Jason Isbell And The 400 Unit – Georgia Blue – CD-Review

Review: Michael Segets

Jason Isbell And The 400 Unit geben mit dem Titel „Georgia Blue” ein politisches Statement ab, ohne dass sich die Songs um Politik drehen würden. Aus Freude vor dem knappen Wahlsieg der Demokraten – deren Farbe Blau ist – in Georgia nahm Isbell ein musikalisches Projekt in Angriff, das ihn schon längere Zeit umtrieb. Obwohl Isbell in Alabama geboren wurde und in Tennessee lebt, steht ihm die Musik aus Georgia besonders nah. Auf dem Coveralbum würdigen er und seine Band Künstler unterschiedlicher Couleur, die in dem Bundesstaat beheimatet sind beziehungsweise waren. Herausgekommen ist ein Potpourrie unterschiedlicher musikalischer Stile, das durch die Vielzahl an Gastmusikerinnen, die den Leadgesang übernehmen, zusätzlich an Farbe gewinnt.

Jason Isbell And The 400 Unit bestreiten lediglich fünf Songs ohne weitere Unterstützung. Die Stücke „I’ve Been Loving You Too Long” von Soul-Legende Otis Redding, „Reverse” von der weniger bekannten Indie-Band Now It’s Overhead und „I’m Through”, das Vic Chestnutt geschrieben hat, präsentieren sie in der üblichen Rollenverteilung. Isbells Ehefrau Amanda Shires übernimmt beim psychodelisch angehauchten „Cross Bones Style“ den Gesang, Gitarrist Sadler Vaden steht bei dem kräftig rockenden „Honeysuckle Blue“ im Rampenlicht.

Der Song, der im Original von Drivin‘ N‘ Cryin‘ stammt, stellt neben dem Black-Crowes-Cover „Sometimes Salvation“ meinen Favorit auf dem Album dar. Die Version des Klassikers von James Browne „It’s A Man’s, Man’s, Man’s World“ kann zusätzlich auf der Habenseite verbucht werden. Ebenso wie bei „Midnight Train To Georgia” ist Brittney Spencer dort am Mikro. Neben Spencer wurden drei weitere Gastsängerinnen für das Georgia-Tribute-Werk gewonnen: Adia Victoria („The Truth“), Brandi Carlile und Julien Baker („Kid Fears“).

Jason Isbell And The 400 Unit berücksichtigen in ihrer Auswahl The Allman Brothers Band und – mit zwei Titeln vertreten – R.E.M. Beim über zwölfminütigen Instrumentalstück „In Memory Of Elizabeth Reed“ wirkt Peter Levin, der eher in der Jazz-Ecke angesiedelte Keyboarder, mit. Die R.E.M.-Stücke bilden den Auftakt und Abschluss des Longplayers. Mit „Nightswimming” steigt er ruhig und akustisch ein. Das flottere „Driver 8” sorgt für seinen gelungenen Ausklang.

Die persönliche Auswahl der Cover auf „Georgia Blue“ zeigt zum einen die Vielfalt der musikalischen Einflüsse, die Jason Isbell And The 400 Unit inspirieren. Es sind Blues, Soul und diverse Spielarten des Rock – von Indie bis Southern – vertreten. Auf der anderen Seite ist das Konzept so offen, dass der Longplayer droht, seine Linie zu verlieren. Unterstützt wird dieser Eindruck durch den wechselnden Leadgesang. Insgesamt erscheint er daher eher als eine Compilation zur Abbildung der Musikszene Georgias als ein Isbell-Album. Aber bei dem angebotenen musikalischen Spektrum wird fast jede Geschmacksrichtung gelegentlich bedient und vielleicht gewinnen Jason Isbell And The 400 Unit so neue Hörer hinzu.

Eine neue Veröffentlichungspolitik einiger Labels, die seit diesem Jahr verstärkt zu beobachten ist, verwundert. Die Herausgabe als CD und/oder LP erfolgt in mehreren Fällen deutlich später als die in digitaler Form. So sind die Hardcopies für „Georgia Blue“ erst für den 26.11.2021 angekündigt. Positiv zu verzeichnen ist hingegen, dass die Erlöse von „Georgia Blue“ an Black Voters Matter, Georgia Stand Up und Fair Fight gehen.

Southeastern Records – Thirty Tigers/Membran (2021)
Stil: Rock and more

Tracks:
01. Nightswimming (feat. Bèla Fleck and Chris Thile)
02. Honeysuckle Blue (feat. Sadler Vaden)
03. It’s A Man’s, Man’s, Man’s World (feat. Brittney Spencer)
04. Cross Bones Style (feat. Amanda Shires)
05. The Truth (feat. Adia Victoria)
06. I’ve Been Loving You Too Long
07. Sometimes Salvation (feat. Steve Gorman)
08. Kid Fears (feat. Brandi Carlile and Julien Baker)
09. Reverse
10. Midnight Train To Georgia (feat. Brittney Spencer and John Paul White)
11. In Memory Of Elizabeth Reed (feat. Peter Levin)
12. I’m Through
13. Driver 8 (feat. John Paul White)

Jason Isbell
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Thirty Tigers
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Old Dominion – Time, Tequila & Therapy – CD-Review

Zwei Jahre nach ihrem großartigen, nach sich selbst betitelten dritten Album (zu der Zeit hatten wir auch in Köln das Vergnügen, sie live zu erleben) sind Old Dominion zurück mit neuem Stoff. „Time, Tequila & Therapy“ heißt das neue Werk und knüpft in seiner Art an die bewährten Erfolgsrezepte der Vergangenheit an. Trotzdem verlief die Corona-Zeit alles andere als gut für das in allen Belangen hochprämierte Quintett, wenn man den Worten von Sänger Matthew Ramsey Glauben schenkt. Ja, das Fortbestehen soll sogar auf dem Spiel gestanden haben. Vor allem die monatelange physische Trennung hatte der Band wohl hart zu schaffen gemacht.

Die Lösung fand man im Song “Make It Sweet” des Vorgängerwerkes. Der wurde erstmalig direkt im Studio geschrieben und direkt danach aufgenommen. So entschied man sich, zusammen mit ihren beiden Produzenten und Co-Writern Shane McAnally und Josh Osbourne, in Ashville, North Carolina, in ein Studio einzumieten und das Schreiben und Aufnehmen dem spontanen dortigen Lauf der Dinge unterzuordnen. Morgens aufstehen, einen Song im ganzen Team ohne jegliche Vorbehalte kreieren, nachmittags dann einspielen und aufnehmen, so der Plan.

Und es hat funktioniert! Leadsänger Matthew Ramsey, Multiinstrumentalist Trevor Rosen, Gitarrist Brad Tursi, Bassist Geoff Sprung und Drummer Whit Sellers samt Osbourne und McAnally haben wieder diese wunderschöne Balance gefunden, diese unwiderstehlichen eingängigen Melodien samt guter und humorvoller Texte, mit der sanft-rauen Stimme Ramseys, vielen Band-Harmoniegesängen und einer fein akzentuierten Instrumentalisierung perfekt in Einklang zu bringen, der man sich einfach nicht entziehen kann.

Rosens Tastenspiel (Piano, Synthie, E-Piano, Orgel), teilweise mit herrlichem Akkordeon (beim Veranda-mäßigen „I Was On A Boat That Day“ und „Ain’t Nothing Wrong With Love“), Tursis E-Kurzgitarreneinlagen (manchmal auch Southern-gefärbt wie bei „I Wanna Live In A House With You Forever“ oder „Ain’t Nothing Wrong With Love“, lässig-stonesk bei „Drinking My Feelings“), klare Akustikgitarren, hier und da etwas Mandoline (klasse beim karibisch-sommerlichen „Hawaii“, „No Hard Feelings“), Dobro (bei „I Was On A Boat That Day“), mal eingestreutes Slide („I Wanna Live In A House With You Forever“) und vor allem diese oft integrierten, gut-gelaunten Harmoniegesänge aller Beteiligten, sprechen eindeutig dafür, dass in Ashville die Chemie bestens gestimmt hat.

Grandios der atmosphärisch groovende Ohrwurm „Walk On Whiskey“ (Fleetwood Mac-Note) als auch das Motown-umwehte „Lonely Side Of Town“, bei der die in Ashville lebende und kurzfristig ins Studio eigeladene Soul-Ikone Gladys Knight neben Ramsey zu vokaler Höchstform aufläuft, als auch die leicht folkig-angehauchten Gute-Launenummern „I Was On A Boat That Day“und „I Wanna Live In A House With You Forever“.

Old Dominion haben mit der Entscheidung, sich für Wochen komplett in ein Studio zurückzuziehen und die dort entstehende kreativen Kräfte walten zu lassen, alles richtig gemacht. Die Band wirkt auf „Time, Tequila & Therapy“ geschlossen wie nie, das entstandene Songmaterial ist frisch und flockiger denn je. Am Ende hinterlässt man sogar die Hypothese, dass viel Tequila zu absolut günstigen Therapieergebnissen beitragen kann. Medizin-Nobelpreis-verdächtig!

RCA Records Nashville/Sony Music(2021)
Stil: New Country

01. Why Are You Still Here
02. Hawaii
03. Walk On Whiskey
04. All I Know About Girls
05. Blue Jeans
06. No Hard Feelings
07. Lonely Side of Town (feat. Gladys Knight)
08. I Was On A Boat That Day
09. Drinking My Feelings
10. Something’s The Same About You
11. I Wanna Live In A House With You Forever
12. Don’t Forget Me
13. Ain’t Nothing Wrong With Love

Old Dominion
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Sony Music

The Georgia Thunderbolts – Can We Get A Witness – CD-Review

Review: Michael Segets

Das in Eigenregie produzierte Debütalbum katapultierte The Georgia Thunderbolts auf den Spitzenplatz der Newcomer 2019 in Daniels Jahresrückblick. Da man in Sachen Southern Rock blind auf das Urteil des SoS-Chefs vertrauen kann, ist das schon eine Empfehlung. Ob Ron Burman, Leiter der Mascot Label Group in Nordamerika, die begeisterte Rezension von Daniel gelesen hat, ist nicht überliefert. Nach einem Liveauftritt der Band nahm er sie allerdings sofort unter Vertrag.

Auf dem neuen Label starteten The Georgia Thunderbolts vor einem Jahr mit einer selbstbetitelten EP, die lediglich digital publiziert wurde. Neben drei wiederveröffentlichten Stücken des ersten Longplayers waren mit „So You Wanna Change The World“, das Vergleiche mit Lynyrd Skynyrd, Blackberry Smoke, Johnny Van Zant und auch 38 Special zulässt, sowie „Spirit Of A Working Man“, das zu meinen Favoriten zählt, zwei neue Tracks vertreten. Die Tracks der EP finden allesamt auf „Can We Get A Witness”.

Innerhalb der letzten zwei Jahre werden so „Lend A Hand“, „Looking For An Old Friend“ sowie „Set Me Free“ zum dritten Mal auf den Markt geworfen. Von dem Debüt finden sich vier weitere Stücke auf dem aktuellen Longplayer, sodass dort letztlich nur ebenso viele Song als neu zu bezeichnen sind. Eine EP hätte es also auch getan. Wenn man hingegen bestrebt gewesen wäre, den gesamten bisherigen Output der Band nochmal vorzustellen, weil die erste CD mittlerweile nicht mehr lieferbar ist, hätten die noch fehlenden Songs des Erstlingswerks von der Spielzeit noch Platz auf dem Silberling gefunden. In der vorliegenden Form erschließt sich die Veröffentlichungspolitik nicht ganz.

Lässt diese also Fragen offen, stellen sich keine im Hinblick auf die Qualität der neuen Songs. Beim Opener „Take It Slow“ legen sich The Georgia Thunderbolts mit Mundharmonikaeinstieg, kräftigem Rhythmus und härten Gitarren wieder mächtig ins Zeug. In die gleiche Kerbe schlagen die anderen neuen Tracks. Wobei „Walk Tall Man“ geschickt einen Spannungsbogen aufbaut, inklusive Gitarrensolo und ungeahnten stimmlichen Höhen des Frontmanns T. J. Lyle. Durch den mehrstimmigen Gesang auf „Midnight Rider“ hebt sich der Song von den anderen ab. Wild aufspielende Mundharmonika und ein akzentuierter Rhythmus, für den Zach Everett am Bass und Bristol Perry am Schlagzeug zuständig sind, zeichnen „Half Glass Woman“ aus. Bei allen Stücken ergänzen sich die beiden Gitarristen Riley Couzzourt und Logan Tolbert, sodass durchgehend ein voller Soundteppich entsteht.

Mit den vier neuen Songs untermauert das Quintett aus Rome in Georgia ihren Ruf als aufstrebende Band in Sachen Southern Rock. Für die Fans der ersten Stunde mag die Wiederverwertung bereits veröffentlichter Titel einen faden Beigeschmack haben. Für alle anderen stellt „Can We Get A Witness” von The Georgia Thunderbolts sowieso einen Pflichtkauf dar.

Mascot Label Group (2021)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Take It Slow
02. Lend A Hand
03. So You Wanna Change The World
04. Looking For An Old Friend
05. Spirit Of A Workin‘ Man
06. Midnight Rider
07. Be Good To Yourself
08. Half Glass Woman
09. Dancing With The Devil
10. Can I Get A Witness
11. Walk Tall Man
12. It’s Alright
13. Set Me Free

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Carl Verheyen – 06.10.2021, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Carl Verheyen trat mit einer exquisiten Band im Musiktheater Piano auf. Enttäuschend war an diesem Abend der Besuch, gerade einmal knapp 50 Musikfreunde hatten sich eingefunden. Wenn man bedenkt, dass mit Verheyen, langjähriger Gitarrist von Supertramp, Chad Wackerman, der in den 80er Jahren Drummer in der Frank Zappa Band war, und Alphonso Johnson, der unter anderem bei Weather Report von 1985–1992 für die tiefen Töne sorgte, in seiner Band hatte, ist dies umso schwerer zu verstehen. Diejenigen, die den Weg ins Piano gefunden hatten, brauchten ihr Kommen auf jedem Fall nicht zu bereuen.

Ab 19:45 Uhr verkürzte der aus der Nähe von Washington, DC, stammende, aber schon seit Jahren im Allgäu lebende Jeff Aug mit seinem etwa 30-minütigen Auftritt die Wartezeit, indem er seine Künste nur instrumental an der Akustikgitarre bewies und mit seinen Songs die Besucher zuweilen in Traumwelten abgleiten ließ. Sein Statement und der Dank an die Anwesenden, aber auch die Veranstalter von 3Dog Entertainment und das Musiktheater Piano sprach für sich, dass ohne die Genannten keine Clubkultur möglich ist.

Nach einer kurzen Umbaupause betrat dann Carl Verheyen mit seiner Band unter großem Applaus die Bühne. Es folgte ein Auftritt, in welchem Verheyen neben Songs wie „Sundial“, „Clawhammer Man“, und „Kaningie“ (mit feinem Drumsolo von Wackerman vom aktuellen Album „Sundial“) zum Großteil eigene Stücke präsentierte und dabei bis ins Jahr 1988 zurückgriff und beim „Highland Shuffle“ einem verträumten Instrumental vom Album „No Borders“ seine Virtuosität unter Beweis stellte und mit zwei furiosen Soli die Besucher wieder aus ihren Träumen riss.

Mit dem bluesigen „Dragonfly“ stellte er einen Song fürs kommende Album auf den Prüfstand, welcher der Resonanz entsprechend, den Test wohl bestanden hat. Zum Ende des Konzertes streute Verheyen auch noch drei stark vorgetragene Coverversionen ein. Zunächst Dylans „My Backpages“ und in den beiden Zugaben den B.B. King-Song „After a While You’ll Be Sorry“, den er alleine vortrug, bevor seine Mitstreiter zum abschließenden „Angel“ von Jimmy Hendrix (dessen riesiges Portrait auf der linken Bühnenseite vermutlich mit Genuss zuschaute), wieder dazu stießen, um dem Konzert einen würdigen Abschluss gaben.

Als Fazit kann gesagt werden, dass ein trotz der geringen Resonanz ein gut gelaunter Carl Verheyen den Besuchern einen schönen und eindrucksvollen Konzertabend geboten hat und er danach den Fans noch zum Smalltalk vor der Bühne bereitstand. Sein filigranes aber auch rasantes Spiel an der Gitarre hatte dabei natürlich eine klasse Rhythmusgrundlage, wo Chad Wackerman zeigte, warum Zappa ihn in seine Band geholt hatte und Alphonso Johnson bewies, weshalb neben den beiden anfangs genannten Bands, auch ein Musiker wie David Gilmour ihn in seine Tourband aufnahm.

Wackerman setzte trotz der spielerischen Dynamik die Drums so akzentuiert ein, dass die Songs nicht zerschossen wurden und Johnson brachte einige jazzige und auch funkige Noten in die Stücke. Etwas skurril war, dass beide eine Maske trugen, was nach der derzeitigen Verordnung nicht mehr notwendig ist.

Zum Abschluss noch ein Gedanke zu der eher traurigen Besucherzahl an diesem Abend, im Angesicht der Qualität der Musiker. Über Monate wurde demonstriert, wurde gefordert, dass die Politik etwas für die Kultur machen muss. Jetzt sind seit einigen Wochen die Regelungen so, dass wieder in Clubs Konzerte stattfinden dürfen. Eigentlich wäre eher zu erwarten gewesen, dass die nach Kultur lechzenden Musikfans die Veranstalter unterstützen und gerade die kleineren Clubs besuchen, die ein erhebliches finanzielles Risiko eingehen, solche hochwertigen Bands zu buchen.

Wenn jetzt Veranstalter oder Clubs finanzielle Einbußen machen, liegt dies mit Sicherheit nicht an der Politik, sondern daran, dass, aus welchem Grund auch immer, Konzerte nicht entsprechend besucht werden. Jetzt liegt es an den Musikfans, dafür zu sorgen, dass die lokalen Clubs weiter bestehen können und das geht nur mit der Unterstützung der Fans. Deshalb die Bitte auf die Veranstaltungshinweise der Clubs zu schauen und diese dann auch entsprechend zu frequentieren. Schon am nächsten Wochenende geht es im Piano mit Yasi Hofer und Ezio weiter, wo ein Besuch in jedem Fall lohnend ist.

Line-up:
Carl Verheyen – vocals, guitar
Alphonso Johnson – bass
Chad Wackerman – drums

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

Carl Verheyen
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Jeff Aug
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Lucinda Williams – Bob’s Back Pages: A Night With Bob Dylan Songs – CD-Review

Review: Michael Segets

Lucinda Williams setzt ihr Projekt Lu’s Jukebox mit der zeitgleichen Veröffentlichung von zwei Alben fort: „Bob’s Back Pages: A Night With Bob Dylan Songs“ und „Funny How Time Slips Away: A Night Of 60’s Country Classics”. Nach Tom Petty widmet Williams nun also Bob Dylan einen Platz in ihrer Coverreihe.

Der Nobelpreisträger feierte dieses Jahr seinen achtzigsten Geburtstag. Da liegt eine musikalische Würdigung nahe. Chrissie Hynde machte bereits einen Aufschlag und Williams folgt nun, wobei die Aufnahmen des Albums aus dem letzten Jahr stammen. Tribute-Alben für Bob Dylan stellen keine Seltenheit dar. Joan Osborne und Willie Nile kommen mir spontan in den Sinn, die seine Songs in eigenen Versionen einspielten. Die Besonderheit von dem Werk, das nun Williams vorlegt, besteht in der Songauswahl: Von Dylans bekanntesten Stücken ist keines von ihr berücksichtigt. Der Titel „Bob’s Back Pages“ deutet ja bereits darauf hin, dass eben nicht seine Hits in neues Licht gerückt werden.

Williams nimmt sich in erster Linie fünf Alben des Großmeisters vor, von denen sie fast vergessene Titel interpretiert. Dabei berücksichtigt sie seine Werke von den 1960ern bis in die 1990er. Von dem Klassiker „Highway 61 Revisited“ (1965) stammen „It Takes A Lot To Laugh, It Takes A Train To Cry” sowie „Queen Jane Approximately“. Die siebziger Jahre sind mit „Idiot Wind” und „ Meet Me In The Morning“ vertreten – beide auf „Blood On The Tracks“ (1975) erschienen.

„Man Of Peace“ findet sich im Original auf „Infidels“ (1983), meiner Lieblingsscheibe von Dylan. Desweiteren pickt sich Williams noch Songs von „Oh Mercy“ („Everything Is Broken“, „Political World“) sowie „Time Out Of Mind“ („Not Dark Yet”, „Make You Feel My Love“) heraus. Schließlich rundet „Tryin‘ To Get To Heaven“, das auch von Joan Osborne gecovert wurde, den Longplayer ab.

Die Facetten von Williams Gesang, die Eigenwilligkeit ihrer Stimme und den Mut auch mal nölig oder kratzig zu klingen, mag ich sowieso. Bei ihrer Interpretation der Songs von Dylan passt das natürlich hervorragend. Williams verändert das Material in Richtung Blues oder Rock so weit, dass sich die Stücke nicht mehr spontan als Dylan-Titel identifizieren lassen. Durch die Selektion eher selten gehörter Songs wird der Eindruck verstärkt, etwas Neues zu hören.

Lucinda Williams verweigert sich durch die ungewöhnliche Songauswahl auf „Bob’s Back Pages: A Night With Bob Dylan Songs” konsequent dem Mainstream. Sie greift Titel auf, die im Schatten seiner Hits stehen. Mit ihrer Band im Rücken modifiziert sie die Vorlagen in Richtung Blues oder Rock, sodass sie mehr nach einem Williams-Original als nach Bob Dylan klingen. Mit dem Blick durch die Brille von Williams auf die eher unbekannte Seite von Bob Dylan entsteht ein außergewöhnliches Tribute-Album.

Highway 20 – Thirty Tigers/Membran (2021)
Stil: Rock, Blues and more

Tracks:
01. It Takes A Lot To Laugh, It Takes A Train To Cry
02. Everything Is Broken
03. Political World
04. Man Of Peace
05. Not Dark Yet
06. Meet Me In The Morning
07. Blind Willie Mctell
08. Tryin‘ To Get To Heaven
09. Queen Jane Approximately
10. Idiot Wind
11. Make You Feel My Love

Lucinda Williams
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Lucinda Williams – Funny How Time Slips Away: A Night Of 60’s Country Classics – CD-Review

Review: Michael Segets

Die vierte Folge von Lucinda Williams Cover-Projekt Lu’s Jukebox „Funny How Time Slips Away: A Night Of 60’s Country Classics” erscheint gleichzeitig mit der dritten „Bob’s Back Pages: A Night With Bob Dylan Songs“. Wie schon „Southern Soul: From Memphis To Muscle Shoals & More” richtet Williams das neue Album wieder thematisch und nicht an einem Songschreiber aus.

Williams gräbt tief in den Annalen der Country-Geschichte der 1960er Jahre. Herausgekommen ist eine Zusammenstellung, die sich an hartgesottene Liebhaber des Countrys traditioneller Machart wendet. Zwar nimmt die Stimme von Williams den Songs etwas an Süße, aber insgesamt prägt schmachtender Slide der Steel Pedal den Longplayer. „Take Time For The Tears“ ist eine Eigenkomposition, die dessen atmosphärische Ausrichtung ganz gut beschreibt.

Viele Musiker und Songs, auf die Williams zurückgreift, sind heute weitgehend in Vergessenheit geraten, wenn man kein Faible für den historische Country hat. Mit Tammy Wynette („Apartment #9“), Buck Owens („Together Again“), John Hartfold („Gentle On My Mind”) oder Carl Butler („Don’t Let Me Cross Over“) hatte ich bislang keine Berührungspunkte. Anders sieht es natürlich mit Willie Nelson aus, dessen Stück „Night Life Dig” aus dem Jahr 1960 allerdings ebenfalls vor meiner musikinteressierten Zeit lag.

Zwei Songs der Scheibe wurden auch von Elvis Presley gesungen: „Long Black Limosine“ und „Funny How Time Slips Away“. Sie stammen von Merle Haggard beziehungsweise Billy Walker. Als einziger Songwriter ist Hank Cochran mit zwei Titel vertreten („Make The World Go Away“, I Want To Go With You“). Zwischen den in der Machart sehr ähnlichen Titeln finden sich „First City“ von Loretta Lynn und der oftmals gecoverte Klassiker „I’m Movin‘ On“ von Hank Snow, die nicht nur durch ihr Uptempo herausstechen. Der kratzige, in einzelnen Passagen frech rotzige Gesang von Williams bringt frischen Wind auf die sonst eher gleichförmige Scheibe.

Der vierte Beitrag „Funny How Time Slips Away: A Night Of 60’s Country Classics” in Lucinda Williams Jukebox-Serie fällt gegenüber den bisherigen Alben der Reihe etwas ab. Dies liegt zum einen daran, dass sich die ausgewählten Originale bereits an eine spezielle Fangemeinde richten, zum anderen zeigen die Interpretationen im Gegensatz zu denen auf den vorherigen Werken eine geringere musikalische Variationsbreite. Dennoch reißt Williams mit ihrem Gesang einzelne Titel heraus.

Highway 20 – Thirty Tigers/Membran (2021)
Stil: Country

Tracks:
01. Apartment #9
02. Together Again
03. Make The World Go Away
04. Night Life Dig
05. Long Black Limosine
06. First City
07. I Want To Go With You
08. Don’t Let Me Cross Over
09. Gentle On My Mind
10. The End Of The World
11. I‘ Movin‘ On
12. Funny How Time Slips Away
13. Take Time For The Tears

Lucinda Williams
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Birth Control – 02.10.2021, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Langsam kommt wieder Leben in die Clubszene, auch wenn die Besucherzahlen zuweilen noch hinter den Erwartungen zurück liegen. Birth Control gelang es an diesem Abend mit 170 Besuchern zumindest dafür zu sorgen, dass das Piano knapp zur Hälfte gefüllt war.

Pünktlich um 20:30 Uhr betraten die Krautrockpioniere die Bühne und es folgten eine etwa 140 minütige Reise durch die über 50-jährige Bandgeschichte, die rein Albumtechnisch sogar bis in die Zukunft ging. Ein stimmlich gut aufgelegter Peter Föller, der nebenbei in den meisten Songs noch Rhythmusgitarre (dazu einige Soli) und auch Percussionakzente setzte, stand neben Leadgitarristen Martin Ettrich auf der Bühne visuell meist im Mittelpunkt.

Die Bühnenbeleuchtung sorgte mit der Positionierung zusätzlicher Lampen, jeweils am Boden hinter Ettrich, Keyboarder Sascha Kühn und Drummer Manni von Bohr stehend, für zuweilen dramaturgische Beleuchtungseffekte, die auch bestens mit dem gut abgemischten Sound inszeniert waren.

Ettrich glänzte mit ausgedehnten psychedelischen Gitarrensoli, wo er zuweilen im Gegenlicht der Scheinwerfer auf einem Nebelmeer zu schweben schien. Unterstützt wurde er oft vom Keyboarder Sascha Kühn, der den voluminösen Sound mit regelrechten Klangteppichen unterlegte.

Bei „Lost In The Sea“ hatte Sascha Kühn seine großen Auftritte und zuweilen fühlte man sich in manchen Passagen an Deep Purples „Perfect Strangers“ erinnert. Klasse Hardrock vermischt mit progressiven Rock. Die starke Rhythmusfraktion mit Manni von Bohr an den Drums und Hannes Vesper am Bass sorgten für eine groovende Grundlage, die es in sich hatte.

Dies wurde besonders deutlich im noch zu veröffentlichenden Stück „I Don`t Mind“, in das zum Ende ein mehrminütiges Drumsolo integriert ist, bei dem von Bohr wie ein Irrwisch über seine gesamte Batterie fegte und dabei zuweilen visuell in einem Gewitter an Lichtblitzen scheinbar über der Bühne zu schweben schien und beim letzten Song des Hauptakts „Gamma Ray“. In der etwa 30-minütigen Version zeigte die Band, wie man mit Rhythmus die Halle zum Beben bringt, um diese dann nach dem letzten Song zu verlassen.

Animiert von den Zugabeforderungen betrat die Band aber schnell wieder die Bühne und zu Ehren des vor etwa fünf Jahren verstorbenen Bandmitgründers Nossi Noske folgte noch das zunächst ruhig balladeske „Live in The Here & Now“, das aber nach etwa fünf Minuten Fahrt aufnahm, um einen gelungenen Konzertabend furios abzuschließen.

Line-up:
Peter Föller – vocals, guitar
Martin ‚Ludi‘ Ettrich – guitar, talkbox
Sascha Kühn – keyboards, organ
Hannes Vesper – bass
Manni von Bohr – drums

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

Birth Control
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

The Wild Feathers – Alvarado – CD-Review

Review: Michael Segets

The Wild Feathers starteten ihre Karriere direkt mit einem Major-Vertrag in der Tasche und tourten bereits mit Bob Dylan und Willie Nelson. Die ersten beiden Longplayer landeten dann fast folgerichtig in diversen amerikanischen Chartlisten. Mittlerweile endete das Engagement bei dem Major-Label. Nach einem solchen Einschnitt stellt sich die Frage, ob das Bandprojekt zu den Akten gelegt, oder ob weiterhin an ihm festgehalten wird. The Wild Feathers haben sich nach der Krise zusammengerauft und machten weiter. Sie empfanden die Lösung von den Bindungen sogar als eine Art Befreiung.

Die Band machte in ihren Anfängen auf mich den Eindruck einer Americana-Boygroup, die souverän eingängige, radiotaugliche Songs mit mehrstimmigen Gesang und leichtem Rockeinschlag produzierte. „Alvarado“ zeigt sie nun etwas gereifter, wobei kein gravierender Bruch zu ihren früheren Veröffentlichungen festzustellen ist. Die meisten Songs bleiben wie der Titeltrack im Midtempo. Auch wenn einzelne Titel etwas gleichförmig erscheinen („Top Of The World“) oder leicht süßlich wirken („Get Out Of My Own Way“), gelingen dem Qunitett aus Nashville einige gute Nummern. „Flashback“ zählt ebenso zu diesen wie die rockigeren „Over The Edge” und „Midway Motel“. Beim letztgenannten beteiligte sich Will Hoge beim Songwriting.

Wenn The Wild Feathers das Tempo bei „Ain’t Lookin’” – von Jeffrey Steele mitgeschrieben – und „Side Street Shakedown” anziehen, laufen sie zur Hochform auf. Hier zeigt die Combo auch mal Ecken und Kanten. Besonders gefällt mir der trockene Klang des Schlagzeugs, der auf mehreren Tracks den Rhythmus vorgibt und „Long Shot“ zusammen mit einer Mundharmonika stimmungsvoll einleitet.

Eine Affinität zum Country offenbaren The Wild Feathers mit „Another Sunny Day”, bei dem sie auf Slide und Twang setzen. An „Out On The Road” hätten Trucker bestimmt ihren Spaß. Der gleichmäßige Rhythmus im Takt rollierender Reifen trägt über einige Meilen auf den Highways des mittleren Westens. Durch die Country-infizierten Songs tritt eine weitere Facette der Scheibe zutage, die hauptsächlich zwischen mehrstimmigen Americana und melodiösem Rock changiert. The Wild Feathers zählen Tom Petty zu ihren Inspirationsquellen. Die Bezüge drängen sich nicht unbedingt auf, scheinen aber beispielsweise bei „Off Your Shoulders“ durch.

„Alvarado“ vereint Elemente von Rock und Americana mit einer gelegentlichen Prise Country. The Wild Feathers wirken dabei nicht ganz so wild, wie der Bandname vermuten lässt. Die Songs, auf denen sie rockigere Töne anschlagen, entwickeln mehr Biss und gehören zu den starken Tracks auf dem Album. Nach der Lösung von dem Major-Label schlägt das Quintett den richtigen Weg ein. Dabei setzen The Wild Feathers eher auf Evolution statt auf Revolution.

Als LP und CD kommt „Alvarado“ voraussichtlich erst im Januar 2022 auf den Markt.

New West Records/PIAS – Rough Trade (2021)
Stil: Americana, Rock

Tracks:
01. Alvarado
02. Ain’t Lookin’
03. Over The Edge
04. Side Street Shakedown
05. Out On The Road
06. Get Out Of My Own Way
07. Off Your Shoulders
08. Long Shot
09. Top Of The World
10. Flashback
11. Midway Motel
12. Another Sunny Day

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Logan Mize – Welcome To Prairieville – CD-Review

Zweites Album von Mize Logan bereits in diesem Jahr! Das Schöne im New Country ist ja, dass es in Sachen Nachschub an guter Musik so gut wie keine Lieferengpässe gibt. Gerade in Corona-Zeiten mit dem stark eingeschränkten bis garnicht stattfindenden Konzertgeschehen scheinen sich die meisten Künstler intensiv darauf zu konzentrieren, ihre neuen Kreationen, in welcher Form auch immer, in Stellung zu bringen, um dann für die kommende, hoffentlich überwundene Pandemie-Zeit, in Sachen Touren wieder gewappnet zu sein.

Bei Logan Mize liegt das neue Werk „Welcome To Prairieville“ allerdings laut eigener Aussage schon seit gut zehn Jahren in der Schublade und hat lange auf den richtigen Moment der Veröffentlichung warten müssen. Der scheint nun gekommen zu sein. Es gibt zwar eine Stadt gleichen Namens in den Staaten und zwar in Louisiana, in diesem Fall gilt der Ort aber eher als Synonym für das typische Kleinstadtleben irgendwo im Niemandsland, deren alltägliche Thematiken in den insgesamt elf Tracks teils autobiografisch von Mize reflektiert werden.

Produziert hat, wie auch das Vorgängerwerk, erneut Daniel Agee, der instrumententechnisch ebenfalls wieder stark involviert ist (acoustic guitar, electric guitar, percussion, piano, synths, organ, background vocals). Mit Shannon Forrest (drums), Mark Wright (bass) und Dave Cohen (keys) ist weitere feine und auch prominente Musikerpräsenz gewährleistet. Die Songwriting-Credits gehen zu großen Maßen auf das Konto von Mize und Blake Chaffin mit dem einen oder anderen Co-Writer, jeweils ein Stück davon schrieben Blake („I Need Mike“) und der Protagonist („It’s About Time“) alleine.

Der melancholisch anmutende Opener „George Strait Songs“ huldigt zwar, wie man schon am Titel ablesen kann, in gewisser Weise den König der Countrymusik, musikalisch aber in einer eher nicht Strait-typischen Art. Hier erinnert vieles, trotz der Einbindung von Pedal Steel-Elementen, an den mainstreamigen New Country der 80-90er Jahre, wo unter Zuhilfenahme des Synthezisers der damaligen Trends (wie zum Beispiel auch im Southern Rock) Tribut gezollt wurde.

Ähnlich gestaltet ist der Titelsong, der mich vom Flair an Bobby Pinson erinnert, auch so ein Typ, der tolle Songs geschrieben hat, in eigener Sache aber nie, beziehungsweise nur kurz, richtig zur Geltung kam. „River Road“ und „If You Get Lucky“ hätten beide spielend auf das Petty-Album „Into The Great Wide Open“ gepasst, mit „Wine At The Church, Beer At The Bar“ (herrliches Kirchenorgel-Intro von Agee) und „We Ain’t Broke“ gibt es launigen Southern Rock-Stoff.

Die Quintessenz des für mich radiotauglichsten Songs „Follow Your Heart“ wünscht man sich für Mizes weitere Ambitionen, Musik zu machen, während das unter die Haut gehende „I Need Mike“ den Suizid junger verzweifelter Menschen in bedrückender Weise thematisiert. Der sicherlich aufwühlendste Song des Werkes.

Begeisternd auch das auf Logans reinen Gesang und Jill Martins perfekte Harmonies mit rootsiger Akustikgitarrenuntermalung und nur hauchzarten Keys und E-Gitarren reduzierte „Tell The Truth“, ein weiterer Höhepunkt dieses tollen Gesamtwerkes, das mit den beiden melodischen Midtempo-Stücken „I Still Miss You“ und „It’s About Time“ (mit schönem Akkordeon) erkenntnisreich ausklingt.

Hatte ich beim Vorgängeralbum bereits einen etwaigen kommerziellen Durchbruch von Mize gemutmaßt, wüsste ich angesichts der neuen Scheibe eigentlich nicht, was man besser machen könnte, um in den Fokus der Radiostationen, Major-Labels und auch einer größeren Klientel zu kommen. Die Songs auf „Welcome To Prairieville“ bestechen durch musikalische Qualität, kontrastreiche Gestaltung sowie einer Melodiösität und Eingängigkeit, die sich hinter niemandem der angesagten Branchen-Platzhirsche verstecken braucht. Im Prinzip fehlt jetzt eigentlich nur noch ein Quäntchen Glück. Wie dem auch sei, weiter so, Logan Mize!

Big Yellow Dog Music (2021)
Stil: New Country

01. George Strait Songs
02. Welcome To Prairieville
03. River Road
04. Wine At The Church, Beer At The Bar
05. Follow Your Heart
06. I Need Mike
07. If You Get Lucky
08. Tell The Truth
09. We Ain’t Broke
10. I Still Miss You
11. It’s About Time

Logan Mize
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Lime Tree Music

Neil Young – Carnegie Hall 1970 – CD-Review

Review: Gernot Mangold

Es gibt viele Bootlegs von Neil Young-Konzerten, zum Teil auch in recht guter Qualität. In regelmäßigen Abständen veröffentlicht Young Schätze aus seinem Fundus von Livemitschnitten. Das Konzert in der Carnegie Hall war der erste Auftritt des jungen Neil Young in der legendären New Yorker Konzerthalle und spiegelt die Frühwerke des Musikers in seiner erfolgreichen folkigen Phase kurz vor seinem damaligen Meisterwerk „Harvest“.

Die überarbeitenden analogen Tonspuren sind von einer absolut hörenswerten Qualität und so gibt es ein Solokonzert, an dem Young sich am Mikro, an der Akustikgitarre oder am Piano präsentierte. Einzeln auf die Songs einzugehen wäre wie Eulen nach Athen zu tragen.

Die insgesamt 23 Stücke sind ein Querschnitt der ersten Alben „Neil Young“, „Everybody Knows This Is Nowhere“ und „After The Goldrush“ aus den Jahren 1968 bis 1970 sowie seiner Zusammenarbeit mit Stephen Stills bei Buffalo Springfield sowie CSN&Y und es gleicht einem „Greatest Hits“-Live-Album aus der Frühphase des kanadischen Amerikaners, wo den meisten noch gar nicht bewusst war, wie prägend er sich auf die Musikwelt später auswirken würde.

In dieser Form vorgetragen, zeigt sich die unglaubliche Stärke im Songwriting, aber auch die Fingerfertigkeit als Instrumentalist. Um zwei Songs doch namentlich zu zitieren, ist es dem „Old Man“ mit diesem Livealbum gelungen, was ihm in Zeiten von „I Am A Child“ als Grundlage für seine spätere Karriere diente.

Dass er später viele dieser Songs, meist mit Crazy Horse in einem E-Gitarrengewitter erklingen ließ, ist eine Geschichte, die später geschrieben wurde. „Carnegie Hall 1970“ ist für Fans von Folkmusik ein absolut hörenswertes Werk, aber auch für die Neil Young-Anhänger aus der eher rockigen Ära ein absolut empfehlenswertes Album, um manche Songs in ihrem absoluten Ursprung zu hören.

Reprise Records/Warner Music (2021)
Stil: Folk

Tracks:
01. Down By The River
02. Cinnamon Girl
03. I Am A Child
04. Expecting To Fly
05. The Loner
06. Wonderin`
07. Helpless
08. Southern Man
09. Nowadays Clancy Can’t Even Sing
10. Sugar Mountain
11. On The Way Home
12. Tell Me Why
13. Only Love Can Break Your Heart
14. Old Man
15. After The Gold Rush
16. Flying On The Ground Is Wrong
17. Cowgirl In The Sand
18. Don`t Let It Bring You Down
19. Birds
20. Bad Fog Of Loneliness
21. Ohio
22. See The Sky About To Rain
23. Dance Dance Dance

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