Heigh Chief. – Midnight Oil – CD-Review

Dass Southern Rock sich auch in den nordischen Ländern großer Beliebtheit erfreut, ist kein offenes Geheimnis. Bands aus dieser Region, die es in Blickwinkel der größeren Öffentlichkeit geschafft haben, sind allerdings meines Wissens eher rar gesät.

Die einstigen Guitar Slingers mit Ben Granfelt, Hellsingland Underground, der neuliche Newcomer Kurt Mauser, das war es aber dann aber auch so in etwa. Klammheimlich hat sich seit 2015 scheinbar auch in Norwegen etwas getan.

Aus der Marcus Løvdal Band, die sich aus einer Bierlaune gegründet hatte und sofort bei einer Blues Competition Platz 1 erreichte, entstand dann Heigh Chief. Mittlerweile ist schon das vierte Werk der Band „Midnight Oil“ (das dritte unter der jetzigen Firmierung) in der Besetzung Bjørn Blix (vocals, guitar, slide guitar, mandolin), Marcus Løvdal (vocals, backing vocals, guitar, acoustic guitar, slide guitar), Lasse Nordby (bass, backing vocals), Jonatan Eikum (drums, percussion) und Christian Narum (keys) am Start, aufgenommen in Leif Johansens Osloer Stable Studios, der sich auch für die Produktion verantwortlich zeigt. Labeltechnisch übernommen haben diesmal unsere Freunde von Juke Joint 500, die das Album wieder gewohnt liebevoll in handnummerierter 500er Auflage als LP in gelbem Vinyl und als CD mit achtseitigem Booklet aufgelegt haben.

Das Ergebnis des Quintetts kann sich wirklich sehen lassen. Neun variable, überaus melodische, Southern Rock-typische Eigenkreationen (ok, hoffen wir mal, dass bei dem einen oder anderen Track wie zum Beispiel beim Beginn von „Kick It“ keine Plagiatsjäger unterwegs sind…) und ein gelungenes Van Morrison-Cover „Crazy Love“, mit integrierter schöner Lowell George-Note (mit einem Hauch von „Willin'“) sind dabei herausgekommen.

Die Band besticht durch einen nordisch coolen, leicht introvertierten, grummeligen E-/Slide-Gitarren-Sound, kombiniert mit sehr schön klar-kratzigen Akustikgitarren oder einer knispelnden Mandoline, getragen von polterndem Drumming, das aber in entsprechenden Situationen schön zurückgenommen wird und auch mal nur perkussiv ergänzt wird. Hervorragend Christian Narum an den Keys, der klassisches, wie auch das E-Piano und die Orgel, je nach Song, immer wieder bestens positioniert. Auch am von mir oft, in unseren Breitengraden, kritisierten Leadgesang gibt es nichts auszusetzen, passt sehr gut.

Junger frischer kreativer Musikelan, gepaart mit Einflüssen von Altstars wie den Allman Brothers, Little Feat, Jackson Browne oder der Tedeschi Trucks Band, sorgen für ein recht eigenwilliges, aber sehr empfehlenswertes Southern Rock-Erlebnis, das von vorne bis hinten Spaß bereitet. Bei Heigh Chiefs. „Midnight Oil“ heißt es, ohne Wenn und Aber, sich in jedem Fall ein Exemplar (je nach Gusto) oder am besten direkt beide Tonträgerversionen der limitierten Auflagen zu sichern. Das Werk hätte einen Ausverkauf absolut verdient.

Juke Joint 500 (2021)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Midnight Oil
02. Kick It
03. Half a Heart
04. Tailor Made
05. Spare A Dime
06. Caroline
07. Change Of Heart
08. You Got Something
09. Coming Home
10. Crazy Love

Heigh Chief.
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Juke Joint 500

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