Marcus King – El Dorado – CD-Review

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Gerade mal Anfang Zwanzig, bringt der aus Greenville, South Carolina, stammende Marcus King mit „El Dorado“, bereits schon das vierte Album auf den Markt.

Neu ist, dass er hier jetzt ganz unter eigener Fahne firmiert und die Musik noch stärker auf seine Vorstellungen fixiert zu haben scheint.

Dafür hat er sich mit dem Songwriter, Sänger und Gitarrist von The Black Keys, Dan Auerbach, zusammengetan, der die neuen zwölf Stücke in seinem eigenen Studio in Nashville, mit eingespielt und produziert hat. Auch mit dabei prominente Musiker wie u. a. Gene Chrisman (drums) und Bobby Woods (keys).

Im Prinzip, soweit ich die beiden anderen bisher hier reviewten Alben noch im Sinn habe, ist der größte Unterschied das Weglassen der Bläserelemente. Die Musik bewegt sich wieder in einem breiten Rahmen aus Country-, (Southern) Soul-, Gospel, R &B, Blues- und Rock-Ingredienzien, allerdings harmonisch ineinander greifend, umwittert meistens von ein gewissen Retro-Charme.

Getragen wird sie von Kings eigenwilliger, hell-raspeliger Stimme und seinem feinen Gibson-ES-E-Gitarrenspiel. Bei den countresken Sachen wie u. a. „Young Man Dream“, „Sweet Marionna“ , „Beautiful Stranger“ oder „Too Much Whiskey“ (ziemlich unverhohlen abgekupfert bei Charlie Daniels‘ „Trudy“) hört man die Pedal Steel wimmern, bei letztgenanntem kommt auch eine Harp zum Einsatz. Zuweilen finden auch retromäßige Streicher in ausgewählte Tracks („Break Me“, „No Pain“).

Ansonsten spielen (E-) Piano und Organ für die atmosphärische Note eine große Rolle, die Backgroundsängerinnen sorgen für einiges an Gospel- und Soul-Flair.

Richtig gerockt wird beim stampfenden „The Well“ (erinnert an die Band Of Heathens), „Say You Will“ (psychedelische Note, saustarkes E-Gitarrensolo) und „Turn It Up“ (hat was von den alten Free).

Mein persönlicher Favorit des Werks ist der wunderbare Blues-Schwofer „Wildflowers & Wine„.

Wie bereits erwähnt, passt alles sehr gut zusammen. Trotzdem hat man auf „El Dorado“ bei Marcus King, wie einst bei den Jägern nach dem Goldland in Südamerika,  noch den Eindruck eines Suchenden nach dem richtigen Weg.

Fest steht aber schon jetzt, dass ihm angesichts seines außerordentlichen Talents, eine goldene musikalische Zukunft bevorsteht. Wir werden ihn live demnächst in der Kölner Kantine anchecken, wo er am 05. März auftreten wird.

Fantasy Records (2020)
Stil: Blues Rock, Southern Rock, Country, Soul

01. Young Man Dream
02. The Well
03. Wildflowers & Wine
04. One Day She Is Here
05. Sweet Mariona
06. Beautiful Stranger
07. Break
08. Say You Will
09. Turn It Up
10. Too Much Whiskey
11. Love Song
12. No Pain

The Marcus King Band
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Oktober Promotion

Bywater Call – Same – CD-Review

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Review: Michael Segets

Was für eine Stimme! Meghan Parnell wird von der Fachpresse mit Grace Potter und sogar Janis Joplin verglichen. Auf dem selbstbetitelten Erstling von Bywater Call liefert die Sängerin eine ganz starke Leistung ab. Die mittlerweile zu einem Septett angewachsene Truppe wurde 2017 von ihr sowie Gitarristen Dave Barnes in Toronto gegründet und tritt nun an, Europa zu erobern.

In den niederländisch-belgischen Americana-Charts schoss das Album kurz nach Erscheinen in die Top-Ten. Bis Ende Februar tourt Baywater Call ausgiebig durch den alten Kontinent. Als dritter Termin steht am 17.01. ein Besuch in der Krefelder Kulturrampe an und am 22.02. kommt die Band nochmals in die SoS-Region, wenn sie im Dortmunder Blue Notez Station macht. Das Debüt lässt mitreißende Auftritte erwarten, wenn die unglaubliche Dynamik, die selbst die langsameren Songs entwickeln, auf die Bühne rüber gerettet werden kann.

Bereits der Opener „Arizona“ bekommt nach dem staubigen Gitarrenintro durch die beiden Bläser Stephen Dyte (Trompete) und Julian Nalli (Tenor-Saxophon) eine gehörige Portion Soul. Mit „Forgive“ geht es dann direkt flott weiter. Baywater Call lässt hier die guten alten Zeiten des Rock ’n Roll aufleben, wobei sich die Rhythmus-Sektion – Bruce McCarthy am Schlagzeug und Mike Meusel am Bass – richtig ins Zeug legt.

„Talking Backwards“ schlägt in die gleiche Kerbe, ist aber durch den raueren Gesang und die tolle Saxophon-Einlage sogar noch einen Deut interessanter. Nach diesem Highlight fährt Baywater Call das Tempo mit der siebenminütigen Ballade „Bring Me Down“ und dem souligen „Nightmare“ deutlich runter. Während beim erstgenannten Gesang, Bläser und Gitarrensolo gelungene Spannungsbögen entwickeln, fällt das zweitgenannte – auch im Vergleich zu den anderen Titeln der CD – etwas ab. Bei „Over And Over“ zieht Baywater Call nochmal das Tempo an und die Combo zeigt, dass sie auch funkige Töne beherrscht.

Die zweite Hälfte des Albums ist durch langsamere Songs geprägt, die einen allesamt packen. Unter diesen sticht das erdige und emotionale „Hometown“ besonders hervor. Aber auch die beiden Blues-Stücke „Silver Lining“ und die Single „Walk On By“ sind klasse. Bei dem abschließenden „Swing Low“ beginnt Meghan Parnell mit beinah zerbrechlicher Stimme, setzt dann jedoch ihr Organ wie bei den vorangegangenen Titeln kraftvoll ein.

Mit sanften Fingerläufen lässt Alan Zemaitis an den Keys den Longplayer ausklingen. Damit geht das frische Debütwerk der Formation aus Kanada zu Ende. Auch wenn sich im Mittelteil der eine oder andere Song findet, der nicht ganz das hohe Niveau des schmissigen Anfangs und des gefühlvollen Abschlusses hält, liefert Bywater Call einen sehr gelungenen Einstand ab.

Bywater Call hat mit der stimmgewaltigen Frontfrau Meghan Parnell und der Bläserabteilung Trümpfe, die die Band richtig ausspielt. Die Songs zwischen Blues und Rock erhalten so das richtige Maß an Soul und entfalten damit unterschiedliche Stimmungen, auf die man sich gerne einlässt.

Die Besprechung des Albums wurde durch Renan Yildizdogan von Gypsy Soul Records und durch Manny Montana von Teenage Head Music ermöglicht. Ihnen sei an dieser Stelle herzlich gedankt.

Gypsy Soul Records (2019)
Stil: Soul, Blues, Rock

Tracks:
01. Arizona
02. Forgive
03. Talking Backwards
04. Bring Me Down
05. Nightmare
06. Over And Over
07. Hometown
08. Silver Lining
09. Walk On By
10. Swing Low

Bywater Call
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Gypsy Soul Records
Teenage Head Music

Vanesa Harbek & Band – 10.01.2020, topos, Leverkusen – Konzertbericht

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Hatte im Bereich der CD-Reviews bei mir mit Betty Fox bereits eine Blondine den Auftakt vor einigen Tagen bestritten, fiel nun das ‚Ius primae noctis‘ auf Vanesa Harbek, die argentinische Blues-Queen. Diesbezüglich ist natürlich nur der erste abendliche Konzertbesuch des Jahres gemeint!

Die war schon, ähnlich wie vor knapp einem Jahr, mit ihren beiden etatmäßigen Mitstreitern Lukasz Gorczyca am Bass und Tomek Dominik an den Drums, im Rahmen ihrer, sich noch durch den gesamten Januar ziehenden Deutschland-Tour, wieder im urigen Leverkusener topos vorstellig.

Trotz ihrer letztjährigen guten Leistung hielt sich die Zuschauerresonanz, vermutlich mal wieder wegen des wirklich ungemütlichen Wetters, in einem sehr überschaubaren Rahmen. Nur recht wenige, aber auch einige Stammleser unseres Magazins, hatten sich vor der kleinen Bühne und um den Thekenbereich eingefunden.

Vanesa (hatte vom Outfit her die Netzstrumpfhose diesmal gegen eine signalrote Hose mit kniehohen Stiefeln eingetauscht, um den Hals hatte sie wieder u. a. ihre lange rote Perlenkette mit Kreuz, die sich zwischenzeitlich immer wieder auf den Body ihrer Gitarre legte) spielte sich zum Auftakt des zweiteiligen Sets mit dem Standard-Klassiker „Hideaway“ die Finger warm, um dann mit Tracks wie „Rooster Blues“, If You Love Me“, Something’s Got A Hold On Me“, identisch zum letzten Mal, in den Gig hineinzufinden.

Üblicher Bestandteil eines Vanesa Harbek-Konzerts ist natürlich auch, ihrer Heimat Tribut zu zollen, was im Anschluss mit „Vuelvo Al Sur“, einem Lied von Astor Piazzolla, der als Begründer des Tango Nuevo Berühmtheit erlangt hat, und „Vanesca Tango“ (beide mit spanischem Gesang), emotional belegt wurde.

Mit „Hell In Paradise“ wurde dann wieder in englischer Sprache mit einem Ex-Freund ‚abgerechnet‘, der Schunkler „Sitting On A Boat Dog“ und das shufflige „Killing Floor“ (schöner Schlagabtausch zwischen Vanesa und Lukasz im Instrumental-Bridge) beendeten die erste Dreiviertel-Stunde.

Nach der Pause, die für erste Merchandise-Aktivitäten und Getränkebestellungen genutzt wurde, ging es mit „Chitlins Con Carne“ (Bass-Solo Gorczyca) ruhig weiter, um dann aber mit „Pride & Joy“, in Rock’n’Roll-Manier, Gas zu geben.

„Te Extraño Buenos Aires“, „En El Abismo“ und später die bärenstarke Coverversion von „Oye Como Va“ bildeten einen weiteren lateinamerikanischen Part im zweiten Abschnitt. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass beim Umzug Vanesas von der argentinischen Hauptstadt in die deutsche nach Berlin, so ein wenig das dortige feurige Temperament auf der Strecke geblieben ist.

Mit das Highlight für mich persönlich war die brandneue Ballade „Big Love“ (aus der Feder von Lukasz Gorczyca), in der die schlaksige Blondine ein fulminantes E-Solo auf ihrer Stratocaster hinzauberte. Die Eric Clapton-Adaption „Further Up On The Road“ gab am Ende den geplanten Rausschmeißer.

Das Trio wurde aber nicht so einfach in den Feierabend gelassen und musste dann mit einer Klasse-Version von „Proud Mary“ (tolle Tempozunahme im Schlussbereich des Stückes) und dem Blues-Retro-Schunkler „Take A Look At Yourself“ in die Nachspielzeit.

Insgesamt ein ordentlicher Konzertauftakt 2020 mit der sympathischen und engagiert spielenden Vanesa Harbek Band (am Ende hatte die Protagonistin für jeden Anwesenden ein Ohr und ließ sich natürlich auch noch mit so manch rheinischer Frohnatur zusammen ablichten…) , der deutlich mehr Zuschauer verdient gehabt hätte.

Line-up:
Vanesa Harbek (lead vocals, electric guitar)
Lukasz Gorczyca (bass)
Tomek Dominik (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus
Video: Klemens Kübber

Vanesa Harbek
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topos Leverkusen

Dallas Moore – Tryin‘ To Be A Blessing – CD-Review

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Ein Musiker, der schon lange von unserer Klientel geschätzt wird, ist verdienter Maßen Dallas Moore. Ich habe in meinem Portfolio nur seine „High On Hog“-Scheibe aus dem Jahre 2002. Da bot sich in der, im Moment eher bemusterungsruhigeren Zeit, jetzt mal an, sein neuestes Werk aus dem Endquartal des letzten Jahres, „Tryin‘ To Be A Blessing“, zu beleuchten und dem Musiker damit, seinen wohl verdienten Platz in unserem Magazin zu sichern.

Die Scheibe dauert zwar leider nur 29 Minuten, ist aber mit neun herrlichen Songs voller Spielfreude bestückt. Produziert hat das Werk des Rauschebartträgers erneut der uns ebenfalls bekannte Dean Miller (Sohn von Country-Legende Roger Miller), der um Moore wieder exzellente Musiker wie u. a. Steve Hinson (pedal steel), Guthrie Trapp (electric guitar), Mark Beckett (drums), Jenee Fleanor (fiddle) und Gordon Mote gescharrt hat, die sich für den Protagonisten spürbar ins Zeug legen.

Trapp mit seinem vorzüglichen Bariton-Geknarze (viele ‚kleine‘ Soli und Fills) und Mote mit seinem unverwechselbar ‚klaren‘ Pianogeklimper (ich hatte mich noch garnicht mit den Musikern beschäftigt, da wusste ich im Prinzip schon, dass er mit von der Partie war), setzen neben Moores rauem Wohlfühl-Gesang (eine Art Mischung aus Bob Seger und Pirates Of The Mississippi-Fronter Bill McCorvey), die Hauptakzente.

Los geht es mit der launigen Uptempo-Hommage an seine Eltern „Mama & Daddy„, die beide erst vor nicht allzu langer Zeit verstorben waren und in ihrer Unterschiedlichkeit humorvoll von Dallas nachgezeichnet werden („…mama was a good-fearing woman, daddy was a hell-raisin‘ man, she had a bible in the kitchen, he had a bottle in his hand…“).

Der swampige, saucool gesungene Southern Rock-Schunkler „Della And The Dealer“ mit reißendem Slide ist genau der Stoff, wie wir ihn lieben. So ein typisches Endlos-Stück, an das man unzählige Strophen und Soli anfügen könnte, ohne, dass es einem langweilig wird – klasse. Ruhig und melancholisch wird es erstmals bei „Everything But You“, dem später mit „I Love You Woman“ (Slide im ABB-Stil) und „You Saved Me From Me“ zwei weitere behutsamere Tracks folgen.

Ansonsten dominiert fröhliches narratives Countrymusizieren mit viel Steel-Geleier und den typischen sonstigen Zutaten. Und am Ende bietet Moore mit einer famosen Countryversion von „Lodi“, John Fogerty, ordentlich die Stirn, wenn auch die Klasse dieses allerdings auch außergewöhnlichen Liedes nicht ganz erreicht wird. Trotzdem ein finales Highlight auf diesem durchgängig hörenswerten, immer mit einem unterschwelligen Outlaw-Flair daher kommenden Tonträger.

Am Ende möchte man direkt zum Player hinlaufen und sofort den nächsten Hördurchgang anschmeißen. Somit bietet „Tryin‘ To Be A Blessing“ eine knappe halbe Stunde feinster süffiger  Southern-Countrymusik, die es in sich hat. Chapeau Dallas Moore, willkommen im Club!

Sol Records (2019)
Stil: Country Rock

Tracks:
01. Mama & Daddy
02. Della And The Dealer
03. Everything But You
04. Tryin‘ To Be A Blessing
05. I Love You Woman
06. You Saved Me From Me
07. All I Need
08. Lovin‘ On Back Streets
09. Lodi

Dallas Moore
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Betty Fox Band – Peace In Pieces – CD-Review

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Kaum ist das vergangene Jahr vorüber und schon beginnt das neue wieder mit einer sensationell guten Scheibe. „Peace In Pieces“ heißt das dritte Werk der in Petersburg, Florida, ansässigen Betty Fox Band, die weder ich, noch vermutlich hier kaum irgend jemand anders, bis jetzt auf dem Schirm haben dürfte.

Die hübsche Blondine, mit einer der besten Stimmen, die ich bis dato im soulig-umwobenen Blues-Genre gehört habe, hat sich dazu in die berühmten FAME Studios in Muscle Shoals Alabama begeben, um 13 Eigenkompositionen und einen Gospel-Standard, in exquisiter Begleitung von Musikern wie u. a. Spooner Oldham (Neil Young, J.J. Cale, Jackson Browne), Clayton Ivey (Boz Scaggs, Gregg Allman, Toby Keith), Chris Peet, Barry Williams und Langzeit-Weggefährte Josh Nelms, einzuspielen.

Die beiden Letztgenannten zeichnen sich mit ihr auch für die feinfühlige Produktion (herrlich, wie hier die Instrumente ineinander verschmelzen und der Protagonistin die ‚Bühne‘ für ihren famosen Gesang bereiten) verantwortlich.

Die Stücke bewegen sich meist im relaxt bluesig-souligen Midtempo-Bereich, wo sich Betties Stimmvariabilität auch am besten entfalten kann. Ab und zu wird es mit Sachen wie dem Titelstück, dem shuffelnden „Feels So Good“ und dem swingenden „Rising Strong“ etwas temporeicher.

Manchmal kommt man bei Tracks wie u. a. „Magnificent Hallucination“ oder „Shattered Dreams & Broken Toes“ an Vergleichen mit Beth Hart nicht vorbei, mir persönlich gefällt Betties Stimme in der Bandbreite aber noch etwas besser.

Oldham und Ivey glänzen durch ihre bestens aufeinander abgestimmte songdienliche Tastenarbeit und auch die Bläserfrakton ist meist eher mit sanft plusternder Fillarbeit zugange, lediglich bei „Sweet Memories“ gibt es mal ein durch Brad Guin gespieltes Saxofon-Solo.

Die auffälligsten Akzente setzt neben der Protagonistin Gitarrist Josh Nelms, zum Niederknien seine Soli im southern-souligen Opener „Green Light„, bei „Peace In Pieces (herrlich quirlig) oder beim Überraschungssong des Albums „Fireflies“, wo Fox und Co. plötzlich einen acht-minütigen, Akustik-/E-Gitarren-gesteuerten Americana-Schwofer in bester Lucinda Williams-Manier einstreuen.

Am Ende zollt Fox noch mit dem Gospelstandard „‚Til The Storm Passes By“ ihrer amerikanisch-typischen Musikerziehung (Familie/Kirche) Tribut und gibt mit ihrer Stimme zu Orgel- und Pianoklängen eine letzte vokale Paradevorstellung ab.

Ich muss am Ende schon sagen, dass ich selten so schnell von einer weiblichen Stimme derart begeistert gewesen bin. Betty Fox und ihre exzellente Band liefern schon direkt zu Anfang einen ganzen heißen Kandidaten für das ‚Album des Jahres‘ ab.

Wer sich diese CD kauft, ist zweifelsohne ein schlauer Fuchs!

Eigenproduktion (2019)
Stil: Blues & More

Tracks:
01. Green Light
02. Winter’s Cold
03. Marie
04. Sweet Memories
05. Peace In Piece
06. Let Go Or Be Dragged
07. Runnin‘ Back To You
08. Feels So Good
09. Sweet Goodnight
10. Magnificent Hallucination
11. Shattered Dreams & Broken Toes
12. Rising Strong
13. Fireflies
14. ‚Til The Storm Passes By

Betty Fox Band
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Der Sounds Of South-Rückblick 2019

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Wie schnell ein Jahr mittlerweile vorüber geht, merke ich auch immer daran, wenn der Rückblick in Sounds Of South ansteht. Vier davon sind mittlerweile vergangen und das Magazin hat sich in soweit konsolidiert, dass weiterhin mit fünf Leuten, der gewohnte Standard an Informationen, was Musik aus dem Dunstkreis von Southern Rock, New Country, Red Dirt, Americana, Blues Rock, etc. betrifft, gewährleistet werden konnte. Wir bewegen uns mittlerweile auf den 1.500 Artikel zu und werden diese Marke schon in Kürze knacken. Dabei hat sich nach wie vor unsere qualitativ hochwertige und schnelle Konzertberichterstattung als eine unsere großen Stärken gezeigt, was uns auch immer wieder vor Ort durch unsere Leser attestiert wird. Ganz vorne dabei natürlich erneut ‚Junkie‘ Gernot Mangold, der 2019 wieder an knapp 70 Artikeln dieser Sorte in Sachen Bilder als auch textlich beteiligt war. Vielen Dank natürlich auch an die restlichen zuverlässigen und engagierten Mitarbeiter Jörg Schneider, Michael Segets und Stephan Skolarski, alle Mediapartner, Clubbesitzer, Interpreten  und Leser, die uns unterstützen und zur Weiterführung animieren, wie auch motivieren. Erfreulich war, dass mittlerweile immer mehr (auch hochrangige) Interpreten aus der New Country-Szene wie u. a. Scotty McCreery, Charles Esten oder Old Dominion, ihren Weg nach Deutschland finden (demnächst auch wieder Brett Eldredge, Keith Urban, etc.), nicht zuletzt auch befeuert durch die schöne, noch auf beschaulichem und publikumsnahem Niveau stattfindende SOUND OF NASHVILLE-Reihe. Geärgert habe ich mich über Southern Rock-Bands wie Whiskey Myers oder Molly Hatchet, deren Managements es scheinbar nicht nötig hatten, auf Akkreditierungsanfragen zu reagieren, und deshalb auch zu meinen Enttäuschungen dieses Jahres zählen. Highlights waren die furiosen Konzerte der Allman Betts Band und von The Steel Woods, die dem Southern Rock neue starke Impulse (auch mit ihren neuen tollen Alben) verliehen haben. Von uns gegangen sind diesmal leider Hatchet-Sänger Phil McCormack, J. R. Cobb (Gitarrist, Songwriter bei Atlanta Rhythm Section), Larry Junstrom (Mitbegründer von Lynyrd Skynyrd, Bassist bei 38. Special) und ZZ Top-Producer Joe Hardy. Weiterleben wird dagegen der Blues-Kult-Club Schwarzer Adler im heimatlichen Rheinberg, der nach dem verdienten Ruhestand von Besitzer Ernst Barten, nun genossenschaftlich weitergeführt wird. Hiermit nochmal verbunden unser Appell, besonders diese mit viel Leidenschaft geführten, kleinen Locations, mit ihrer unnachahmlichen hautnahen Atmosphäre, zu unterstützen (siehe auch unsere vielen, bereits aufgeführten Konzerttipps). Nicht umsonst heißt es, dass Konzertbesucher glücklicher und länger leben. Somit gilt auch 2020 wieder unser Versprechen, uns nach besten Kräften am Puls der Southern Way Of Music zu bewegen und unsere Leserschaft mit den relevanten und aktuellen Informationen zu versorgen.

Hier, wie gewohnt, nochmal eine kleine Auswahl meiner persönlichen Highlights des Jahres 2019:

CD des Jahres:

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Sheryl Crow – Threads
Luke Combs – What You See Is What You Get
The Steel Woods – Old News

Überraschungs-CD des Jahres:

Caleb Johnson & The Ramblin‘ Saints – Born From Southern Ground

Newcomer-CD des Jahres:

The Georgia Thunderbolts – Southern Rock From Rome

Interview des Jahres:

DWade-akt

Wade Bowen

Interpret des Jahres:

The Steel Woods

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Großartige neue CD „Old News“ und ein bärenstarkes Deutschland-Debüt-Konzert im Kölner Blue Shell – Southern Rock von morgen

Song des Jahres:

Fire & Brimstone – Brantley Gilbert

Diese Songs machten beim Reviewen ebenfalls Spaß:

Still The Good Old Days – Sheryl Crow feat. Joe Walsh
Down To The River – The Allman Betts Band
Lend A Hand – The Georgia Thunderbolts
Blind Lover – The Steel Woods
Tattoos And Tequila – Jason Aldean
Even Though I’m Leaving – Luke Combs
Midnight Mess Around – Old Dominion
Faded Pair Of Blue Jeans – Kiefer Sutherland
Heartache Medication – Jon Pardi
Memphis Rain – Sister Hazel

April-Scherze:

Rot-Weiss Essen und Sounds Of South kooperieren

Ronnie Van Zant – Rollin‘ Stoned

Enttäuschungen des Jahres:

Whiskey Myers

Molly Hatchet

Konzerte:

Konzert des Jahres:

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The Allman Betts Band – 23.07.2019, Yard Club, Köln

The Steel Woods – 12.09.2019, Blue Shell, Köln

Robert Jon & The Wreck – 21.06.2019, Kulturrampe, Krefeld

Old Dominion – 07.10.2019, Live Music Hall, Köln

Danny Bryant – 21.11.2019, Schwarzer Adler, Rheinberg

Honey Island Swamp Band, 19.07.2019, topos, Leverkusen

Mike Tramp & Band Of Brothers – 13.10.2019, Musiktheater Piano, Dortmund

Mike Zito – Support: Jeremiah Johnson – 14.03.2019, Musiktheater Piano, Dortmund

Wishbone Ash – 12.01.2019, Musiktheater Piano, Dortmund

Charles Esten – 25.01.2019, Carlswerk Victoria, Köln

Konzertimpressionen:

Bilder Gernot Mangold:

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Bilder Jörg Schneider:

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Bilder Michael Segets:

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Bilder Martina Middeke:

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Bilder Adam Zegarmistrz Glagla:

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Irgendwann 2017 kam die Idee auf, unser Logo mal als Schild herstellen zu lassen und eine Galerie von Künstlern/Leuten ins Leben zu rufen, die von unserer Arbeit angetan sind und sich, im Sinne einer Identifikation mit unserem Magazin, ablichten ließen. Hier ein kleiner Auszug von 2019 –  die ganze Galerie findet man unter diesem Link.

Bilder Sounds Of South VIP-Galerie 2019:

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To be continued…

Wir wünschen unseren Lesern, allen Musikfreunden, Künstlern und Mediapartnern ein gesundes, erfolgreiches und (Southern) rockiges neues Jahr 2020!

Sounds Of South is gonna do it again!

Euer

Daniel Daus

Jason Ringenberg – Stand Tall – CD-Review

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Review: Michael Segets

Da wäre mir beinahe „Stand Tall“ von Jason Ringenberg durchgegangen. Im Frühjahr brachte der Pionier des Country Rock und Cowpunk nach vierzehn Jahren doch tatsächlich eine neue Solo-Scheibe heraus. Die Entdeckung ist nun quasi ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk. Die Musik selbst ist natürlich weniger besinnlich, da Jasons neues Werk nahtlos an seine bisherigen Veröffentlichungen anknüpft.

Mit seinen Weggefährten Warner Hodges, Jeff Johnson und Perry Baggs entstaubte Ringenberg als Jason And The Scorchers Anfang der 1980er die Country-Szene. Nach zwanzig Jahren, in denen sich die Band einen legendären Ruf als Liveact erwarb, folgte eine längere Pause. 2010 schoben Jason And The Scorchers „Halycon Times“ nach. Neben den eher sporadischen Treffen der Band widmete sich Ringenberg seit der Jahrtausendwende verstärkt seiner Solokarriere und veröffentlichte zudem als Farmer Jason Musik für Kinder.

Wie den Linernotes zu „Stand Tall“ zu entnehmen ist, verabschiedete sich Ringenberg vor ein paar Jahren von der Vorstellung, weitere Alben herauszubringen. Den Veränderungen im Musikgeschäft wollte er nicht folgen. In der Abgeschiedenheit eines Nationalparks überkam ihn aber ein neuer Inspirationsschub, der den Grundstein für das nun vorliegende Album legte.

Die Gefühle und Gedanken, die Ringenberg beim Anblick der gleichsam unberührten Natur erfüllten, teilt er in „Here In The Sequoias“ mit. Es ist die einzige der sieben Eigenkompositionen, bei der er ruhigere Töne anschlägt. Das andere Ende der Fahnenstange ist die krachende Uptempo-Nummer „God Bless The Ramones“. Wie der Songtitel bereits nahe legt, hat sie einen deutlichen Punk-Einschlag. Dieser tritt auch auf „John Muir Stood Here“ zutage, bei dem Ringenberg den Naturschützer besingt.

Ringenberg hat sowieso ein Talent dafür, historische Personen – wie beim witzigen „John The Baptist Was A Real Humdinger“ – oder auch fiktive Charaktere – wie Will Tucker beim „I’m Walking Home“ zum Leben zu erwecken. Seine Texte sind oftmals von bissigem Humor und von tiefem Mitgefühl geprägt. Diese Kombination findet man sonst selten im Musikbusiness.

Die beiden Songs stellen meine Favoriten auf dem Album dar. Die Charakterisierung von Johannes dem Täufer im erstgenannten Titel mutet wunderbar skurril an. „I’m Walking Home“ erzählt die Geschichte eines Soldaten im Amerikanischen Bürgerkrieg, dem sich die Sinnhaftigkeit der Kämpfe nicht erschließt. Dabei bedient sich Ringenberg musikalisch bei den historischen Bürgerkriegsliedern, indem er Trommelwirbel, Flöten und Fideln einsetzt. Von der anderen Seite des Atlantiks lassen hier The Pogues grüßen.

Obwohl ich eher kein Freund von Instrumentalstücken bin, gelingt Ringenberg doch ein bemerkenswerter Beitrag mit dem Titeltrack „Stand Tall“. Die Italo-Western-Soundtracks von Ennio Morricone drängen sich hier als Vergleich auf.

Seinen charakteristischen Gesang mit der besonderen Intonation spielt Ringenberg bei dem Country Rocker „Lookin’ Back Blues“ aus. Auch die beiden Cover „Almost Enough“ und „Many Happy Hangovers To You“ verbinden Country- und Rockelemente. Sie stammen von Hugh Deneal beziehungsweise Johnny McCrea. Zudem interpretiert Ringenberg Bob Dylans Klassiker „Farewell Angelina“ sowie die Country-Ballade „Hobo Bill’s Last Ride“ von Jimmie Rogers. Die beiden Versionen bieten Verschnaufpausen auf dem Album, bei dem Ringenberg insgesamt ein hohes Tempo geht.

„Stand Tall“ vermittelt den Eindruck, als sei Jason Ringenberg nie weg gewesen. Voller Energie präsentiert er die neuen Songs in seinem unverwechselbaren Stil und mit dem typischen Augenzwinkern. Ringenberg lässt die guten alten Zeiten des punkigen Country Rocks wieder aufflackern, was heutzutage wieder kreativ und provokativ wirkt.

Fast zeitgleich melden sich The Long Ryders und Jason Ringenberg nach längerer Abstinenz mit neuem Material zurück. Ob sich damit die etwas schrägere Art des Country Rocks mit Punk-Attitüde ein Revival erlebt, sei dahingestellt. Es würde nicht schaden, wenn einige der jüngeren Vertreter des Alternative Country in den Texten und der musikalischen Umsetzung etwas mutiger würden. Jedenfalls zeigen die älteren Herren, dass sie nichts von ihrem Feuer eingebüßt haben.

Courageous Chicken Entertainment (Broken Silence) (2019)
Stil: Country Rock, Cowpunk

Tracks:
01. Stand Tall
02. Lookin’ Back Blues
03. John The Baptist Was A Real Humdinger
04. God Bless The Ramones
05. Hobo Bill’s Last Ride
06. I’m Walking Home
07. Almost Enough
08. Here In The Sequoias
09. John Muir Stood Here
10. Many Happy Hangovers To You
11. Farewell Angelina

Jason Ringenberg
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Fish Fisher – Keep Doing Wrong – CD-Review

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Jetzt, wo sich das Jahr langsam dem Ende nähert und die Neuveröffentlichungen etwas rarer gesät sind, kommt man auch mal zu dem, wofür ich dieses Magazin eigentlich ins Leben gerufen hatte: Hier unseren Lesern weitestgehend unbekannte Musik vorzustellen und positiv zu überraschen.

Die Realität zeigte aber recht schnell, vor allem wenn man einmal in den Fängen der Musikindustrie und ihren Vertretern gelandet ist (die uns allerdings dieses Jahr auch wieder mit viel toller Musik beliefert haben, vielen Dank dafür vorab), dass solche Vorhaben in einem kleinen Team von Schreibern, intensiv nur schwer umzusetzen sind.

Der aus Toledo stammende, sich auch in Gaitlinburg und Nashville bewegende Fish Fisher ist endlich mal wieder so ein Kandidat, den vermutlich niemand hier kennt (ich bis dato auch nicht, der Tipp stammt von einem befreundeten Musik-Junkie).

Der umtriebige Songwriter mit dem Spitznammen „Godfather of Ghettobilly“ (hat einen Fundus von über 2000 Songs und schreibt jedes Jahr um die 200 neue Tracks!!!) und Live-Musiker, spielt so ungefähr überall (vom Kanninchenzüchterverein, über Pokerrunden, Hochzeiten, Business-Events, Radio- und TV-Shows, den einschlägigen Locations bis zu Festivals), wo man sich ein paar Dollars verdienen kann.

Als Spezialität wird ihm dabei das Genre-Hopping nachgesagt: Als Mountain Music, Alternative-Country, PsychedeliGrass, Acoustic-Sludge, Ghettobilly, Unplugged-Rock, Roots-Pop, Rowdy-Folk, Yeehaw-Blues, etc. hat man seine Art zu Performen in den einschlägigen Musikplattformen charakterisiert.

Sein neustes Album „Keep Doing Wrong“ bewegt sich allerdings eindeutig in den Sphären des Cuntry-umwobenen Southern Rocks. Die dreizehn Stücke bieten dem geneigten Genre-Liebhaber eigentlich alles, was das Herz begehrt: eine raue, charismatische Stimme, tolle Melodien, typische Akustik- und E-Gitarren (zum Teil sehr schöne hymnische Hooks), Piano und Orgel, mit kleinen Abstechern wie dem psychedelischen „Spaceflight“ oder dem zungenbrecherischen Bluegrassfeger „Critters“ (mit herrlich kratziger Mandoline) zum Abschluss.

Der Rest, vom rockenden Opener „We’re Gonna Make It“, über Sachen wie dem Outlaw-mäßigen Titelstück „Keep Doing Wrong“, die balladesken „Worst As It Gets“, Drinking My Way Back To You“, „Me , The Man & The Moon oder “Whiskey & Cigarette”, dem launigen “Water & Stars (mit dezenten “Walk On The Wild Side”-Ingredienzien ) und dem treibenden „Stomping Ground“ (wie der Titel es schon suggeriert, schön stampfend), serviert einem alles, was man so aus dem Dunstkreis von Vergleichsgrößen wie u. a.  Travis Tritt, den einstigen Rambler, Pirates Of The Mississippi oder Modern Earl, etc. aufgrund vokaler Ähnlichkeiten zu schätzen weiß.

Fish Fishers „Keep Doing Wrong“ erweist sich als sein mit Abstand bester Longplayer bisher. Ein Werk, bei dem man bei jedem Hördurchgang kleine neue schöne Feinheiten entdeckt und das demnach immer besser zu gefallen weiß. Ein sehr authentisches lebendiges Album, das ihm nach Erwerb sicherlich viel Sympathien, auch in hiesigen Genre-Kreisen, einbringen wird. Somit alles richtig gemacht!

Eigenproduktion (2019)
Stil: Country Rock

Tracks:
01. We’re Gonna Make It
02. You Deserve Better Than Me
03. Guy That Gets You
04. Keep Doing Wong
05. Worst That It Gets
06. I Wanna Feel Again
07. Water & Stars
08. Drinking My Way Back to You
09. Me & the Man in the Moon
10. Space Flight 99
11. Whiskey & Cigarette
12. Stomping Groundse
13. Critters

Fish Fisher
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Instant Rivalry – Whiskey And Lead – CD-Review

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Review: Michael Segets

Normalerweise wird, sobald etwas Publicity erworben wurde, schnell ein Produkt nachgeschoben. Die Geschwister Megan und Caleb Hutton haben hingegen mit ihrem Debüt „Whiskey And Lead” auf Qualität gesetzt. Nachdem sie als Instant Rivalry 2015 und 2016 kanadische Country-Preise einheimsten, sammelten sie zunächst als Support für Jefferson Airplane, Tanja Tucker, Corb Lund und The Nitty Gritty Dirt Band einige Live-Erfahrungen, bevor sie sich an die Arbeit an ihr erstes Album begaben.

Im eigenen Studio spielten sie zusammen mit ausgewählten Begleitmusikern fünfzehn selbst komponierte Tracks live ein. Das Ergebnis ist ein handgemachtes Alternative Country-Album, dass sich hören lassen kann. Bei „Ex’s For A Reason“ übernimmt Caleb den Lead-Gesang, ansonsten lässt er seiner Schwester den Vortritt am Mikro.

Der Name der legendären Wild-West-Kunstschützin „Annie Oakley“ dient dem aggressivsten Songs des Albums als Titel. Nach dem Opener geht es mit „If You Can’t Ride“ zwar nochmal country-rockig weiter, aber die meisten Nummern bewegen sich in einem radiotauglichen Midtempo. Als hitverdächtig drängt sich dabei „Heartless“ auf. Aber auch „Rodeo Man“ und „Come And Take It“ sind sehr eingängig.

„Catching Me“ sowie „Slow Motion“ haben einen gefällig poppigen Einschlag. „A Little More Time“ kommt mit einem flotten Country-Rhythmus und Twang daher. Bei dem etwas langsameren „Love With Me“ legt Megan einen rauen Growl in ihren Gesang, den sie auch bei einigen rockigeren Songs anschlägt. Vor allem bei dem staubigen „Ho Down“ kommt er richtig zur Geltung. Die erste Single gehört neben dem frechen „Drink You Pretty“ zu den Highlights der CD.

In der Mitte des Albums streut Instant Rivalry die Ballade „Little Old Farmhouse” ein. Diese folgt ebenso wie „Telluride“ und der Abschluss „Worn Out My Welcome“ den typischen Mustern mit Slide, etwas Geige und mehrstimmigem Harmoniegesang. Mit den Titeln müssen sich Megan und Caleb Hutton nicht vor den Musikern aus Nashville verstecken.

In der Gesamtschau legen die beiden Hutton-Geschwister ein beeindruckendes Debüt vor. „Wiskey And Lead“ besticht durch gutes Songwriting und eine gradlinige Produktion. Gerade im mittleren Tempobereich gelingen Instant Rivalry einige Ohrwürmer, bei denen Chart-Platzierungen durchaus möglich erscheinen. Die harmonischen Melodien erhalten manchmal Ecken und Kanten, mit denen die Songs Konturen gewinnen.

Dass die Huttons nicht auf den schnellen kommerziellen Erfolg schielen, beweist die Auswahl des erdigen „Ho Down“ als erste Auskopplung. Zu hoffen wäre, dass zukünftig weitere Veröffentlichungen folgen, bei denen sich zeigen wird, wie die junge Band den Spagat zwischen Mainstream und eigenem Stil meistert.

Back Forty Productions (2019)
Stil: Alternative Country

Tracks:
01. Annie Oakley
02. If You Can’t Ride
03. Heartless
04. Rodeo Man
05. Come And Take It
06. Ex’s For A Reason
07. A Little More Time
08. Little Old Farmhouse
09. Catching Me
10. Slow Motion
11. Drink You Pretty
12. Love With You
13. Telluride
14. Ho Down
15. Worn Out My Welcome

Instant Rivalry
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Back Forty Productions
Two Side Moon Promotions

Randy Rogers & Wade Bowen – Watch This: Live From Dallas – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Die grandiose Heimspiel-Atmosphäre ihrer jährlichen „Hold My Beer And Watch This“-Tour hautnah einzufangen und den Fans eine „Best-Of-Favorites“-Scheibe zu präsentieren, ist den beiden US-Singer/Songwritern Wade Bowen und Randy Rogers mit dem Album „Watch This: Live From Dallas“ mehr als hervorragend gelungen.

Der fantastische Live-Auftritt der beiden Texaner ist nur so gespickt mit Songs, die laut New York Times „Country music based in the genre’s rich outlaw tradition“ verkörpern und die der Dallas Observer schlicht als „red-blooded heartland rock“ beschreibt.

Die 16 Stücke (sowie die persönliche Geschichte „Jimmy Bowen“) der „well chosen performance“ überzeugen durch ihre natürliche und stilgerechte Country-Darbietung, die Randy Rogers mit „This Is What This Tour Is All About“ bezeichnet. Rogers, der in seiner bald 20-jährigen Bandgeschichte schon mehrmals mit seinen Alben auf SoS zu Gast war (z.B. „Hommade Tameles-Live At Floore’s“) gilt daheim als texanische Country-Institution.

Auch der 42-jährige Wade Bowen ist u. a. mit seinem Solo-Projekt „Live At Billy Bob’s Texas“ im Vorjahr bei uns zu Recht sehr positiv aufgenommen worden und hat im August 2019 sogar vier Deutschland-Konzerte gespielt.

Dass die beiden Freunde auch gemeinsam ihr Handwerk verstehen und sich bei den Auftritten super ergänzen, machen die Aufnahmen „Live From Dallas“ von Beginn an deutlich. Die durchweg mit weiteren, erstklassigen Musikern besetzte Begleitband meistert die umfangreiche Playlist routiniert und die eigenen Country-Perlen „In The Next Life“, „Hanging Out In Bars“ und „Kiss Me In The Dark“ fehlen dabei ebenso wenig im Programm, wie traditionell arrangierte Love-Songs („Til It Does“ bzw. „Tonight’s Not The Night“).

Selbstverständlich ist mit der alten Kris Kristofferson-Nummer „Help Me Make It Through The Night“ ein bekanntes Cover mit dabei, das den Schwung an die Abschluss-Tracks „In My Arms Instead“ und „I Had My Hopes Up High“ weiter gibt und diese ebenso publikumswirksam rüber bringt, wie die häufig mit Zusatzapplaus quittierten Solo-Parts.

Nach ihrem Studio-Werk „Hold My Beer Vol. 1“ (2015) haben Wade Bowen und Randy Rogers mit ihrem 2. Album „Watch This-Live in Dallas“ die Reihe ihrer Konzert-Aufnahmen fortgesetzt und beweisen nicht nur den vielen Country-Rock-Freunden in Texas, dass sie ihre musikalische Stilrichtung jederzeit mitreißend performen können.

Lil‘ Buddy Toons (2019)
Stil: Country

Tracklist:
01. In The Next Life
02. Hanging Out In Bars
03. Songs About Trucks
04. Buy Myself A Chance
05. Jimmy Bowen
06. Good Luck With That
07. Til It Does
08. Tonight‘s Not The Night
09. West Texas Rain
10. It‘s Been A Great Afternoon
11. Lady Bug
12. Saturday Night
13. Kiss Me In The Dark
14. Standards
15. Help Me Make It Through The Night
16. In My Arms Instead
17. I Had My Hopes Up High

Wade Bowen
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Randy Rogers Band
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