Brandi Carlile – In These Silent Days – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Für Brandi Carlile wird es diesmal sehr persönlich. Die US-amerikanische Songwriterin und Sängerin blickt mit ihrem neuen Werk „In These Silent Days“ auf die vergangenen, erfolgreichen Jahre zurück und hat dabei textlich emotionale und leidenschaftliche Songs aufgenommen.

Der sechsfachen Grammy-Preisträgerin, u. a. für ihre LP „By The Way I Forgive You“ (2019, Best Americana Album Of The Year) ist erneut eine selbstbewusste Produktion gelungen. Die 1981 geborene Carlile kam in ihrer ländlichen Heimat von Ravensdale, Washington, schon früh mit Country Musik in Berührung und sang bereits als Achtjährige gemeinsam mit ihrer Mutter auf der Bühne. Als sie 17 wurde zog sie nach Seattle, um dort später mit den Musikern Tim und Phil Hanseroth – bis heute – in einer Band zu spielen. Bereits ihr zweites Album „The Story“ erlangte 2007 einen gewissen Kult-Status, weil Songs davon in der bekannten US-Serie „Grey’s Anatomy“ verwendet wurden.

Die neue Scheibe ist wesentlich unter dem Einfluss von Joni Mitchells legendären Meisterwerk „Blue“ entstanden, das vor rund 50 Jahren veröffentlicht wurde und auch von Brandi Carlile bei Konzertabenden regelmäßig gewürdigt wird. Die eigenen Kompositionen, wie der Opener „Right On Time“, zeigen Brandi mit gewaltiger Vocal-Power und jeder Menge Klavier-Begleitung in schöner Balladenstimmung. Auf „You And Me On The Rock“ imponieren akustische Gitarren im Paul Simon-ähnlichen Folk-Rock-Sound, der bei „This Time Tomorrow“ mit der fast zu leisen Botschaft „I’ll always be with you“ liebevoll und folkig flaniert.

Als erfolgreiche Produzenten-Kombination bestreiten Dave Cobb und Shooter Jennings wieder die Aufnahmeleitung im Vintage-mäßigen RCA-Studio in Nashville. Sie performen mit den Hanseroth-Zwillingen (Vocals, Bass, Guitar), sowie Chris Powell (Drums) und Josh Neumann (Strings), so herausragende Songs, wie „Broken Horses“, eine Art Jefferson Airplane-CSN&Y-Rock-Nummer, die auf die ebenso betitelte Carlile-Bestseller-Autobiographie ‚anspielt‘.

Neben musikalischer Stimmen-Dynamik sind die ambitionierten und ‚geradeaus‘-Lyrics maßgeblich verantwortlich für die Wirkung der Songs und beschreiben ausführlich eine Aufarbeitung von Carliles Lebensgeschichte sowie ihre persönlichen Erfahrungen. Zart besaitete, wunderbare Gesangspassagen in „Stay Gentle“ geben dem Akustik-Kleinod eine besondere, individuelle Titel-bezogene Note.

Kaum verblassen diese Harmonien mit den ruhigeren Akkorden, wird bei „Sinners Saints and Fools“ ein famoses Rock-Gebilde auch stimmgewaltig aufgebaut, das schließlich in einem Inferno-Showdown instrumentell kollabiert. Der folgende Relationship-Song „Throwing Good After Bad“ vermittelt zum Schluss nochmals einen versöhnlichen Ausklang durch eine starke Klavier-Ballade, die Brandi meisterlich interpretiert.

Mit ihrem neuen Longplayer „In These Silent Days“ schafft Brandi Carlile ein Award–würdiges Album, zwischen Rock, Folk, Country und etwas Pop, das eine abwechslungsreiche, geschmeidige und bei genauem Hinhören nachdenkliche Wohlfühlatmosphäre hinterlässt. Ihr Idol Joni Mitchell kann stolz auf sie sein.

Low Country Sound-Elektra (2021)
Stil: Country, Folk

Tracks:
01. Right On Time
02. You And Me On The Rock (feat. Lucius)
03. This Time Tomorrow
04. Broken Horses
05. Letter To The Past
06. Mama Werewolf
07. When You’re Wrong
08. Stay Gentle
09. Sinners, Saints and Fools
10. Throwing Good After Bad

Brandi Carlile
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Oktober Promotion

Robert Jon & The Wreck, 29.09.2021, Schlachtgarten, Krefeld – Konzertbericht

Nach ihrer bereits starken Leistung auf der Open Air Bühne der Kölner Kantine war es natürlich klar, dass wir uns auch den zweiten Gig in hiesigen Gefilden von Robert Jon & The Wreck nicht entgehen lassen würden, zumal es sich diesmal um den schönen Krefelder Schlachtgarten handelte, der ja bekannter Weise seit Corona-Zeiten mit der Kulturrampe eine tolle Kooperation betreibt, in der man in dieser Phase bereits durch Dick und Dünn gegangen ist.

Und auch dieser Tag, beziehungsweise Abend war zunächst mal nichts für schwache Nerven, bis kurz vor Konzertbeginn hatte es wie aus Eimern gegossen, selbst kurz vor 20:30 Uhr tröpfelte es noch und tiefschwarze Wolken hingen immer noch über dem schönen Biergarten.

Direkt vor dem Gig sollte es dann auch zu den emotionalsten Szenen kommen. Als Rampenchef Pille Peelings die Bretter der Bühne zur Ansage betrat, entlud sich bei ihm der ganze Ballast der vergangenen Monate. Er erzählte, wie er sich beim Song “Tired Of Drinking Alone” der auftretenden Protagonisten sich des Öfteren den Frust von der Seele getrunken hatte, er ist halt ein Typ, kein Wunder als Herzblut-Konzertveranstalter und -Musiklocation-Betreiber, der das pulsierende Leben um sich herum gewohnt ist.

Er zitierte natürlich seinen Kooperationspartner, Kolja Amend, für den er ebenfalls warme Worte parat hatte, auf die Bühne und schenkte ihm als Dank die neue, signierte Scheibe “Shine A Light On Me Brother“. Auch Kolja bedankte sich bei den Anwesenden für die Treue und die tolle Zusammenarbeit mit Pille, wobei sich beide am Ende herzlich umarmten. Also echte Gänsehautmomente, bevor es überhaupt losging.

Auch der Wettergott schien gerührt, hielt aber seine Tränen zurück, sprich es konnte ohne Regen losgehen. Danach rockten Robert Jon Burrison und seinen Jungs mit Vollgas los und legten vor den knapp 200 Zuschauern einen begeisternden Auftritt hin, der von der Setlist des zweiteiligen Hauptteils her, so gut wie deckungsgleich mit der Kölner Veranstaltung daherkam.

So macht es in diesem Bericht eher Sinn, vielleicht nur kurz auf die kleinen Unterschiede einzugehen. Der ebenfalls tolle Gig in der Domstadt hatte den Vorteil eines lauen Sommerabends mit kalifornischen Temperaturen und eines am Anfang der Tour stehenden, noch recht entspannt wirkenden Quintetts.

Hier kam aufgrund des weitläufigen Geländes sowie der Bestuhlung und der wesentlich geringeren Resonanz erst gegen Ende, als sich alle erhoben hatten auch dementsprechende Stimmung auf. Der Krefelder Gig bei, wie in guten alten Zeiten, dicht gedrängt stehendem und so gut wie ausverkauftem Publikum, begann nach dem emotionalen Einstieg, sofort in Hexenkessel-Manier und trieb die Jungs nochmals zu absoluten Höchstleistungen.

Highlights für mich im ersten Set das “Blue Sky”-mäßige “Everday” vom neuen Album und das von The Band-Flair-umwobene “Death Of Me”. Im dann immer furioser abgehenden zweiten Teil gefiel mir besonders die Verspieltheit bei manchen Intros, klasse zum Beispiel die psychedelische Einleitung bei “Don’t Let Me Go”, bei denen dann auch Bassist Warren Murrel sich im ‚Bollwerk‘ um ihn herum, mal ‚zeigen‘ konnte.

Beim launigen Titelsong des neuen Werkes “Shine A Light On Me Brother“ und dem grandios performten “Old Friend” hatte die Stimmung schon den Siedepunkt so gut wie erreicht, als der besagte Wettergott dann doch noch passend zum Titel “Cold Night” choreographisch eingriff und eine ungemütlich windige Regenbrise in die kalte Nacht herunterschickte.

Das juckte angesichts der Killerversion dieses Songs allerdings so gut wie Niemanden, die mit einer ebenso überragenden Speed-Zugabe von “On The Run” (einziger Unterschied zu Köln – dort war es “High Time”) in einem gelungenen Abschluss von Robert Jon & The Wreck mündete, wo ich selbst den Kollegen Mangold selten so agil fotografieren gesehen habe, wie bei diesem Track. Zu erwähnen ist natürlich auch wieder die perfekte Licht- und Soundqualität im Schlachtgarten sowie die höchst erfreuliche Nachricht, dass es schon bald auch in der Kulturrampe wieder mit Konzerten weitergeht.

Line-up:
Robert Jon Burrison (lead vocals, electric guitar)
Henry James (electric guitar, vocals)
Warren Murrel (bass)
Andrew Espantman (drums, vocals)
Steve Maggiora (keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Robert Jon & The Wreck
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Teenage Head Music
Kulturrampe, Krefeld
Schlachtgarten, Krefeld

Thorbjørn Risager & The Black Tornado – 26.09.2021, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Etwa 120 Besucher und Thorbjørn Risager & The Black Tornado sorgten im Piano, wie schon einige Tage zuvor im Schwarzen Adler, mächtig für Stimmung.

Neben der spielerischen Klasse der Musiker, begeisterten die Dänen die Fans mit humorvollen Ansagen, die zuweilen in Richtung Poetry Slam gingen. Besonders hervortaten sich dabei die beiden Bläser Nybo und Kehl, die nebenbei auch noch verschiedenste „Percussioninstrumente“ bis hin zu einer Kreissägenscheibe bedienten und mit Tanzeinlagen für prächtige Laune sorgten.

Besonders gefällt, dass Risager auf der Bühne den anderen Musikern genügend Freiräume gibt, um zu zeigen, was in Ihnen steckt. Bärenstark die Rhythmussektion, mit dem sich zuweilen in Ekstase trommelnden Martin Seidelin und dem meist stoisch den Bass bearbeitenden Søren Bøjgaard, der bei einigen Songs mit dem Synthie das Piano zum vibrieren brachte. Auch der meist zurückhaltend wirkende Emil Balsgaard zeigte des Öfteren in Soloparts seine Extraklasse an den Keyboards.

Im Vordergrund standen allerdings meist ein bestens gelaunter und stimmlich brillanter Thorbjørn Risager, der auch seine Klasse an der Gitarre mit einigen Soli bewies und Joachim Svensmark, der mit seinen furiosen Soli und einem psychedelischen Intro, in dem er mit einem Geigenbogen die Gitarrensaiten in Schwingungen versetze, neben dem Publikum, sichtbar auch Risager zum Staunen brachte.

Die Nähe zu den Fans zeigten die Dänen nach der Konzertfete, indem sie bestens gelaunt zum Smalltalk im Merchandising-Bereich zur Verfügung standen.

Line-up:
Thorbjørn Risager (lead vocals, electric guitar)
Joachim Svensmark (electric guitars, percussion, vocals)
Emil Balsgaard (keys)
Søren Bøjgaard (bass, synthie)
Martin Seidelin (drums, percussion, vocals)
Hans Nybo (saxophone, percussion, vocals)
Peter W Kehl (trumpet, percussion, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Thorbjørn Risager & The Black Tornado
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Musiktheater Piano Dortmund

The Vegabonds – Sinners And Saints – CD-Review

Ein Attribut, das ich an Menschen besonders schätze, ist die Verlässlichkeit. In Sachen Musik sind die Vegabonds hier ein gutes Beispiel. Das aus Alabama stammende, mittlerweile Nashville-basierte Quintett, bestehend aus Daniel Allen (lead vocals, acoustic guitar), Beau Cooper (keys, vocals), Richard Forehand (electric guitar, vocals), Paul Bruens (bass) und Bryan Harris (drums) liefert in dieser Konstellation beständig und regelmäßig gute Southern Rock-Kost der moderneren Art ab.

Auch The Vegabonds haben natürlich die Pandemie-Zeit genutzt, um sich albentechnisch in Stellung zu bringen, allerdings wurde der Großteil der Songs zu ihrem neuen Album „Sinners And Saints“, dem zweiten beim Indie-Label Blue Élan Records, schon zuvor kreiert. An den Reglerknöpfen hat erneut der Grammy-prämierte Produzent Tom Tapley (Blackberry Smoke, Sugarland, Tyler Farr)  gesessen. Um es vorweg zu nehmen: Ein tolles Werk!

Wie eigentlich immer im Laufe der letzten Jahre (2017 hatten wir sogar mal das Vergnügen, sie live in  der Krefelder Kulturrampe zu erleben), stehen die allesamt melodisch und sehr abwechslungsreich konstruierten Lieder wieder ganz im Zeichen von Daniel Allens angenehmen Gesang und den maßgeblichen Gestaltungen und Eingaben von Beau Coopers variantenreichen Keys (in allen denkbaren Spielarten) sowie Richard Forehands filigranem E-Gitarrenspiel, das für die Southern-typische Note der Band gerade steht.

Dabei geht man auf dem neuen Longplayer zum Teil durch ein echtes Wellental. Eröffnet wird nach einem psychedelischen Kurz-Intro durch „Juke And Jive“ mit einem echt swampigen Southern Rock-Stomper, der die Genre-Fan-Gemeinde direkt auf Betriebstemperatur bringen wird.

Das auf dem Fuße folgende „Ain’t Giving Up“ driftet danach allerdings gekonnt in Roots-rockige Gefilde der Marke John Mellencamp, Will Hoge oder Tom Petty, launig-jaulende Uuhuuh-Harmoniegesänge inbegriffen. 

Der southern-soulige Mega-Ohrwurm „Can’t Deal“ (Marke Atlanta Rhythm Sections “Spooky”),  läutet eine vier Stücke umfassende, ruhigere Phase ein, die dank Beau Coopers Donald Fagon-mäßigem E-Piano, allerdings mit interessanten dezenten Steely Dan- („Heartache And A Memory“, „Sinners And Saints“) und Simple Minds („Feels Right“)-Vibes daherkommen, aber trotzdem von Forehands vorzüglichen Gitarren in südstaatlichen Sphären gehalten werden.

Mit „Burnout“ wird dann die Kurve zu rockigerem Stil wieder gekriegt. Dieser Track, als auch „Out Of My Hands“ und „Wings And Prayers“ bedienen, wie schon zu Beginn, den Geschmack von Rootsfreunden, auch hier sind Einflüsse von Mellencamp, Hoge und Petty (bei „Burnout“ auch dezent Springsteen) unüberhörbar.

Das Finish gehört jedoch wieder dem Southern Rock. Das krachende „Colorado Evergreen“ hört sich wie eine zünftige Kooperation von den Black Crowes mit 38 Special und Lynyrd Skynyrd an und das finale „Leo Fender“ huldigt in herrlicher Bierlaune-Manier die Verdienste des berühmten Musikinstrumentebauers um die Rockmusik. Klasse am Ende die zum Mitgrölen animierenden „God bless Leo Fender“-Crowd-Gesänge.

Und hatte ich im Einstieg Verlässlichkeit als positive Eigenschaft gelobt, so möchte man auch noch Bescheidenheit als weitere menschliche Qualität der Band hinzufügen:  „Our goal has always been to turn this band into a lifelong career. We’re not rock stars. We’re a bunch of middle-class kids who want to provide for our families by doing what we love to do.”

“We are five friends who love writing and playing music together. But more importantly, we are brothers that have been through more than a decade of ups and downs together and still have a passion to bring out love of what we do to the world. We know nothing comes easy, and good things take time.“ So Bassist Paul Bruens und Sänger Daniel Allen in Statements zur Intention in dieser Konstellation weiterhin Musik zu machen.

Wir meinen allerdings, kein Grund sein Licht unter den Scheffel zu stellen. The Vegabonds haben gerade mit „Sinners And Saints“ ein variantenreiches Album konzipiert, das ihr Standing im Bereich der jungen New-Southern Rock-Sparte festigen, beziehungsweise ausbauen wird. Ähnlich wie bei Robert Jon & The Wreck ist es längst an der Zeit, mal aus dem Schatten der großen, noch existierenden Vertreter herauszutreten. Ganz klar ihr bisher stärkstes Werk, absolute Kaufempfehlung.

Blue Élan Records (2021)
Stil: New South Rock

01. Juke And Jive
02. Ain’t Giving Up
03. Can’t Deal
04. Heartache And A Memory
05. Feels Right
06. Sinners And Saints
07. Burnout
08. Out Of My Hands
09. Wings And Prayers
10. Colorado Evergreen
11. Leo Fender

The Vegabonds
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Bärchen Reccords
Blue Élan Records

Little Caesar, 24.09.2021, Schlachtgarten, Krefeld – Konzertbilder

Zum Abschluss der drei Konzerte in NRW (zuvor in Köln und Dortmund) rockten Little Caesar jetzt den Schlachtgarten in Krefeld. Bei sommerlich milden Temperaturen hatten etwa 100 Besucher den Weg in die fast schon heimelig wirkende Openair-Location gefunden.

An der Stimmung der Fans konnte man erkennen, dass keiner den Weg an diesem Abend bereut hatte. Neben dem furiosen Auftritt, wie bei den vorherigen Gigs, war diesmal auch das klangliche Erlebnis einwandfrei und die Instrumente waren klar differenziert herauszuhören und auch der Gesang konnte sich, wenn auch manchmal mit Mühe, gegen die Lautstärke der Drums und Gitarren behaupten.

Nun ist die Openair-Saison der Kulturrampe und des Schlachtgartens fast abgeschlossen und am nächsten Mittwoch werden Robert Jon & The Wreck die letzte Woche eines gelungenen Kultursommers in dieser feinen Location einläuten.

Line-up:
Ron Young (lead vocals)
Mark Tremalgia (electric guitar, vocals)
Pharoah Barrett (bass, vocals)
Brian Irving (drums)
Loren Moulinare (electric guitar, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Little Caesar
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Teenage Head Music
Kulturrampe, Krefeld
Schlachtgarten, Krefeld

Andreas Diehlmann Band – Them Chains – CD-Review

Der aus Kassel stammende Musiker Andreas Diehlmann mit Präferenzen Richtung Jimi Hendrix und texanischem Blues Rock der Marke ZZ Top & Co. hat sich seit seinem Debüt 2017 zu einer festen Größe in der deutschen Blues Rock-Szene entwickelt. 

Seitdem veröffentlicht er regelmäßig unter dem Eigenlabel Mountain Meadow Studio Tonträger, „Them Chains“ ist jetzt schon der siebte dieser Art. Was mir persönlich neben seinen musikalischen Qualitäten sofort gefiel, als ich ihn bei seinem Gig in Duisburg kennenlernte, dass diese typische Affektiertheit, die in den meisten Künstlern von Natur aus inne wohnt, für ihn fremd zu sein scheint. Ein sympathischer Mensch der Marke Du und Ich.

So hatten wir auch im Vorfeld dieses Werkes bezüglich der Veröffentlichung des anstehenden Reviews ein kurzen spaßigen Kontakt. Seine Liebe zu Jimi Hendrix stellte der Protagonist diesmal sehr weit hinten an und die kommt, wenn überhaupt, nur im End-Solo des Peter Green-Covers „The Green Manalishi“ kurz zum Vorschein. Dieser Track ist auch der einzige, der auf dem Silberling mit seinem psychedelisch 70er Hard Rock-umwehten Flair, ziemlich aus dem Rahmen fällt, der Rest steht doch deutlich im Zeichen der texanischen Blues Rock-Tradition.

Diehlmann, dessen Stimme, Gitarrenspiel und auch Songwriting, unweigerlich Assoziationen mit ZZ Top-Mastermind Billy Gibbons hervorrufen, rockt sich in bluesig Lonestar-typischer Manier mit heiser angerautem Vokalorgan, quirlig klirrenden und knarzigen E-Riffs,-Fills- und -Soli sowie dezenten Orgelhallbegleitungen durch die sieben Eigenkompositionen, als auch die ähnlich gefasste Willie Dixon-Adaption „Little Red Rooster“ am Ende, die mit so einer leichten „Dust My Broom“-Note.

Unterstützt wird er vom gewohnten Team mit Jörg Sebald am Bass und Tom Bonn am Schlagzeug. Thomas Feldmann hat seinen einzigen Auftritt in „Babe I Got To Go“, wo er seine Harp solotechnisch als auch in einem schönen Doppel-Schlagabtausch mit Dielmanns E-Gitarre schön quäkig plustern lässt.

Meine Favoriten sind der knackig rockende Titesong direkt zu Beginn (mit schönem Skynyrd-mäßigem E-Solo), der „Blue Jean Blues“-angelehnte feine Slowblues „Found Myself Alone“ sowie das ein wenig „Ghost Riders“-umwitterte „Ridin‘ In The Dark“. Wie man anhand dieser Ausführungen schon erahnen kann, wird der imaginäre Sounds Of South-Innovationspreis hier diesmal nicht vergeben. Dennoch gelingt es Andreas Diehlmann und seiner Band jederzeit für kurzweilig eigenständige, von E-Gitarren-dominierte Blues Rock-Unterhaltung zu sorgen.

Wer sich nach dem Tod von Dusty Hill Sorgen um das Fortbestehen von ZZ Top macht, oder Angst hat, dass Billy Gibbons die Ideen ausgehen, beziehungsweise irgendwann mal seine Stimme versagen könnte, der darf sich, wie es auch „Them Chains“ wieder mal deutlich offeriert, an der Andreas Diehlmann Band vermutlich noch viele Jahre qualitativ ebenbürtig erfreuen.

Mountain Meadow Studio (Eigenproduktion) (2021)
Stil: (Texas) Blues Rock

Tracklist:
01. Them Chains
02. Boogie Woogie Rock’N’Roll
03. Found Myself Alone
04. Lola Sweet Rock’N’Rola
05. Made It My Way
06. Ridin‘ In The Dark
07. Babe I Got To Go
08. The Green Manalishi
09. Little Red Rooster

Andreas Diehlmann Band
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Joanne Shaw Taylor – The Blues Album – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

In Sachen Blues-Rock aus Großbritannien ist die Musikerin Joanne Shaw Taylor mittlerweile eine Ausnahmeerscheinung. Die 1986 geborene Singer-Songwriterin veröffentlicht mit „The Blues Album“ nun ihren achten Longplayer seit 2009 und gilt als die erfolgreichste britische Gitarristin des Genres. 2002 von Dave Stewart (Eurythmics) entdeckt, sind Stevie Ray Vaughan, Albert Collins und Jimi Hendrix Taylors musikalische Vorbilder, die erahnen lassen, welche persönliche Dynamik mit vier British Blues Awards belohnt wurde.

Auch Starblueser Joe Bonamassa hat endlich seine offene Bewunderung für die elegante Spielweise der Blues-Lady in einen großartigen Support umgesetzt. Als Mentor und Produzent (hier zusammen mit Josh Smith) steht sein Name direkt auf dem Front-Cover. Aufgenommen in den Oceanway Studios, Nashville, erscheint die Platte auf Bonamassas eigenem Independent Label KTBA Records, eine Auszeichnung der besonderen Art.

Die Scheibe bietet überwiegend zehn seltene Cover-Songs und ein Rock-Jam-Instrumental und interpretiert Blues-Klassiker u.a. von Albert King, Little Richard, Magic Sam und Little Milton, in graziler, aber auch energiegeladener Leichtigkeit. Den Anfang macht der Peter Green Fleetwood Mac Song „Stop Messin‘ Round“, verfeinert durch Reese Wynans Piano-Work, gefolgt vom funkigen Soul-Blues „If That Ain’t A Reason“ (Little Milton).

Die feine Otis-Rush-Nr. „Keep On Lovin ‚Me“ brilliert als powervolles Glanzstück der Scheibe, sicher ein Juwel in seiner vorliegenden Version. Bonamassas Hilfe bei der Auswahl der oft weniger bekannten Songs, wie „If You Gotta Make A Fool of Somebody“ (Ray Clark 1961) oder „Don’t Go Away Mad“ (Little Village), zeigt die herausragende Kenntnis im Umgang mit Songperlen. „Don’t Go Away Mad“ überrascht in einer Duett-Interpretation des eher schnellen Rock-Songs und weckt damit die Aufmerksamkeit für gute, alte Titel im neuen Gewand.

„Wir wollten eine stark Vocal-zentrierte Blues-Platte aufnehmen, die Joannes riesiges Talent vorsichtig in ein anderes Licht rückt“, so Bonamassa. „Joanne ist eine großartige Sängerin“ und er meint damit nicht nur Titel wie „Can’t You See What You’re Doing To Me“ (Albert King), mit leidenschaftlicher E-Gitarre und beeindruckenden Vocals eingespielt. Dies gilt ebenso für „Let Me Down Easy“ (Little Milton), das eine stimmgewaltige Joanne Shaw Taylor – gesanglich nicht weit entfernt von Janis Joplin – und eine ebenso elegante Saitenfertigkeit beinhaltet.

Die Aufforderung zum Tanz kommt beim Shuffle „Two Time My Lovin’“ ebenso wenig zu kurz und wird beim herrlichen Abschlusstrack „Three Time Loser“ mit Honky Tonk Piano nochmals wiederholt. Die Musiker um Joe Bonamassa glänzen in der gesamten Bandbreite der Songpalette und bieten in gewohnter Perfektion eine hervorragende Kooperation mit Joanne Shaw Taylor, die im Übrigen wie selbstverständlich zu den in gewisser Weise neu aufgelegten alten Bluessongs ihre eigene 1966er Esquire Junior Gitarre spielt.

Mit „The Blues Album“ ist es Joanne Shaw Taylor erneut gelungen, eine mitreißende und interessante Platte vorzulegen. Getragen von der Spielfreude, u.a. basierend auf der intuitiven Zusammenarbeit mit Blues-Hero Joe Bonamassa, ist ein herausragender Blues-Sampler entstanden. Joanne Shaw Taylor etabliert sich damit einmal mehr als UK’s Number One Blues-Rock-Lady.

KTBA Records (2021)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Stop Messin‘ Round
02. If That Ain’t A Reason
03. Keep On Lovin‘ Me
04. If You Gotta Make A Fool Of Somebody
05. Don’t Go Away Mad feat. Joe Bonamassa
06. Scraps Vignette
07. Can’t You See What You’re Doing To Me
08. Let Me Down Easy
09. Two Time My Lovin‘
10. I Don’t Know What You’ve Got feat. Mike Farris
11. Three Time Loser

Joanne Shaw Taylor
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Another Dimension

Vanja Sky – 19.09.2021, Schlachtgarten, Krefeld – Konzertbericht

An einem schönen Spätsommernachmittag besuchte Vanja Sky mit ihrer Band den Schlachtgarten. Kurz vor 17 Uhr kündigte Pille Peelings von der Kulturrampe die mittlerweile in Hamburg lebende Kroatin an und unter dem Applaus der etwa 70 Besucher betrat die Band die Bühne, und es sollte ein Konzert folgen, das einige Überraschungen parat haben sollte.

Ein Blickfang war natürlich die junge Kroatin mit ihrer langen blonden Mähne, gekleidet mit einer Gepardenhose, kniehohen Stiefeln und einem fast bis zum Boden reichenden schwarzen Mantel sowie einer trendigen Sonnenbrille im ersten Set.

Im Mittelpunkt der Setlist stand ganz klar das 2020 erschienene Werk „Woman Named Trouble“. Passend leitete der erste Song des Albums „Rock’n’Roll Train“ das Konzert ein, in den die Besucher sprichwörtlich von Anfang an einstiegen. Vanja und Band spielten in den zwei etwa 45-minütigen Sets fast das komplette aktuelle Album.

Schon bei der Ansage des folgenden „All Night“ vom Debutalbum „Bad Penny“ hatte eine bestens aufgelegte Vanja mit ihrem natürlichen Charme die Zuschauer eingefangen und schnell nutzten einige die Möglichkeit, im nicht bestuhlten Bereich vor der Bühne entsprechend eines Rockkonzerts mitzugehen. Im Vergleich zum letzten Konzert in 2019, das ich besucht hatte, präsentierte sich das Quartett noch homogener und gefestigter.

Die Basis für den wieder einmal bestens abgemischten Sound im Schlachtgarten legten Drummer Hanser Schüler, der auch am längsten mit Vanja Sky zusammen spielt und Bassist Artjon Feldtser, mit ihrem, je nach Bedarf, druckvollen oder aber auch dezenten zurückhaltenden Spiel.

Zudem unterstützte Feldtster die stimmlich bestens aufgelegte Vanja Sky bei den Backing Vocals und nutze die Pausen zwischen den Songs, um einmal als Intro die Melodie von „Eleanor Rigby“ einzuspielen oder vor den Zugaben erst mal den Platz vom Drummerkollegen Schüler zu blockieren. Im Vordergrund stand neben Sky Robert Wendt, der die Besucher ein ums andere Mal mit seinen Soli, auch in bester Southern Rock Manier, begeisterte.

Vanja Sky selbst hat auch einen großen Schritt gemacht. Vokal hat sie sich weiterentwickelt, was sich auch in Songs zeigt, wo sie die Gitarre beiseite legt und sich ganz auf ihre Stimme verlässt.

Im ersten Set waren die Highlights das southernrockende „Hard Times“ und der starke Bluessong „Crossroads Of Life“, wo Sky scheinbar richtig abgebogen zu sein scheint. Als letzten Song im ersten Set spielte die Band eine beeindruckende Version von „To Love Somebody“, wo vor allem das Zusammenspiel von Wendts Gitarre und Skys Stimme die Zuschauer gefiel.

Ihre Liebe zu den Fans zeigte Sky, als sie während des Songs die Bühne verließ und als Geschenke verpackte Lollys an alle Zuschauer verteilte. Mit diesem musikalischen, wie auch menschlichen Highlight wurde der erste Set beendet.

Nach etwa 20 Minuten Pause nahm die Band auf Hockern Platz und es folgte eine mutige Nummer. Rory Gallaghers „Shadow Play“ wurde als Akustiksong gespielt und es zeigte sich, dass dieser eigentlich fast schon hardrockende Kracher auch in dieser ruhigen Spielform seine Klasse hat.

So verleitete das Stück mit dem filigranen Gitarrenspiel Wendts und der harmonischen Stimme Skys die Besucher zum Träumen und mehrfach schienen die Musiker gen Himmel zu schauen, was wohl Rory zu dieser Variante sagen würde. Kaum war der letzte Ton verstummt, nutzte Bassist Artjon Feldtser die Chance, das Wort zu ergreifen.

Er schilderte, was das für ein besonderer Tag ist, da dies auch Vanjas Geburtstag sei. Das animierte die Zuschauer stimmgewaltig mit „Happy Birthday“ zu gratulieren, was, wenn ich es richtig gesehen habe, für Tränen der Rührung bei Sky sorgte.

Als Dankeschön folgte dann ein tolles Akustikcover der Black Crowes-Nummer „Girl From A Pawn Shop“. Danach wurden die Hocker auf Seite gestellt, Sky fragte eher rhetorisch, ob das begeisterte Publikum jetzt Lust auf Rock’n’Roll hat und mit „Devil Woman“, „Voodoo Mama“ und „Lets Go Wild“ wurde es auch wild, bis der Peter Green-Klassiker „Oh Well“ bluesig einen der Highlights einläutete.

Eine Version von „Simple Man“, welche sich nicht vor dem Original zu verstecken braucht, zeigte eindrucksvoll die Extraklasse eines Robert Wendt an der Gitarre, aber auch die Stimmgewalt der jungen Kroatin. Das Ende des Sets war die Erinnerung den Rock’n’Roll nicht zu vergessen mit dem gleichnamigen Titel auf Englisch, wo sich die Band noch einmal regelrecht austobte.

Kaum hatte die Band die Bühne verlassen, setzten lautstarke Zugabeforderungen ein und es folgte noch ein rockiges „I Don`t Need No Doctor“ und „Call Me If You Need Me“ und begeisternde knapp 100 Minuten lagen hinter der Band und den Besuchern.

Nach dem Konzert nahmen sich alle Musiker auch noch die Zeit zum Plausch mit den Zuschauern und so fand ein tolles Geburtstagskonzert einen schönen Abschluss. In der Form ist von Vanja Sky und ihrer Band noch einiges und nicht nur für die eingefleischten Bluesfans zu erwarten. Vanja Rocks!

Line Up:
Vanja Sky – Lead vocals, electric guitar, slide guitar
Robert Wendt – Electric guitar, slide guitar
Artjom Feldtser – Bass, vocals
Hans Jakob Schüler – Drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

Vanja Sky
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Kulturrampe, Krefeld
Schlachtgarten, Krefeld

Taylor McCall – Black Powder Soul – CD-Review

Review: Michael Segets

Das Cover von Taylor McCalls „Black Powder Soul” mit dem untoten Gunslinger hat mich direkt angesprochen. In einem Interview sagt McCall, dass der Mann auf dem Titelbild sein Inneres visualisiert – jemanden, der seinen Dämonen entgegentritt. Zu erwarten wäre bei der Aufmachung und dem Titel eine Scheibe, die sich einen Schritt neben den üblichen Konventionen des Countrygenres bewegt. Auf seinem Debütalbum zeigt sich McCall musikalisch von mehreren Seiten, wobei der Country entgegen der Vorannahme eine untergeordnete Rolle spielt.

Zum einen bewegen sich seine Songs in Singer/Songwriter-Bahnen. Wie auf „Man Out Of Time“ reicht auch auf „White Wine“ eine reduzierte Begleitung aus, um eine leicht wehmütige Stimmung zu erzeugen. McCalls schön angeraute Stimme kommt bei dem erdigen „So Damn Lucky“ besonders zur Geltung. Dieses Highlight unter den ruhigen Stücken punktet mit einer Mundharmonika-Passage. Eine Orgel untermalt das melodiöse „Wide Open“. Hier mischt sich ein bisschen Country mit hinein. Bereits „Red Handed“ weicht mit seiner expressiven Instrumentaleinlage vom typischen Singer/Songwriter-Stil ab. Erneut überzeugen Stimme und Gesang von McCall.

Die zweite Gruppe von voller instrumentierten Songs ist aggressiver und meist am Rock angelehnt. Beim dunklen Titelstück setzt nach dem Gitarrenintro zuerst der Gesang, dann Percussion und Schlagzeug ein, was eine gelungene Spannungskurve erzeugt. Vor dem stampfenden Rhythmus liegt die mit etwas Hall versehene Stimme von McCall. Der Song gipfelt in einem krachenden Gitarrenpart, der zwar nicht als filigran zu bezeichnen ist, sich aber prima in das Stück einpasst. „Hells Half Acre“ wartet ebenfalls mit härteren Riffs auf, die in einen Call-And-Response-Modus mit dem Gesang treten.

Neben den beiden Stücken gehört das mit gospelmäßigem Chor begleitete „Surrender Blues“ zu den Highlights der CD. Zu diesen ist das – vor allem im Refrain – an Steve Earle erinnernde „Highway Will“ ebenfalls zu zählen. Mit den Lyric-Videos zu „Highway Will“ und „So Damn Lucky“ pickt McCall zwei starke Stücke heraus.

Wurden bislang die Titel, die in der Singer/Songwriter-Tradition stehen, von denen mit breiterer Band im Rücken unterschieden, treten bei den letztgenannten weitere Facetten zutage. „Crooked Lanes“ spiegelt mit seinem fast hecktischen Rhythmus, der von einem trockenen Schlagzeug und Percussion getrieben wird, eine rockige Seite wider, bei „South Of Broadway“ machen sich Einflüsse des Blues bemerkbar. Diese treten im neunminütigen „Lucifer“ noch deutlicher hervor. Das Gesamtwerk entzieht sich so eindeutigen Genrezuordnungen.

Der in South Carolina aufgewachsene McCall brachte sich autodidaktisch das Gitarrenspiel bei, nachdem er mit sieben Jahren sein erstes, von seinem Vater gebaute Instrument bekommen hatte. Der begeisterte Angler machte diese Leidenschaft zwischenzeitlich zum Beruf, bevor er eine Karriere im Musikbusiness anvisierte. Besonders wichtig war es McCall, seinen Großvater auf seinem ersten Longplayer zu ehren. Dieser ist auf dem Gospel „Old Ship Of Zion“ zu hören, der als Prelude und Outro das Album rahmt.

Auf „Black Powder Soul“ von Taylor McCall stehen Americana, Rock und Blues nebeneinander und verschmelzen in einigen Tracks so ineinander, dass ein abwechslungsreiches und originelles Debüt entstanden ist. Die Scheibe hat Tiefe und gewinnt bei jedem Durchlauf weitere Schichten. McCalls Stimme und Songwriting lassen auf weitere Werke hoffen.

Black Powder Soul Music – Thirty Tigers/Membran (2021)
Stil: Americana/Rock and more

Tracks:
01. Old Ship Of Zion Prelude
02. Black Powder Soul
03. Red Handed
04. White Wine
05. Crooked Lanes
06. Hells Half Acre
07. Man Out Of Time
08. Surrender Blues
09. South Of Broadway
10. Wide Open
11. Highway Will
12. So Damn Lucky
13. Lucifer
14. Old Ship Of Zion Outro

Taylor McCall
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

The DogRocket Blues Band – Rusty Train – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Was machen eigentlich zwei Flugzeugpiloten, ein Produktingenieur und ein Immobilienverwalter, wenn sie in ihrer Freizeit Langeweile haben? Ganz einfach, sie machen Musik, insbesondere Blues, kommen in einer Band namens „The DogRocket Blues Band“ zusammen und nehmen ein Album auf. Genau das haben Bill Kesel (Pilot, Gründer der Band, Leadsänger und Keyboarder), Joe Custer (Trucker und Pilot im Ruhestand, Bassist), Mike Jacobs (Immobilienverwalter, Gitarrist) und David Matherly (Produktingenieur, Schlagzeuger) gemacht.

„Rusty Train“ ist also das Erstlingswerk dieser vier Männer, obwohl es die Band mit wechselnder Besetzung bereits seit 2008 und mit dem jetzigen Line-up seit 2019 gibt. Als Hobbymusiker hatten sie ihre ersten öffentlichen Auftritte erst kurz vor Ausbruch der Corona-Pandemie. Da danach nicht mehr an Auftritte zu denken war, ging Kesel mit seinen Leuten in ein Tonstudio und die Truppe jammte drauf los. So entstand das vorliegende, erste Album der Band. Laut Kesel zwar nicht sehr professionell, aber mit wahnsinnig viel Spaß produziert. Mit dem Album wollen die DogRockets nun ihren Bekanntheitsgrad ein wenig steigern und nicht mehr nur für kleinere Events und Privatparties engagiert werden.

Insgesamt enthält die Scheibe zehn Songs, allesamt von Kesel in den letzten 30 Jahren geschrieben und musikalisch vor allem von Junior Brown, einem Country-Gitarristen und von der kalifornischen Alternative-Rockband Cake beeinflusst.

„Press On“ (ein gefälliger Blues) und „In My Heart“ (mit leichten Country-Einflüssen) sind wohl mit die ältesten von Bill Kesel komponierten Stücke. Auch der Slowblues „Only Man“ weist dezente Country-Elemente auf und der Titelsong „Rusty Train“ scheint von Junior Brown inspiriert worden zu sein, während das etwas flottere „Magic Kingdom“ stilistisch eher an Cake erinnert.

Die übrigen Tracks haben alle einen bluesig-funkigen Anstrich, nicht zuletzt durch das oftmals dominante Keyboardspiel des Bandleaders Kesel und kommen daher recht oldschool daher. Insgesamt sind die Songs zwar nicht schlecht, aber für meinen Geschmack alle ein wenig zu clean arrangiert und auch gesanglich ist da sicherlich noch Luft nach oben.

Wäre es die Scheibe einer professionellen Band, würde ich sagen, dass das besser geht. Aber für Amateurmusiker ohne große Live- und Studioerfahrung ist das Album doch erstaunlich gut geraten. Nicht unbedingt ein Must-Have, bei dem es sich lohnt, auf jede Note und jeden Takt zu achten, aber als musikalische Untermalung ist es absolut ok.

Zum Schluss sei noch das Geheimnis um den abstrusen Namen der Band gelüftet. Mitnichten haben die Jungs irgendwelche verbotenen Substanzen geraucht, vielmehr war „DogRocket“ der Spitzname eines von Kesel geflogenen Flugzeuges ….

Label: Dogmatic Studios (2021)
Stil: Blues

Tracks:
01. My Big Man
02. Only Man
03. Press On
04. Rusty Train
05. Psalm Blue
06. What Is A Man
07. Right Thing
08. Magic Kingdom
09. In My Heart
10. Bitter Town Blues

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