Ben Granfelt Band – 25.10.2021, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Der 25.10.2021 kann als ganz besonderer Montagabend seit Bestehen der Krefelder Kulturrampe gesehen werden. Erstmals seit 600 Tagen ohne Konzerte, fand endlich wieder ein Konzert auf der schrägen Bühne der statt, nachdem seit März 2020 coronabedingt die Events auf das Openair-Gelände des Schlachtgartens verschoben worden waren.

Schon am Eingang der Rampe zeigte sich, dass Pille Peerlings und sein Team die eventfreie Zeit genutzt haben, um den Laden etwas aufzuhübschen. Eine Überdachung über den vorgelagerten kleinen Biergarten mit einem Bildschirm, der live das Geschehen in der Rampe überträgt, sorgt dafür, dass auch draußen die Besucher geschützt sind und beim frische Luft schnappen das Konzert weiter verfolgen können.

Beim Betreten der Innenräume konnte man bei langjährigen Rampengängern ein Staunen feststellen. Das Ziegelmauerwerk, das von seinem, in die Jahre gekommenen Putz befreit worden war und die nun freiliegende Holzdeckenkonstruktion sowie ein riesiger fensterartiger Durchbruch von der Kneipe zum Konzertsaal, geben der Location deutich mehr Gemütlichkeit und eine scheinbar größere Weite.

Um diesen Umbau und das Wiederaufleben der Kulturrampe entsprechend zu würdigen, kamen Ben Granfelt und Band gerade Recht. Zunächst betrat Pille Peerlings unter dem Applaus der etwa 80 Besucher, was für einen Montagabend eine beachtliche Zahl ist und bei 100 zugelassenen Gästen eine sehr gute Auslastung bedeutet, die Bühne. Symbolisch zerriss er den Zettel, der jetzt schon so lange darauf hinwies, dass im Moment keine Veranstaltungen hier durchgeführt werden, und gab zum Besten, dass Rock`n`Roll doch eine Lösung ist, und bat den schon im Publikum wartenden Ben Granfelt samt Band auf die Bühne.

Im Sturm eroberte der charismatische Finne die Herzen der Fans. In einer Mischung aus Englisch und Deutsch machte Granfelt die Ansagen und gab manches zum Entstehen der Songs und aus dem Geschehen um die Band preis, sowie zum Beispiel den Wiederkauf seiner alten hellblauen Fender- Gitarre, die er mal aus Geldnot verkauft hatte und plötzlich in einem Pfandhaus stehen sah und wie er dann von einem Freund beim Rückkauf unter die Arme gegriffen wurde.

Was sich musikalisch in den zwei Sets über insgesamt über zwei Stunden abspielte, war dann atemberaubend. Unterstützt von seiner Rhythmussektion um Bassisten Masa Maijanen, der zum Glück von einer schweren Coronaerkrankung wieder genesen ist und dem jungen Drummer Jari Salminen, feuerte Granfelt ein regelrechtes Feuerwerk an seinen beiden Gitarren ab, was zeigte, dass er mit Sicherheit zu den Topgitarristen in der Szene zählt.

Auch stimmlich hat Granfelt sich so weiterentwickelt, dass diese nicht im Gewitter der Instrumente untergeht. Die Songauswahl an dem Abend war eine bunte Mischung aus älteren eigenen Songs, einigen Tracks aus dem aktuellen Studioalbum „True Colours“ sowie Coverversionen, die in der präsentierten Form schon etwas Besonderes waren.

Hervorzuheben aus dem ersten Set, war das emotionale „Last Notes“, im Andenken an seinen Vater, „My Soul To You“ und natürlich „Faith Hope & Love“, das er in seiner Zeit für Wishbone Ash geschrieben hatte und seine Qualitäten im Songwriting beweist. Beeindruckend war, wie er die Gitarre in den Soloparts regelrecht singen ließ.

War das erste Set schon ziemlich fulminant, verstand es Granfelt im zweiten Set noch einen drauf zu setzen. Das schon dem Titel nach anmutende Instrumental „Oriental Express“, das einen scheinbar in die Welt des Orients transportierte, machte die Virtuosität Granfelts, aber auch die Dynamik und Spielfreude der gesamten Band deutlich und sorgte für einige exstatisch mittanzende Fans.

Mit „Breathe“ wurde es vor dem Finale Furioso noch einmal etwas ruhiger und Granfelt bewies, dass man diesen Song auch als Trio präsentieren kann, ohne das etwas fehlt. Einer der absoluten Höhepunkte war dann, als Granfelt den J.J. Cale-Song „Cocaine“ ankündigte und sagte, dass er diesen in einer Hendrixversion spielen würde. Nach einem kurzen Intro („Crosstown Traffic“) erklang das für Cocaine typische Riff, aber in einer Geschwindigkeit und Dynamik, welche deutlich machte, warum Eric Clapton als Slowhand betitelt wird.

Hier war Fasthand Granfelt am Werke, der fast dafür sorgte, dass die Decke der Rampe abhob. Dass ein bisschen „Sunshine Of Your Love“ von Cream eingebaut wurde und die letzte Strophe in bester Bob Marley-Manier gespielt wurde, sei nur an Rande erwähnt.

Zum Abschluss kündigte er noch das obligatorische, fast hymnische „Going Home“ an, nach dem fast nichts mehr gehen kann, er sich in der Anmoderation aber noch den Spielraum für eine Zugabe gab. Da die Fans genug Lärm machten, fing Granfelt an von einer Nacht im Hotel in Hamburg zu erzählen, wo er aufwachte und glaubte er wäre David Gilmour. Daraus entstand ein Instrumental „Late Night In Hamburg“, dass vom Gitarrensound und Feeling auf Pink Floyd-Scheiben gepasst hätte und einen würdigen Abschluss eines eindrucksvollen Konzertabends bildete.

Direkt von der Bühne weg, begab sich Granfelt und der Rest der Band zum Smalltalk und Signieren von Fanutensilien zum Merchandisingstand und zeigte auch dort mit einer Gelassenheit und guten Laune die Seite, die Fans an Musikern überaus schätzen.

Ein besonderer Dank, neben den Musikern, gilt natürlich Pille Peerlings und seinem Team, die dieses Ereignis in einer runderneuerten Kulturrampe ermöglichten. Fortsetzungen folgen, Rock`n`Roll ist eine Lösung!

Line-up:
Ben Granfelt – guitars, lead vocals
Masa Maijanen – bass
Jari Salminen – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

Ben Granfelt
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Kulturrampe Krefeld

Joe Bonamassa – Time Clocks – CD-Review und Gewinnspiel

Bei Joe Bonamassa schien die Zeit schon immer ein wenig schneller voranzuschreiten als bei anderen Kollegen seiner Zunft. Seit Start unseres Magazins passiert jedes Jahr, gefühlt alle paar Monate, irgendetwas neues, sei es in Sachen Studio- oder Live-Alben, DVDs, Konzerte oder Kooperationen mit anderen oder Produktionen für andere Interpreten.

Mit „Time Clocks“ war es jetzt wieder an der Zeit für ein neues Studioalbum, immerhin steht 2022, natürlich auch bei uns, eine neue Tour (Deutschland-Termine siehe am Ende des Reviews) an.

Was als erstes auffällt, wenn man den neuen Tonträger in der Hand hält, ist das fantastische mystisch anmutende Artwork des berühmten Grafikers Hugh Syme (Rush, Aerosmith, Megadeath). Ein tolles Dreifach-Klappdigipak mit eingelegtem 24-seitigen Booklet, das neben einem kurzen Einführungsstatement von Joe, natürlich alle Songtexte, relevante Infos zu Musikern, Producern, Aufnahmestudio, etc. sowie tolle metaphorische Bilder im Stile der einstigen Hipgnosis-Klassiker enthält.

Desweiteren nimmt man zur Kenntnis, dass sich der Protagonist dem die letzten Jahre prägenden Nashville-Umfeld etwas zu entziehen scheint. Für das neue Werk ist er wieder in sein heimatliches Umfeld in New York zurückgekehrt, statt Michael Rhodes und Reese Wynans sind jetzt Steve Mackey und Lachy Doley neben Anton Fig und den etatmäßigen Backgroundsängerinnen Mahalia Barnes, Juanita Tippins und Prinnie Stevens die Begleiter. Produziert hat natürlich Bonamassa-Langzeit-Spezi Kevin Shirley.

Trotzdem kann man schon an den involvierten Co-Writern wie u. a. Charlie Starr (Blackberry Smoke), James House oder Tom Hambridge erkennen, dass ein gewisses südstaatliches Faible in Joe weitergepflegt zu werden scheint, was viele Tracks mit Allman Brothers-/Warren Haynes– und auch Skynyrd-mäßigen E-Gitarrenparts und Stimmungen in den Refrains und Bridges untermauern („Notches“, „The Heart That Never Waits“, „Questions And Answers“ und „Hanging On A Loser“), nicht zu vergessen die gospeligen Vocals des omnipräsenten australischen Background-Trios. 

Obwohl die meisten Stücke ausgiebig ausstaffiert sind, bringt Bonamassa sich diesmal E-Gitarrentechnisch eher akzentuiert ein und legt deutlich mehr Wert auf die Qualität seiner Solo-, Fill und Rhythmus-Arbeit (wenn man das bei ihm überhaupt so artikulieren darf). Lediglich beim finalen, mit vielen Stimmungswechseln durchzogenen „Known Unknowns“ lässt er dann doch noch ein längeres claptoneskes Gewitter ab.

Viele folkig-orientalische Tupfer (u. a. Flöte, selbst ein Didgeridoo ist bei den ersten beiden Tracks eingebunden) tragen zu einer  Stimmungsvielfalt bei, manchmal wie beim hymnischen Titelsong „Time Clocks“ geht es phasenweise bombastisch wie zu einstigen Meat Loaf-Zeiten zu. Ein Lied wie „Curtain Call“ würde man eher von Metallica erwarten als von Smokin‘ Joe himself. Auch die keltische Co-Writer-Handschrift und Hard Rock-Note von Ex-Whitesnake-Mitglied Bernie Marsden bei „The Loyal Kind“ ist unverkennbar.

Meine persönlichen Favoriten sind der atmosphärische Slowblues „Mind’s Eye“ samt mitreißend-hymnischem Refrain und der shuffelnde, durch Mark und Bein gehende Southern Blues Rocker „Hanging On A Loser“, bei dem sich Bonamassa (famoses ABB-Slide, tolles konventionelles E-Spiel) und der überragende Lachy Doley (klirrendes Organ und HT-Piano) sich immer wieder die Bälle gegenseitig zu werfen. Atemberaubender Groove!

Joe Bonamassa zeigt sich auch mit „Time Clocks“ weiterhin als ‚Hansdampf in allen Gassen‘. Diesmal überzeugt vor allem die progressive Art, seinen Blues Rock weiterzuentwickeln. Sein Gitarrenspiel ist gewohnt exzellent, auch sein Gesang, der mir zu Beginn seiner Karriere überhaupt nicht gefiel, ist mittlerweile in der Lage, sich jedem Stimmungsbild anzupassen.  Das Songmaterial findet trotz seiner diversen Elemente, Verschachtelungen und Eingaben am Ende immer harmonisch zusammen. 

Ich komme am Ende, auch wenn bei Joe Bonamassa die Uhren ja schon immer rasant tickten, nicht herum, auch in Kombination mit dem tollen Cover-Artwork, bei „Time Clocks“ von einem absolut zeitlosen Meisterwerk zu sprechen. Smokin‘ Joe at his best!

Deutschland-Live Termine:

26.04.22 Hannover
27.04.22 Saarbrücken
29.04.22 Frankfurt a.M.
01.05.22 Berlin
03.05.22 Düsseldorf

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In Zusammenarbeit mit der Mascot Label Group und Netinfect Promotion verlosen wir eine „Time Clocks“-CD.

Folgende Frage muss dazu richtig beantwortet werden:

In welcher Stadt wurde das Album „Time Clocks“ eingespielt?

a) New York
b) New Orleans
c) New Hampton

Bitte sende eine E-Mail mit der richtigen Lösung bis zum 29.10.2021 an dan@sounds-of-south.de.

Wir losen unter allen richtigen Einsendern eine(n) Gewinner/in aus, der/die dann umgehend benachrichtigt und mit der CD beliefert wird.

Das Gewinnspiel ist beendet.

Die richtige Antwort hieß ‚New York‘!

Über eine tolle CD von Joe Bonamassa darf sich

Andreas Brüseke aus Lünen

freuen, dem der Gewinn in den nächsten Tagen zugeht!

Sounds Of South wünscht viel Spaß damit!

Provogue Records/Mascot Label Group (2021)
Stil: Blues Rock & More

01. Pilgrimage
02. Notches
03. The Heart That Never Waits
04. Time Clocks
05. Questions And Answers
06. Mind’s Eye
07. Curtain Call
08. The Loyal Kind
09. Hanging On A Loser
10. Known Unknowns

Joe Bonamassa
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Netinfect Promotion

Double Bill: Joanna Connor and Eamonn McCormack – 21.10.2021, Yard Club, Köln – Konzertbericht

Mit dem Iren Eamonn McCormack und der aus Chicago kommenden Amerikanerin Joanna Connor besuchten zwei Hochkaräter der Bluesszene den Kölner Yard Club. Leider nur etwa 50 Bluesfans sollten ihr Kommen allerdings nicht bereuen. Die beiden Haupakteure, jeweils begleitet von Eamonns deutscher Begleitband mit Max Jung-Poppe an den Drums und Bassist Eddy Karg, lieferten ein weit über zweistündiges Konzert, das in drei Parts ohne Pause dazwischen gegliedert war.

Zunächst zeigte Joanna Connor in einem etwa 45 minütigen Set, warum sie zu einer der besten Bluesgitarristinnen gezählt wird (nicht umsonst hat Joe Bonamassa ihr aktuelles Album produziert und sie auf die Mittelmeer Bloescruise 2022 eingeladen) und präsentierte eine Mischung alter Songs, gekonnter Coverstücke und auch Stücke, wie „I Feel So Good“ vom aktuellen Album „4801 South Indiana Avenue„.

Nach kurzen anfänglichen Abmischungsproblemen war schnell der richtige Sound gefunden und die Fans konnten einen klar definierten, gut differenzierten Sound genießen. Joanna begeisterte die Fans mal slidend über die Saiten huschend, mal fingerpickend, bis hin zu fast in den Hardrock gehender Soloarbeit, wobei das Grundthema immer der Blues blieb.

Auch stimmlich zeigte sich Connor bestens aufgelegt, dass schon die ersten 45 Minuten für eine prächtige Stimmung bei den Fans sorgten, und die Besucher nach dem Led Zep-Cover „When The Levee Breaks“ sie mit Ovationen und Zugabeforderungen verabschiedeten. Den Zugabeforderungen kam sie mit dem Hinweis, dass sie zum Ende mit McCormack noch etwas jammen würde, zunächst nicht nach und nahm während Eamonn die Bühne betrat hinter der Bassbox auf der Bühne Platz, um das Treiben des Iren, oft im Takt mitwippend zu verfolgen.

Im Mittelpunkt des etwa 50 minütigen Auftritt des Irens standen Songs des aktuellen Albums „Storyteller“, wie das melancholische „The Great Famine“ oder die krachenden Blues Rock-Nummern „Gypsy Woman“ oder „With No Way Out“ sowie die zwei stark gespielte Gallagher-Songs.

„Calling Card“ und das abschließende „Shadow Play“, das gewissermaßen die Inspiration des Vorbilds widerspiegelte und zum Ausdruck gab, dass dieser gedanklich irgendwie mit dabei ist. Gespickt wurde das Set dann noch von einigen älteren Nummern wie „From Town To Town“ oder „Heal My Faith“, in der ein bestens gelaunter McCormack seine Virtuosität, aber auch Energie an seinen Gitarren zum Besten gab und zeigte, dass er auch stimmlich überzeugend ist.

Nach diesen zwei ‚Solo‘-Darbietungen erhob sich Joanna Connor von ihrem Logenplatz auf der Bühne und es folgten nochmals etwa 45 Minuten Bluespower. Neben zwei eigenen Songs, Connors „Cut You Loose“ und McCormacks „Falsely Accused“ präsentierten sie noch einige Blues-/Rockklassiker wie „Rock Me Baby“ oder „Johnny Be Good“, bei denen sie sich regelrecht die Solis hin und her schmissen, als gäbe es kein Morgen mehr.

In diesen oft jammenden Passagen hatten auch Max Jung-Poppe mit feinen Drumeinlagen, wo er mit den Sticks so durch die Luft wirbelte, dass man befürchten musste, er hebt gleich ab und Eddy Karg mit akzentuierten Bassläufen einen erheblichen Anteil. Danach wusste man jedenfalls, weshalb sie Eamonn schon seit einigen Jahren in seine Band geholt hat.

Nach noch einer frenetisch geforderten Zugabe und etwa 140 Minuten Powerblues nahmen sich Connor und McCormack noch die Zeit zum Smalltalk und Signieren verschiedenster Fanutensilien und rundeten so einen absolut gelungenen Musikabend ab, der leider nur das Manko hatte, dass der Besuch, wie bei vielen Veranstaltungen zur Zeit, eher zu wünschen lässt und es Veranstaltern wie auch Musikern nicht leicht macht.

Ach ja, am Sonntag wird das Rheinenergiestadion mit 50.000 Zuschauern gegen Leverkusen ausverkauft sein (???, der Kollege Mangold meint sicherlich das Spitzenspiel am heutigen Samstag 1. FC Köln U 23 – Rot Weiss Essen – Anm. der Red.), was mich als FC Fan natürlich erfreut. Schön wäre es, wenn auch die Musikfreunde zumindest dafür sorgen könnten, dass die Clubs mit den bestehenden Vorschriften zumindest zur Hälfte gefüllt sind und Kultur auch finanziell über die Runden kommt.

Damit an dieser Stelle ein ausdrücklicher exemplarischer Dank an Marcus Neu und die Kantine/Yardclub und Künstler wie McCormack und Connor, die trotz des finanziellen Risikos das Kulturleben am Leben halten.

Line-up:
Joanna Connor (lead vocals, electric guitars)
Eamonn McCormack (lead vocals, electric guitars)
Eddy Karg (bass)
Max Jung Poppe (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Eamonn McCormack
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Joanna Connor
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Yard Club, Köln

Zac Brown Band – The Comeback – CD-Review

Mit dem sich anbahnenden Weihnachtsgeschäft lassen auch die großen Labels so langsam ihre großen Zugpferde aus den Startluken. Warner Music setzt dabei gerade auf einen seiner Dauerabonnementen auf die Country-Alben-Chartspitze, die Zac Brown Band. Von den bisher sechs veröffentlichten Studiowerken schafften es gleich fünf auf Platz 1 (drei davon auch in allgemeinen Billboard Top 100), lediglich das Debüt der Truppe aus Atlanta, Georgia, kam ’nur‘ auf Platz 2.

Der siebte Streich des, ähnlich wie Eric Church, für seine Experimentierfreudigkeit bekannten Zac Brown heißt nun „The Comeback“ und beinhaltet satte 15 Tracks. Der Titel erscheint mir statt einer erneuten Wiederkehr zu seinen Roots eher wie eine Kampfansage an Morgen Wallen in dem Sinne interpretiert werden zu müssen, dass dieser, seinen Dauerplatz an der Sonne in diesem Jahr, zumindest temporär, mal schön zu räumen hat.

Brown und seine Band loten zwar auch diesmal wieder einen großen Spielraum aus, den das moderne Country-Genre in Kombination mit anderen Stilen zu bieten hat, diesmal aber ohne bewusst eingeplantes Verärgerungspotential seiner Fans, wie bei den früheren Alben „Jekyll + Hide“ und „The Owl“. 

„The Comeback“ ist demnach ein selbstbewusstes kurzweiliges, abwechslungsreiches und gut zu hörendes New Country-Album geworden, das so gut wie keine Schwachstellen aufweist, und dazu einige echte Highlights bietet. 

Freunde des schwungvollen, dynamischen New Country dürfen sich am rhythmisch-tanzbaren, garnicht langsamen Opener „Slow Burn“, dem euphorisch resümierenden „Us Against The World“ und dem finalen Rausschmeißer „Don’t Let Your Heart“ erfreuen, Traditionalisten bekommen mit „Wild Palomino“ (Midland-Manier), dem Veranda-mäßigen „Same Boat“ und dem Hillbilly-Heuler „Fun Having Fun“ ihre Vorlieben erfüllt.

Southern Rocker erhalten mit dem swampigen „Out In The Middle“ und dem Kracher „GA Clay“ ihren bevorzugten Stoff. Mittendrin der Titelsong, der mal die Petty-, Springsteen-, Mellencamp-Freunde ordentlich aufhorchen lassen wird. Karibisches Party-Feeling à la Jimmy Buffett garantiert „Paradise Lost On Me“.

Für die etwas zarter besaiteten Feingeister erfüllen die folkig-angehauchten „Any Day Now“ und „Love And Sunsets“ ihren Zweck, die Ohrwürmer des Werkes erhält man mit dem herrlich southern-souligen „Old Love Song“ und dem Balladen-Duett „Closer To Heaven“ mit Jazz-, Soul- und Blues-Interpret Gregory Porter.

Last but not least ist der Knaller des Albums die Kooperation mit Jung-Shooting Star Markus King bei „Stubborn Pride“. Allein schon das Akustikgitarren-Intro ist zum Niederknien, die beiden wunderbar divergierenden Stimmen, sowie zwei furios-filigrane King-E-Gitarren-Soli machen diesen 7-Minuten-Track zum krönenden Center-Song dieses Longplayers.

Mit „The Comeback“ finden Zac Brown und seine Mannen eindeutig wieder zurück in die Spur. Die Fans der frühen Jahre sollten dieses Werk erst mal genießen. Wer weiß, nach dem Gesetz der Serie, was der Protagonist als nächstes wieder im Schilde führt…

Warner Music (2021)
Stil: New Country

Tracklist:
01. Slow Burn
02. Out In The Middle
03. Wild Palomino
04. Us Against The World
05. Same Boat
06. Stubborn Pride (feat. Marcus King)
07. Fun Having Fun
08. The Comeback
09. Old Love Song
10. Any Day Now
11. Paradise Lost On Me
12. GA Clay
13. Love And Sunsets
14. Closer To Heaven (feat. Gregory Porter)
15. Don’t Let Your Heart

Zac Brown Band
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Warner Music

Dave Hause – Blood Harmony – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Als gelernter Punk-Rocker aus Pennsylvania fing Dave Hause mit Support der Bouncing Souls und NOFX und seiner Band The Loved Ones 2004 an, die ersten Erfolge einzufahren. Zusammen mit u.a. Brian Fallon (Gaslight Anthem) und Chuck Ragan (Hot Water Music) schaffte es Hause als Mitglied der Folk-Formation The Revival Tour bereits 2011 in den Rockpalast und konnte diesen Qualitätsbeweis 2017 mit seiner eigenen Band The Mermaid wiederholen.

Das neue Solo-Album „Blood Harmony“ ist in vielen Songs von seiner Heimatstadt Philadelphia geprägt und seinen Ausflügen an die Küste New Jerseys, obwohl Hause für diese Produktion extra nach Nashville gegangen ist, um den Longplayer mit Southern Rock-Singer/Songwriter Will Hoge aufzunehmen. Hoge konnte hierfür u.a. so erfahrene Leute, wie Gary W. Tallent (Bass) von Springsteens E-Street Band, Sadler Vaden (Guitar) aus Jason Isbells 400 – Unit und Schlagzeuger Billy Powell (Man Man) begeistern und produzierte ein exzellentes „Blood Harmony“-Werk. Dass der eigentlich rockige Longplayer mit der liebevollen Nummer „Northstar“ (besonders poetische Lyrics) akustisch eröffnet wird, kennzeichnet die sanfte Seite von Dave Hause, der die 10 Songs gemeinsam mit seinem Bruder Tim (Gitarre) komponiert hat und dieses Teamwork als ‚Family Business‘ betrachtet.

Schon der zweite Titel „Sandy Sheets“, über Ferienzeiten am Strand, wird zur New Jersey Hymne und entwickelt durchaus Springsteen-nahe Züge einer Asbury Park-Mentalität. Der seit Jahren leider etwas zu bescheiden im Hintergrund der aktuellen Songschreibergilde agierende Dave Hause kommt durch die großmeisterliche Inszenierung von Will Hoge in ein verdientes Rampenlicht. Weitere harte Rock-Songs folgen („Plagiarist“, „Gary“ und „Carry The Lantern“) und hätten ebenso Gaslight Anthem oder auch Tom Petty alle Ehre gemacht, den Dave Hause neben Brandi Carlile als sein Vorbild ansieht.

Auf „Surfboard“ wird mit akustischen Gitarren und Banjo ein Ohrwurm-Song auch als Vorab-Single angeboten, dessen spielerische Leichtigkeit überspringt, während bei „Snowglobe“ die jung gebliebenen Punk-Wurzeln im Gitarren-Sturm charakteristisch dominieren. Das akustische Liebeslied an seine Kinder („Little Wings“) beendet leider die neue Studio-Scheibe schon nach einer guten halben Stunde und zurück bleibt der Eindruck von einer handwerklich ausgereiften „Vorstellung“, der man unbedingt nochmal zuhören möchte. Übrigens: Dave Hause kommt hierfür mit seiner Band im nächsten Jahr für 8 Konzert-Termine nach Deutschland!

„Blood Harmony“ bietet neben einer gewissen Hemdsärmeligkeit in den Sounds, sozialkritische Texte und auch eine liebevolle Zerbrechlichkeit in manchen Songs, die den Longplayer aus der Masse ähnlicher Neuerscheinungen wohltuend heraushebt. Eine Award-Nominierung ist nach all den Jahren hervorragender Solo-Arbeit für Dave Hause spätestens jetzt überfällig!

Membran (2021)
Stil: Folk Rock, Heartland Rock

Tracks:
01. Northstar
02. Sandy Sheets
03. Hanalei
04. Plagiarist
05. Gary
06. Surfboard
07. Leave It In That Dream
08. Snowglobe
09. Carry The Lantern
10. Little Wings

Dave Hause
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Lime Tree Music

Creed Fisher – Whiskey And The Dog – CD-Review

 

Eigentlich bin ich ja ein Mensch, der eher mehr auf moderne (New) Country-Musik steht. Trotzdem gibt es immer auch wieder Künstler aus dem traditionelleren Bereich, die ich aufgrund ihrer authentischen Art, Musik zu performen, sofort in mein Herz geschlossen habe. Der aus West-Texas stammende, bekennende Redneck, mir bis dato unbekannte Creed Fisher, ist so ein gutes Beispiel.

Mit seinem sechsten offiziellen Album „Whiskey And The Dog“ (auf dem Cover erinnert er mich rein äußerlich ein wenig an einen jungen Charlie Daniels) bedient der 49-jährige eindrucksvoll und mit viel Hingabe die Freunde des klassischen narrativen Outlaw Country.

Für Fisher ist es laut eigener Aussage wichtig, die Dinge erlebt zu haben, die man in seinen Songs reflektiert“ It’s a tough one to understand if you haven’t lived it. There’s a personal side that isn’t so glamorous in this business that other musicians can agree to. It’s the rigors of being on the road. Always having to be here and there makes for the biggest challenge, often times-let downs. Overall, music is what I love and what I will continue to do as I watch those white lines on the highways continue to zip right past the window as life passes us all.”

Und das alles kann man, nachdem man die vierzehn, teils auch sehr humorvoll mit einer ordentlichen Portion Selbstironie geschriebenen Tracks durchgehört hat, auch 1:1 unterschreiben. Die meisten Stücke werden in Begleitung der klassischen Country-Instrumente wie Akustikgitarre, Steel (beides von dem uns aus vielen texanischen Scheiben bestens bekannten Milo Deering gespielt), Bariton-E-Gitarre (Larry Rolando), Bass (Aden Bubeck), Schlagzeug (Josh Rodgers) in gemäßigtem Tempo und echter Storytelling-Manier gesungen (Fisher hat dafür eine perfekte Stimme).

Sporadisch werden auch klirrende Mandoline, heulende Fiddle, Banjo (alle drei auch Milo Deering) und etwas Piano (Drew Harakal) eingeflochten. Ganz stark die Texas-typischen, omnipräsenten, aber sehr dezent dazu gemischten weiblichen Harmoniegesänge von Sängerin Hillary Bergman-Stanton sowie auf männlicher Seite Colin Alexander.

Sehr schön klar produziert haben die allesamt von Creed verfassten Songs (lediglich drei davon mit Co-Writer Mark Jones) er selbst, Bart Rose sowie Josh Rodgers. Es geht, wie man es an den meisten Titeln sofort erkennen kann, natürlich überwiegend um die bekannten bodenständigen konservativen Werte, die man in den südstaatlichen Sphären der Arbeiterklasse schon immer groß geschrieben hat (‚blue-collar life‘). „Bleibt mir hier weg mit eurem modernen Leben“, bildhafter kann man es wohl kaum als mit den schönen Schlagworten „Don’t California My Texas“ ausdrücken.

Die Hauptthemen des geschiedenen Musikers drehen sich, wen wundert es, natürlich um verschmähte Ex-Frauen, einen Faible für’s Trinken und Musik a la Hank, Haggard & Jones, also im Prinzip die altbekannte ‚Women, Whiskey and Rock’n’Roll Country‘-Attitüde. Da bleiben nur der Barstuhl an der Theke und die Musik, die einem am Ende nicht weggenommen werden können, wie in „Honkey Tonk Drankin’“ selbstkritisch analysiert wird.

Die ‚#MeToo‘-Bewegung vergrault, aber geschenkt, die hört eh andere Musik! Zum Piepen nämlich, wie Fisher ganz offenherzig seine Passion für zwei bestimmte Rundungen im oberen Körperbereich des weiblichen Geschlechts darlegt („Girls With Big Titties“), die schon von frühestem Schulalter an durch seine Lehrerin, aber auch die von Dolly Parton in der Musik geprägt wurde („…I even know Conway Twitty, but I always loved girls…“). Da behaupte einer, Männer wären nur eindimensionale Wesen! Auch ich kenne durchaus viele, ähnlich gestrickte Leute in meinem männlichen Bekanntenkreis.

Ach ja, und Hunde mag er (so wie ich) natürlich auch („Whiskey And The Dog“, „Hankles“). Mir gefällt es besonders gut – auch wenn Creed das wohl nicht gerne hören wird – dass spezielle Tracks wie zum Beispiel „This Town“, „The Good Ol’ U.S. Of A.“ oder  „Find My Way Back Home“, die mit einer unterschwelligen Red Dirt-Note daherkommen, durchaus geeignet wären, auch von einer Eli Young Band oder der Randy Rogers Band mal in kommerziellerer Form aufgearbeitet zu werden.

So einige Steel-getränkte Heuler und Schunkler wie der herrliche Opener „High On The Bottle„, „Hundred Dollars Short“, „Don’t California My Texas“, „Honkey Tonk Drankin’“ und „Jesus, Haggard & Jones“ erinnern mich auch ganz stark die Art zu Musizieren, wie man sie von den Pirates Of The Mississippi kennt.

Der Kracher des Werkes ist allerdings „Down To The Riverbank“, bei dem Fisher plötzlich, wie aus dem Nichts, einen furiosen swampigen Southern Rocker aus dem Ärmel schüttelt. Grandios hier neben den starken E-Gitarren von Rolando, die wummernden Orgel-Einlagen von Drew Harakal, die einen Jon Lord sicherlich begeistert hätten.

Am Ende hat Creed Fisher mit seinem neuen Album „Whiskey And The Dog“ einen Hörer wie mich, ohne Wenn und Aber, auf seine Seite gezogen: Wunderbare melodische Lieder, die einen ehrlichen Charakter haben, denen man ganz entspannt zuhören kann und die einen zum Teil wirklich schmunzeln lassen. In mir hat er jedenfalls ganz sicher einen neuen Fan gefunden. Wer sich gerne noch ausführlicher mit dem ‚Making Of‘ zum Album beschäftigen möchte, kann dies gerne unter diesem Link tun. Danke an die Aristo Media Group für den tollen Tipp und den angenehmen Support!

 

Dirt Rock Empire (2021)
Stil: Country

Tracklist:
01. High On The Bottle
02. This Town
03. Girls With Big Titties
04. Whiskey And The Dog
05. Hundred Dollars Short
06. Gray Skys
07. Don’t California My Texas
08. The Good Ol’ U.S. Of A.
09. Down To The Riverbank
10. Find My Way Back Home
11. Honkey Tonk Drankin’
12. I’m Crazy And You’re Gone
13. Jesus, Haggard & Jones
14. Hankles

Creed Fisher
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Aristo Media Group

Yasi Hofer Trio – 15.10.2021, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Nach zunächst schleppendem Vorverkauf zum Yasi Hofer-Gig fanden doch etwa 100 Musikfans den Weg ins Musiktheater Piano, die animiert durch den engagierten Bandauftritt, für eine gute Stimmung sorgten. Unter dem Applaus der Fans betrat das Trio, welche schon vor etwa drei Jahren einen überzeugenden Auftritt in Lütgendortmund hatte, die Bühne und legte direkt mit dem Instrumental „Skydriver“ los.

Danach richtete Hofer einige Worte ans Publikum. Sie dankte den Machern des Piano, die es ermöglichen, live wieder aufzutreten und, wie schön es ist, wieder in Dortmund spielen zu können. Dem Einwand aus dem Publikum, dass das Piano in Lütgendortmund liege und nicht in Dortmund konterte sie augenzwinkernd, dass sie das dann noch einmal genau googeln würde.

Was danach folgte, war ein über zweistündiger Auftritt, in dem die Band in zwei Sets, Songs aus ihren mittlerweile drei Studienalben präsentierte. Die sympathische Art der drei Musiker, wie sie ihren Mix aus verschiedensten Musikstilen mit einer zu sehenden und zu spürenden Spielfreude vortrugen, hatte mit Sicherheit auch einen großen Anteil, dass direkt von Anfang an der Funke aufs Publikum übersprang und man fast vergessen konnte, dass das Piano noch Platz für einige Zuschauer mehr gehabt hätte.

Beeindruckend war, wie es der Band gelang, progressive Bestandteile mit Rock, Fusion, einigen folkigen Elementen, Blues, aber auch Jazz, so zu kombinieren, dass aus diesen heterogenen Musikstilen am Ende ein absolut homogener Soundmix entstand. Auch durch die vielen Tempowechsel innerhalb der Songs ergab sich ein kurzweiliges Konzert, das die Besucher absolut in ihren Bann zog.

Dass es sich beim Yasi Hofer Trio um eine Band handelt, zeigte sich auch dadurch, dass neben der Fronterin Yasi, die ihre Gitarren mit einer spielerischen Leichtigkeit in einer großen Bandbreite bearbeitete, auch die Rhythmusfraktion in den meisten Songs prägende Elemente hatte.

Innerhalb vieler Songs setzte Drummer Christoph Scherer gezielt zuweilen stakkatoartige Akzente, die in dem bestens abgemischten Sound auch klar heraushörbar waren. Steffen Knauss nutzte den Bass neben der Rhythmusarbeit zuweilen auch als Soloinstrument.

Neben dem auditiven Zusammenspiel gab der Auftritt auch visuell klar zu erkennen, dass es sich um ein eng zusammengewachsenes Trio handelt. Drummer Christoph Scherer wurde immer wieder auch räumlich eingebunden, indem die beiden Anderen sich Richtung Drums begaben und ihm gewissermaßen zuspielten. Auch Hofer und Steffen Knauss gingen mit ihren Instrumenten spielend aufeinander zu, um in ihrer Musik nahezu zu verschmelzen.

Insbesondere bei den immer wieder eingestreuten Instrumentals wie dem erst ruhig-sphärischen „Eclipsed“, das sich mit laufender Dauer immer furioser entwickelte, dem progressiven, zuweilen jazzigen „Downhill“ oder „Clouds“, das sich, wie Wolken am Himmel, fortwährend von verträumt über progressiv bis hin zum Blues veränderte, zeigte sich, warum ein Steve Vai Yasi Hofer vor einigen Jahren zu sich auf die Bühne holte oder auch ein Marco Minnemann mit ihr zusammenarbeitete.

Aus einem starken Konzert fällt es schwer, einzelne Songs hervorzuheben. Highlights im ersten Set waren aber das leicht tragende bluesige „Working Man’s Life“, mit passend zum Thema zuweilen leicht düsterem Gesang, oder das eigentlich als Akustiknummer geschriebene „I Hear You“, das auch mit der E-Gitarre seinen folkigen Charakter nicht verlor.

Im zweiten Set begeisterten das ruhige  Instrumental „Freedom“, natürlich gespickt mit feinen Soli, das rockende „Now“ mit starken Riffs zwischen den Gesangspassagen und einem hart rockenden Solo, dass groovende, nach Aussage Hofers, tanzbarste Stück von ihr und das harte bluesige „Crossfire“, in dem natürlich das entsprechende furiose Gitarrensolo das I-Tüpfelchen aufsetzte, an das sich zum Abschluss noch das fast in Richtung Hard Rock gehende Instrumental „City Of Green Fields“ anschloss.

Mit dem entsprechenden Applaus und unter Zugabeforderungen verabschiedete sich das Trio sichtlich gerührt von den Fans und ohne die Bühne zu verlassen, kamen die drei gerne dem Wunsch der Fans nach und legte mit einer starken Version von „Liar“ für mich den Höhepunkt des Abends nach.

Die harten Gitarrenriffs und die Songstruktur erinnerten mich ein klein wenig an die harten Rocksongs von Neil Young mit Crazy Horse und wie Hofer dabei den Kontakt zum Basser Knauss suchte oder beide eine Art Kreis mit Drummer Scherer bildeten, sah ich auch einige Male bei Gigs des Kanadiers, wo die Bandmitglieder regelrecht ineinander als Einheit verschmolzen. Da nach diesem Kracher nicht mehr viel gehen konnte, war es geschickt, quasi als Outro, mit „Troubled“ noch ein Instrumental nachzulegen, das Drummer Christoph Scherer mit einem Pling abschloss.

Yasi Hofer und Band ist es gelungen, das hohe Niveau des Konzertes von vor drei Jahren nochmals zu steigern, sodass der Band um die junge Ausnahmegitarristin aus Ulm in dieser Spiellaune noch einiges zuzutrauen ist. Abgerundet wurde dieser Konzertabend dadurch, dass sich die Band nach dem Konzert alle Zeit nahm, um am Merch-Stand CDs zu signieren oder mit den Fans Smalltalk zu halten.

Man darf gespannt sein, ob es Hofer beim nächsten Mal schafft, das Piano zu füllen, was nach diesem Auftritt nicht verwundern würde.

Line-up:
Yasi Hofer (lead vocals, electric guitar)
Steffen Knauss (bass, backing vocals)
Christoph Scherer (drums, percussion)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Yasi Hofer
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Ben Granfelt – Live… Because We Can! – CD-Review

Review: Gernot Mangold

Der Titel des neuen Ben Granfelt Live-Albums „Live… Because We Can!“ kann in mehrerlei Hinsicht interpretiert werden. Das Konzert wurde 2019 in seiner Heimatstadt Helsinki kurz vor dem Corona-Lockdown gespielt, wo Liveshows noch ohne Einschränkungen möglich waren, jetzt zur Veröffentlichung sind Livekonzerte endlich wieder möglich sind (und haben es verdient besucht zu werden) oder einfach die Aussage, dass sie es einfach können, die Studiosongs und 1,5 Coversongs live auf die Bühne zu bringen.

Wie von Granfelt im Inlay beschrieben, handelt es sich  um ein authentisches Livealbum, nur mit den notwendigen Bearbeitungen im Krefelder A1 Studio, um den Mitschnitt stereokompatibel als CD und auch als Doppelvinyl in einer guten Aufnahmequalität zu präsentieren. Es ist bewusst darauf verzichtet worden, im Studio Passagen zusätzlich oder neu einzuspielen, was nicht allzu selten der Fall ist.

Der finnische Saitenhexer zeigt sich an dem Abend des Heimspiels in bester Spielfreude und offerierte einmal mehr, warum er einige Jahre ein wichtiges Bestandteil von Wishbone Ash war und auch am Songwriting seinen Anteil hatte, sodass  „Faith, Hope & Love“ streng genommen gar nicht als Coversong gesehen werden kann. Interessant ist, dass wie bei einigen anderen Songs Keyboarder Kasper Martenson den Part der zweiten Gitarre übernimmt, was den Stücken auch für Granfelt-Fans noch einmal etwas Besonderes gibt, da er sonst meist im Trio mit der auch hier mitwirkenden Rhythmussektion mit Masa Maijanen am Bass und Miri Miettinen an den Drums auf Tour ist.

Es fällt schwer, aus den 14 Songs, die einen Querschnitt aus seiner Solokarriere abbilden, einzelne Stücke hervorzuheben, da alle eine Berechtigung haben, in der Setliste zu stehen und als keine vermeintlichen Lückenfüller zu sehen sind, um die etwa 80 Minuten Spielzeit voll zu bekommen.

Was sich aber zum Ende des Konzertes, beginnend mit „Breathe“, hier auch mit tollem Zusammenspiel von Gitarre und Keyboards, abspielt ist schon beeindruckend. Beim „Almighty Blues“ zeigt die ganze Band die Urgewalt, welche im Blues stecken kann. Stark hier auch die Dynamik, mit welcher Masa Maijanen am Bass und Miri Miettinen an den Drums eine bombastische Grundlage für Granfelts Gitarrenarbeit legen.

Nach diesem Song kann als Abschluss eigentlich nur noch eins kommen. Das fast hymnische abschließende „Going Home“ ist ein Abschluss, welcher nicht nur Granfelt-Fans in Euphorie versetzt. Auf der CD folgt als „letzte Zugabe“ oder Bonustrack noch das Instrumental „Power Of Passion“ als passendes Outro.

„Live… Because We Can!“ ist mit seinem Abwechslungsreichtum vom Blues, über Balladen bis zu klassischem Rock mit psychedelischen Einflüssen ein Album, welches für Rockmusikfans allgemein interessant ist und einer Art Greatest Hits Live-Scheibe nahekommt. Das Album kann die Wartezeit zu anstehenden Granfelt-Konzerten verkürzen oder auch der Zucker sein, der Hörer dazu verleitet, sich Granfelt mit seiner Band live anzusehen. Es wird sich auf jedem Fall lohnen. Besucht Rockkonzerte, kein Rock`n`Roll ist auch keine Lösung!

Line-up:
Ben Granfelt: Guitars & Vocals
Masa Maijanen: Bass
Miri Miettinen: Drums
Kasper Martenson: Keyboards

Ben Granfelt-Livedaten Herbst 2021:
22.10 Blue Notez, Dortmund DE
23.10 Bierfabrik, Pockau DE
25.10 Kulturrampe, Krefeld DE
26.10 Kofferfabrik, Furth DE
28.10 Wunderbar Weite Welt, Eppstein DE
29.10 Ducsaal, Freudenburg DE
30.10 Bluesroute Festival, Helmond NL
31.10 Haus Eifgen, Wermelkirchen DE
01.11 B.L.U.E.S, Rhede DE

A1 Records, Broken Silence
Stil: Blues, Rock

Tracklist:
01. Mind Your Head And Watch Your Step
02. Open Road
03. Because We Can
04. Endless
05. My Soul To You
06. Check Up From The Neck Up
07. Faith, Hope & Love
08. Life, Living And You
09. Wayward Child
10. Soul Searching
11. Breathe
12. Almighty Blues
13. Going Home
14. Power Of Passion [Bonus Track auf CD]

Ben Granfelt
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A1 Records

Davy Knowles – What Happens Next – CD-Review

Review: Jörg Schneider

In den nächsten Tagen erscheint das neueste Album des in Illinois lebenden Gitarristen Davy Knowles. Mit „What Happens Next“ setzt er nun nach dem 2014 erschienenen Werk „The Outsider“, und dem 2016’er Album „Three Miles From Avalon“, um nur zwei zu nennen, die Reihe seiner erfolgreichen und von den Kritikern hoch gelobten Alben fort.

Das aktuelle Album enthält zwölf schöne, rockige und bluesige Nummern, teilweise garniert mit dezenten Folk-, Americana- und Soul-Einflüssen. Die Scheibe startet dann auch mit dem riffigen Rocker „Light Of The Moon“, umweht von Keyboardklängen wie aus den 60‘ern und einem leicht souligen Gesang und einprägsamen Refrains. Und im Anschluss geht’s rockig, stampfend mit „Heartbreak Or Nothing“ weiter, bevor die bluesige, Americana-beeinflusste Nummer „Roll Me“ mit eingängigen Gesangseinlagen folgt.

Auch im weiteren Verlauf wechseln sich auf der CD rockige und bluesige Songs ab. Da gibt es das fröhlich-fetzige „Get Lucky“, das seinem Titel alle Ehre macht, und mit einem etwas funkigen Intro aufwartet sowie das leicht verhallte Bluesepos „Devil And The Deep Blue Sea“, mit knapp 5 1/2 Minuten Spieldauer der längste Track auf dem Album. Die Titel „One & The Same“ (mit wiederkehrenden rockig-scharfen Riffs) und „Solid Ground“ mit stakkatoartigem Grundthema befriedigen die Bedürfnisse der Liebhaber einer härteren Gangart. „River“ hingegen überzeugt als Blues durch seine Pianobegleitung und den folkbeeinflussten Gesang von Davy Knowles.

Rhythmisch rockig wird‘s dann wieder mit der „Side Show“ (mit wiederkehrendem starken Bassmotiv), während „Wake Me Up When The Nightmare‘s Over“ wesentlich melodiöser ist und leichte Southern-Americana-Einflüsse aufweist. Und zwischen beiden Songs ist das einfühlsame und nachdenklich stimmende „Hell To Pay“ zu hören. Zum Abschluss präsentiert Davy Knowles schließlich sein wohl persönlichstes Stück „If I Ever Meet My Maker“, eine feine Folk-Ballade im Fingerpicking-Stil auf der Akustikgitarre.

Mit „What Happens Next“ beweist Davy Knowles einmal mehr seine Qualitäten als Blues-Rock Gitarrist und Songwriter: kraftvolle und bissige Riffs in den rockigen Titeln und lässig subtile Gitarrenarbeit bei den eher ruhigeren Songs, immer gepaart mit gefühlsbetonten Gesangseinlagen, insbesondere bei den zahlreichen Bluesnummern. Unter dem Strich also ein empfehlenswertes Album für Blues Rock-Enthusiasten.

Provogue Records (2021)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Light Of The Moon
02. Heartbreak Or Nothing
03. Roll Me
04. Get Lucky
05. Devil And The Deep Blue Sea
06. One & The Same
07. Solid Ground
08. River
09. Side Show
10. Hell To Pay
11. Wake Me Up When The Nightmare‘s Over
12. If I Ever Meet My Maker

Davy Knowles
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Toby Keith – Peso In My Pocket – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

In einer anderen Liga zu spielen, ist für den Country-Mega-Star Toby Keith – nach fast 30 Jahren im Musik Business – inzwischen sicher selbstverständlich. Daher war auch die Zeit nach seinem Country-Charts Nr. 2-Album „35mph Town“ (2015) eigentlich keine Pause in seiner Karriere, sondern war gefüllt mit anderen Aktivitäten, u. a. der „Should’ve Been A Cowboy“-Tour (2018).

Rechtzeitig zur bevorstehenden Aufnahme in die „Nashville Songwriters Hall of Fame“ im November erscheint nun das neue Studio-Album „Peso In My Pocket“, Co-produziert von Kenny Greenberg. Mit „Oklahoma Breakdown“ widmet der 60-jährige Singer/Songschreiber gleich das erste Stück seiner alten Heimat, ein starker, rockiger „Aufreißer“, der bereits als Single ausgekoppelt wurde. Auch der folgende Titel-Track „Peso In My Pocket“ lässt die New Country-Gitarren in gewohnter Weise rocken, während Toby Keith einen Aufenthalt in Mexico beschreibt. Die altbewährten, musikalischen Bahnen werden bei „Old School“ mit fast rappenden Versen zwar teilweise etwas verlassen, dafür war der Song offenbar besonders geeignet als erste Single das Album zu promoten.

Seine ungewohnte Country-Seite bringt Keith zusammen mit Blues-Sänger Keb‘ Mo‘ und dessen „Old Me Better“ als New Orleans Jazz/Blues/Country-Mix durchaus originell und ausgefallen auf die Platte; eine außergewöhnliche Kooperation für den eher konservativen Entertainer. Dass die variantenreiche Song-Auswahl danach allerdings wieder auf Pedal-Steel und E-Gitarren-Sounds und herkömmlich erfolgreichen musikalischen Stilrichtung setzt, wird in den anschließenden drei Songs („Days I Shoulda Died, Growing Up Is A Bitch“ und „She’s Drinkin Again“) deutlich, die ihre New Country Muster entsprechend intensiv, in altbekannter Art, aber sicherlich erfolgreich, in die Waagschale legen. Diese wird zugunsten des volkstümlichen, schnellen Country-Songs „Thunderbird“ nochmals rockig, stilsicher und in bester Feierlaune aufgefüllt.

Zu den bemerkenswerten Stücken des Longplayers gehört ebenfalls die Version des John Prine-/John Mellencamp-Klassikers „Take A Look At My Heart“, die als Tribute an die beiden legendären Songschreiber leider vor dem letzten Titel etwas zu wenig Geltung erfährt, da zum Abschluss mit „Happy Birthday America“ ein zutiefst patriotischer Song seinen „Auftritt“ erhält und bereits passend zum Nationalfeiertag vorab veröffentlicht wurde – vielleicht eine nachträgliche Danksagung an die Verleihung der National Medal of Arts, die Toby Keith Anfang 2020 vom damaligen US-Präsidenten erhielt.

Mit „Peso In My Pocket“ etabliert sich Toby Keith erneut an der Spitze seines Genres und wird damit sicher auch die Erwartungen seiner Anhängerschaft voll erfüllen. Die New Country-Fans, nicht nur im „Herzen“ der USA, können sich nach dieser längeren Wartezeit endlich wieder über einen neuen Longplayer ihres Idols freuen.

Show Dog (2021)
Stil: Country, New Country

Tracks:
01. Oklahoma Breakdown
02. Peso In My Pocket
03. Old School
04. Old Me Better
05. Days I Shoulda Died
06. Growing Up Is A Bitch
07. She’s Drinking Again
08. Thunderbird
09. Take A Look At My Heart
10. Happy Birthday America

Toby Keith
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