Old Dominion – Time, Tequila & Therapy – CD-Review

Zwei Jahre nach ihrem großartigen, nach sich selbst betitelten dritten Album (zu der Zeit hatten wir auch in Köln das Vergnügen, sie live zu erleben) sind Old Dominion zurück mit neuem Stoff. „Time, Tequila & Therapy“ heißt das neue Werk und knüpft in seiner Art an die bewährten Erfolgsrezepte der Vergangenheit an. Trotzdem verlief die Corona-Zeit alles andere als gut für das in allen Belangen hochprämierte Quintett, wenn man den Worten von Sänger Matthew Ramsey Glauben schenkt. Ja, das Fortbestehen soll sogar auf dem Spiel gestanden haben. Vor allem die monatelange physische Trennung hatte der Band wohl hart zu schaffen gemacht.

Die Lösung fand man im Song “Make It Sweet” des Vorgängerwerkes. Der wurde erstmalig direkt im Studio geschrieben und direkt danach aufgenommen. So entschied man sich, zusammen mit ihren beiden Produzenten und Co-Writern Shane McAnally und Josh Osbourne, in Ashville, North Carolina, in ein Studio einzumieten und das Schreiben und Aufnehmen dem spontanen dortigen Lauf der Dinge unterzuordnen. Morgens aufstehen, einen Song im ganzen Team ohne jegliche Vorbehalte kreieren, nachmittags dann einspielen und aufnehmen, so der Plan.

Und es hat funktioniert! Leadsänger Matthew Ramsey, Multiinstrumentalist Trevor Rosen, Gitarrist Brad Tursi, Bassist Geoff Sprung und Drummer Whit Sellers samt Osbourne und McAnally haben wieder diese wunderschöne Balance gefunden, diese unwiderstehlichen eingängigen Melodien samt guter und humorvoller Texte, mit der sanft-rauen Stimme Ramseys, vielen Band-Harmoniegesängen und einer fein akzentuierten Instrumentalisierung perfekt in Einklang zu bringen, der man sich einfach nicht entziehen kann.

Rosens Tastenspiel (Piano, Synthie, E-Piano, Orgel), teilweise mit herrlichem Akkordeon (beim Veranda-mäßigen „I Was On A Boat That Day“ und „Ain’t Nothing Wrong With Love“), Tursis E-Kurzgitarreneinlagen (manchmal auch Southern-gefärbt wie bei „I Wanna Live In A House With You Forever“ oder „Ain’t Nothing Wrong With Love“, lässig-stonesk bei „Drinking My Feelings“), klare Akustikgitarren, hier und da etwas Mandoline (klasse beim karibisch-sommerlichen „Hawaii“, „No Hard Feelings“), Dobro (bei „I Was On A Boat That Day“), mal eingestreutes Slide („I Wanna Live In A House With You Forever“) und vor allem diese oft integrierten, gut-gelaunten Harmoniegesänge aller Beteiligten, sprechen eindeutig dafür, dass in Ashville die Chemie bestens gestimmt hat.

Grandios der atmosphärisch groovende Ohrwurm „Walk On Whiskey“ (Fleetwood Mac-Note) als auch das Motown-umwehte „Lonely Side Of Town“, bei der die in Ashville lebende und kurzfristig ins Studio eigeladene Soul-Ikone Gladys Knight neben Ramsey zu vokaler Höchstform aufläuft, als auch die leicht folkig-angehauchten Gute-Launenummern „I Was On A Boat That Day“und „I Wanna Live In A House With You Forever“.

Old Dominion haben mit der Entscheidung, sich für Wochen komplett in ein Studio zurückzuziehen und die dort entstehende kreativen Kräfte walten zu lassen, alles richtig gemacht. Die Band wirkt auf „Time, Tequila & Therapy“ geschlossen wie nie, das entstandene Songmaterial ist frisch und flockiger denn je. Am Ende hinterlässt man sogar die Hypothese, dass viel Tequila zu absolut günstigen Therapieergebnissen beitragen kann. Medizin-Nobelpreis-verdächtig!

RCA Records Nashville/Sony Music(2021)
Stil: New Country

01. Why Are You Still Here
02. Hawaii
03. Walk On Whiskey
04. All I Know About Girls
05. Blue Jeans
06. No Hard Feelings
07. Lonely Side of Town (feat. Gladys Knight)
08. I Was On A Boat That Day
09. Drinking My Feelings
10. Something’s The Same About You
11. I Wanna Live In A House With You Forever
12. Don’t Forget Me
13. Ain’t Nothing Wrong With Love

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