Kenny Chesney – Here And Now – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Erfolg als ‚Markenzeichen‘ zu ‚installieren‘ und immer wieder neu aufzulegen, ist in fast 25 Jahren Musikbusiness nur wenigen Künstlern gelungen. Kenny Chesney ist so ein Charakter, dessen musikalisches Talent, gepaart mit Performer-Qualitäten und persönlichen Marketing-Strategien, seit langen Jahren sein Publikum begeistert.

Doch dies erklärt nicht allein die erstklassigen Auftritte des US-amerikanischen Country-Sängers, der gerade in einer sehr schwierigen Zeit seine neue Scheibe „Here And Now“ veröffentlicht hat. Zu einem Zeitpunkt, der andere Künstler und ihre Labels zu Pausenzeichen und Zurückhaltung zwingt, legt Chesney im Vertrauen auf seine Popularität und begeisterte Resonanz der Fans dennoch eine lebenslustige und zugleich warmherzige Platte vor.

Das von seinem erfahrenen Produzenten Buddy Cannon in Kooperation mit Ross Copperman entstandene 19. Album, wirkt wie eine Ansammlung von Highlights, die ihre eigene Qualität von Beginn an nicht verbergen müssen. Schon der Einsteiger „We Do“ wirkt wie eine Hymne an seine Fan-Gemeinde, ein rockiger Stadionsong mit Aufforderung zur Party und der eindeutigen Refrain-Frage „Who Gets To Live Like We Do?“, die von seiner „No Shoes Nation“, – der Kenny Chesney-Fan-Base – lautstark beantwortet wird.

Auch als zweiter Kracher ist der Titelsong „Here And Now“ ein schnelles Rock-Stück, das seine positive Verwandtschaft mit alten Bachman-Turner-Overdrive-Kunststücken munter unter Beweis stellt.

Die typische Country-Geschichte folgt in „Every One She Knows“, über eine Frau, die in ihrem eigenen Lebensstil verfangen letztendlich den Fortschritt der Zeit verpasst und allein altert. Überhaupt sind es immer wieder die typischen Lebenssituationen, die Chesney stilsicher in seinen Texten aufgreift und damit alltägliche Probleme der „kleinen“ und „großen“ Leute beschreibt, wie z. B. in „Wasted“, über die Erinnerungen eines Rockstars.

Chesneys Stärke ist es dabei regelmäßig, seine Fans in diese Erzählungen einzubinden und Vertrauen in die Echtheit und Glaubwürdigkeit seiner Songs aufzubauen. Er berichtet auch mal im Walzertakt („Knowing You“), warmherzig und vorsichtig über jemanden, den man gerne gekannt hat und den man sehr vermisst.

Ein weiterer, schöner Höhepunkt ist die Hommage an den guten, alten Tom Petty, der im Stück „Heartbreakers“ wie neu geboren daher kommt und als Southern-Klassiker inszeniert wurde. Überhaupt ist die auffallende Perfektion des Albums, der Wechsel von vermeintlich typischen Country-Nummern und ansprechenden „Gute Laune“-Songs im Stile von „Happy Does“ hervorragend geeignet, die Fans generationenübergreifend mitzunehmen; ein Beispiel ist der einfühlsame Track „Tip Of My Tongue“ mit Ed Sheeran als Co-Writer. Kein Wunder also, dass die Single bereits vor Monaten als Pre-Release erfolgreich war.

Auch tiefschürfende Momente in der Ballade „You Don’t Get To“ klingen nicht als übertriebene Emotionen, sondern bestätigen ausdrucksstark Chesneys Image als Kumpel-Typ, der unbestritten authentisch und diesmal akustisch im Mitsing-Highlight „Beautiful World“ wieder in die lebensfrohe Phase einsteigt. Dass er mitunter ebenso ein Herz für Leute entwickelt, die ihr Geld auf hoher See verdienen ist bei der minimal instrumentierten, aber zärtlichen Ehrung in „Guys Named Captain“ nicht nur schön und glaubwürdig anzuhören, es vermittelt gleichfalls den Eindruck eines ganz persönlichen Ausklangs des Longplayers.

Kenny Chesney hat mit „Here And Now“ ohne Zweifel sein nächstes Number-One Album vorgelegt. Die Grundaussage seiner hochklassigen Songs verleiht der Country Musik gerade in Zeiten von Social Distancing das Ansehen einer über die Krisenzeit hinaus wirkenden Come Together (No Shoes) – Nation.

Warner Music (2020)
Stil: New Country

01. We Do
02. Here And Now
03. Everyone She Knows
04. Wasted
05. Knowing You
06. Heartbreakers
07. Someone To Fix
08. Happy Does
09. Tip Of My Tongue
10. You Don’t Get To
11. Beautiful World
12. Guys Named Captain

Kenny Chesney
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Oktober Promotion

Kenny Chesney – The Road And The Radio – CD-Review

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Kenny Chesney hat sich von seinen „alten blauen Stuhl“ erhoben und ist wieder in den Sattel zurückgekehrt! Die karibischen Musikträumereien (zumindestens weitgehend), wie auch seine nur vier Monate währende, medienträchtige Ehe mit Schauspielerin Renée Zellweger sind „Sonne (Schnee) von Gestern“. Der „Country-Entertainer des Jahres“ (eine seiner vielen Auszeichnungen) widmet sich mit seiner neuen CD „The Road And The Radio“ wieder dem Tagesgeschäft.

Während die Großen der Riege (und Chesney zählt schon seit einiger Zeit zum etablierten Kreis der Superstars) dies für gewöhnlich in der Art von Platzhirschen mit satten, fetten und vor Kraft strotzenden Werken, dem Führungsanspruch der Szene gerecht, zu untermauern gedenken, meldet sich Kenny diesmal mit einer angenehm unaufdringlichen Produktion zurück. Trotzdem sehr sauber abgemischt und natürlich von exzellenten Musikern eingespielt, kann man den Lautstärkeknopf auch ruhig mal etwas lauter drehen, ohne gleich erschlagen zu werden.

Grund dafür ist sicher auch die hervorragende Songauswahl, wobei, wie könnte es auch anders sein, alles vertreten ist, was in Nashville’s Schreiber-Riege Rang und Namen besitzt. Chesney hat im Gegensatz zum letzten Album nur ein Stück selbst komponiert („Beer In Mexico“), das aber mit zu den herausragenden Highlights auf diesem durchgehend starken Silberling zu zählen ist. Ein toller, schwungvoller, southern-inspirierter Uptempo-Countryrocker, mit Hornsection, Piano-Fills und jeder Menge starker Gitarrenarbeit. Die Idee zu diesem Stück kam Kenny auf einer Geburtstagsparty des „Red Rockers“ Sammy Hagar, der zu Chesneys guten Freunden gehört. (Man fragt sich da direkt in schmunzelnder Weise, ob Lemmy Kilmister eventuell auch zu Chesneys Bekanntenkreis zählt?…). Toller Song!

Übrigens gibt es im Booklet zu jedem Stück kleine Statements von Kenny selbst, die einen äußerst persönlichen Bezug zwischen Songauswahl und Künstler offenbaren. Jede Menge nachdenkliche Nummern, im balladesken bis midtempoträchtigen Bereich, die aber dann durch eine knappe Handvoll temperamentvoller Lieder aufgelockert werden. Der eröffnende, bedächtige, aber sehr melodische Titelsong „The Road And The Radio“ erinnert ein wenig an die Umsetzungen eines Tim McGraw, ohne dessen in letzter Zeit allzu sehr offenbarte, emotionale Note. Ein Stück zum Genießen!

Könnte die Nachfolge-Single vom ebenfalls sehr relaxt und ernst rüberkommenden „Who You’d Be Today“ werden. Dieser Stil scheint bei seinen Fans, und nicht nur dort, bestens anzukommen. Platz zwei in den Billboard-Singles-Charts spricht da bereits eine deutliche Sprache. Der absolute Knüller allerdings ist die roostig, verträumte Kleinstadt-Homage „In A Small Town“, im besten John-Mellenkamp-Stil. Klare Akustikgitarrenund am Synthesizer simulierte, täuschend ähnlich klingende Akkordeonunterlaung, werden nur durch Kenny’s bedächtigen Gesang und die tollen E-Gitarren-Fills unterbrochen. Wunderbarer Song zum Entspannen!

Ein wenig Karibikflair gibt es dann mit „Tequila Loves Me“ doch noch. Sämtliche flotteren Sachen wie „Living In Fast Forward“ (erinnert an die Gute-Laune-Nummern eines Billy Ray Cyrus), „Summertime“ (wahrscheinlich die dritte Single, wenn es wieder wärmer wird) und auch das aus der Feder von Radney Foster und Randy Rogers (was deren Bekanntheitsgrad hoffentlich etwas puscht) stammende „Somebody Take Me Home“ sind allesamt potentielle, spaßmachende Live-Kracher.

Bleibt noch das autobiografisch anmutende „Like Me“, das man im weitesten Sinne als eine countrytypische Antwort auf Bob Segers „Against The Wind“ interpretieren kann. Herrlich diese warm dahinfließende Untermalung aus Akustik- und akkordeonähnlichen Tönen, dazwischen das klare E-Piano mit schönem Solo. Wenn dann im abschließenden behutsamen Instrumental-Finish noch die southern-typischen E-Double-Leads gefühlvoll eingestreut werden, erfreut man sich genußvoll an einem würdigen Abschluß dieses klasse Albums und lehnt sich zufrieden zurück! „The Road And The Radio“ haben Kenny Chesney wieder, und zwar stärker denn je!

BNA Records (2005)
Stil:  New Country

01. The Road And The Radio
02. Living In Fast Forward
03. Who You’d Be Today
04. You Save Me
05. Summertime
06. In A Small Town
07. Beer In Mexico
08. Freedom
09. Tequila Loves Me
10. Somebody Take Me Home
11. Like Me

Kenny Chesney
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Bärchen Records

Kenny Chesney – Live: Live Those Songs Again – CD-Review

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Kenny Chesney zählt schon seit geraumer Zeit zu den unbestrittenen Superstars der New Country-Szene. Er ist mit Charisma ausgestattet, hat ein Händchen für die zu ihm passenden Songs, und ist wegen seiner energiegeladenen Live Shows ein Entertainer, der es, ähnlich wie Garth Brooks zu seinen Glanzzeiten, versteht, die Massen in seinen Bann zu ziehen. Nach seinem zuletzt wieder prächtig eingeschlagenem Studio-Album „The Road And The Radio“ hat sich Kenny nun zu einem Live-Album entschlossen, das seine letzten Karriere-Jahre in den fast immer prall gefüllten Arenen (hier an fünf verschiedenen Orten. Knoxville, Pittsburgh, Nassau, Nashville und Los Angeles) reflektiert.

Ein echtes, typisch amerikanisches Stadion-Konzert-Spektakel, das in seiner Emotionalität unweigerlich Reminiszenzen an Garth Brooks legendäres „Double-Live“-Werk aufkommen lässt. Ein enthusiastisches Publikum, das vor, teilweise während und nach jedem Stück in euphorischem Gekreische ausbricht und jede Gelegenheit nutzt, wohl bekannte Textpassagen im Kollektiv mitzsingen, sobald der Meister die Gelegenheit dazu nur im Ansatz offenbart. Natürlich versteht es Chesney exzellent, genau die Lieder zu performen, die für solche Anlässe wie gemacht sind, doch das sind sehr viele seines Repertoires.

So reihen sich vom einleitenden Song „Live Those Songs“ bis zum abschließenden Powerstück „She Thinks My Tractor’s Sexy“, ein prächtig mitsingbarer Hit nach dem anderen aneinander, wobei der (im positiven Sinne) sehr routiniert wirkende Kenny immer wieder geschickt zwischen den Temperamenten der einzelnen Lieder variiert. Verlassen kann er sich dabei auf eine furios aufspielende Begleitband, in der der sehr starke Drummer Sean Paddock (äußerst kraftvoll) und der filigrane Lead-Gitarrist Clayton Mitchell (viele southern-inspirierte Soli) immer wieder den Ton angeben. Bis zum ersten Durchatmer „What I Need To Know“ (wunderschöne, melodische Country-Ballade, inkl. Bandvorstellung) geht es zunächst mit fünf New-Country-/Arena-Rockern in die Vollen (u. a. „Young“, „Beer In Mexico“, „Keg In The Closet“), welche die Massen zurecht in Wallung treiben und diese wohl nur in amerikanischen Arenen aufkommende Gänsehaut-Atmosphäre auslösen.

Klasse auch das unweigerlich Urlaubsstimmung auslösende „When The Sun Goes Down“ mit herrlichen, karibisch anmutenden Steel-Drums, ebenfalls dargeboten, wie schon seinerzeit in der Studiofassung, im Duett mit „Spaßkanone“ Uncle Kracker. Weiterer Höhepunkt sind das Midtempostück „Anything But Mine“ mit seiner schönen Akustikgitarren-Untermalung, den angenehmen Orgelparts und den großartigen Southern-E-Gitarren-Passagen des bereits erwähnten Clayton Mitchell, sowie die tolle Gute Laune-Nummer „How Forever Feels“ (klasse Drum-/Bass Intro, knackiges Piano, feine Steel und Fiddle-Fills).

Kenny Chesney ist es auf seinen Live-Album prächtig gelungen eine Energie geladene Synthese aus Arena-Rock und New Country (wobei die Basis, so kraftvoll und rockig die Performance auch sein mag, von Chesneys Anlagen und seiner Art des Auftretens her immer eindeutig „country“ ist) zu schaffen und einen tollen musikalischen Einblick in die wohl entscheidende Phase seiner Laufbahn zu gewähren.

Die CD kommt mit einem richtig dicken, 24-seitigen, reichhaltig bebildertem Booklet, in dem Kenny mittels diverser Statements viele ihn bewegende, detaillierte Eindrücke vermittelt und sich bei all seinen Förderern, Fans und Bekannten ausgiebig bedankt. Schade eigentlich nur, dass in der heutigen Zeit nicht so etwas direkt auch als DVD auf den Markt gebracht wird, aber vielleicht kommt das ja eines Tages. Bis es soweit ist, ist diese Kenny Chesney-Live-CD aber in jedem Fall ein „Muß“! Jawohl, lasst uns diese tollen Songs noch einmal erleben. Klasse Live-Stoff, nicht nur für New Country- und Chesney-Anhänger!

BNA Records (2006)
Stil:  New Country

01. Live Those Songs
02. Young
03. Never Gonna Feel Like That Again
04. Beer In Mexico
05. Keg In The Closet
06. What I Need To Do
07. I Go Back
08. When The Sun Goes Down
09. On The Coast Of Somewhere Beautiful
10. Anything But Mine
11. Back Where I Come From
12. Don’t Happen Twice
13. How Forever Feels
14. She Thinks My Tractor’s Sexy

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