Thorbjørn Risager & The Black Tornado – 17.09.2021, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

Mann-o-mann, da haben Thorbjørn Risager & The Black Tornado bei ihrem Auftritt in der Vierbaumer Blueskultstätte ihrem Namen aber alle Ehre gemacht! Mit weit mehr als gefühlten 12 musikalischen Windstärken fegten sie am Freitag Abend durch den Schwarzen Adler und versetzten das zahlreich erschienene Publikum (knapp die Hälfte des eigentlichen Fassungsvermögens, demnach ausverkauft nach Corona-Statuten) in helle Begeisterung. Und endlich gab es zurecht auch wieder mal ‚Vor-Corona‘-zeitliche Stimmung.

Dabei verlief es im Vorfeld alles andere als rund.  Die für 15:00 Uhr bestellte Firma, die etatmäßig dafür sorgt, dass sämtliche Kabel exakt dort sitzen, wo sie hingehören, um für ein optimales Sounderlebnis zu sorgen, hatte schlichtweg den Termin verwechselt. Statt Vorfreude mit der entsprechenden Endorphin-Ausschüttung hieß es bei Ernst Barten den in die Höhe schießenden Blutdruck halbwegs im grünen Bereich zu halten.

Gegen 18:30 Uhr stand dann ‚kurz vor knapp‘ ein Ersatz zur Verfügung und mit Hilfe von Risager-Bassist Søren Bøjgaard wurde es dann ‚gerichtet‘. Folge war natürlich ein verspäteter Soundcheck, der gegen 20:00 Uhr, dem eigentlich geplanten Beginn, eine lange Warteschlange quer durch den Gastrobereich des Adlers auslöste.

Angesichts der Geschehnisse waren die 25 Minuten Verspätung aber leicht zu verschmerzen, vor allem, wenn man in der Retrospektive ein Resümee des Konzerts zieht, denn das war facettenreicher, energiegeladener Blues Rock vom aller Feinsten.

Ich hatte das Septett zuletzt vor gut vier Jahren an gleicher Stelle erlebt, somit an diesem Abend zum ersten Mal mit dem ’neuen‘ Gitarristen Joachim Svensmark. Der wirkte rein äußerlich wie ein Überbleibsel aus der Grunge-Szene, ein wenig Kurt Cobain ähnelnd, und hat wohl als einziger keine Anzugspflichtklausel in seinem Vertrag stehen. Der spielte sich nach verhaltenem Beginn im Verlauf des Gigs in einen wahren Rausch und setzte wie seine Mitspieler auch, viele tolle unterschiedliche Akzente, wie zum Beispiel das Intro mit dem Geigenbogen in Jimmy Page-Manier bei „Never Givin‘ In“.

Der Bandleader, wie immer im eleganten Anzug und mit Schlägerkappe bekleidet, setzte neben der musikalischen Qualität natürlich auch wieder stark auf die Interaktion mit dem Publikum. So vollzog er alle Ansagen in deutscher Sprache und auch Drummer Martin Seidelin (überragend) sowie die Bläserfraktion mit Hans Nybo und Peter W Kehl (beide auch wieder mit Harmoniegesängen und Percussion involviert) durften bei einer Song-Ansage ihre Deutschkenntnisse zum Besten geben.

Das kam natürlich gut an und machte es der Band leicht, die Audienz zu vielen Klatschrhythmen und auch zu einer satten Mitsingaktion bei „Rock’n’Roll Ride“ zu animieren. Gespielt wurde in zwei Sets. Als am Ende des ersten Teils, der auch zwei Songs aus der Risager-Balsgaard-Duo-Kooperation enthielt („The Way You Make Me Feel“, „Insomniac Boogie“), „Hold My Lover Tight“ mit einer Urgewalt (auch dank Seidelins furiosen Trommelattacken) durch den Saal  krachte, dachte man schon, dass hier nach nichts Besseres mehr kommen konnte.

Gut gefielen mir auch die zum Durchatmen geeigneten, stark und atmosphärisch gespielten Balladen wie „Burning Up“, „Through The Tears“(beide Set 1) und I Used To Love You“ (Set 2), in denen Thorbjørn meist mit einfühlsamen Doppelsoli an seiner Les Paul neben seinem starken Gesang glänzte.

Besagtes „“Rock’n’Roll Ride“ erwies sich als idealer Einstieg für Set 2 , um direkt wieder Fahrt aufzunehmen. „In The Back Of My Mind“ (Balsgaaad mit HT-Piano-Solo, Svensmark an der Dobro), das grandiose progressiv-psychedelische „Never Givin‘ In“, „Over The Hill“ (schön retro), „Last Train“ (Publikum klatscht rhythmisch mit), das E-Gitarren-lastige „Maybe It’s Alright“ (zwei klasse Soli von Svensmark  zum Teil im Clapton-Stil) hießen die weiteren Tracks bis zum furiosen Southern Rock-Abschluss „All I Want“, das von Risager, Svensmark und dem wieder wirbelnden Seidelin in episch, „Freebird“-artige Dimensionen gehievt wurde.

Alles, was das Publikum dann wollte, war natürlich noch weiterer Nachschlag, der mit dem launig-tanzbaren Schunkler „Baby Please Don’t Go“ erfüllt wurde. Ernst Barten war (auch schon nach „“Hold My Lover Tight“) anzusehen, wie die Last des stressigen Tages von seinen Schultern fiel. Er und alle Anwesenden hatten wohl einer der besten Live-Darbietungen dieses Jahres beiwohnen können.  Thorbjørn Risager & The Black Tornado in der Form ihres Lebens!

Line-up:
Thorbjørn Risager (lead vocals, electric guitar)
Joachim Svensmark (electric guitars, percussion, vocals)
Emil Balsgaard (keys)
Søren Bøjgaard (bass, synthie)
Martin Seidelin (drums, percussion, vocals)
Hans Nybo (saxophone, percussion, vocals)
Peter W Kehl (trumpet, percussion, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Thorbjørn Risager & The Black Tornado
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Schwarzer Adler Rheinberg

Little Caesar, 16.09.2021, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Nachdem vor zwei Wochen das Musiktheater Piano nach fast einem Jahr Coronapause wieder die Tore geöffnet hatte, waren am heutigen Sonntag die Los Angeles Hardrocker Little Caesar erstmals hier in Dortmund zu Gast. Das Setup war mit dem Gig auf dem Freideck der Kantine vom 14.09.21 vergleichbar und wurde im dazugehörigen Review schon besprochen.

Wenn man beide Konzerte nebeneinander stellt, zeigte sich, dass die Intensität in Dortmund um einiges größer war. Die Hauptgründe, bei vergleichbaren Zuschauerzahlen, waren vermutlich der klarer abgemischte und lautere druckvollere Sound, sowie, dass das Konzert unbestuhlt war. Zudem durften die Dortmunder Lokalmatadoren von Markk 13 die Wartezeit der Gäste verkürzen.

Was den Stammgästen mit Sicherheit aufgefallen ist, dass das Piano in der konzertfreien Phase nicht nur einen neuen Anstrich und überarbeitete Böden bekommen hat, sondern das ohnehin vorhandene Flair durch drei Kronleuchter im Konzertsaal noch einmal aufgehübscht wurde.

Ein klein wenig wird man durch die Leuchter an das Fillmore East erinnert, was durch die alten Konzertplakate der legendären Grateful Dead an den Wänden unterstützt wird.

Dem Musikfan sei angeraten in die Konzertankündigungen der nächsten Wochen zu schauen, das Schmuckkästchen wartet mit einigen Highlights auf. Am nächsten Samstag z. B. wird Thorbjørn Risager & The Black Tornado zu Gast sein. Was einen da erwarten wird, kann im morgigen Konzertbericht aus dem Schwarzen Adler nachgelesen werden.

Line-up:
Ron Young (lead vocals)
Mark Tremalgia (electric guitar, vocals)
Pharoah Barrett (bass, vocals)
Brian Irving (drums)
Loren Moulinare (electric guitar, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Teenage Head Music
Musiktheater Piano Dortmund

Little Caesar, 14.09.2021, Open Air Bühne (Freideck), Kantine, Köln – Konzertbericht

Deutschland-Auftakt der Europa-Tournee von Little Caesar. Zum ersten Mal gab das Quintett um Bandleader Ron Young sein Stelldichein im Kölner Kantinen-Areal, sprich der dort anliegenden Open Air Bühne am sogenannten Freideck. Ich persönlich habe die Truppe aus Los Angeles bis jetzt zwar einige Male live gesehen, aber immer nur in der kleinen Krefelder Kulturrampe, die soundtechnisch aufgrund der Lautstärke dabei jedes mal so ziemlich an ihre Grenzen gebracht wurde. Deshalb war ich sehr gespannt, wie die Musik diesmal auf dem weitläufigen Gelände rüberkommen würde.

Der Wettergott kam der Bitte vom Klassiker ihres ersten Albums „I Wish It Would Rain“ nur eine knappe halbe Stunde vor Konzertbeginn auf der Hinfahrt von Rheinberg nach Köln nach, während des gut 90 Minuten währenden Gigs durfte man sich über trockene Verhältnisse bei sehr angenehmen Temperaturen freuen. Auch die gute Besucherzahl (Kantinenmacher Marcus Neu hatte da im Vorfeld etwas Bedenken) trug von daher zu besten Voraussetzungen bei.

Pünktlich um 19:30 Uhr betraten Ron Young, Mark Tremalgia, Pharao Barrett, Loren Moulinare und Brian Irving (der etatmäßige Drummer Tom Morris musste aus familiären Gründen passen) die große Bühne und legten mit „Drive It Home“, wie bei Little Caesar gewohnt, direkt einen ordentlichen Hard Rock-Drive vor.

Auch an diesem Abend zeigte sich, welch hohe Bedeutung das damals umjubelte Major-Debüt von 1990 und zugegebener Maßen immer noch beste Werk, für die Setlist der Band spielt. „Rock-N-Roll State Of Mind“, „Hard Times“, „Wrong Side Of The Tracks“, „Chain Of Fools“, besagtes „I Wish It Would Rain“, „Down-N-Dirty“ und „In Your Arms“ bildeten das starke Grundgerüst, um die Fangemeinde mit dem typischen Wechsel aus launig hart rockenden Nummern und den eingestreuten schmalzfreien Balladen, in beste Stimmung zu versetzen.

Highlights bis dahin sicherlich der Zwischenschrei von Ron Young beim Aretha Franklin-Cover „Chain Of Fools“, als Beweis für die immer noch starke Stimme des Bandleaders, an dem ein Joe Cocker sicherlich seine Freude gehabt hätte. Schön auch, als bei „Down-N-Dirty“ im Bridge die ja eigentlich vom Sänger gepachteten „Can’t you see, Can’t you see“-Zeilen von einem Zuschauer spontan übernommen wurden, was alle Anwesenden (inklusiv Band) sichtlich amüsierte und so zur lockeren Gesamtatmosphäre beitrug.

Young gab sich wie gewohnt kommunikativ (vielleicht schon etwas zu überdreht an diesem Abend), die Pfunde, die beim eh schon spindeldürren Wirbelwind Loren Moulinare (der wieder mit seiner durchgeknallten Mimik und Agilität ein absoluter Aktivposten) verlorengegangen zu sein schienen, hatten sich wohl bei Bassist Pharoah Barrett angesiedelt, der mit pumpenden Bassläufen, guten Harmoniegesängen und auch einem Leadvocal-Einsatz bei der zweiten Zugabe „Every Picture Tells A Story Happy“ mittlerweile eine gewichtige Rolle, nicht nur von der imposanten Statur her, im LC-Line-up einnimmt.

Mark Tremalgia spielte die meisten Soli auf seiner Les Paul (leider nicht immer transparent rauszuhören), Ersatz-Drummer Brian Irving fügte sich mit wuchtigem Spiel ganz flüssig ein, als wäre er schon immer dabei gewesen.

„Mama Tried“ vom momentan aktuellen Album „8“ finalisierte den Hauptteil, zwei Zugaben holte die mittlerweile stehende Audienz noch raus. Vor dem launigen „Vegas“ (klasse die Zeilen „Too stupid for New York, Too ugly for Hollywood) als erster Zugabe, ebenfalls auf „8“ vertreten, verteilte Ron wie gewohnt (siehe dazu auch unser Interview von 2016), Spitzen gegen das eigene Land, in dem er auf die immer noch weit verbreitete Bildungsarmut hinwies.

Hier führte er an, dass es in den Staaten ernsthaft sehr viele Menschen gibt, die New York für das Ende der Welt halten. Ok, wenn es statt geografisch, metaphorisch gemeint wäre, könnte man es auch als scharf skizzierte Ironie interpretieren (angesichts dessen, was diese Beton-Megastädten an Negativem um den ganzen Globus verbreiten), aber in der Tat scheint es sich wohl um ersteren Sachverhalt zu handeln…

Wie dem auch sei, der Little Caesar-Gig bot insgesamt 1 1/2 Stunden beste Hard Rock-Unterhaltung, wenn es jetzt noch gelingen würde, den Sound mal einwandfrei hinzukriegen, dann können sich alle, die die nächsten Stationen besuchen, auf eine tolle Show freuen.

Line-up:
Ron Young (lead vocals)
Mark Tremalgia (electric guitar, vocals)
Pharoah Barrett (bass, vocals)
Brian Irving (drums)
Loren Moulinare (electric guitar, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Teenage Head Music
Kantine Köln

Carly Pearce – 29: Written In Stone – CD-Review

Der Stachel sitzt tief bei Carly Pearce. Gerade mal acht Monate dauerte ihre Ehe mit dem Country-Musikkollegen Michael Ray. Dann war Schluss, Scheidung, das war’s. Dazu kam auch noch der Tod ihres früheren Produzenten busbee. Also alles andere als schöne Zeiten für die aus Kentucky stammende Künstlerin.

Wie heißt es so schön: Musik ist die beste Medizin, um solche Dinge aufzuarbeiten und wo hat das nicht größere Tradition als im Country. Zweifelsohne haben die Geschehnisse einen äußerst kreativen Prozess bei Pearce ausgelöst. Mit gleich 15 Songs voller Selbstreflexion und natürlich auch vielen Seitenhieben in Richtung des Ex-Partners werden die eigenen Wunden geleckt, aber auch wieder zum Blick nach vorne genutzt.

Sie und die beiden Produzenten Shane McAnally und Josh Osborne haben sich daher von ihrem zuletzt praktizierten, mainstreamig-ausgerichteten Stil wieder mehr zu ihren bluegrassigen, traditionellen Country-Roots hingewendet, was sich bei der Thematik dieses ‚Konzept‘-Albums auch anbietet.

“I ain’t a coal miner’s daughter, But I’ve sung it all my life/ I ain’t been a widow, But I’ve been an ex-wife/ And I hear your truth, And I feel your pain/ Now I know why you sang that way…” heißt es stellvertretend in „Dear Miss Loretta“, wo es dann auch noch vokale Unterstützung von Ikone Patty Loveless gibt. Weiteren Beistand erhält sie beim schönen „Never Wanted to Be That Girl“ von Ashley McBryde.

Und so dominieren auch die traditionell-typischen Countryinstrumente  wie Mandoline, (kratzige) Akustik- und E-Gitarre (oft Slide und Bariton), weinende/heulende Fiddle, knarzende Dobro (omnipräsent) und Steel zu Carlys oft verletzlichem Gesang, eindeutig die Szenerie. Drums/Percussion, Bass und Keys wirken eher als dezentes Beiwerk.

Hier kann Carly sich ganz auf das Können der involvierten Nashville-Parade-Musiker verlassen, die einfach wissen, wie man in einer solchen Stimmung, beziehungswiese Thematik, spielen muss. Die Scheibe erinnert mich rein musikalisch von der Art her ein wenig an Kathy MatteasRight Out Of Nowhere„.

Allein der Schlagabtausch am Ende von „Easy Going“ zwischen Ilya Toshinskys Akustikgitarre, Jenee Fleenors Fiddle und Josh Mathenys Dobro sind schon den Kauf des Werkes wert. Weitere Highlights in einem in sich geschlossenen Werk, sind die beiden, mit einem lässigen E-Gitarrenrhythmus shuffelnden „Your Drinkin‘, My Problem“ und „Liability“.

‚Leiden mit Carly‘ ist so das gefühlte Motto auf dem 15-teiligen Country-Gefühlstripp „29: Written In Stone“. Die Lebenserfahrung sagt natürlich am Ende auch, dass die Schuld meist nicht nur auf einer Seite zu suchen ist. Interessant wäre sicherlich mal zu wissen, was Michael Ray über die Scheibe zu sagen hat…

Big Machine Records (2021)
Stil: New Country

01. Diamondback
02. What He Didn’t Do
03. Easy Going
04. Dear Miss Loretta
05. Next Girl
06. Should’ve Known Better
07. 29
08. Never Wanted to Be That Girl
09. Your Drinkin‘, My Problem
10. Liability
11. Messy
12. Show Me Around
13. Day One
14. All The Whiskey In The World
15. Mean It This Time

Carly Pearce
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Universal Music

Colin Linden – bLOW – CD-Review

Review: Michael Segets

Im zarten Alter von elf inspirierte ein Gespräch mit Howlin‘ Wolf den jungen Colin Linden, sich der Musik zu verschreiben. In den letzten fünfundvierzig Jahren hat er dann auch Fußstapfen in der Musikgeschichte hinterlassen. Auf über 500 Longplayern wirkte er als Gitarrist und Sänger mit. Als Produzent kann er auf rund 140 Veröffentlichungen zurückblicken. Er spielte zusammen mit Bruce Cockburn, Bob Dylan, Gregg Allman und John Prine und produzierte Alben von Sue Foley und Keb‘ Mo‘, um nur einige zu nennen. Seit einem Vierteljahrhundert ist Linden als Mitglied von Blackie And The Rodeo Kings aktiv. Mit der Band und auch als Solokünstler heimste er einige Nominierungen und Trophäen der Juno Awards und einen Grammy ein. Unter seinem eigenen Namen liegt nun der vierzehnte Longplayer „bLOW“ vor. (Und nein, mir ist kein Fehler mit der Umstelltaste unterlaufen.)

Auf ihm widmet sich Linden dem Electric Blues, bei dem die E-Gitarren im Vordergrund stehen. Die Stücke orientieren sich teilweise an klassischen Größen wie Bo Diddley („4 Cars“) oder John Lee Hooker („Boogie Let Me Be“), wobei sie modern und zeitgemäß wirken. Aber auch aktuelle Anlässe bilden die Grundlage seiner Songs. Mit dem Titeltrack „Blow“ (diesmal in der konventionelle Schreibweise gelistet) greift er auf seine Erlebnisse während eines Tornados zurück. Schwere Stürme suchen Amerika in den letzten Jahren ja regelmäßig heim. Den Lockdown während der Pandemie bearbeitet Linden auf „Honey On My Tongue“.

Der Bluesrock dominiert die Scheibe. Dabei lässt Linden die Gitarrensaiten ausgiebig vibrieren. „Ain’t No Shame“ ist so ein gitarrengetriebener Beitrag. Daneben setzt er auch gerne die Hammond-B3-Orgel ein wie bei dem mit einem melodiösen Refrain versehenen „When I Get To Galilee“. Ein Piano klimpert auf „Angel Next To Me“ im Hintergrund und bringt so nochmal eine neue Note in den Sound. Linden groovt mal locker („Until The Heat Leaves Town“), mal etwas dunkler – beispielsweise bei dem Roadhouse Blues „Houston”. Straight forward geht „Right Shoe Wrong Foot“, allerdings deutlich erdiger als die anderen Songs, da den kratzigen und expressiven Gitarren weniger Raum gegeben wird. Ganz anders ist da „Change Don’t Come Without Pain“. Hier zelebriert Linden den Blues in Reinform über sieben Minuten und schöpft die Möglichkeiten der elektrischen Gitarre aus.

Linden zeigt eine gewisse Affinität zu Film und Fernsehen. Beim Soundtrack für „O Brother Where Are Thou“ wirkte er ebenso mit wie bei der Fernsehserie „Nashville”. Für ein weiteres Fernsehprojekt, nahm er einige Stücke auf, die dann den Grundstock für „bLOW“ legten. Den Gedanken, ein elektrifiziertes Bluesrock-Album zu machen, trägt Linden schon lange mit sich herum – vielleicht schon seit 1982, dem Jahr aus dem das Foto stammt, das das Cover ziert. Nun war wohl die richtige Zeit für die Realisation des Projekts gekommen, zumal der Longplayer als erste Veröffentlichung auf dem neuen Label Imprint von Lucinda Williams erscheint.

Colin Linden setzt mit „bLOW“ ein lang gehegtes Vorhaben in die Tat um. Er stellt ein kraftvolles Bluesrock-Album vor, das einerseits als Hommage an die Urväter des Blues verstanden werden kann, andererseits bewegt es sich auf der Höhe der Zeit. Seine Erfahrungen ausspielend und mit viel Energie aufspielend unternimmt er einen Streifzug durch die Facetten des Genres. Dabei lässt er nichts anbrennen.

Zuletzt kann das Geheimnis um den Albumtitel noch gelüftet werden: Die Schreibweise geht auf Lindens kleinen Neffen zurück, als dieser einen Entwurf für ein Cover zeichnete.

Highway 20 – Thirty Tigers (2021)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. 4 Cars
02. Ain’t No Shame
03. Until The Heat Leaves Town
04. Angel Next To Me
05. Boogie Let Me Be
06. When I Get To Galilee
07. Blow
08. Change Don’t Come Without Pain
09. Right Shoe Wrong Foot
10. Houston
11. Honey On My Tongue

Colin Linden
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Larkin Poe & Nu Deco Ensemble – Paint The Roses: Live In Concert – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Bereits in den 1960er Jahren haben Rockbands (u. a. Deep Purple) Orchester-Kooperationen in Live-Konzerten eingespielt. Das ist auch heute noch oft eine Herausforderung für alle Beteiligten (siehe z. B. Metallica: „S&M“ (1999) und S&M2 (2020), Kiss (2003)). Etwas leichter hatten es die beiden US-Bluesrockerinnen von Larkin Poe, die über eine klassische Grundausbildung (Violine und Piano) verfügen. Trotzdem muss die außergewöhnliche Performance mit dem Nu Deco Ensemble für Megan und Rebecca Lovell eine neue Erfahrung gewesen sein. Ihre erste Live-Aufnahme „Paint The Roses“ wurde während eines Gast Auftrittes am 12. Dezember 2020 im North Beach Bandshell, Miami Beach, Florida, anlässlich einer Live-Stream-Show des renommierten Orchesters aufgezeichnet und enthält überwiegend Songs ihres Billboard Blues Charts Nr. 1-Albums „Self Made Man“.

Die Einleitung von „Paint The Roses“ beginnt allerdings mit der alten Gospel-Nummer „Sometimes“ von Folk-Ikone Bessie Jones, traditionell rhythmusintensiv und im Mittelteil durch die orchestrale Bläserbegleitung modern ausgestaltet, jedoch unverändert eine Roots-Rock-Reminiszenz. Als weiteres Highlight folgt das Medley „Back Down South/Blue Sky“ mit dem Allman Brothers-Track als grandioser Orchester Interpretation, einer vehementen Southern-Rock-Betonung und einem Dankeschön an die großen Brüder der „kleinen“ Schwestern. Das innovative Orchesterpassagen auch mit älteren Lovell-Songs großartig harmonisch übereinstimmen, beweist „Mad As A Hatter“ aus dem Jahre 2012 mit nahezu experimenteller Ausrichtung – jedoch passend zu den bewegenden Lyrics der ursprünglichen Folk-Blues-Nummer.

Durch die Orchestrierung erhalten die Larkin Poe Stücke neue Ausdrucksstärke und außergewöhnliches Klangvolumen; das Nu Deco Ensemble beweist seine eigene, bemerkenswerte und teilweise extravagante Inszenierung der Kompositionen durch die klassische Note. Tracks, wie „Every Bird That Flies“ und „Self Made Man“ wachsen als Folge der Orchester-Aufarbeitung in kraftvollen Live-Versionen über sich hinaus. Die spannende und begeisternde Aufzeichnung des Larkin Poe-Gastkonzertes ist leider mit nur 30 Minuten etwas kurz geraten, wobei der erhebliche, künstlerisch musikalische Aufwand für die Instrumentalisierung dieser orchestralen Begleitung von sieben Stücken nicht zu unterschätzen sein dürfte.

Der Live-Longplayer „Paint The Roses“ bietet ein Klassik-Blues-Rock-Ereignis der besonderen Art, oder wie es Megan Lovell im American Songwriter Interview ausdrückt: „This event feels like a homecoming to us“. Larkin Poe knüpfen mit ihrem neuen Album an erfolgreiche Orchester-Rock Releases der letzten Jahrzehnte an.

Tricki-Woo Records/Proper/Bertus (2021)
Stil: Blues, Klassik

Tracks:
01. Sometimes
02. Back Down South/Blue Sky
03. Mad As A Hatter
04. Danger Angel
05. Tears Of Blue To Gold
06. Every Bird That Flies
07. She’s A Self Made Man

Larkin Poe
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Nu Deco Ensemble
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Another Dimension

Melissa Etheridge – One Way Out – CD-Review

Review: Michael Segets

Beim ersten flüchtigen Durchlauf von „One Way Out” dachte ich, dass Melissa Etheridge wie in ihren frühen Jahren klingt. Dieser Eindruck täuschte nicht, denn die Ursprünge der Songs gehen tatsächlich bis in die 1980er zurück. Damals hatten die Stücke nicht den Weg auf ein Album gefunden. Diese Entscheidung muss aus irgendwelchen konzeptionellen Gründen gefallen sein, denn bei den Tracks handelt es sich nicht um Ausschuss- oder B-Ware.

Die Stücke gerieten in Vergessenheit, bis Etheridge ein Boxset über ihre Karriere plante. Sie trommelte ihre Weggefährten 2013 zusammen und spielte die Tracks gemeinsam mit Gitarrist John Shanks (Stevie Nicks, Sheryl Crow), Bassisten Kevin McCormick (Jackson Browne, Nils Lofgren) und Schlagzeuger Fritz Lewak (Jackson Browne, Vonda Shepard) ein.

Das Boxset wurde aufgrund eines Labelwechsels jedoch nie realisiert und Etheridge wandte sich neuen Projekten zu. Es gingen weitere sieben Jahre ins Land, bis ihr die Aufnahmen wieder ins Gedächtnis kamen. Angereichert mit zwei Livemitschnitten eines Konzerts von 2002 in Los Angeles liegen die sieben Songs auf „One Way Out“ nun als eigenständige Veröffentlichung vor.

Volle Gitarren, kräftige Mundharmonika und treibender Rhythmus dominieren den Titeltrack, der zugleich als erste Single ausgekoppelt wurde. „One Way Out“ erscheint vielleicht noch einen Tick härter als ich die Songs aus ihren musikalischen Anfangsjahren in Erinnerung habe. Auch sonst legt sich Etheridge mächtig ins Zeug. Mit Mundharmonika-Sprengseln nimmt beispielsweise „For The Last Time” Fahrt auf und steigert sich zu einem Refrain, bei dem sich Etheridge quasi die Seele aus dem Leib singt.

Die Studioaufnahmen wirken wie aus einem Guss, wobei sich die einzelnen Stücke voneinander abheben. In „As Cool As You Try” ist ein Gitarrensolo eingebaut – so cool wie der Titel verspricht. Die Hu-Hus auf „Save Myself” erinnern an die Rolling Stones. Mit „That Would Be Me” rockt Etheridge in für sie klassischer Manier, erneut unter Einsatz der Mundharmonika.

Neben den fünf allesamt erstklassigen Rockern streut Etheridge zwei langsamere Songs ein. Auch mit diesen knüpft die zweifache Grammy- und Oscar-Preisträgerin stilistisch an ihre frühen Erfolge an. Das Ende von „I’m No Angel Myself” untermalen gefühlvolle Gitarrenvibes. Während sie dort ihre Stimmgewalt zeigt, lebt „Wild Wild Wild“ von dem sensiblen Gesang, bei dem Etheridges markante Stimmfarbe voll zur Geltung kommt.

Mit den beiden Live-Mitschnitten hebt sich die Spiellänge der CD auf Album-Niveau, wobei sie die konzeptionelle Anlage des Werks durchbrechen. Ich bin kein Fan von Longplayern, auf denen Studio- und Liveaufnahmen gemischt sind, aber die beiden straight rockenden Songs „You Have No Idea” und „Life Goes On” lassen die Energie erahnen, die Etheridge auf der Bühne entwickelt. Es wäre schade gewesen, wenn die beiden, meines Wissens bislang unveröffentlichten, Titel weiterhin in der Schublade verschwunden geblieben wären. Als Bonus-Tracks stellen sie eine ideale Ergänzung des Streifzugs durch fast vergessene Aufnahmen dar.

Melissa Etheridge gräbt auf „One Way Out“ Schätze aus, die bislang in ihrem Fundus schlummerten. Durch die Bank wecken sie Erinnerungen an ihre ersten Veröffentlichungen. Auf den Songs rockt Etheridge fern jeglicher Nostalgie frisch wie in jungen Jahren.

Anmerkung der Red.: Der Veröffentlichungstermin der physischen Version ist kurzfristig auf den 01.10.2021 verschoben worden!

BMG Rights Management/Warner (2021)

Stil: Rock

Tracks:
01. One Way Out
02. As Cool As You Try
03. I’m No Angel Myself
04. For The Last Time
05. Save Myself
06. That Would Be Me
07. Wild Wild Wild
08. You Have No Idea (Live)
09. Life Goes On (Live)

Melissa Etheridge
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Netinfect Promotion

Heigh Chief. – Midnight Oil – CD-Review

Dass Southern Rock sich auch in den nordischen Ländern großer Beliebtheit erfreut, ist kein offenes Geheimnis. Bands aus dieser Region, die es in Blickwinkel der größeren Öffentlichkeit geschafft haben, sind allerdings meines Wissens eher rar gesät.

Die einstigen Guitar Slingers mit Ben Granfelt, Hellsingland Underground, der neuliche Newcomer Kurt Mauser, das war es aber dann aber auch so in etwa. Klammheimlich hat sich seit 2015 scheinbar auch in Norwegen etwas getan.

Aus der Marcus Løvdal Band, die sich aus einer Bierlaune gegründet hatte und sofort bei einer Blues Competition Platz 1 erreichte, entstand dann Heigh Chief. Mittlerweile ist schon das vierte Werk der Band „Midnight Oil“ (das dritte unter der jetzigen Firmierung) in der Besetzung Bjørn Blix (vocals, guitar, slide guitar, mandolin), Marcus Løvdal (vocals, backing vocals, guitar, acoustic guitar, slide guitar), Lasse Nordby (bass, backing vocals), Jonatan Eikum (drums, percussion) und Christian Narum (keys) am Start, aufgenommen in Leif Johansens Osloer Stable Studios, der sich auch für die Produktion verantwortlich zeigt. Labeltechnisch übernommen haben diesmal unsere Freunde von Juke Joint 500, die das Album wieder gewohnt liebevoll in handnummerierter 500er Auflage als LP in gelbem Vinyl und als CD mit achtseitigem Booklet aufgelegt haben.

Das Ergebnis des Quintetts kann sich wirklich sehen lassen. Neun variable, überaus melodische, Southern Rock-typische Eigenkreationen (ok, hoffen wir mal, dass bei dem einen oder anderen Track wie zum Beispiel beim Beginn von „Kick It“ keine Plagiatsjäger unterwegs sind…) und ein gelungenes Van Morrison-Cover „Crazy Love“, mit integrierter schöner Lowell George-Note (mit einem Hauch von „Willin'“) sind dabei herausgekommen.

Die Band besticht durch einen nordisch coolen, leicht introvertierten, grummeligen E-/Slide-Gitarren-Sound, kombiniert mit sehr schön klar-kratzigen Akustikgitarren oder einer knispelnden Mandoline, getragen von polterndem Drumming, das aber in entsprechenden Situationen schön zurückgenommen wird und auch mal nur perkussiv ergänzt wird. Hervorragend Christian Narum an den Keys, der klassisches, wie auch das E-Piano und die Orgel, je nach Song, immer wieder bestens positioniert. Auch am von mir oft, in unseren Breitengraden, kritisierten Leadgesang gibt es nichts auszusetzen, passt sehr gut.

Junger frischer kreativer Musikelan, gepaart mit Einflüssen von Altstars wie den Allman Brothers, Little Feat, Jackson Browne oder der Tedeschi Trucks Band, sorgen für ein recht eigenwilliges, aber sehr empfehlenswertes Southern Rock-Erlebnis, das von vorne bis hinten Spaß bereitet. Bei Heigh Chiefs. „Midnight Oil“ heißt es, ohne Wenn und Aber, sich in jedem Fall ein Exemplar (je nach Gusto) oder am besten direkt beide Tonträgerversionen der limitierten Auflagen zu sichern. Das Werk hätte einen Ausverkauf absolut verdient.

Juke Joint 500 (2021)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Midnight Oil
02. Kick It
03. Half a Heart
04. Tailor Made
05. Spare A Dime
06. Caroline
07. Change Of Heart
08. You Got Something
09. Coming Home
10. Crazy Love

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Juke Joint 500

Charley Crockett – Music City USA – CD-Review

Review: Michael Segets

Bereits mit dem Erscheinen des Tributes für James Hand im März kündigte Charley Crockett ein weiteres Album an. „Music City USA“ lies tatsächlich nur ein halbes Jahr auf sich warten. Sechzehn Eigenkompositionen sind auf dem Werk vertreten, das auch als Doppel-LP herauskommt.

Es läuft gut für Crockett: mehr als 50 Millionen Streams, Nominierung bei den diesjährigen Americana Music Association Awards und ein Platz in der aktuellen Museumsausstellung der Country Music Hall of Fame. Warum also umsatteln? Crockett reitet sein Pferd weiter, ganz nach dem Motto „Run Horse Run“, seiner Single von „Welcome To Hard Times“ (2019). Seine Fans werden daher von „Music City USA“ nicht enttäuscht.

Wenn Crockett nicht im Studio aufnimmt, tourt er unermüdlich und tritt bei Festivals auf. Ein Live-Album von ihm steht allerdings noch aus. Das rastlose Umherreisen durchzieht thematisch seine Lieder. Sobald er angekommen ist, packt ihn die Sehnsucht und er zieht weiter. Filmisch setzt Crockett dies in der Videotrilogie seiner ersten Singles „I Need Your Love”, „Round This World“ und „I Won’t Cry“ gekonnt in Szene. Mit verhältnismäßig wenig Aufwand, aber in stilvollen Bildern, erzählt er dort seine Geschichten.

Dem Country ist das romantische Fernweh und der Aufbruch zu neuen Ufern inhärent, daher wundert es nicht, dass Crockett hier seine Domäne setzt. Verschiedentlich als New Traditional Country bezeichnet, verwendet Crockett selbst den Ausdruck Gulf & Western für seine Musik. In melodiösen und oft unaufgeregten Bahnen zelebriert Crockett seine Songs. Dabei bedient er sich auch anderer Musikstile als dem Country. „This Foolish Game” ist ein Blues, bei dem Bläser eingesetzt werden. Diese fallen auch bei „I Won’t Cry” auf, der wie „I Need Your Love“ in Richtung Soul oder R&B geht.

Die meisten Stücke folgen aber in ihrer Machart mit Slide, Twang, Steel Pedal und gelegentlicher Geige traditionellen Pfaden der Country-Musik. Sie sind fast durchgängig im mittleren Tempobereich mit minimalen Variationen angesiedelt, wodurch sich auf Dauer leichte Ermüdungserscheinungen einstellen, obwohl die Titel für sich genommen durchaus gelungene Genrebeiträge darstellen. Rhythmische Abwechslung bringen das flotte „Round This World“, der Walzer „Just So You Know” und das im Sprechgesang vorgetragene „Only Game In Town”. „Skip A Rope” hebt sich durch den tiefen Gesang von den anderen Tracks ab und setzt so einen bemerkenswerten Schlusspunkt.

Mit „Music City USA“ festigt Charley Crockett sein Image als von Sehnsucht getriebener Vagabund. Seine Ader für den Country klassischer Machart lebt er ausgiebig aus. Die Mehrzahl der Songs kann einen so durch die endlos erscheinenden Weiten des mittleren Westens begleiten. Interessanter sind die Stücke, bei denen Crockett den Rhythmus und die stilistische Ausrichtung variiert. Dann läuft er erneut zu Hochform auf, wie die Singles beweisen.

Son Of Davy – Thirty Tigers/Membran (2021)
Stil: Country

Tracks:
01. Honest Fight
02. I Need Your Love
03. The World Just Broke My Heart
04. Are We Lonesome Yet
05. This Foolish Game
06. Round This World
07. Music City USA
08. Just So You Know
09. Lies And Regret
10. I Won’t Cry
11. Smoky
12. Muddy Water
13. 518
14. Only Game In Town
15. Hanger On
16. Skip A Rope

Charley Crockett
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Lauren Alaina – Sitting Pretty On Top Of The World – CD-Review

Mit ihren nicht mal dreißig Jahren hat die aus Rossville, Georgia, stammende Lauren Alaina bereits eine sehr passable Karriere hingelegt. Durch die erfolgreiche Teilnahme an der Casting-Show American Idol, wo sie 2011 bei der 10. Staffel Platz 2 hinter Scotty McCreery belegte, und dem Debütalbum „Wildflower“, das direkt Platz 2 in der Billboard-Country-Charts (allgemein Platz 5) erklomm, geriet alles ins Rollen.

Jetzt, gute zehn Jahre später, bringt sie nach erfolgreichen Touren mit diversen Nashville-Superstars wie Alan Jackson, Blake Shelton, Carrie Underwood, Luke Bryan, Martina McBride und Jason Aldean, diversen Nominierungen und Auszeichnungen, nach „Road Less Travelled“ und einigen EPs mit „Sitting Pretty On Top Of The World“ ihr drittes Album (hier in Deutschland nur digital erhältlich) heraus.

Kommen wir direkt zum einzigen Wermutstropfen: Wie schon ein sehr geschätzter Kollege eines anderen Magazins richtig anmerkte, fragt man sich spontan, wer dieses Coverbild ‚verbrochen‘ hat, das die Protagonistin wirklich alles andere als vorteilhaft, in Szene setzt und auch farbkompositorisch- und schrifttechnisch nicht gerade brilliert. Gäbe es bei den gängigen Music-Awards im Bereich Art Direction oder Cover-Design auch sowas, wie die berühmt-berüchtigte ‚Goldene Himbeere‘ in der Filmbranche, wäre dies wirklich ein ganz heißer Kandidat.

Da es hier aber um Musik an sich geht, kann man dies trotzdem getrost ausblenden, denn hier überzeugt das Werk in allen Belangen. Stützen kann sich Lauren, wie gewohnt, auf ihre tolle ausdrucksstarke Stimme (die gefällt mir außerordentlich gut und ruft starke Assoziationen zu Lindsey Ell und Carrie Underwood hervor), aber auch auf ihr Songwriting-Können (sie hat alle der fünfzehn Tracks bis auf einen mit  komponiert). Produziert hat der Leadguitarist der Pop-Rock Band Boys Like Girls Paul diGiovanni (Mitchell Tenpenny, Jordan Davis), lediglich für das famose Frauenpower-Duett mit Trisha Yearwood (hat immer noch eine grandiose Stimme) bei „Getting Good“ saß David Garcia an den Reglerknöpfen.

Apropos Duette: Hier wissen auch die weiteren Beteiligungen vom dänischen Popstar Lukas Graham bei „What Do You Think Of?“, einem herzzerreißend gesungenen Schmachtfetzen und Jon Pardi bei „Getting Over Him“ (klasse Southern Country-Rocker), absolut zu überzeugen.

Die Stärke dieses Werkes liegt besonders in der Balance zwischen modern-poppigem Flair (nie zu dick auftragend) und knackigem New Country mit den typischen Instrumenten wie Steel-, Akustik- und E-Gitarre, Dobro, Fiddle, und Mandoline, die alle ebenso schön dezent, je nach Song, eingebracht werden.

Herrlich zum Beispiel das an „Tears Of Heaven“ erinnernde claptoneske Akustikgitarren-Intro/Spiel beim Titelstück „On Top Of The World“, für das sich, wie so oft, Ilya Toshinsky verantwortlich zeigt, der auch bei den anderen Tracks wieder seine gewohnte Maßarbeit verrichtet.

„Same Story, Different Saturday Night“, „I’m Not Sad Anymore“ und „Written In The Bar“ gehen allesamt auf das Konto des Songwriter-Quartetts Lauren Alaina, Hillary Lindsey, Lori McKenna und Liz Rose, die das heutige Beziehungsleben mit gewohnt charmanten und pointierten Texten countrytypisch reflektieren. Ein tolles Kreativteam!

Das knackig dahinpreschende „Run“ (dieser, wie einige andere Lieder auch, sehr an Lindsey Ell reminiszierend – Lauren hatte ja auch bei Ells Livestream-Event vor kurzem mitgewirkt) stammt lustiger Weise aus der Feder von Alaina, Kennedi Lyyken und Ben Johnson (hoho – hier ist allerdings natürlich nicht der einstmalige Doping-Sünder mit von der Partie…).

Meine Lieblingssongs in einem durchweg überzeugenden Longplayer sind neben dem herrlichen Storytelling-Opener „It Was Me“ die beiden Leviten-lesenden „When The Party’s Over“ (mit leichter „That Don’t Impress Me“-Shania-Note) und der melodiöse Countryschunkler „You Ain’t A Cowboy“, bei dem Alaina eine glänzende Gesangsvorstellung abgibt und E-Gitarrist Derek Wells auch ohne Solo, sondern nur mit akzentuierter Fill- und Hintergrundarbeit, sein exzellentes Können einfließen lässt.

Lauren Alaina liefert mit „Sitting Pretty On Top Of The World“ einen sehr schön abwechslungsreichen und kurzweiligen Longplayer ab, der sie wieder ganz oben ins Rampenlicht bringen wird. Wer Spaß an ausdrucksstarken, stimmgewaltigen Künstlerinnenkolleginnen wie z. B. Lindsay Ell, Carrie Underwood, Shania Twain, Carly Pearce, Whitney Duncan, etc. hat, der darf auch bei Lauren Alainas neuem Album bedenkenlos zugreifen. Klasse!

Mercury Nashville (Universal) (2021)
Stil: New Country

01. It Was Me
02. If The World Was A Small Town
03. Getting Good (feat. Trisha Yearwood)
04. Same Story, Different Saturday Night
05. On Top Of The World
06. Run
07. What Do You Think Of? (feat. Lukas Graham)
08. I’m Not Sad Anymore
09. Getting Over Him (feat. Jon Pardi)
10. Good Ole Boy
11. When The Party’s Over
12. You Ain’t A Cowboy
13. Goodbye Street
14. Written In The Bar
15. Change My Mind

Lauren Alaina
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