Joe Bonamassa – Redemption – CD-Review

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Kaum ein Blues-Musiker hat sich in den letzten Jahren so umfangreich und vielfältig durch die Blues-Sparten gespielt wie Joe Bonamassa. Dabei rausgekommen sind Alben, die unterschiedlichste Blues Richtungen abdecken: Vom Chicago-Blues getränkten Live-Album zu Ehren von Howlin Wolf und Muddy Waters (2015) über die Huldigung seiner englischen Idole auf dem „British Blues Explosion„-Werk (2018), bis zu Kollaborationen mit Beth Hart (2013/2018) und eigenen Song-Kreationen, wie auf „Blues of Desperation“ (2016).

Auf bewährte Begleiter aus den vorangegangenen Produktionen greift Bonamassa bei „Redemption“ gerne zurück, wie z.B. seinen erfahrenen Produzenten Kevin Shirley oder seine langjährigen Bühnen- und Studiomitstreiter Reese Wynans (Keyboards), Michael Rhodes (Bass) und Anton Fig (Schlagzeug), gibt jedoch auch den beiden Leadgitarristen Kenny Greenberg und Dug Lancio ihren verdienten Platz.

Anton Figs schneller Schlagzeug-Wirbel auf „Evil Mama“ lässt John Bonhams Intro zum Klassiker „Rock And Roll“ von Led Zeppelin unwillkürlich zurück ins Gedächtnis kommen und geht dann über in einen Hard Rock-Rhythmus a là Black Stone Cherry – bis die Bläserformation einsetzt und dem Song einen dicken Soul-Anstrich verleiht. Bonamassa beendet den Track gekonnt mit einem seiner fesselnden Gitarrensoli. „King Bee Shakedown“ ist ein Boogie-Stück im Big Band-Stil, voll leidenschaftlichem Rhythm and Blues, mit einer Prise Rockabilly. Die tragische Songgeschichte „Molly O‘“ wird in einen saftigen Hard Rock Blues übergeleitet, der es in sich hat.

„I’ve Got Some Mind Over What Matters“ ist klassischer Chicago Blues und erinnert an „She Caught The Katy“ von Taj Mahal. Eine kleine Songperle liefert Bonamassa mit dem Slow-Blues „Self-Inflicted Wounds“ ab, bei dem er sich auch an tiefgründigem Songwriting versucht und persönliche Erlebnisse eindrucksvoll verarbeitet. Dem Titeltrack und mehr traditionell-geprägtem Delta-Blues-Stück „Redemption“, verleihen die starken Background-Vocals und Joes kerniges Solo zusätzlich einen auffälligen Charakter.

Auf dem Longplayer „Redemption“ wagt Joe Bonamassa zwar erneut den Schritt, 12 eigene Kompositionen einzuspielen, hat hierfür aber eine ganze Truppe erfahrener Songwriter aus Nashville an seiner Seite, die dem Eindruck entgegentreten sollen, hier wird nur auf Altbekanntes zurückgegriffen. Die geschickt ausgefeilten Arrangements wurden in fünf verschiedenen Studios aufgenommen und lassen ausreichend Platz für fette Bläser und Background-Gesang, für einen Big-Band-Sound mit typisch intuitiven Bonamassa Gitarrenparts.

J.B.’s 13. Studioalbum, – die Zahl 13 kann metaphorisch auch für einen Wandel oder einen Umbruch angenommen werden-, markiert ein Verlangen nach Rückkehr oder einen Wusch nach ‚Akzeptanz‘, wie es der Meister in einem kurzen Statement zur Konzeption der Scheibe darstellt.

Den neuen Longplayer als Meilenstein in Bonamassas umfangreicher Werkschau zu bezeichnen, gibt nur unvollständig die vielseitige und textlich tiefgreifende Qualität dieses atmosphärisch wunderbaren Albums wieder. Für Bonamassa Fans ist alles dabei, was das Blues-Herz begehrt. He’s deep in the blues again – und dies auf unübertroffen hohem Niveau.

Mascot Label Group (2018)
Stil: Blues Rock

01. Evil Mama
02. King Bee Shakedown
03. Molly O‘
04. Deep In The Blues Again
05. Self-Inflicted Wounds
06. Pick Up The Pieces
07. The Ghost Of Macon Jones
08. Just ‚Cos You Can Don’t Mean You Should
09. Redemption
10. I’ve Got Some Mind Over What Matters
11. Stronger Now In Broken Places
12. Love Is A Gamble

Joe Bonamassa
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Brent Cobb – Support: Zack Logan, 12.09.2018, Studio 672, Köln, Konzertbericht

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Mit Brent Cobb gab sich ein Künstler im kleinen Club 672 in Köln die Ehre, auf den ich mich schon seit Wochen gefreut hatte. Anlass war natürlich sein tolles Album „Providence Canyon“, aber auch seine interessante Vita samt seines vermutlichen Talents, er ist ja der Cousin des sehr erfolgreichen Produzenten Dave Cobb. Da war man einfach gespannt, was der Bursche live zu bieten hatte.

Zunächst aber stellte der aus Mississippi stammende Zack Logan, in dem mit knapp 40 Leuten spärlich besuchten Club, seine Künste in den Mittelpunkt. Er hat ebenfalls mit „Raised By Wolves“ ein aktuelles Werk am Start, aus dem er dann Stücke wie „Dog Chase Cars“, „Annalee“, das sehr melodische „Two Weeks At A Time“, „Ramblin‘ Shoes“, das schön rockende „Trouble Doing The Right Thing“, „I’m Coming Home“ und den Titeltrack, „Raised By Wolves“, in einer guten halben Stunde vorstellte.

Unterstützt wurde er von zwei Schweden namens Erik und Pelle aus Göteborg mit Fiddle und Upright Bass, die dem Ganzen eine schönes Veranda-Country-Flair vermittelten. Gerade Erstgenannter setzte mit seinem sägenden, quietschenden und weinenden Streichinstrument viele schöne Zusatz-Akzente. Zack zeichnete sich besonders durch seinen angenehmen Gesang aus (tolle Stimme). Ihm wäre zu wünschen, dass mal ein bekannter Nashville-Künstler sich eines seiner Songs annimmt, um seinen Bekanntheitsgrad zu pushen. Verdient hätte er es, insgesamt ein guter Support, der mit viel Applaus bedacht wurde!

Nur ein paar Minuten später kam dann einer der neuen wilden Generation Nashvilles, Brent Cobb, mit seinen drei Begleitern Mike Harris, Jason Kott (bekannt auch durch The Soulshine Family Band) und OJ Jackson auf die, dank der umstehenden Instrumente, Verstärker und Effektgeräte, ziemlich platz-reduzierte Bühne (Folge war, dass direkt ein – am Geruch nachher deutlich erkennbar – am Boden stehendes Whiskey-Glas umgetreten wurde und sich die verschüttete Flüssigkeit, in einer kleinen Lache, ihren Weg suchte).

Der knackig zupfende und auch klasse Gesangsharmonien beisteuernde Bassist Jason Kott war mir schon wegen seines T-Shirts, das mit Logo der auch von uns rezensierten Band The Steel Woods bedruckt war, direkt sympathisch. Das Quartett legte mit „When The Dust Settles“ los und der im weiteren Verlauf überragend agierende Mike Harris deutete bereits früh seine Qualitäten als versierter Slide-Spieler an.

Brent streifte im weiteren Verlauf mit Songs wie  u. a. „Diggin‘ Holes“, „Down In The Gully“, „Solving Problems“, den beiden herrlichen „King Of Alabama“ und „Providence Canyon“ seine beiden, unter Major-Fahne erschienen Alben und bewies, warum auch Stars wie Luke Bryan, Kenny Chesney, Miranda Lambert oder Little Big Town, gerne auf seine Songwriter-Künste zurückgreifen.

Ein erster Höhepunkt des Konzerts wurde entfacht, als Brent die akustische Gitarre abstreifte (die er allerdings fast immer wie eine E-Gitarre spielte) und zur Telecaster griff. Es folgten mit „If I Don’t See Ya“ und „.30.06“ zwei furiose Southern Rocker, in bester Lynyrd Skynyrd-Manier. Erstgenanntes erinnerte stark an deren einstiges „Swamp Music“.

Beim Schunkler „Tavelling Poor Boy“ wurde dann wieder in die gemäßigtere Country Rock-Schiene zurückgerudert. Mit Liedern wie dem swampigen „Sucker For a Good Time“, dem progressiv angehauchten „Black Crow“ und einem weiteren Kracher, „Ain’t A Road Too Long“, ging es schon über ins Finale, das mit dem an Dynamik zulegenden „South Of Atlanta“ (tolles Instrumentalfinish) und dem mit schönen Tempowechseln variierenden „Country Bound“ toll inszeniert wurde.

Gerade der rauschebärtige Mike Harris spielte sich teilweise regelrecht in einem Rausch. Nach dem Konzert, begann dann sofort ein hektisches Treiben. Es wurde ratz-fatz abgebaut, da die Band heute Abend schon wieder in Berlin auf der Bühne steht.

Brent nahm sich aber dennoch die Zeit für ein paar Autogramme und das obligatorische Bild mit unserem Logo. Als wir nach Hause fuhren, waren Gernot und ich uns sicher, hier mit Brent Cobb eine kommende Größe des Southern Country Rocks gesehen zu haben, die man in Zukunft vermutlich nicht mehr in so intimen Rahmen erleben wird. Ganz starker Gig!

Line-up:
Brent Cobb (lead vocals, acoustic guitar, electric guitar)
Mike Harris (electric guitar, slide guitar, vocals)
Jason Kott (bass, vocals)
OJ Jackson (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Brent Cobb
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Zack Logan
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Konzertbüro Schoneberg
Studio 672

Jim Lauderdale – Time Flies – CD-Review

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Review: Michael Segets

Yep Roc Records/H’Art bringt zeitgleich das 30. und 31. Album von Jim Lauderdale heraus. Neben einer frühen Aufnahme aus dem Jahr 1979, die zusammen mit Roland White entstand, steht das aktuelle Werk „Time Flies“ nun in den CD-Regalen.

Das erste Mal bin ich auf Jim Lauderdale aufmerksam geworden, als er gemeinsam mit Buddy Miller (Steve Earle) das Album „Buddy und Jim“ veröffentlichte. Dabei kann Lauderdale auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken, die durch Bluegrass, Country und Americana geprägt ist.

Der zweifache Grammy-Gewinner ist besonders als Songschreiber für andere Musiker erfolgreich. Unter anderem hat er für Georg Strait, Mark Chesnutt, Elvis Costello, Patty Loveless und The Dixie Chicks Material geliefert. Er arbeitete zudem mit den North Mississippi Allstars und Robert Hunter (Greatful Dead) zusammen.

Produziert wurde das aktuelle Album dann auch stilecht in Nashville, wobei sich Lauderdale, Jay Weaver als Unterstützung in das Blackbird Studio beziehungsweise das House of Blues Studio holte. Der starke Titeltrack „Time Flies“ reiht sich als moderner Americana-Song nahtlos in Lauderdales bisheriges Schaffen ein. Auch das folgende „The Road Is A River“ weiß durch einen eingängigen Refrain mit schönen Harmoniegesängen und einem kurzen Gitarrensolo zu überzeugen.

Mein Favorit der Scheibe ist aber die dunkle Ballade „When I Held The Cards”. Schellen und Schlagzeug-Besen erzeugen mit der tiefen Gitarre eine schön staubige Atmosphäre. Das süßliche „Violet“ und das getragene „If The World’s Still Here Tomorrow” fallen im direkten Vergleich etwas ab.

Mit „It Blows My Mind” und „Where The Cars Go By Fast” greift Lauderdale in die Country-Schublade. Vor allem der letztgenannte Song nimmt mit Bar-Piano, tollen Harmonien, Geige und etwas Slide ordentlich Fahrt auf.

Wie schon auf dem Album „London Southern” aus dem vergangenen Jahr mischen sich auch Soul- und Swing-Elemente in die Kompositionen von Lauderdale. Auf „Time Flies“ gibt Lauderdale dem Swing nun noch mehr Raum. So lässt Frank Sinatra bei den flotten „Wild On Me Fast“ und „While You’re Hoping“ grüßen. Auch „Slow As Molasses“ versetzt nach Los Angeles in eine gepflegte Bar der fünfziger Jahre. Bei einem Longdrink kann der Song durchaus genossen werden, obwohl der Musikstil fernab von dem liegt, was ich sonst so höre.

Fast schon in Richtung Jazz geht „Wearing Out Your Cool” vor allem durch den Einsatz der Bläser. Obwohl die Klangfarbe Lauderdales Stimme nicht mit der von Chris Rea vergleichbar ist, weckt das Stück hinsichtlich des Songwritings doch Assoziationen zu dem Briten.

„Time Flies“ erfüllt nicht ganz die Erwartungen, die ich mit dem Album verbunden habe. Country und Americana überwiegen zwar stilistisch und einige Songs liegen deutlich über der Qualität vieler anderer Genrebeiträge. Durch die wiederholten Ausflüge in den Swing erscheint der Longplayer im Gesamteindruck aber konzeptionell nicht so stringent wie andere Werke Lauderdales.

Das heißt in einer positiven Wendung allerdings, dass Jim Lauderdale trotz seiner zahlreichen Veröffentlichungen immer noch für Überraschungen gut ist. Er erweitert seine Kompositionen durch neue Elemente und beweist damit, dass er seine musikalische Flexibilität erhalten hat. „Time Flies“ ist ein Album, das ich wohl selten durchgängig hören werde, bei dem es sich aber lohnt, die Highlights herauszupicken.

Yep Roc Records/H´Art (2018)
Stil: Americana, Country and more

01. Time Flies
02. The Road Is A River
03. Violet
04. Slow As Molasses
05. Where The Cars Go By Fast
06. When I Held The Cards
07. Wearing Out Your Cool
08. Wild On Me Fast
09. While You’re Hoping
10. It Blows My Mind
11. If The World’s Still Here Tomorrow

Jim Lauderdale
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H’ART Musik-Vertrieb GmbH

Ben Glover – Shorebound – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Der in Glenarm, Nordirland geborene, aber fast seit Beginn seiner musikalischen Karriere in Nashville, TN, lebende Ben Glover hat mit „Shorebound“ sein mittlerweile 8. Soloalbum herausgebracht.

Der Singer/Songwriter, der nun eine CD im besten Americana-Stil hinlegt, hat aber auch schon für andere Künstler des Genres Songs geschrieben oder bei ihnen mitgewirkt. Zu nennen sei die Zusammenarbeit mit Gretchen Peters beim Titeltrack des 2015er Albums „Blackbird“, der auch für die Americana Awards nominiert war.

Nun aber zum aktuellen Werk Glovers. Eine durchweg schöne Scheibe, die ohne Unterbrechung angehört werden kann. Im Vordergrund steht die angenehm klare Stimme Glovers, wobei er sich zu einigen Songs prominente Verstärkung geholt hat, was sich in feinen Duetts widerspiegelt.

Schon der erste Song “What You Love Will Break Your Heart“, stilistisch in bester Tom Petty-Manier, im Midtempobereich präsentiert, klasse arrangiert mit einsetzender, fast singend wirkender Slideguitar und zweiter Stimme von Amy Speace, setzt einen hohen Erwartungshorizont für den Rest des Longplayers.

Das folgende „A Wound That Seeks The Arrow“, im Duett mit der aus Nashville stammenden Sängerin Angel Snow performt, wirkt fast ein wenig träumerisch und countryesk. Neben Glovers wunderbarem transparenten Gesang, wird wieder mit dezent gespielten Instrumenten, diesmal neben Slide- und Akkustikgitarre, auch mit Violin Cello und Glockenspiel operiert . Ein toll produzierter Song, auch für ruhige Stunden.

Das folkige „Northern Star“, mit Unterstützung der Sänger Malojian and Matt McGinn (wieder in Richtung der ruhigerer Petty-Songs einzuordnen), überrascht in der zweiten Hälfte mit einer Passage, die an Lieder der frühen Neil Young-Phase erinnert. Für mich, als absolutem Fan des Kanadiers, natürlich eines der Highlights des Albums.
„Catbird Seat“ mit Mary Gauthier (deren „Rifles & Rosary Beads“ gilt als ein Kandidat für das beste Americana-Album 2018), begleitet im Vordergrund mit akustischer Gitarre, zuerst untermalt mit slidender Gitarre, ist ein Stück in bester Songwriter-Manier, wobei Gauthiers Stimme meist eher unterstützend den zweiten Gesang darstellt. Ein einfaches schönes Lied.

Bei „Dancing With The Beast“ ist o. a. Gretchen Peters am Start. In diesem Song sind beide Vokalisten gleichberechtigt und agieren fast durchweg zweistimmig, nicht wie bei den meisten Duetts, wo sich die Partner abwechseln. Das Lied wirkt von der Stimmung her auch eher etwas düsterer als die meisten anderen Stücke des Albums.  Hier dominiert das Piano in weiten Strecken. Der stimmungsvolle, im mittleren Tempo arrangierte Song, ist trotz seiner Traurigkeit, welche über ihm mitschwingt, einer der Highlights.

Das ruhige „Kindmess“, eines der von Glover allein besungenen Tracks,  ist ein solider American-folkiger Song. Mit dem folgenden „Ride The River“ mit Kim Richery wird wieder etwas Fahrt aufgenommen und es gibt erneut einige Parallelen zur Petty-Ära, als Jeff Lynne mitproduzierte. Ein ganz starkes gefühlvolles Lied. In eine ähnliche Kerbe schlägt  „Song For The Fighting“ mit Neilson Hubbard . Besonders schön in dieser Ballade ist hier die prägnante Violine.

Der Titelsong „Shorebound“, folkig mit Countrytupfern und einem claptonesken E-Gitarren-Intro, kommt eher langsam und ruhig und, wie die meisten Sachen, sehr gefühlvoll.

Das etwas lebhaftere „Wildfire“ unter Assistenz von Ricky Ross, liegt irgendwo zwischen Tom Petty, George Harrison und den Traveling Willburys. Ein Stück mit einer absoluten Fülle, Tempowechseln, ohne chaotisch zu wirken und leicht orchestralen Anklängen.

„My Shipwrecked Friends“ (mit Anthony Timer), wieder mit einer Country-Folk-Note, dazu passender Slide-Gitarre, neben der immer wieder eingesetzten akustischen Gitarre, und das abschließende „Keeper Of My Heart“ (feat. Robert Vincent), bilden einen ruhigen Ausklang.

Fazit: „Shorebound“ kann als durchweg gelungenes Album für Freunde aus dem Metier Folk und Americana gesehen werden. Trotz der durchweg eher im mittleren oder langsamen Tempo gespielten Songs auf diesem, durchweg hörenswerten Werk, gibt es keine unerwünschten Längen.

Die Gastinterpreten mit ihren unterschiedlichen Stimmen sorgen hier für die entsprechende Abwechslung. Interessant wird es sein, wie Glover diese Songs auf der Bühne präsentiert. Er sollte sich zumindest eine Mitsängerin parat halten, da sonst viele Stärken des Albums live verloren gehen könnten.

Proper Records (2018)
Stil: Roots/Singer/Songwriter

01. What You Love Will Break Your Heart
02. A Wound That Seeks the Arrow
03. Northern Stars
04. Catbird Seat
05. Dancing With The Beast
06. Kindness
07. Ride The River
08. Song for the Fighting
09. Shorebound
10. Wildfire
11. My Shipwrecked Friend
12. Keeper Of My Heart

Ben Glover
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Sons Of Bill – Oh God Ma’am – CD-Review

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Die musikalische Karriere von James Wilson, Sänger und Gitarrist der in Virginia beheimateten Band Sons Of Bill, war im vergangenen Sommer nach einer Handverletzung akut gefährdet. Aber zum Glück konnte er das ‚Handicap‘ gut auskurieren und damit auch die Erfolgsgeschichte der Band fortsetzen. Jetzt führen sie auf ihrem fünften Studioalbum das weiter, was The War On Drugs auf „A Deeper Understanding“ im letzten Jahr begonnen haben: eingängigen, melancholischen 80er Rock!

Aufgenommen in zwei Musikhauptstädten der USA: Seattle, „Quelle“ des Grunge und in der Country-Hochburg Nashville, haben sie sich mit Phil Ek (u.a. Fleet Foxes), Peter Katis (u.a. The National) und Sean Sullivan (u.a. Sturgil Simpson), erfahrene Produzenten an die Seite geholt. Auf dieser Platte entfernen sich die Virginia-Boys deutlich von den früheren Americana-Rock Klängen und flirten mit entspanntem Indie/Alternative Rock bis hin zu sphärischem Dream Pop und Ambient.

Sie selbst beschreiben den neuen Sound als Cinematic-Rock. Vergleichbar sind hier z.B. The Shins oder auch das aktuelle Jonathan Wilson (nicht verwandt mit den Bandmitgliedern!) Album „Rare Birds“.

Mittlerweile sind sie aus ihrer unbekümmerten Jugendphase rausgewachsen und legen ein reifes Werk vor, wie auch James Wilson anmerkt: „Wir hatten alle die Unschuld der Jugend verloren, jeder auf seine Weise, und in vielerlei Hinsicht ist diese Unschuld ein essentieller Teil davon, überhaupt in einer Band zu sein. Zu viel Realität ist der Tod für eine bestimmte Art der Kunst – besonders für Rockmusik.

Sie braucht eine gewisse infantile Grandiosität, den Mut zu ihren Illusionen und Träumen. Deshalb lieben wir sie ja so, und deshalb wird es immer schwieriger lebendige Musik zu schreiben, wenn man älter wird und die fiesen Nichtigkeiten des Alltags dir immer mehr den Blick versperren.“ Diese Lebenserfahrung mit leidenschaftlicher Begeisterung in ihren Songs zu verarbeiten, haben Sons Of Bill durchgehalten.

Der bittersüße Opener „Sweeter, Sadder, Farther Away“, das wunderschöne Duett „Easier“ mit der US-Amerikanischen Sängerin Molly Pardon oder das spärlich ausgestaltete „Old And Gray“, verdeutlichen diesen „Imagewandel“. Mit „Believer/Pretender“ gelingt der Band um die drei Wilson-Brüder, Bassist Seth Green und Drummer Todd Wellons eines der Lieder des Jahres, das durch seinen eindringlichen und anziehend-hypnotischen Rhythmus in jedem Jahrespoll einen Platz verdient hätte. Es sind die sehnsüchtigen Töne, die sie in „Firebird ʹ85“ oder „Where We Stand“ anschlagen und die den Longplayer so zu einem Hörerlebnis machen.

Nach dem starken Americana-Album „Love & Logic“ kommt mit Oh „God Maʹam“ ein gleichwertiger Nachfolger, voller Ideenreichtum. Der Stilwechsel vom unbeschwerten Heartland-Country-/Roots-Rock zu tiefgründigen Songs wurde perfekt gemeistert. So können die Sons Of Bill gerne weitermachen!

Loose Music (2018)
Stil: Alternative Rock

01. Sweeter, Sadder, Farther Away
02. Firebird ʹ85
03. Believer/Pretender
04. Easier (feat. Molly Pardon)
05. Where We Stand
06. Good Mourning (They Canʹt Break You Now)
07. Before The Fall
08. Green To Blue
09. Old and Gray
10. Signal Fade

Sons Of Bill
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Captain Ivory- 22.06.2018, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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Am Tag der Mittsommerwende machten Captain Ivory Stop in der Kulturrampe in Krefeld. Im Gepäck hatten sie ihre neue, bisher nur auf der Tour erhältliche Platte „Hang Fire“, ihr mittlerweile drittes Werk. Um kurz nach Neun sagte Pille Peerlings, wie gewohnt, in der nun doch recht gut gefüllten Rampe, das Quartett aus Nashville an, das dann direkt mit dem Titelsong loslegte.

Die Vier starteten leicht psychedelisch, soulig, dazu mit Blueselementen, wobei das kraftvolle Gitarrenspiel von Jayson Traver und Robbie Bolog zunächst im Vordergrund stand und Bolog mit seinen energiegeladenen Soli begeistern konnte. Traver, der Fronter, war, neben dem Gesang, überwiegend für den Rhythmus zuständig, konnte jedoch aber auch sporadisch in den Soloparts, sein spielerisches Können unter Beweis stellen. Gesangstechnisch zeigte Jayson während des Konzertes alle Facetten: Von ruhig, fast melancholisch, bis hin zu kraftvollem, dem Blues verwandten, kehligen Gesang.

In manchen Passagen war auch eine gewisse Nähe zu den befreundeten Delta Saints zu erkennen, wobei Captain Ivory eine Spur härter rockend daherkommt. Neben den beiden genannten Protagonisten, seien aber auch Brett Smith am Bass und Russ Sternglass, der den eigentlichen Drummer Seth Maschari auf der Europatour ersetzt, zu erwähnen, die eine starke Rhythmusgrundlage bildeten, um so den beiden Gitarrenfreaks, genügend Freiraum für deren Aktionsradius zu geben. Dabei hatten beide auch eingestreute Soloparts, die vom Publikum mit dem verdienten Applaus, mehr als einmal, Anerkennung bekamen.

Traver moderierte schon ab dem ersten Stück, gut gelaunt durch die Stücke, sodass in Kombination mit der Spielfreude des Quartetts, der Funke auf das Krefelder Publikum, schnell übersprang. Es war bei den 15 gespielten Songs (aus allen Alben) keiner dabei, der ins Negative abfiel.

So rockten sich die vier jungen Musiker voller Energie durch Sachen wie u. a. „Curse Or Cure“, „Here You Are“ und „False Remedy“, um schließlich einen richtigen Kracher zu landen.

Der Billy Cobham-Covertrack „Stratus“, ein jazziger Fusion-Song, bei dem alle Musiker mit zum Teil ausladenden Soli das Publikum begeisterten, endete in einem infernalischen Ende, bei dem sich Traver und Bolog an den Gitarren, scheinbar von einem Solo zum nächsten jagten. Die Rampe bebte sprichwörtlich.

Nach dieser wilden Gitarrenschlacht, gab es mit „Six Minutes To Midnight“ von ihrem Debüt, ein, im Vergleich, eher ruhiges Lied, das aus mehrerlei Hinsicht, eines der Highlights des Abends war. Robbie Bolog hatte seine E-Gitarre gegen eine Slideguitar getauscht und es folgte ein Song mit leichtem Countryeinschlag, der vom Stil her, am ehesten dem klassischen ‚Nashville-Sound‘ verbunden war. Er begab sich währenddessen schließlich mitten in das begeisterte Publikum, um von dort weiter zuspielen.

Danach wurde noch einmal richtig Fahrt aufgenommen und nach etwa 100 Minuten schweißtreibenden Rocks, beendete Captain Ivory nach „Feelin‘ Allright“, (einem Titel, der nach dem Gig eindeutig mit ‚Ja‘ beantwortet werden konnte) und „Skinning The Hand“, den Hauptteil unter dem starken Applaus der Fans. Mit „Paper Town“ kam noch eine Zugabe, die sich das begeisterungsfähige Krefelder Publikum auch redlich verdient hatte.

Wie in der Rampe gewohnt, nahmen sich die Musiker nach dem Konzert wieder genügend Zeit zum Smalltalk mit den Fans, die eine großen Abend feiner Livemusik miterlebt hatten. Auch ein großer Dank an Pille und sein Team, für die freundliche Bewirtung und den wieder einmal tollen Sound in der Rampe.

An dieser Stelle sei auch ein Gespräch mit einem Kollegen erwähnt, der auf dem Guns ’n‘ Roses-Event letzte Woche war, das nach seiner Aussage wirklich gelungen war. Wenn man aber gut ausgesteuerte Musik haben will, ist das, was Malte Menzer in der Rampe zaubert, ‚gefühlt‘ eine Kategorie besser, als der Sound in einer Stahl-Beton-Arena mit geschlossenen Dach.

Auch die Nähe zur Band ist ein erheblicher Faktor, welcher immer wieder ein Highlight der ‚kleinen‘ Clubkonzerte ist. Es ist doch etwas anderes, einem Musiker quasi direkt auf die Hände zu schauen, als dies über Videoleinwände zu tun, wobei man die Akteure auf der Bühne von den meisten Plätzen mit bloßem Auge kaum erkennen kann.

Deshalb, wie immer, der Aufruf, die lokalen Liveclubs zu unterstützen, ohne die es viele der jetzt ‚großen‘ Bands niemals gegeben hätte.

Line-up:
Jayson Traver (lead vocals, electric guitar)
Robbie Bolog (electric guitar)
Brett Smith (bass)
Russ Sternglass (drums)

Bilder und Text: Gernot Mangold

Captain Ivory
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Bet Williams – 05.06.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Bet Williams tourt zurzeit sowohl mit Band als auch alleine durch Deutschland. Nur mit Gitarre und ihrer mehrere Oktaven umfassenden Stimme besuchte die gebürtige Amerikanerin das Bluebird Cafe, das gerne als das Wohnzimmer der Kulturrampe bezeichnet wird. In dessen gemütlicher Atmosphäre verzauberte Williams den vollen Raum mit einer Mischung von eigenen Songs und Covern.

Ihre erste CD produzierte Bet Williams in Nashville mit Brad Jones (Jill Sobule, Marshall Crenshaw) und Jim Rooney (John Prine, Nanci Griffith). Weitere Stationen machte sie in Philadelphia, New York und Kalifornien. Sie spielte u. a. zusammen mit Lucinda Williams, Arlo Guthrie, Taj Mahal, Joseph Parsons (US Rails) und Joan Osborne.

Derzeit lebt sie in Berlin und hat gemeinsam mit ihrem Mann John Hodian ein eigenes Label. Auf Epiphany Records brachte sie seit 2002 zwei Studio- und zwei Live-Alben heraus, die mit Band eingespielt wurden.

Auf ihren Alben bewegt sie sich zwischen Progressive Folk, Blues und Rock, wobei sie gelegentlich auch einige Pop-Elemente aufnimmt. In Krefeld stand, wie für ein akustisches Solo-Konzerte von Williams zu erwarten, der Folk im Zentrum. Nach eigener Aussage liebt sie es live zu spielen, und das stellte sie an dem Abend unter Beweis. Obwohl sie gerade eine lange Anreise aus Lyon hinter sich hatte, strotzte Williams vor Energie und Enthusiasmus. Mit „Sugar In The Water” startete sie in das erste Set.

Bei der Auswahl ihrer eigenen Songs konzentrierte sich Williams auf Titel ihres letzten Studioalbums „The 11th Hour“ (2014). So folgten das lockere und eingängige „We Geography“ und „Love Comes Knockin’“ mit hohen Gesangspassagen. Im Gegensatz zu den Versionen auf dem Silberling oder auf dem Live-Mitschnitt der Bet Williams Band (2015) wirkte bei dem Solo-Konzert ihre Stimme noch faszinierender.

Nicht die enorme Range ihrer Stimme, sondern die unglaubliche Varianz von sanft bis kratzig oder von klar und kräftig bis rauchig und zerbrechlich begeisterte das Publikum vollständig. Bet Williams entwirft in ihren Liedern Bilder, die sie mit den Klangfarben ihrer Stimme, die so variationsreich wie die Farben eines Regenbogens sind, modelliert.

Für Abwechslung sorgte zudem die Songauswahl, bei der flott gespielte Stücke und Balladen berücksichtigt wurden. Emotionaler Höhepunkt des ersten Durchgangs war „Oriental Drag“ von Mark Germino, das Williams mit unglaublicher Intensität performte. Der Song rührte meine Frau mit seinem Gänsehaut-Feeling beinahe zu Tränen. Vor der Pause heizte Williams mit dem Klassiker „I Can´t Stand The Rain“ und dem zum Wetter passenden „Super Summer“ ein.

Für die Unterbrechung hatte die Musikerin die nette Idee, eine CD-Verlosung zu initiieren und führte lebhafte Gespräche mit den Besuchern. Nachdem ‚Pille‘ Peerlings, der Hirte der Kulturrampe, mit seiner Kuhglocke das Publikum zum zweiten Set in das Bluebird Cafe zurückgetrieben hatte, legte Williams mit „Come Into My Kitchen“ einen Blues hin, mit dem sie alle direkt wieder in ihren Bann zog.

Im folgenden Teil des Konzerts war Williams ihre eigene Band und setzte ihre äußerst unterhaltsame ‚One-Woman-Show‘ fort. Anstatt Schlagzeug-Begleitung klopfte sie auf die Gitarre und imitierte Bläser oder E-Gitarren-Soli mit ihrer Stimme. Gesanglich holte sie sich Unterstützung beim Publikum, das sehr gekonnt und harmonisch die Vorstellung begleitete.

Die tolle Atmosphäre in der Location gab ihr die Sicherheit, neue Stücke auszuprobieren. Nach einer kleinen Anekdote über ihren pubertierenden Sohn stellte sie „Green Grass“ vor. Einen eingängigen Refrain hat das ebenfalls unveröffentlichte „Miracle Tonight”.

Daneben kamen auch bewährte Cover zu Gehör. Bei „Into The Mystic“ von Van Morrison zeigte Bet Williams wie tief sie singen kann. Für „Sitting On Top Of The World“ von Howlin‘ Wolf wechselte sie die Gitarre, um den Titel sanft und ’stripped down‘ rüber zu bringen. Weitere Facetten ihrer Stimme nutzte sie bei dem samtigen „Thunder And Stone“ oder dem experimentelleren „Falling Away“.

Bei den Besuchern kam „Tripping Down The Road“ und das mitreißende „Yeah Love“ zum Abschluss des Hauptsets sehr gut an. Den langen und tosenden Applaus belohnte die Sängerin mit einer Zugabe. „Redemption Song“ von Bob Marley, bei dem das Publikum nochmal gesanglich glänzte, war ein gefühlvoller Ausklang des Konzerts. Die temperament- und humorvolle Musikerin zeigte sich auch nach dem Konzert sehr kommunikativ und nahm sich viel Zeit für den Plausch mit den Gästen.

Akustische Solo-Auftritte stehen in dem Verdacht, schnell monoton werden zu können. „Pille“ bewies mit der bisherigen Auswahl der Musiker seiner Konzertreihe „Caesars Pallets“ das Gegenteil. Charlie Parr teilte mit dem Publikum intensive Einblicke in eine leidende Seele, Chris Keys lud zum Träumen an die Küste Irlands ein und Bet Williams beeindruckte mit ihrem Gesangsspektrum sowie mit ihrer aufgeschlossenen Persönlichkeit.

So unterschiedlich die Konzerte auch waren, hatten sie doch eins gemeinsam: Langweilig waren sie nicht. Die Akustik-Reihe im Bluebird Cafe macht jetzt Sommerpause, aber danach kann man auf die kommenden Künstler gespannt sein.

Line-Up:
Bet Williams (vocals, guitars)

Bilder und Text: Michael Segets

Bet Williams
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Brent Cobb – Providence Canyon – CD-Review

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Wenn ein Southern Rock-Fan den Namen Cobb hört, assoziert er vermutlich erstmal J.R. Cobb, den einstigen Songwriter und Gitarristen der Atlanta Rhythm Section. Um ihn ist es in den letzten Jahren aber ziemlich still geworden. So sind es mittlerweile eher zwei andere Cobbs, die auf musikalischem Gebiet in der momentanen Zeit für Furore sorgen, und zwar Brent Cobb und sein Cousin Dave.

Letztgenannter macht in Nashville als umtriebiger und gefragter Produzent vieler bekannter Interpreten wie u. a. Jason Isbell, Chris Stapleton, Whiskey Myers, Zac Brown Band, Shooter Jennings u.v.m. einen tollen Job. Was liegt da näher, als auch die Scheiben seines nicht minder talentierteren Cousins Brent zu betreuen?

Der ist ebenfalls längst kein unbeschriebenes Blatt mehr und hat sich in punkto Songwriting für ebenso bekannte Künstler wie  Luke Bryan („Tailgate Blues), Kellie Pickler („Rockaway (The Rockin‘ Chair Song)“), Kenny Chesney („Don’t It“), Miranda Lambert („Sweet By And By“, „Old Shit“), Little Big Town („Pavement Ends“, „Stay All Night“), oder David Nail („Grandpa’s Farm“) hervorgetan. Jetzt verwirklicht er sich mit „Providence Canyon“ zum dritten Male in eigener Sache.

Und was soll man sagen, es ist eine absolute Knaller-Scheibe dabei herausgekommen. Southern-, Roots- und Country Rock- und Americana-Einflüsse nahezu perfekt in harmonischen Einklang gebracht, ein saustarkes Teil!

Während das eröffnende Titelstück noch relativ bedächtig und Steel-getränkt durch die Country-Prärie trabt (könnte aus einer der ganz frühen Outlaws-Scheiben stammen). Das folgende „King of Alabama„, über einen erschossenen Freund, mit schön gurrender Orgel, würde die Band Of Heathens nicht besser hinkriegen. In diesem Song entpuppt sich die auch im weiteren Verlauf der CD fleißig  in den Harmony-Parts mitsingende Kristen Rogers als zweites heißes Eisen im Feuer.

Ziemlich cool, so ein bisschen im Cadillac Three-Stil, geht es mit „Mornin’s Gonna Come“ weiter um dann mit meinem Lieblingslied „Come Home Soon„, einem echten Country-Ohrwurm, fortzufahren. Mit Lorene“ folgt später noch ein ähnlicher Track. Damit ist dann auch der Country-Anteil weitestgehend abgefrühstückt, in den restlichen sechs Tracks dominiert weitestgehend der Southern Rock.

Während  Stücke wie „High In The Country“ („The Whippoorwill“-Flair), das funkig angehauchte „.30-06“ (klingt ein wenig nach „Shakey Ground“ – herrlich trockener Bass, schöne Stratocaster-Töne) und das rootsige „When The Dust Settles“ (wieder BOH-lastig – Slide, HT-Piano) Cobbs kreative Vieleseitigkeit demonstrieren,  dürften das swampige „Sucker For A Good Time“, „If I Don’t See Ya“ (irgendwo zwischen „Call Me The Breeze“ und „I Got The Same Old Blues“ liegend) und das finale „Ain’t A Road Too Long“ die Skynyrd-Fans in Schwärmereien versetzen.

Insgesamt ist Brent Cobbs drittes Werk „Providence Canyon“ eine durchgehend hörenswerte Platte geworden, die wie im Fluge vergeht. Perfektes Zusammenspiel der beiden Cobbs! Dürfte bei uns hierzulande noch als echter Geheimtipp durchlaufen.

Erfreulich zu lesen war kürzlich, dass der Bursche im September für zwei Gigs nach Deutschland kommen wird, unter anderem auch in das schnuckelige Studio 672 in Köln. Wir werden dann natürlich voraussichtlich auch präsent sein und berichten. Bärchen Records freut sich über eure Bestellung.

Low Country Sound/Elektra (2018)
Stil: (Southern) Country Rock

01. Providence Canyon
02. King of Alabama
03. Mornin’s Gonna Come
04. Come Home Soon
05. Sucker For A Good Time
06. High In The Country
07. If I Don’t See Ya
08. .30-06
09. Lorene
10. When The Dust Settles
11. Ain’t A Road Too Long

Brent Cobb
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Bärchen Records

The Delta Saints – 13.05.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Schon einige Tage vor dem Konzert meldete Pille Peerlings, der Betreiber der Kulturrampe, wie schon bei den Konzerten der Vorjahre, ein ausverkauftes Haus. Heute gab es aber neben der vom Krefelder Publikum geschätzten Qualität der Band aus Nashville noch einen anderen Grund für den sehr frühen Run auf die Karten: Die ausgehängten Plakate verkündeten die Farewell Tour an, was für die meisten Fans eher überraschend und mit Wehmut aufgenommen wurde. Hoffnung gab allerdings der Zusatz, dass es ‚for now‘ ist, doch dazu später.

Zeitig gegen 20:30 Uhr betrat die Band nach einer kurzen Vorstellung durch Pille unter tosenden Applaus der rappelvollen Rampe die Bühne, legte mit „Are You“ vom letzten Studioalbum „Monte Vista“ los wie die Feuerwehr und nahm die Zuschauer mit auf eine Reise durch alle Schaffensphasen der Band, wobei das zuvor genannte Album sowie „Bones“ im Mittelpunkt standen. Das folgende „Burning Wheel“ konnte als Synonym für das Tempo und die Spielfreude der fünf Musiker gesehen werden, die zu jedem Zeitpunkt des Konzerts zu sehen und zu spüren war.

Benjamin Ringel moderierte gewohnt humorvoll durch die Songs, glänzte durch klaren facettenreichen Gesang und tobte bei seinem Gitarrenspiel über die für diese Dynamik eigentlich zu kleine Bühne der Kulturrampe. Dylan Fich bearbeitete seine Gitarren, mal slidend, mal fingerpickend, in einer beeindruckenden Art und Weise, mal in sich gekehrt, aber auch extrovertiert rockend. Immer mit einer Mimik, die dem Zuschauer zeigte, mit welcher Freude er dabei war.

Chris Jones hatte die ganze Zeit ein Lächeln im Gesicht, glänzte durch mehrere Bass-Soli voller Energie und stand nebenbei mit Vincent “Footz” Williams an den Drums für eine Rhythmusarbeit, die den Grundstock der voluminösen und sehr komplexen Darbietung der Band legte. Vincent “Footz” Williams saß diesmal eher ungewohnt ganz rechts vorne am Bühnenrand und führte die Band sicher und variantenreich, mal gefühlvoll, langsam und leise, mal abreißend rockend, durch die Show. Last but not least Nate Kremer an den Keys, der den Songs auch außerhalb seiner Soli viel Tiefe verlieh und sich und die Band nach fast jedem Song mit einem ‚Yeah‘ anfeuerte.

Mit „Bones“, „Death Letter Jubilee“, „Heavy Hammer“ und „Sometimes I Worry“ folgten einige Songs aus der eher bluesigen Phase der Band, bevor „Crows“,  „California“ und „Drink It Slow“ einen rockig, psychedelischen Teil des Konzertes einläuteten, der mit dem Pink Floyd-Cover „Breathe“ einen der Höhepunkte des Konzertes erreichte. Das anschließende „Berlin“, mit feinem Keyboard-Intro von Kremer in einer ‚Extended Version‘, stlistisch vergleichbar mit Jethro Tull, verpackt in eine moderne Hülle, war das letzte Stück dieser Phase und die Band präsentierte mit „The Devils Creek“, „Cigarette“, „Moma“ drei ältere Songs, um mit dem Kracher „Butte La Rose“ den letzten Song des Hauptacts hinzulegen.

Durch die direkt einsetzende Zugabevorderungen animiert, verließ die Band die Bühne erst gar nicht, sondern besprach sich nur kurz, wie es weitergehen sollte..
Ben Ringel ging ans Mikro bedankte sich noch einmal für die tolle Stimmung und gab dem Publikum die Wahl für noch zwei folgende Zugaben. Da es zu keinen eindeutigen Wortmeldungen kam, gab es zunächst eine rockende Version des Beatles Klassikers „Come Together“ mit einem furiosen, psychedelischen Zwischenpart, wo sich insbesondere Dylan Fitch an der Lead Guitar und Nate Kremer an den Keys hervor taten, um danach wieder nahtlos in den bekannten Rhythmus des Songs zu gelangen.

Der Rausschmeißer, eine hart rockende Version von „A Bird Called Angola“ wurde eingeleitet von einem kurzen Vincent “Footz” Williams-Drum-Solo, ehe der Rest der Band in den Song einstieg.

Knapp 100 Minuten abwechselungsreicher Musik waren wie im Flug vergangen und The Delta Saints sagten Krefeld würdevoll ‚Tschüß‘ oder vielleicht auf Wiedersehen? Wenn man die Spielfreude und die sichtliche Harmonie der fünf recht jungen Musiker an diesem Abend sah, kam es einem fast unwirklich vor, dass diese Tour, das Ende der Zusammenarbeit mit sich bringen soll.

Wie gewohnt nahmen sich alle Bandmitglieder die Zeit, in der Kneipe Autogrammwünschen nachzukommen oder Smalltalk mit den Fans zu halten. Dabei war heraus zu hören, dass es sich bei der Farewell Tour nicht um eine endgültige Auflösung der Band handelt, sondern es sehr gut möglich ist, in verschiedensten Projekten, an denen die Musiker arbeiten werden, wieder neue Kraft und Inspiration zu gewinnen, um gemeinsam mit den Delta Saints neue/alte Pfade einzuschlagen. Man darf gespannt sein, ob es irgendwann zu einer Reunion kommen wird und/oder, wie sich die Burschen in eigener Sache oder als Mitglieder anderer Bands entwickeln werden.

Wer noch die Möglichkeit hat, eines der Konzerte der restlichen Tour zu besuchen, dem sei dies angeraten. Es erwartet einen hochwertige, rockende Musik verschiedenster Einschläge, von absolut motivierten Musikern. Ebenso ist die in diesem Jahr erschienene Live-Scheibe von der 2017er-Tour, aufgenommen in Brüssel, zu empfehlen. Rock on Delta Saints! Vielen Dank an Pille und sein Team.

Line-up:
Ben Ringel (lead vocals, guitars, percussion)
Dylan Fitch (electric guitar)
Chris Jones (bass)
Vincent “Footz” Williams (drums)
Nate Kremer (keys, percussion)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Kulturrampe Krefeld

Kacey Musgraves – Golden Hour – CD-Review

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Aufbruch zu neuen Ufern bei Kacey Musgraves! Mit dem Labelwechsel zu MCA und dem Austausch des ihr assistierenden Produzententeams in persona der beiden Multiinstrumentalisten  Ian Fitchuk und Daniel Tashian, hat die texanische Grammy-Preisträgerin mit ihrem neuen Album „Golden Hour“ auch einen deutlich spürbaren Schwenk vom überwiegend Country-Traditionalistischem in etwas poppigere Gefilde vollzogen.

Dass es dabei im Lager der Puristen des Genres mal wieder entsetzte Aufschreie geben wird, ist damit eigentlich schon vorprogrammiert gewesen. Für mich  persönlich steht da eher eher die Art und Weise im Vordergund, wie man einen solchen Wandel einleitet.

Im Gegensatz zu einigen Kolleginnen und Kollegen, geschieht dies in Kaceys Fall, meiner Ansicht nach,  nicht in offensichtlich anbiedernder, monetär bestimmter Weise, sondern wird hier recht stilvoll, ‚leise‘ und unaufdringlich bewerkstelligt.

Fitchuk und Tashian ist es brillant gelungen, den ‚moderneren‘ Komponenten wie Loops, Vocoder, Synthies, mit prägnantem Banjo, Akustik-, E- und Steel-Gitarren (hier sind besonders die Könner wie Puss Pahl, Justin Schipper und Dan Dugmore zu erwähnen) ein schlagkräftiges Countrygewicht entgegenzubringen, sodass im Prinzip ein ‚Gesichtsverlust‘ in deutlicher Form vermieden wird.

Auf „Golden Hour“ haben wir es hier eher mit einer smoothen, als auch relaxten, teils voller Melancholie reflektierenden Laidback-Variante des Genres zu tun, die im En-Gros der Tracks wie u. a. dem herrlichen, schlafwandlerischen „Slow Burn“ (die Akustikgitarre erinnert dezent an Neil Youngs „Old Man“), „Lonely Weekend“, „Butterflies“, und „Space Cowboy“ (Eigenkomposition, nicht der der Steve Miller Band-Song) zum Ausdruck kommt.

Die eher poppigen Sachen wie „Oh, What A World“, „Happy & Sad“ oder das hitverdächtige „Velvet Elvis“ (fast ELO-verdächtiges Intro) bleiben aufgrund der tollen Instrumentierung und ihres überaus markanten Gesangs trotzdem im Toleranzbereich.

„Love Is A Wild Thing“ mit seinem Fleetwood Mac-Flair, das folkig, 70ies-umgarnte Titelstück „Golden Hour“ und die Piano-betonten Balladen „Mother“ (laut Credits in nur einer Viertelstunde geschrieben und komponiert, hier ganz im kreativen Gegensatz zu Akademikerkreisen, wo diese Zeitspanne ja vorwiegend als Entschuldigung für Verspätungen genutzt wird…) sowie „Rainbow“ als Abschluss des Werkes, bilden ein Brücke irgendwo dazwischen.

Fazit: Kacey Musgraves ist mit „Golden Hour“ ein klug eingefädelter und umgesetzter Spagat zwischen arriviertem Nashville-Stoff und stilvoller Popmusik gelungen, der eine deutlich erweiterte Klientel ansprechen wird. Geht für mich so in Richtung einer ‚Stevie Nicks des (New) Country‘.  Absolut gelungen!

MCA Records (2018)
Stil: New Country

01. Slow Burn
02. Lonely Weekend
03. Butterflies
04. Oh, What A World
05. Mother
06. Love Is A Wild Thing
07. Space Cowboy
08. Happy & Sad
09. Velvet Elvis
10. Wonder Woman
11. High Horse
12. Golden Hour
13. Rainbow

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