The White Buffalo – On The Widow’s Walk – CD-Review

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Review: Michael Segets

Manche werden The White Buffalo kennen, weil er einige Songs zu den Fernsehserien „Californication” und „Sons Of Anarchy” beisteuerte. Hinter The White Buffalo verbirgt sich Jake Smith, der dachte, dass ein Künstlername einprägsamer sei als sein eigener. Für sein zehntes Werk „On The Widow’s Walk“ konnte er Shooter Jennings für den Produzentenstuhl gewinnen. Das insgesamt stimmige Album wurde in weniger als einer Woche eingespielt.

Die Scheibe fängt mit „Problem Solution“ erdig rockend an. Smith nimmt in der Mitte des Stücks das Tempo raus, sodass ich beim ersten Hören dachte, dass er eine Bridge einstreut. Allerdings zieht sich die Passage dann bis zum Schluss hin. Der Titel hätte der beste auf der Scheibe werden können.

So rückt das aggressive „Faster Than Fire“ mit scheppernden Schlagzeug und quietschenden Gitarren auf den Spitzenplatz unter den flotten Stücken. Neben den beiden Songs, die als Double-A-Side-Single – einem mir bis dato unbekannten Format – erschienen sind, findet sich mit dem gradlinigen, rootsigen „No History“ ein dritter Rocker auf dem Longplayer.

Anders als die Single vermuten lässt, liegt der Schwerpunkt der CD auf gefälligen Balladen, bei denen The White Buffalo seinen geschmeidigen Bariton geschickt in Szene setzt. Sehr gefühlvoll („Sycamore”), manchmal ein bisschen pathetisch („The Drifter”), manchmal mit langgezogenem, schmachtendem Gesang („Cursive“) erzählt Smith seine Storys. Mein Favorit ist hier das mit Geigen untermalte „I Don’t Know A Thing About Love”. Wie bereits bei einigen vorangegangenen Tracks sitzt Shooter Jennings auch bei dem letzten Stück der Scheibe am Klavier.

Musikalisch vielleicht interessanter sind das reduzierte „River Of Love And Loss“ und die erste Video-Auskopplung „The Rapture“. Dieser Song verströmt eine dunkle Atmosphäre und entwickelt eine Spannung, die sich mit dem Einsatz krachender Gitarrenriffs und anschließendem Wolfsgeheul entlädt.

Das dramatische „Widow’s Walk“ lässt sich ebenso wie „Come On Shorty”, das hingegen locker und entspannt daherkommt, im unteren Midtempo verorten. Beides sind gelungene Nummern, die zeigen, dass sich The White Buffalo souverän zwischen sanft und rockig in allen Tempobereichen der Roots Music bewegt.

Der in Oregon geborene und in Kalifornien lebende Jake Smith – alias The White Buffalo – verfügt über eine angenehme Stimme, die auf „On The Widow’s Walk“ sehr gut zur Geltung kommt. Die überwiegende Anzahl der Titel sind Mainstream-taugliche Balladen, die gelegentlich einen leichten Country-Einschlag aufweisen. In dieser Kategorie landet The White Buffalo ein paar Treffer.

Wenn er das Tempo anzieht oder – wie auf seinem ersten Video – mutigere Töne anschlägt, liegt die Quote der bemerkenswerten Stücke höher. Die vorab ausgekoppelten Stücke gehören zu den Highlights des Albums, das als Gesamtwerk gut hörbar ist. Durch ein paar zusätzliche Kanten in manchen Songs hätte es jedoch noch an Kontur gewinnen können.

Snakefarm Records/Universal Music Group (2020)
Stil: Americana, Rock

Tracks:
01. Problem Solution
02. The Drifter
03. No History
04. Sycamore
05. Come On Shorty
06. Cursive
07. Faster Than Fire
08. Widow’s Walk
09. River Of Love And Loss
10. The Rapture
11. I Don’t Know A Thing About Love

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