Vanesa Harbek & Band – 24.01.2019, topos, Leverkusen – Konzertbericht

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Zweite Bestandsaufnahme von Sounds Of South in Sachen der als ‚Blues Queen from Argentina‘ betitulierten Vanesa Harbek, diesmal im urigen topos in Leverkusen, unter Beobachtung des ‚Chief himself‘ und Fotograf Jörg Schneider.

Leider hatte wohl die klirrende Kälte so manchen topos-Stammbesucher auf der heimeligen Couch verweilen lassen und eine Bowie-Coverband-Veranstaltung (ich persönlich bin von solchen Acts, egal auf welchem Niveau sie sich bewegen mögen, nicht angetan) in der benachbarten Domstadt, wird vermutlich auch noch einige Gäste gekostet haben. Gerade mal 15 Besucher hatten sich letztendlich eingefunden. Liebe Leute, haben es solch einzigartige und erhaltenswerte Clubs nicht schon schwer genug?

Die Anwesenden wurden allerdings mit einer absoluten Sahnevorstellung der heute in Berlin lebenden Protagonistin und ihrer beeindruckenden polnischen Rhythmusfraktion, bestehend aus Lukasz Gorczyca am Tieftöner und Tomek Dominik am Schlagzeug, belohnt. Das Trio spielte so engagiert und freudig, als wenn das topos aus allen Nähten geplatzt wäre.

Set 1 wurde mit dem Freddie King-Instrumental, quasi heute schon einem Blues-Standard, „Hideaway“ eingeläutet, bei dem Vanesa einen ersten Einblick auf ihre, auch im weiteren Verlauf im Mittelpunkt stehende, temperamentvolle flinke Fingerfertigkeit gewährte.

Bei der folgenden, sehr schön shuffelnden Uralt-Kamelle „Rooster Blues“ offerierte sie dann erstmals ihre angenehmen stimmlichen Qualitäten. Mit u. a. „If You Love Me“ (grandioses E-Solo), der dynamische Schunkler „Something’s Gotta Hold On Me“ (Etta James), „Killing Floor“ (mit herrlichem E-Gitarren-Bass-Scharmützel am Ende), „Going Down“ (knallhartes Solo der Harbek) und „Hit The Road Jack“ war der Coveranteil auch hier recht dominant.

Es überzeugten aber besonders die sehr klug, in ihrer Heimatsprache gehaltenen, eingeflochtenen Eigenkreationen wie „Vuelvo Al Sur “ oder „Te Extraño Buenos Aires“, die mich in ihrer typischen Melancholie wehmütig an meine, allerdings schon sehr lange zurück liegenden, Südamerika-Urlaube, vor allem abends in den vielen netten Musik-Bars, erinnern ließen.

Auch der ähnlich konstruierte zweite Teil überzeugte mit einem Peter Green-umwehten Instrumental-Einstieg (fulminantes Bass-Solo von Lukasz Gorczyca) und Tracks wie „Tore Down“, „Malted Milk“ (Robert Johnson), „Chain Of Fools“ oder dem Uptempo-Feger „Pride And Joy“, wo die sympathische Blondine (natürlich auch sehr sexy gekleidet) auf ihrer Stratocaster so manches claptoneske Solo abließ.

Hervorzuheben auch hier wieder der lateinamerikanische Block mit Stücken wie „Vanesca Tango“, „En El Abismo“ und einer bärenstarken Version von Santanas  „Oye Como Va“.

Als Zugabe und Ausklang des Konzerts ließen die drei noch eine schöne Version von „Proud Mary“ mit klasse Tempiwechseln folgen. Insgesamt eine tolle Show mit überaus engagiert agierenden Musikern. Vanesa Harbek bewies, dass sie sich hinter anderen ‚Guitar Ladies der Marke Samantha Fish, Vanja Sky oder Joanne Shaw Taylor & Co. wahrlich nicht zu verstecken braucht und bietet mit ihrem südamerikanischen Touch noch eine besondere Note.

Line-up:
Vanesa Harbek (lead vocals, electric guitar)
Lukasz Gorczyca (bass)
Tomek Dominik (drums)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

Vanesa Harbek
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topos Leverkusen

Catfish – 28.07.2018, topos, Leverkusen – Konzertbericht

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Die ‚Band of the Year‘ bei den British Blues Awards 2018 bei ihrer Deutschland-Premiere zu Gast in Leverkusen. Möglich machte den Auftritt von Catfish, die für ihr immer wieder tolles Programm bekannte, kleine Kultkneipe topos! Klemens Kübber hatte wieder alle Register gezogen, um die Briten an den Rhein zu bekommen.

Auf der Hinfahrt säumten unzählige junge Menschen mit merkwürdig bläulich-grünlich eingefärbten Gesichtern (und teilweise Klamotten) die Straße am Ufer entlang des Stroms. Die Befürchtung unsererseits eines Störfalls angesichts des unweit liegenden Chemparks des Bayer-Konzerns, relativierte sich durch den Hinweis eines Besuchers auf ein dortig stattfindendes Open-Air-Techno-Event. Der spontane, erste ängstliche Gedanke war, ob meine, sich in elf Jahren anbahnende Rente, wie einst von Nobby Blüm proklamiert, noch wirklich sicher ist…

Aber kommen wir wieder zu guter, anspruchsvoller, handgemachter Musik, die ja den Anlass unseres Besuches abgab. Um 20:20 Uhr zwängten sich die vier Mannen, um ihr Führungsduo Matt und Paul Long, auf diese urige Miniaturfläche, die hinter einer steinernden Sitzgruppe, zum Performen zur Verfügung steht. Musiker, die dort zum aller ersten Mal auftreten, werden vermutlich immer wieder ins Staunen versetzt. Der routiniert wirkende Kevin Yates am Schlagzeug und Neu-Basser Adam Pyke vervollständigten das in unseren Landen immer noch mit Insider-Status bedachte Quartett.

Das zweigeteilte Programm begann mit dem furios rockigen „Hit The Ground Running“. Eine idealer Einstieg, der sofort Matt Longs tolles E-Gitarrenspiel und sein rauchig-kräftiges Stimmorgan in den Fokus rückte. Das folgende „Never Go Back“ war dann gesanglich Paul Long vorbehalten, dessen Stimme durch einen eher weicheren Schmelz gekennzeichnet war und demnach einen Kontrast bildete. Beide wechselten sich in etwa gleichem Verhältnis am Frontmikro, beziehungsweise in den Harmoniegesängen, ab.

Während „So Many Roads“ den ersten starken Beweis für die Slow Blues-Tauglichkeit des Vierers lieferte, schwenkte das Barometer mit „Break Me Down“ wieder in zünftigere, Hendrix-umwehte, rockigere Gefilde. Das von Paul besungene brandneue atmosphärische „Ghosts“ gab einen ersten Ausblick auf die nächste CD.

Dieser machte dann beim nächsten Track („That’s What Love Will Make You Do“, ein knackiger Little Milton-Funky Blues), Platz für das mit der Band befreundete Ehepaar Paul und Tina Jobson, die an diesem Abend auch zugegen waren. Der viel beschäftigte Keyboarder Paul (u. a. Chaka Khaan,  Far Q) und seine blond-rasta-gezöpfte Gattin (lead vocals) boten dabei eine Klasse-Leistung und sorgten für einen schönen Farbtupfer in der Setliste.

Der proggig-angehauchte Titelsong ihres aktuellen Album „Broken Man“ beendete den ersten Teil an diesem warmen Sommer-Abend. Überhaupt wurden immer wieder dezente Reminiszenzen an Bands wie Pink Floyd, Genesis oder Manfred Mann in so manche Stücke einbezogen.

War das erste Set bereits schon auf starkem Niveau, sollte die zweite Phase noch einen Zahn zulegen. Mit „Leading Me On“ ging es direkt wieder rhythmisch in die Vollen. Nach der Verneigung vor BB King mit „Never Make A Move Too Soon“ beeindruckten die Briten anhand einer Wahnsinns-Version von Boz Scaggs‘ „Somebody Loan Me A Dime“ und „Better Days“, einem meiner beiden Favoriten des Gesamt-Gigs. Das southern rockige Stück (mit einem kleinen Reggae-Intermezzo zwischendurch) ist laut scherzhaftem O-Ton von Matt, das einzige fröhliche Lied im ihrem bisherigen Fundus.

Nach „Big Shot“ (inkl. filigranem Bass-Solo von Pyke), gab es mit „Breaking Up Somebody’s Home“, den Kracher des Auftritts. Kleine E-Gitarren- und Piano-Scharmützel, ein exzessives E-Gitarren-Solo von Matt und eine launige Publikums-Mitsing-Interaktion, vergoldeten diesen shuffligen Blues Rocker, in bester Joe Bonamassa-Manier. Emotionaler Höhepunkt und Finale des zweiten Parts, war sicherlich die Hommage an Matts kürzlich verstorbenen Gitarrenlehrer Michael Caswell mit „Make It Rain“, inklusiv einer auch von Kollegen wie Ben Poole oder Alan Nimmo gern praktizierten Leisespiel-Phase im Solo, bei der man im topos eine Stecknadel hätte fallen hören können, das aber anschließend in geradezu epische Sphären münden sollte.

Eigentlich war das Quartett nach stressiger Anreise und nur zwei Stunden Schlaf in der Nacht zuvor fix und fertig, als auch durchgeschwitzt bis auf die Knochen, wollte sich aber auch nicht die Blöße geben, dem sachkundigen (und in Teilen, wie so oft, von rheinischem Frohsinn geprägten und auch trinkfreudigen) Publikum, die vehement eingeforderte Zugabe zu verwähren. Und so wurden auch die Jobsons netter Weise erneut beim satt rockenden „Man Of Many Words“ mit eingebunden (die beiden Pauls am Ende zu zweit auf dem Piano).

Im Nachgang zeigten sich alle Beteiligten am Merchandising-Stand als sympathische Gesellen der Marke ‚Du und Ich‘ und wir hatten noch die Gelegenheit für unser obligatorisches Bild mit dem SoS-Logo. Mit dem Gig war klar, dass die Briten nicht nur auf der Insel für Furore sorgen werden, sondern für ganz Europa und sicherlich auch die Staaten, mit ihrem leidenschaftlichen Blues Rock bestens gewappnet sein dürften. Ein Klasse-Abend, danke an Klemens Kübber für den gewohnt bestens organisierten Support.

Line-up:
Kevin Yates – drums
Adam Pyke – bass
Paul Long – keys and vocals
Matt Long – guitar and vocals

Guests:
Paul Jobson – keys
Tina Jobson – vocals

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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topos Leverkusen

Elles Bailey – 13.04.2018, topos, Leverkusen – Konzertbericht

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Das sind so die Abende, bei denen einem die langjährige Musikerfahrung, schon im Vorfeld intuitiv suggeriert, mit einem schönen Erlebnis belohnt zu werden. Die aktuelle Debüt-CD „Wildfire“ von ‚Blues Princess‘ Elles Bailey ist zwar vom Kollegen Michael Segets reviewt worden, aber seiner Zeit natürlich auch bei mir, in erster Linie mittels USB-Stick im Auto, rauf und runter gelaufen.

Musik, wie ich sie einfach sehr gerne mag. Melodisch variabler Blues Rock mit dezentem Southern-Teint, von toller, ausdrucksstarker Stimme und guten Instrumentalisten vorgetragen.  Die junge Britin, die aus meiner Sicht schon jetzt keine Vergleiche mit einer Beth Hart zu scheuen braucht, überzeugte demnach mit ihren Mitstreitern Joe Wilkins, Zak Ranyard und Matthew Jones auf ganzer Linie, dass selbst dem anwesenden ‚Grandseigneur‘ der Rockmusikhistorie hierzulande, Peter Rüchel, der Spaß am Geschehen, augenscheinlich anzumerken war.

Elles und ihre Burschen stiegen mit „Let Me Hear You Scream“ in den zweigeteilten Gig ein, ein idealer Song, um die größtenteils bereits durch Biergenuss eingeölten Stimmen der vertretenden Audienz sofort unterhaltsam mit einzubinden, wie auch auf Betriebstemperatur zu bringen.

Der Southern-umwehte Stampfer „Same Flame“ (schönes Telecaster-Solo), der Bariton-Gitarre-dominierte Schwofer „Barrell Of Your Gun“, die tolle Ballade „What If I“ (Elles mittlerweile am Piano) und der Barroom-Schwofer „Believed In You“, leiteten stimmungsvoll  in den Akustik-Part zum Ende des ersten Abschnitts über.

Der bestand aus dem Heartbreak-Song „Time’s A Healer“ (allmaneskes Spiel von Wilkins), dem 70ies-trächtigen „Waiting Game“, dem, einer weiblichen Bekanntschaft in Nashville geschuldeten „Leapers Fork“  sowie dem John Prine-Klassiker „Angel From Montgomery“ (mit herrlichem Akustik-Slide). Das begeisterte Publikum im immer wieder urigen und engen topos applaudierte lautstark in die Pause.

Auch Part Zwei büßte nichts in Sachen Intensität und Klasse ein, ganz im Gegenteil, die Stimmung steigerte sich mehr und mehr. Nicht zuletzt auch ein Verdienst der Protagonistin, die mit ihrer kommunikativen sympathischen Art, erheblich zu einem lockeren Ambiente beitrug.

Mit dem swampigen „Medicine Man“ (wieder schön Slide bestückt), dem atmosphärisch groovenden „Devil Comes Knocking“, „What’s The Matter With You?“ (Barroom Blues – siehe hierzu beigefügten Videoclip) und dem, mit einem Plädoyer für Gleichberechtigung und Toleranz vorausgeschickten „Perfect Storm“ (siehe Videoclip), gelang direkt ein nahtloser Übergang.

Nach dem, als  Blues-Schleicher beginnenden, aber als furiose Uptemponummer endenden „Big Idea“, ließ Elles das im topos versammelte Wolfsrudel zu „Howlin‘ Wolf“ mitheulen, u. a. ein launiges  Stimmungshighlight des Abends, um mit dem Stones-mäßigen „Shackles Of Love“ die teilweise, unter den beengten Verhältnissen beanspruchten und leidenden Körperteile der größtenteils anwesenden Ü-50 Generation aufzulockern und durchzuschütteln.

Mit dem Janis Joplin gewidmeten, southern-souligen „“Girl Who Owned The Blues“ ließ die junge Protagonistin ein weiteres Mal, ihre beeindruckenden vokalen Qualitäten (in allen Tempi und Stimmungen) zum Abschluss des Hauptteils aufblitzen. Grandios auch das famos, im Stile der Allman Brothers/Marshall Tucker Band gespielte, energiegeladene E-Gitarrensolo von Joe am Ende des Liedes. Klasse!

Dass das Quartett Überstunden schieben musste, war damit natürlich vorprogrammiert. Die euphorisierten Leute bekamen dann auch mit dem traurigen, sehr emotional, solo am Piano performten „Light In The Distance“ (für einen verstorbenen Freund, Elles bei der Ansage den Tränen nah), dem southern-psychedelischen Titelstück der CD, „Wildfire“ (Wilkins wieder mit furiosem Slide-Solo auf einer Fender Jaguar) und dem erneut southern-souligen Willie & The Bandits-Cover „Still Go Marching In“ (wieder mit integrierter Publikums-Mitsing-Interaktion), nochmals einen ausgiebigen Dreier-Pack geboten. An diesem Abend stimmte einfach so gut wie alles.

Nach dem Gig wurde Elles natürlich in Sachen Tonträger-Verkäufe und Autogramme belagert. Sie und ihre Mitstreiter hatten dann auch noch die Zeit, sich mit unserem Logo für unsere VIP-Galerie ablichten zu lassen. Insgesamt ein wunderbarer Abend mit einer hochtalentierten, alles gebenden Elles Bailey samt Kollegen, die eigentlich in Zukunft  für Höheres berufen zu sein scheinen. Liebe Major-Labels, bitte Aufwachen…!

Herzlichen Dank an Klemens Kübber für die vorbildliche Organisation im Vorfeld!

Line-up:
Elles Bailey – lead vocals, piano
Joe Wilkins – electric guitar, acoustic guitar, vocals
Zak Ranyard – bass
Matthew Jones – drums, percussion, vocals

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus
Videos: Klemens Kübber

Elles Bailey
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topos Leverkusen

Aynsley Lister – 28.02.2018, topos, Leverkusen – Konzertbericht

Dass Abende im Leverkusener topos schon aufgrund der urigen Location immer etwas Besonderes sind, dürfte gerade für die eingefleischten Besucher dieser historischen Kneipe nichts ungewöhnliches sein. Gestern, bei Aynsley Listers Premiere dort, platze der kleine Club aber förmlich aus allen Nähten. Für mich persönlich war es ein Wiedersehen mit ihm nach fast 17 Jahren (damals im Schwarzen Adler, siehe Bild etwas weiter unten).

topos-Verantwortlicher Klemens Kübber war so nett gewesen und hatte im Sitzbereich vor der Bühne zwei Plätzchen für uns reserviert, so dass dem Kollegen Jörg Schneider, der dankenswerter Weise den Grippe-erkrankten Gernot Mangold spontan vertreten hatte, eine gute Position für seine Bilder gewährleistet war.

Und so saßen wir inmitten einiger, diesmal trinktechnisch weitestgehend zum Schmachten verurteilter, rheinischer Frohnaturen (samt ihrem schönen Dialekt), die ich schon von früheren Besuchen als Stammbesucher identifizieren konnte. Danke nochmals explizit, Klemens!

Der überwiegende Rest, der keine der wenigen Sitzplätze ergattern konnte, durfte in den nächsten drei Stunden ab dem Einlass, dem Ölsardinentum fristen, es war einfach rappelvoll. Auch ROCKPALAST-Ikone Peter Rüchel war übrigens zugegen.

14463309_313905475638771_314360729862726967_nNachdem sich die Band um 20:20 Uhr ihren Weg zur Bühne regelrecht erkämpft hatte und Lister sich erstmal, der Gegebenheiten wegen, verwundert die Augen gerieben hatte, wurde mit dem Opener aus diesem Werk „All Of Your Love“ auch standesgemäß begonnen. Aynsleys Gesang war noch nicht perfekt ausgesteuert. Das war dann aber mit dem melodischen „Inside Out“ bereinigt und man bekam einen ersten Vorgeschmack von seinen brillanten Fill- und Solier-Künsten auf seiner Stratocaster. Auch Andrew Price glänzte mit einem schönen Orgel-Intermezzo.

Dem atmosphärisch dichten „Il Grande Mafioso“ folgte mit „Hyde 2612“ das für mich überragende Stück, das allein schon das Eintrittsgeld wert war. Der Protagonist spielte hier einmalig auf einer Vollresonanzgitarre und ließ zum Teil allerfeinste geslidete Soli vom Stapel, was ihm mehrfachen Szenenapplaus einbrachte. Das von Aynsley nach langen Jahren wieder ins Programm genommene „Running Out On Me“ und das wiederum melodische „Other Part Of Me“ (mit allmaneskem E-Solo) schlossen den ersten Teil des Gig ab.

Den noch fulminanteren zweiten Teil eröffnete das groovige „Stay“. Mit „Home“ folgte der erste herrliche langsamere Schwofer. Für die Freunde des Altherren-Blues‘ gab es das ausgedehnte Freddie King-Cover „Tore Down“. Bei den fantastischen „Everything I Have To Give“ (hymnisches E-Solo) und dem grandiosen Prince-Klassiker „Purple Rain“ (Publikum singt im Refrain mit) hatte die Stimmung ihren Siedepunkt erreicht. Das groovig stampfende „Posession“ bildete schließlich das launige Finale von Set 2.

Wie schon beim Gig ein paar Tage zuvor in Dortmund bediente „Handful Of Doubt“ die lauthals geforderten Zugabe-Wünsche. Lister und Genossen wurden aber nicht von der der winzigen Bühne gelassen und entschlossen sich dann, ihre euphorische Audienz noch mit einem jammigen Instrumental als Rausschmeißer zu beglücken. In diesem leicht Southern-behafteten Stück (Allman Brothers-Touch) hatten Andrew Price, Steve Amadeo, Boneto Dryden und last but not least Aynsley Lister nochmals Zeit, ihr Können in Form kleiner Soli zu unterstreichen.

_DSC0171 - KopieAm Ende gab es oben im Rückzugsraum der Künstler noch kurz Gelegenheit mit Aynsley (immer noch äußerst sympathisch), wie damals, ein paar Worte zu wechseln und das schon obligatorische Bild für unsere VIP-Galerie abzulichten. Als kleinen Gag hatte ich den gleichen Pullover wie vor 17 Jahren extra nochmal aus dem Schrank gezogen. Erneut ein toller Abend im restlos ausverkauften topos, der Weg durch die eisige Kälte hatte sich absolut gelohnt. Eine ganz starke Leistung des Lister-Kollektivs!

Line-up:
Aynsley Lister (lead vocals, guitar)
Andrew Price (keys)
Steve Amadeo (bass)
Boneto Dryden (drums)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

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Tasha Taylor – 28.11.2017, topos, Leverkusen – Konzertbericht

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Wunderbarer, souliger Blues-Abend mit Tasha Taylor! Trotz vieler Locations, die Gernot und ich in der vergangenen SoS-Zeit (und auch schon zuvor) besucht haben, galt es an diesem Dienstag, beim geschätzten Pädagogen noch eine Bildungslücke zu schließen.

Die aus Dallas, Texas, stammende, mittlerweile in Los Angeles lebende Tasha Taylor, feierte in der urigen Leverkusener Kultkneipe topos ihr Auftrittsdebüt. Auch Gernot hatte diese liebevoll gestaltete, eigenwillige Altbau-Lokalität mit Wohnzimmercharakter, bisher noch nie kennengelernt und kam nach dem Betreten derselben aus dem Staunen erstmal nicht raus, was vermutlich bisher wohl jedem so ergangen ist.

Als die Band zunächst alleine die enge Bühne betrat, um sich mit einem Instrumental kurz warm zu spielen, hatten sich letztendlich um die fünfzig Leute (was mengenmäßig für das kleine topos an so einem Wochentag schon ganz ordentlich ist) eingefunden.

Die hübsche Protagonistin mit den fein geflochtenen langen Haaren, stieß nach Abschluss des Stückes dazu und brachte den Gig des amerikanisch/karibisch/skandinavisch zusammengestellten Kollektivs mit dem souligen Schwofer „I Got Love“ langsam ins Rollen.

Die Tochter des berühmten Stax Records-Künstlers Johnnie Taylor moderierte dann ganz charmant durch den Verlauf des Konzertes, in dem sie fast zu jedem Song eine kleine Anekdote (meist aus ihrem Leben) parat hatte, in denen natürlich auch der Vater seinen Platz hatte und samt seiner Songkreationen wie „Lost Two Dollars“ und dem schön ’shaky‘ vorgetragenen „Who’s Making Love“, das zum Ende in einer wahren Gospel-Orgie endete, gewürdigt wurde.

Tasha und ihr routiniert und perfekt begleitendes Quartett, bestehend aus dem unaufgeregt spielenden und solierenden E-Gitarristen Davide Floreno (auch mit ein paar Harmoniegesängen), der berühmten Bassisten-Koryphäe Roger Inniss (Climax Blues Band, Mick Taylor, Snowy White, Kid Creole, etc. – mit sechsaitigem Tieftöner) sowie Schlagzeuger Oli Ontronen und dem herrlich klimpernden Pianisten Samuli Rautiainen (hatte neulich ja schon Ina Forsman begleitet), boten den Anwesenden einen schönen Reigen aus Soul-, Blues-, Rhythm & Blues und Rock-Ingredienzien, wobei ihre markant kräftige Stimme natürlich im Mittelpunkt stand.

Zwischenzeitlich griff sie bei eigenen Tracks aus ihrem aktuellen Werk „Honey For The Biscuit“ wie „What Difference Does It Make“, „Wedding Bells“ oder „Leave That Dog Alone“ auch mal zur Telecaster oder assistierte ihren Leuten mit dem Tambourine (u. a. bei „Weatherman“).

Amy Winehouse („Valerie“), Otis Redding („Thes Arms Of Mine“), Eddie Floyd („Knock On Wood“), Etta James (I Just Wanna Make Love To You“) und Aretha Franklin („Natural Woman“) wurden als persönliche Vorbilder Tashas mit Coverversionen musikalisch zitiert, mein Highlight des Abends war der Gänsehaut erzeugende melancholische Ohrwurm „There’s A Way“ samt ihrer emotionalen Vokal-Performance. Klasse!

Nachdem Tasha das Publikum bereits beim, den Hauptpart abschließenden Daddy-Track „Who’s Making Love“, in Mitsing-Ekstase versetzt hatte, animierte sie ebenfalls bei der furios abgehenden Etta James-Zugabe „Tell Mama“ (auch durch Janis Joplin bekannt geworden) im Stile einer Hohepriesterin, zum, mit vielen ‚Yeah‘-Rufen gespickten Gospel-Showdown, bei dem das topos fast einer Kirche in Memphis glich.

Nach Ende des wunderbaren Konzertes stand sie in Sachen Merchandising natürlich allen Anwesenden zur Verfügung und erwies sich auch hier als äußerst sympatisches und unkompliziertes ‚Southern Girl‘, das unserer Bitte nach dem obligatorischen Bild für die VIP-Galerie (Gleiches gilt für Roger Inniss) anstandslos nachkam. Solche Dienstage darf es gerne öfter geben. Ein toller Abend mit Tasha Taylor & Co.!

Line-up:
Tasha Taylor (lead vocals, electric guitar, percussion)
Davide Floreno (electric guitar, vocals)
Samuli Rautiainen (keys)
Roger Inniss (bass)
Oli Ontronen (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Ruf Records
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Grainne Duffy – 27.10.2015, topos, Leverkusen – Konzertbericht

Normalerweise hat mich die Stadt Leverkusen in meinem bisherigen Leben nur zu Spielen meiner geliebten Versagertruppe Rot-Weiss Essen gegen die heimische Werkself (wohlbemerkt natürlich nur gegen deren Amateurvertretung…) begrüßen dürfen. Obwohl ich ja fast Zeit meines Lebens auch im Rheinland wohne, fühlte ich mich eigentlich, nicht nur wegen meiner genetisch bedingten Fußballabnormität, doch eher zum Ruhrgebiet hingezogen. Nun fuhr ich an diesem herbstlichen Dienstagabend zum ersten Mal in musikalischer Angelegenheit in das aus vier Ortschaften zusammengewürfelte Pillendorf und mischte mich in der urigen und geschichtsumwobenen Kneipe topos zum Grainne Duffy-Gig unter die gleichgesinnten, überwiegenden rheinischen Frohnaturen.  Grainne Duffy – 27.10.2015, topos, Leverkusen – Konzertbericht weiterlesen