidet, quasi Dobro-ähnliche Klänge hervorruft. Demnach ein, auf unser Magazin zugeschnittener Track mit Swamp-Flair. Klasse auch das quäkige Trompeten-Solo.

„Hard Time“ entpuppt sich mit einer mandolinenartig gespielten flockigen Akustikgitarrenlinie als mein persönliches Lieblingsstück . Ein wunderbar eingängiger Ohrwurm, der statt nach harten Zeiten, eher nach melancholischer Besinnung bei Abendsonne mit kühlem Getränk in einer zum Meer geöffneten Strandbodega klingt. Wunderbar die Slide-Passagen und auch die schön dazu säuselnde Background-Crew samt Miriam Mandipura-Mumba, Pia Trøjgaard und Mads Lumboldt.

Der Slow Blues „Long Gone“ bietet wieder Atmosphäre pur. Hier kann sich Risagers Charakter-Stimme natürlich am besten entfalten. Unter dem Motto „ZZ Top meets Lynyrd Skynyrd“ fliegt einem das von röhrenden Gitarren,  wummernder Orgel und pausbackigen Bläsern dominierte „Hold My Lover Tight“ um die Ohren. Hier lässt die Band förmlich ihr ganzes, wuchtiges Spiel-Potential los.

„Maybe It’s Alright“ mit stoneskem E-Gitarren-Rhythmus ist wieder typischer Stoff, um ein Live-Publikum in Wallung zu bringen. Spaß machen die weiblichen Harmoniegesänge.  Der „Train“ dürfte mit markanter Canjo-Hook und klimpernden HT-Piano, erneut unsere Southern Rock-Klientel verzücken.

Schwere Kost bietet „Lay My Burdon Down“. Erinnert ein wenig an den guten alten Tom Waits. Wer sich schon mal mit seiner eigenen Beerdigung auseinandersetzen möchte, hätte, auch wenn er ja nicht mehr viel davon mitbekommen würde,  hier einen stilvollen Trauermarsch zu seinen Ehren im Angebot. Als Rausschmeißer haben dann die Dänen mit „City Of Love“ noch einmal einen stark instrumentierten Blues Rocker im Portfolio, der aufgrund der E-Gitarre, zum krönenden Abschluss, Esprit von ZZ Tops berühmten „La Grange“ versprüht.

Thorbjørn Risager & The Black Tornado sind mit „Change My Game“ auf einem Zwischen-Zenit ihrer Karriere angelangt. Der Begriff ‚Danish Dynamite‘ erhält in diesem Fall eine musikalische Dimension. Ihr unermüdliches Auftreten, ob in Clubs, Hallen oder auf Festivals hat sich auch auf ihre Studio-Arbeit weiter positiv ausgewirkt.  Hier passt und reift eigentlich alles zusammen, um zu einem der ganz großen (Blues) Rock-Acts unser Zeit zu avancieren. Ich hab momentan echt keine Idee, was man da noch groß verbessern könnte! Einfach erstklassig!

Ruf Records (2017)
Stil: Blues Rock & More

01. I Used To Love You
02. Dreamland
03. Change My Game
04. Holler ‚N‘ Moan
05. Hard Time
06. Long Gone
07. Hold My Lover Tight
08. Maybe It’s Alright
09. Train
10. Lay My Burden Down
11. City Of Love

Thorbjørn Risager & The Black Tornado
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Ruf Records

Thorbjørn Risager & The Black Tornado – 22.10.2016, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Vor gut einem Jahr hatte ich ja bereits schon mal das Vergnügen, Thorbjørn Risager & The Black Tornado in Dortmund live erleben zu dürfen. Damals hatte ich den Bericht (plus Bilder) im Alleingang erstellt, was natürlich immer damit verbunden ist, dass man den Gig nicht so verfolgen kann, wie man es gerne möchte.

Diesmal hatte sich der Däne mit der unglaublichen Stimme und seiner sympathischen Combo,  im Rheinberger Blues-Tempel, dem Schwarzen Adler, angesagt, also quasi ein Heimspiel. Dazu konnte ich diesmal vom günstigen Umstand der Arbeitsteilung profitieren, Kollege Gernot zeichnete sich fürs Knipsen verantwortlich. Ich konnte der Musik also diesmal genüsslich Aufmerksamkeit schenken.

Thorbjørn, wie immer adrett im grauen Anzug und mit Krawatte gekleidet, trat im restlos ausverkauften Adler, bis auf eine Ausnahme, in gleicher Besetzung wie in Dortmund an. Hans Nybo ersetzte diesmal Kasper Wagner am Saxophon, und konnte mit seiner gute Laune verbreitenden Art und charismatischen Erscheinung, nebst einiger furioser Soli, auf der, mit sieben Leuten recht umfangreich besetzten Bühne, tolle Akzente setzen.

Überrascht hat mich vor allem der gute Sound, der in einer langgezogenen, engen Location, ja oft ein Problem ist. Ich hatte vor kurzem in der hiesigen Zeitung gelesen, dass neue Boxen angeschafft worden sind. Und in der Tat, es ist den Verantwortlichen glänzend gelungen, den voluminösen Sound des Septetts transparent auszubreiten. Absolutes Kompliment dafür!

Gespielt wurde in zwei, sich an Klasse nichts schenkenden Sets. Los ging es um 20:15 Uhr mit dem satten Stampfer „Too Many Roads“, der zu unserer Freude, dank Skernings surrender Slide, swampiges Southern-Esprit verströmte. Der Gitarrist trägt übrigens den Cowboyhut nicht zu Unrecht auf dem Kopf, viele seiner folgenden Soli, wären auch in der von uns präferierten Musik gut aufgehoben.

Über unterhaltsame Stücke wie „Burning Up“ und „Paradise“ ging es zu „Long Gone“, einem zwar bereits bekannten Song, der aber auch den Weg auf das im Januar anstehende neue Album „Change My Game“ (der Titelsong folgte dann im zweiten Abschnitt) finden wird. Überhaupt fand ich es ziemlich geschickt, dass die Truppe, hier in dieser Hinsicht schon mal  einen großzügigen Vorgeschmack gab (dazu kam in Teil 1 z. B. auch noch das ZZ Top-umwehte „Hold My Lover Tight“). So betreibt man viel positive Werbung in eigener Sache, was potentielle Platten-Verkäufe angeht.

Das anmutige „China Gate“ und das launige „Rock’N’Roll Ride“, bei dem das bestens aufgelegte Rheinberger Publikum gesangstechnisch eingebunden wurde, beendeten einen hervorragenden ersten Set.

Der stoneske „Hi Rolling“-Feger ist natürlich der perfekte Einsteiger nach einer Pause, um die Audienz wieder in die Spur, bzw. auf die zuvor erreichte Betriebstemperatur zurückzuholen. Das bereits erwähnte Titelstück vom neuen Werk „Change My Game“ (dezentes Reggae-Flair), sowie die nächste Neu-Kreation, das atmosphärisch-soulige „I Used To Love You“, das fett groovende „Precious Time“, das unterschwellig countryeske „Long Forgotten Track“ und der absolute Höhepunkt für mich, das Southern-rockige „All I Want“ (grandiose E-Gitarren-Passagen, Thorbjørn und Peter mit Genre-typischem Twin-Intermezzo) bildeten die nächsten unterhaltsamen und mitreißenden Stationen.

Delta Blues hieß es bei „On My Way“, bei dem Peter Skjerning seinen viel-benutzten Metall-Bottleneck über eine skurril aussehende, mit einer Konservendose als Klangkörper umfunktionierten Gitarre, surren ließ. Die ansonsten immer wieder herrlich plusternde Bläserfraktion, hatte hier mal Pause und vertrieb sich die Zeit mit Pantomime-artigen Rhythmus-Handbewegungen.

Eine starke Version von „Baby, Please Don’t Go“ und das stimmungsvolle, in bester Status Quo-Manier rockende „If You Wanna Leave“ (atemberaubendes Sax-Solo von Nybo) bildeten den krönenden Abschluss eines begeisternden Hauptteils. Stürmische Zugaberufe hallten zurecht durch den Adler. Die Dänen ließen sich nicht lumpen und gaben mit dem wuchtigen „Opener“ und dem relaxten Schwofer „Drowning“ zwei letzte exzellente Kostproben ihres schweiß-treibenden Live-Repertoires. Um 22:35 Uhr war dann endgültig Schicht.

Thorbjørn Risager & The Black Tornado fegten bei ihrem Zweitauftritt in Rheinberg wie ein musikalischer Wirbelsturm durch den Adler, besser und intensiver kann man eine Live-Performance kaum gestalten. Uns gefiel natürlich besonders das breitgefächerte Spektrum, das die Band, ähnlich wie JJ Grey & Mofro, mit ihrem Blues Rock verbindet (explizit natürlich die Southern Rock & Soul- sowie Country-Einflüsse).

Ein weiteres unterhaltsames Trademark der Truppe sind die deutschen Ansagen vor manchen Liedern durch die einzelnen Mitglieder (klasse z. B. Thorbjørns grammatikalische Meisterleistung in Sachen ‚der, die, das‘ – „… treffen uns an das Ende von die Show, an der Stand…“), mit der er locker, dem Sprachlevel heutiger deutscher Mittelklasse-Schüler (und vermutlich darüber hinaus), Paroli bieten konnte. Das trägt zu heiterer Stimmung bei und hat zudem noch integrativen Charakter, der ja heute, zwar hauptsächlich aufgrund anderer Begebenheiten, omnipräsent eingefordert wird.

Fazit: Der Abend mit Thorbjørn Risager & The Black Tornado im Vierbaumer Schwarzen Adler bot nahezu perfekte Unterhaltung auf großartigem Niveau. Einziger Wermutstropfen war vielleicht nur, dass kaum junge Menschen diesem Event beiwohnten und im Großen und Ganzen fast nur Besucher der reiferen Generation (inklusive uns…) präsent waren. Aus Sounds Of South-Sicht war der Risager-Gig neben Devon Allman eines der ganz großen Konzert-Highlights des Jahres 2016! Danke an die Band, Ruf Records und das Adler-Team für den sehr schönen Abend.

Line-up:
Thorbjørn Risager (lead vocals, guitar)
Peter Skjerning (guitars, vocals)
Emil Balsgaard (Keys)
Søren Bøjgaard (bass)
Martin Seidelin (drums, percussion, vocals)
Hans Nybo (saxophone, vocals)
Peter W Kehl (trumpet, percussion, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Thorbjørn Risager & The Black Tornado
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Ruf Records
Schwarzer Adler