Catfish – 28.07.2018, topos, Leverkusen – Konzertbericht

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Die ‚Band of the Year‘ bei den British Blues Awards 2018 bei ihrer Deutschland-Premiere zu Gast in Leverkusen. Möglich machte den Auftritt von Catfish, die für ihr immer wieder tolles Programm bekannte, kleine Kultkneipe topos! Klemens Kübber hatte wieder alle Register gezogen, um die Briten an den Rhein zu bekommen.

Auf der Hinfahrt säumten unzählige junge Menschen mit merkwürdig bläulich-grünlich eingefärbten Gesichtern (und teilweise Klamotten) die Straße am Ufer entlang des Stroms. Die Befürchtung unsererseits eines Störfalls angesichts des unweit liegenden Chemparks des Bayer-Konzerns, relativierte sich durch den Hinweis eines Besuchers auf ein dortig stattfindendes Open-Air-Techno-Event. Der spontane, erste ängstliche Gedanke war, ob meine, sich in elf Jahren anbahnende Rente, wie einst von Nobby Blüm proklamiert, noch wirklich sicher ist…

Aber kommen wir wieder zu guter, anspruchsvoller, handgemachter Musik, die ja den Anlass unseres Besuches abgab. Um 20:20 Uhr zwängten sich die vier Mannen, um ihr Führungsduo Matt und Paul Long, auf diese urige Miniaturfläche, die hinter einer steinernden Sitzgruppe, zum Performen zur Verfügung steht. Musiker, die dort zum aller ersten Mal auftreten, werden vermutlich immer wieder ins Staunen versetzt. Der routiniert wirkende Kevin Yates am Schlagzeug und Neu-Basser Adam Pyke vervollständigten das in unseren Landen immer noch mit Insider-Status bedachte Quartett.

Das zweigeteilte Programm begann mit dem furios rockigen „Hit The Ground Running“. Eine idealer Einstieg, der sofort Matt Longs tolles E-Gitarrenspiel und sein rauchig-kräftiges Stimmorgan in den Fokus rückte. Das folgende „Never Go Back“ war dann gesanglich Paul Long vorbehalten, dessen Stimme durch einen eher weicheren Schmelz gekennzeichnet war und demnach einen Kontrast bildete. Beide wechselten sich in etwa gleichem Verhältnis am Frontmikro, beziehungsweise in den Harmoniegesängen, ab.

Während „So Many Roads“ den ersten starken Beweis für die Slow Blues-Tauglichkeit des Vierers lieferte, schwenkte das Barometer mit „Break Me Down“ wieder in zünftigere, Hendrix-umwehte, rockigere Gefilde. Das von Paul besungene brandneue atmosphärische „Ghosts“ gab einen ersten Ausblick auf die nächste CD.

Dieser machte dann beim nächsten Track („That’s What Love Will Make You Do“, ein knackiger Little Milton-Funky Blues), Platz für das mit der Band befreundete Ehepaar Paul und Tina Jobson, die an diesem Abend auch zugegen waren. Der viel beschäftigte Keyboarder Paul (u. a. Chaka Khaan,  Far Q) und seine blond-rasta-gezöpfte Gattin (lead vocals) boten dabei eine Klasse-Leistung und sorgten für einen schönen Farbtupfer in der Setliste.

Der proggig-angehauchte Titelsong ihres aktuellen Album „Broken Man“ beendete den ersten Teil an diesem warmen Sommer-Abend. Überhaupt wurden immer wieder dezente Reminiszenzen an Bands wie Pink Floyd, Genesis oder Manfred Mann in so manche Stücke einbezogen.

War das erste Set bereits schon auf starkem Niveau, sollte die zweite Phase noch einen Zahn zulegen. Mit „Leading Me On“ ging es direkt wieder rhythmisch in die Vollen. Nach der Verneigung vor BB King mit „Never Make A Move Too Soon“ beeindruckten die Briten anhand einer Wahnsinns-Version von Boz Scaggs‘ „Somebody Loan Me A Dime“ und „Better Days“, einem meiner beiden Favoriten des Gesamt-Gigs. Das southern rockige Stück (mit einem kleinen Reggae-Intermezzo zwischendurch) ist laut scherzhaftem O-Ton von Matt, das einzige fröhliche Lied im ihrem bisherigen Fundus.

Nach „Big Shot“ (inkl. filigranem Bass-Solo von Pyke), gab es mit „Breaking Up Somebody’s Home“, den Kracher des Auftritts. Kleine E-Gitarren- und Piano-Scharmützel, ein exzessives E-Gitarren-Solo von Matt und eine launige Publikums-Mitsing-Interaktion, vergoldeten diesen shuffligen Blues Rocker, in bester Joe Bonamassa-Manier. Emotionaler Höhepunkt und Finale des zweiten Parts, war sicherlich die Hommage an Matts kürzlich verstorbenen Gitarrenlehrer Michael Caswell mit „Make It Rain“, inklusiv einer auch von Kollegen wie Ben Poole oder Alan Nimmo gern praktizierten Leisespiel-Phase im Solo, bei der man im topos eine Stecknadel hätte fallen hören können, das aber anschließend in geradezu epische Sphären münden sollte.

Eigentlich war das Quartett nach stressiger Anreise und nur zwei Stunden Schlaf in der Nacht zuvor fix und fertig, als auch durchgeschwitzt bis auf die Knochen, wollte sich aber auch nicht die Blöße geben, dem sachkundigen (und in Teilen, wie so oft, von rheinischem Frohsinn geprägten und auch trinkfreudigen) Publikum, die vehement eingeforderte Zugabe zu verwähren. Und so wurden auch die Jobsons netter Weise erneut beim satt rockenden „Man Of Many Words“ mit eingebunden (die beiden Pauls am Ende zu zweit auf dem Piano).

Im Nachgang zeigten sich alle Beteiligten am Merchandising-Stand als sympathische Gesellen der Marke ‚Du und Ich‘ und wir hatten noch die Gelegenheit für unser obligatorisches Bild mit dem SoS-Logo. Mit dem Gig war klar, dass die Briten nicht nur auf der Insel für Furore sorgen werden, sondern für ganz Europa und sicherlich auch die Staaten, mit ihrem leidenschaftlichen Blues Rock bestens gewappnet sein dürften. Ein Klasse-Abend, danke an Klemens Kübber für den gewohnt bestens organisierten Support.

Line-up:
Kevin Yates – drums
Adam Pyke – bass
Paul Long – keys and vocals
Matt Long – guitar and vocals

Guests:
Paul Jobson – keys
Tina Jobson – vocals

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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