Wishbone Ash – Coat Of Arms – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Auch im 50. Jahr ihres Bestehens ist Wishbone Ash um Mastermind Andy Powell nicht müde und bringt mit „Coat Of Arms“ ein weiteres Studioalbum auf den Markt. Das dargestellte Cover in edler Hochglanzoptik, passend zum Jubiläum, sagt schon für sich einiges aus, was den Hörer erwarten wird. Den Hintergrund bildet die zum visuellen Markenzeichen gewordene Wünschelrute, vielleicht ein Indiz dafür, dass Wishbone Ash ihre musikalischen Wurzeln weiterverfolgen.

Das viergeteilte Schild vor der Wünschelrute macht dann detailliertere Aussagen. Zwei gekreuzte Gitarren, für die sich durchs Album ziehenden Twinguitars, eine Harfe spielende Meerjungfrau, als Hinweis für manchen verträumten ruhigen Song steht, eine Faust für kraftvolle Musik, eine Weltkugel, als Zeichen, ihrer musikalischen Weltoffenheit, sowie ein Helm und ein Schwert auf dem Schild als Zeichen für die keltischen Akzente in der Musik, die dem Hörer in fast jedem Song begleiten.

„Coat Of Arms“ ist das erste Werk, das von der aktuellen Besetzung eingespielt wurde und es ist erfreulich, dass insbesondere Mark Abrahams bei den meisten Songs im Songwriting mitverantwortlich ist. Lyrics sind natürlich Chefsache und wurden von Andy Powell, seiner Frau oder seinem Sohn geschrieben, der bei einigen Songs auch für das musikalische Arrangement und begleitende Instrumente verantwortlich ist. Diese familiäre Unterstützung gab es aber auch schon auf dem Vorgängeralbum.

Auch auf diesem Opus ziehen sich natürlich die Twinguitars wie ein roter Faden durch das Gesamtwerk, wobei härtere Riffs immer wieder durch malerisches Gitarrenspiel durchbrochen werden und die Songstruktur sich innerhalb der Songs immer wieder wandelt. Dies ist beim Opener „We Stand Alone“ und im Titelsong „Coat Of Arms“ auch klar zu erkennen, wo sich hardrockende Passagen mit sanften Passagen wechseln, ohne dass dabei eine chaotische Struktur erfolgen würde.

Diese Stücke offenbaren vor allem, dass Andy Powell ein goldenes Händchen besitzt, kongeniale Partner als Gitarristen zu finden, was Mark Abrahams auch in den Liveshows der letzten beiden Jahre hinlänglich bewies.

Besonders stark sind die eher ruhigen, sehr melodiösen Stücke wie „Empty Man“ oder „Floreana“, wo neben dem lieblichen Gitarrenspiel natürlich die angenehme Stimme Powells eine große Rolle spielt. Wie bei Wishbone Ash üblich, stimmt bei der Umsetzung der Songs jeder Ton. Die Rhythmussektion, um die nun schon langjährigen Begleiter Powells, Bob Skeat am Bass und Joe Crabtree an den Drums, leistet hier eine perfekte Arbeit, sodass die Tracks in sich alle sehr homogen rüber kommen. Die eher ruhige fast erzählende Songstruktur setzt sich in den nächsten Stücken fort, bis mit „Too Cool For AC“ wieder Fahrt aufgenommen wird. Schön hier, wie sich Abrahams und Powell im Gitarrenspiel abwechseln.

Mein persönlicher Favorit ist das rockige und treibende „Back In The Day“ mit sehr schönen eingängigen Gitarrenpassagen und Refrains mit hohen Wiedererkennungswert. Bei „Déjà Vu“ fühlt man sich stimmungsmäßig ins Mittelalter zurückversetzt, wo Elemente des keltischen Folkrocks im Vordergrund stehen. „When The Love Is Shared“ erinnert vom Song her an alte Zeiten und im abschließenden “Personal Halloween” finden sich jazzige und swingende Elemente wieder.

Somit ist  Wishbone Ash wieder ein starkes Album geglückt. Es herrscht also immer noch Leben in dieser mittlerweile 50 Jahre alten Band. Dies ist nicht nur im Studio erkennbar, sondern auch auf den jedes Jahr stattfindenden Touren, wo man sich nicht nur auf den alten Lorbeeren ausruht, sondern immer wieder neue Songs ins Programm einbaut. Damit entgeht Wishbone Ash der Gefahr zur eigenen Coverband zu verkommen. Von daher absolute Kaufempfehlung von „Coat Of Arms“ und der Tipp, sich diese Songs nicht entgehen zu lassen, wenn das Quartett auf den Bühnen unserer Regionen wieder präsent sein wird.

Line-up:
Andy Powell – guitars, mandolin, vocals
Mark Abrahams – guitars
Bob Skeat – bass
Joe Crabtree – drums

SPV (2020)
Stil: Southern Rock

Tracklist:
01. We Stand As One
02. Coat Of Arms
03. Empty Man
04. Floreana
05. Drive
06. Its Only You I See
07. Too Cool For Ac
08. Back In The Day
09. Déjà Vu
10. When The Love Is Shared
11. Personal Helloween

Wishbone Ash
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SPV Steamhammer

Outlaws – Dixie Highway – CD-Review

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Wenn man ehrlich ist, geben die Outlaws die letzte Bastion der Southern Rock-Urväter ab, erst recht wenn man dabei den Kreativfaktor berücksichtigt. Die meisten ihrer Kollegen ruhen sich auf den Lorbeeren von gestern aus, viele Acts sind bedingt durch Todesfälle ihrer Mitglieder in den Passivmodus gewechselt oder machen gar nichts mehr.

Erfreulich ist allerdings, dass dem Genre durch einige talentierte Nachkömmlinge und auch frische junge Bands, ordentlich neue Dynamik eingehaucht wird und es einem in Sachen Fortbestehen der Sparte nun wirklich nicht Bange werden braucht.

Seit dem Ableben von Hughie Thomasson, hat bei den Outlaws Henry Paul das Zepter fest in der Hand und hat mit Co-Gründer Monte Yoho (drums), Randy Threet (bass, vocals), Steve Grisham (guitars, vocals, lead vocals auf „Black Horse Run“), Blackhawk-Spezi Dave Robbins (keyboards, vocals), Dale Oliver (guitars, vocals) und Jaran Sorenson (drums, percussion) eine schlagkräftige Truppe um sich versammelt, die sich neben den Live-Darbietungen, auch noch für neuen Stoff offen zeigt.

In der Hinterhand hat Paul auch noch Billy Crain aus den Henry Paul Band-Tagen, der sich mittlerweile zwar auf seine Solo-Karriere fokussiert hat, aber, wie jetzt auf dem neuen Werk „Dixie Highway“, kompositorisch als auch gitarrenmäßig, ordentlich mitmischt.

Weitere treibende Mitglieder sind neben dem Bandleader, was die Neukreationen betrifft, diesmal die beiden Gitarristen Steve Grisham und Dale Oliver. Das Ursprungsbassist Frank O’Keefe gewidmete Werk ist eine gelungene Mischung aus Reminiszenzen an die früheren Zeiten und eine Bestandsaufnahme des aktuellen Leistungsniveaus.

In erster Hinsicht wurde „Heavenly Blues“ vom „Hurry Sundown“-Album neu aufgelegt, der Titelsong (diesmal viel druckvoller) ebenfalls aus Pauls Brothers Of The Southland-Tagen. „Lonesome Boy From Dixie“ ist eine gelungene Charlie Daniels-Adaption. Da beim knackig rockenden „Rattlesnack Road“ der 2001 verstorbene Van Stephenson involviert ist, gehe ich davon aus, dass Paul dieses Stück auch aus irgendeiner Schublade hervorgeholt hat.

Gleiches gilt für das von O‘ Keefe wohl einstmals erschaffene „Windy City’s Blue“ (gesungen von Steve Grisham). In den verbliebenen neuen Tracks wird natürlich nicht nur textlich, kräftig an vergangene Zeiten und die Heroren/Weggefährten der Szene (u. a. in „Southern Rock Will Never Die“, „Macon Memories“) erinnert, sondern auch im Instrumentalstück „Showdown“, dass man als Hommage an „Jessica“ von den Allman Brothers interpretieren kann.

Begeisternd ist natürlich besonders die typisch quirlige E-Gitarrenarbeit aller involvierten Saitenzupfer, die hier wieder in jedem Track feurige, zum Teil mehrfach ineinander greifende Soli mit Twins und allen Schikanen, auf dem ausgelegten Doppeldrums -und Orgelfundament, zum Besten geben. Das zweite Trademark der Outlaws, die Harmoniegesänge, sind natürlich auch hier wieder Usus.

Fazit: Henry Paul ist der letzte verbliebene große Fels, der nach wie vor, fest in der Southern Rock Brandung steht. Bei seinem starken Kollektiv um in ihn herum, kann man beruhigt mutmaßen, dass es bei den Outlaws, auch in Zukunft erfolgreich auf dem Dixie Highway weitergehen wird.
Die CD kommt in einem schönen Hochglanz-Digipak mit eingelegtem Booklet, inklusiv Bilder, Texten und sonstigen Infos. Southern Rock will never die!

SPV (2020)
Stil: Southern Rock

Tracklist:
01. Southern Rock Will Never Die
02. Heavenly Blues
03. Dixie Highway
04. Overnight From Athens
05. Endless Ride
06. Dark Horse Run
07. Rattlesnake Road
08. Lonesome Boy From Dixie
09. Showdown (Instrumental)
10. Wind City`s Blue
11. Macon Memories

Outlaws
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SPV Steamhammer

Jeremiah Johnson – Heavens To Betsy – CD-Review

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Ich habe bei den vielen Konzerten, die ich in den letzten Jahren besucht habe, keinen Künstler erlebt, der als Support-Act so vom Publikum begeistert gefeiert worden ist, wie Jeremiah Johnson. Ort des Geschehens war das Musiktheater Piano, als er vor gut einem Jahr dort den Headliner Mike Zito begleitet hatte.

Vor zwei Wochen hatten wir uns auf ein Wiedersehen mit ihm im Rahmen des Rufschen Blues Caravans gefreut, allerdings hatte Sturmtief Sabine etwas dagegen. Spätestens als beim abendlichen Gang mit dem Hund ein umgestürzter Baum vor unserem Gartentor lag, musste die ungewisse Anreise aus Vernunftsgründen leider gecancelt werden. Sehr ärgerlich.

Immerhin liegt mir jetzt sein brandaktuelles Album „Heavens To Betsy“ zur Rezension vor, auf dem Johnson mit kleinen Abstrichen, eine überzeugende Leistung abliefert.

12 tolle authentische vielseitige Stücke (inklusive einer Cover-Version des oft adaptierten „Born Under A Bad Sign“) hat er fast im Alleingang kreiert (nur zwei mit Co-Writern), die sich im dezent südstaatlich angehauchten Blues Rock einordnen.

Zweimal geht es im balladeskeren Bereich etwas ruhiger zu („Ecstasy“ – ähnelt einer Mischung aus „Soulshine“ und „Knockin‘ On Heavens Door“, „Long Way Home“), ansonsten gibt es vom eröffnenden Southern Rocker „White Lightning“ bis zum finalen, flockig swingenden „Preacher’s Daughter“, zünftige Rockmusik, die von Johnsons knarzenden E-Gitarrenspiel, das mich schon in Dortmund so ins Schwärmen versetzt hatte, ihre besondere Note erhält.

Da mag man den Worten des sympathischen, aus St. Louis stammenden Musiker zum Aufnahmeprozess und seinem Produzenten Pete Matthews auch gerne Folge leisten: „Manchmal war die erste Aufnahme perfekt, manchmal dauerte es aber auch bis zum Ende eines 12 Stunden Tages, bis der gewisse Funke übergesprungen war.

Diese Album aufzunehmen, war das absolut intensivste Erlebnis, das ich jemals in einem Studio hatte. Gut genug war keine Option. Aber ich bin extrem dankbar, dass Pete das Beste aus jedem einzelnen von uns herausgekitzelt hat.“

Ich persönlich, auch wenn es sicherlich immer Geschmacksache ist, gehe nach diversen Hördurchgängen allerdings nicht ganz d’accord mit Johnsons Ausführungen.

Zum einen finde ich die Omnipräsenz des durch Frank Bauer gespielten Pluster-Saxofons in jedem Stück völlig überdosiert und auf Dauer etwas nervend (das gleiche gilt bei mir auch immer bezüglich von Alben mit überdimensionierter Harp-Quäkerei).

Zum anderen klingt Johnsons Stimme in den Strophen ziemlich brav und eindimensional (in den Refrains kommt er manchmal etwas mehr aus sich heraus), was allerdings aber vermutlich seinem zurückhaltenden Naturell geschuldet ist.

Manch anderer Producer hätte hier vermutlich dem Keyboarder mehr Spielraum überlassen (der darf hier fast nur die Orgel immer im Hintergrund hallen lassen) und auch die ziemlich schroff dahergegrölten Männer-Backgroundgesänge lieber in feinfühligere Damenhände gegeben.

Trotzdem überwiegen letztendlich die positiven Eindrücke. Jeremiah Johnson ist ein richtig Guter und auch sein Album „Heavens To Betsy“ sollte bei den anstehenden CD-Käufen des Jahres 2020 auf der To-Do-Liste der geneigten Blues Rock-Klientel aufgeführt sein.

Ruf Records (2020)
Stil: Blues Rock

01. White Lightning
02. Tronado
03. Soul Crush
04. Ecstasy
05. Forever And A Day
06. American Steel
07. Showdown
08. Leo Stone
09. Castles In The Air
10. Long Way Home
11. Born Under A Bad Sign
12. Preacher’s Daughter

Jeremiah Johnson
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Ruf Records

Robert Cray Band – That‘s What I Heard – CD-Review

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Seit über 40 Jahren ist Robert Cray nun im Geschäft und in dieser Zeit hat er es immer verstandenen eine Brücke zwischen Blues, Soul und R&B zuschlagen und dabei teilweise auch funkige Elemente einfließen zu lassen.

Dies trifft auch auf seines neues Album „That‘s What I Heard“ zu, von dem Cray selbst sagt, es sei „funky, cool and bad“. Produziert hat er es zusammen mit Steve Jordan, der auf dem Album auch an den drums und als Perkussionist zu hören ist, in den kultigen Capitol Records Studios in Hollywood.

„That‘s What I Heard“ ist eine großartige Reminiszenz an den Soul der 60‘ger Jahre des letzten Jahrhunderts. Genauso würden heutzutage Sam Cooke und Bobby Bland wahrscheinlich klingen, mal funkig flott und dann wieder soulig relaxed, immer mit der soultypischen Keyboarduntermalung. Nicht zuletzt erzeugt auch Robert Crays unverkennbares Gitarrenspiel zusammen mit seiner klaren Tenor Stimme dieses wohlige, altbekannte Soul-Feeling, welches durch Steve Jordan‘s gelungene Abmischung der Songs mit warmen Klangfarben noch unterstrichen wird.

Zwölf Songs haben ihren Weg auf die CD gefunden. Wie gesagt, alle sehr soulig bis bluesig in unterschiedlichen Tempi zwischen Slowblues und rhythmisch-flott. Lediglich „Burying Ground“, „Hot“ und „My Baby Likes To Boogaloo“ fallen da etwas heraus.

Während sich auf „Burying Ground“ noch deutliche Gospeleinflüsse hinzu gesellen, ist die flotte „Hot“-Nummer durch deutliche Boogie-Woogie Passagen auf dem Keyboard gekennzeichnet und „My Baby Likes To Boogaloo“ kommt im Vergleich zu den übrigen Tracks recht hart und stampfend rüber.

Insgesamt ist Robert Crays neue Scheibe für alle Soul-Fans absolut empfehlenswert. Old-School auf erfrischende Weise neu interpretiert und ab dem 28.02.2020 im Handel.

Nozzle Records/Thirty Tigers (2020)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Anything You Want
02. Burying Ground
03. You‘re The One
04. This Man
05. You‘ll Want Me Back
06. Hot
07. Promises You Keep
08. To Be With You
09. My Baby Likes To Boogaloo
10. Can‘t Make Me Change
11. A Little Less Lonely
12. Do It

Robert Cray Band
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Oktober Promotion

The Secret Sisters – Saturn Return – CD-Review

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Review: Michael Segets

Obwohl es zwischenzeitlich nicht rosig um die Karriere von Laura und Lydia Rogers aussah, melden sich The Secret Sisters nun mit ihrem vierten Album „Saturn Return“ zurück. Nach ihrem von Dave Cobb (Jason Isbell, Shooter Jennings) produzierten Debüt 2010 fiel die zweite CD aus dem Jahr 2014 bei Publikum und Kritik weitgehend durch. Der Major-Vertrag wurde aufgelöst und es folgte eine – auch finanzielle – Durststrecke der beiden Schwestern.

Einen Glücksfall stellte die Bekanntschaft mit Brandi Carlile dar, die zusammen mit Phil und Tim Hanseroth die Produktion von „You Don’t Me Anymore“ (2017) sowie vom aktuellen Longplayer übernahm. Der Gesang der beiden Rogers wurde im Studio getrennt aufgenommen, womit The Secret Sisters Neuland betraten. Der Sound ist glasklar und hebt die Stimmen von Laura und Lydia, die perfekt harmonieren, in den Vordergrund. Begleitet wird das Duo von einem vollen Band-Line-Up, das mal dezent die Songs („Nowhere Baby“) unterlegt, mal opulenter in Erscheinung tritt („Tin Can Angel“).

Alle zehn Kompositionen stammen aus der Feder der Geschwister. Im ersten Drittel der Scheibe sind die stärksten gebündelt. Den Anfang macht „Silver“, ein sehr schöner, erdiger Country-Titel, der Tempo aufnimmt. Der Text zollt Müttern ihren Respekt. Die Lyrics haben für Laura und Lydia eine besondere persönliche Bedeutung, da ihre Großmütter zuvor innerhalb einer Woche verstarben. Zudem waren beide Schwestern zum Zeitpunkt der Studioaufnahmen schwanger.

Richtig Power entwickelt auch die erste Single „Cabin“ inklusive einer raueren Gitarrenpassage. Thematisch greifen die Songwriterinnen die häusliche Gewalt an Frauen auf. Zwischen den beiden kraftvollen Highlights des Albums ist die mit Klavier begleitete melodiöse Nummer „Late Bloomer“ eingeschoben, die älteren Semestern Hoffnung auf das gibt, was noch kommen mag.

Nach dem gelungenen Einstieg folgt mit „Hand Over My Heart“ das mit Abstand schwächste Stück des Albums. In süßlichen Höhen und mit verzichtbaren Klangelementen poppig arrangiert zündet es nicht. Mit den folkorientierten, reduzierteren Beiträgen („Fair“, „Healer In The Sky“) performen The Secret Sisters dann wieder solide Titel, die vor allem durch den zweistimmigen Gesang ihre Momente haben.

Insgesamt verliert der Longplayer im Mittelteil aber seinen Schwung und plätschert etwas dahin. Erst gegen Ende finden sich mit dem atmosphärischen „Water Witch“ und der sanften Ballade „Hold You Dear“ nochmal bemerkenswerte Songs. Der letztgenannte Titel entstand in einer kreativen Viertelstunde, kurz nachdem Laura erfuhr, dass sie schwanger ist. Die Mutterschaft scheint die Damen zu beflügeln; sie sind derzeit in Amerika auf Tour und kommen im Laufe des Jahres nach Europa.

Der Gesang und die Harmonien der Secret Sisters Laura und Lydia Rogers sind hervorragend aufeinander abgestimmt. Das Songmaterial auf „Saturn Return“ überzeugt hingegen nicht durchgängig. Während bei der einen Hälfte der Titel der außergewöhnliche Gesang den Stücken den letzten Schliff gibt, bleibt die andere im Mittelmaß stecken. So bleibt ein geteilter Eindruck des Gesamtwerks zurück.

New West Records/PIAS-Rough Trade (2020)
Stil: Americana, Modern Folk

Tracks:
01. Silver
02. Late Bloomer
03. Cabin
04. Hand Over My Head
05. Fair
06. Tin Can Angel
07. Nowhere Baby
08. Hold You Dear
09. Water Witch
10. Healer In The Sky

The Secret Sisters
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Pias-Rough Trade
New West Records
Oktober Promotion

Bywater Call – 22.02.2020, Blue Notez Club, Dortmund – Konzertbericht

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Kurz vor Ende der 7-wöchigen Tour durch Europa spielten die Kanadier Bywater Call im Dortmunder Blue Notez vor. Nachdem wir schon vom Konzert in der Krefelder Kulturrampe berichtet hatten, bot sich nun die Möglichkeit zu sehen, ob der fulminante dortige Auftritt so langer Zeit ‚on the road‘ wiederholbar ist. Zudem hatte ich einen Freund, der Musik studiert hat, dabei, der neben dem emotionalen Empfinden, auch einen anderen, professionelleren Blick auf das Konzert hatte.

Der Keller im Blue Notez war um 8:00 Uhr gut gefüllt und auch Pille Peerlings, Chef der Krefelder Kulturrampe, hatte den Weg nach Dortmund gefunden, um das Konzert unabhängig des Veranstalterstresses zu verfolgen. Pünktlich betrat dann die Band zunächst ohne Sängerin Meghan Parnell die Bühne, um ein kraftvolles Intro hinzulegen. Schon hier war die Dynamik und Harmonie der Musiker zu erkennen.

Nach einigen Minuten stieß dann auch die zierliche Fronterin hinzu und die Band legte ein knapp 100 minütiges zweigeteiltes Set hin, welches in großen Teilen dem von vor etwa 6 Wochen entsprach, was aber auch nicht verwunderlich ist, da die jungen Kanadier noch nicht so lange auf dem Markt sind und fast nur eigenes Sonmaterial präsentierten, dabei auch ein Lied, das erst auf dem nächsten Album im Herbst offiziell veröffentlicht wird.

Es ist schwer, Stücke aus einem durchweg starken southern-, soul- und blues-beeinflussten Konzert herauszuheben. Emotional war natürlich „Sign of Peace“, im Zuge der Geschehnisse der letzten Woche in Deutschland, ein Highlight. Leider gibt bei uns, aber auch vielen anderen Ländern nationalistische, rassistische Parteien, denen man nur das Zeichen des Mittelfingers zeigen kann. Nun aber weg von politischen Gedanken zu einem traumhaften Konzertabend.

Der Band gelang es praktisch von Beginn an, das Publikum mitzunehmen, wobei Energiebündel Meghan Parnell mit der kraftvollen Stimme, immer wieder den Kontakt herstellte und zuweilen die Besucher zum Mitsingen animierte, das auch trefflich gelang. Besonders sympatisch war dabei, dass sie sich nicht divenhaft in den Vordergrund spielte, sondern sich auch optisch in vielen Phasen zurückhielt, wenn die anderen Musiker Soloparts hinlegten.

Beeindruckend war das meist fingerpickende Bottleneckspiel von Dave Barnes an der Gitarre, dem es gefühlsmäßig gelang, die Weiten der kanadischen Landschaften in die Songs zu zaubern. Teilweise schien er dabei wie ein Derek Trucks in seine Musik versunken zu sein, dass er gar nicht mitbekam, was sich um ihn herab abspielte.

In die beiden prägenden Bestandteile der Band, den Gesang und die Gitarre, fügten sich die anderen Instrumente harmonisch und auf den Punkt gespielt ein, dass am Ende das homogene Werk exzellenter Musiker stand, von denen noch einiges zu erwarten ist, wenn es gelingt diesen Esprit beizubehalten. Alan Zemaitis an den Keyboards und am E-Piano untermalte zuweilen mit sphärischen Soundteppichen , glänzte aber auch mit starken Soli, oft in rasantem Tempo.

Den beiden Bläsern, Julian Nalli am Saxofon und Trompeter Stephen Dyte brachten ein weiteres Element in die southernrockige Musik von Bywater Call . Der leicht soulige Einschlag gab den Stücken etwas liebliches, wobei beide Musiker in ausgedehnten Soli ihr Können bewiesen, aber auch nur punktuell eingesetzt den Stücken, eine besondere Würze gaben. Des Weiteren übernahmen sie immer wieder Percussionparts, mit Schellenkränzen, die dann von mehreren Musikern gleichzeitig eingesetzt wurden, um einen imaginären räumlichen Kreis zu bilden.

Last but not least die Rhythmussektion um den nun bärtigen Drummer Bruce McCarthy (in Krefeld noch rasiert), der mit einer spielerischen Leichtigkeit, gemeinsam mit dem Bassisten Mike Meusel das Fundament des Septetts bildete. Beide glänzten ebenfalls in mehreren kurzen Soloparts, dass letztendlich, wie es sich für eine gute Band gehört, alle Musiker ihren Anteil hatten und nicht nur der spielerische Apendix eines Fronters waren.

Nach etwa 90 Minuten verabschiedete sich die Band, die aber nach frenetischen Zugabeforderungen für zwei Zugaben zurück kam. Zunächst betraten nur Meghan Parnell und Dave Barnes die Bühne. Mit „Swing Low“ folgte dann der für mich musikalische Höhepunkt. Barnes begleitete Parnell zum Einstieg allein an der Gitarre, deren Stimme in diesem ruhigen Part des Songs noch einmal voll zur Geltung kam. Nach einiger Zeit betrat dann der Rest der Band die Bühne und stieg nach und nach in das Stück ein, das dann immer mehr an Dynamik gewann und jammend endete.

Das Konzert endete mit „I Am“ ähnlich wie es begann. Nachdem Parnell ihren Gesangspart beendet hatte, verließ sie die Bühne und überließ diese dem Rest der Band, die das Konzert in einem mehrminütigen Jam beendete. Bywater Call wussten somit schon bei ihrem ersten Europatrip das Publikum zu begeistern, dass diese Tour mit Sicherheit keine Eintagsfliege war.

In manchen Momenten war es Meghan Parnell anzumerken, wie ergriffen sie von der positiven Resonanz der Besucher war, die auch in den Songs nach Soloparts nicht sparsam mit Applaus umgingen. Nach knapp 2 Stunden Musik war der Abend aber noch nicht beendet und die sieben Musiker nahmen sich noch Zeit für die zahlreichen Fans am Merchendisestand.

Teenage Head Music-Mastermind Manny Montana hat es mal wieder geschafft, ein Kleinod aus Amerika nach Europa zu holen. Es wäre nicht verwunderlich, wenn Bywater Call einen ähnlichen Weg einschlagen würden wie Blackberry Smoke, die vor Jahren auch von ihm über den großen Teich gebracht wurden.

Wer es verpasst hat, Bywater Call auf dieser Tour zu sehen, hat Anfang Mai noch einmal die Chance dies nachzuholen, wenn die Band am ersten Maiwochenende auf dem Moulin Blues Festival in Ospel, zwischen Venlo und Eindhoven, und im Kölner Yard Club spielen wird.

Ein Dank auch an die nette Aufnahme im Blue Notez Club, einem Veranstaltungsort, in dem in den nächsten Wochen noch einige Highlights auf die Besucher warten, als ein perfekter Gastgeber.

Line-up:
Meghan Parnell (lead vocals, percussion)
Dave Barnes (guitar,bgv)
Alan Zemaitis (keys, percussion, bgv)
Mike Meusel (bass, bgv)
Bruce McCarthy (drums)
Stephen Dyte (trumpet, percussion, bgv)
Julian Nalli (saxophone, percussion)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Bywater Call
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Teenage Head Music
Blue Notez Club Dortmund

Ben Rice & RB Stone – Out Of The Box – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Das von Ben Rice und RB Stone selbst produzierte Album „Out Of The Box“ ist schon einzigartig. Das Projekt entstand vor dem Hintergrund, die Vielseitigkeit von Cigar-Box-Gitarren zeigen zu wollen, aber auch deren Erbauer zu fördern. Dabei ist es den beiden Musikern gelungen den nicht unbedingt vorhersehbaren Sound 3, 4 und 6-saitiger Cigar-Box-Gitarren zu einer Mischung aus Blues und Rock’n’Roll mit etwas Americana zu verschmelzen.

Auf der Scheibe finden sich 11 Songs, dank des schrammeligen Sounds der Cigar-Box- Gitarren mit durchaus mit hohem Wiedererkennungswert, von denen 10 Stücke ausschließlich von Ben Rice und RB Stone selbst geschrieben wurden. Ben Rice wurde in der Vergangenheit bereits für zahlreiche Blues Awards nominiert, von denen er in 2019 drei gewonnen hat. Auch RB Stone kann mit 18 veröffentlichten Album, teilweise mit Blues Awards Nominierungen, auf eine ähnliche Erfolgsserie zurück blicken.

Mit „Hot Rod Mama“, „Hey Politician“ und dem etwas brachial anmutenden „The Swamp East Boogie“ präsentieren Rice und Stone puren, verschwitzten Roots Rock im Schrammelsound, wogegen „Hoodoo Workin’ Overtime“ eine flotte Rock’n’Roll-Nummer mit 50’er Jahre Anmutung ist, die mitunter an den Sound der „Stray Cats“’ erinnert.

Gemächlichere und auch melodischere Klänge gibt’s mit „Train Of Time“ und „Easy Rollin’ Down The Road“, zwei wunderbare Slow Blues Stücke mit Mississippi-Delta-Feeling.

Americana-Anleihen mit J. J. Cale-Vibe („Jesus Needs A Gig“), Hill Country („Meet Your Maker“ und „Bad Blood On Mean Whiskey“) und auch Southern-Einflüsse („Crushin’ On The Bartender“) runden das musikalische Angebot auf diesem Album ab. Nach rund 40 Minuten endet die CD dann mit dem Instrumentalrocker „Lobo Jam“.

Insgesamt ist „Out Of The Box“ ein spannendes musikalisches Projekt. Der schrammelige Sound der aus Zigarrenkisten selbstgebauten E-Gitarren ist beim ersten Hören sicherlich etwas gewöhnungsbedürftig, macht aber viel Spaß, wenn man sich erst einmal darauf eingelassen hat. Empfehlenswert ist die Scheibe für Leute, gern auch mal über Tellerrand des ‚normalen‘ Blues hinaus schauen möchten.

Label: Middle Mountain Music (2020)
Stil: Blues, Rock’n’Roll

Tracks:
01. Hot Rod Mama
02. Easy Rollin’ Down The Road
03. Hey Politician
04. Hoodoo Workin’ Overtime
05. The Swamp East Boogie
06. Jesus Needs A Gig
07. Meet Your Maker
08. Bad Blood On Mean Whiskey
09. Crushin’ On The Bartender
10. Train Of Time
11. Lobo Jam

Ben Rice
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RB Stone
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The Haden Triplets – The Family Songbook – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

In der traditionsreichen US-amerikanischen Country-Music-Szene kann die enge Beziehung zu den familiären, musikalischen Wurzeln manchmal die Triebfeder sein, ein sehr persönliches und tiefgehendes Album zu veröffentlichen. The Haden Triplets, drei Schwestern – Petra, Rachel, Tanya Haden – haben nun als zweites, gemeinsames Projekt das Familien-Liederbuch sehr weit geöffnet und u.a. vier noch nicht erschienene Songs ihres Großvaters erstmals aufgenommen. Carl E. Haden, war in den 1950er Jahren eine anerkannte Country-Größe und populärer Radio-Performer.

Die Familientradition wurde danach über seinen Sohn, Charlie Haden, einem Jazz-Bassisten, an die nächste Haden-Generation weitergegeben, die in den vergangenen 30 Jahren meist auf getrennten Wegen in zahlreichen Rock- und Jazz-Produktionen mitwirkte.

Nach ihrem gleichnamigen Debut (2014), das vom Ausnahmegitarristen Ry Cooder produziert wurde und bei Jack Whites Third Man Records erschienen ist, konnten die Schwestern nun mit Woody Jackson erneut einen Vorzeigeproduzenten für sich gewinnen.

Das überwiegend vom traditionellen Old-Time-Country-Sound getragene Album, beginnt jedoch mit dem experimentell arrangierten „Wayfaring Stranger“ dessen zarte Melodie im Triplets-Harmonie-Gesang aufgeht. Die durchweg längeren Stücke (ab 3 Minuten aufwärts) leben wie auch beim Kanye West-Cover „Say You Will“ von der Leichtigkeit der Stimmen und den fast spärlich – leisen Begleitinstrumenten, deren Soundgefüge teilweise an die kanadische Band „Cowboy Junkies“ erinnert.

Fast schon außerhalb des Rahmens der leisen Töne bewegt sich „Memories Of Will Rogers“ mit starker Band-Unterstützung und E-Gitarre, traditionell und modern zugleich, prägt es als Eigenkomposition von Carl E. Haden den Stil des Longplayers auf seine eigene Art. Das ebenfalls bemerkenswerte, von Emmylou Harris im Original für den Coen-Brothers Film “Oh Brother Where Art Thou” geschriebene „Pretty Baby“, kommt im A capella-Gewand nahezu fünf Minuten ungeschminkt daher und begeistert nicht nur als altbekannter Klassiker.

Überhaupt wirken die einheitlich langsameren Songs besonders intensiv und ansteckend, so auch bei „Every Time I Try“, einem Stück aus dem Wim Wenders Film „The End Of Violance“, das von Josh Haden, einem Bruder der „Triplets“ geschrieben wurde. Als passender Abschluss-Song unterstreicht die feierliche Gospel-Hymne „I’ll Fly A Way“ nochmals den Anspruch der Haden-Sisters makellose Harmonien souverän zu performen.

Der insgesamt aus großartigen Einzelstücken sehr unterschiedlicher Autoren eindrucksvoll geschmiedete Longplayer wird durch die typischen Harmonie-Gesangspassagen der Haden Triplets in Form eines tatsächlichen „Family Songbook“ zeitlos „veredelt“. Damit hat das Album, sicherlich gute Chancen – über den persönlichen und nostalgischen Charakter der Aufnahmen hinaus – die Familien-Dynastie musikalisch erfolgreich weiterzuführen.

Trimeter Records (2020)
Stil: Country, Folk

Tracklist:
01. Wayfaring Stranger
02. Who Will You Love?
03. Say You Will
04. Ozark Moon
05. Flee As A Bird
06. Memories Of Will Rogers
07. Pretty Baby
08. Gray Mother Dreaming
09. Every Time I Try
10. Wildwood Flower
11. What Would You Give
12. I’ll Fly Away

The Haden Triplets
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Oktober Promotion

Wild Rabbit Salad – Trouble In Town – CD-Review

WRS_00

Review: Michael Segets

„Trouble In Town“ klingt irgendwie nach Independent-Aufnahme. Die Tonqualität ist völlig in Ordnung, aber die Instrumentalisierung sowie der Sound von Wild Rabbit Salad wirken wenig voll. Vielleicht begründet sich der Eindruck auch darin, dass die Songstrukturen oft nicht außerordentlich komplex sind. Dennoch unterhält das Album über weite Strecken gut. Dies liegt vor allem an dem wechselnden Lead-Gesang von Marietta Roebuck und Bucky Goldberg, die zusammen als Wild Rabbit Salad ihren dritten Longplayer rausbringen.

Roebuck, die klassischen Gesang studierte, übernimmt das Mikro bei den meisten Balladen, so beim countryfizierten „Tecumseh Valley“, dem 50er Jahre Barsong „Lying“ und dem sehr getragenen, tief gesungenen „When They Rise“. Überzeugend ist der rockige Touch in Roebucks Stimme auf „Killing Flood In Houston”, dem stärksten Track des Albums.

Insgesamt markanter ist die Stimme von Bucky Goldberg, was besonders beim Duett „Drop Top Cadillac” deutlich wird. Auf „Mine No. 9“ steuert Roebucks den Refrain, Goldberg die Strophen bei. Goldbergs Part in dem beschwingten Stück erinnert an Songs von Pete Seeger.

Pfiffig ist das rockige „Four Days Sober” durch die Kombination von Perspektivwechsel im Text sowie entsprechendem Gesang durch Mann und Frau. „Everybody Loves My Hat” hat ebenso witzige Lyrics. Anders als beim Refrain des süßlichen Midtempo-Stücks „Amelia“ streut Roebuck dort keine Harmonien ein, was den Sound erdiger macht.

Das Titelstück „Trouble In Town“ ist der songtechnisch am meisten ausgefeilte Beitrag. Er erinnert streckenweise an Balladen der späten Achtziger von Bruce Springsteen. Mit „Waiting Around To Die“ bildet ein atmosphärischer Countrysong den Abschluss der Scheibe. Bei beiden Stücken übernimmt Goldberg den Leadgesang.

Auf der CD sind vier Live-Tracks eingestreut. Die Mischung von Live- und Studio-Aufnahmen finde ich meist störend, aber hier integrieren sich die Mitschnitte der Auftritte unauffällig. Das Publikum ist nur am Schluss mancher Titel dezent zu hören.

Das Album wirkt nicht konzeptionell durcharrangiert. Dadurch bleibt es aber beim ersten Hören spannend. Es ist nämlich nicht abzusehen, was als nächstes kommt und wer den Gesangspart übernimmt. Nach ein paar Durchläufen kristallisieren sich schnell die Highlights des Albums heraus. Die Stripped-Down-Produktion „Trouble In Town“ von Wild Rabbit Salad wird kein Dauerbrenner im CD-Player, hält jedoch ein paar lohnende Songs parat.

REGI Music (2020)
Stil: Americana

Tracks:
01. Drop Top Cadillac
02. Tecumseh Valley
03. Mine No. 9 (live)
04. Everybody Loves My Hat (live)
05. Killing Flood In Houston
06. Amelia
07. Lying (live)
08. Four Days Sober
09. When They Rise (live)
10. Trouble In Town
11. Waiting Around To Die

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Climax Blues Band, 16.02.2020, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

CBB- haupt

Zur Climax Blues Band habe ich bis heute ein eigenartiges Verhältnis gehabt. Obwohl ihre Scheibe „Gold Plated“ und später auch „Shine On“, seit frühsten Sammlerzeiten in meinem LP-Bestand vor sich hinstauben (ich bin ja ein absoluter CD-Verfechter), kann ich mich an kaum einen Song außer ihrem Ohrwurm „Couldn’t Get It Right“, der in unser damaligen Musikkneipe oft gespielt wurde, bewusst erinnern.

So richtig habe ich auch nie den Drang verspürt, mich mit der Musik der Briten auseinander zu setzen, obwohl ich die Band eigentlich an sich sympathisch fand. So bin ich dann mit Kollegen Gernot auch eher aus Respekt vor dem langjährigen konstanten Wirken der Band (jetzt über 50 Jahre!), die Reise ins geliebte Musiktheater Piano recht unbedarft angetreten, um die Woche Sonntags Abends entspannt ausklingen zu lassen, sieben Tage zuvor mussten wir ja wegen des heftigen Sturms beim Blues Caravan leider passen.

Das aktuelle Line-up beinhaltet zwar kein Mitglied mehr aus der Gründerphase, die Herren Glover, Simpson, Adams und Hunt sind aber schon seit Urzeiten mit dabei. Letztgenannter ist zu Fuß nicht mehr so gut dabei (kam mit Gehstock teils unsicheren Schrittes auf die Bühne), hat dafür aber seine Quirligkeit in der Fingern bewahren können und lieferte so manches tolles E-Gitarrensolo ab.

Relativ ’neu‘ dabei sind Fronter Graham Dee (seit 2012, mit engagierter Performance, sehr angenehme Stimme) und Saxofonist Boysey Battrum, dessen Lungenflügel und Backen, die wohl am meisten beanspruchten menschlichen Organe, beziehungsweise Körperteile, während des Konzerts abgaben.

In der knapp zur Hälfte gefüllten Lütgendortmunder Location präsentierte das Sextett den überwiegend 40-60-jährigen Besuchern, einen breitgefächerten Soul-Funk-Blues Rock, der sich vor allem in der Spielfreude der beteiligten Musiker entfachte. Toller Rhythmusteppich von Simpson und Adams, markanter Gesang von Dee, variable Keyboardspielereien vom Spaßvogel der guten englischen Schule, George Glover, immer irgendwann durchzogen von Battrums famosen Saxofon-Plustereien und/oder Hunts E-Soli, bildeten eigentlich das immer wieder kehrende Grundschema, ohne dass es allerdings langweilig wurde.

Die Band versteht sich heute als eigenständiges Kollektiv, das eigentlich weniger auf die Historie zurückschaut und eher das ‚Hier und Jetzt‘ im Fokus hat. Deshalb war es auch nicht verwunderlich, dass ihr aktuelles Album „Hands Of Time“ mit Tracks wie „Straight Down In The Middle“ (Opener), „17th Canal Street“, „What’s Your Name“, „The Cat“ (alle in Set 1) und „Hands Of Time“, „Ain’t That A Kick In The Head“, „Hard Luck“ (mit Vorstellung und Soli aller Beteiligten) und „Wrong Time“ (alle im 2. Part), hier den Löwenanteil der Spielzeit einnahm.

Zwischen durch gab es mit „The Seventh Son“ und „Spoonful“ noch zwei, auf CBB-Art interpretierte Willie Dixon-Klassiker und natürlich auch kurz vor Ende oben besagtes „Couldn’t Get It Right“ (mit schönem Gesangsinttro von Dee zu sanftem Orgelhall Glovers im abgedunkelten Piano, bevor dann die Band richtig einstieg). Schön diesen Klassesong mal nicht von einer dieser vielen unsäglichen heutigen Coverbands, sondern von absoluten Könnern, serviert zu bekommen.

Die Zugabewünsche des im kompletten Verlauf des Gigs begeistert mitgehenden Publikums, wurden dann mit dem launigen Boogie „Towards The Sun“ auf dem Fuße erfüllt. Am Ende war es eine kurzweilige, musikalisch unterhaltsame Show der Climax Blues Band, der auch in Zukunft noch einiges an Kreativität zuzutrauen ist. Hat sich gelohnt hinzufahren!

Graham Dee – lead vocals
George Glover – keys, vocals
Neil Simpson – bass
Roy Adams – drums, percussion
Boysey Battrum – saxophone
Lester Hunt – electric guitar, vocals

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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