Peter Parcek – Most Of The Time – CD-Review

Der letzte Review zu Peter Parcek ist schon ein gutes Weilchen her. Soweit ich mich erinnere, hatten wir uns danach mal kurz über Facebook ausgetauscht, Seither versorgt der Algorithmus mich regelmäßig mit seinen Posts bezüglich Geburtstagen seitens von ihm geschätzten, sowohl lebenden als auch bereits verblichenen Musikern.

Nun landete mal wieder mit „Most Of The Time“ ein neues Werk des Mannes in meinem Briefkasten, den Buddy Guy gitarrentechnisch auf eine Stufe mit Eric Clapton gestellt hatte. Und dass er Gitarre spielen kann, daran lässt auch diese neue CD keinen Zweifel, auf der er sich im Prinzip seiner Linie treu bleibt: Diverse, gut gemachte Coverversionen von Künstlern, denen er offensichtlich seine Wertschätzung zum Ausdruck bringen möchte, als auch ein paar neue Eigenkreationen (die sind solide und ok, aber da fehlt weiterhin der große ‚Wurf‘). Ganz klar auch auf diesem Longplayer im Mittelpunkt: stehen seine unumstrittenen, versierten und variablen Gitarrenkünste.

Bester Song und somit auch zurecht der Titeltrack, „Most Of The Time“ eine Adaption von Bob Dylan aus dessen „Oh Mercy“-Werk von 1989. Parcek haucht dem Track viel Gefühl ein, Hier gibt es auch mal klare Akustikgitarrenklänge zu vernehmen, sowie dezente Allman Brothers-Vibes als auch markante Guest vocals von Michelle Miraglia als Modifikation zum Original. Stark gemacht!!

Michelle Miraglia highlighted auch den folgenden Peter Green-umwehten Track „I Don’t Worry Bout A Thing“ mit ihren starken Harmoniegesängen. Dass Parcek Sympathien für den britischen Kultgitarristen pflegt, merkt man auch bei weiteren Liedern wie „How Many Times“ oder dem „Stranger Blues“, wo man sich förmlich in die „In The Skies“/“Little Dreamer“-Phase zurückversetzt fühlt

Auch die John Hiatt– und Bill Withers- Coverstücke machen was her, ich finde eh gut, wenn man sich an Songs heranmacht, die nicht schon bis zum ‚Gehtnichtmehr‘ ausgelutscht wurden. Auch ein Faible für Tony Joe White kommt sporadisch durch, wie bei der Hiatt-Nummer oder bei „61 Highway“.

Am Ende gibt es mit  „Lord Help The Poor & Needy“ und „Swooshy“ noch zwei Instrumentalstücke in unterschiedlichen Tempi und Stimmungen als Bonustracks. Danach ist man dann endgültig schwindelig von soviel quirligem E-Gitarrengezupfe, für meine Wenigkeit ist das, zumindest am Stück mit den ganzen anderen Tracks, schon fast zu viel des Guten.

Insgesamt offeriert der ‚Gentleman‘ Peter Parcek  (diesen Eindruck hinterlässt der passionierte Hutträger immer bei mir) mit „Most Of The Time“ für die geneigte Blues Rock-Klientel und Liebhaber technisch perfekter E-Gitarrenkünste (a l`a Greg Koch) ein wahres Eldorado, wobei auch die routinierten Leistungen seiner vielen musikalischen Mitstreiter als auch die klare, transparente Produktion noch zu erwähnen wären.

Eigenproduktion (2026)
Stil: Blues (Rock)

Tracklist:
01. Twistified
02. How Many Times
03. Most Of The Time
04. I Don’t Worry Bout A Thing
05. Just Play Rhythm, Baby
06. Mississippi Phone Booth
07. Stranger Blues
08. Poor Boy
09. When I’m Dead & Gone
10. Cold In Hand
11. Three Feet In Back Of My Head
12. 61 Highway
13. Grandma’s Hands
Bonustracks:
14. Lord Help The Poor & Needy
15. Swooshy

Peter Parcek
Peter Parcek bei Facebook

Andreas Diehlmann Band – Them Chains – CD-Review

Der aus Kassel stammende Musiker Andreas Diehlmann mit Präferenzen Richtung Jimi Hendrix und texanischem Blues Rock der Marke ZZ Top & Co. hat sich seit seinem Debüt 2017 zu einer festen Größe in der deutschen Blues Rock-Szene entwickelt. 

Seitdem veröffentlicht er regelmäßig unter dem Eigenlabel Mountain Meadow Studio Tonträger, „Them Chains“ ist jetzt schon der siebte dieser Art. Was mir persönlich neben seinen musikalischen Qualitäten sofort gefiel, als ich ihn bei seinem Gig in Duisburg kennenlernte, dass diese typische Affektiertheit, die in den meisten Künstlern von Natur aus inne wohnt, für ihn fremd zu sein scheint. Ein sympathischer Mensch der Marke Du und Ich.

So hatten wir auch im Vorfeld dieses Werkes bezüglich der Veröffentlichung des anstehenden Reviews ein kurzen spaßigen Kontakt. Seine Liebe zu Jimi Hendrix stellte der Protagonist diesmal sehr weit hinten an und die kommt, wenn überhaupt, nur im End-Solo des Peter Green-Covers „The Green Manalishi“ kurz zum Vorschein. Dieser Track ist auch der einzige, der auf dem Silberling mit seinem psychedelisch 70er Hard Rock-umwehten Flair, ziemlich aus dem Rahmen fällt, der Rest steht doch deutlich im Zeichen der texanischen Blues Rock-Tradition.

Diehlmann, dessen Stimme, Gitarrenspiel und auch Songwriting, unweigerlich Assoziationen mit ZZ Top-Mastermind Billy Gibbons hervorrufen, rockt sich in bluesig Lonestar-typischer Manier mit heiser angerautem Vokalorgan, quirlig klirrenden und knarzigen E-Riffs,-Fills- und -Soli sowie dezenten Orgelhallbegleitungen durch die sieben Eigenkompositionen, als auch die ähnlich gefasste Willie Dixon-Adaption „Little Red Rooster“ am Ende, die mit so einer leichten „Dust My Broom“-Note.

Unterstützt wird er vom gewohnten Team mit Jörg Sebald am Bass und Tom Bonn am Schlagzeug. Thomas Feldmann hat seinen einzigen Auftritt in „Babe I Got To Go“, wo er seine Harp solotechnisch als auch in einem schönen Doppel-Schlagabtausch mit Dielmanns E-Gitarre schön quäkig plustern lässt.

Meine Favoriten sind der knackig rockende Titesong direkt zu Beginn (mit schönem Skynyrd-mäßigem E-Solo), der „Blue Jean Blues“-angelehnte feine Slowblues „Found Myself Alone“ sowie das ein wenig „Ghost Riders“-umwitterte „Ridin‘ In The Dark“. Wie man anhand dieser Ausführungen schon erahnen kann, wird der imaginäre Sounds Of South-Innovationspreis hier diesmal nicht vergeben. Dennoch gelingt es Andreas Diehlmann und seiner Band jederzeit für kurzweilig eigenständige, von E-Gitarren-dominierte Blues Rock-Unterhaltung zu sorgen.

Wer sich nach dem Tod von Dusty Hill Sorgen um das Fortbestehen von ZZ Top macht, oder Angst hat, dass Billy Gibbons die Ideen ausgehen, beziehungsweise irgendwann mal seine Stimme versagen könnte, der darf sich, wie es auch „Them Chains“ wieder mal deutlich offeriert, an der Andreas Diehlmann Band vermutlich noch viele Jahre qualitativ ebenbürtig erfreuen.

Mountain Meadow Studio (Eigenproduktion) (2021)
Stil: (Texas) Blues Rock

Tracklist:
01. Them Chains
02. Boogie Woogie Rock’N’Roll
03. Found Myself Alone
04. Lola Sweet Rock’N’Rola
05. Made It My Way
06. Ridin‘ In The Dark
07. Babe I Got To Go
08. The Green Manalishi
09. Little Red Rooster

Andreas Diehlmann Band
Andreas Diehlmann Band bei Facebook

Ash Wilson Trio – 08.06.2019, topos, Leverkusen – Konzertbericht

Wil-haupt

Der Name der britischen Familie Wilson taucht, was unsere Live-Berichterstattungen in der ersten Jahreshälfte betrifft, jetzt bereits schon zum dritten Male auf. Zunächst sorgte Ashley mit seinem fulminanten E-Gitarrenspiel für die Würze bei Sari Schorrs Auftritt in Dortmund, dann legte Bruder Philip mit seiner Drum-Power die Grundlage bei Laurence Jones‘ starker Performance in Arnheim und jetzt war wieder Ashley in eigener Sache unterwegs und machte im Rahmen einer Einladung für das 20. Fürther New Orleans-Festivals, quasi als Generalprobe, noch einen Stop als Ersatz für den erkrankten Ben Poole, im Leverkusener topos.

Das Verhältnis in der britischen Blues Rock-Szene scheint von einem hohen Maß an Kollegialität gezeichnet zu sein, immer wieder erleben wir eine Durchmischung der diversen Acts, man hilft sich untereinander. So konnte Ash jetzt seine hier bisher eher etwas weniger bekannten Fronter-Qualitäten, mit dem viel auch als Produzent beschäftigten und umtriebigen Wayne Proctor (u. a. King King, Ben Poole, Ryan McGarvey) am Schlagzeug und Bassist Steve Amadeo (Ian Parker, Aynsley Lister), in exquisiter Umgebung präsentieren, wobei sein erstes Soloalbum „Broken Machine“, nebst einem brandneuen Song („I’m Gonna Get You“) und ein paar Cover-Nummern, natürlich den Löwenanteil inne hatte.

Der Teil der Leute, der dem Treiben der Frankfurter Fußball-Mafia in Weißrussland vor der Glotze an diesem Abend die kalte Schulter gezeigt hatte, sollte sein Kommen nicht bereuen. Die drei Burschen lieferten ein Lehrstück in Sachen moderner Interpretation des Blues Rock-Genres ab, das sich vor allem durch instrumentelle Finesse, Spielfreude und Teamgeist auszeichnete, sprich, die Freude im Kollektiv zu Performen, war omnipräsent.

Ash Wilson, der bis auf eine Ausnahme („Words Of A Woman“) mit einer mintgrün-weißen Stratocaster ‚unterwegs‘ war, stieg samt seiner beiden Begleiter, mit dem psychedelisch-umwehten „Peace And Love“ (klasse hier direkt seine Zwischengesangspassage ohne Mikro) in den Gig ein. „World’s Gone Crazy“ (70er-Flair), das shufflig groovende „The Revalator“, die beiden Peter Green-angehauchten „The Hitcher“ und „The Whiskey Blues“ (ganz stark!), sowie der Titeltrack des besagten Albums (mit dezenten David Gilmour-Kurz-Fills), erzeugten zurecht reichhaltigen Applaus der Anwesenden.

Der Protagonist sorgte mit seiner sympathischen und kommunikativen Art (sagte viele Stücke an und gab auch, wie zum Beispiel vor „Words Of A Woman“, kleine Anekdoten zur Entstehung Preis) für eine ausgezeichnete Atmosphäre und ließ zum Teil atemberaubende quirlige Soli vom Stapel. Wayne Proctor zeichnete sich durch sein bewährtes Feingefühl am Schlagzeug aus, das sich von angebrachter Zurückhaltung, bis zu Gas geben in der entsprechenden Situation, abbildete. Steve Amadeo erwies sich dabei als kongenial zupfender Rhythmus-Partner, nicht zuletzt erkennbar bei seinem fulminanten Solo bei „Out Of Time“ im zweiten Abschnitt des Gigs.

Der brachte auch, wie schon zuvor, mit Stücken wie unter anderen dem rockigen „Show Me How To Love You“, den sehr gut gecoverten „Drivin South“ (Hendrix-Instrumentalnummer) und „Real Mutha For Ya“ (Johnny Guitar Watson), dem ebenfalls funkigen „Lonely Room“, bis zum abschließenden „Queens Of The Stoneage-Song „Make It Wi Chu“ (mit launiger Publikums-Mitsing-Interaktion), ein hohes Maß an Qualität an den Tag, und legte in der Intensität sogar noch zu.

Trotz der anstrengen Anreise von der Insel und dem bevorstehenden Festival sam Fahrt dorthin, schonte sich das Trio nicht und bewies mit „Oh Well/Green Manilishi“ in der Zugabe, nochmals seine Empathie für Greensches Wirken als wichtiger Einflussgeber der Szene.

Am Ende signierte Ashley noch seine an die Frau, beziehungsweise an den Mann gebrachten CDs, redete bei einem Gläschen Rotwein, noch ein Weilchen mit uns und stand mit den Kollegen natürlich auch für das obligatorische SoS-VIP-Bild Spalier. Ein toller Abend mal wieder in Leverkusens Musik-Kultstätte! Auch die Besucher in Fürth dürfen sich heute auf filigrane Blues Rock-Kost vom Feinsten freuen.

Line Up:
Ashley Wilson – Lead vocals, electric guitar
Steve Amadeo – Bass
Wayne Proctor – Drums

Bilder: Gernot Mangold
Facebook-Video: Klemens Kübber
Text: Daniel Daus

Ash Wilson
Ash Wilson bei Facebook
topos Leverkusen