Julian Sas – 06.03.2020, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Ausverkauftes Haus im Schwarzen Adler, wobei das Konzert, was die meisten Besucher nicht wussten, auf der Kippe stand. Grund dafür war nicht die Hysterie um den Corona-Virus, sondern dass Julian sich beim Beladen des Tourbusses verhoben hatte. Spätestens als Ernst Barten, vor den Zugaben die Bühne betrat und Julian noch einmal einen besonderen Dank aussprach, trotz des lädierten Rückens aufzutreten, kam die Sache ans Abendlicht.

Diese Energieleistung des Niederländers eine über zweistündige Show durchzustehen hatte mehrere Gründe: Gute Medizin, Meditation und ein begeistert mitgehendes Publikum vom ersten Song an, welches Sas sprichwörtlich unter Strom setzte, sodass der Schmerz wohl übertüncht wurde.

Pünktlich um 8:00 Uhr begann Sas mit seiner Band gewohnt dynamisch, voller Power das Konzert und reihte einen Kracher an den anderen. Zwischen Songs aus allen Phasen seines Schaffens streute er auch einige Coversongs vom Feinsten, unter Anderem eine wie gewohnt starke Version von „Hey Joe“ mit kurzen Intro von „Angel“, sowie „Little Wing“ als letzte Zugabe und auch den guten alten „Bullfrog Blues“.

Beeindruckend aber auch die Energie der eigenen Lieder wie „Driftin` Boogie“, „Comin Home“ oder „Boogie All Around“ bei denen er bewies, dass er ein Meister des Powerblues und Boogie ist. Wie er seine Gitarren auch slidend bearbeitete und Soli regelrecht in den Adler schoss, war schon klasse. Dabei wurde er natürlich von seiner Band unterstützt, wo er in der Vorstellung deutlich machte, dass die drei Musiker für ihn mehr als nur Musiker sind, sondern auch Freunde.

Diese Harmonie war auch jederzeit spürbar, wobei Sas und Keyboarder Roland Bakker sich zuweilen zu Höchstleistungen bei Soli anstachelten und Bakker den Songs zudem eine harmonische Untermalung gab. Fotis Anagnostou wirbelte zuweilen wild posend am Bass und legte mit Lars-Erik van Elzakker an den Drums die Grundlage für den Powersound. Bemerkenswert war dabei insbesondere der Part von van Elzakker, der erst vor ziemlich genau einem Jahr zur Band hinzustieß und spätestens jetzt auch musikalisch seinen Platz in der Band gefunden hat.

Dass die Band aber auch ruhig kann, offerierte „Anything“, wo Sas die Unfähigkeit der heutigen Politik an den Pranger stellte. Seine eigene Einstellung untermauerte er ohne große Worte mit Friedenstaubenaufklebern an zwei seiner Gitarren.

Gegen 22:40 Uhr war der Zauber dann vorbei und die Besucher verließen, nach der Stimmung zu urteilen, hochzufrieden den Schwarzen Adler. Aber auch Julian und seine Band hatten den Abend sichtlich genossen, was sich zum Einen an mehreren Gesten des Dankes, aber auch an immerhin vier Zugaben (trotz des lädierten Rückens) bemerkbar machte. Dieser Abend offenbarte einmal mehr, wie wichtig es war, den Schwarzen Adler zu erhalten.

Ein Dank wieder einmal an Ernst Barten, der weiter das Booking unterstützt, für die problemlose Akkreditierung, dem es immer wieder gelingt, tolle Acts nach Rheinberg-Vierbaum zu holen. Schön wäre es, wenn auch kommende Interprten, wie Dede Priest, Matt Schofield oder Josh Smith ähnlich stark besucht werden. Es wird sich auf jedem Fall lohnen, auch diese Konzerte zu besuchen.

Line-up:
Julian Sas (lead vocals, electric & slide guitar)
Roland Bakker (piano, organ)
Fotis Anagnostou (bass)
Lars-Erik van Elzakker (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Julian Sas
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Schwarzer Adler

Marcus King Band – 05.03.2020, Kantine, Köln – Konzertbericht

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Grandioser Abend in der Kölner Kantine mit der Marcus King Band! Um die 800 Zuschauer ließen sich von der grassierenden Corona-Virus-Hysterie nicht abschrecken und wurden mit Jam-, Southern Rock-, Soul-, Blues-, R&B- und Country-Live-Musik aller erster Güte belohnt.

Als Support hatte zunächst der eigenwillige Singer/Songwriter Sammy Brue (zählt gerade mal 19 Lenze), vom Rolling Stone vor geraumer Zeit als ‚American Prodigy‘ bezeichnet, mit Stücken wie u. a. „Gravity“, „Die Before You Live“, „Crash Test Kid“ und dem punkigen „Teenage Mayhem“, seine Visitenkarte abgegeben. Er heimste mit seiner schwer einzuordnenden Spielart und seinem knapp 30-minütigen, mutigen, wie auch engagierten Auftritt, viel Applaus des Publikums ein.

Um 21:00 Uhr gab der einst von Warren Haynes entdeckte, auch gerade erstmal 23 Jahre alte Marcus King mit seinem Kollektiv, nach einem souligen Einspieler, mit Tracks wie „Turn It Up“, „Where I’m Headed“,“Opie/Dear Prudence“ und „How Long“, einen Einblick, wie Jam Rock mit unverbrauchtem jugendlichen Elan, modern und facettenreich interpretiert werden kann.

Nach soviel vehementer Spielfreude schon zu Beginn, war man fast schon erleichtert, als der junge Bursche aus South Carolina mit dem herrlichen „Sweet Mariona“ vom aktuellen Silberling „El Dorado„, die Country-Karte zückte und auch mit dem folgenden Schwofer „Wildflowers & Wine“ (mit Clapton-mäßigem E-Solo) und dem souligen „One Day She Is Here“, ebenfalls beide aus diesem Werk, ein wenig Zeit zum Durchatmen gewährte.

Atemberaubend danach dann wieder der Willie Dixon-Song „I Just Want To Make Love To You“ mit integriertem „Hochie Coochie Man“. „Love Song“, die dezent allmanesken „“What’s Right“ und „Self Hatred“ (beide mit kräftiger Bläserunterstützung und quirligen E-Soli), offerierten dann wieder die Jam-Qualitäten des begabten Sextetts.

Das von Melancholie geprägte „Break“ bot nochmals Gelegenheit zur Besinnung, was dann, durch „Always“ eingeleitet, folgte, war, eine einzige dampfende Jam Rock-Schlacht. Bei diesem Song hatten sowohl Keyboarder Dane Farnsworth mit einem Schlauch-Solo (Peter Frampton ließ grüßen), als auch Jack Ryan an den Drums (heftiges Schlaggewitter) ihre Chance, sich ins Rampenlicht zu bringen, was sie auch mit Bravour taten.

„Homesick“ danach stand im Zeichen der Bläserfraktion (plus King E-Solo). Das den Hauptteil abschließende, wieder grandios groovend und shuffelnd performte „Plant Your Corn“ wurde schließlich zur Vorstellung der Band genutzt, wobei alle Musiker sich wieder mit kleinen Kurz-Soli bemerkbar machten. Ein echtes ‚Finale furioso‘.

Marcus wirkt für sein junges Alter und allem, was vermutlich zur Zeit auf ihn einschlägt, schon extrem abgeklärt, ohne dass dabei aber eine gewisse Natürlichkeit und Galligkeit auf der Strecke bleibt.

Er wusste, dass er nach der abgesagten Tour im letzten Jahr hier ‚liefern‘ musste und so fiel der Zugabenteil mit meinem Lieblingstrack des Abends, „Goodbye Carolina“ (vom bisherigen Paradealbum „Carolina Confessions“ – herrlich relaxter Southern Rocker), dem progressiven Neil Young-Klassiker „Down By The River“ (schöne Geste: Sammy Brue wurde mit auf die Bühne geholt und sang die zweite Strophe) und dem zügellos rockenden und stampfenden „The Well“ (von „El Dorado“), sehr üppig aus, sodass zu guter Letzt nach tosendem Applaus, Zweieinviertelstunde Spielzeit zu Buche standen.

Am Ende war die komplette Besucherschaft der Kantine infiziert und zwar von der ansteckenden Performance und restlos begeisternden Musik von Marcus King und seinen großartigen Mitspielern!

Danke an Marcus Neu, nicht nur dafür, dass er für die Akkreditierung sorgte, sondern nach dem Gig auch noch das obligatorische VIP-Bild mit Marcus King ermöglichte.

Line-up:
Marcus King (lead vocals, guitars)
Dane Farnsworth (keyboards, vocals)
Stephen Campbell (bass)
Jack Ryan (drums)
Justin Johnson (trumpet, percussion)
Christopher Spies (saxophone, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Sammy Brue
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Kantine Köln

Brandy Clark – Your Life Is A Record – CD-Review

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Drittes Album der, von der Kritikerschaft bisher zurecht hochgelobten, vielfach Grammy-nominierten Country-Chanteuse Brandy Clark. Vielen wird ihr Name eher im Zusammenhang des Songwritings für andere Interpreten wie u. a. Sheryl Crow, Miranda Lambert, The Band Perry, Reba McEntire, LeAnn Rimes, Billy Currington, Darius Rucker, und Kacey Musgraves, über den Weg gelaufen sein.

Wir hatten schon ihr 2016 veröffentlichtes „Big Day in a Small Town“ in unserem Magazin reviewt. Und wieder gelingt es der 1977 geborenen, aus Morton, Washington stammenden, 1998 nach Nashville gezogenen Künstlerin mit brillanter Einfachheit, ihre Botschaften in Form gelungener Countrysongs zu vermitteln.

„Your Life Is A Record“ heißt das mit elf neuen Tracks bestückte, erneut von Jay Joyce (Little Big Town) in der Tradition von Vorbildern wie Patsy Cline, Loretta Lynn, Reba McEntire & Co. produzierte Werk.

Unbestrittener Star des Silberlings ist die wunderschön klare und auch im wahrsten Sinne fürs Countrygenre prädestinierte Stimme der Protagonistin, deren Ausstrahlung sich angesichts einer äußerst geschmackvoll zurückhaltend inszenierten Instrumentierung (Akustikgitarren und percussionartiger Rhythmus dominieren, sporadische Zutaten sind mal Dobro, Mandoline, E-Gitarre oder Piano) mit ergänzenden Musikern wie Joyce, Giles Reaves und Jedd Hughes, bestens zur Geltung kommt.

Streiten kann man sich darüber, ob die zwar sehr dezent eingeflochtenen, aber immer sehr orchestral anmutenden Elemente (Streicher, Bläser, Flöte), die dem ganzen einen ungeheuren Retro-Touch verabreichen, nötig gewesen wären oder nicht.

Mir persönlich hätte das Gesamtwerk, wie beim einzigen Song „Pawnshop“ (ohne diese Stilmittel) aufgezeigt, noch mehr zugesagt. Gastauftritte gibt es von Randy Newman beim kauzigen Duett „Bigger Boat“ (herrlich knochiger Gesang von ihm, dazu sein markantes Pianospiel) und von Gitarrist John Osborne bei „Bad Car”.

So macht man es sich am Ende am besten gemütlich und lässt die wunderbar entspannten, mit einer faszinierenden Stimme vorgetragenen elf Musikgeschichten an sich vorüber fließen. „Your Life Is A Record“ heißt Brandy Clarks neuer Longplayer. Wäre das Leben bei jedem Menschen so schön wie diese Platte, gäbe es auf dieser Welt wohl nicht soviel Leid und Elend…

Warner Music (2020)
Stil: New Country

Tracks:
01. I’ll Be The Sad Song
02. Long Walk
03. Love Is A Fire
04. Pawn Shop
05. Who You Thought I Was
06. Apologies
07. Bigger Boat
08. Bad Car
09. Who Broke Whose Heart
10. Can We Be Strangers
11. The Past Is The Past

Brandy Clark
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Oktober Promotion

Sadler Vaden – Anybody Out There? – CD-Review

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Review: Michael Segets

Demjenigen, der die Line-Up von Bands aus der SoS-Hemisphäre aufmerksam liest, dürfte der Name Sadler Vaden schon einige Male über den Weg gelaufen sein. Vor allem als Mitglied von The 400 Unit, der Truppe von Jason Isbell, heimste Vaden viel Lob und zwei Grammys ein. 2019 unterstützte er Josh Ritter und Trigger Hippy mit seinem Gitarrenspiel. Seit knapp zehn Jahren bringt Sadler immer wieder mal eigene Songs heraus und veröffentlicht jetzt mit „Anybody Out There?“ sein zweites Album.

Auf diesem bestätigt sich, dass in Sadler im Grunde ein Rock-Herz schlägt. Bereits der Opener „Next To you“ legt entsprechend mit kräftigen Akkorden und stampfendem Schlagzeug los. Ganz im Stil von Tom Petty zelebriert Sadler dort den Heartland Rock. Ebenso könnten manche Gitarrenpassagen auf „Tried And True” von Heartbreaker Mike Campbell stammen.

Ein weiteres gitarrengetriebenes Stück ist „Peace + Harmony“, das Aaron Lee Tasjan mitgeschrieben hat. Einen etwas härteren Gang legt Vaden bei dem titelgebenden „Anybody Out There?“ ein. Nach einem Schlagzeug-Intro offenbart Sadler Shouter-Qualitäten und bearbeitet ausgiebig die Saiten seiner elektrischen Gitarre. Dabei bleibt der Song aber stets melodiös. Die Verbindung von ausdrucksstarken Gitarrenriffs und eingängigen Harmonien bekommt Vaden bei „Good Man“ besonders gut hin.

Neben der rockigen Seite zeigt Vaden auch seine sanfte. Das Midtempo-Stück „Modern Times“ wird von einem Chor und Mellotron begleitet, das langsame „Curtain Call“ von Streichern unterstützt. Die stärkste Ballade auf der Scheibe ist „Be Here, Right Now“ mit energiegeladenen Spannungsbögen und hervorragender Gitarrenarbeit, die in einem längeren Solo gipfelt.

„Don’t Worry“ lädt zum Träumen ein und versprüht Westcoast-Feeling. Dieses schwingt ebenfalls bei dem lockeren „Golden Child“ mit. Der Gute-Laune-Song arbeitet mit einem akzentuierten Rhythmus, der in die Beine geht und diese automatisch wippen lässt.

Sadler Vaden legt mit „Anybody Out There?“ eine ausgewogene CD vor, die von straightem Rock über eingängige Midtempo-Nummern bis hin zu gefühlvollen Balladen die Palette abdeckt, die ein abwechslungsreicher Longplayer bieten sollte. Seine gitarrenorientierten, handgemachten Songs fügen sich zu einer runden Sache zusammen. Vielleicht fehlt ein herausragendes Highlight, aber in Gänze betrachtet bleibt „Anybody Out There?“ ein starkes Album.

Von Sadler Vaden höre ich gerne mehr. So trifft es sich, dass Jason Isbell And The 400 Unit für Mai ein neues Album ankündigt, bei dem er wieder mit von der Partie ist.

Dirty Mag Records/Thirty Tigers (2020)
Stil: Rock/

Tracks:
01. Next To You
02. Don’t Worry
03. Golden Child
04. Anybody Out There?
05. Curtain Call
06. Modern Times
07. Peace + Harmony
08. Good Man
09. Be Here, Right Now
10. Tried And True

Sadler Vaden
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

High South – Peace, Love & Harmony – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Wer sich das Coverfoto der neuen CD vom Nashville-Trio High South anschaut, dem dürfte in den regnerischen und kalten Wintermonaten in Deutschland erstmal mollig warm werden. Auch der Titel “Peace, Love & Harmony” kündigt schon mal einen wohligen Sound an.

“High South” bestehend aus Kevin Campos (vocals, acoustic guitar), Jamey Garner (vocals, acoustic guitar, harmonica) und Phoenix Mendoza (vocals, acoustic and E-guitar), haben sich in der Musikhauptstadt des Country niedergelassen und ihr drittes Album auf den Weg gebracht. Nach dem Debüt “Now” (2013) und dem Nachfolger “High South” (2015) sind ganze 15 Songs auf der neuen Scheibe vereint. Prominente Unterstützung erhielten sie von den Produzenten Josh Leo und Stan Lynch. Beide haben im Country- und Southern-Rock langjährige Erfahrungen; Lynch war z. B. von 1976-1994 der Schlagzeuger bei Tom Pettys Heartbreakern.

Dass die Band aus Nashville mit ihrem dritten Album den legendären Westcoast-Sound voll und ganz beherrscht, zeigt bereits der Titelsong “Peace, Love & Harmony”, der als erstes Stück einen Wohlfühl-Mix aus Country, Folk, stilsicherer E-Gitarre und Mundharmonika verbreitet. Die folgende Vorabsingle “Make It Better”, im unverkennbar deutlichen Soundgefüge der Woodstock-Ikonen von Crosby, Stills, Nash and Young, bietet einen Top-Song, dessen auch teils politische Textpassagen den damals zeitkritischen Lyrics in nichts nachstehen.

Mit “All We Need” floatet das nächste Stück wie bei einem Best-Of-Klassiker von “America”, der besonders leichtfüßigen Art – auch hier: feine Ohrwurm-Sounds in den Stilen alter Meister. In einprägsamen und bekannten Tonfolgen erinnert “Roll That Stone Away” ebenso an die Erfolge der Doobie Brothers, wie “Bad Girl”, das eine typische Tom Petty Nummer sein könnte und den Reigen der 70-er Jahre Revival- Songs weiterspannt.

Die Anspielungen auf die gute alte Zeit der US-amerikanischen Musik-Dominanz einer bisweilen verklärten Hippie-Kultur durchziehen das neue Album wie ein roter Faden und verleiten den Hörer immer wieder zu musikalischen Erinnerungsbildern. Ob “Moonlight On Sunset” als Eagles-beflügelte Ballade oder “Leaving California” als schwebender “America” Folk-Country-Song, alle Titel pflegen den dreistimmigen Harmony-Chorgesang und die wohlklingenden Sound-Effekte längst vergangener Festival-Jahre.

Die Fortsetzung alter Erfolgsgeschichten in artverwandten Synonymen, z. B. bei “Where We Are” und “Ghost Town” scheint eine erforderliche Zeitenwende anzumahnen, die inzwischen wieder nicht nur von vielen jüngeren Menschen gefordert wird. Seit 2015 sind High South auch regelmäßig auf den Bühnen in Europa unterwegs. Im März sind sie erneut auf großer Konzerttour in Deutschland. Das CD-Booklet ist sehr schön ausgestaltet mit allen Songtexten und Fotos.

Der neue “High South-Longplayer” erscheint zur rechten Zeit, um den baldigen Frühlingsanfang mit verblüffenden Westcoast-Sounds musikalisch zu unterstützen und die alte gesellschaftliche Forderung von “Peace, Love and Harmony” mit jungen Stimmen wiederbelebend auf den Weg zu bringen – ein erfolgversprechendes Projekt.

Eigenproduktion/High South Records (2020)
Stil: Country Rock

Tracklist:
01. Peace, Love And Harmony
02. Make It Better
03. All We Need
04. Roll That Stone Away
05. Love Ain’t Gonna Let You Down
06. Bad Girl
07. Get On Up
08. Let’s Get High
09. Everybody’s Getting High On Something
10. Moonlight On Sunset
11. Joshua Tree
12. Leaving California
13. Where We Are
14. Ghost Town
15. Change In The Wind

High South
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Oktober Promotion

Various Artists – Whiskey Preachin‘ – Volume 1 – CD-Review

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Review: Michael Segets

Es gehört wohl eine ordentliche Portion Idealismus dazu, in Europa ein Plattenlabel zu gründen, dass sich auf Independent-Country und Southern Rock-Musik aus den USA spezialisiert. Mit Tony Sexton und Reinhard Holstein fanden sich zwei Enthusiasten, die mit Whiskey Preachin‘ Records diese Idee in die Tat umgesetzt haben. In das Projekt des Südengländers Tony Sexton klinkte sich Reinhard Holstein mit seinen Erfahrungen als Urheber von Glitterhouse Records und Stag-O-Lee Records ein.

Mit dem Sampler „Whiskey Preachin‘ – Volume 1“ stellen die beiden zwölf Bands vor und geben so einen Vorgeschmack auf das zukünftige Programm. Der Untertitel der Kompilation lautet „21st Century Honky Tonk For The Outlaw Dancefloor“, der die Auswahl der Tracks treffend umreißt. Auch wenn der Begriff Honky Tonk hier weit ausgelegt wird, gehen die Titel ins (Tanz-)Blut. Konsequenter Weise gibt es keine Balladen auf der Zusammenstellung.

Stattdessen finden sich mit „(If I Knew What I Had To Give Up) I Never Would Have Fallen In Love” von Cray And The Boys ein knackiger Rock’n Roll sowie zwei runde Boogies, die von Weldon Henson („Sleep All Day”) beziehungsweise Ted Russel Kamp („Get Off The Grid”) stammen. Alle drei Songs haben einen schön rootsigen Sound, wobei „Kool & Lonesome“ von Mayeux & Broussard in die gleiche Kerbe schlägt, aber für mich aufgrund der ausdrucksstarken Lead Vocals die Nase vorne hat.

Auf „Whiskey Preachin‘ – Volume 1“ sind drei gleichmäßig verteilte Tracks mit weiblichem Frontgesang vertreten. Das flotte und freche „Rat City Bound” von Darci Carlson ist klasse, nicht nur aufgrund der tollen Mundharmonica. Kristina Murray steht mit ihrem „Lovers & Liars“ dabei in nichts nach. Der an Penelope Houston erinnernde Song hat einen Underground-Charme und entwickelt damit ebenfalls Drive. Kathryn Legendre, die dritte Dame im Bunde, steuert eine Country-Nummer („Going Crazy”) mit gehörigem Twang bei. Twang versprüht ebenso „Arcadian Thruway“ der Eleven Hundred Springs. Durch Geige und Steel Guitar löst das Stück den versprochenen Honky Tonk ein.

Die Songs auf dem Sampler bewegen sich überwiegend zwischen erdigem Rock und rockigem Country. In Richtung Country schlägt die Nadel bei dem mit einprägsamen Refrain versehenen „C. C. Waterback“ von The Reeves Brothers aus. Die Beiträge „Jesus, Jail or Texas” (James Scott Bullard) und das überaus gelungene Dire Straits-Cover „Setting Me Up” (The Rhyolite Sound) können in die Outlaw-Linie von Johnny Cash oder Waylon Jennings eingeordnet werden.

Den Anfang der auf Whiskey Preachin’ Records veröffentlichten Bandalben macht „Mojave Gold“ von The Rhyolite Sound, die sich mit ihrem Song – der mit treibenden Rhythmus und rockigen Gitarreneinlagen glänzt – wärmstens empfehlen. In den Startlöchern befindet sich auch der selbstbetitelte Longplayer von Ole Wiskey Revival. Die Band ist mit „Ramblin’“ auf der Kompilation vertreten und überzeugt dort durch die starke Gitarrenarbeit.

Während „Whiskey Preachin‘ – Volume 1“ ausschließlich auf Vinyl erscheint, sind die nächsten Alben auch als CD angekündigt. Vor allem diejenigen, die auf Vinyl schwören, sollten die Augen offen halten, da ein begrenzter Teil der Auflage in farbigem Material produziert wird. Ich habe mich jedenfalls bereits für den Newsletter auf der Homepage angemeldet, damit keine Neuerscheinung des Labels an mir vorbeiläuft.

Tony Sexton und Reinhard Holstein sind angetreten, um die verborgenen Juwelen des Outlaw Underground ans Tageslicht zu fördern. Wie „Whiskey Preachin‘ – Volume 1“ zeigt, stellt das ein äußerst lohnendes Unterfangen für die Freunde des Southern Sounds dar. Der erste Sampler des Labels ist dabei mehr als nur ein Appetizer, sondern für sich genommen eine ziemlich unterhaltsame Scheibe mit unverbraucht klingenden Neuentdeckungen.

Whiskey Preachin’ (2020)
Stil: Country, Country Rock, Southern Rock/

Tracks:
01. Mayeux & Broussard – Kool & Handsome
02. James Scott Bullard – Jesus, Jail or Texas
03. Kathryn Legendre – Going Crazy
04. Eleven Hundred Springs – Arcadian Thruway
05. The Rhyolite Sound – Setting Me Up
06. Darci Carlson – Rat City Bound
07. Ole Whiskey Revival – Ramblin’
08. The Reeves Brothers – C. C. Waterback
09. Kristina Murray – Lovers & Liars
10. Ted Russel Kamp – Get Off The Grid
11. Weldon Henson – Sleep All Day
12. Cray And The Boys – (If I Knew What I Had To Give Up) I Never Would Have Fallen In Love

Whiskey Preachin’

John Blues Boyd – What My Eyes Have Seen – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Das Leben von John Blues Boyd, 1945 in Greenwood, Mississippi, geboren, ist nicht immer einfach gewesen. Bereits als 7-jähriger Junge lernte er als Baumwollpflücker das harte Leben der Afroamerikaner auf den Baumwollplantagen der Südstaaten kennen. Er ist mit dem Blues aufgewachsen und durch ihn nachhaltig geprägt worden.

Auf „What My Eyes Have Seen“ lässt John Blues Boyd sein Leben Revue passieren. Jeder einzelne Song steht für ein bestimmtes Ereignis oder Erinnerung in seiner bewegten Lebensgeschichte. Immer wieder eingestreute, kurze musikalische Splitter, mit „My Memory“ betitelt, fassen die einzelnen Episoden zu einem runden Gesamtwerk zusammen. Allein diese ruhigen, sparsam instrumentierten und mit ruhiger, klarer Stimme vorgetragenen abgrundtiefen Slowblueseinlagen mit einem immer gleichen wiederkehrenden musikalischen Grundmotiv, sind schon absolut hörenswert.

In „In My Blood“, einem schönen tanzbaren Midtempo Chicago-Blues, beschreibt John Boyd Blues, wie er bereits in seiner Kindheit vom Blues geprägt wurde und der tiefschwarze Slowblues „What My Eyes Have Seen“ klagt all die Ungerechtigkeiten, denen die Afroamerikaner zu seiner Zeit als Jugendlicher ausgesetzt waren, an. Auch das traditionell arrangierte „I Heard The Blues Somewhere“, mit Bläsersätzen und Harpeinlagen unterstützt, greift diese Themen auf.

Als Jugendlicher engagierte sich JBB in der schwarzen Bürgerrechtsbewegung und unterstützte offen Martin Luther King, was ihm dann allerdings Ärger mit dem Klan einbrachte. Den Friedensmarsch von 1963 und seine Flucht vor dem Klan verarbeitet er in dem recht rhythmischen und mit einem Tenorsaxophon untermalten „On The Run“.

Den späteren Mord an Martin Luther King hingegen klagt er in in dem Slowblues „Why Did You Take That Shot“ an. Von den besseren Zeiten in seinem Leben handeln „Her Name Was Donna Mae“, ein glücklich klingender Chicagoblues mit Bläsern und Piano, gewidmet seiner Ehefrau Donna Mae und „Oh California!“ sowie „The Singing Roofer“. Zwei lebensfrohe Stücke, von denen „The Singing Roofer“ sich von allen Stücken des Albums abhebt, ist es doch eine wahrlich flotte Boogie-Woogie Nummer.

Nach 49 Jahren verstirbt JBBs Frau Donna Mae. Seine unendliche Traurigkeit über den schweren Verlust bringt er in dem gleichnamigen Stück „ 49 Years“ zum Ausdruck und jetzt mit 75 Jahren wünscht sich John Boyd Blues zurückblickend nur noch doch ein paar Spuren zu hinterlassen und singt „I Got To Leave My Mark“.

„What My Eyes Have Seen“ ist definitiv ein sehr persönliches und emotionales Album. Mit ruhiger Stimme, voller Emotionen, singt John Blues Boyd über Traurigkeit und Wut, aber auch die freudigen Augenblicke in seinem Leben.

Kid Anderson, der als Lead-Gitarrist von Charlie Musslewhite bekannt wurde, ist auch auf dieser Scheibe zu hören. Sein klares Gitarrenspiel fügt sich aufs Beste in die sorgsam arrangierte CD ein. Anzumerken ist noch, dass das Werk in den Studios von Mike Zitos und Guy Hales Gulf Coast Records aufgenommen wurde.

Das Jahr ist zwar noch jung, aber bereits jetzt ist es für mich ein heißer Anwärter auf das Bluesalbum des Jahres. Es ist musikalisch perfekt, authentisch und steckt voller Empathie weckender Emotionen. Ein „Must Have“ für jeden Blues-Begeisterten!

Gulf Coast Records (2020)
Stil: Blues

Tracks:
01. In My Blood
02. My Memory Part 1
03. What My Eyes Have Seen
04. I Heard The Blues Somewhere
05. On The Run Flott
06. My Memory Part 2
07. Her Name was Dona Mae
08. My Memory Part 3
09. Why Did You Take That Shot
10. My Memory Part 4
11. Oh California!
12. That Singing Roofer
13. 49 Years
14. I Got To Leave My Mark
15. My Memory Takes Me There

John Blues Boyd
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WellBad – 26.02.2020, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Donnerstag Abend, strömender Regen, Deutschland im Würgegriff von Corona und dennoch finden etwa 150 Fans den Weg ins Piano zum ersten WellBad-Konzert in dieser Location.

Unter sphärischer Musik vom Band betreten die Musiker die Bühne und Daniel Webat begrüßt auf eindrucksvolle Weise dramatisch und psychedelisch die Besucher, und erzählt, was sie an dem Abend erwarten werde. Beeindruckend wie er durch seine schauspielerische Leistung, dabei alle in seinen Bann zog.

Im weiteren Verlauf stellte er zwischen aber auch während der Songs wild gestikulierend, zuweilen mit diabolisch rollenden Augen, immer wieder den Kontakt her. Famos dabei seine Stimmgewalt, mit der er vermutlich in vielen Musikgenren Fuß fassen könnte.

Mit dieser Fähigkeit ist auch das Besondere der Band aus Hamburg beschrieben, die so richtig in keine musikalische Schublade passt, was auch nach Aussage vom Drummer Jonas vom Orde, Fluch und Segen zugleich sein kann. Als was soll die Band angekündigt werden? Es finden sich in den Songs Elemente vom Blues, Rock, Jazz, Hipp Hop und einiges mehr wieder. WellBad versuchen mit ihrem eigenen Stil ihren Weg zu finden, ohne sich in irgendein Korsett pressen zu lassen.

Und da sind wir auch direkt beim Segen, der sich auch an diesem Abend zeigte. Das Konzert entwickelte von Beginn an eine enorme Dynamik und die Band überraschte mit verschiedensten Stilen auch innerhalb der einzelnen Songs, dass gar nicht die Chance war, in einem Einheitsbrei wegzudösen. Dies wäre auch spätestens bei einem der Urschreie Welbats unmöglich gewesen, mit dem er auch jeden Virus hätte vertreiben können.

Diese Durchmischung ist aber nur möglich durch die hohe Qualität der einzelnen Musiker. Arne Vogeler bearbeitete seine Gitarren in bester Hard Rock-Manier, aber auch in der Art großer Bluesgitarristen. Stefan Reich, das Tier am Bass, ständig in Bewegung, ließ seine Finger, auch in einem starken Solo, über den Bass gleiten, wobei er immer den passenden Ton traf.

Glänzend auch seine Einlagen am Kontrabass. Sein Partner in der Rhythmussektion, Jonas vom Orde bearbeitete seine Drums von ruhig gefühlvoll bis hin zu ekstatisch, als wenn er seine Drums in Kleinholz zerschlagen würde. Beeindruckend dabei sein mehrminütiges Solo zum Ende der Show. Joachim Refardt, der im Studio auch die Trompete spielt, konnte sich live ganz auf seine Tasteninstrumente konzentrieren, da die Band von einem Bläsertrio unterstützt wurde, welches den Songs nochmals eine größere Fülle gaben.

Insgesamt begeisterten WellBad im knapp zweistündigen Konzert die Besucher restlos, wobei für mich die blueslastigen Stücke wie „Mountain“, „Coalmine“ und das schon fast in einer Jamsession endende „Patience“ als letzte Zugabe die Höhepunkte waren.

Wer sich nicht nur stur auf eine Musikrichtung beschränkt und Spaß daran hat, wie eine Band verschiedenste Genres letztendlich in einem ganz eigenen Stil verknüpft, wird bei WellBad bestens aufgehoben sein. Man wird in Zukunft noch einiges von den Hanseaten erwarten können.

Ein Dank wieder einmal an das Team vom Piano für die problemlose Akkreditierung, welches auch jungen Bands die Chance gibt, sich angemessen zu präsentieren. Man sollte auf jedem Fall die Veranstaltungsvorschau vom Musiktheater Piano und von 3dog Entertainment studieren, da kommt in diesem Jahr noch einiges auf den Musikliebhaber zu!

Daniel Welbat – Vocals & Acoustic guitar
Joachim Refardt – Keys & Trumpet
Arne Vogeler – E-Guitar
Stefan Reich – Bass
Jonas vom Orde – Drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

WellBad
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Midland – Live From The Palomino – Digital-CD-Review

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Einer der erfolgreichsten Newcomer-Acts der letzten Jahre in Nashville ist zweifelsohne das auf einer Hchzeitsfeier gegründete Trio Midland, bestehend aus dem ehemaligen Schauspieler und Unterhosenmodell Mark Wystrach (Gesang, Gitarre), dem Video-Regisseur Cameron Duddy (Bass, Gesang) und Gitarrist/Sänger Jess Carson.

Nach ihren beiden überaus erfolgreichen Alben „On The Rocks“ und „Let It Roll“ legen die drei Burschen jetzt mit „Live From The Palomino“ einen auf rein digitaler Ebene veröffentlichten Live-Mitschnitt nach.

Eingespielt mit ihrer starken Touring-Band, aufgenommen und auch gefilmt, wurde ihr Auftritt im legendären Palomino Club im Norden Hollywoods, von der Los Angeles Times mal bezeichnet als ‚Country Music’s most important West Coast club‘.

Dazu haben sie sich die ‚Sahneschnitten‘ ihrer beiden CDs herausgepickt und in einem kurzweilig schmackhaften Menü angerichtet. Nach einem kleinen instrumentellen Vorgeplänkel begrüßen sie die Audienz mit den Worten „Welcome to the world famous Palomino Club“ und steigen mit dem fluffigen „Playboys“ in bester Bellamy Brothers-Manier („Let Your Love Flow“ lässt grüßen) in den Gig ein.

Dass die Jungs sich auch im Southern Rock wohl fühlen, beweisen das Titelstück ihres zweiten Silberings, „Let It Roll“ (mit starker Slide-Gitarre) oder der launige Rocker „21st Century Honky Tonk American Band“ (mit Twin-Gitarrenpart), sowie partiell auch das humorvoll shuffelnde „Mr. Lonely“.

„Wir sind (von den Großen der Country Music) inspiriert worden. Das wollen wir wie eigentlich wie jeder: Musik und Tradition. Es soll Musik sein, die zeitlos gut ist und nicht nur für den Augenblick“, äußerten sie mal in einem Interview.

Tracks wie „Burn Out“, „Cheatin‘ Songs“ und besonders die Schlussphase mit den Liedern „I Love You Goodbye“ (erinnert an „Tequilla Sunrise“), „Fast Hearts And Slow Towns“ und „Cheatin‘ By The Rules“ mit den tollen, Westcoast-behafteten Melodien und Harmoniegesängen, begeistern in der langlebigen Tradition vieler Eagles-Evergreens und werden von daher auch dieser Klientel bestens gefallen.

Und zum Abschluss gibt es dann mit dem augenzwinkernden „Drinkin‘ Problem“ (so nach dem Motto, ich habe kein Problem mit Alkohol, sondern ohne…!) ihren Smash-Hit vom Debütwerk und dementsprechend tosenden Applaus des entzückten Publikums.

Schade, dass Midland demnächst im Rahmen ihrer Mini-Deutschland-Tour im März nur in Hamburg (17.03. – Mojo Club) und in Berlin (18.03. – Columbia Theater) vorstellig werden und den ebenfalls immer mehr New Country-begeisterten Westen und Süden leider außen vor lassen.

Big Machine Records (2020)
Stil: New Country

01. Playboys
02. Let It Roll
03. Burn Out
04. 21st Century Honky Tonk American Band
05. Cheatin‘ Songs
06. Mr. Lonely
07. I Love You Goodbye
08. Fast Hearts And Slow Towns
09. Cheatin‘ By The Rules
10. Drinkin‘ Problem

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Universal Music

Aoife O’Donovan – Bull Frogs (And Other Croons) – CD-Review

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Review: Michael Segets

„Call My Name” wurde von der Grammy-Jury im Januar als bester American-Roots-Song 2020 ausgezeichnet. Er stammt von dem Trio I’m With Her, das sich aus Aoife O’Donovan, Sarah Jarosz und Sara Watkins (Nickel Creek) zusammensetzt. Weder die Band noch die Namen der Damen sagten mir bis dato etwas. Aber immerhin weckte dieser Umstand das Interesse an der neuen EP „Bull Frogs (And Other Croons” von Aoife O’Donovan.

Die studierte Sängerin und Songwriterin war in der ersten Dekade dieses Jahrhunderts in den Bands Crooked Still und Sometymes Why aktiv. Seit zehn Jahren wandelt sie auf Solopfaden und schaut auf vier Veröffentlichungen zurück. In ihrer Karriere hat sie sich mehreren Musikstilen zugewandt. Familienbedingt besteht eine Affinität zum Irish Folk, aber auch im Country und Jazz war sie unterwegs. Zurzeit lebt sie in Brooklyn, wo sie auch die fünf Tracks der aktuellen EP aufnahm.

„Bull Frogs (And Other Croons)” ist ein durchkonzeptioniertes Werk. Die ersten drei Titel basieren auf Gedichten des 2017 verstorbenen Lyrikers Peter H. Sears. Diese verarbeitete O’Donovan gemeinsam mit dem Mitproduzenten Jeremy Kittel und Teddy Abrams. Alle Aufnahme spielte die Sängerin, die sich auf der akustischen Gitarre begleitet, mit einem Streicher-Quartett im Studio ein.

Obwohl die Songs als Folkstücke durchgehen, bekommen sie durch die Streicher einen orchestralen Anstrich. Die ersten drei Tracks sind zwar gesplittet, aber ineinander gespielt und ergeben so ein schon fast klassisches Opus. Dabei steigert sich die Scheibe kontinuierlich.

Beim etwas sperrigen Einstieg „Night Fishing“ singt O’Donovan in manchen Passagen sehr hoch, was nicht mein Fall ist. Die aufgekratzten Läufe der Geige bei „The Darkness“ sind vielleicht stimmungsabhängig, trüben aber etwas den Eindruck des durchaus guten Songs, der stellenweise an die frühe Suzanne Vega erinnert. Ruhigere Töne schlägt da „Valentine“ an, wobei auch hier die Streicher einen dominierenden Part einnehmen. Aus einer Textzeile ist der Titel der Veröffentlichung entnommen.

Könnte bis hierhin noch die Frage gestellt werden, warum die Scheibe bei SoS besprochen wird, nehmen die letzten beiden Stücke die Zweifel. Die Ballade „Lakes Of Pontchartrain” passt atmosphärisch genau in den Süden. Die Begleitung durch die Streicher ist hier wesentlich dezenter. Das Geigenintermezzo nimmt die klassischen Elemente zurück und rückt eher in die Nähe einer Fidel aus den Southlands. Beim abschließende „Pretty Birds“ kommen einem die Spirituals in den Sinn, während vor dem inneren Auge die Abendsonne hinter den Feldern verschwindet.

Aoife O’Donovans „Bull Frogs (And Other Croons)” bringt einen innovativen Sound in ihre Folksongs ein. Die eine Einheit bildendenden erste drei Titel entfernen sich dabei mit der übermächtigen Begleitung durch das Streicher-Quartett ein Stück zu weit von den gewohnten, genretypischen Klangarrangements. Die letzten beiden hingegen können als Bereicherung der oftmals ausgetretenen Wege des Folks angesehen werden. Jedenfalls macht die EP neugierig auf den Backkatalog der Sängerin und ihrer Bands.

Yep Roc Records/Redeye Worldwide (2020)
Stil: Folk

Tracks:
01. Night Fishing
02. The Darkness
03. Valentine
04. Lakes Of Pontchartrain
05. Pretty Birds

Aoife O’Donovan
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Yep Roc Records
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