Creed Fisher – Whiskey And The Dog – CD-Review

 

Eigentlich bin ich ja ein Mensch, der eher mehr auf moderne (New) Country-Musik steht. Trotzdem gibt es immer auch wieder Künstler aus dem traditionelleren Bereich, die ich aufgrund ihrer authentischen Art, Musik zu performen, sofort in mein Herz geschlossen habe. Der aus West-Texas stammende, bekennende Redneck, mir bis dato unbekannte Creed Fisher, ist so ein gutes Beispiel.

Mit seinem sechsten offiziellen Album „Whiskey And The Dog“ (auf dem Cover erinnert er mich rein äußerlich ein wenig an einen jungen Charlie Daniels) bedient der 49-jährige eindrucksvoll und mit viel Hingabe die Freunde des klassischen narrativen Outlaw Country.

Für Fisher ist es laut eigener Aussage wichtig, die Dinge erlebt zu haben, die man in seinen Songs reflektiert“ It’s a tough one to understand if you haven’t lived it. There’s a personal side that isn’t so glamorous in this business that other musicians can agree to. It’s the rigors of being on the road. Always having to be here and there makes for the biggest challenge, often times-let downs. Overall, music is what I love and what I will continue to do as I watch those white lines on the highways continue to zip right past the window as life passes us all.”

Und das alles kann man, nachdem man die vierzehn, teils auch sehr humorvoll mit einer ordentlichen Portion Selbstironie geschriebenen Tracks durchgehört hat, auch 1:1 unterschreiben. Die meisten Stücke werden in Begleitung der klassischen Country-Instrumente wie Akustikgitarre, Steel (beides von dem uns aus vielen texanischen Scheiben bestens bekannten Milo Deering gespielt), Bariton-E-Gitarre (Larry Rolando), Bass (Aden Bubeck), Schlagzeug (Josh Rodgers) in gemäßigtem Tempo und echter Storytelling-Manier gesungen (Fisher hat dafür eine perfekte Stimme).

Sporadisch werden auch klirrende Mandoline, heulende Fiddle, Banjo (alle drei auch Milo Deering) und etwas Piano (Drew Harakal) eingeflochten. Ganz stark die Texas-typischen, omnipräsenten, aber sehr dezent dazu gemischten weiblichen Harmoniegesänge von Sängerin Hillary Bergman-Stanton sowie auf männlicher Seite Colin Alexander.

Sehr schön klar produziert haben die allesamt von Creed verfassten Songs (lediglich drei davon mit Co-Writer Mark Jones) er selbst, Bart Rose sowie Josh Rodgers. Es geht, wie man es an den meisten Titeln sofort erkennen kann, natürlich überwiegend um die bekannten bodenständigen konservativen Werte, die man in den südstaatlichen Sphären der Arbeiterklasse schon immer groß geschrieben hat (‚blue-collar life‘). „Bleibt mir hier weg mit eurem modernen Leben“, bildhafter kann man es wohl kaum als mit den schönen Schlagworten „Don’t California My Texas“ ausdrücken.

Die Hauptthemen des geschiedenen Musikers drehen sich, wen wundert es, natürlich um verschmähte Ex-Frauen, einen Faible für’s Trinken und Musik a la Hank, Haggard & Jones, also im Prinzip die altbekannte ‚Women, Whiskey and Rock’n’Roll Country‘-Attitüde. Da bleiben nur der Barstuhl an der Theke und die Musik, die einem am Ende nicht weggenommen werden können, wie in „Honkey Tonk Drankin’“ selbstkritisch analysiert wird.

Die ‚#MeToo‘-Bewegung vergrault, aber geschenkt, die hört eh andere Musik! Zum Piepen nämlich, wie Fisher ganz offenherzig seine Passion für zwei bestimmte Rundungen im oberen Körperbereich des weiblichen Geschlechts darlegt („Girls With Big Titties“), die schon von frühestem Schulalter an durch seine Lehrerin, aber auch die von Dolly Parton in der Musik geprägt wurde („…I even know Conway Twitty, but I always loved girls…“). Da behaupte einer, Männer wären nur eindimensionale Wesen! Auch ich kenne durchaus viele, ähnlich gestrickte Leute in meinem männlichen Bekanntenkreis.

Ach ja, und Hunde mag er (so wie ich) natürlich auch („Whiskey And The Dog“, „Hankles“). Mir gefällt es besonders gut – auch wenn Creed das wohl nicht gerne hören wird – dass spezielle Tracks wie zum Beispiel „This Town“, „The Good Ol’ U.S. Of A.“ oder  „Find My Way Back Home“, die mit einer unterschwelligen Red Dirt-Note daherkommen, durchaus geeignet wären, auch von einer Eli Young Band oder der Randy Rogers Band mal in kommerziellerer Form aufgearbeitet zu werden.

So einige Steel-getränkte Heuler und Schunkler wie der herrliche Opener „High On The Bottle„, „Hundred Dollars Short“, „Don’t California My Texas“, „Honkey Tonk Drankin’“ und „Jesus, Haggard & Jones“ erinnern mich auch ganz stark die Art zu Musizieren, wie man sie von den Pirates Of The Mississippi kennt.

Der Kracher des Werkes ist allerdings „Down To The Riverbank“, bei dem Fisher plötzlich, wie aus dem Nichts, einen furiosen swampigen Southern Rocker aus dem Ärmel schüttelt. Grandios hier neben den starken E-Gitarren von Rolando, die wummernden Orgel-Einlagen von Drew Harakal, die einen Jon Lord sicherlich begeistert hätten.

Am Ende hat Creed Fisher mit seinem neuen Album „Whiskey And The Dog“ einen Hörer wie mich, ohne Wenn und Aber, auf seine Seite gezogen: Wunderbare melodische Lieder, die einen ehrlichen Charakter haben, denen man ganz entspannt zuhören kann und die einen zum Teil wirklich schmunzeln lassen. In mir hat er jedenfalls ganz sicher einen neuen Fan gefunden. Wer sich gerne noch ausführlicher mit dem ‚Making Of‘ zum Album beschäftigen möchte, kann dies gerne unter diesem Link tun. Danke an die Aristo Media Group für den tollen Tipp und den angenehmen Support!

 

Dirt Rock Empire (2021)
Stil: Country

Tracklist:
01. High On The Bottle
02. This Town
03. Girls With Big Titties
04. Whiskey And The Dog
05. Hundred Dollars Short
06. Gray Skys
07. Don’t California My Texas
08. The Good Ol’ U.S. Of A.
09. Down To The Riverbank
10. Find My Way Back Home
11. Honkey Tonk Drankin’
12. I’m Crazy And You’re Gone
13. Jesus, Haggard & Jones
14. Hankles

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