Albert Castiglia – Wild And Free – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Albert Castiglia hat in den letzten Jahren hinsichtlich seines Veröffentlichungsvolumens ein wahrlich hohes Arbeitspensum hingelegt. Seit 2004 im Geschäft, ist „Wild And Free“ sein mittlerweile elftes Album, wobei er seit 2014 nahezu jährlich ein neues Album rausgehauen hat. Sein vorletzter Longplayer „Up All Night“ wurde an dieser Stelle vom Kollegen Mangold äußerst positiv beleuchtet. Insofern war ich natürlich auf sein neuestes Werk recht gespannt.

Es ist ein kraftvolles, elektrisierendes Live-Album geworden, aufgenommen im Januar diesen Jahres in einem Club in Florida, welches sicherlich in erster Linie seine Hard-Core-Fans ansprechen dürfte. Produziert hat es wieder niemand geringeres als Mike Zito. Da wundert es dann auch nicht, dass es bei Zitos Gulf Coast Records veröffentlicht wurde.

Leider kommt die Atmosphäre, die ein Live-Konzert sonst ausmacht, auf diesem Mitschnitt nicht so recht zur Geltung, da die normale „Geräuschkulisse“ eines solchen Gigs weitestgehend herausgefiltert bzw. ausgeblendet wurde. Aber auch so kommen die treibenden, verschwitzten Songs gut rüber.

Gleich zu Beginn geht Albert Castiglia mit „Big Dog“ und „Hoodoo On Me“ in die Vollen. Beide Stücke werden, wie andere auch (z. B. „I Been Up All Night“, „Keep On Swinging“ und „I Tried To Tell Ya“) durch flirrende, jaulende und quietschende Gitarren beherrscht, wobei der Opener „Big Dog“ mit einem richtigen Rockgewitter startet und durchaus Anleihen zu Jimi Hendrix aufweist.

Das schönste Stück des Longplayers ist für meinen Geschmack der ruhiger gehaltene und melodiöse, knapp 10-minütige Slowblues mit dem kurzen Titel „Heavy“, welcher durch ein sehr differenziertes, klares Gitarrenspiel überzeugt. Nach dieser kleinen Erholungspause geht‘s mit dem temporeichen und gut tanzbaren „Get Your Ass In The Van“ weiter, eine flotte Rock’n’Roll infizierte Boogie-Woogie Nummer.

„Searching The Desert For The Blues“ hingegen präsentiert sich wieder bluesiger und gemächlicher mit eingängigen weiblichen Background-Stimmen in den Refrains. Auch das folgende „To Much Seconal“ wirkt sich durch seinen typisch traditionellen Bluesrhythmus beruhigend auf die Gefühlslage des Hörers aus. Mit „Loving Cup“ und „I Tried To Tell Ya“ ist es dann aber wieder aus mit der Ruhe. Flirrende und quietschende Gitarrenklänge sind jetzt wieder tonangebend, bevor die Scheibe mit der 8-minütigen, harten und boogiemässigen Instrumentalnummer „Boogie Funk“ endet.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Albert Castiglia zwar kein begnadeter Sänger, aber ein wahnsinnig guter und fingerfertiger Gitarrist ist. Jedes der Stücke ist für sich betrachtet absolut hörenswert, aber in seiner Gesamtheit dürfte die Scheibe für den Gehörsinn vieler sicherlich auch überfordernd sein. Das Album empfiehlt sich also hauptsächlich für Castiglia-Fans und für Leute mit einer ausgeprägten Affinität zu wilden, flirrenden und quietschenden Gitarrensounds.

Gulf Coast Records (2020)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Big Dog
02. Hoodoo On Me
03. I Been Up All Night
04. Heavy
05. Get Your Ass In The Van
06. Searching The Desert For The Blues
07. Keep On Swinging
08. To Much Seconal
09. Loving Cup
10. I Tried To Tell Ya
11. Boogie Funk

Albert Castiglia
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Deep Purple – Deep South – Woodland Drive – Live At Jimmy Carter’s Farmhouse – CD-Review und Gewinnspiel

Wer kennt sie nicht, die Zeilen aus „Sweet Home Alabama“, in denen Ronnie Van Zant verächtlich singt: „In Birmingham they love the governor, boo boo boo!“.

Gemeint war kein anderer als der damals amtierende Gouverneur von Alabama, Wallace, der zum erzkonservativen Flügel der Demokraten zählte und als großer Verfechter der Rassenpolitik galt. Er bewarb sich im Verlauf seiner Karriere gleich viermal um das Mandat als Präsidentschaftskandidat seiner Partei.

1976 traf er dabei im innerparteilichen Wahlkampf auf Jimmy Carter, den damaligen Gouverneur von Georgia. Zu dieser Zeit war es Gang und Gäbe, dass die Kandidaten auf ihren Landsitzen große Parties für die wichtigen Persönlichkeiten in ihrem Lager und darüber hinaus abhielten.

Zu den Gepflogenheiten zählte dabei, sich angesagte Rock- und Popbands, oder  Solo-Künstler, als begleitende Livemusiker einzuladen. So traten bei Wallace Acts wie u. a. die Charlie Daniels Band oder Ted Nugent bei den imposanten Festen auf.

Da wollte natürlich auch Jimmy Carter nicht klein beigeben, und hatte auf seiner Farm in Plains namhafte Bands wie u. a. Lynyrd Skynyrd, die Allman Brothers oder die Eagles als illustre Stimmungsmacher.

Ein Novum war dabei, dass Carter eine britische Band zu sich nach Hause einlud, und zwar die Hardrocker von Deep Purple, die sich nach großen Jahren (mittlerweile in der Mark IV-Besetzung mit David Coverdale, Tommy Bolin, Jon Lord, Glenn Hughes und Ian Paice zugange), allerdings im Krisenmodus befand und sich kurze Zeit später, wenn auch nur temporär, aber immerhin für fast acht Jahre, auflöste.

Von diesem Fest sind jetzt Aufnahmen aus dem Archiv der Carter-Familie frei gegeben worden. Auch wenn sich der daraus resultierende Tonträger „Deep South – Woodland Drive – Live At Jimmy Carter’s Farmhouse“ klangtechnisch für heutige Verhältnisse auf Bootleg-Niveau bewegt, ist er doch als außergewöhnliches Zeitdokument und seiner Authentizität wegen (man hört z. B. teilweise während der Liedpausen Kron- bzw. Champagnerkorken knallen, gut vernehmbare Gesprächsschnipsel bei den Liedpausen, lautes Grillenzirpen, etc.), als äußerst wertvoll einzustufen.

Hinzukommen die diversen reizvollen Konstellationen, die durch spontane Mitwirkung in der Setliste von Musikern wie u. a. Ronnie Van Zant, Gregg Allman, Allen Collins, Ed King, Gary Rossington, Bob Seger, Neil Young oder Eric Clapton entstanden, die sich allesamt unter der prominenten Gästeschaft befanden.

Allein schon die zahlreichen, bisher unveröffentlichten Fotos von Helmut Newton (ebenfalls an diesem Abend zugegen) im 16-seitigen Schwarz-Weiß-Begleitbooklet sind den Erwerb dieser wunderbar gestalteten Doppel-CD wert.

Den Siedepunkt erreichte die Party natürlich, als die Briten oben besagten Skynyrd-Klassiker spielten und sowohl Van Zant als auch Neil Young (der ja in diesem Song ebenfalls sein Fett weg bekommt) im Schulterschluss zusammen auf die Bühne schritten, um die o. a. Zeilen der dritten Strophe gemeinsam zu intonieren. Aber auch beim Jam am Ende („Jam For Jimmy“), wo sich alle Genannten zusammenfanden (selbst Carter rasselte da mit dem Tambourine), gab es natürlich kein Halten mehr.

Konzentriert wurde sich neben den Hits wie „Child In Time“ (Lead vocals Bob Seger), „Highway Star“ (Lead vocals Eric Clapton) und „Smoke On The Water“ (Lead vocals Gregg Allman) aber im Wesentlichen auf die letzten beiden Alben dieser Ära, „Stormbringer“ und „Come Taste The Band“.

Carter verschaffte nicht zuletzt dieses öffentlichkeitswirksame Event enormen Rückenwind, sodass Wallace noch im gleichen Jahr seine Bewerbung zurückzog (es hieß aus gesundheitlichen Gründen), nachdem er mehrere Vorwahlen in den Südstaaten gegen Carter verloren hatte.

Jimmy Carter setzte sich dann 1976 knapp gegen den Republikaner Gerald Ford durch und wurde neuer 39. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Er wurde aber nach nur einer Amtszeit von Ronald Reagan abgelöst.

“Deep South – Woodland Drive – Live At Jimmy Carter’s Farmhouse“ von Deep Purple wird in einer limitierten Stückzahl von 5.000 Exemplaren ab Anfang April käuflich zu erwerben sein. Uns ist es vorab dank guter Beziehungen gelungen, fünf Exemplare zu ergattern, drei davon möchten wir unserer treuen Leserschaft zugänglich machen.

Folgende Frage muss dazu richtig beantwortet werden:

Wie hieß der angesprochene Gouverneur von Alabama mit ganzem Namen?

a) Henry A. Wallace
b) Edgar Wallace
c) George C. Wallace

Bitte sende eine E-Mail mit der richtigen Lösung bis zum 01.04.2020 (vor 24:00 Uhr) an dan@sounds-of-south.de.

Wir losen unter allen richtigen Einsendern eine/n Gewinner/in aus, der/die dann umgehend benachrichtigt und mit der CD beliefert wird.

Woodland Records (1976/2020)
Stil: Hard Rock

CD 1:
01. You Keep On Moving
02. Stormbringer
03. I Need Love
04. Love Don’t Mean A Thing
05. Holy Man
06. Dealer
07. Hold On
08. Lady Double Dealer
09. You Can’t Do It Right
10. High Ball Shooter
11. The Gypsy
12. Drifter

CD 2:
01. Soldier Of Fortune
02. Comin‘ Home
03. Lady Luck
04. Highway Star
05. Love Child
06. Smoke On The Water
07. Sweet Home Alabama
08. Child In Time
09. Jam For Jimmy

Deep Purple
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Vanja Sky – Woman Named Trouble – CD Review

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Review: Gernot Mangold

Nach ihren beachtlichen Auftritt in Rufs Blues Caravan vor zwei Jahren, dem damals auch erschienenen Debütalbum und einer Vielzahl von Clubkonzerten oder im Vorprogramm z.B. bei UFO, legt Vanja Sky nun ihr zweites Album „ Woman Named Trouble“ nach. Dabei bekommt sie auch Unterstützung von Roger Inniss, dem Rufschen Bass-Mastermind, der das Album nicht nur produzierte, sondern zu einigen Songs auch noch den Bass und Percussion beisteuerte.

Die jugendliche Unbedarftheit und Frische von Vanja Sky und ihrer Band, verknüpft mit der Routine von Inniss, sorgen für einen würdigen Nachfolger des Debütalbums. Eigentlich wollte die Band nach der sehr intensiven Zeit im Studio jetzt das Album auf einer Tour promoten, doch nach nur einem Konzert, bezeichnenderweise an einem Freitag dem 13. März, war die Tour, bedingt durch den Coronavirus. beendet. Eine insbesondere für noch junge Bands fatale Situation, wobei Robert Wendt, der Gitarrist sagte, dass dies letztendlich die richtige Entscheidung war, da die Gesundheit das wichtigste Gut aller Menschen sei.

Wer Vanja Sky mit ihrer Band gerne live erlebt hätte, der hat zumindest die Gelegenheit, nun auch das neue Material zumindest auf CD hören zu können. Neben eigenen Songs sind auch einige gecoverte Klassiker dabei. Dabei darf natürlich nicht ein Stück eines ihrer Vorbilder fehlen. Eine schöne rockige Version von Gallaghers „Shadow Play“.

Im Vergleich zum ersten Werk haben hat in einigen Songs auch das Southern-Flair Einzug gehalten. Inwieweit dies der Einfluss Wendts ist, der seit etwa einem Jahr bei Sky Gitarre spielt und sich nach einem Konzert im Leverkusener topos als Southernrockfan geoutet hatte, mag dabei dahingestellt sein.

Mit „Rock ’n‘ Roll Train“ als erstem Song gibt es direkt passend zum Titel  Gitarrenriffs, die auch von Keith Richards aus Glanzzeiten der Stones oder eines Angus Young von AC/DC hätten stammen könnten, klassisch rockend los. Passend zum Song auch die kratzige, manchmal schnoddrig erscheinende Stimme von Vanja Sky.

In „Hard Times“ nimmt die Band die Stones-Note bluesig mit einem Touch Country rüber. Ein sehr schöner harmonischer Song, auch mit leichten Southerneinflüssen, was sich dann im folgenden „Turn It On“ weiter manifestiert. Hier im Refrain mit schönen zweistimmigen Harmoniegesang.

Bei „Life Is A Bitch“ von Luther Allison hält dann der Blues, dabei leicht funkig, Einzug in die Platte. So verleiht sie dem Stück einen ganz eigenen Touch. Richtig funkig groovend geht es mit „Troublemaker“ weiter, wo der Gesang Skys eindeutig im Vordergrund steht und die Instrumente in großen Teilen zunächst nur eine dezente Fassade darstellen, und Bass und Drums insbesondere zu Beginn des Stücks die tragenden Bestandteile sind, ehe später die Gitarre ruhig dem Song seine Fülle gibt.

Dass Vanja Sky auch folkig kann, beweist sie in „What’s Going On“. Zuweilen fühle ich mich in machen Passagen des Stückes zurückversetzt in Zeiten, als CSN&Y die Welt eroberten. Dies mag auch Wendts Gitarrenspiel, und dem harmonischen Gesang Skys liegen.

Stilistisch geht es mit „Call Me If You Need Me“ ähnlich weiter, das rockabillymäßige „Let’s Get Wild“ lädt zum wilden Tanzen ein.
Furios bringt Sky mit Band den Fleetwood Mac-Klassiker „Oh Well“. Passend dazu ihre Stimme und furioses Gitarrenspiel lassen die spielerischen Qualitäten Skys und Wendts zum Vorschein kommen.

Mit „Voodoo Mama“ wird es wieder rockig mit leicht psychedelischen Einklängen, wie damals bei manchen Stones-Stücken in Zeiten von „Their Satanic Majesties Request“.

Um es mit dem Titel „Shadow Play“ zu nehmen, der das Album abschließt, kann man sagen, dass der Band um Vanja Sky ein starkes Album gelungen ist, auf dessen Songs verschiedenste Musikstile spielerisch ihren Schatten gelegt haben und das insbesondere durch seine Vielfalt immer wieder überrascht.

Schön wäre es, wenn die nun ausgefallene Tour zur Promotion bald nachgeholt wird. Diesmal könnte ja der Gedanke herumgedreht werden, kauft die CD als Promotion für die Tour und freut euch dann eine absolut sympathische Band zu erleben. Vanja Sky Rocks!

Vanja Sky – vocals, guitar, mandolin
Robert Wendt – guitars, acoustic guitar, dobro
Artjon Feldtser – bass, backing vocals
Hanser Schüler – drums, percussion
Roger Inniss – bass (4, 5, 6), percussion

Ruf Records (2020)
Stil: Blues, Rock

01. Rock `n` Roll Train
02. Hard Times
03. Turn It ON
04. Life Is A Bitch
05. Trouble Maker
06. What`s Going On
07. Call Me If You Need Me
08. Let`s Get Wild
09. Oh Well
10. Voodoo Mama
11. Shadow Play

Vanja Sky
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Ruf Records

Eamonn McCormack – Storyteller – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Schon bei einem Gespräch, nach seinem Auftritt im November 2019 bei den Leverkusener Jazztagen, kündigte mir Eamonn McCormack an, dass 2020 ein neues Album erscheinen wird. Nun ist es soweit, dass am 03. April seine CD „Storyteller“ veröffentlicht wird. McCormack hat das Album mit seiner Begleitband, Edgar Karg am Bass und Max Jung-Poppe an den Drums, die schon in Leverkusen mit ihm auftraten, eingespielt. Zusätzlich steuerte Arne Wiegmand, der das Album auch produzierte, zu einigen Stücken noch die Keyboards und Orgel bei.

Passend ist der Titel „Storyteller“ gewählt, da der Ire in seinen Songs sein Heimatland, persönliche Themen, sowie auch aktuelles Weltgeschehen thematisiert. Stilistisch bleibt McCormack seinen Wurzeln treu. In den Songs finden sich immer wieder Elemente, die an sein großes Vorbild Rory Gallagher, als auch Thin Lizzy, erinnern.

Mit dem ersten Stück, „The Great Famine“ wird direkt die Latte hoch gelegt. Eingeläutet von Kirchenglocken, beschreibt McCormack klagend-melancholisch die Hungersnot im 19. Jahrhundert in Irland, ausgelöst durch eine Krankheit, die die Ernten der Hauptnahrungsquelle vernichtete, und in deren Folge Millionen seiner Landsleute starben und viele das Land Richtung Amerika verließen. In mehreren Soli, zum Teil an David Gilmour erinnernd, beweist er hier schon seine Extraklasse als Gitarrist.

Die ersten Riffs von „Gypsy Woman“ lassen den Spirit eines Rory Gallagher erleben, was sich durch den gesamten Song zieht. Gelungen ist auch das Mundharmonikaspiel, welches dezent im Mittelteil eingesetzt wird.

In „Help Me Understand“, einem tollen eher schleppenden Bluessong, bittet er Gott zu verstehen, was auf der Welt passiert und das vor den Zeiten von Corona. Er klagt dabei indirekt die heutigen Generationen an und betet für die Kinder, die in dieser verrückten Welt weiter leben müssen.
Bei „ The One On“ gelingt es McCormack aus verschiedensten Stilen einen in sich geschlossenen Song zu schreiben.

Ein Intro, was Richtung „The Boys Are Back in Town“ von Thin Lizzy erinnert, düstere Passagen, Marke Tito & Tarantula, aufgehellt durch Mandolinenspiel, welches einen keltischen Einschlag bringt, begleitet mit einem fast sprechenden Gesang, sind zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, aber spätestens beim zweiten Hören, wird einem die Komplexität des Stückes bewusst.

Das Blues und Country durchaus kombinierbar sind zeigt McCormack slidend im „Cowboy Blues“. Bei der Klasse des Albums ist es eine gute Entscheidung von ihm gewesen, dass er sich letztendlich für den Blues entschieden hat.

Nach dem erfrischenden Vorsong folgt mit „In A Dream“ ein langsamer Bluessong, der zum träumerischen Schwelgen einlädt. Gelungen ist hier auch die malerische Unterstützung an der Orgel. Ähnlich, aber weitaus melancholischer, geht es beim folgenden „ Every Note I Play“ weiter. Ein Liebeslied, in dem er das Leben auf Tour im Hotelzimmer und die Gedanken an seinen Schatz beschreibt. Klasse auch die Soli zum Teil mit der Orgel verbunden, die von der Klarheit her, ein wenig an Santana erinnern.

„With No Way Out“ reißt den Zuhörer jäh aus all seinen Träumen. Im fast zornigen Blues Rocker beschreibt er eine Frau, die ein lebendiger Albtraum ist, aus dem es kein Entkommen gibt. Das furiose Solo zum Ende hin, könnte als Lösung gesehen werden, diesem zu entkommen.
Beim bluesigen „Cold Cold Heart“ zieht der Boogie mit ein. Neben der tollen Arbeit der Rhythmussektion, gibt das dezent eingesetzte Piano, dem Stück eine zusätzliche Würze.

In „South Dakota Bound“, wo noch einmal folkige und buesige Elemente verschmelzen und McCormack ein knackiges Solo in Southern Rock-Maanier einfließen lässt, beschreibt seine Liebe zum Motorradfahren mit Freunden durch die Berge. Ein Song, der durchaus auch Platz in einem Roadmovie haben könnte.

Abgeschlossen wird das Werk schließlich mit dem knackigen Rocksong „Make My Move“, in dem wieder seine Vorliebe im Gitarrenspiel zu Gallagher, aber scheinbar auch zu Thin Lizzy zum Vorschein kommt. Er beschreibt hier passend zu seinem Leben, dass man, wenn man es versucht, (fast) alles erreichen kann.

McCormack hat mit seinem siebten Album „Storyteller“ auf jedem Fall erreicht, in die Riege der besten europäischen Bluesgitarristen zu stoßen. Schön wäre, wenn dieses Werk, verdienter Maßen, auch zu mehr Beachtung McCormacks führen würde. Ich bin gespannt, wann McCormack mit seiner Band die neuen Stücke auch in Deutschland live präsentieren wird.

Für Freunde der eher rockigen Bluesmusik wird es auf jedem Fall lohnenswert sein, einen Musiker zu besuchen, der mit seiner Band den Blues im Stile eines Rory Gallagher weiter leben lässt. Von daher eine Kaufempfehlung, welche die Wartezeit auf seine neuen Liveauftritte verkürzt.

Saol Records (2020)
Stil: Blues Rock

01. The Great Famine
02. Gypsy Women
03. Help Me Understand
04. The One On
05. Cowboy Blues
06. In A Dream
07. Every Note That I Play
08. With No Way Out
09. Cold Cold Heart
10. South Dakota Bound
11. Make My Move

Eamonn McCormack
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Lukas Nelson & Promise Of The Real  – Naked Garden – CD-Review

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Review: Michael Segets

Wahrscheinlich hat Lukas Nelson den SoS-Review seiner letztjährigen CD „Turn Off The News (Build A Garden)“ gelesen und die dort geäußerte Kritik, dass das Album streckenweise überproduziert wirkt, beherzigt. Mit „Naked Garden“ schieben Lukas Nelson & Promise Of The Real eine erdigere Scheibe nach, die alternative Versionen von Tracks des Vorgängeralbums und neun Stücke umfasst, die es seinerzeit nicht auf den Tonträger geschafft hatten.

Die Truppe erwischte während der sechstägigen Session in den Shangri-La Studios, Malibu, wohl einen produktiven Lauf. Nachdem „Turn Off The News (Build A Garden)“ erschienen war, blieb daher der Eindruck zurück, dass noch ein Epilog zu dem Album nötig wäre, der die Stimmung und die Energie wiedergibt, die im Studio die Band erfasste.

So sind einige Lacher, Unterhaltungen und Nebenbemerkungen konsequenter Weise auch nicht weggeschnitten worden. Die musikalische Perfektion stand bei „Naked Garden“ nicht im Vordergrund, wobei klangtechnisch keine Einschränkungen gemacht wurden. Produziert hat die Schiebe wieder John Alagia. „Bad Case“ ist in einer frühen Version vertreten.

Das Rockstück ist deutlich rootsiger als auf der zuvor erschienen Scheibe und nun vollständig überzeugend. Das stripped down Arrangement der erneut veröffentlichten Titel funktioniert gut. Die neuen Versionen haben durchgängig die Nase gegenüber den vorangegangenen vorn. Dies gilt sowohl für „Out In LA“, das sowieso zu meinen Favoriten zählte, als auch für „Civilized Hell“. Der Song ist sogar in einer rockigen und einer akustischen Interpretation auf „Naked Garden“ zu finden. „Stars Made Of You“ und „Where Does Love Go“ sind auch besser als vorher, gehören aber immer noch nicht zu den starken Stücken von Lukas Nelson & Promise Of The Real.

Die minimalistische Produktion verhindert den süßlichen Beigeschmack nicht, den Lukas Nelson & Promise Of The Real oftmals ihren Titeln des unteren und mittleren Tempobereichs hinzufügen. Befindet sich „Movie In My Mind“ auf der Grenze zum Schmalz, überschreitet Nelson diese bei „Focus On The Music“ oder „Fade To Black“. Im Dreivierteltakt walzt sich die Band durch „The Way You Say Goodbye“ als Hommage an den frühen Country der fünfziger und sechziger Jahre.

Percussion und Rhythmusarbeit auf den locker rockigen Nummern „Back When I Cared“ und „Couldn’t Break your Heart“ stechen besonders hervor. Diese sind ebenfalls beim souligen „My Own Wave“ auffällig, wobei das Stück einen funkigen Einschlag hat. Noch deutlicher wird die Funk-Anleihe beim Jam „Speak The Truth“. Der Song bleibt aber melodiös und erdig. Er stellt sicherlich einen der besten Originalbeiträge auf der CD dar, der die Atmosphäre im Studio gelungen transportiert.

Neben der alternativen Version von „Bad Case“ ist das neue „Entirely Different“ das Highlight des Albums. Das über siebenminütige Southern-Epos eröffnet den Longplayer mit klasse Gitarre und stimmigen Tempowechseln.

Der Verzicht auf große Arrangements auf „Naked Garden“ macht sich bezahlt. Der erdigere Sound steht Lukas Nelson & Promise Of The Real sehr gut zu Gesicht. Der Nachschlag zu „Turn Off The News (Build A Garden)” übertrifft daher den vorangegangenen Hauptgang. Dabei zeigt sich erneut, dass die Stärke der Band in den rockigeren Tönen liegt.

Fantasy Records (2020)
Stil: New Country/Rock

Tracks:
01. Entirely Different
02. Civilized Hell (Alternate Version)
03. Back When I Cared
04. Movie In My Mind
05. Focus On The Music
06. My Own Wave
07. Fade To Black
08. Out In LA (Extendend Version)
09. Couldn’t Break Your Heart
10. Speak The Truth
11. Civilized Hell (Acoustic Version)
12. Bad Case (Alternate Version)
13. Stars Made Of You (Alternate Mix)
14. Where Does Love Go (Alternate Mix)
15. The Way Your Say Goodbye

Lukas Nelson
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Fantasy Records
Oktober Promotion

Brent Cobb – No Place Left To Leave (Reissue) – CD-Review

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Wir hatten ja im Jahr 2018 das Glück und Vergnügen, einige der wenigen Leute gewesen zu sein, die Brent Cobb in unseren Gefilden, sprich in Köln, live erlebt haben. Da trat er im Rahmen des von uns auch reviewten Albums „Providence Canyon“ im kleinen Studio 672, vor vielleicht gerade mal 40 Besuchern, auf.

Er ist ja ein Cousin des angesagten US-Produzenten Dave Cobb und war zunächst eher gern gesehener Songlieferant für arrivierte Nashville-Interpreten wie Luke Bryan, die Eli Young Band, Frankie Ballard, David Nail, Kellie Pickler, Miranda Lambert, Little Big Town oder Kenny Chesney, allesamt keine schlechten Abnehmeradressen.

Als Überbrückung zu seinem nächsten potentiellen Longplayer ist es dem ursprünglich aus Americus, Georgia, stammenden, mittlerweile aber in Nashville lebenden Protagonisten gelungen, die Rechte an seiner 2006 veröffentlichten, recht seltenen Scheibe „No Place Left To Leave“ (schöner Titel!) zurück zu erwerben und jetzt noch mal auf seinem eigenen Label Ol’ Buddy Records zu verbreiten.

Diese wurde damals durch besagten Dave Cobb und Shooter Jennings initiiert, nachdem Brent auf einem Familienbegräbnis Dave eine Demo-CD in die Hand gedrückt hatte. Beide sorgten dafür, dass Brent sich ins Flugzeug setzte, um dieses Werk dann in Los Angeles bei Dave im Studio ‚in entsprechende Form zu gießen‘.

Eine wunderbare Platte mit zehn herrlich ineinanderfließenden Roots-/Americana-, Country- und Southern Rock-Tracks, die – versprochen – das Herz eines jeden der geneigten Klientel höher schlagen lassen werden.

Cobb_VIPDie CD beginnt mit dem rebellisch, in Shooter Jennings-Manier treibenden, Harp-durchzogenen Roots-Rocker „Richland“, dessen Intro-Hook ein wenig zunächst an CCRs „Bad Moon Rising“ erinnert. Klasse direkt danach das Titelstück, ein herrlicher Country-Schwofer mit southern leiernder E-Gitarre, im narrativen Stil und auch schon von der Reife her, vergleichbar mit großen Country-Veteranen der Marke Cash, Haggard, Jennings, Williams & Co., wobei man explizit erwähnen muss, dass Cobb zu diesem Zeitpunkt gerade mal 20 Lenze zählte.

Auf ähnlichem Terrain bewegt sich auch „Lavenders And Loving Gestures“ (mit wunderbar wimmernder Steel guitar). Toll auch „Black Creek“ , bei dem der düstere narrative Charakter (Richtung Cash) noch zwischenzeitlich mit dem Einsetzten einer brummenden E-Gitarre verstärkt wird.

Freunde von atmosphärischen Southern Country Rock-Stoff, werden von klasse instrumentierten Ohrwurm-Liedern wie „Butterfly“ (mein persönlicher Favorit), „Don’t Want To Leave“, „Red Dirt In Georgia“ oder dem, von Tempo- und Stimmungswechseln durchzogenen „Black Bottle“ (Black Stone Cherry-Note), nicht genug bekommen.

Das krachend raue „Bar, Guitar, And A Honky Tonk Crowd” (das Akustikgitarren-Intro scheint ein wenig bei Neil Youngs „Old Man“ abgeguckt zu sein) und der sparsam instrumentierte Cryin’ in My Beer-Song “Hold Me Closely” (nur Gesang, Piano und Akustik- und Slidegitarre) als Rausschmeißer stehen wieder für Cobbs Kompabilität für andere Interpreten.  Erstgenanntes Lied kennt die Southern Rock-Gemeinde von Whiskey Myers‘ Parade-Album „Firewater“, letzteres dürfte einschlägigen Countryexperten von The Oak Ridge Boys geläufig sein.

Am Ende eine Hammer-Scheibe, die nochmals verdeutlicht, dass Brent Cobb, neben Marcus King und Jaren Johnston von The Cadillac Three, wohl zu den größten Hoffnungsträgern im kreativen Bereich des zeitgenössischen Southern Country Rocks gezählt werden muss. „No Place Left To Leave“ sollte somit ein fester Platz in jeder Sammlung unserer Leserschaft eingeräumt werden. Grandioser Stoff, toller Bursche, unbedingt zulegen!

Ol‘ Buddy Records (2020)
Stil: (Southern) Country Rock

01. Richland
02. No Place Left To Leave
03. Butterfly
04. Lavenders and Loving Gestures
05. Bar, Guitar, And A Honky Tonk Crowd
06. Don’t Want To Leave
07. Black Bottle
08. Dirt Road In Georgia
09. Black Creek
10. Hold Me Closely

Brent Cobb
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Brian Fallon – Local Honey – CD-Review

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Review: Michael Segets

Nach einigen eher durchwachsenen Neuerscheinungen im Americana-Bereich, erscheint mit „Local Honey“ von Brian Fallon das erste herausragende Album 2020 dieses Genres, das vollständig überzeugt. Mit The Gaslight Anthem feierte Fallon große Erfolge. Er – wie Bruce Springsteen in New Jersey geboren – stand schon mit dem Boss auf der Bühne. Seit 2016 wandelt der Heartlandrocker auf Solopfaden und schaut bereits auf die beiden Alben „Painkiller“ (2016) und „Sleepwalkers“ (2018) zurück.

„Local Honey“ schlägt nun neue Wege ein. Hinsichtlich der Produktion verabschiedet sich Fallon von dem Major-Vertrag bei Universal und veröffentlicht die CD auf seinem eigenen, vor Kurzem gegründeten Label Lesser Known Records. Konzeptionell wählt er einen ruhigeren Grundton und schraubt damit die aggressiveren Elemente seiner bisherigen Veröffentlichungen zurück, ohne seine Wurzeln zu verleugnen, die nun mal im Rock liegen. Dies bedeutet aber nicht, dass er zahm geworden wäre.

Die Songs haben durchweg eingängige Melodien und entwickeln dank Fallons Gesang atmosphärische Dichte. So erlebt man Fallons Gefühlswelt von dem Opener „When You‘re Ready“, in dem er die Verbindung zu seiner heranwachsenden Tochter besingt, bis zu dem abschließenden Liebeslied „You Have Stolen My Heart“ nach. Inhaltlich wollte sich Fallon auf dem Album ganz mit der Gegenwart auseinandersetzen.

Er verzichtet daher in seinen Texten auf die Aufarbeitung der Vergangenheit oder die Entwicklung von großen Zukunftsplänen. Zurzeit scheint er in eine situierte Lebensphase eingetreten zu sein, in der seine Gefühlslage zu weniger aufwühlenden, aber dennoch intensiven Songs führt.

Das erstklassige „Vincent“ ist der reduzierteste Beitrag auf der CD und damit ein Americana-Stück in Reinform. Mit ihm betritt Fallon Neuland. Auch beim starken „I Don*t Mind (If I‘m With You)“, bei „Horses“ und „Hard Feelings“ zeigt er, dass seine Songs stripped down funktionieren. Etwas opulenter inszeniert sind „21 Days“ sowie „Lonely For You Only“, die sich auf seinen vorherigen Rockalben ohne Bruch einfügen würden.

Auch die vergleichsweise ruhigen Töne, die Fallon auf der CD anstimmt, werden von einem kräftigen Rhythmus getragen. So sind alle Songs dynamisch und viele bleiben durch später einsetzende Instrumente besonders spannend. Die Variationen in Fallons Stimme tragen ihr Übriges dazu bei, dass keine Langeweile aufkommt. Seine Songs auf „Local Honey“ treffen ins Mark.

Die wunderbaren Melodien in Kombination mit seinem ausdrucksstarken Gesang gehen ins Ohr und setzen sich dort fest. Bedauerlich ist lediglich, dass das Vergnügen Brian Fallon zu lauschen, nach einer guten halben Stunde schon vorbei ist. Aber dann lässt man die Scheibe halt nochmal durchlaufen.

Lesser Known Records/Thirty Tigers (2020)
Stil: Americana, Rock

Tracks:
01. When You’re Ready
02. 21 Days
03. Vincent
04. I Don’t Mind (If I’m With You)
05. Lonely For You Only
06. Horses
07. Hard Feelings
08. You Have Stolen My Heart

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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Eric Steckel – 12.03.2020, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Steckel-haupt

In Anbetracht der momentanen Situation – Veranstaltungen werden reihenweise abgesagt – ist es schwer, einen ganz normalen Konzertbericht zu verfassen. Schon einige Zeit vor Veranstaltungsbeginn schilderte mir Jenny Dore vom Musiktheater Piano und Veranstalter 3dog Entertainment sichtlich geschockt die momentane Situation.

Im Laufe des Tages erfolgten schon mehrere Absagen durch Künstler für Konzerte in den nächsten Wochen, was insbesondere für kleinere Veranstaltungsorte existenzgefährdend sein könnte. Bei ausbleibenden Besuchern oder abgesagten Konzerten bleiben die laufenden Kosten, für Mitarbeiter, Gebäude, Gagen etc. bestehen. Es bleibt zu hoffen, dass Andeutungen der Politik, dass es Hilfestellungen geben werde, diese auch an den richtigen Adressen, im benötigten Maße ankommen.

Nun aber zum Erfreulichen. Das Konzert von Eric Steckel und Band fand, wie geplant, statt. Steckel hatte sich im Vorfeld geäußert, dass er ja da wäre, warum sollte er dann nicht spielen. Nach und nach kamen die Besucher, mache kauften auch Karten für spätere Konzerte. Ein kleiner Lichtblick zumindest, dass man trotz des derzeitigen Wirrwarrs eine Zukunft sieht, wenn irgendwann wieder Normalität eintritt.

Kurz nach Acht legte dann Eric Steckel vor leider viel zu wenig Besuchern los wie die Feuerwehr. Trotz der überschaubaren Besucherzahl ließ er sich die sichtbar gute Laune, seine Musik zu präsentieren, nicht nehmen. Mit „Solid Ground“, einem hart rockenden Bluessong präsentierte er den Fans direkt ein Stück vom aktuellen Album „Grandview Drive“.

Schon beim Opener kam die spielerische Extraklasse Steckels zur Geltung, wobei ihm Joe Kamps am Bass und Tony Boyd eine solch fette Rhythmusgrundlage hinlegten, dass er sich mit exzessiven Soli darauf austoben konnte. An dem Strickmuster, welches die Anwesenden von Beginn an begeisterte, änderte sich bei „Juke Joint“ nichts. Bluesgrundlage, harte Gitarrenriffs, rasante Soli und eine dazu passende bluesige Stimme.

Mit „Feels Like Home“ brachte Steckel einen Hauch von Southern Rock ins Piano. Dabei braucht er sich weder stimmlich noch mit dem Gitarrensolo hinter Genregrößen zu verstecken und spätestens jetzt war jedem klar, warum John Mayall schon vor Jahren lobende Worte für den heute 30-jährigen Steckel fand, als er schon mit 18 Jahren sein ersten Album veröffentlichte.

Nach diesem fulminanten Einblick in die frühen Schaffensphasen war wieder neuer Stoff angesagt. Nach “Take My Love To Town” folgte das fast balladesk beginnende “Can’t You See”, das er dann gitarrentechnisch mit einem ausladenden Solo der Marke Allman Brothers Band abschloss. Bei “When Ignorence Turns To Bliss“ , einem Song von seinem Debüt, welchen er auf dem aktuellen Silbering noch einmal neu auflegte, wurde es dann wieder bluesiger, wobei erneut das quirlige Gitarrenspiel begeisterte.

“Best With You” spiegelte vom Titel ein klein wenig die Stimmung im Piano wieder, wo sowohl die Band wie auch die Zuschauer gemeinsam das Beste aus den wiedrigen Begleitumständen machten. Mit “We’re Still Friends” zog dann zunächst ein Hauch von Melancholie durchs Piano, ein langsamer Bluessong, bei dem zu Beginn einige Töne an Jimi Hendrix erinnerten, der sich von einem riesigen Bild neben der Bühne vermutlich wohlwollend und staunend das Treiben auf der Bühne betrachtete.

Die Hauptbestandtteile bildeten zunächst ein langsames Solo Steckels, in bluesiger Manier eines Gary Moores, und ein Drumsolo von Tony Boyd, der scheinbar versuchte, den Putz von den Wänden des Piano zu holen. Fein auch wie sich Steckel und Kamps am Bass zum Ende des Liedes hin regelrecht duellierten.

“Empty Promises” , ein klasse Southern Rocker läutete dann langsam das Ende der fulminaten Show ein, dem mit “Tennessee” noch ein zunächst harter Bluestrack folgte, in den Steckel aber wieder Klasse Soli in bester Southern-Manier einstreute, die zuweilen auch in Richtung der guten alten Outlaws gingen.

Unter brandendem Jubel der Fans verließ die Band die Bühne, um nach kurzer Zeit noch mit “She’s 19 Years Old “ noch eine letzte Zugabe nachzulegen.

Ein etwa 100-minütiges Konzert hatte so einen würdigen Abschluss gefunden, und Steckel wird vermutlich nicht das letzte Mal in Dortmund Halt gemacht haben. Von diesem recht jungen Musiker ist in der Zukunft noch einiges zu erwarten, ob in Richtung Southern- oder Bliues Rock spielt dabei keine Rolle, beides war an dem Abend in Dortmund Klasse!

Ein Dank geht wieder einmal an Jenny Dore vom Musiktheater Piano für die Akkreditierung und, dass es gelungen ist, solch einen Ausnahmegitarristen ins Piano zu holen. Es bleibt zu hoffen, dass die nun feststehenden Absagen der nächsten Konzerte ein baldiges Ende haben werden und es wieder zu solchen Highlights kommt, wie dem mit Eric Steckel!

Line up:
Eric Steckel- vocals, guitar
Tony Boyd – drums
Jos Kamps – bass

Text und Bilder: Gernot Mangold

Eric Steckel
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Broken Witt Rebels – OK Hotel – CD-Review

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Mit den Broken Witt Rebels verbinde ich aktuell zunächst die Erinnerung an ihren guten Auftritt 2017 als Support von The Cadillac Three im Kölner Luxor. Damals kristallisierte sich schon die markante Stimme ihres Fronters Danny Core als echtes Pfund heraus, auch ihre Stücke hoben sich angenehm von dem ab, was man in der Regel so von Vorbands serviert bekommt.

Im Jahr danach bezeichnete sie der Kollege Skolarski beim Review ihrer Debüt-CD als die britische Antwort auf die Kings Of Leon. Interpreten wie The Gaslight Anthem, Rival Sons, Kaleo oder die Alabama Shakes werden weiterhin als Bezugsgrößen zu ihrer Musik genannt.

Was mir hier sofort auffällt ist, dass auf dem neuen Longplayer „OK Hotel“ Jaren Johnston von besagten The Cadillac Three, einen bleibenden Eindruck beim Quartett, bestehend aus Danny Core (vocals), James Tranter (guitar), Luke Davis (bass), James Dudley (drums), hinterlassen zu haben scheint.

Zu dessen Art, Stücke zu kreieren und auch zu strukturieren, entdecke ich viele Parallelen, wie es zum Beispiel beim Opener  „Running With The Wolves“ (sehr schön dynamisch), „Caught In The Middle“, „Give It Up“ und „Love Drunk“ recht gut, allerdings weniger amerikanisch, in den überwiegend eingängigen Refrains, zum Ausdruck kommt.

Bei den Broken Witt Rebels schlagen dann aber doch eher die britischen Wurzeln durch, gerade das E-Gitarrenspiel von Tranter, hat deutlich keltischeren Charakter, oft blinzelt auch das U2-typische Heartland-Flair hindurch. Die meisten Tracks auf dem von Dwight Baker (The Wind And The Wave) in Austin, Texas, produzierten Werk folgen dem Schema, atmosphärisches Midtempo in den Strophen, emotionaler Refrain (mit starker energiegeladener Core-Stimme), dazu ein paar, recht simpel gehaltene E-Gitarren-Soli.

Vereinzelt wird auch Sozialkritik verarbeitet wie man es schon bei den Titeln wie „Money“ (schöner Rock-Stampfer) oder dem wütenden „Rich Get Richer“, erahnen kann.

Am Ende einer hörenswerten Scheibe zollen sie der Verbundenheit zu ihrer Heimatstadt Tribut, da heißt es: „And in Birmingham is where I found my feet, and in Birmingham is where I’ll lose my teeth.“ Angespielt wird hier allerdings nicht auf das Laufen lernen oder die Milchzähne, sondern auf die innerstädtische Rivalität der Fußballs Clubs Aston Villa und Birmingham City. Hier ist dann auch mal eine schöne Akustikgitarre präsent. Aus meiner Sicht der beste Track.

Die CD kommt in einem doppelseitigen Pappschuber mit eingelegtem Booklet, das alle Texte zu den Liedern beinhaltet.

Sollte der Corona-Virus nicht weiterhin den Interpreten, Veranstaltern, Clubs und Konzertbesuchern einen Strich durch die Rechnung machen, kann man das britische Quartett bei uns in Deutschland zu folgenden Terminen aufsuchen:

27.04.2020 (DE) Hamburg – Nachtwache
28.04.2020 (DE) Köln – Blue Shell
29.04.2020 (DE) Berlin – Musik & Frieden

Snakefarm Records – Universal Music (2020)
Stil: Rock

01. Running With The Wolves
02. Money
03. OK Hotel
04. Caught In The Middle
05. Take You Home
06. Broken Pieces
07. Save My Life
08. Give It Up
09. Around We Go
10. Fearless
11. Love Drunk
12. Rich Get Richer
13. Birmingham

Broken Witt Rebels
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Head Of PR

Dave Simonett – Red Tail – CD-Review

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Review: Michael Segets

Dave Simonett war ein unbeschriebenes Blatt für mich. Ich kannte weder seine EP „Razor Pony“ (2014) noch die Werke seiner Band Dead Man Winter. Völlig unvorbelastet widmete ich mich also seinem ersten, acht Tracks umfassenden Album „Red Tail“. Dort präsentiert sich Simonett als nachdenklicher Songwriter, der sich Experimenten nicht unabgeneigt zeigt. Den Longplayer duchzieht dabei eine melancholische Grundstimmung.

Zwar finden sich mit „Pisces, Queen Of Hearts” und „By The Light Of The Moon” folkorientierte Titel auf der CD, bei denen die akustische Gitarren die Begleitung dominiert. Aber selbst diese Titel werden durch zusätzliche Untermalung, beispielsweise von der Pedal Steel, bereichert. Einige Songs sind voller instrumentalisiert und schaffen so Klangsphären, die sehr dicht wirken.

Vor dem dezenten Hall des Backgrounds erklingt der Gesang von Simonett auf „Revoked“ wie weit entfernt. Damit stellen sich Assoziationen zu dem jüngsten Werk von Tyler Ramsey ein, mit dem ihn auch die Liebe zur Natur verbindet, die beiden als Inspirationsquelle dient. Vor dem inneren Auge ziehen verschneite Winterlandschaften vorbei und erinnern an den Film „Fargo“. Auch wenn dessen Handlungsort in North Dakota liegt, ist das ja nicht weit von Minnesota, dem Heimatsaat Simonetts, entfernt.

Ähnlich angelegt ist das von einem Klavier getragene „In The Western Wind And The Sunrise“. Am Ende des sanften, fast schon hypnotischen Stücks mischt Simonett ein Kratzen in den Song, der mich bei Vinyl hätte einen Blick auf die Platte werfen lassen, um zu prüfen, ob sie beschädigt ist oder ob das so sein muss. Simonett fügt damit ein überflüssiges Klangexperiment ein, das mit den Hörerwartungen bricht und den Song nicht aufwertet.

Im positiven Sinne überrascht die kratzig-wimmernden E-Gitarre auf „You Belong Right Here“. Hier gelingt Simonett eine ausgewogene Vebindung aus klassischen Americana und innovativen Ideen. Das Stück stellt neben dem flotteren, countryfizierten „Silhouette” meinen Favoriten des Albums dar. Zwar nicht vom Gesang, aber vom Songwriting kommt Tom Petty dort in den Sinn.

Simonett bezeichnet sich selbst nicht vornehmlich als Gitarristen, er zeigt jedoch seine Fertigkeiten beim Fingerpicking auf „It Comes And Goes“, bei dem er sich nochmal dem Folk zuwendet.

Zum Abschluss gibt es „There’s A Lifeline Deep In The Night Sky”. Der runde, mit mehrstimmigen Gesang vorgetragene Song geht ins Ohr und könnte auch aus der Protestbewegung der sechziger Jahre stammen. Anscheinend wurde er live im Studio eingespielt. Ich hätte den verpatzten Einsatz nicht gebraucht, die ausgelassene Stimmung der Band kommt jedoch gut rüber.

Auch wenn nicht jeder musikalische Einfall gelungen ist, bewegt sich Dave Simonett souverän im Grenzbereich zwischen Americana und Folk. Von den meist getragenen Songs seines Solodebüt-Albums „Red Tail“ bleiben die winterlich anmutenden Klangwelten im Gedächtnis, die aber vermutlich nicht hoch in die Charts einsteigen werden. Das sieht Simonett gelassen: „I like it. For me, that’s a success.“

Dancing Eagle/Thirty Tigers (2020)
Stil: Americana, Folk

Tracks:
01. Revoked
02. Pisces, Queen Of Hearts
03. Silhouette
04. By The Light Of The Moon
05. In The Western Wind And The Sunrise
06. It Comes And Goes
07. You Belong Right Here
08. There’s A Lifeline Deep In The Night Sky

Dave Simonett
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Thirty Tigers
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