The Cadillac Three – Country Fuzz – CD-Review

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Eine Band, die seit Beginn dieses Magazins ganz sicher unser Herz gewonnen hat, ist The Cadillac Three. Wir hatte das Vergnügen die drei Burschen Jaren Johnston, Kelby Ray und Neil Mason bei diversen Konzerten und Interviews auch persönlich kennen zu lernen.

Obwohl Johnston (sogar mit Kind), Ray und mittlerweile auch Mason, alle fest unter der Haube sind, haben sie ihre jugendlichen Flausen im Kopf behalten und machen unbekümmert das, was, sie vermutlich am liebsten tun und wie es auch bei den Titeln ihrer Songs immer wieder suggeriert wird: Musik machen, Alkohol trinken und von frühster Jugend an, ihrem kleinen Kollektiv eine Menge Spaß haben.

Und das scheint besonders bei Jaren Johnston die Kreativität zu fördern, er zählt für mich zu einem der besten Refrain-Schreiber, die die Country-/Southern Rock-Szene rund um Nashville zu bieten hat.

Und so gibt es auf ihrem brandneuen Werk „Country Fuzz“ wieder einen mit 16 Stücken randvoll bepackten Silberling, bei der sich das Trio in seinem Stil gewohnt treu bleibt. Launige Songs, die vor allem wegen dem hohen Wiedererkennungswert der Refrains, bestens für ihre Live-Konzerten prädestiniert sein werden.

Gut die Hälfte der Stücke wie „Hard Out Here For A Country Boy“ (mit Gastpräsenzen von Chris Janson und Travis Tritt), „“Slow Rollin‘„, „All The Makin’s Of A Saturday Night„, „Crackin‘ Cold Ones With The Boys“ (produziert von Dann Huff),  „Back Home„, „Dirt Road Nights„, „Heat“ und „Long After Last Call“ sind bereits als Videos oder Lyric Videos vorab verfügbar gemacht worden und geben einen guten Eindruck über das Gesamtflair des Albums.

Mit dem zünftigen Opener „Bar Round Here“ aus der Feder Jon Johnston, Mason und Lori McKenna, dürften sie sofort die Sympathien der Southern Rock-Gemeinde gewonnen haben. Ein flott abgehender rhythmischer Rock-Schunkler, mit herrlich typischem Slide-Spiel. Auch im weiteren Verlauf gibt es hier einiges an Szene-typischen Zutaten auf die Ohren.

Vieles läuft nach bewährtem Rezept, viel Sprechgesang in den Strophen, launige, sich schnell in den Sinn bohrende Strophen. Schöne, slidende Soli, ab und zu geht es wie bei „The Jam“, „All The Makin’s Of A Saturday Night“ und „Jack Daniels‘ Heart“ (klasse Groove, wüstes Slide-Finish, mein Favorit des Werks) auch mal richtig funkig zu, das Stadion-taugliche „Heat“ stünde selbst Nickelback gut zu Gesicht.

Aber auch das Gespür für Ohrwürmer ist den Jungs nicht abhanden gekommen, beste Beispiele sind tolle Tracks wie“Labels“, „Back Home“, „Dirt Road Nights“ und das abschließende „Long After Last Call“.

Das vierte Werk „Country Fuzz“ von The Cadillac Three steht für ihren unnachahmlichen authentischen Stil aus Country- und Southern Rock, diesmal teilweise sogar etwas funky. Der Fun-Faktor hatte wieder einmal spürbar oberste Priorität. Man darf sich von daher schon auf die Performance der neuen Stücke bei ihren kommenden Konzerten freuen. So let’s get ready for fuzz!

Big Machine Records (2020)
Stil: Country Rock

01. Bar Round Here
02. The Jam
03. Hard Out Here For A Country Boy
04. Slow Rollin‘
05. All The Makin’s Of A Saturday Night
06. Crackin‘ Cold Ones With The Boys
07. Labels
08. Raise Hell
09. Back Home
10. Dirt Road Nights
11. Blue El Camino
12. Jack Daniels‘ Heart
13. Why Ya Gotta Go Out Like That
14. Heat
15. Whiskey And Smoke
16. Long After Last Call

The Cadillac Three
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Oktober Promotion
Universal Music

Haley Johnsen – 03.02.2020, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Hal_haupt

Markus Peerlings packt „Caesar’s Pallets“ wieder aus! Den Anfang der diesjährigen Reihe von Solo-Konzerten im Wohnzimmer der Kulturrampe machte Haley Johnson. Durch ihre erfolgreiche Teilnahme beim Song-Contest American Idol erlangte sie in Amerika bereits einen hohen Bekanntheitsgrad. Im vergangenen Jahr promotete sie ihr Debüt-Album „Golden Days“ auf ihrer ersten Europa-Tour. Nun kehrte die talentierte Songwriterin mit frisch im Londoner Studio One aufgenommen Akustik-Versionen nach Deutschland zurück.

Bei Ihrer Premiere in Krefeld zeigte sie sich beeindruckt von der coolen Location. Die Rampe ist nach ihrer Aussage der hipste Veranstaltungsort, in dem sie bislang auftrat. Damit erzählte Johnsen den Anwesenden zwar nichts Neues, aber gefreut hat es alle und Pille wahrscheinlich am meisten.

Mit ganz verschiedenen musikalischen Einflüssen aufgewachsen fügt Haley Johnsen diese in einem souveränen Mix aus Americana, Blues und Rock zusammen. Dabei gibt sie dieser Mischung auf ihrem Longplayer, der mit kompletter Band eingespielt wurde, einen poppigen Anstrich. Im intimen Rahmen der Kulturrampe kamen ihre Qualitäten als Songwriterin und ihre tolle Stimme, die bei der instrumental reduzierten Begleitung stärker in den Vordergrund traten, viel besser zur Geltung.

Die junge Amerikanerin bewies eine verblüffende Souveränität auf der Bühne. Locker und selbstironisch philosophierte sie über den unterschiedlichen Kohlesäuregehalt deutscher Mineralwässer, leitete Songs mit Anekdoten und Hintergrundinformationen ein und nutzte auch sonst jede Gelegenheit, mit dem Publikum in Kontakt zu treten.

Mit viertelstündiger Verspätung kam Johnsen aus den Katakomben der Rampe, legte die nagelneue, akustische Fender-Gitarre an, schnallte sich Schellen um den Fuß und gab mit der Stomp Box den Rhythmus für den Opener „I’ll See You Around“ vor. Richtig Fahrt nahm „Everything Comes Back Again“ auf. Mit scheppernden Akkorden rockte Johnsen den Song, den sie mit 16 Jahren geschrieben hatte.

Nach dem ebenfalls mitreißenden „Sideways“ von ihrer EP „When You Lit The Sky“ (2017) folgte mit „Feel The Water“ die erste Ballade. Diese begann sehr sanft, steigerte dann aber die Dynamik durch fast schon rausgeschriene Gesangspassagen. Johnsen hat eine klare, volle Stimme, die sie den verschiedenen Stimmungen der Songs problemlos anpassen kann.

Inspiriert durch die Version von Eva Cassidy präsentierte Johnsen dann „Autum Leaves“ als klassisches Folkstück. Diesen Titel spielte sie zum ersten Mal auf dieser Tour, deren Halbzeit sie feierte. Die Songwriterin hat noch weitere drei Wochen On The Road vor sich und verlässt Deutschland erstmal in Richtung Dänemark.

Als Haley Johnsen zur elektrischen Gitarre griff, zog das Tempo im letzten Drittel des ersten Sets nochmal an. Kräftige Rhythmen („City Of Me“), teilweise begleitet von einem staubiger Gitarrensound leiteten dann zum vorläufigen Finale über. Für dieses holte sie ihren Freund und Tour-Manager Jonny Shewell auf die Bühne und sang mit ihm „Perfect Life“ im Duett.

Die kurze Pause wurde mit dem fetzigen „Lift Me Up“ beendet. Während Johnsen dort ihre akustische Fender hart bearbeitete, zeigte sie vor allem beim Intro zu „Crazy On You“ – einem Song von Heart –, dass sie auch filigrane Fingerarbeit an den Saiten beherrscht.

Nach „Cinderella“, wohl einem Stück mit großer persönlicher Bedeutung für die Sängerin, folgte mit „Tear Drop Canvas“ ein weiterer Titel des Longplayers „Golden Days“. Die erdigeren, handgemachten Versionen, die Johnsen bei der Show darbot, überzeugten weit mehr als die opulenter produzierten Studioaufnahmen. Als Singer/Songwriter gewinnt Haley Johnsen deutlich Konturen und sticht unter den Musiksternen ihrer Generation hervor. Dass sie musikalisch vielseitig ist, zeigt auch ihre Beteiligung an der Electronic-Band Big Wild, obwohl dies auch unter der Rubrik Jugendsünden zu verbuchen sein kann.

In der Mitte des zweiten Sets räumte sie den Platz am Mikro für Jonny Shewell, der seinen Song „Famous“ vorstellte und dabei sein Gesangstalent offenbarte. Für die letzten beiden Stücke „Weekend“ und „Keep On Saying Goodbye“ packte Johnsen erneut die E-Gitarre aus und heizte dem Publikum nochmal mächtig ein.

Ich hätte nicht gedacht, dass dreißig Leute so einen johlenden und klatschenden Tumult veranstalten können. Obwohl Johnsen – ganz Profi – darauf hinwies, dass sie nur für zwei 45-Minuten-Sets engagiert worden wäre, ließ sie sich nicht lange bitten und gab mit „If It Makes You Happy“ von Sheryl Crow sowie dem Schmachtfetzen „Blue Bayou“ von Linda Ronstadt zwei Cover als Zugabe. Die beiden Titel standen den Originalen in nichts nach, was zeigt, über welche Spannweite sie musikalisch und gesangstechnisch verfügt.

Haley Johnsen lieferte eine Performance mit großem Unterhaltungswert, abwechslungsreicher Songauswahl und hervorragendem Gesang. Mit ihrem natürlichen Auftreten spiele sie sich direkt ins Herz der Zuhörer. In besser Gesellschaft kann man einen verregneten Montagabend kaum verbringen. Für die nächsten Veranstaltungen ab März zieht „Caesar‘s Pallets“ auf die Terrasse der Rampe. Die Open-Air-Konzerte auf dem Großmarkt sind eine schöne Idee, sofern das Wetter mitspielt.

Line-Up:
Haley Johnsen (vocals, guitar)
Jonny Shewell (vocals)

Bilder und Bericht: Michael Segets

Haley Johnsen
Haley Johnsen bei Facebook
Kulturrampe

Tas Cru – Drive On – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Von einem Blueser mit dem eigenartigen Namen Tas Cru hatte ich bislang noch nie etwas gehört (vielleicht öfter bitte mal in Sounds Of South stöbern Herr Schneider, siehe den Review zu „Memphis Song“ – Anm. der Red.). Also hab ich mal ein wenig gegoogelt und herausgefunden, dass sich hinter Tas Cru ein Musiker namens Rick Bates verbirgt und dass „Drive On“ erstaunlicherweise bereits sein insgesamt 11. Album ist.

In 2014 erhielt er von der Blues Foundation in Memphis den „Keeping The Blues Alive“-Award und 2018 wurde er für den „Blues Music Award“ nominiert. Im Wesentlichen war das dann aber auch schon der ganze Erkenntnisgewinn. So also neugierig geworden, die CD rein in den Player und die Songs erstmal alle angespielt, bzw. angehört.

Um es vorweg zu nehmen, es ist eine abwechslungsreiche Scheibe, deren Anschaffung sich durchaus lohnt. Rick Bates alias Tas Cru versteht es, aus bluesigen, funkigen und rockigen Versatzstücken, einen gut abgemischten Sound zu erschaffen, den man sich gern anhört, woran sicherlich auch die Gesangbeiträge von Mary Ann Casale und ihren Mitsängerinnen einen großen Anteil haben.

Zudem bespielt Tas Cru eine ziemlich große Bandbreite an Gitarren: neben der obligatorischen E-Gitarre kommen auch Akustik-Gitarren und eine Resonator zum Einsatz. Eine besondere Leichtigkeit und auch jazzige Note erhält „Drive On“ durch das in zahlreichen Songs vorkommende Tenorsaxophon, gespielt von Anthony Terry.

Die CD beginnt mit einem schmissigen sowie mit einprägsamen Gitarrenhooks versehenen Opener. „That Loving Thang“ ist ein Chicagoblues angehauchter Bluesrock-Shuffle und macht mit Tenorsaxophon und Keyboarduntermalung neugierig auf das, was die Scheibe sonst noch zu bieten hat. Ähnlich fröhlich und funky-rhythmisch geht’s dann mit „Money Talks“ weiter.

Nach einem leicht experimentellen und sphärischen Intro nimmt der Hörer im Titelsong „Drive On“ jazzige Einflüsse zur Kenntnis, während sich „Save Me“ sehr relaxt und melodiös mit einem eingängigen Refrain präsentiert. In „Cry No More“, eine äußerst gefällige Akustik-Ballade, bestechen vor allem die klaren und gefühlvollen Sopranstimmen von Mary Ann Casale und der übrigen Backgroundsängerinnen.

Nach den ersten fünf Songs ist dann sozusagen Halbzeit und mit „Kinda Mess“ liefert Tas Cru nachfolgend einen wild treibenden, Saxophon unterstützten Boogie ab. So richtig in die Beine geht auch die funkige Nummer „Shookie Shake“, ein echter Dance Floor-Killer, bevor mit „In This Moment“ wieder ruhigere Töne angeschlagen werden.

Hier werden Gitarre, Piano und das Tenorsaxophon in einer Instrumentalballade zu einem melodiösen Ganzen verwoben. Eher traditionell und swampig-beschwingt mit wohlklingenden Slidegitarre-Passagen geht’s in „Memphis Blue“ zu. Der letzte Song des Longplayers „Devil In Your Heart“ entlässt den zufriedenen Zuhörer schließlich mit einem abgrundtiefen Blues, gespielt auf einer Resonator-Gitarre, wiederum begleitet von einem klasse Duett mit Mary Ann Casale, ins Hier und Jetzt. Was an sich schade ist, es hätten ruhig zwei, drei Stücke mehr auf dem Silberling sein dürfen.

Auch wenn Tas Cru hierzulande wohl kaum bekannt sein dürfte, gibt’s von mir eine absolute Kaufempfehlung für seine neuestes Werk. Es ist abwechslungsreich arrangiert und auch handwerklich erste Klasse. Möge das Album hoffentlich dazu beitragen, seinen Bekanntheitsgrad bei uns zu stärken!

Subcat Records (2020)
Stil: Blues Rock

01. That Lovin’ Thang
02. Money Talks
03. Drive On
04. Save Me
05. Cry No More
06. Kinda Mess
07. Shookie Shake
08. In This Moment
09. Memphis Blue
10. Devil In Your Heart

Tas Cru
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Music & Stories – 29.01.2020 – Dortmund, Warsteiner Music Hall – Festivalbericht

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Der Konzertreihe Music & Stories konnte nichts besseres passieren, dass drei britische Hochkaräter der Rockmusik gleichzeitig ihr 50-jähriges Bandjubiläum feiern. Was lag da näher als Wishbone Ash, Nazareth und Uriah Heep gemeinsam zu einem Konzertabend auf die Bühne zu bitten.

In der Dortmunder Warsteiner Music Hall fand diese Reihe mit dem 14. Konzertabend nun ihren Abschluss. Gespannt waren viele auf das Konzept, Livemusik mit Talkelementen zu verknüpfen. Als Moderator führte Andy Scott, bekannt als Gitarrist der legendären Sweet durch den Abend. So standen jeweils zwischen den 60-minütigen Sets (Uriah Heep spielte etwa 80 Minuten), Musiker der Bands auf der Bühne zu einer Gesprächsrunde zur Verfügung.

Dies hatte den Effekt, dass die ohnehin recht kurz gestalteten Umbaupausen, den Besuchern noch einmal durch Anekdoten aus 50 Jahren Musikhistorie, verkürzt wurden, wobei sich Scott als charmanter „Gastgeber“ zeigte und die Musiker mit Humor auf die Vergangenheit zurückblickten. Neben lustigen Sachen, wie ein Sturm von Frisbeescheiben auf die Bühne während eines Gigs, kamen aber auch nachdenkliche Geschichten zum Vorschein.

Genannt sei nur, als Andy Powell anmerkte, dass er auf einer Tour mit Nazareth mal festgestellt hatte, dass Schotten doch die trinkfestesten Briten wären und dabei den Nazareth Basser Pete Agnew ansprach, dieser aber darauf konterte, dass er vor Jahren vor der Entscheidung Trinken oder Leben stand, und seitdem dem Alkohol abgesagt hätte.

Als besonderen Service hatte der Veranstalter eine App zur Verfügung gestellt, in der die Gespräche direkt simultan übersetzt wurden. Dies war für viele jedoch nicht notwendig, da sich die britischen Musiker Mühe gaben, langsam und auch in einem sehr verständlichen Englisch zu sprechen, dass man dem Inhalt gut folgen konnte.

Das Wichtigste für die Besucher waren aber vermutlich die drei Konzerte, wobei Wisbone Ash sehr pünktlich um 19:00 Uhr den Anfang machte, sodass die sehr gut organisierte Veranstaltung an einem Mittwoch Abend bis 23:00 Uhr durchgeführt werden konnte.

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Wishbone Ash legten direkt mit „The King Will Come“, „Warrior“ und „Throw Down The Sword“ los und offerierten, was perfekte Twin-Guitars-Musik ist. Powell und Abrahams lieferten sich Sologefechte, die in sich stimmig und absolut harmonisch waren. Mit diesen drei Klassikern hatten sie direkt den Zugang zum Publikum gefunden und und es folgten weitere 45 Minuten der hohen Gitarrenspielkunst.

Doch auch Joe Crabtree an den Drums und Bob Skeat hatten genug Gelegenheit sich als exzellente Musiker zu präsentieren. Die Spielfreude der Briten war für jeden auch an der Mimik der bestens gelaunten Musiker ersichtlich.

Mit „We Stand As One“ folgte auch ein ganz neuer Song, wodurch auch noch einmal verdeutlicht wurde, dass Wishbone Ash eine Band ist, die sich nicht nur auf alten Werken ausruht. Dies traf aber auch für die beiden anderen Acts des Abends zu.

Mit „Jail Bait“, „Phoenix“ und “Blowin‘ Free“ als Zugabe folgten noch drei weitere Klassiker und 60 Minuten waren wie im Fluge vergangen. Herausragend war natürlich „Phoenix“ mit psychedelischen Soloparts und es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Powell fragte, ob es denn auch Besucher gäbe, die das Musiktheater Piano kennen, wo die Band die letzten Jahre immer im Januar auftrat und ihm diese Shows in absolut angenehmer Erinnerung geblieben sind.

Direkt nach dem Gig stand die gesamte Band den Besuchern am Merchandising-Stand zur Verfügung, was noch einmal die Publikumsnähe der Mannen um Powell verdeutlichte, mit der sie sich bestimmtt neue Freunde geschaffen haben.

Line-up Wishbone Ash:
Andy Powell – guitar, vocals
Marc Abrahams – gutar
Bob Skeat – Bass, background vocals
Joe Crabtree – Drums

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Mit Nazareth wurde es dann eine Spur härter. Das hart rockende „Miss Misery“ und der folgende Kracher „Razamanaz“ brachten das Publikum direkt auf Betriebstemperatur.

Zum Abkühlen ließen die Schotten eine schöne Version des Joni Mitchel-Covers „This Flight Tonight“ und mit „Dream On“ eine ihrer Parade-Balladen folgen. Carl Sentance, der seit einigen Jahren den Leadgesang inne hat, überzeugte dabei mit einer starken Bühnenpräsenz und war stimmlich absolut auf der Höhe.

Jimmy Murrison, wie immer seine Gitarre ohne Plektron bearbeitend, bewies, dass er spielerisch die Bandbreite von Schmusesongs bis zum Heavy Metal abbilden kann. Father and Son, Pete Agnew am Bass und Lee Agnew am Schlagzeug zeigten, dass Familie auch auf der Bühne gut funktionieren kann. Pete, immer mit einem Lächeln oder schelmischen Grinsen, machte klar, dass er auch mit 73 Jahren, als einziges verbliebenes Gründungsmitglied, ins 51. Jahr der Bandgeschichte zu gehen gedenkt.

Danach wurde es wieder eine Spur härter und die Band mischte unter ältere Songs wie dem Crazy Horse-Cover „Beggars Day“ und „Hair Of The Dog“ mit „Change“, „Changin‘ Times“ und „Tattoed On My Brain“ drei Stücke vom aktuellen Album, die von den Fans auch sehr gut angenommen wurden.

Der Abschluss der Show wurde mit dem bekanntesten Stück von Nazareth, der Everly Brothers-Adaption „Love Hurts“ eingeläutet, wo Sentance mit schmachtenden Gesang für den einen oder anderen melancholischen Moment bei den Besuchern gesorgt haben dürfte. Mit dem Bonnie Dobson-Stück „Morning Dew“ aus der Anfangszeit von Nazareth wurde das Konzert beendet.

Beeindruckend hier der instrumentelle Einstieg in den Song, wo insbesondere Pete Agnew am Bass mit einem donnernden Lauf überzeugte, bis Murrison mit der Gitarre in diesen psychedelischen Song einstieg und Sentance erst nach einigen Minuten gesanglich hinzu stieß.

Nazareth gehören noch lange nicht zum alten Eisen und haben durch die später hinzugekommenen Musiker, immer wieder frischen Wind in die Band bekommen. Nach dem Konzert stand dann Carl Sentance am Mercendisestand für die Fans bereit, Pete hatte keine Zeit, da er für die anschließende Talkrunde bereitstehen musste.

Line-up Nazareth:
Carl Sentance – vocals
Jimmy Murrison -guitars
Pete Agnew – Bass vocals
Lee Agnew – drums

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Nachdem die letzte Gesprächsrunde beendet war, verdunkelte sich die Halle zunächst und in einem folgenden Lichtgewitter begannen die britischen Hardrockveteranen von Uriah Heep mit „Grazed By Heaven“ ihre Show.

Sänger Bernie Shaw überzeugte direkt durch eine entsprechende Hardrockpräsenz mit einigen Posen und perfformte die Songs auch stimmlich gewohnt sicher. Mick Box das verbliebene Gründungsmitglied, das die Band über die Jahre auch zusammengehalten hat, steuerte zu jedem Stück starke Soli bei, wobei er zuweilen so tat, als würde er seine Griffhand wie bei einer Marionette mit der linken Hand steuern.

Mit „Too Scared To Run“, „Take Away My Soul“ ging es hard bis haevy weiter. Drummer Russell Gilbrook schien sich zuweilen die Seele aus dem Leib zu trommeln, Davey Rimmer am Bass posierte über die Bühne und hatte als besonderen visuellen Effekt, zuweilen den Lauf des Basses blau beleuchtet. Phil Lanzon an den Keyboards gab den Stücken die gewohnte Uriah Heep-Fülle.

Das etwas langsamere, aber dennoch hart performte „Rainbow Demon“ wurde mit einem starken Keyboard-Intro durch Lanzon eingeläutet, bis die restliche Band einstieg. Der folgende Klassiker „Gypsy“ brachte die Fans zum Toben und beim anschließenden „Look At Yourself“, bei dem auch die Bandmitglieder vorgestellt wurden, gab es einem furiosen instrumentalen Schlussteil.

Danach folgte einer der absoluten Höhepunkte der Uriah Heep -how. Shaw kündigte einen Song mit langen Intro und langen Outro an. Lanzon stieg zunächst mit der Orgel ein und die Band legte eine sphärische Version der Hymne „July Morning“ auf die Bühne.

Beim vermutlich bekanntesten Stück von Uriah Heep, bei dem zunächst Box mit der Akustikgitarre und Shaw singend alleine auf der Bühne anwesend waren, wurde das Publikum zum Mitsingen eingeladen, dem dieses auch nachhaltig nachkam. Danach läutete der Rest der Band dann das Ende des Konzertabends ein, auf den mit „Sunrise“ und „Easy Livin’“, noch zwei Zugaben folgten.

Herausragend dabei das furios gespielte „Easy Livin’“ als Rausschmeißer, der die Halle noch einmal zum Kochen brachte und einen würdigen Abschluss eines 5-stündigen Konzerts inklusive Talkabend bildete.

Line-up Kenny Wayne Shepherd:
Kenny Wayne Shepherd (electric guitar, vocals, lead vocals)
Noah Hunt (lead vocals, electric and acoustic guitar, percussion)
Bernie Shaw – vocals
Mick Box – guitar, vocals
Davey Rimmer – Bass
Russell Gilbrook – drums
Phil Lanzon – Keyboards

Fazit: Mit Music & Stories hat die PACO Agency eine beeindruckende Konzertreihe durch 14 Städte promotet. Die Kombination aus Livemusik und Talkelementen kann als gelungen angesehen werden, wozu auch die authentische Art von Andy Scott beitrug, der in den Konversationen unaufdringlich und charmant so mache Geschichte aus den Musikern, bzw. alten Freunden und deren gemeinsamer Erlebnisse herauskitzelte.

Über die Qualität der Musik zu reden ist in diesem Fall nicht mehr notwendig, es muss aber erwähnt werden, dass sowohl die Ton- wie auch die Lichttechniker, ganze Arbeit geleistet haben. Auch die gesamte Crew und Security leisteten durch koordinierte Arbeit, ihren Beitrag zu einem harmonischen und absolut runden Abend, der zeigte, dass dieses Konzept auch in Zukunft präsentabel erscheint.

Ein besonderer Dank an Karina Kahl von der PACO Agency für die problemlose Akkreditierung und an Tourmanager Ingo Joa, der den Kontakt hergestellt hat.

Bilder und Bericht: Gernot Mangold

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Nazareth
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Uriah Heep
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Music & Stories
PACO Agency
Warsteiner Music Hall

John Moreland – LP5 – CD-Review

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Review: Michael Segets

Früher mit The Black Gold Band und The Dust Bowl Souls unterwegs, veröffentlicht John Moreland sein fünftes Album allein unter seinem Namen. Der Longplayer trägt den bezeichnenden Titel „LP5“. Mit ihm schlägt der in Texas geborene und zurzeit in Tulsa, Oklahoma, lebende Singer/Songwriter ein neues Kapitel in seiner musikalischen Laufbahn auf.

Bislang im Folk-orientierten Americana – gelegentlich mit einem rockigen Einschlag – unterwegs, setzt Moreland bei seinem neuen Werk auf Keys und Percussion beziehungsweise Elektronik bei der Begleitung seiner angerauten Stimme. Konstant geblieben sind seine tiefgründigen Texte, die sich um Themen wie Selbstdefinition („Harder Dreams“) Vertrauen („When My Fever Breaks“) oder Tod („In Times Between“) drehen.

Um seine neuen Ideen zu realisieren, holte sich Moreland Matt Pence (Jason Isbell) als Produzenten. „LP5“ wirkt leichter und poppiger als seine vorherigen Alben. Die Songs unterscheiden sich zwar hinsichtlich der Rhythmen, sind aber durchgehend im unteren Tempobereich angesiedelt. Durch die verspielten, längeren Instrumentalpassagen bei fast allen Titeln fallen die beiden kurzen Einsprengsel „Two Stars“ und „For Ichiro“ als Einzelbeiträge kaum auf, wenn man die Scheibe durchlaufen lässt.

Der angenehm rauchige Gesang von Moreland steht in einem Kontrast zu der eher poppigen Untermalung („Terrestrial“, „I Always Let You Burn Me To The Ground“). Bei dem mit elektronischen Beats unterlegten „A Thought is Just A Passing Train” wird die Stimme teilweise verzerrt. Gegen Ende des Stücks verliert es sich in experimentellen Spielereien. Der Titel erinnert stilistisch an das letzte Werk von Paul Cauthen.

Insgesamt bleiben die Songs sehr ähnlich und wenig aufregend. Durch den schönen Refrain sticht „East October“ heraus. „Learning How To Tell Myself The Truth“, „In Times Between“ und besonders „Let Me Be Understood“, bei dem Moreland zur Mundharmonika greift, haben einen etwas erdigeren Sound, der an die vorherigen Werke von Moreland anknüpft.

Die Qualität von Morelands Songwriting wird auf dem Album „LP5“ von der glatten Produktion, von der poppigen Begleitung sowie von den instrumentalen Schlenkern oftmals verdeckt. Bei seinem Versuch, den Sound zu innovieren, verliert Moreland seine Stärke, die eben in der stripped-down Darbietung seiner Texte liegt, aus den Augen. Um dieses Können von Moreland kennenzulernen, empfiehlt sich daher, mit den beiden starken Alben „High On Tulsa Heat“ (2015) oder „Big Bad Luv“ (2017) einzusteigen.

Old Omens/Thirty Tigers (2020)
Stil: Americana, Pop

Tracks:
01. Harder Dreams
02. A Thought is Just A Passing Train
03. East October
04. Learning How To Tell Myself The Truth
05. Two Stars
06. Terrestrial
07. In Times Between
08. When My Fever Breaks
09. I Always Let You Burn Me To The Ground
10. For Ichiro
11. Let Me Be Understood

John Moreland
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Little Big Town – Nightfall – CD-Review

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Little Big Town sind seit ihrem Eintreten ins Countrygeschäft mit ihrem gleichnamigen Debüt 2002 ein ständiger Begleiter von mir. Ich habe alle Scheiben von ihnen in meiner Sammlung, mit „Nightfall“ erscheint nun ihr 9. Album.

Das Line-up besteht immer noch, wie zu Anfang, aus Karen Fairchild, Kimberly Schlapman, Phillip Sweet und Jimi Westbrook. Die Band kann bis dato auf drei Nr. 1-Alben („The Reason Why“, „Tornado„, „The Breaker„) und drei Nr. 1-Singles („Pontoon“, „Girl Crush“, „Better Man“), diverse Awards und eine Grammy-Auszeichnung zurückblicken.

Verlässlichkeit ist eine der menschlichen Eigenschaften, die besonders hoch bei mir im Kurs steht und die auch als Synonym für ihre Musik steht. Man weiß, dass man niveauvollen eingespielten melodischen New Country-Stoff geboten bekommt, der sich durch die wechselnden Frontgesänge und besonders die feinen Vokalharmonien auszeichnet, quasi das Trademark des Vierers.

Im Großen und Ganzen wirkt das Quartett für mich immer wie eine countryeske Ausgabe von Fleetwood Mac.

Auf „Nightfall“ ist Karen Fairchild die treibende Kraft, die sich durch die meisten Songwriting-Credits (mit vertreten natürlich wieder eine Schar von exzellenten Co-Writern wie u. a. Lori McKenna, Hillary Lindsey, Liz Rose, Sean McConnell, Ashley Gorley, Daniel Tashian, Ian Fitchuk, Josh Kerr) und auch Lead vocals-Einsätze auszeichnet.

Schlapman hat ihren Haupt-Auftritt allerdings bei einem der beiden Killersongs des Werks, „Throw Your Love Away“, Sweet ein kurzes Intermezzo bei „Rivers Of Stars“ und Jimi Westbrook darf beim balladesken „Forever And A Night“ und dem Cello-unterlegten „Problem Child“ ran.

Stärkstes Stück und vermutlich auch am hitverdächtigsten ist für mich der eingängige Titelsong, zum Dahinfließen, wie schon bemerkt, Fleetwood Mac lassen grüßen. Die erste Single ist jedoch das bereits Grammy-nominierte „The Daughters„, das bei der Präsentation bei den ACM-Awards stürmisch bejubelt wurde.

Den launigen Part des Longplayers bilden der Saloonheuler „Over Drinking“ und das Tex-Mex-Trinklied „Wine, Beer, Whiskey“ (lustiger Text), begleitet von einer typisch plusternden Mariachi-Trompete.

Besonders im zweiten Teil des Silberlings wird allerdings großen Wert auf atmosphärischen und nachdenklichen Stoff gelegt, der durch die tolle Instrumentierung der Musiker und die einfühlsamen Harmoniegesänge, teilweise packende Momente erzeugt.

Somit präsentieren sich Little Big Town auf „Nightfall“ wie schon zuvor beim starken „The Breaker“ in Topform und dürften gute Aussichten haben, auch wieder die eine oder andere Pole-Position zu erklimmen. Also deutet hier eigentlich vieles eher auf ‚eitel Sonnenschein‘ statt ‚Anbruch der Dunkelheit‘ hin. Sehr Empfehlenswert!

Capitol Nashville (2020)
Stil: New Country

01. Next To You
02. Nightfall
03. Forever And A Night
04. Throw Your Love Away
05. Over Drinking
06. Wine, Beer, Whiskey
07. Questions
08. The Daugthers
09. River Of Stars
10. Sugar Coat
11. Problem Child
12. Bluebird
13. Trouble With Forever

Little Big Town
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Universal Music

Brett Eldredge – Support: Lauren Jenkins – 24.01.2020, Carlswerk Victoria, Köln – Konzertbericht

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Nachdem Semmel Concerts Entertainment im letzten Herbst mit Old Dominion und Jordan Davis in der Domstadt bereits ein hochwertiges Major-Doppel in der Domstadt präsentiert hatte, ging es jetzt direkt zu Anfang des Jahres mit Brett Eldredge und Lauren Jenkins im Schlepptau (beide ebenfalls bei großen Labels unter Vertrag), qualitativ nicht minder weiter.

Zunächst durfte die blonde langhaarige Texanerin, nur mit Akustikgitarre behangen, ihr Können als Alleinunterhalterin, zum Besten geben. Das tat sie mit Stücken aus ihrem, von uns beleuchteten Debütalbum „No Saint„, wie u. a. „Cadillac“, „You’ll Never Know“, „Give Up The Ghost“ und dem gleichnamigen Titelstück , einem zwischenzeitlichen Bruce Springsteen-Cover („Hungry Heart“) und gab mit „Girl Of My Dreams“ auch schon mal einen Unplugged-Vorgeschmack auf das neue Zweitwerk.

Klasse dabei immer wieder ihre leicht rauchig-melancholische Stimme. Die Tiefe ihrer Songs auf dem Album konnte sie aufgrund der begrenzten Umstände natürlich nicht in die mit ca. 700 Leuten weniger als zur Hälfte gefüllte, spartanisch anmutende, ehemalige Fabrikhalle transportieren. Nach einer halben Stunde verabschiedete sie sich mit dem starken „Running Out Of Road“ unter herzlichem Applaus der Anwesenden von der Bühne, um für den Headliner des Abends, Brett Eldredge, Platz zu machen.

Line-up:
Lauren Jenkins (lead vocals, acoustic guitar)

Der seit 2013 mit seinem Debütwerk „Bring You Back“ kometenhaft aufgestiegene, aus Illinois stammende Musiker und Sänger, zeigte von von Beginn an, was er im Nashville-Showgeschäft gelernt hat, nämlich die Leute direkt mitzunehmen, wofür schon der Titel „It’s Gonna Be A Good Day“ als perfekter Opener prädestiniert war.

Mit dem folgenden launigen „Something I Am Good At“ und dem lässigen Groover „Don’t Ya“ hatte er spätestens komplett den Draht zum Publikum gefunden. Über „Love Someone“, „Crowd My Mind“, die Queen-„Adaption „Crazy Little Thing Called Love“ und das melodische „Drunk On Your Love“ ging es zum, über zwei Stücke („Ryamond“, “ The Long Way“) währenden Solopart des Protagonisten, der hier seine ursprünglichen Singer/Songwriter-Qualitäten untermauerte.

Zeit ein paar Worte über Eldredges exzellente Begleitband zu verlieren. Die Rhythmusfraktion mit dem oft hart polternden Derrek Phillips und dem kräftig pumpenden, aber sich immer ein wenig im Hintergrund befindlichen Bassisten James Quinn Messer, sorgten für den satten Grundgroove, in den sich dann die drei Gitarristen (Brett inklusive) quasi hineinlegen konnten.

Gregg Carillo und der variable andere Saitenzupfer Will Harrison (tolle Parts auch an der Mandoline) wechselten ständig, zwischen Akustik- und E-Gitarre (auch mit klasse Slide), um sich teilweise in kleinen Scharmützeln zusammenzufinden. Keyboarder Ian Miller hatte viel schöne Intros und konnte auch mit einigen temperamentvollen Klimpersoli („Fire“) glänzen.

Das Southern-durchflutete „Magnolia“, das feurige „Fire“, die Schwofer-Kombination „The Reason / My Girl“, das Handylichter-begleitete „Mean To Me“ (früher leuchteten zu solchen Momenten Feuerzeuge und Wunderkerzen), das stampfige „Lose My Mind“ und die Schmalzballade „Wanna Be That Song“ bildeten die wie im Fluge vergangene zweite Hälfte des Gigs.

Mit „Beat Of The Music“ in einer ausgedehnten Version (inklusive Handshaking mit dem Publikum und tollem Instrumentalfinish der Band, wo beide Gitarristen noch mal brillierten) als einzige Zugabe, verabschiedeten sich Brett & Co. dann ziemlich zügig. Lediglich Lauren Jenkins stand dann am Merchandising-Stand ausgiebig für Unterschriften, Selfies und Smalltalk zur Verfügung, wobei sich die Texanerin auch noch mit unserem Logo für die VIP-Galerie ablichten ließ.

Fazit: Ein schöner kurzweiliger Abend, der trotzdem offerierte, dass ‚Countrystar in Amiland‘ nicht zwangsläufig auch ‚Publikumsmagnet in Deutschland‘ bedeutet. Was die Zuschauerzahlen betrifft, muss hier noch einiges an Öffentlichkeitsarbeit und guter Werbung passieren. Bis auf wenige schillernde Ausnahmen (z. B. Shania Twain, Keith Urban) ist hier für viele noch einiges an ‚Klinkenputzen‘ angesagt, das sollte vielleicht auch in Nashville und den hiesigen Tourmanagements zur Kenntnis genommen werden…

Vielen Dank an Ekaterina Witina von Semmel Concerts Entertainment für die perfekte Unterstützung und Betreuung.

Line-up:
Brett Eldredge (lead vocals, electric and acoustic guitar)
Greg Carrillo (acoustic guitar, electric guitar, vocals)
Derrek Phillips (drums)
James Quinn Messer (bass)
Will Harrison (electric guitar, acoustic guitar, mandolin vocals)
Ian Miller (keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Brett Eldredge
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Lauren Jenkins
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Semmel Concerts Entertainment GmbH
Carlswerk Victoria

The Wood Brothers – Kingdom In My Mind – CD-Review

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Review: Michael Segets

Die Tonträger von The Wood Brothers zierten in der Vergangenheit einige geschmackvolle und ästhetisch ansprechende Cover. Das Titelbild von „Kingdom In My Mind“ hingegen sieht wie der dilettantische Gestaltungsversuch eines Photoshop-Anfängers aus. Ich wage schon jetzt die Prognose, dass es ein heißer Anwärter auf das schlechteste Cover des Jahres wird. Aber vielleicht erschließt sich mir dessen künstlerische Brillanz auch einfach nicht.

Anders als auf dem Cover fügen sich die unterschiedlichen Komponenten der musikalischen Beiträge zu einem stimmigen Ganzen zusammen. The Wood Brothers entwickeln einen eigenen Sound, der die einzelnen Songs verbindet, obwohl in diesen eine Vielzahl an Musikstilen durchscheinen. Insgesamt lässt sich das neue Werk ebenfalls wie das vorangegangene „One Drop Of Truth“, das 2018 als bestes Americana-Album für einen Grammy nominiert wurde, unter dieser Musikrichtung subsummieren.

Das Trio Oliver und Chris Wood sowie Jonathan Rix hat alle Titel gemeinsam geschrieben. Im Studio nahmen sich The Wood Brothers jedoch die Freiheit, spontanen Improvisationen freien Lauf zu lassen. „Kingdom In My Mind“ strotzt daher vor kreativen Einfällen, die jedoch zum Teil etwas gewöhnungsbedürftig sind. Einerseits finden sich mit dem Schunkler „The One I Love“ und der Ballade „Satisfied“ eingängige Stücke auf dem Album, auf der anderen Seite sind mit „Little Blue“ und „A Dream’s A Dream“ angejazzte Beiträge vertreten, die Gehörgänge und Nerven eher strapazieren.

Mit den mehrstimmigen Gesangspassagen wie bei „Little Bit Brocken“ scheint gelegentlich ein Gospel-Touch durch. Trotz komplexerer Songstruktur bleibt „Cry Over Nothing“ einprägsam und gehört neben der Uptempo-Nummer „Don’t Think About My Death” zu meinen Favoriten auf dem Longplayer. Dieser treibende Bluesrocker bleibt nicht zuletzt aufgrund des Textes im Gedächtnis.

Gitarre und Keys dominieren mit einem speziellen Klang das Werk, der die oft von Tempo- und Rhythmuswechseln geprägten Songs durchzieht. Die Keys von Jonathan Rix sind beim funky Blues „Alabaster“ besonders auffällig. Die vibrierenden Saiten beim Picking des Gitarristen Chrstopher Wood geben „Little Bit Sweet“ einen besonderen Drive. Bei „Jitterbug Love“ erhält die Gitarre einen swampigen Sound. Vor allem der Refrain erinnert dabei an den Longplayer „Graceland“ von Paul Simon.

Auf „Kingdom In My Mind“ finden sich einige extravagante Titel, bei denen The Wood Brothers mit ihrem speziellen Sound genau das Maß zwischen Tradition und Innovation treffen. Vor allem in der zweiten Hälfte des Albums gehen jedoch bei einzelnen Stücken die Spielfreude und die Kreativität zu Lasten der Songstrukturen.

Der CD durchgängig zu folgen, stellt daher eine Herausforderung für mich dar. Jemand, der gegenüber experimentelleren Spielarten des Americana aufgeschlossener ist, mag mehr Freude am Gesamtwerk haben. Ich werde mir eher die Rosinen herauspicken.

Honey Jar Records/Thirty Tigers (2020)
Stil: Americana

Tracks:
01. Alabaster
02. Little Bit Sweet
03. Jitterbug Love
04. Cry Over Nothing
05. Don’t Think About My Death
06. Little Bit Broken
07. The One I Love
08. Little Blue
09. A Dream’s A Dream
10. Satisfied
11. Little Blue (Reprise)

The Wood Brothers
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Bywater Call – 17.01.2020, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Vor knapp einem Jahr standen Samantha Martin & Delta Sugar auf der Rampe und lieferten einen bemerkenswerten Auftritt ab. Bywater Call hat dieselben Wurzeln: Beide Bands stammen aus Toronto, sind bei Gypsy Soul Records unter Vertrag und mit Teenage Head Music unterwegs. Musikalisch sind die Formationen mit ihrer Kombination von Blues, Rock und Soul ebenfalls auf einer Wellenlänge. Gemeinsam ist ihnen zudem, dass die Frontfrauen über grandiose Stimmen verfügen. Das gelungene Debütalbum von Bywater Call schürte zusätzlich die Erwartungen an das Konzert.

Pünktlich um 21 Uhr gingen die Scheinwerfer für Bywater Call an, was insofern bemerkenswert ist, da die Kulturrampe dank einer erfolgreichen Spendenaktion nun über eine neue Lichtanlage verfügt. Sämtliche Technik funktionierte einwandfrei, wobei die Aussteuerung des Sounds bei dem Gedränge des Septetts auf der Bühne sicherlich keine leichte Aufgabe war. Die Stimme von Meghan Parnell kam voll zur Geltung – nach Einschätzung mancher Konzertbesucher noch besser als auf der CD.

Das Publikum in der ausverkauften Location geriet unmittelbar in Schwingungen, als die Band mit „Arizona“ loslegte. Nach dem staubigen Bottle-Neck-Intro von Dave Barnes stieg die zierliche Frontfrau mit dem gewaltigen Organ auf die Bühne und nahm die Zuhörerschaft auf eine abwechslungsreiche Reise durch ihre musikalische Welt mit.

Auf der Bühne erwies sich Meghan Parnell als wahres Energiebündel, das ständig unterwegs war und Mitstreiter sowie Publikum fest im Griff hatte. Von der Bühnenpräsenz standen die anderen Musiker im Schatten der Sängerin, bekamen aber alle die Gelegenheit, ihr Können an ihren Instrumenten bei den immer wieder eingestreuten Soli zu beweisen. Den Anfang machten bei „This One’s On“ Alan Zemaitis an den Keys und Dave Barnes an der Gitarre.

Nach der Mischung aus Honky Tonk und Gospel bei „Gone At Last“ begann das bluesige „If You Want“ mit dem Saxophon von Julian Nalli und gipfelte dann in einer Schlagzeugeinlage von Bruce McCarthy. Der andere Bläser – Stephen Dyte an der Trompete – erhielt dann sein erstes Solo zum Einstieg in „Walk On By“. Der als erste Single ausgewählte Song stellte zusammen mit dem rockigen „Forgive“ den ersten Höhepunkt des Konzerts dar.

Im weiteren Verlauf des Abends coverten Bywater Call von The Band „Ophelia“ und „The Weight“ – mit ausgiebigen Bassläufen Mike Meusels eingeleitet – sowie „In The Right Place“ von Dr. John. Bei diesem hatten die beiden Bläser ein längeres Call And Response Intermezzo, das wie die Soli euphorisch von der Menge bejubelt wurde. Andere Stellen des Auftritts erinnerten an die Tedeschi Trucks Band oder The Commitments.

Neben den Covern stellten die Kanadier ein paar neue Titel vor. Bei „Sea We Swim“ spielte Meghan Parnell ihre Stimme erneut voll aus. Vor allem aber „I Remain“ ist ein Stück, auf dessen Veröffentlichung ich mich jetzt schon freue. Als langsamer Blues beginnend entwickelte das Stück eine ungeheuerliche Dynamik und steigerte sich zu einem bombastischen Finale.

Toll war auch „Silver Lining“ von dem aktuellen Longplayer. Von diesem performte die Band ebenso „Bring Me Down“ sowie eine rockigere Version – einschließlich Wechselgesang mit dem Publikum – von „Over And Over“, die mich mehr überzeugte als die Studioversion. Da eine Saite von Dave Barnes Gitarre riss, spielte er „Talking Backwards“ auf den verbliebenen fünf. Das tat dem klasse Rocktitel aber keinen Abbruch.

Mit diesem aufputschenden Ende des neunzigminütigen Hauptsets wollte sich das Publikum verständlicherweise nicht zufrieden geben. Die Band ließ sich auch nicht lange bitten und kam für die Zugabe schnell wieder auf die Bühne. Zuschauerrufe forderten „Hometown“, das eigentlich zu einem früheren Zeitpunkt auf der Setlist vorgesehen war. Die Ballade avancierte anscheinend nicht nur zu meinem Lieblingsstück des aktuellen Albums.

Der einzige Wehmutstropfen des Abends war, dass die Rufe nicht erhört wurden. Aber an dieser Stelle wäre der getragene Titel auch nicht passend gewesen. Das Konzert bot eine ausgewogene Mischung von langsameren und schnelleren Songs, bei der Bywater Call ein sehr gutes Gespür für die Dramaturgie bewies. So gab es abschließend das ebenfalls starke „Swing Low“ und das flotte, unveröffentlichte „Way I Am“, bei dem die Gäste nochmals eine ausgiebige Gelegenheit hatten, einen Gesangspart zu übernehmen.

Am Merchandise-Stand bildete sich eine Schlange von Autogrammjägern, die neben den frischen Eindrücken noch eine Trophäe mit nach Hause nehmen wollten. Die sieben Kanadier standen dann auch noch lange für Gespräche bereit und ließen so einen musikalisch hochkarätigen Freitagabend ausklingen.

Einen Vergleich mit dem letztjährigen Auftritt von Samantha Martin & Delta Sugar braucht Bywater Call nicht zu scheuen. Die hohen Erwartungen erfüllten die charismatische Meghan Parnell und ihre versierte Begleitung mühelos. Stellte sich im Vorfeld noch die Frage, ob die Band die Qualität ihrer Songs auf der Bühne umsetzen kann, lässt sich nun konstatieren, dass Bywater Call als Live-Act in der Lage ist, diesbezüglich noch eine Schippe drauf zu legen. Dieser Auftakt des Konzertjahres 2020 für SoS in der Kulturrampe legt die Messlatte hoch für die kommenden Gigs.

Line-up:
Meghan Parnell (lead vocals, percussion)
Dave Barnes (guitar,bgv)
Alan Zemaitis (keys, percussion, bgv)
Mike Meusel (bass, bgv)
Bruce McCarthy (drums)
Stephen Dyte (trumpet, percussion, bgv)
Julian Nalli (saxophone, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Michael Segets

Bywater Call
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Kulturrampe Krefeld

Henrik Freischlader – 15.01.2020, Alte Molkerei, Bocholt – Konzertbericht

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Knapp ein Jahr, nachdem Henrik Freischlader letztmalig ein begeistert aufgenommenes Konzert in Bocholt abgeliefert hatte, kehrte er wieder in die ehrenamtlich, mit viel Liebe zum Detail geführte Alte Molkerei zurück. Entsprechend herzlich war der Empfang in der diesmal im Gegensatz zum Vorjahr etwas weniger besuchten Location, die dennoch gut gefüllt war.

Der Tag in der Woche kann ein Grund gewesen sein, aber auch, dass es seit dem letzten Jahr kein neues Songmaterial gegeben hat. Dies merkte Freischlader selbst zu Beginn des Konzertes an, beruhigte die Fans aber direkt, dass er einiges im Programm ausgetauscht hat.

Damit sollte er auch Recht behalten, es entwickelte sich ein Gig, der im Vergleich zum Vorjahr rauer daherkam, da er einige Songs aus der Triozeit wieder präsentierte. Zudem hielt er sich bei den Ansagen merklich zurück, was aber nicht bedeuten soll, dass er den Kontakt zum Publikum nicht suchte und auch fand.

Passend dazu war auch seine Werbung für die neu erschienen Liveplatte, die ein Mitschnitt eines gesamten Konzertes darstellt, wo er schmunzelnd erzählte, dass man bei den Ansagen vorspulen oder bei einer LP auf 45 stellen könne.

In den etwa 100 Minuten präsentierte Freischlader mit Band einen Querschnitt durch alle Schaffensphasen und begann mit „The Blues“, was dann auch für weiteren Verlauf Programm bleiben sollte.

Lieder wie das folgende „Lord Have Mercy“, wurden durch Saxofon und Keyboards aufgepeppt, ohne von ihrem rauen Charakter einzubüßen. Mit „Share Your Money“, griff er nur einmalig auf sein letztes Studio-Album zurück und hielt somit sein Versprechen, den Zuschauern ein neues Programm mit alten Songs zu bieten, was auch sehr gut aufgenommen wurde.

Gut gewählt waren auch die beiden Coversongs „Need Your Love So Bad“ von Peter Green und eine fulminante Version des Hendrix-Klassikers „Foxy Lady“.

Der Höhepunkt für mich war allerdings eine Extendet Version von „Bad Dreams“, was zuweilen psychedelische Züge annahm und in dem neben Freischlader, insbesondere Roman Babik an den Keyboards und Marco Zügner am Saxofon, mit ausufernden Soli glänzen konnten, wofür sie auch einige Male verdienten Szenenapplaus erhielten.

Unterstützt wurden sie dabei mit der wie immer zuverlässigen Rhythmussektion um Drummer Moritz Meinschäfer, der souverän, sichtlich gute Laune versprühend, seine Instrumente von zurückhaltend ruhig bis hin zu rasant wirbelnd bearbeitete und Bassist Armin Alic, der seinen Tieftöner immer wieder als belebendes Element einsetzte.

Henrik Freischlader und Band gelang es, die Besucher der „Alten Molkerei“ durch ihre Bühnenpräsenz zu begeistern, wobei auch merklich der Funke vom Publikum immer wieder auf die Band übersprang, dass sich ein für beide Seiten schöner Abend, gefüllt mit handgemachter Bluesmusik, ergab.

Nach dem Auftritt nahm sich Henrik noch Zeit zum Plausch mit den Besuchern in der Kneipe der Molkerei, welche sich als guter Gastgeber erwies, um Platten zu signieren, aber auch schon Karten für das Release-Konzert des neuen Albums, welches im Sommer erscheint, in der Wuppertaler Waldbühne zu verkaufen, wovon auch etliche Gäste Gebrauch machten.

Ein Dank noch einmal für die kurzfristige Akkreditierung durch Florence Miller mit ihrer Agentur und den herzlichen Empfang durch das Team der Alten Molkerei, die es geschafft haben, nur mit ehrenamtlicher Arbeit solch ein Kulturzentrum ins Leben zu rufen und ein vielfältiges Kulturprogramm in verschiedenen Genres anzubieten.

Line-up:
Henrik Freischlader (lead vocals, electric guitar)
Roman Babik (keys)
Armin Alic (bass)
Moritz Meinschäfer (drums)
Marco Zügner (saxophone)

Text+Bilder: Gernot Mangold

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