Bereits im letzten Jahr hatte der inzwischen 82 jährige Luther ‚Guitar Junior‘ Johnson das Akustik-Album „Won‘t Be Back No More‘ herausgebracht. Nun ist das Nachfolgealbum „Once In A Blue Moon“ da, live eingespielt mit seinen „Magic Rockers“. Mitgeschnitten wurde das Konzert am 31.10.2020 in Florida zu einem besonderen Ereignis. Es war das erste Mal seit 75 Jahren, dass es in einem Monat einen zweiten Vollmond gab. Im englischen Sprachraum gibt es für dieses seltene astrologische Ereignis den Begriff „Blue Moon“, daher auch der Titel des Albums.
Es enthält acht feine Tunes, sowohl eigene Songs als auch Coverversionen verschiedener Bluesklassiker, aus Johnson‘s über 60 Jahre währenden Musikerkarriere. Dabei weist kein Song eine Spieldauer von weniger als 5 Minuten auf.
Zu den großartigen Coverversionen zählen der gemächlich rollende 12-Takter „C.C. Rider“, erstmals 1924 von der schwarzen Bluessängerin Ma Rainey aufgenommen (hier mit einer Spieldauer von fast 13 Minuten), ebenso wie der aus dem Jahre 1958 stammende Bluesklassiker „Fever“ der Jazzerin Peggie Lee.
Auch ein Medley aus „Hoochie Koochie Man“ und „I’m A Man“ von Willie Dixon bzw. Bo Diddley, beide Songs gehen im Rhythmus von „Hoochie Coochie Man“ unmerklich ineinander über, findet sich auf dieser tollen Scheibe. Ebenso ein Cover von Sonny Boy Williamson aus dem Jahr 1937 „Thank You Sugar“ und T-Bone Walkers’ Titel „Mean Old World“ (über 13 Minuten Spieldauer).
Aus dem Fundus seiner Eigenkompositionen steuert Luther Johnson dann noch den flotten Boogie-Woogie „Flippin’ & Floppin’“, den elegischen 20-minüter „Stealin Chicken“ mit wunderbaren Gitarren-, Piano- und Mundharmonikaeinlagen, sowie den Slowblues „You Gut Me Wondering“ bei.
„Once In A Blue Moon“ ist für mich eine der besten Bluesscheiben, die ich dieses Jahr hören konnte, eine Verbeugung vor den Altvorderen der Bluesmusik, stammen die Klassiker doch zum Teil alle aus den 20’er und 30’er Jahren des letzten Jahrhunderts, in die sich Johnsons’ eigene Tracks stilistisch unwahrscheinlich gut einfügen. Und mit den durchgängig vorhandenen Piano- und Bläsersätzen erhalten die Songs sogar noch eine leicht jazzige Note. Für alle, die den klassischen Blues lieben, ist dieses Album ein unbedingtes Muss.
Label: Crossroads Blues Media
Stil: Blues
Tracks:
01. C.C. Rider
02. Flippin‘ & Floppin‘
03. Fever
04. Medley – Hoochie Coochie Man / I‘m A Man
05. Thank You Sugar
06. Stealin‘ Chickens
07. You Got Me Wonderin‘
08. Mean Old World
Der in Kalifornien lebende Jeffrey Halford ist wieder in seiner Heimat zurückgekehrt, nachdem seine Europa-Tour letzten Monat endete. Die Konzerte habe ich verpasst, aber dennoch gaben sie Anlass, mal in das hierzulande wenig bekannte Werk des Songwriters rein zu hören. Dafür bietet sich die Best-Of-Scheibe „Beware Of Worthless Imitations, Vol. 1 (1999-2019)“ geradezu an.
Der als Straßenmusiker seine Karriere beginnende Halford tourte bereits mit einigen namhaften Größen wie Taj Mahal, Los Lobos, George Thorogood, Gregg Allman, Etta James, John Hammond, Guy Clark und Robert Earl Keen. Auf der Compilation blickt er auf zwanzig Jahre seines Musikschaffens zurück und wählte dafür zwanzig Songs von sieben Alben aus. Die Stücke sind chronologisch auf der CD versammelt und geben so einen Einblick in die Stationen seiner musikalischen Entwicklung.
Das Album beginnt mit dem starken Roots-Rocker „Bad Luck“, das wie „Creole Moon“ von „Kerosene“ (1999) stammt. Danach folgen zwei Tracks („Radio Flyer“, „Lost And Found“) unter Beteiligung von Chuck Prophet (Green On Red). Im Original wurden sie gemeinsam mit „Satchel’s Fastball“, bei dem The Gospel Hummingbirds mitwirken, auf „Hunkpapa“ (2001) veröffentlicht. Neben weiteren rockigen Stücke („Nine Hard Days“, „Watching The Trains“) finden sich akustisch gehaltene Songs („Railbirds“, „Sea Of Cortez“) auf der Zusammenstellung. Eine besondere Dynamik entwickelt „Rainmaker“, das zu den herausstechenden Songs gehört. Weniger überzeugend ist „West Towards South“, bei dem Halford mit seinem Sprechgesang eher experimentelle Töne anschlägt.
„Lousiana Man“ groovt, nicht zuletzt durch die Orgel von Augie Meyers (Sir Douglas Quintett, Texas Tornados, Bob Dylan). Diese treibt auch durch den Tex-Mex „In A Dream“. Einen Ausflug in den Country unternimmt „Deeper Than Hell“. Ansonsten sind mehrere Titel dem Americana zuzuordnen, der in einer meist rockigen Richtung interpretiert wird. Abwechslungsreich ist der Gitarreneinsatz. Eine Resonator-Gitarre ist bei „North Beach“ sowie bei „Elvis Shot the Television“ zu hören. Eine dunkle, staubige Atmosphäre erzeugen die Saiten auf „Mexiko“, eine sanfte der Slide bei „Two Jacksons“. Die Melodie einer akustischen Gitarre trägt „10,000 Miles“.
In seiner Werkschau „Beware Of Worthless Imitations, Vol. 1 (1999-2019)“ zeigen Jeffrey Halford & The Healers mehrere Facetten. Zwischen Rock und Americana verarbeiten sie Einflüsse von Gospel und Country, wobei auch moderate Experimente ihren Platz finden. Insgesamt gibt das Album einen abwechslungsreichen Einblick in den bisherigen Output von Halford, bei dem der Eindruck entsteht, dass sich in jüngerer Zeit eine Entwicklung in Richtung Americana abzeichnet. Um dies zu bestätigen, müssten der Backkatalog näher gesichtet und die nächste Veröffentlichung abgewartet werden. Auf meiner Konzertliste stehen Jeffrey Halford & The Healers jedenfalls, wenn sie wieder den Sprung über den Atlantik machen.
Continental Song City – in-Akustik (2020)
Stil: Rock, Americana
Tracks:
01. Bad Luck
02. Creole Moon
03. Radio Flyer
04. Lost And Found
05. Satchel’s Fastball
06. Nine Hard Days
07. Watching The Trains
08. Railbirds
09. Louisiana Man
10. In A Dream
11. Mexico
12. Rainmaker
13. North Beach
14. Two Jacksons
15. Door ‘3
16. Elvis Shot The Television
17. 10,000 Miles
18. West Towards South
19. Deeper Than Hell
20. Sea Of Cortez
Es gibt Menschen, die irgendwie nicht zu altern scheinen. Der jetzt bald auf die Dreißig zugehende, ehemalige American Idol-Gewinner Scotty McCreery, sieht immer noch aus wie ein Lausbub und bringt auch diesen gewissen typischen Charme mit sich, wie wir es Ende 2019 bei seinem unterhaltsamenKonzertin Köln live erleben durften.
Der Bursche aus North Carolina ist deshalb nicht von ungefähr ein Liebling der Fans. Recht konträr dazu wirkt seine charismatische Bass-Stimme, bei der man immer meint, hier einen ganz alten Hasen aus den Anfangszeiten des New Country vor sich zu haben. Dieser ungewöhnliche Mix macht wahrscheinlich auch einen erheblichen Teil seiner Anziehungskraft aus.
McCreery besitzt aber auch ein echtes Songwriting-Talent, was sein aktuelles Album „Same Truck“ wieder einmal nachhaltig offeriert. Zehn der zwölf durchgehend radiotauglichen Stücke hat er mit Könnern der Zunft auf diesem Gebiet wie u. a. Ashley Gorley, Zach Crowell, Monty Criswell, Rhett Akins, Lee Thomas Miller kreiert, dazu kommen zwei blendend zu ihm passende Fremdkompositionen wie die perfekt gesungene Hommage „Damn Strait“ an sein großes Vorbild ‚King George‚, der Scotty bei seinem allerersten live erlebten Konzert zu einer Gesangskarriere inspirierte.
Das Album bietet perfekten Stoff, wie man ihn von den beliebten Neo-Traditionalisten a làStrait, Brooks, Black & Co. des Genres schon von Beginn an immer gerne gehört hat, natürlich auch ganz dezent an die heutige Zeit angepasst, in dem ein paar punktuelle, aber kaum merkbare Programming-Effekte (verantwortlich Mitproduzent Aaron Eshuis und Justin Niebank) mit eingeflochten wurden. Federführend produziert hat Frank Rogers(Trace Adkins, Brad Paisley, Josh Turner, Darius Rucker, Phil Vassar,Darryl Worley), der auch den einen oder anderen Track mitgeschrieben hat.
So gibt es vom an die Solidarität appellierenden Opener „Same Truck“ bis zum finalen, mit einem herrlich hymnischen Heartland-E-Gitarrensolo abschließenden, an Gott gerichteten „How Ya Doin’ Up There„, wunderbar gekonnt eingespielte Musik, für die sich das Who-is-Who der Nashville Studiomusiker-Gilde mit Leuten wie u. a. Ilya Toshinsky (Acoustic Guitar, Banjo, Bouzouki, Mandolin, Dulcimer), der wieder klasse Akzente setzt, den starken E-Gitarristen Derek Wells und JT Corenflos, den Rhythmusgebern Shannon Forrest und Jimmy Lee Sloas, Tastenkoryphäen wie David Dorn und Gordon Mote sowie Steel-Ikone Mike Johnson, der für viel Countryflair sorgt, verantwortlich zeigt.
Diese Leute wissen halt ‚im Schlaf‘, wie man zu so einer markanten Stimme und den entsprechenden Songs spielen muss. Am Ende erhält man mit „Same Truck“ ein durchgehend melodisches und eingängiges Rundum-Paket auf höchstem Niveau, das man zu jeder Gelegenheit hören kann und das sich vielleicht als bisher bestes Album von Scotty McCreery herauskristallisiert.
Triple Tigers (Membran) (2021) Stil: New Country
01. Same Truck 02. You Time 03. It Matters To Her 04. Damn Strait 05. It’ll Grow On Ya 06. The Water 07. Why You Gotta Be Like That 08. Home 09. Carolina To Me 10. Small Town Girl 11. That Kind Of Fire 12. How Ya Doin’ Up There
Die amerikanische Blueslegende Lowell Fulson ist zu seinen Lebzeiten häufig gemeinsam mit Jeff Dale und dessen Blue Wave Band als Support aufgetreten. Nun hat Jeff Dale wohl bei einer Aufräumaktion in seinem Keller während des Corona-Lockdowns zufällig die alten Bänder einer Aufzeichnung eines gemeinsamen Konzertes aus dem November 1983 wiedergefunden. Damals waren außer Fulson (Gitarre & Gesang) und Dale (Gitarre) dabei: Lightnin‘ Dan Sonnenfeld (Gitarre), Phil Munsey (Drums), Pete Zifchak (Altsaxophon), Steve Primo und Marshall Crayton (beide Tenorsaxophon) sowie Ron Maldonado (Bass).
Bei der Veröffentlichung des 38 Jahre alten Konzertmitschnittes unter dem Namen „Lowell Fulson Live! with Jeff Dale & The Blue Wave Band“ handelt es also um eine echte Rarität, die den großartigen Blueser Lowell Fulson, der am 31. März dieses Jahr 100 Jahre alt geworden wäre, noch einmal auferstehen lässt.
Die Scheibe enthält zehn tolle Bluesnummern, darunter auch das 1954 erstmals von Lowell eingespielte und veröffentlichte „Reconsider Baby“, welches sogar in der „Rock and Roll Hall Of Fame“ als einer der 500 einflussreichsten Rock and Roll-Songs aufgenommen wurde.
Der Mitschnitt entführt die Zuhörer in längst vergangene Zeiten und erzeugt das Gefühl in den Gig spät nachts in einem nikotin- und alkoholgeschwängerten Club live mitzuerleben. Die Reise startet wild und funkt mit dem Instrumentaltitel „Do You Feel It“, gefolgt von dem Bluesstampfer „You’re Gonna Miss Me“ und dem eingangs etwas schrammelnden „Too Many Drivers“, das sich zu einem gut tanzbaren und mit Saxophon-Einlagen gespickten Song entwickelt. „Blue Shadows“, das bereits erwähnte „Reconsideer Baby“ und „Blues Pain“ hingegen sind tieftraurige Slowbluesnummern.
Das schwungvolle „Stoop Down Baby“ beeindruckt im Mittelteil mit einer teils wilden Saxophonpassage. „Do You Feel It“ taucht dann noch einmal auf, allerdings nicht ganz so wild und konfus wie der Opener, dafür aber mit Lowells Gesang. Auch „Lowell’s Lollipop“ ist ein recht fröhlicher Titel, der eingangs fast a-capella startet und mit nur vereinzelt eingestreuten Gitarrenriffs daherkommt. Langsam und getragen endet der Konzertmitschnitt dann mit gemütlichen „Going To Chicago Blues“.
Mit der Veröffentlichung des Albums „Lowell Fulson Live! hat Jeff Dale ein schönes Stück lägst vergangene Musikgeschichte wiederbelebt und erfahrbar gemacht. Wer also auf traditionellem Blues / Chicagoblues steht, sollte sich diese Scheibe anschaffen. Erschienen ist sie bereits am 5. November diesen Jahres.
Label: Pro Sho Bidness Stil: Blues
Tracks: 01. Do You Feel It (Instrumental) 02. You‘re Gonna Miss Me 03. Too Many Drivers 04. Blue Shadows 05. Stoop Down Baby 06. Reconsider Baby 07. Do You Feel It 08. Blues Pain 09. Lowell‘s Lillipop 10. Going To Chicago Blues
Ted Russell Kamp, Rich McCulley und Joey Peters haben Stash in Leben gerufen. Im Musikbusiness sind die drei keine Neulinge, legen jetzt aber mit „Walk The Walk“ ihr gemeinsames Debüt vor. Ted Russell Kamp verdiente sich seine Sporen als Bassist. So spielte er bei Waylon Jennings und lange Zeit in der Band dessen Sohns Shooter Jennings oder heimste einen Grammy mit Tanya Tucker ein. Jüngst begleitete er auch Marilyn Manson. Seine Songs wurden von Shooter Jennings, The Statesboro Revue und Micky & The Motorcars aufgenommen.
Seit den 1990ern veröffentlicht er Solo-Alben, die vor allem in Europa erfolgreich waren. Rich McCulley ist ebenfalls seit zwanzig Jahren als Solokünstler unterwegs und wirkte an einigen Filmmusiken mit. Die Film- und Werbeclip-Branche stellt zurzeit das Hauptbetätigungsfeld von Joey Peters dar. Er war Drummer bei Grant Lee Buffalo – mit dem Frontmann Grant-Lee Phillips– und Cracker. Derzeit aktiv ist er bei Rusty Truck.
Alle drei arbeiten als Produzenten für andere Musiker und haben das Heft nun ebenso bei ihrer CD selbst in die Hand genommen. Bei so viel Erfahrungen und dem breiten musikalischen Background verwundert es nicht, dass „Walk The Walk“ routiniert eingespielt wirkt. Die alten Hasen verzichten auf die Unterstützung weiterer Musiker mit Ausnahme von „Talk The Talk“, auf dem Anna Maria Rosales die Vocals ergänzt.
Auf dem Erstlingswerk schlägt Stash überwiegend einen rockigen Weg ein. Dabei gehen manche Tracks in Richtung Countryrock („Queen Of The Highway”, „One Step Ahead Of The Law”), andere wecken Erinnerungen an den Gitarrenrock der 1980er („You’re The One”). Gute Laune verbreitet „Hey, Hey, Hey“, der aus der Anfangszeit des Rock ‘n Roll stammen und eine Nummer der Blues Brothers sein könnte. Ebenfalls ein hohes Tempo geht „One Track Mind“. Deutlich rauer gibt sich „What I Need” oder auch „Catch Me If You Can”, bei dem E-Gitarren und Mundharmonika den Sound bestimmen.
Das Trio zeigt zudem seine Nähe zum Outlaw-Country. Da kommen traditionell Banjo („Smoke And Mirrors”) und Mandoline („Into The Sunset”) zum Einsatz, aber Stash trumpft bei „Ain’t That Kind Of Man“ auch noch mit Trompete und Posaune – beide gespielt vom Multiinstrumentalisten Kamp – auf. Während sich „Sweet Salvation Of The Dawn” stilistisch in der gleichen Schiene bewegt, fällt der Schmachtfetzen „By Your Side“ aus dem Rahmen.
Sowohl im Rock- als auch im Country-Bereich überzeugen die von den Bandmitgliedern gemeinsam geschriebenen Songs. Sie sind geradeaus verfasst und dennoch abwechslungsreich. Die Stimme von Kamp ist nicht außerordentlich markant, gewinnt aber bei mehrmaligen Durchläufen. Der Kalifornier kommt im Februar auf Konzerttour nach Europa, wo man sich dann ein Bild seiner Live-Qualitäten machen kann – sofern die Umstände es zulassen.
Mit Stash betritt eine neue Band die Rock- und Country-Bühne, die von der langjährigen Erfahrung ihrer Mitglieder – Ted Russell Kamp, Rich McCulley und Joey Peters – profitiert. Handgemacht eingespielt und gradlinig produziert spiegeln die Anspieltipps „What I Need” und „Ain’t That Kind Of Man“ die beiden Seiten von „Walk The Walk“ wider.
Eigenproduktion (2021) Stil: Rock, Country
Tracks: 01. Smoke And Mirrors 02. Catch Me If You Can 03. Queen Of The Highway 04. You’re The One 05. Into The Sunset 06. One Step Ahead Of The Law 07. One Track Mind 08. Ain’t That Kind Of Man 09. Talk The Talk 10. Sweet Salvation Of The Dawn 11. What I Need 12. By Your Side 13. Hey, Hey, Hey
Ausgestattet mit einem Universitäts-“Degree of Music Education“ veranstaltet der kanadische Musiker Andrew Waite seit Jahren Island Rock Camps für Studierende. Als der aus Charlottetown, Prince Edward Insel (Ostküste Kanadas) stammende Singer/Songwriter und Gitarrist 2018 seinen Debut-Longplayer „Tremors“ vorstellte, waren gleich eine ganze Reihe von Award-Nominationen, bis hin zum ‚Songwriter of the Year‘ fällig.
Waite, der Bruce Springsteen, Jason Isbell, aber auch den Iren Glen Hansard, sowie den Kanadier Dan Mangan als einflussreiche Vorbilder nennt, veröffentlicht nun sein zweites Solo-Werk. Mit den spielerisch, fließend ineinander verlaufenden Initialen „AW“ auf dem Plattencover, macht das Rock-Album jedoch nur unauffällig und bescheiden Werbung für den Inhalt. Diese spielerisch, aber gleichzeitig schöpferisch tiefgreifende Art des Songwritings verkörpert Andrew Waite ebenso in seinen Lyrics. Hervorzuheben ist die enge Zusammenarbeit mit Produzent Chris Kirby und Colin MacDonald (Sänger der in Kanada sehr bekannten Rockband The Trews), die teilweise im Co-Writing beteiligt sind.
Dementsprechend fungiert der erste Titel des neuen Longplayers „Ain’t Goin‘ Out Like That“ wie ein Powerhouse-Opener, ein Energie-versprühender 4-Minuten „Knaller“, der unvermittelt an die Anfangsjahre des „Boss“ erinnert – der perfekte Track für die erste Single! Auch die zweite Nummer „Full Time, Tryin‘ 2 Luv“, die im Upbeat-Tempo das Album vorantreibt, ist schon vorab zu hören und beweist ihren Full-Time-Dance-Status mühelos.
Das intuitive Stück „Silence“, ebenfalls bereits veröffentlicht, entfaltet seine sprichwörtliche Ruhe in Form einer „Music to comfort the Soul“, bevor mit „Best I’ve Ever Had“ ein Country-Rock folgt, der in seinen Strukturen dem Heartland-Sound durchaus ähnlich wirkt. Kraftvolle Inszenierungen von „Call Me In The Morning“ und „World’s Burning Down“ beschreiben zusammen mit Waite’s stimmlichen Fähigkeiten deutlich seine rockige Handschrift.
Der alternativ-soundige Track „Numb“ und der Folk-Rock „It Won’t Come Easy“ – mit Fiddel, Banjo und einladenden Vocals sorgen für akustische Abwechslung im ansonsten geradlinigen LP-Programm. Eine ausdrückliche Springsteen-Hommage (Verszeile: „Springsteen could get me so far“) bietet als vorletztes Stück die Hymne „Dopamine“. In diesem Fall ein musikalischer Botenstoff für positive Gefühlserlebnisse, die ganz leise in „Where Did The Night Go“ und stimmungsvoller Begleitung zu Ende gehen.
Mit seinem gleichnamigen Album versucht der kanadische Americana-Soul-Rocker Andrew Waite den Debüt-Erfolg seines Erstlingswerks zu wiederholen und überzeugt auf ganzer Linie mit einer insgesamt frischen Produktion. Der Longplayer des leider hier noch unbekannten Songschreibers enthält jedoch einen soliden Vorgeschmack auf die schon lange geplante Europa-Tournee.
Tracks: 01. Ain’t Goin‘ Out Like That 02. Full Time, Tryin‘ 2 Luv 03. Silence 04. Best I’ve Ever Had 05. Numb 06. Best I’ve Ever Had 07. World’s Burning Down 08. It Won’t Come Easy 09. Dopamine 10. Where Did The Night Go
Die US-amerikanische Indie-Rock-Band SUSTO hat seit ihrer Gründung im Jahre 2013 bereits zwei EPs, drei Longplayer und ein Live-Album veröffentlicht, sowie als Support der Band Of Horses und The Lumineers tausende Tournee-Meilen gesammelt. In neuer Besetzung wurde jetzt das 4. Studio Werk „Time In The Sun“ eingespielt und eine eigene Headliner-Tour durch die Staaten, einschließlich eines Gigs beim Londoner Americana-Fest im Januar 2022 angekündigt.
Mit dem Nachfolgealbum zu „Ever Since I Lost My Mind“ (2019), das von Kritikern sehr positiv aufgenommen wurde, legt die Band aus Charleston, South Carolina, nun eine Mischung emotionaler und teilweise experimenteller Songs vor, die vom Bandleader Justin Osborne komponiert wurden.
Die erste Single „Get Down“ handelt im schwungvollen Country-Rock von den sehr ernsten, persönlichen Erfahrungen Osbornes einen „Kampfgefährten“ zur Bewältigung von täglichen Schwierigkeiten zu finden – verpackt in leichten Gitarrenharmonien. Ein verträumtes Slide-Guitar-Image vermittelt in „Summertime“ die schöne Americana Atmosphäre. Diese Stimmung, leicht schwebender, surrealistischer Country-Sounds wird mit „God Of Death“ und „Be Gone From Me“ bis hin zum anfangs etwas melancholischen „Time, Love & Fun“ effektreich geboten.
Ein Folk-Style in „Life Is Suffering“ und hypnotische Gitarrenakkorde bei „Good Right Now“ markieren Soundverwandtschaften zu Band Of Horses und in manchen Ansätzen Reminiszenzen zu Wilco. Die ungezwungene Leichtigkeit dieser SUSTO-Klangwaben steht dabei etwas im Widerspruch zum spanischen Bandnamen, der in seiner weitläufigen Begrifflichkeit auch mit „Panikattacke“ übersetzt werden könnte und verdeutlichen soll, was Justin Osborne beim Schreiben von Songs gelegentlich emotional erlebte.
Das bunte Motiv eines doppelten Regenbogens bestimmt in seinen Farben maßgeblich das Plattencover von „Time In The Sun“ und ebenso den gleichnamigen Titel „Double Rainbow“, der in seinen psychodelischen und verzerrten Gitarrenpassagen, gleichwohl Optimismus ausstrahlt und in seinen experimentellen Inspirationen auch in der letzten Aufnahme von „All Around The World“ perspektivisch nachhallt.
Das von Wolfgang Zimmermann (u. a. Band Of Horses) produzierte neue SUSTO-Album „Time In The Sun“ wirkt in seiner feinen Abstimmung aus Country, Rock, Americana, Folk und einigen Grunge-Elementen wie eine Sammlung moderner Indie-Rock Interpretationen, die ihre Dynamik liebevoll ausbreiten. Mit diesem vielversprechenden Sound lässt die noch junge Band ihren Newcomer-Status weit hinter sich.
New West Records (2021) Stil: Indie-Rock, Americana
Tracks: 01. Time, Love & Fun 02. Get Down 03. Summertime 04. God Of Death 05. Be Gone From Me 06. Good Right Now 07. Life Is Suffering 08. Resolve It 09. Mother Of The World 10. Double Rainbow 11. All Around The World
Vor etwa 20 Jahren scharrte Carl Carlton, ein gebürtiger Friese, eine Gruppe hochkarätiger Musiker um sich, mit der er seine tief im Blues und R´n´B verwurzelten musikalischen Ideen in Songs umzusetzen gedachte. Vater des Gedankens war kein geringerer als Robert Palmer, mit dem er bis zu dessen Tod etwa 10 Jahre zusammen arbeitete.
So entstanden Carl Carlton & The Songdogs, zu deren Stammbesetzung bis zur ersten Auflösung, temporäre Musiker wie Palmer, Levon Helm und Garth Hudson von The Band, Sonny Landreth, Ronnie Wood, um nur einige zu nennen, beiwohnten. Dass Carlton selbst als Produzent für Eric Burdon, Joe Cocker oder Paul Young arbeitete und Udo Lindenberg, Marius Müller Westernhagen Peter Maffay und Wolfgang Niedecken über Jahre begleitete, sei nur am Rande erwähnt, um eine Vorstellung zu haben, wer an dem Abend im Musiktheater Piano zu Gast war.
Nach einer erfolgreichen Reunion 2019 stand nun die Stammbesetzung von Carl Carlton & The Songdogs im Rahmen der „High In A Sweet“-Release Tour auf der Bühne, zu der im späteren Verlauf noch ein Überraschungsgast hinzustieß. In den etwa zwei Stunden zeigte die Band, warum sie schon zu Anfangszeiten von den Kritikern hochgelobt worden ist.
Die Setlist umfasste Songs aus den bisherigen Studioalben der Band aber auch eine hochklassig gespielte Coversongs von Musikern, die Carlton bei seiner Musik beeinflusst haben. So nannte er Gregg Allman, bevor er den Allman Brothers-Klassiker „Jessica“ mit einer regelrechten Jamsession im Mittelteil präsentierte, als einen dieser Musiker, welche nun im Himmel in einer Supergroup spielen könnten.
Auch der vor kurzen verstorbenen Stones Legende Charlie Watts wurde mit „Can´t You Hear Me Knocking“ als erste Zugabe eine Aufwartung gemacht, die auch den wie im Original eigentlich durch Zufall aufgenommenen improvisierten Jam nicht ausließ.
Der Großteil der Songs stammte dann aber doch aus der Feder Carltons, ließ aber keine Zweifel an den Einflüssen zu. „Lifelong Guarantee“ mit klasse Honkytonk-Pianoeinlage von Pascal Kravetz hätte auch Platz auf jeder der alten rauen Stones-Platten haben können. Hier zeigte sich auch, wie bei den anderen Songs, die Klasse seiner Band, in der visuell auf der Bühne, in erster Reihe mit Carlton, zwei Urgesteine von Mothers Finest in die Saiten griffen oder diese zupften.
Moses Mo wechselte sich mit Carlton bei der Lead- und Rhythmus-Gitarre ab und wirbelte zuweilen tanzend über die Bühne während er sein Instrument bearbeitete. Dass Carlton zuweilen daneben stand, um das Treiben zu bestaunen, ist auch als Anerkennung der Spielkunst zu sehen. Dabei nutze er nicht nur seine Finger, um die Saiten in Vibration zu bringen, sondern zeigte, dass es auch mit den Zähnen gelingen kann, wenn man es eben kann.
Ganz stark auf sein Auftritt bei „God`s Gift To A Man“, als er zu Beginn des Songs an den Bühnenrand sprang, einige knackige Riffs in die Menge schleuderte und ein rockender Bluessong folgte, der einen gedanklich an die ganz alten AC/DC erinnerte.
Wyzard am Bass bestätigte fortwährend, dass der Rhythmus bei Ihm im Blut steckt und sorgte neben Drummer Bertram Engel für die volle Grundlage der Songs. Mit seiner Kleidung hätte er auch bei Bob Marley gut in die Band gepasst und bei „Love, Understanding & Respect“ und „Kingston“ zeigte er auch tanzend, seine Reggae-Affinität. Stark, wie die Band hier Reggae und Bluesrock ineinander verschmelzen ließen. Zu denken gab Carlton beim ersten Song, was der Einzug von harten Drogen in Jamaica für negative Spuren hinterlassen hat.
Mitten im Konzert wurden für einen Song Barhocker auf die Bühne gestellt und Carlton bat die Schauspielerin und Musicalsängerin Melanie Wiegmann auf die Bühne. Zunächst gab es mit „Love Hurts“ einen Song, der vielen durch Nazareth bekannt ist, aber erstmals von den Everly Brothers veröffentlicht wurde und auch von vielen anderen Musikern gecovert wurde.
Carlton und Wiegmann lehnten sich mit ganz dezenter Unterstützung der Band aber an der Version von Emmylou Harris an. Danach wurde es wieder lauter und Carlton und Wiegmann performten einen Grateful Dead-Song, der nach Aussage Carltons einer der letzten gesungenen Songs von Gregg Allman vor dessen Tod war. In „Black Muddy River“ brachte die Band einen gehörigen Southern Flair in die Halle (hier auch starke Gesangspassagen von Pascal Kravetz), welcher dann im Instrumental „Jessica“ mündete, wo ein Feuerwerk an Gitarren- und Keyboardsoli einen in die Weiten der Südstaaten versetzten.
Stark auch „Coming Home“ und „Moonlight in New York“, in dem sich Carton vom Songwriting her Richtung Tom Petty bewegte und auch seine Qualitäten als Gitarrist zuweilen slidend offerierte. In einem Konzert ohne Längen gelang es Carl Carlton & The Songdogs die etwa 120 Besucher in die Welt der Garde alter Songwriter zu versetzen und von der momentanen Situation um Corona abzulenken. Passend beendete er das Konzert dann mit dem Lennon-Stück „Instant Karma“, das dieser mit Yoko Ono veröffentlichte und brachte gewissermaßen das Piano leuchten und ein Strahlen in die Augen der Zuschauer.
Ein besonderer Dank geht an das Piano, dem es zu so unplanbaren Zeiten weiter gelingt, so großartige Künstler in den Westen zu holen und so die Kultur weiterleben lässt.
Line-Up: Carl Carlton – vocals, guitar Moses Mo – guitar, backing vocals Pascal Kravetz – keyboards, organ, backing vocals Wyzard – bass, backing vocals Bertram Engel – drums, backing vocals Special Guest: Melanie Wiegmann – vocals
Manchmal könnte man glatt meinen, ich hätte richtig Ahnung von New Country-Musik. Als einer der Review-Pioniere dieses Genres hatte ich schon damals dem bis dato noch ziemlich unbekannten Keith Urban bei seinem Debüt bereits eine große Zukunft vorausgesagt, gleiches gilt auch für Taylor Swift, wie ich es jetzt nach langer Zeit beim Nachlesen, ebenfalls zu ihrem Erstwerk, feststellen konnte.
Ok, dass sie in einer derartigen Weise, bis sogar hin in den Pop-Olymp, zu einem der größten Stars der heutigen Zeit, durchschießen würde, hätte ich natürlich nicht vermutet. Anders als bei Urban, habe ich, aus Mangel an Gelegenheiten, ihren Weg nur noch in den Medien verfolgt. Jetzt hat es durch die bei Universal für sie zuständige Person Simone Geldmacher (was für ein passender Name in Zusammenhang mit Swift… lol) dankenswerter Weise wieder mal geklappt und ihr neu veröffentlichtes Re-Release von „Red“ liegt mir zur Besprechung vor.
Ob die ursprünglich aus Reading, Pennsylvania stammende Swift schon damals im Rahmen der Streitigkeiten über die Verfügungsrechte mit ihrem früheren Label Big Machine Records (die haben unter der Regie des neuen Besitzers Scooter Brown die Rechte an den Mastertapes immer noch inne) rot gesehen hat, ist nicht überliefert (danach wechselte sie jedenfalls zur Universal Republic-Sparte). Fakt ist jedenfalls, dass sie jetzt ihre Alben in eigener Version (wie schon geschehen mit „Fearless“ und jetzt mit „Red“) nochmals, neu eingespielt und, ergänzt um Stücke, die es nicht auf das Werk geschafft haben, veröffentlicht.
So gibt es jetzt satte 30 Tracks, verteilt auf zwei CDs, von der CD1 sehr ’nah‘ an das Ursprungswerk gelehnt ist und nur mit marginalen Veränderungen versehen worden ist. Noch deutlicher kommt hier auf „Red“, was meine Person betrifft, die erheblich größere Ausrichtung in Richtung massentauglichem Pop zum Vorschein, als es noch bei ihrem Debüt der Fall war.
Mir gefallen die Sachen am besten, wo die Akustikgitarre etwas dominanter zum Vorschein kommt und diese dementsprechend zurückgenommener wirken. Mein Favorit ist hier das finale melancholische „Begin Again“ mit eingeflochtener Mandoline und Steel Guitar. Für zusätzlichen Stardom sorgen Ed Sheeran bei „Everything Has Changed“ und Snow Patrol-Sänger Gary Lightbody bei „The Last Time“.
Den eigentlichen Mehrwert gibt es aber mit dem zweiten Silberling, der die Outtakes enthält und mit „All Too Well“ eine zehn-minütige ‚Drittversion‘ bereithält. Sehr schön ist bei den nicht verwendeten Gastpräsenzen das Duett beim Indie-mäßigen „Nothing New“ mit Phoebe Bridgers. Chris Stapleton kann sich mit den untergeordneten Harmoniegesängen bei „I Bet You Think About Me“ nicht so richtig entfalten und auch das zweite mit Ed Sheeran performte Stück „Run“ wurde aus meiner Sicht richtiger Weise, zugunsten des markanteren „Everything Has Changed“ unter den Tisch fallen gelassen.
„Red“ von Taylor Swift offeriert eindrucksvoll die Entwicklung einer talentierten jungen Musikerin, die ihre Lehre im Country gemacht hat und sich mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks in Richtung angesagtem massenkompatiblen Mainstream-Pop entwickelt hat, der allerdings sehr geschmackvoll eingespielt ist und auf Effekthaschereien überwiegend verzichtet. Zu Gute halte muss man ihr in jedem Fall auch die Kreativität, sie schreibt alle Tracks selbst und ist nicht auf fremdes Material angewiesen. Hier reiht sie sich mittlerweile mühelos in die Megastarriege von Interpretinnen wie Beyoncé, Lady Gaga, Rihanna & Co. ein, ohne deren Konkurrenz wirklich fürchten zu brauchen.
Republic / Universal (2021) Stil: New Country Pop
Tracks: CD1 01. State Of Grace (Taylor’s Version) 02. Red (Taylor’s Version) 03. Treacherous (Taylor’s Version) 04. I Knew You Were Trouble (Taylor’s Version) 05. All Too Well (Taylor’s Version) 06. 22 (Taylor’s Version) 07. I Almost Do (Taylor’s Version) 08. We Are Never Ever Getting Back Together (Taylor’s Version) 09. Stay Stay Stay (Taylor’s Version) 10. The Last Time (Taylor’s Version) [feat. Gary Lightbody] 11. Holy Ground (Taylor’s Version) 12. Sad Beautiful Tragic (Taylor’s Version) 13. The Lucky One (Taylor’s Version) 14. Everything Has Changed (Taylor’s Version) [feat. Ed Sheeran] 15. Starlight (Taylor’s Version) 16. Begin Again (Taylor’s Version)
CD2 17. The Moment I Knew (Taylor’s Version) 18. Come Back..Be Here (Taylor’s Version) 19. Girl At Home (Taylor’s Version) 20. State Of Grace (Acoustic Version) (Taylor’s Version) 21. Ronan (Taylor’s Version) 22. Better Man (Taylor’s Version) (From The Vault) 23. Nothing New (feat. Phoebe Bridgers) (Taylor’s Version) (From The Vault) 24. Babe (Taylor’s Version) (From The Vault) 25. Message In A Bottle (Taylor’s Version) (From The Vault) 26. I Bet You Think About Me (feat. Chris Stapleton) (Taylor’s Version) (From The Vault) 27. Forever Winter (Taylor’s Version) (From The Vault) 28. Run (feat. Ed Sheeran) (Taylor’s Version) (From The Vault) 29. The Very First Night (Taylor’s Version) (From The Vault) 30. All Too Well – Extended Version (Taylor’s Version) (From The Vault)
Wenn ich darüber nachdenke, welche Bands aus Europa mir eigentlich am besten gefallen, komme ich um die von den Kanaren stammende Band Red Beard aus der Teenage Head Music-Familie nicht herum. Jetzt erst recht nicht, nachdem ich ihr sensationell starkes neues Album „It Ain’t Been Easy“ zum x-ten Male durch den Player habe rauschen lassen.
Der Grund, warum ich mit den meisten Acts von unserem Kontinent und speziell auch aus Deutschland, oft so meine Probleme habe, ist der einfach nicht amerikanisch klingende Gesang, der für mich eine entscheidende Rolle spielt, da er ja fast immer durchgehend zu hören ist. Und oft merkt man es einfach meilenweit gegen den Wind und auch an den meist im schulenglisch geschriebenen Texten.
Nicht so bei Red Beard, die haben mit ihrem Mastermind Jaime Jiménez Fleitas ein echtes Gesangsjuwel als Fronter und Allroundtalent (der zeichnet sich auch noch für die Gitarren sowie (HT-) Piano und klirrende Orgel, die es es natürlich ebenfalls zu Genüge gibt, zudem als Songwriter und Produzent verantwortlich), der mich immer unterschwellig an keinen Geringeren als Donnie Van Zant erinnert.
Dazu kommen noch mit Zaira Padrón und Carla Vega zwei grandiose omnipräsente Backgroundsängerinnen, die keinen Vergleich mit solchen Edel-Röhren wie u. a. Dale Krantz-Rossington, Bekka Bramlett, Joanna Cotten, etc. zu scheuen brauchen und den Songs so eine southern-typische, sexy-dreckige Tiefe beimischen. Drums und Bass werden von Jeremías Lobos und David Alvarado im Sinne des großen Ganzen vorbildlich und gekonnt bedient.
Nach gemütlichem Beginn mit dem melodischen Southern Roots-Schwofer „Fine & Proud“ nimmt das Werk mit dem leicht Stones-angehauchten „Bye, Bye Babe“ Fahrt auf. Viele Tracks erinnern mich in ihrer Art an die Anfänge von 38 Special zu Zeiten ihrer ersten beiden Alben. Typische Songs wie deren damalige „Long Time Gone“, „I’ve Been A Mover“ oder „Who’s Been Messin'“ kommen durch den Van Zantschen Unterton und die damalige Art der E-Gitarrenarbeit als unweigerliche Assoziationen auf.
Aber auch das druckvolle Voranpreschen der Black Crowes zu ihren Debützeiten ist neben einigen Skynyrd– und ABB-typischen E-Soli (klasse hier Gidkly Rodriguez), teilweise auch mit klasse Slide und schönen Twin-Einlagen (zusammen mit Fleitas), ein durchlaufendes Stilelement.
Es geht eigentlich ansonsten durchgehend recht rockig, aber immer sehr melodisch ab, auch die in den Strophen eher im Midtempobereich angesiedelten Tracks wie „Give It My Best“, „Three Little Birds“ oder „Set Me Free“ bekommen spätestens mit dem Refrain ordentlich Power.
Den krönenden Abschluss gibt es dann auch tatsächlich mit dem für mich immer besonders wichtigen Finalstück (weil es oft aus meiner Sicht den bleibendsten Eindruck hinterlässt), in diesem Fall „Might Be Heaven Or Might Be Hell“, das wie eine southern-rockige Abwandlung des durch Joe Cocker berühmt gewordenen „With A Little Help From My Friends“ rüberkommt. Ein toller hymnischer Refrain und dazu ein klasse Schrei (vielleicht nicht ganz so intensiv wie der trinkfreudige Brite damals) von Fleitas im Bridge, heulende E-Gitarren und Orgel, einfach herrlich.
Angesichts des Titels „It Ain’t Been Easy“ werden viele, inklusiv meiner Person, in diesen schlimmen Pandemie-Zeiten, ein leidvolles Lied davon singen können, wie schwer vieles zu ertragen war und immer noch ist. Red Beard zelebrieren allerdings mit diesem fantastischen Album hier eher im Gegenteil die Leichtigkeit des Southern Rock-Daseins.
Man kann nur hoffen, dass aufgrund der hier im Lande immer noch vorherrschen Unvernunft vieler (impfunwilliger) Menschen, nicht wieder der Corona-Virus im Kulturbereich, staatlich verordnet, dazwischen grätscht und man diese tollen Lieder zum Beispiel am 27.11.21 im Dortmunder Blue Notez und am 11.12.21 in der Krefelder Kulturrampe, im Rahmen der Red Beard-Europa-Tournee (gerne mit der G2-Regel) genießen kann. Da ist Hingehen absolute Pflicht.
Eigenproduktion (2021) Stil: Southern Rock
Tracks: 01. Fine & Proud 02. Bye, Bye Babe 03. Southern Eyes 04. It Ain’t Been Easy 05. Fly High 06. Give It My Best 07. Three Little Birds 08. Set Me Free 09. Might Be Heaven Or Might Be Hell