Mark May Band – Deep Dark Demon – CD-Review

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Trotz des nicht gerade helle Freude verströmenden Titels „Deep Dark Demon“ ist das neue Album Mark Mays und seiner Band ein echter Lichtblick am derzeitig eher dunkel erscheinenden Musikhorizont.

Der ursprünglich aus Ohio stammende, aber schon lange in Houston, Texas, ansässige  Protagonist, bietet auf seinem 7. Werk eine fulminante Mischung aus Blues- und Southern Rock.

May ist, was seine Gitarrenspielkünste betrifft, mit einem wahren Frickel-Gen befangen, was sich hier in einer Vielzahl von energiegeladenen und quirligen Soli niederschlägt. Es gibt fast keinen Song, wo es Mark nicht spürbar in den Fingern juckt, über die Saiten zu fegen. Seine Stimme, die aus meiner Sicht einiges an Ähnlichkeit zu Warren Haynes aufweist, erscheint als weiterer Pluspunkt.

Bekannt dürfte May unserer Klientel durch seine Mitwirkung als Gitarrist und Sänger bei Dickey Betts und seinen Great Southern sein. Von daher ist eine absolute Sattelfestigkeit im Genre garantiert. Betts attestiert ihm auch generös den Status als einer der besten Blues Rock-Interpreten der letzten Jahre, mit Einflüssen von Albert Collins, über Stevie Ray Vaughan bis zu Carlos Santana und wen wundert es, seiner eigenen Gitarren-Licks.

Apropos Santana, tatsächlich befindet sich auf diesem Longplayer mit „Back“ ein echter Latin Rock-Ohrwurm, in bester Tradition des Meisters, mit radiotauglichem Hitpotential, wenn sich nicht dieses oben besagte Frickel-Gen bei Mark gemeldet hätte. Statt den eingängigen Song nach single-tauglicher Spielzeit einfach ausklingen zu lassen, hängt er plötzlich noch eine „Oye Como Va“-mäßige Instrumentalpassage mit Congawirbel und psychedelischer E-Gitarre hinten an. Die hätte ich weggelassen, aber das ehrt May natürlich, für kommerzielle Hintergedanken ist bei ihm innerlich wohl kein Platz.

Begleitet wird er von Musikern wie Billy Wells, Darrell Lacy, Brandon Jackson, Eric Demmer, Barry Seelen, Shawn Allen, und Al Paglusio, dazu spielt der umtriebige Mike Zito die Leadgitarre beim Titelstück „Deep Dark Demon“. Produziert hat May die Scheibe sehr schön transparent zusammen mit Geronimo Calderon, der hier auch bei einigen Tracks am Schlagzeug mitmischt.

Vom schroffen Opener „Harvey’s Dirty Side“ (Haynes-ABB-Gov’t Mule-Flair) bis zum funkigen „Invisible Man“ (mit Talkbox-Einlagen à la Peter Frampton) am Ende, streift May alle Facetten des Blues- und Southern Rock, wobei sich seine Nähe zum Allman Brothers-Umfeld immer wieder offenbart.

Allein schon das jammige „My Last Ride“ (bei solch einem Titel horcht der Southern Rock-Fan eh schon in heller Vorfreude auf..), mit seinen E-Gitarrenvariationen und -passagen, ist den Kauf der CD wert. Ein Hammerstück! Anzumerken ist auch, dass Mark bei allen Tracks immer auf eine ansprechende Melodik fokussiert ist.

„I got a demon deep dark in my soul“ singt Mark May im Titelsong, wohl wissend, dass Musik die beste Therapie ist. Mit diesem saustarken Album dürfte dieser ein für alle Male vertrieben sein. Absolute Empfehlung, klasse!

Gulf Coast Records (2020)
Stil: Southern (Blues) Rock

01. Harvey’s Dirty Side
02. BBQ And Blues
03. Back
04. Deep Dark Demon
05. Sweet Music
06. Rolling Me Down
07. My Last Ride
08. For Your Love
09. Walking Out That Door
10. Something Good
11. Invisible Man

Mark May Band
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Gulf Coast Records

Matt Horan – Tears From The Mountain – Vinyl-Review

Review: Michael Segets

Auf dem Cover habe ich den Frontmann von Dead Bronco nicht wiedererkannt: weißes Hemd mit Krawatte, nahezu glatt rasiert, Seitenscheitel und Hornbrille. Einzig die Tätowierungen brechen mit dem Bild eines Gentlemans in den 1950ern. Bei dem Auftritt seiner Cow-Punk-Band in der Kulturrampe trug Matt Horan noch eine wallende Mähne, Rauschebart und trat mit nacktem Oberkörper auf.

Die durch Corona erzwungene Isolation nutzte Horan für ein Solo-Projekt. Er verwandelte einen Van in ein Aufnahmestudio, schnappte sich Banjo beziehungsweise akustische Gitarre und spielte einen Mix aus eigenen und fremden Titeln ein. Auf „Tears From The Mountain“ erfindet Horan sich als American Folk Singer neu.

In seiner Kindheit verbrachte Horan einige Zeit bei seinem Onkel in North Carolina und lernte die dortige Bergwelt und vor allem die traditionelle Musik der dort lebenden Einwohner lieben. Eine Reise durch die Appalachen im Südosten der Vereinigten Staaten und ein Aufenthalt in Kentucky anlässlich eines Filmprojekts weckten zusätzliche Begeisterung für das Banjo. Mit dem Instrument ließ er sich dann auch auf dem Cover des Albums verewigen. Bei vier Tracks begleitet es den ausdrucksstarken Gesang von Horan.

Auf „High On The Mountain“ dient das Banjo eher der Untermalung, auf „Sorry Pretty Shiori” und „Sugar Baby” treibt es die Songs in typischer Hillbilly-Manier voran. Das starke „Led Me To The Wrong” wird durch dezente Percussion unterstützt und hat einen keltischen Einschlag.

Bei allen Songs beweist Horan, dass er singen kann. Besonders beeindruckend ist der rein vokale Einstieg „Village Churchyard“. Hier trägt allein seine Stimme den Song über mehr als fünf Minuten. Sehr schön spielt Horan mit seinem Organ auf „Dreamed About Mama“. Da sind Kiekser, gebrochene Passagen und Jodeleinlagen zu hören. Gerade der Cowboy-Jodel ist natürliche sehr fragwürdig, aber er passt in den Song und ist vielleicht auch ironisch gemeint.

Allerdings sind die Texte insgesamt eher düster, drehen sich meist um Tod und Verlust. So ist „The Funeral“ eine mit Orgelklängen unterlegte Grabrede. Eine ebenfalls dunkle Atmosphäre verströmt der Titeltrack, den Horan mit akustischer Gitarre begleitet. Von der Anlage funktioniert die Eigenkomposition sicherlich auch als Rocksong mit Bandunterstützung.

Neben den progressiven Titeln finden sich „First Fall Of Snow“, eine Country-Ballade traditioneller Machart, sowie eine Interpretation des wunderschönen „My Epitaph“, das bereits auf Kelsey Waldons letzter CD zu den Highlights zählte. Mit dem kurzen instrumentalen „Farewell Black Bear” setzt Horan zum Abschluss einen Kontrapunkt zum vokalen Einstieg in seinen Longplayer.

Corona hat die Musiker stark getroffen. Matt Horan macht das beste aus der Situation und zeigt sich von einer ungewohnten Seite. Als American Folk Singer präsentiert er ein Kontrastprogramm zum Punkrock seiner Band Dead Bronco. „Tears From The Mountain” wurzelt in der Tradition amerikanischer Folkmusik, gewinnt dieser jedoch neue Facetten ab. Mit mutigen und kreativen Ideen fängt Horan den unmittelbaren Sound der rauen Bergwelt ein und gibt ihm frischen Wind.

Eine Veröffentlichung des Albums als CD ist wohl nicht geplant. Stattdessen ist es digital oder als limitierte LP zu erhalten.

Roots Union Records (2020)
Stil: Folk

Tracklist:
01. Village Churchyard
02. High On The Mountain
03. Sorry Pretty Shiori
04. My Epitaph
05. Dreamed About Mama
06. Led Me To The Wrong
07. First Fall Of Snow
08. Sugar Baby
09. Tears From The Mountain
10. The Funeral
11. Farewell Black Bear

Matt Horan

Dave Fields – Force Of Will – CD-Review

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Erfreulich, dass sich unsere Arbeit sogar bis in die großen Metropolen der Welt herumzusprechen scheint. Da schickt uns jetzt der New Yorker Musiker Dave Fields sein neuestes, seiner jetzt insgesamt sechs Werke, „Force Of Will“, zur Begutachtung zu.

Was mir besonders gut gefällt ist, dass das vielfach Awards-dekorierte Mitglied der dortigen Blues Hall Of Fame, das Genre sehr vielseitig interpretiert und nicht, wie halt unzählig viele seiner Kollegen, in recht voreingestellten Parametern erklingen lässt.

Das liegt hier vor allem an seinem Saiteninstrument aus der New Yorker Instrumentenschmiede Fodera, die eigentlich auf elektrisch Bässe spezialisiert ist, aber auch jedes Jahr eine limitierte Anzahl an E-Gitarren baut.

Die hat nämlich einen Blues-untypischen, eigenwillig raunzenden, brummigen, aber auch klirrenden Charakter, der Fields eine variable Bandbreite eröffnet, die sogar bis in Gefilde von Wizzards wie Joe Satriani, Jimmy Page, Steve Morse und Co. mündet, wie es Stücke der Marke „Big Block“ (teilweise mit punkiger Attitüde), „Hunger“ (Led Zeppelin lassen grüßen), „Delmar“ (kurzes Frickelinstrumental zu Ehren von Delmar Brown, einer Big Apple-Musiklegende) oder „Jack Ham Her“ (jammiges Instrumental Richtung Dixie Dregs) recht unkonventionell darbieten.

Fields lässt diese filigranen Spielchen allerdings nie ins Nervige ausufern. Ab einem bestimmten Punkt , schlägt er immer wieder geschickt Wendungen (mal ein Bridge, mal ein anderes Instrument oder wieder einsetzender Gesang), sodass es nie zu anstrengend wird.

Auch der groovige Song „Chloe & Otis“ erinnert mehr an Steely Dan (dazu ein E-Solo Marke Satriani) als an herkömmliche Blueskost.

Eröffnet wird die Scheibe jedoch mit dem texanisch angehauchten Boogie „I Love My Baby“ (mit Harpeinlagen), der auch gut auf ZZ Tops „Degüello“ gepasst hätte. Der Titelsong „Force Of Will“, zugleich auch mein persönlicher Favorit, ist ein treibender Rocksong, der aufgrund Fields‘ Gesang (irgendwo zwischen Lou Gramm und Paul Rodgers liegend), automatisch Assoziationen zu Bad Company, Free oder Foreigner hervorruft.

Gleiches gilt für den Abschlusstrack „Best I Can“, wo Dave nochmals mit „I’m gonna love you, love you the best I can“, sein spürbar leidenschaftliches Naturell in jeder Hinsicht zum Ausdruck bringt.

Dass er es allerdings auch ruhig und gefühlvoll kann, offerieren die slowbluesigen „Why Can’t You Treat Me Right“ und „It’s Not Ok“ (Aynsley Lister oder Davy Knowles fallen mir hier spontan als Bezüge ein), die aber durch den speziellen Fodera-E-Gitarrenklang ebenfalls versatiler als übliche Lieder dieser Gattung rüberkommen.

Dave Fields offeriert mit „Force Of Will“ seine ungeheure Willenskraft, dem Blues Rock auch weiterhin, mit eigens verabreichten Frischzellenkuren, neue Impulse zu vermitteln.

Die CD gibt es in einem einfachen vierseitigen Pappklapper, der auf den beiden Innenseiten die Songtexte enthält. Unterstützt wird Dave, der sich hier zum Teil auch neben Gesang für Drums, Keys und Bass verantwortlich zeigt, von Musikern wie u. a. Van Romaine (Steve Morse Band), Buddy Allen (Rick Derringer) und den norwegischen Bluesmusikern Kåre Amundsen und Bjørn Ove Hagset.

Übrigens die erste CD, die ich in Händen halte, die den Verstorbenen der Corona-Pandemie gewidmet ist. Was für furchtbare Zeiten…

FMI Records (2020)
Stil: Blues Rock

01. I Love My Baby
02. Big Block
03. Hunger
04. Why Can’t You Treat Me Right
05. Force Of Will
06. It’s Not Ok
07. Chloe & Otis
08. Delmar
09. Jack Ham Her
10. Best I Can

Dave Fields
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The Jayhawks – XOXO – CD-Review

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Review: Michael Segets

„Hollywood Town Hall“ zählt zu den Meilensteinen des Alternative Country. Das 1992er Album steht als einziges der Jayhawks in meinem CD-Regal. In manche der nachfolgenden Alben hörte ich nur noch sporadisch rein. The Jayhawks entfernten sich mit den Jahren tendenziell von der Roots Music und gingen in eine poppigere Richtung. „XOXO“ läutet dahingehend keine Wende kein. Neu ist hingegen, dass die Bandmitglieder neben Frontmann und Gitarrist Gary Louris nun mehr in Erscheinung treten.

Karen Grotberg (Keys), Marc Perlman (Bass) und Tim O’Reagan (Drums) sind alle mit eigenen Kompositionen auf dem neuen Werk vertreten und übernehmen auch die Lead Vocals. Grotberg zeichnet für die beiden Balladen „Ruby“ und „Across My Field“ verantwortlich, bei denen dann entsprechend das Klavier die Begleitung dominiert. Perlman steuert den folkorientierten Titel „Down The Farm“ bei.

Für die schnelleren Töne ist O’Reagan („Society Paper“) zuständig. Bei dem straighten „Dogtown Days“ rockt er mit stampfendem Rhythmus los. Neben dem Opener „This Forgotten Town“, bei dem er sich mit Louris am Mikro abwechselt, stellt es das stärkste Stück auf dem Album dar. Die Jayhawks haben die beiden Songs als Singles ausgekoppelt und damit die richtige Entscheidung getroffen.

Ebenfalls auf das Konto von Louris und O‘Reagan geht „Little Victories“, bei dem Louris exzellente Arbeit an der Gitarre leistet. „Living In A Bubble“, das entfernt an die Beatles erinnert, und „Homecoming“ verfasste Louris im Alleingang. Die Songs sind ziemlich poppig geraten und vor allem das letztgenannte Stück fällt mit seinen hohen Gesangseinlagen sowie dem experimentellen Ende ab. Auch mit dem süßlich beginnenden „Illuminate“ kann ich mich nicht so richtig anfreunden. Die Midtempo-Nummer „Bitter Pill“ und der folkige Abschluss „Looking Up Your Number“ hinterlassen dann aber nochmals einen positiven Eindruck.

The Jayhawks präsentieren sich auf „XOXO“ als Band mit gleichberechtigten Mitgliedern. Durch den wechselenden Leadgesang verfolgen sie ein Konzept, das in dieser Konsequenz bei den US Rails schon bestens funktioniert. Der ausgiebige Einsatz mehrstimmiger Harmonien ist den beiden Truppen ebenso gemeinsam. Vom Sound sind sie aber bei den meisten Titel meilenweit voneinander entfernt.

Die zwei ersten Tracks bilden einen starken, erdigen Einstieg, danach bewegt sich „XOXO“ überwiegend in etwas überladenen Pop-Rock-Gefilden. Dabei finden sich ein paar gelungene Titel, daneben aber auch anstrengendere Arrangements. Beim letzten Song, im Wesentlichen auf die Begleitung durch die akustische Gitarre reduziert, zeigen die Jayhawks dann doch nochmal ihr Händchen für gefühlvolle Melodien. Statt es in Gänze durchlaufen zu lassen, bietet sich das Album also dafür an, sich die Highlights herauszupicken.

Sham Records – Thirty Tigers/Membran (2020)
Stil: Rock/Pop

Tracks:
01. This Forgotten Town
02. Dogtown Days
03. Living In A Bubble
04. Ruby
05. Homecoming
06. Society Pages
07. Illuminate
08. Bitter Pill
09. Across My Field
10. Little Victories
11. Down To The Farm
12. Locking Up Your Number

The Jayhawks
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Sweet Bourbon – Born A Rebel – CD-Review

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Ein weitere niederländische Band, die neben der Southern Rock-Formation Voltage, in unserem Magazin, von Anfang an, auf ein hohes Maß an Professionalität setzt, ist Sweet Bourbon. Sie hat sich aber musikalisch mehr in Richtung Blues (Rock) ausgerichtet, allerdings auch zum Teil mit dezenten Southern-Momenten.

Nach „Night Turned Into Day“ aus dem Jahr 2017 bringen sie nun mit „Born A Rebel“ ihr zweites Studiowerk heraus, wieder in einem aufwendig gestalteten Digipak mit Einsteckbooklet, das neben Porträtbildern der Musiker, auch alle Texte der insgesamt zehn neuen Songs (davon sieben Eigenkompositionen) beinhaltet.

Die Besetzung mit Roeland van Laer (bass), René van Onna (lead vocals, acoustic guitar), Chris Janssen (guitars) und Willem Van der Schoff (keys) ist nahezu unverändert geblieben, lediglich mit Ruben Ramirez ist ein neuer Drummer zu vermelden.

Was mir schon beim Erstling gut gefiel, waren die integrierten weiblichen Backround-, beziehungsweise Harmoniegesänge, der auch jetzt wieder angeschlossenen Bourbonettes, die mit Suzan Wattimena, Laura Van der Vange und Henny Oudesluus (neu, spielt auch Ukulele) ebenfalls eine personelle Veränderung zu vermelden haben. Die Damen machen erneut einen tollen Job.

Die kreativen Köpfe bleiben Gitarrist Chris Janssen, Sänger René van Onna und der 2015 niederländischen Blues Award zum besten Keyboarder gewählte Willem Van der Schoff, die sich maßgeblich für das Songwriting verantwortlich zeigen und demnach auch am auffälligsten in Erscheinung treten.

Als Covernummern wählte man das Cream-Stück „Sitting On Top Of The World“, „Lay Down Your Worries“ von Hadden Sayers sowie „Laying In The Alley“ von Big Joe Maher.

Die instrumentellen Akzente auf diesem bluesigen Longplayer setzen Chris Janssen mit vielen schönen E-Gitarren Soli und -fills und Willem Van der Schoff, der hier seine Hammond-Orgel immer wieder gekonnt raunzen, hallen oder gurgeln lässt. Lediglich beim retro-swingenden Abschlusstrack „Laying In The Alley“ lässt er mal das Piano ordentlich klimpern.

Gesanglich habe ich weiterhin mit René van Onna mein Knacken, der für mich eher in die Prog-Ecke, statt dem Blues-Genre, passt, und bis auf wenige Passagen, wo er mal aus sich herauskommt (er kann es also – so  z. B. bei „Bourbon For You“), weiterhin aus meiner Sicht, etwas unscheinbar und blass bleibt, aber sich für’s Kollektiv engagiert einbringt, was ja auch ein immenser Wert sein kann.

Meine persönlichen Favoriten sind das an „It’s All Over Now“ (Molly Hatchet-Variante) erinnernde „Bourbon For You“, hier auch sehr schön southern-rockig umgesetzt, der sehr atmosphärische Slowblues „Mrs. C“ (klasse Jassen-Solo, Trompeteneinlagen), der Country Blues „I Asked You A Question“ (Marke „Mississippi Kid“ von Skynyrd) und das melodische „Unexpected Touch“ (mit Janssen-Schwoof-Kombi-Soloeinlagen).

Insgesamt ist „Born A Rebel“ von Sweet Bourbon erneut eine handwerklich saubere Blues-Scheibe, bei der starke und markante E-Gitarren- und Hammond-Töne im Vordergrund stehen. Nicht so ganz rebellisch, wie es der Titel vielleicht suggeriert, aber auf jeden Fall was für musikalisch Junggebliebene unserer Altersgeneration.

Bourbon Records (2020)
Stil: Blues (Rock)

01. Born A Rebel
02. Bourbon For You
03. Mrs. C
04. I Asked You A Question
05. Muddy Footprints
06. Sitting On Top Of The World
07. The Beast (for Mieke)
08. Unexpected Touch
09. Lay Down Your Worries
10. Laying In The Alley

Sweet Bourbon
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Lizanne Knott – Bones And Gravity – CD-Review

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Review: Michael Segets

Obwohl bereits Ende des letzten Jahres erschienen, flatterte „Bones And Gravity“ von Lizanne Knott erst jetzt als Neuerscheinung auf meinen Schreibtisch. Da das Werk ein prototypisches Americana-Album und gute Musik sowieso zeitlos ist, seien hier ein paar verspätete Worte zu ihm verloren.

Americana stellt oftmals so eine Verlegenheitsbezeichnung für Roots-Musik dar, die irgendwo zwischen Folk, Country, Rock und Blues liegt, sich jedoch nicht so richtig einem dieser Genres zuordnen lässt. Bei Lizanne Knotts Musik macht es aber Sinn, Americana als eigenständiges Genre zu bezeichnen. Sie bedient sich auf „Bones And Gravity“ zwar vor allem beim Folk und Country, pendelt aber bei den verschiedenen Songs nicht zwischen diesen hin und her, sondern folgt einer eigenständigen Richtung.

Dennoch finden sich zum einen die folkorientierte Stücke „Tired“ und „I Was A Bird“, auf denen die akustische Gitarre von Knott lediglich mit der Baritone-Gitarre und dem Wurlitzer-Piano von Glenn Barratt begleitet wird. Zum anderen kommen Country-Einflüsse auf „Emmylou“, einer Hommage an Emmylou Harris, sowie auf „Hurricane“ zur Geltung.

Auf dem insgesamt ruhigen Album schlägt Knott nur bei „Lay Him Down“ dezent rockige Töne an. Sehr schön ergänzen sich hier Lap Steel und Geige. Auf anderen Songs werden auch Cello („Bones And Gravity“) und Mandoline („Kindness“) eingesetzt, sodass der Sound der Tracks variiert. Dabei wirkt der Longplayer in Gänze geschlossen und homogen. Wenn einzelne Songs besonders hervorgehoben werden sollen, sind das neben dem schon erwähnten „Lay Him Down“ der Opener „Walk Away“ sowie das durch seinen Text bestechende, autobiographische „Keep Me Alive“.

Knott ist nicht nur in ihrem Heimatstaat Pennsylvania als Sängerin, die ihrer hellen Stimme viele Nuancen abgewinnt, sondern auch durch ihre ausdrucksstarken Texte anerkannt. Nicht umsonst teilte sie sich die Bühne bereits mit Künstlern wie Shawn Colvin, Joan Osborn oder Josh Ritter.
Die stimmungsvollen Texte drehen sich meist um zwischenmenschliche Beziehungen, die sich nicht nur auf Paarbeziehungen beschränken („Caroline“).

Etwas anders gelagert ist „Like I Love My Dog“, das besonders dem Hundeliebhaber Daniel – vielleicht auch Django – gefallen wird. Bei dem Song diente die Zuneigung zu ihrem in die Jahre gekommenen tierischen Weggefährten als Inspirationsquelle. Ein inhaltlich ähnlicher Titel von den Bottle Rockets („Dog“ auf „South Broadway Athletic Club“) kommt mir da in den Sinn.

In den elf Eigenkompositionen lotet die Singer/Songwriterin Lizanne Knott ihre Gedanken- und Gefühlswelt in poetischen Texten mit harmonischen, unaufgeregten Melodien aus. „Bones And Gravity“ ist ein stimmiges Americana-Album, das diese Bezeichnung verdient und kein verkappter Folk- oder Country-Longplayer.

Eigenproduktion (2019)
Stil: Americana

Tracks:
01. Problem Solution
02. The Drifter
03. No History
04. Sycamore
05. Come On Shorty
06. Cursive
07. Faster Than Fire
08. Widow’s Walk
09. River Of Love And Loss
10. The Rapture
11. I Don’t Know A Thing About Love

Lizanne Knott
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Gabby Barrett – Goldmine – CD-Review

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Ob die recht häufig vorkommenden Doppelkonsonanten in Gabby Barretts Namen, Warner Music dazu animiert haben, eine Zweifach-Vermarkungsstrategie aus Country und Pop, mit der American Idol-Top3-Finalistin zu fahren, mag wohl eher unwahrscheinlich sein. Das Prinzip der Gewinnmaximierung liegt nun mal in der Natur eines fast jeden Großkonzerns.

Die Protagonistin hat allerdings auch eine so hervorragende und variable Stimme, dass sie sogar darüber hinaus, bis in Southern- oder auch Melodic Rock-Gefilde problemlos kompatibel wäre, wie es Stücke der Marke „Jesus And My Mama“ (da braucht sie sich wahrlich nicht hinter einer Dale Krantz verstecken) oder „Goldmine“ (da lassen Lita Ford, Lee Aaron oder Robin Beck grüßen), eindrucksvoll darlegen.

Dass es ihr auch nicht an Selbstbewusstsein zu mangeln scheint (wer steigt schon beim Debüt in jungen Jahren auf dem Cover direkt in einen goldenen Anzug?) und sie oben drauf vielversprechende kompositorische Fähigkeiten besitzt (Gabby hat bis auf zwei Tracks hier alle mitgeschrieben), macht sie zu einem echten Goldstück für das Label.

Mit dem Opener „I Hope“, den es am Ende noch mal im Duett mit Popsänger Charlie Puth gibt, hat sie auf jeden Fall direkt einen doppelten Paukenschlag gesetzt: mehr als 10 Millionen Streams in einer Woche, dazu die erste Debüt-Single einer Künstlerin in den US-Country-Radiocharts seit 2017, die Nr. 1 erreicht hat.

„Thank God“ und „Jesus And My Mama“ werden vermutlich, wie die Titel es schon suggerieren, zudem auch bei der in den USA nicht unwichtigen Christian-Musik-Gemeinde punkten können. Gleiches gilt textlich für „Got Me“.

Das von Russ Copperman produzierte Album setzt natürlich überwiegend auf poppigen modernen Charakter (Drum-Loops, dezent akzentuierte Synthies, chorale Harmoniegesänge, typische Powerrefrains, R&B-Noten), Vergleiche auch allein schon wegen wegen des Aussehens, mit Carrie Underwood, kommen unausweichlich in den Sinn. Bei manchen Tracks näselt sie sogar wie die gute Shania Twain („Write It On My Heart“, „You’re The Only Reason“, „Hall Of Fame“), in ihren besten Zeiten.

Für die Countrynote (z, B. bei „Hall Of Fame“ und „Rose Needs A Jack“), sorgen der sporadische Einsatz von Mandoline, Banjo und Steel. Stark auf diesem Album auch American Idol-Kollege und frischgebackener Ehemann Barretts, Cade Foehner, der hier einige tolle E-Gitarren-Soli ablässt, die in aller feinster Dann Huff-Manier klingen. Absolutes Highlight ist der stampfige Southern Rocker „Jesus And My Mama“.

Insgesamt eine überzeugende Leistung von Gabby Barrett, die hier erstmal eindrucksvoll zeigt, was sie gesanglich so alles drauf hat. Die Musik geht schön ins Ohr, trotz des überwiegenden Popanteils, deutlich angenehmer zu hören, als viele ihrer Kollegen, die ebenfalls in beiden Gefilden wildern.

Die ersten Goldbarren dürften mit „Goldmine“ für Warner eingefahren sein, ob es für eine ganze Goldgrube, in der noch weiterhin ordentlich geschürft werden kann, reichen wird, muss die Zeit noch zeigen. Die Anlagen sind bei Gabby Barrett in jedem Fall vorhanden! Klasse Debüt!

Warner Music (2020)
Stil: New Country Pop

Tracklist:
01. I Hope
02. Thank God
03. Write It On My Heart
04. Footprints On The Moon
05. You’re The Only Reason
06. Goldmine
07. The Good Ones
08. Jesus And My Mama
09. Hall Of Fame
10. Got Me (feat. Shane Shane)
11. Rose Needs A Jack
12. Strong
13. I Hope (feat. Charlie Puth)

Gabby Barrett
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Oktober Promotion

Eddie 9V – Way Down The Alley – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Nach seinem 2019er Debütwerk „Left My Soul In Memphis“ legt der junge Wunderknabe des Südstaatenblues nun sein zweites Album vor. „Way DownThe Alley“ ist ein energiegeladener Live-Mitschnitt aus dem „Blind Willie‘s“ in Atlanta, in dem Eddie die ganz Großen des des schwarzen Blues, wie Freddie King, Muddy Waters oder Junior Wells, regelrecht zelebriert.

Auch die Live-Atmosphäre kommt bei den Songs super rüber und man fühlt sich beim Zuhören zwischen den einzelnen Stücken so, als wäre man mit einem Bierchen mitten im Publikum und würde mitfeiern. Toll gemacht! Zum guten Gelingen des Albums tragen nicht zuletzt aber auch Eddies Begleitmusiker bei.

Mit Chad Mason am Piano und Jackson Allen an der Mundharmonika sind zwei Könner ihres Faches am Werk, die perfekt mit den klassischen Blues-Melodien harmonieren, aber auch die souligen und Chicagoblues-Momente zur Geltung bringen, immer gepaart mit Eddies klarem und scharfem Gitarrenstil.

Das Album enthält zahlreiche Eigenkompositionen und zum Ende hin auch drei klassische Bluesnummern. Dort taucht dann das alte „Going Down Slow“ von St. Louis Jimmy Oden auf, allerdings in einer eher vom Chicagostil geprägten Fassung.

Und natürlich fehlt auf dem Album auch nicht der gemächliche „Catfish Blues“, der bereits 1928 von Petway Jim Jackson geschrieben wurde und später in Jimi Hendrix‘ „Voodoo Chile“ Eingang fand, genauso wenig wie das durch Muddy Waters bekannt gewordene Stück „Got My Mojo Working“, hier in einer durchaus lebhafteren Fassung.

Von den Eigenkompositionen sei besonders das ruhige und fast schon sparsam und mit gleichmäßigem Rhythmus arrangierte fast 9-minütige „Cod‘s Song“ erwähnt, welches viel Spielraum für Piano, Mundharmonika und Eddies Gitarre lässt. „Technical Difficulties“ hingegen ist eigentlich gar kein Song, sondern ein nett anzuhörender, launischer Vortrag über all die kleinen technischen Pannen, die so bei einem Konzert passieren können.

Alle anderen Songs des Longplayers bieten solide Blueskost zwischen slow („Bottle And The Blues“), flott (36th & Main“), melodiös („Lo-Fi Love“) und teils mit Soulelementen („Left My Soul In Memphis“) versetzt, stets abwechslungsreich und nie langweilig.

Für alle Blues-Enthusiasten ist die Scheibe sicherlich ein Must-Have, das nicht in der Sammlung fehlen sollte. Wir dürfen auf mehr gespannt sein.

Label: Hubbub! Music (2020)
Stil: Blues

Tracks:
01. 36th & Main
02. Look Over Yonder Wall
03. Bottle And The Blues
04. New Orleans
05. Lo-Fi Love
06. Technical Difficulties
07. Cod‘s Song
08. Going Down Slow
09. Left My Soul In Memphis
10. Catfish Blues
11. Got My Mojo Working

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Robin Trower – Living Out Of Time – Vinyl-Review

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Review: Gernot Mangold

Zeitgleich zum „20th Century Blues“-Album hat Repertoire Records mit „Living Out Of Time“ ein zweites Trower-Werk erstmals auf Vinyl re-releast. Dieses, 2003 ursprünglich veröffentlicht, ist ein Bluesalbum, das aber rockiger ist als das zuvor beschriebene, was neben der Vielseitigkeit Trowers, auch an der veränderten Besetzung der Mitspieler liegen mag.

Begleitet wird er diesmal von Dave Bronze (Procul Harum, Dr. Feelgood, Eric Clapton, Tom Jones, Art Of Noise) am Bass, Pete Thompson (Ken Hensley Ex-Uriah Heep, Pete Haycock Ex-Climax Blues Band, Robert Plant) an den Drums und Davey Pattison (Michael Schenker), der die Lead Vocals beisteuert.

Schon beim Opener, dem rockigen „What’s Your Name“ zeigt sich, dass Davey Pattison mit seiner sehr klaren Stimme einen anderen Charakter in die Stücke als Livingston Brown bringt und sich Trower hier eher den klassischen Rock hingibt, was ihm aber auch exzellent gelingt.

Dem ebenfalls rockigen „Step Into The Sun“ folgt mit „Another Time, Another Place“ der erste Bluessong, der sehr melodisch, ruhig, zuweilen manchem melancholischen Clapton-Song ähnelt, dem sich nahtlos „Sweet Angel“ anschließt. Leicht funkig ist der Einstieg in „Please Tell Me“, bis dann Pattison mit seiner harmonischen Stimme eine gewisse Ruhe in den Track bringt, die Trower aber immer wieder mit kurzen Gitarrensoli durchbricht, welche zuweilen auch an Hendrix erinnern.

In „One Less Victory“ begibt sich Trower mit seiner Band wieder eher in eine balladeske Richtung nach Muster alter britischer Rockbands. „Ain’t Gonna Wait“ ist dann ein weiterer ruhiger Rocksong. Beim Titellied „Living Out Of Time“ wird es wieder bluesiger und rauher. Trower stimmt härtere Töne an und auch die Soli nehmen wieder mehr Fahrt auf.

„The Past United“ ist wieder ein schöner harmonischer Bluessong, stimmlich einem Clapton ähnelnd, der aber von Arrangement her eher in Richtung „Angel“ von Jimi Hendrix schwelgt. Die besten Stücke in einem durchweg starken Album hat Trower sich aus meiner Sicht zum Ende des Albums aufgehoben. Erst das raue, bluesige „You Still Come Back“ mit eingängigen Refrain im Midtempo und zum Ende das etwa 10-minütige „I Want To Take You With Me“, ein balladesker ruhiger Bluesrocksong, in dem alle Musiker noch einmal ihre Extraklasse ausweisen.

Trower offeriert hier, dass er auf den Punkt, auch ohne Highspeed, Akzente setzen kann. Das Artwork entspricht dem Originalcover, schön ist, dass auf einem doppelseitigen Inlay auf der einen Seite ein Bild Trowers und auf der anderen Seite ein längerer Text, Einblicke in Trowers Schaffenzeit gibt. Optimal wäre allerdings ein zweiseitiges Booklet gewesen, sodass die Schriftgröße angenehmer wäre.

Was den Vinyl-Liebhaber auch erfreuen wird, ist dass die Schutzhülle für die Scheibe nicht wie so oft aus Karton oder harten Papier ist, sondern das Papier innen mit glatten Kunststoff beschichtet ist, was ein schonender Faktor ist. Den letzten Song „I Want To Take You With Me“ kann man auch als Einladung sehen, sich dieses Album zuzulegen. Ich denke, dass Trower, Blues- wie Classic Rock-Anhänger, mit diesem Werk mitnehmen wird.

Repertoire Records (2003/2020)
Stil: Blues (Rock)

Tracklist:
01. What’s Your Name
02. Step Into The Sun
03. Another Time, Another Place
04. Sweet Angel
05. Please Tell Me
06. One Less Victory
07. Ain’t Gonna Wait
08. Living Out Of Time
09. The Past United
10. You Still Come Back
11. I Want To Take You With Me

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Repertoire Records
Brooke-Lynn Promotion

Will Hoge – Tiny Little Movies – CD-Review

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Review: Michael Segets

Ein Blick in der Interpretenskala von SoS offenbart acht CD-Reviews, einen Konzertbericht und etliche Querverweise zu Will Hoge. Der in Nashville ansässige Mann aus Tennessee dürfte daher kein unbeschriebenes Blatt mehr sein. In den nahezu zwanzig Jahren seiner musikalischen Karriere erlebte er einige Höhen und Tiefen, veröffentlichte aber stetig neues Material. „Tiny Little Movies“ ist sein elfter im Studio eingespielter Longplayer.

Dominierten auf dem vorherigen Album „My American Dream“ die sozialkritischen Töne, sind diese jetzt zwar auch noch gelegentlich vorhanden, aber nicht mehr durchgängig präsent. „The Overthrow“ ist so ein politisches Stück, bei dem Hoge musikalisch eine härtere Gangart vorlegt. Noch eine Spur heftig krachen lässt er es auf „Con Man Blues“. Der Angry Young Man scheint bei den restlichen Kompositionen des 47jährigen eher nicht mehr durch.

Stattdessen präsentiert er sich als ein Mann, der weiß, wo er steht. Dabei aalt er sich nicht in Selbstzufriedenheit, sondern hat einen kritischen Blick auf die Welt und einen realistischen auf sich und seine Möglichkeiten entwickelt. Der Titel „Maybe This Is OK“ bringt das ganz gut zum Ausdruck. Der Song beginnt soulig und bekommt durch die kräftige Hookline der Gitarre später einen schön rockigen Einschlag.

Songtechnisch am meisten ausgefeilt erscheint „My Worst“, das Hoge zusammen mit Dan Baird (The Georgia Satellites) verfasste. In seiner Anfangszeit tourte Hoge mit Baird und noch heute scheinen sie regen Kontakt zu haben. So schrieben die beiden auch „Adilyda“, das sich auf Bairds letzter CD „Screamer“ findet. Hoges Gesang und der Backgroundchor vermitteln ein R&B-Feeling. Hervorragend ist hier auch die Rhythmusarbeit von Allen Jones (Schlagzeug) und Christopher Griffiths (Bass).

Die beiden gehören genauso wie der Gitarrist Thom Donovan zur Tour-Begleitung von Hoge. Den raueren Live-Sound rettet die Band ins Studio rüber. Der kommt vor allem den erdigen Rockstücken („That’s How You Lose Her“, „The Curse“) zugute, die in Richtung Heartland gehen. Hoge macht damit der Musik, die er in seiner Jugend gehört hat, alle Ehre. Dabei sticht der gemeinsam mit Ricky Young (Wild Feathers) komponierte Opener „Midway Motel“ besonders mit seinem Mundharmonika-Intermezzo hervor.

Auf der Scheibe trifft Hoge eine ausgewogene Mischung zwischen rockigen und sanfteren Tönen. Besonders intensiv sind „Is This All You Wanted Me For“ durch die ansteigende Dynamik, sowie das reduzierte „All The Pretty Horses“ mit seinem eingängigen Refrain. Die Americana-Stücke („Even The River Runs Out Of This Town“) haben durch den gelegentlichen Einsatz der Slide-Gitarre („The Likes Of You“) einen leichten Country-Einschlag.

Im Alternative Country verzeichnete Hoge einige Erfolge, sei es mit seinem Duett-Partner Wade Bowen oder mit „Even If It Breaks Your Heart“, das die Eli Young Band coverte und zu einem Hit machte. Insgesamt fährt Hoge auf „Tiny Little Movies“ die Einflüsse dieser Musikrichtung allerdings zurück.

Will Hoge legt mit „Tiny Little Movies“ ein Album vor, das von krachendem Rock über melodischen Heartland bis zu sanften Balladen eine breite Palette der Roots-Musik offeriert. Die Songs wirken unabhängig von der Spielart stets authentisch und ohne große Schnörkel auf den Punkt gebracht. Will Hoge steht für Qualität in Sachen Roots Rock, was er mit der aktuellen Scheibe erneut beweist.

Edlo Rec. – Thirty Tigers/Membran (2020)
Stil: Roots Rock

Tracks:
01. Midway Motel
02. The Overthrow
03. Maybe This Is Ok
04. Even The River Runs Out Of This Town
05. My Worst
06. That’s How You Lose Her
07. Con Man Blues
08. Is This All You Wanted Me For
09. The Likes Of You
10. The Curse
11. All The Pretty Horses

Will Hoge
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