Neil Young – Homegrown – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

„Endlich ein neues Album von Neil Young!“, werden die einen sagen, während die anderen vermutlich konstatieren, dass dem alten Mann nichts Neues einfällt, weil er jetzt ein Album auf den Markt bringt, das er vor etwa 47 Jahren einspielte, aber bis dato nie veröffentlichte, wenn man von einigen Songs absieht, die später auch auf dem legendären „Decade“-Werk einen Platz fanden.

Um es vorwegzunehmen, es war eine gute Idee, dieses Album doch noch zu veröffentlichen, was er aus persönlichen Gründen, die ihn damals belasteten, nicht tat.

Es hätte zu dieser Zeit sehr gut als stilistische Fortsetzung des Klassikers „Harvest“ dienen können. Nun zeigt es heute noch einmal die musikalisch sanfte Seite von Neil Young, die er später insbesondere mit seiner Begleitband Crazy Horse verließ, aber immer wieder auch live aufleben ließ.

In einem Brief auf seiner Webseite erklärt er die Hintergründe, warum das Album zunächst auf Masterbändern verstaubte, ehe das, wie er es selbst nannte, ‚entkommene Album‘, doch den Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat. Wenn Neil Young dabei den Begriff ‚großartig‘ verwendet, ist dies nicht mit der Artikulierung eines berühmt-berüchtigten Amerikaners zu verwechseln…

Den Hörer erwarten zwölf starke Folkrocksongs, die in keinster Weise verstaubt wirken, sondern, bei denen es einfach Spaß macht, zuzuhören. Unterstützt wird er unter anderem von Levon Helm und Karl T Himmel an den Drums, sowie seinen Freunden Ben Keith (Steel- & Slideguitar), Tim Drummond (Bass) und Stan Szelest (Piano) sowie Robbie Robertson und Emmylou Harris.

Schon die ersten Klänge von „Seperate Ways“ zeigen Neil Youngs Songwriting-Stärke und ziehen den Zuhörer regelrecht in ihren Bann. Schöne Melodiebögen untermalen seinen Gesang und auch Keith kann an der Steelguitar glänzen, bis Neil das Lied mit der Mundharmonika ausklingen lässt. „Try“ setzt den ruhigen Trend fort, traumwandlerisch bewegt er sich, unterstützt von Emmylou Harris im Backgroundgesang, gefühlt durch die Weiten der Prärie.

Im kurzen „Mexico“ wird Young nur vom Piano assistiert und dieser kurzweilige Song überrascht durch einige gekonnte stilistische Übergänge. „Love Is A Rose“ ist den eingefleischten Fans bekannt. Tolle Harmonien, Wechsel von akustischer Gitarre und Mundharmonika als prägendes Instrument und dezentes, aber klar klar differenziertes Schlagzeugspiel und dazu Youngs Stimme, machen diesen Song aus.

Mit „Homegrown“, wo auch Robertson mitspielt, wird es etwas rauer, aber auch tanzbar. Dass Neil Young immer für Experimente oder Überraschungen zu haben ist, offeriert er bei „Florida“, wo er eine Geschichte erzählt und von futuristisch anmutenden, kaum definierbaren Klängen, begleitet wird.

Nach dem harschen Vorsong,  entführt der Kanadier mit „Kansas“ die Audienz wieder in seine damalige Welt der Folkrockmusik.

In „We Don’t Smoke It“ findet der Blues Einzug in den Longplayer, mit klasse Pianoparts und dem bekannten Youngschen Stil, die elektrische Gitarre zu bearbeiten.

„White Line“ kennen die Young-Fans vom „Ragged Glory“ Album. Man spürt hier außergewöhnliche Youngs Gabe, Tracks differenziert zu interpretieren: in der frühen Version auf diesem Album folkig im Stile von Songs wie „Comes A Time“, später härter, eben Crazy Horse-like. In beiden Versionen absolut hörenswert.

„Vacancy“ mit Harmonygesängen liegt nahe bei den früheren CSNY-Songs mit zum Teil härteren Gitarrenpassagen. Für mich einer der stärksten Songs auf dem Album.

Beendet wird die Platte von zwei alten Bekannten, die auch Platz auf „Decade“ gefunden haben. „Little Wing“ (mit schönen Harris-Harmonies) und „Star Of Bethlehem“ runden dieses Klassewerk ab.

Für Neil Young-Hardliner ist das Album natürlich ein Pflichtkauf. Musikliebhaber, die auf eher ruhige folkige Klänge stehen, erleben einen sich damals in Hochform befindlichen Protagonisten. Schön wäre es, wenn Young einige dieser Songs noch einmal in Europa in ein Set einbauen könnte.

Reprise Records (Warner) (2020)
Stil:  Folk, Rock

Tracklist:
01. Separate Ways
02. Try
03. Mexico
04. Love Is A Rose
05. Homegrown
06. Florida
07. Kansas
08. We Don’t Smoke It No More
09. White Line
10. Vacancy
11. Little Wing
12. Star of Bethlehem

Neil Young
Oktober Promotion

Dion – Blues With Friends – CD-Review

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Dies hier ist mal wieder ein typischer Fall von Bildungslücke. Da kann man eine seit fast 45 Jahren angehäufte, mehrere tausend Tonträger umfassende Sammlung besitzen, seit über 20 Jahren selbige rezensiert haben und doch tauchen immer wieder Interpreten auf, die man absolut noch nie gehört hat, die aber auch schon seit Ewigkeiten existieren.

Ok, mit demim Philip Kaufman-Film „The Wanderers“ enthaltenen Song „The Wanderer“, erhält der Name Dion (Dion Francis DiMucci) zumindest eine dezente Kontur. Weitere Recherchen ergeben, dass dieser besonders mit dem Ensemble Dion & The Belmonts in den 50er Jahren schon Erfolge feierte und, dass der Rolling Stone ihn 2008 auf Rang 63 der 100 besten Sänger aller Zeiten wählte.

Im Laufe seiner Karriere hat der wandlungsfähige jetzt schon 80-jährige Künstler sich wohl ein Riesen-Netzwerk aufgebaut, was für Menschen mit italienischen Wurzeln ja nicht ungewöhnlich ist, höhö. So ist es wohl zu erklären, dass der sich mittlerweile in der Bluesmusik heimisch fühlende Protagonist auf seinem neuesten Album „Blues With Friends“ mit einem Staraufgebot an seiner Seite aufwartet, das sicherlich nur Menschen zuteil wird, die sich das auch verdient haben.

Illustre hier mitwirkende Namen wie u. a. Joe Bonamassa (auf dessen neuen Keeping The Blues Alive“-Label die scheibe erscheint), Jeff Beck, Samantha Fish, John Hammond, Billy Gibbons, Sonny Landreth, Bruce Springsteen, Van Morrison, Joe Menza, Brian Setzer oder Paul Simon, lesen sich wie das Who-Is-Who der Rockmusik und geben dem vierzehn Tracks umfassenden Werk (etwas über eine Stunde Spielzeit) trotzdem nur einen recht zurückhaltenden Anstrich.

Die bis auf zwei Stücke von Dion mitkomponierten Originalstücke stehen klar unter der stimmlichen Regie des Protagonisten, ihren Stempel können meist eher die Musiker aufsetzen, die wie z. B. Joe Bonamassa , Brian Setzer (mit typischem Rockabilly-Gibson-ES-E-Gitarren Sound), Jeff Beck oder Sonny Landreth (sein obligatorisches Sliden) für ihr instrumentales Können bekannt sind.

Bei manchen Tracks wie „I Got Nothin’“, „Bam Bang Boom“ oder „Hymn To Him“ hätte man sich die markanten Stimmen von Van Morrison, Billy Gibbons und Bruce Springsteen als weitere Farbtupfer im Duett gut vorstellen können, so dürfen lediglich Paul Simon und die Damen Rory Block und Patti Scialfa mal sporadisch mit Harmoniegesängen etwas stärker in Erscheinung treten.

Trotzdem ist der dargebotene Mix, der alle Blues-kompatiblen, beziehungsweise gut ergänzbaren Formate bietet, sehr kurzweilig und in sich stimmig gelungen. Es macht Spaß die von retro bis modern klingenden Stücke in Einem durchzuhören. Durch Dions Gesang und auch manche Stücke kommen phasenweise Assoziationen zu kauzigen Leuten wie Joe Walsh („Can’t Start Over Again“, Bam Bang Boom“),  und J. J. Cale („Kickin’ Child“, „My Baby Loves To Boogie“) auf.

Insgesamt ein tolles abwechslungsreiches Blues (Rock)-Album. Der 80-jährige Dion Francis DiMucci hat sich im hohen Alter nochmal ein Denkmal in eigener Sache gesetzt. Zahlreiche Stars haben ihn dabei unterstützt und sich respektvoll untergeordnet. Zurecht Platz 1 in den Blues Charts! ‚Je oller, desto, doller‘, im musikalischen Sinne, möchte man fast meinen.

Keeping The Blues Alive Records (2020)
Stil: Blues, Blues Rock & More

Tracks:
01. Blues Comin’ On (feat. Joe Bonamassa)
02. Kickin’ Child (feat. Joe Menza)
03. Uptown Number 7 (feat. Brian Setzer)
04. Can’t Start Over Again (feat. Jeff Beck)
05. My Baby Loves To Boogie (feat. John Hammond)
06. I Got Nothin’ (feat. Van Morrison, Joe Louis Walker)
07. Stumbling Blues (feat. Jimmy Vivino, Jerry Vivino)
08. Bam Bang Boom (feat. Billy Gibbons)
09. I Got The Cure (feat. Sonny Landreth)
10. Song For Sam Cooke (Here In America) (feat. Paul Simon)
11. What If I Told You (feat. Samantha Fish)
12. Told You Once In August (feat. John Hammond, Rory Block)
13. Way Down (I Won’t Cry No More) (feat. Stevie Van Zandt)
14. Hymn To Him (feat. Patti Scialfa, Bruce Springsteen)

Dion
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Another Dimension

Mathias Schüller – Wodka Wodka Superstar – CD-Review

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Review: Michael Segets

Von den großartigen Konzerten, das das JZ Karo in Wesel veranstaltet, berichtete SoS schon mehrfach. Das Musikprogramm ist dort Chefsache und wird vom Leiter des Jugendzentrums Mathias Schüller organisiert, der damit beweist, dass er musikalisch das Herz auf dem rechten Fleck hat. Schüller lebt seine Leidenschaft für Musik darüber hinaus auch eigenproduktiv aus. Mit dem Doppelalbum „Fremder“ debütierte er 2015. Nach dem hoch gelobten „Affentanz“ (2017) folgt nun sein drittes Werk „Wodka Wodka Superstar“.

Der erste Blick auf die Titelliste erweckt den Eindruck, dass Schüller nun ins englischsprachige Metier wechselt. Dieser täuscht, denn er bleibt den deutschen Texten treu. Die Namen mancher Songs spielen auf – mehr oder weniger – bekannte Bands an. Da werden das australische Damen-Duo Hussy Hicks, die Amerikaner Water And Sand, die britischen Rocker Led Zeppelin und die Krefelder Kultband Dear Wolf in Erinnerung gerufen.

Die stilistische Ausrichtung der Songs orientiert sich lose an diesen Referenzen. Schüller hat sich nach eigenen Aussagen eher von Ryan Adams, Jeff Buckley oder Velvet Underground inspirieren lassen. Wie dem auch sei, herausgekommen ist ein Longplayer zwischen rockigen Einlagen („Hussy Hicks“, „Dead End“) und Singer/Songwriter-Balladen („Rose Garden“, „Water & Sand“).

Schüller spielte das Album quasi im Alleingang ein. Alle Instrumente gehen auf sein Konto, wobei vor allem die erdigen Gitarrenintros beim Titellied und bei „Ed Zeppelin“ überzeugen. Eine rootsige Untermalung hat ebenso der über zehnminütige Abschluss „Dear Wolf“. Wenn es so etwas wie deutschsprachigen Americana gibt, dann trifft diese Bezeichnung das Werk ganz gut.

Mit deutschen Texten habe ich meist meine Schwierigkeiten, da ich sie unmittelbar verstehe und anders als bei englischen Lyrics nicht ausblenden kann. Sollte ich deutschsprachige Lieder hören, dann müssen Dichtung und Aussage auch stimmen. Schüllers Texte haben Substanz und heben sich so von dem, was sonst oftmals im Radio geboten wird, ab. In manchen Teilen erinnern sie an die von Marius Müller-Westernhagen. Hervorzuheben ist, dass im Begleitheft des schön aufgemachten Digipacks die Texte abgedruckt sind.

Stimmungsvolle Momentaufnahmen, bei „Banana Whiskey“ beispielsweise von seiner Amerika-Tour, werden von Schlüter mehrfach mit sozialkritischen Seitenhieben auf Kommerz und Kapitalismus („Mad Max“) – oder auch auf den amerikanischen Präsidenten – versehen. Mit wehmütigen oder sehnsuchtsvollen Songs („Water & Sand“) und aufgekratzten Nummern („Hussy Hicks“) zeichnet Schüller Situationen und Personenportraits nach, die als Grundthema die Spannung zwischen dem Hunger nach echtem Leben und den gesellschaftlichen Ansprüchen und Rahmenbedingungen durchscheinen lassen.

Mathias Schüller präsentiert auf „Wodka Wodka Superstar“ einen deutschsprachigen Americana-Rock-Mix, der besonders mit seinen Texten, die den Nimbus der Studentenbewegung der sechziger und siebziger Jahre transportieren, überzeugt.

Schüller, der bereits als Support für Joseph Parsons tourte, kündigt für den Herbst mehrere Konzerte an. Bleibt also zu hoffen, dass bis dahin solche öffentlichen Auftritte wieder problemlos möglich sind.

Cactus Rock Records (2020)
Stil: Deutschrock, Americana/

Tracks:
01. Hussy Hicks
02. Rose Garden
03. Wodka Wodka Superstar
04. Ed Zeppelin
05. Dead End
06. Water & Sand
07. Mad Max
08. Banana Whiskey
09. Dear Wolf

Mathias Schüller
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Cactus Rock Records

Lisa Mills – The Triangle – CD-Review

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In diesem besonderen Jahr ist es eindeutig das weibliche Geschlecht, das bei mir bisher den bleibendsten musikalischen Eindruck hinterlassen hat. Nach den überragenden Alben von der Betty Fox Band und Crystal Shawanda, hat mich jetzt noch topos-Macher Klemens Kübber auf das Werk „The Triangle“ von Lisa Mills aufmerksam gemacht.

Die in Mississippi groß gewordene Amerikanerin (lebt mittlerweile in Freiburg), allerdings dank diverser Touren auch in Europa bei uns bekannt, konnte sich zu diesem Longplayer einen vermutlich lang gehegten Wunsch erfüllen. Mit dem preisgekrönten Musikproduzenten/Musiker/Songschreiber Fred Mollin und dem Filmemacher Mark Voss bereiste sie drei berühmt-legendäre Aufnahmestudios im Süden der USA (Fame Studios – Muscle Shoals, Alabama; Sun Studio – Memphis, Tennessee; Malaco Studios Jackson, Mississippi), um mit den dortigen Studiomusikern, eine von ihr und Mollin auserwählte und erarbeitet Trackliste mit Coversongs einzuspielen.

Besser als es der Link zum dokumentarischen ‚Making Of‘ zu „The Triangle“ tut, kann man dieses einzigartige Erlebnis für die Künstlerin mit Worten wohl kaum beschreiben, Das musikalische Endergebnis der CD deckt sich dann am Ende auch recht gut mit dem, was einem im Clip suggeriert wird.

Lisa hat mit ihrer ‚One In a Million Voice‘ dann auch sofort das Vertrauen und die Sympathie der Musiker gewonnen. Diese kann man vermutlich unter solchen Umständen gegen 10 Uhr morgens aus dem Tiefschlaf wecken (bei Normalsterblichen hätte ich jetzt 2 Uhr nachts geschrieben…), sie haben solche Sachen einfach im Blut und würden wahrscheinlich selbst aus „Alle meine Entchen“, spontan was adäquates zaubern.

Einige der Stücke kennt man auch ohne großes Blues-Hintergrundwissen (lediglich „I’d Rather Go Blind“ ist da etwas überstrapaziert, „Slip Away“ von Gregg Allman wird unserer Hauptklientel am meisten bekannt sein), gut die Hälfte war für mich neu, von daher also eine spannende Sache.

Sämtliche Tracks haben den typischen southern-souligen Charakter und werden in allen Tempi und Stimmungen serviert (von bluesrockig-funkig bis bluesig-schwofig), allesamt von Lisa locker in emotionaler Vokal-Manier gemeistert. E-Gitarre, Orgel, Piano, plusternde Bläser, gospelige weibliche Harmonies bilden zum Drums-/Bass-Rhythmus überwiegend das Gerüst, bei nur wenigen Stücken wurden die Bläser ausgeklammert. Begeisternd u. a. für mich besonders der auch in New Country-Kreisen oft wirkende Studiomusiker-/gitarrist John Wills.

Der vornehmlich durch Johnnie Ray bekannt gewordene Evergreen „Just Walking in The Rain“ wird zum Ausklang von Lisa solo (sich selbst nur mit der E-Gitarre begleitend) performt, wobei ihre Stimme noch einmal in vollem stimmlichen Glanze wirken kann.

Lisa Mills hat sich mit „The Triangle“ einen absoluten Traum erfüllt. Sie hat die sicherlich nicht leichte Herausforderung angenommen und nahezu perfekt gemeistert. Man freut sich am Ende einfach mit der sympathischen Protagonistin und und genießt das Ergebnis, wo auch immer man die Scheibe letztendlich in den Player legt. Eindrucksvoll!

Übrigens, im Rahmen der aktuellen Rassendiskussionen, ist  dieses Projekt das beste Beispiel, wie vernünftige mündige Menschen, egal welcher Hautfarbe, im Zusammenleben harmonieren, wenn sie sich für ein gemeinsames Ziel einsetzen.

BMG Rights Management (US) LLC (2020)
Stil: Blues/Blues Rock/Southern Soul

Tracklist:
01. Greenwood, Mississippi
02. Tell Mama
03. Slip Away
04. I’d Rather Go Blind
05. That’s What Love Will Make You Do
06. I’m In Love
07. Same Time Same Place
08. A Place Nobody Can Find
09. That’s How Strong My Love Is
10. Someone Else Is Steppin‘ In
11. I’ll Always Love You
12. Travel On
13. Members Only
14. Just Walking In The Rain

Lisa Mills
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John Craigie – Asterisk The Universe – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Asterisk, das typographische Sternenzeichen ist sicher eine ungewöhnliche Namensgebung für den neuen Longplayer des US-amerikanischen Singer/Songwriters John Craigie; doch sein Album „Asterisk The Universe“ hat ebenso wie das 5-strahlige Sternchen auf dem Plattencover eine magisch-faszinierende Ausstrahlung und einen eigenen Kosmos zu bieten.

Der aus Los Angeles stammende, 40-jährige Craigie ist mit seinen Songs nahezu 10 Jahre „On The Road“ und auf Festivals unterwegs, quer durch Nordamerika und Großbritannien, 2019 sogar zu 4 Terminen in Deutschland. Seine charismatische, humorvolle Art, die Dinge beim Namen zu nennen und in pointierten Texten Geschichten zu erzählen, die gleichzeitig ernst und ironisch sein können, begeistert inzwischen auch namhafte Fans, wie Jack Johnson oder Todd Snider. Craigies nun vorliegendes, 10 Songs umfassendes Album, ist ein eloquenter Mix aus Americana, Folk und Rock, der im Verlauf nicht unerheblich herrliche Dylan-Elemente interpretiert.

Schon der vorsichtig zaghafte Opener „Hustlin“ vermittelt – einfühlsam und zurückhaltend instrumentiert – das Gefühl einer Live-Atmosphäre, die der folgende Titel „Don’t Ask“ (bereits auf dem Vorgänger „Scarecrow“ erfolgreich vertreten), nun in einer neuen, frischen Motown-Version fortsetzt. Das langsam swingende „Son Of A Man“ erinnert im Stil an Songs einer vergangenen Songwriter-Generation, die wie bei der Vorab-Single „Part Wolf“ ihre ausgefeilten, selbstbewusst-kritischen Lyrics („I Got That American Meanness“) in den Vordergrund stellen.

Dieses Zutrauen, auch Klassiker musikalischer Vorbilder gelassen abzuliefern, kann der aufmerksame Hörer nicht zuletzt beim akustischen J.J. Cale-Cover „Crazy Mama“ erkennen – eine Leichtigkeit durch die John Craigie und seine Band fortwährend eigene Akzente setzen.

Überhaupt besteht Craigies Begleitband aus talentierten Musikern der jungen, kalifornischen Folk-Rock-Szene. Aus dieser musikalischen Verbindung ist nicht nur bei „Don’t Deny“ der Eindruck willkommen, dass hier aus einer endlich wieder entdeckten Schatzkiste 60er Dylan-Tapes gemastert wurde. In der zweiten Single „Valecito“ findet man Craigie in einem psychodelisch-experimentell nachdenklichen Song, der das Problem wortreich variiert, die richtige Entscheidung zu treffen, um danach die Folk-Ode an den Schutzpatron der Reisenden in „Nomads“ zum Abschluss nochmals mit großer Piano-Einlage und typischen Harmonica-Solo, einen würdigen Ausklang zu bereiten.

John Craigie hat „Asterisk The Universe“ mit starker Unterstützung eingespielt, das einen engagierten Story-Teller und vielseitigen Songschreiber wirkungsvoll in Bestform zeigt. Entstanden ist eine CD, die mit treffsicher artikulieren Lebenserfahrungen und Erzählungen angenehm überrascht. Das ist ein Album, das mehr als ein strahlendes Sternchen auf dem Cover verdient hat!

Zabriskie Point Records (2020)
Stil: Americana, Country, Bluegrass, Folk

Tracklist:
01. Hustlin‘
02. Don’t Ask
03. Son Of A Man
04. Part Wolf
05. Crazy Mama
06. Climb Up
07. Used It All Up
08. Don’t Deny
09. Vallecito
10. Nomads

John Craigie
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Oktober Promotion

Sammy Brue – Crash Test Kid – CD-Review

cover Sammy Brue - Crash Test Kid_300

Review: Gernot Mangold

Sammy Brue ist hierzulande noch ein ziemlich unbeschriebenes Blatt. Nun ist der junge, aus Oregan stammende Musiker auf dem Weg dies zu ändern. Schon im zarten Alter von 10 Jahren begann er selbst Songs zu schreiben und benannte in der Vergangenheit Woody Guthrie als einen Künstler, der ihn sehr beeinflusste.

Mit „Crash Test Kid“ bringt er nun das dritte Album seiner noch jungen Karriere heraus, durfte sich aber im Frühjahr schon dem europäischen Publikum im Vorprogramm von Marcus King beweisen. Ich war selbst beim Konzert in der Kölner Kantine, kurz vor dem Coronacrash vor Ort und durfte erleben, wie Sammy Brue alleine, nur mit Akustikgitarre den Fans vor dem Marcus King-Gig, die Zeit mit einem erfrischenden Auftritt verkürzte.

Der eigentliche Höhepunkt für ihn, was auch seine Qualität untermalt, war, dass Marcus King ihn zum Neil Young-Klassiker „Down By The River“ im Zugabenteil mit auf die Bühne holte und sich dort auch Gesangparts mit ihm teilte.

Brue_ColNun aber zum neuen Album „Crash Test Kid“. Brue legt ein 11 Stücke umfassendes Werk vor, in welchem Americana- und Folk-Elemente überwiegen. Diese bringt der junge Musiker, passend zum Titel des Albums, mit jugendlicher Unbeschwertheit,  crashend und dynamisch auf die Platte. Schon den ersten Song „Gravity“ präsentiert locker, fast erzählend mit peppigen Zwischenpassagen. Ein einfacher schöner Folksong, in dem die Stimme und die akustische Gitarre in Vordergrund stehen.

Mit „Die Before You Live“ nimmt die Platte dann Fahrt auf. Stilistisch bleibt er auf seiner Grundlage Americana/Folk. Ein sehr einprägsames Songwriting begeistert, wobei es mich zuweilen an die alten Waterboys erinnert, was ich in dem Zusammenhang als Kompliment sehe.

Ähnlich geht es zunächst bei „Teenage Mayhem“ weiter, wobei schon nach kurzer Zeit auch durch die einsetzenden Begleitinstrumente richtig Schwung in den Song kommt. Ein furioser dynamischer Track, der zuweilen auch mit punkigem Einschlag rüberkommt. Für mich als Fan der alten New Model Army einer der Highlights des Albums, der live die Fans zum Tanzen bringen wird.

Mit „True Believer“ wird es in der Art alter amerikanischer Songwriter wieder ruhiger. „Pendulum Thieves“, wieder etwas schneller gespielt, zeugt auch davon, wie der junge Sammy Brue alle Instrumente harmonisch vereint und es ihm gelingt, eingängige Harmoniestrukturen zu erzeugen.

In „Crash Test Kid“, dem Titelsong, erzählt er eine Geschichte, wo er in den meisten Zeit nur vom Piano beleitet wird und durch später einsetzende Streichinstrumente ein fast schon orchestraler Sound erreicht wird, der auch in eine Rockoper passen würde. „Megawatt“ ist ein eingängiger gut tanzbarer leicht poppiger Folkrocksong.

„Fishfood“ ist erneut ein punkig angehaucht, der stimmlich fast anklagend daherkommt und je weiter er voranschreitet, an Dynamik zunimmt.
In „Skatepark Doomsday Blues“ ist das Grundelement passend zum Titel, der Blues, der in einigen Passagen Erinnerungen an „House Of The Rising Sun“ weckt. Ein tolles Songwriting, wo, ob bewusst oder unbewusst, auch auf Traditionelles zurückgegriffen wird, was für mich aber in keinen Fall einen Makel darstellt.

Auch bei „What You Give“ kann man zuweilen im Unterton „My Generation“ raushören. Der Song erinnert mich in weiten Passagen an damalige britische Größen aus der Zeit der Kinks oder The Who, transferiert in das heutige Americana. Zum Ende der Platte malt Sammy Brue mit „Paint It Blue“ noch einmal einen einfühlsames Folklied, um sein neues Werk eher bedächtig abzuschließen.

Fazit: Dem jungen Amerikaner Sammy Brue ist mit „Crash Test Kid“ ein starkes Folk-Americana Album gelungen, was bestätigt, dass mit ihm ein neuer Stern in diesem Musikgenre aufgegangen sein könnte. Man darf gespannt sein, wie es mit der Karriere des jungen Künstlers, auch in Europa, weitergeht. Im Frühjahr bewies er, dass er es auch live kann. Schön wäre, wenn er in absehbarer Zeit die Möglichkeit bekommt, sich dann mit Begleitband auf den hiesigen Bühnen zu präsentieren.

New West Records (2020)
Stil: Folk, Rock, Americana

Tracklist:
01: Gravity
02: Die Before You Live
03: Teenage Mayhem
04: True Believer
05: Pendulum Thieves
06: Crash Test Kid
07: Megawatt
08: Fishfood
09: Skatepark Doomsday Blue
10: What You Give
11: Paint It Blue

Sammy Brue
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Oktober Promotion

Larkin Poe – Self Made Man – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Als Rebecca und Megan Lovell im Mai 2016, zum ersten Mal außerhalb der USA, als Larkin Poe beim Blues-Festival in Schöppingen auftraten, hatten sie bereits eine Reihe von EPs und zwei Studioalben veröffentlicht und ansehnliche Aufmerksamkeit erzielt.

Die damals ungeahnte Erfolgsgeschichte der beiden Schwestern aus Nashville, TN, kam aber erst so richtig in Fahrt, nachdem sie als Opening Band 2017 auf der Farewell-US-Tour von Bob Seger weitere Konzerterfahrungen sammeln konnten. Der bereits im Herbst 2018 aufgelegte Longplayer „Venom & Faith“ erreichte die Nr. 1 in den Billboard Blues-Charts, sowie eine Nominierung für den Grammy Award ‚Best Contemporary Blues Album‘.

Es folgte eine turbulente Tournee-Weltreise, die Larkin Poe kaum Zeit ließ, ihre musikalischen Perspektiven auszuloten und zu entwickeln. Mit der jetzigen Scheibe „Self Made Man“ haben sie nun erneut ein energiegeladenes Album selbst produziert und die Bluesmusik der amerikanischen Südstaaten in ihrer rundum kreativen Vielfalt gewaltig aufgemischt.

Diese Erneuerung beginnt bereits mit dem Titelsong „She’s A Self Made Man“, der in seinem Gender-Wortspiel die zwischenzeitliche Unabhängigkeit der Lovell-Sisters andeutet und als harter Gitarren-Rock nach mehr Lautstärke verlangt. Eine versierte Gitarrenarbeit liefern die beiden Songschreiberinnen auch bei der folgenden Nummer „Holy Ghost Fire“ ab, die in ihrer 3-Minuten-Studiofassung durchaus Potenzial nach oben offen lässt.

Das ausgiebig entfachte Blues-Rock-Feuer wird über das Rhythmus betonte „Keep Diggin“ und den „Back Down South“-Boogie mit starker Gitarren-Beteiligung von Tyler Bryant im Southern-Rock-Sound wirkungsvoll aufrecht erhalten. Dass die intensiven Vocal-Parts der Lovells zum meisterlichen Anteil dieses Sound-Charakters der Produktion nicht unerheblich beitragen, wird ebenso bei der eingängigen Country-Rock-Hymne „Tears Of Blue To Gold“ deutlich, die alle Fan-Ansprüche im Refrain spielend erfüllt.

Seine außergewöhnliche Bandbreite kann das Album sogar auf ein seltenes Folk-Blues-Cover ausdehnen. Der im Original von Blind Willie Johnson im Jahre 1929 aufgenommene Track „God Moves On The Water“ wirkt in dieser schnellen Version und mit erweiterten Lyrics wie neu geboren.

Bei der Umsetzung ihrer musikalischen Vorstellungen erstreckt sich der Ideenreichtum der beiden Schwestern offenbar auf das gesamte Spektrum der amerikanischen Südstaaten-Musik aus Blues-Rock, Folk, Country und Bluegrass in ihren unterschiedlichen Stilrichtungen. Ausdrückliche Danksagungen von Rebecca Lovell richten sich besonders an musikalische Ikonen aus dem Süden der USA, Little Richard, die Allman Brothers und James Brown.

Weitere traditionelle Einflüsse sind daher auch bei langsameren Tracks ein Teil des „Programms“ und werden in „Every Bird That Flies“, „Danger Angel“ oder „Ex-Con“ – der Geschichte eines entlassenen Strafgefangenen – durch perfekte Gesangs- und Slide-Guitar-Passagen stilsicher arrangiert und aufgewertet. Der kraftvolle Blues-Rocker „Scorpion“ erinnert dabei an die White Stripes, während der lebensfrohe „Easy Street“-Country zum Abschluss der Scheibe nochmals die Euphorie vehement steigert.

Larkin Poe haben mit ihrem fünften Longplayer „Self Made Man“ nachgelegt und ein emanzipiertes und selbstbewusstes Blues-Rock-Album abgeliefert, das seine Wurzeln in der Musik des amerikanischen Südens stolz entfaltet; es verbreitet die innovative Freiheit und kongeniale Souveränität der Lovell Schwestern als Meilenstein einer erfolgreichen musikalischen Entwicklung.

Tricki-Woo Records (2020)
Stil: Blues, Roots Rock

Tracks:
01. She’s A Self Made Man
02. Holy Ghost Fire
03. Keep Diggin‘
04. Back Down South feat. Tyler Bryant
05. Tears Of Blue To Gold
06. God Moves On The Water
07. Every Bird That Flies
08. Scorpion
09. Danger Angel
10. Ex-Con
11. Easy Street

Larkin Poe
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Another Dimension

US Rails – Mile By Mile – CD-Review

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Review: Michael Segets

Vor einigen Jahren sah ich die US Rails in Essen noch als Quintett auf der Bühne. Nach dem Ausstieg von Joseph Parsons, machten die übrigen Bandmitglieder fleißig weiter. Sie tourten regelmäßig auch durch unsere Region, wo Sound-Of South sie zweimal in Wesel besuchte, und veröffentlichten Alben in hoher Taktzahl. Ein Freund, mit dem ich seinerzeit das Konzert in Essen erlebte, machte mich auf das sechste Studioalbum „Mile By Mile“ der US Rails aufmerksam.

Auf der vorangegangenen Scheibe „We All Been Here Before“ coverte die Truppe unter anderem Kompositionen von Jackson Browne, Neil Young, Warren Zevon, Fleetwood Mac, den Beatles und den Stones. In dem Spannungsfeld diesen Musik tummelt sich die Band seit ihrer ersten Veröffentlichung vor zehn Jahren. Besondere Markenzeichen der US Rails sind wechselnde Leadstimmen sowie mehrstimmige Harmoniegesänge.

Ben Arnold, Scott Bricklin, Tom Gillam und Matt Muir funktionieren als Team und obwohl jeder mindestens einen Song verfasste, kommt bei „Mile By Mile“ wieder ein Gesamtpaket ohne Brüche heraus. Im Vergleich zu den früheren Scheiben ist die neue etwas rockiger ausgerichtet und hat anders als „Ivy“, dem 2016er Album mit Eigenkompositionen, einen direkteren und erdigeren Sound.

Vor allem bei den ersten drei Stücke rocken die US Rails locker und unverkrampft los. Den Anfang macht Bassist Scott Bricklin mit „Take You Home“, gefolgt von Tom Gilliams „Mile By Mile“ und Ben Arnolds „Trash Truck“. Eine erste Verschnaufpause bietet dann „Water In The Well”, das aus der Feder von Matt Muir stammt. Der Schlagzeuger steuert selten Songs bei, legt hier aber eine sehr schöne, dynamische Ballade vor. Aufgepeppt wird sie durch einen gospelig-souligen Chor, Gilliams elektrische Gitarre sowie den Keys von Ben Arnold.

Ben Arnolds angeraute Stimme hebt sich von denen seiner Mitstreiter ab. Sie gibt sowohl Balladen („Slow Dance”) als auch schnelleren Nummern („What You Mean To Me“) einen gewissen Touch. Besonders der erdige Roots Rocker „Tombstones & Tumbleweeds” profitiert von dem mitschwingenden Blues seiner Stimme. Dem herausstechenden Song folgt „See The Dream”, der zwar etwas weniger rockig angelegt ist, dafür aber eine wunderbar eingängige Melodie hat. Er stammt ebenso wie „Hard Headed Woman” von Scott Bricklin.

Nach dem eingangs erwähnten Titelsong kommt Tom Gilliam noch zweimal mit seinen Ideen zu Wort. Neben dem routinierten Midtempo-Rock „Fooling Around” performt der humorvolle Aktivposten der Live-Shows „Easy On My Soul” mit herrlichem Westcoast-Ambiente inklusive Slide-Passagen.

Die US Rails zeigen keine Ermüdungserscheinungen. Seit einer Dekade unterhalten sie auf Bühne und Tonträgern hervorragend. Ihrem Stil bleiben sie weiterhin treu, der etwas rockigere Einschlag von „Mile By Mile“ steht ihnen dabei gut zu Gesicht. Das Album ist insgesamt das stärkste des Quartetts. Die melodischen Songs passen atmosphärisch prima zu einem geselligen Sommerabend.

BlueRose Records (2020)
Stil: Rock, Americana/

Tracks:
01. Take You Home
02. Mile By Mile
03. Trash Truck
04. Water In The Well
05. What You Mean To Me
06. Hard Headed Woman
07. Easy On My Soul
08. Tombstones & Tumbleweeds
09. See The Dream
10. Fooling Around
11. Slow Dance

US Rails
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BlueRose Records

Robin Trower – 20th Century Blues – Vinyl-Review

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Review: Gernot Mangold

Mit „20th Century Blues“ wird eins von den Fans am meisten favorisierten Alben Trowers erstmals auf Vinyl veröffentlicht, nachdem die CD-Version schon satte 26 Jahre auf dem Buckel hat. Fürs Vinyl wurde das Material in den Abbey Roads Studios aufbereitet. Jetzt mag man sich über den Sinn unterhalten können, die Platte noch einmal in dieser Form den Fans zu präsentieren.

Ich denke aber, dass es eine gute Entscheidung ist, eins von Trowers Meisterwerken seiner Solokarriere in der Form aufzubereiten, da insbesondere unter den Bluesfans, viele noch oder wieder dem Vinyl als Medium zugetan sind. Zudem ist Trower, auch als Mitglied von Procul Harum und Jude ein Stück lebende Musikgeschichte, da er mit nun 75 Jahren weiterhin auch neue Songs auch live präsentiert.

Man mag es auch als Ehrung eben zu seinem 75. Lebensjahr und zum 25-jährigen Jubiläum des Albums im letzten Jahr sehen, dass seine Musik durch diese Neuauflage nicht in Vergessenheit gerät.

Über die spielerische Qualität brauchen eigentlich nur wenige Worte verloren werden. Wer aber den Namen Trower in Verbindung mit dem Procul Harum Klassiker „A Whiter Shade Of Pale“ setzt und stilistisch ähnliches erwartet, wird bitter enttäuscht sein. Trower bietet einen Blues der Extraklasse, in dem er als Engländer auch den Stil des legendären Jimmy Hendrix aufgrift, was z. B. in „Whisper Up A Storm“ deutlich wird, wo die Songstruktur derer von „Crosstown Traffic“ ähnelt.

Voller Power und Dynamik, mit einem stimmlich bestens aufgelegten Livingstone Brown als Sänger und den Tieftöner bearbeitend, sowie Mayuyu an den Drums, werden 12 Songs im klassischen Bluespowertriostil präsentiert, die so zeitlos sind, dass sich auch jüngere Bluesfans, die sich bisher mit Robin Trower noch nicht beschäftigt haben, Gefallen finden werden.

Anspieltipps sind der dynamische Titelsong „20th Century Blues“ mit krachend jaulenden Soli, das funkige „Prisoner Of Love“ und das ruhige, fast melancholische „Secret Place“, wo eine zu Boden fallende Nadel, einen aus den Träumen reißen würde. Stark auch das rockige „Chase The Bone“, in dem Livingstone zeigt, dass er den Blues in der Stimme hat.

Das Coverartwork entspricht dem Original, schön ist, dass auf einem doppelseitigen Inlay auf der einen Seite ein Bild Trowers und auf der anderen Seite ein längerer Text Einblicke über Trowers Schaffen gibt. Optimal wäre allerdings ein zweiseitiges Booklet gewesen, sodass die Schriftgröße angenehmer wäre. Das ist aber Jammern auf hohem Niveau. Was den Vinylliebhaber auch erfreuen wird, ist, dass die Schutzhülle für die Scheibe nicht wie so oft aus Karton oder harten Papier ist, sondern das Papier innen mit glatten Kunststoff beschichtet ist, was ein schonender Faktor ist.

Das Label Repertoire Music, welches auf Re-Releases von Classic Rock- und Blues-Werken spezialisiert ist, hat mit diesem Album ein gutes Händchen bewiesen, diesen Trower-Klassiker wieder aufleben zu lassen.

Repertoire Records
Stil: Blues

Tracklist:
01. 20th Century Blues
02. Prisoner Of Love
03. Precious Gift
04. Whisper Up A Storm
05. Extermination Blues
06. Step Into The Dark
07. Rise Up Like The Sun
08. Secret Place
09. Chase The Bone
10. Promise You The Stars
11. Don’t Loose Faith In Tomorrow
12. Reconsider Baby

Robin Trower
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Repertoire Records  
Brooke-Lynn Promotion   

Crystal Shawanda – Church House Blues – CD-Review

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Hatte mich zu Anfang des Jahres noch die mir bis dato unbekannte Betty Fox mit ihrer Band in Verzückung geraten lassen, ist es jetzt Crystal Shawanda, die mich mit ihrem neuen Werk „Church House Blues“ regelrecht vom Hocker reißt.

Groß geworden im Wikwemikong Reservat auf der Insel Manitoulin im Norden von Ontario in Kanada, startete sie 2008 mit ihrem Debütalbum „Dawn Of A New Day“ (übrigens auch ein Synonym für ihren Nachnamen) zunächst durchaus erfolgreich mit Major-Vertrag im New Country-Genre (immerhin erreichte es auf dem Fuße Platz 16), was ihr u. a. Supports bei Stars wie Brad Paisley und Dierks Bentley einbrachte.

Ihre wahre Passion bliebaber, auch wenn sie heute weiterhin in Nashville lebt, der Blues. “The whole time I was singing Patsy Cline on stage, I was singing Etta James at home”, wie Shawanda es einst in einem Interview ausdrückte. Ihr mittlerweile 6. Studiowerk „Church House Blues“ (es ist allerdings keine bluesige Kirchengospelmusik, wie der Name es vielleicht suggeriert) wurde von ihrem Ehemann Dewayne Strobel produziert, der sich auch noch als Co-Writer und Gitarrist in den Credits wiederfindet.

Mit Starbassist Dave Roe, Lynyrd Skynyrd-Keyboarder Peter Keys, Saxofonistin Dana Robbins (Delbert McClinton) und den McCrary Sisters holte sie sich dazu durchaus prominente Unterstützung mit ins Haus. Die durchgehend tollen, demnach hervorragend instrumentell in Szene gesetzten zehn Tracks auf dem Album, erhalten ihre Krone allerdings natürlich durch Crystals phänomenale Reibeisen-Stimme aufgesetzt.

Ich mochte es ja schon immer, wenn Sänger/innen nicht nur einfach den Text ‚runterspulen‘, sondern sich mit ihrer ganzen Emotion und Energie, vokal in ihre Songs ‚hineinlegen‘. Kolleginnen wie Landsmännin Sass Jordan, andere rauchig-kratzige Röhren wie u. a. Beth Hart, Dana Fuchs, Lisa Mills, Bekka Bramlett oder Dale Krantz sind dabei spontan einfallende zeitgenössische Referenzgrößen. Crystal, geht hier, so kommt es auf jeden Fall rüber, zu jeder Zeit bis an die Grenzen ihres Könnens.

Einen Schwerpunkt bilden hier mit Stücken wie „Evil Memory“ (Killer-Barroom-Ballade), „Rather Be Alone“ (dezent psychedelisch), „When It Comes To Love“ (mit einer „A Whiter Shade Of Pale“-Note) und das Berge versetzende „Bigger Than The Blues“ (beide Lieder traumhaft schön – Gänsehautgarantie!) herrliche slow-bluesige Balladen, bei denen ihre Charakterstimme besonders zu beeindrucken weiß.

Die restlichen Sachen bewegen sich auch eher im gedämpften Tempobereich, variieren aber schön mit souligen („Move Me“, „I Can Take It“), klassisch-bluesigen („Church House Blues“), retromäßigen („Hey Love“, „Blame It On The Sugar“ – Motown lässt grüßen) und delta-bluesigen („New Orleans Is Sinking“ – klasse Harp von Stephen Hanner, grandioser swampiger Rausschmeißer am Ende) Modifikationen.

Sehr gut gefällt mir auch das oft atmosphärische Bariton-E-Gitarrenspiel (viele Soli) von Dewayne Strobel, das viel Peter Green-Flair in sich trägt, sowie die einfühlsamen Orgeluntermalungen und Pianoklänge von Keys und Jesse O’Brien.

Cyrstal Shawandas „Church House Blues“ wird, da lege ich mich jetzt schon fest, in jedem Fall unter meinen Top-3-Alben des Jahres landen, wahrscheinlich sogar ganz oben. Eine göttliche Scheibe, die einen in Zeiten oft schweren Gemüts durchgehend fasziniert und bis zum Ende fesselt.

Eine famose Stimme und eine starke Begleitband samt herrlichem Songmaterial aus der ganzen Breite des Genres verschmelzen hier zu einer nahezu perfekten Einheit. Um bei den Superlativen zu bleiben: Bigger than the blues – defenitely!

New Sun Records/True North (2020)
Stil: Blues/Blues Rock

01. Church House Blues
02. Evil Memory
03. Move Me
04. Rather Be Alone
05. When It Comes To Love
06. Hey Love
07. Blame It On The Sugar
08. Bigger Than The Blues
09. I Can’t Take It
10. New Orleans Is Sinking

Crystal Shawanda
Crystal Shawanda bei Facebook
Bezugsquelle: Bärchen Records