Neil Young & Crazy Horse – Colorado – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Sieben Jahre ist es mittlerweile her, dass Neil Young mit seiner eigentlichen Stammband Crazy Horse ein Studioalbum aufnahm. In der Besetzung von Crazy Horse hat sich mittlerweile eine markanteVeränderung ergeben. Für den Gitarristen Sampedro ist nun Nils Lofgren wieder an Bord, der schon zu Beginn der Achtziger Jahre im Tour-Line-up der Band war.

Mit dem Opener „Thinking Of Me“ begibt sich Young stilistisch wieder in die countryeske Zeit der späten siebziger Jahre. Harmonischer Gesang, akustische Gitarren und begleitende Mundharmonika lassen wieder das Feeling dieser Ära aufkommen und wird insbesondere die Fans der Alben wie „Harvest“, „Zuma“ oder den ersten Teil von „Rust Never Sleeps“ hellhörig werden lassen.

Die Idylle des Country ist aber mit „She Showed Me Love“ erst einmal beendet. Der für das Ensemble typische Gitarrensound mit z. T. stampfenden Rhythmus knüpft nahtlos an damalige Glanzzeiten an und zeigt, dass Young mit den Jahren seiner mittlerweile über 50-jährigen Musikerkarriere nichts an Klasse eingebüßt hat. Schön in diesem Song auch der harmonische Background Gesang von Lofgren und die für Young typisch abgehakt wirkende Solospielart.

„Olden Days“ nimmt wieder etwas Dampf aus dem Kessel. Leicht balladesk vorgetragen, bringen Crazy Horse hier einen sehr melodischen Song.

„Help Me Lose My Mind“ offeriert einen scheinbar zerrissenen Young. Wütende Gesangspassagen wechseln mit melodischen Refrains und wilde Soli des Meisters unterstützen die Thematik des Songs, in dem Young scheinbar flehentlich um Hilfe für sich bittet, wenn er den Verstand verliert, was hoffentlich nicht so schnell passiert, wenn man dabei an die enorme Kreativität des gebürtigen Kanadiers denkt.

Dem eher düsteren Vorsong lässt Young mit „Green Is Blue“ ein sehr harmonisches Stück folgen, bei dem er sich in seiner typischen Art am Piano begleitet.

Wer Neil Young kennt, weiß, dass er immer zu aktuellen Weltgeschehen Stellung bezieht. Das hart vorgetragene „Shut It Down“ kommt fast wie das wütende Plädoyer eines Staatsanwalts her, der die anklagt, welche die Zerstörung der Umwelt mit zu verantworten haben.

Fast träumerisch kommt dagegen „Milky Way“ her, wo auch die elektrischen Gitarren eher reduziert eingesetzt werden und so ein sehr harmonischer, eher ruhiger Track entsteht. Thematisch geht es bei „Eternity“ ähnlich weiter. Neil Young am Piano, die anderen Instrumente sehr zurückhaltend eingesetzt, wird die Ewigkeit und den Zug der Liebe beschrieben.

In „Rainbow Of Colours“ mit getragene Gesangspassagen und melancholisch gespielte Harmonien beschreibt Young in der für ihn typischen Art kritisch die alten USA.

Im abschließenden „I Do“, einem sehr ruhiges Lied erscheint die Stimme des Kanadiers fast zerbrechlich und man könnte den Eindruck haben, er würde um das Resümee einer Beziehung gehen.

„Colorado“ ist ein insgesamt starkes Neil Young & Crazy Horse-Album, auf dem Young wieder einige seiner Facetten zeigt. Nicht so brachial wie zu Zeiten nach „Live Rust“, aber immer noch dynamisch, legt er mit Crazy Horse einen weniger psychedelischen Nachfolger zu „Psychedelic Pill“ hin, der aber beweist, dass Crazy Horse noch lange nicht gezähmt ist.

Ein Werk, dass in keiner Neil Young-Sammlung fehlen sollte. Dies nicht nicht nur der Vollständigkeit halber, sondern der erfrischenden Qualität der scheinbar unendlichen Ideen des Youngschen Songwritings geschuldet. Es bleibt zu hoffen, dass die Formation noch einmal den Weg über das große Wasser macht, um den Fans in Europa auch dieses neue Material live zu präsentieren.

Line Up Crazy Horse:
Neil Young – lead vocals, guitars, piano, vibraphone, harp
Nils Lofgren – guitars, vocals, harmonium
Ralph Molina – drums, vocals
Billy Talbot – bass, vocals

Reprise Records (Warner) (2019)
Stil:  Rock

Tracklist:
01. Thinking Of Me
02. She Showed Me Love
03. Olden Days
04. Help Me Lose My Mind
05. Green Is Blue
06. Shut It Down
07. Milky Way
08. Eternity
09. Rainbow Of Colors
10. I Do

Neil Young
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