Laura Cortese & The Dance Cards – Bitter Better – CD-Review

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Review: Michael Segets

Seit ihrem ersten Album probierte sich Laura Cortese in den vergangenen sechzehn Jahren sowohl mit minimalistischer als auch mit großer Bandbesetzung aus. Ursprünglich im Indie-Folk beheimatet wendet sich die Sängerin und Violinistin auf „Bitter Better“ einer poppigen Spielart des Americana zu und nutzt dafür das Potential der Dance Cards.

Geigen und Cello prägen zusammen mit den Keys beziehungsweise dem Synthesizer von Sam Kassirer, der zudem das Album produzierte, den Sound des Longplayers. Die Streichinstrumente werden manchmal gezupft oder dienen als zusätzliche Percussion. Sie stehen gelegentlich in einem dramatischen Kontrast zu den leichten Tönen von Kassirers Instrumenten, dennoch kommt es zu keinen Brüchen in den Songs. Diese verströmen zumeist eine luftig-poppige Atmosphäre.

Dabei behandelt Cortese durchaus ernste Themen. Zu diesen gehören der Krieg („Younger Man“) oder auch die Besorgnis über die politische Entwicklung in den Vereinigten Staaten („Daylight“). Die in San Francisco geborene Cortese zog vor Kurzem nach Brüssel. Mit der Mentalität in Belgien, das im Übrigen die höchste Selbstmordrate Westeuropas aufweist, hatte sie Startschwierigkeiten. Sie erlebte dort Phasen der Einsamkeit, die sie bei „Where The Fox Hides“ verarbeitet.

Vielleicht war diese Isolation auch ein Grund dafür, dass sie hinsichtlich des Songwritings neue Wege ging. In weitaus größerem Maße als bisher bezog Cortese die Band mit in den Schaffensprozess ein und auch bei den Arrangements der Stücke wirkten die anderen Musiker intensiver mit. Aus über vierzig Stücken wurden schließlich elf für „Bitter Better“ ausgewählt.

Die erste Single „Treat You Better“ ist ein feiner Popsong, der die musikalische Richtung der CD gut wiedergibt. Tanzbare Nummern („Dreaming“) finden sich neben eingängigen langsameren Songs („How Long“). Manchmal wirken Keys und Synthesizer zu aufdringlich, wobei auch die insgesamt schwächere zweite Auskopplung „Corduroy Jacket” sowie „When We Rocked” gelungene Passagen haben.

Deutlich besser greifen Streicher und elektrische Instrumente bei „From The Ashes“ ineinander. Der ruhige Song, der thematisch die Brände in Kalifornien behandelt, gefällt mit seinem mehrstimmigen Refrain. Auch „Talk To Me” weist einen starken Harmoniegesang auf, wobei Cortese dort die Anteile von Keys und Synthesizer weiter zurückfährt. Neben diesen beiden Titeln zählt „Typhoon” zu meinen Favoriten. Cortese zaubert hier einen lockeren Westcoast-Americana ohne großen technischen Klangteppich.

Americana meets Pop: Laura Cortese & The Dance Cards kombinieren Streicher und Keys auf eine ungewöhnliche Weise. Der neuartige Sound von „Bitter Better“ funktioniert über weite Strecken. Wenn sich die Band näher am Americana bewegt, tritt das gute Songwriting besonders zutage. Auch bei den anderen Stücken finden sich eingängige Melodien, die für den geneigten Sound-Of-South-Leser den Blick über den Tellerrand in Richtung Pop lohnend erscheinen lassen.

Compass Records Group (2020)
Stil: Americana, Pop

Tracks:
01. Treat You Better
02. Corduroy Jacket
03. From The Ashes
04. Where The Fox Hides
05. Dreaming
06. How Long
07. Younger Man
08. Talk To Me
09. Typhoon
10. When We Rocked
11. Daylight

Laura Cortese
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