Jim Lauderdale & Roland White – Same – CD-Review

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Review: Michael Segets

Die 31. Longplayer-Veröffentlichung von Jim Lauderdale ist eigentlich sein erstes Werk. Als junger Mann lebte Jim Lauderdale, der aus North Carolina stammt, 1979 für fünf Monate in Nashville, wo er versuchte im Musikgeschäft Fuß zu fassen. Dort lernte er Roland White kennen.

Der Mandolinen-Spieler Roland White war bereits in der Bluegrass-Szene etabliert und konnte neben seiner Begleitung von Lester Flat schon auf einige Bandprojekte (The Kentucky Colonels, Country Gazette) und sein erstes Solo-Album „I Wasn’t Born To Rock’n Roll“ zurückblicken. Der damals 22-jährige Lauderdale und der 41-jährige White nahmen in einem Keller zusammen die vorliegenden Songs auf.

Die Master-Bänder lagen fast vierzig Jahre in einer Schachtel, bevor sie von Whites Frau wiederentdeckt wurden. Dem Sound hört man das Alter nicht an und die klassisch gemachten Bluegrass- und Americana-Songs sind sowieso zeitlos.

Mit akustischer Gitarre, Mandoline und Fidel beschränkt sich die Instrumentierung im Wesentlichen auf die genre-typische Begleitung des oftmals mehrstimmigen Gesangs. „(Stone Must Be) The Walls Built Around Your Heart” kratzt an der Vier-Minuten-Grenze, ansonsten erreichen die Song-Miniaturen in der Mehrzahl keine drei Minuten.

Mit „Forgive And Forget“ und „Gold And Silver“ startet die Scheibe locker und schwungvoll. Auch im weiteren Verlauf des Longplayers finden sich einige schnelle und eingängige Titel wie „Don’t Laugh“, „(That’s What You Get) For Loving Me” oder „Gonna Lay Down My Old Guitar“, die mit Mandolinen- und Picking-Einlagen glänzen. Daneben sind mit „Try And Catch The Wind“ und „February Snow” auch langsame Stücke vertreten.

An das Songwriting von Pete Seeger erinnert „I Might Take You Back Again”. „Six Wild Horses” hebt sich durch die tiefe Gitarre von den anderen Songs ab. Interessant sind „Regrets And Mistakes“, bei dem sich die Stimmen der beiden Sänger überlagern, und der Wechselgesang von „Nashville Blues“, der damit in die Nähe eines Gospels rückt.

Für Fans der beiden Künstler oder für Bluegrass-Freunde sind die Entdeckung der Aufnahme und deren Herausgabe durch Yep Roc Records/H’Art sicherlich ein Glücksfall. Die Scheibe ist dabei kein bloß historisches Dokument, sondern bietet immer noch hörenswerte Musik.

Spannend ist der Vergleich zwischen den Anfängen von Jim Lauderdales musikalischem Schaffen und seinem aktuellen, parallel veröffentlichtem Werk „Time Flies“, auf dem die Bluegrass-Wurzeln – wenn überhaupt – nur noch in den Zwischentönen zu erahnen sind.

Yep Roc Records/H’Art (2018)
Stil: Bluegrass/Americana

01. Forgive And Forget
02. Gold And Silver
03. (Stone Must Be) The Walls Built Around Your Heart
04. Six White Horses
05. I Might Take You Back Again
06. Try And Catch The Wind
07. Don’t Laugh
08. Regrets And Mistakes
09. February Snow
10. (That’s What You Get) For Loving Me
11. Gonna Lay Down My Old Guitar
12. Nashville Blues

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H’ART Musik-Vertrieb GmbH

Jim Lauderdale – Time Flies – CD-Review

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Review: Michael Segets

Yep Roc Records/H’Art bringt zeitgleich das 30. und 31. Album von Jim Lauderdale heraus. Neben einer frühen Aufnahme aus dem Jahr 1979, die zusammen mit Roland White entstand, steht das aktuelle Werk „Time Flies“ nun in den CD-Regalen.

Das erste Mal bin ich auf Jim Lauderdale aufmerksam geworden, als er gemeinsam mit Buddy Miller (Steve Earle) das Album „Buddy und Jim“ veröffentlichte. Dabei kann Lauderdale auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken, die durch Bluegrass, Country und Americana geprägt ist.

Der zweifache Grammy-Gewinner ist besonders als Songschreiber für andere Musiker erfolgreich. Unter anderem hat er für Georg Strait, Mark Chesnutt, Elvis Costello, Patty Loveless und The Dixie Chicks Material geliefert. Er arbeitete zudem mit den North Mississippi Allstars und Robert Hunter (Greatful Dead) zusammen.

Produziert wurde das aktuelle Album dann auch stilecht in Nashville, wobei sich Lauderdale, Jay Weaver als Unterstützung in das Blackbird Studio beziehungsweise das House of Blues Studio holte. Der starke Titeltrack „Time Flies“ reiht sich als moderner Americana-Song nahtlos in Lauderdales bisheriges Schaffen ein. Auch das folgende „The Road Is A River“ weiß durch einen eingängigen Refrain mit schönen Harmoniegesängen und einem kurzen Gitarrensolo zu überzeugen.

Mein Favorit der Scheibe ist aber die dunkle Ballade „When I Held The Cards”. Schellen und Schlagzeug-Besen erzeugen mit der tiefen Gitarre eine schön staubige Atmosphäre. Das süßliche „Violet“ und das getragene „If The World’s Still Here Tomorrow” fallen im direkten Vergleich etwas ab.

Mit „It Blows My Mind” und „Where The Cars Go By Fast” greift Lauderdale in die Country-Schublade. Vor allem der letztgenannte Song nimmt mit Bar-Piano, tollen Harmonien, Geige und etwas Slide ordentlich Fahrt auf.

Wie schon auf dem Album „London Southern” aus dem vergangenen Jahr mischen sich auch Soul- und Swing-Elemente in die Kompositionen von Lauderdale. Auf „Time Flies“ gibt Lauderdale dem Swing nun noch mehr Raum. So lässt Frank Sinatra bei den flotten „Wild On Me Fast“ und „While You’re Hoping“ grüßen. Auch „Slow As Molasses“ versetzt nach Los Angeles in eine gepflegte Bar der fünfziger Jahre. Bei einem Longdrink kann der Song durchaus genossen werden, obwohl der Musikstil fernab von dem liegt, was ich sonst so höre.

Fast schon in Richtung Jazz geht „Wearing Out Your Cool” vor allem durch den Einsatz der Bläser. Obwohl die Klangfarbe Lauderdales Stimme nicht mit der von Chris Rea vergleichbar ist, weckt das Stück hinsichtlich des Songwritings doch Assoziationen zu dem Briten.

„Time Flies“ erfüllt nicht ganz die Erwartungen, die ich mit dem Album verbunden habe. Country und Americana überwiegen zwar stilistisch und einige Songs liegen deutlich über der Qualität vieler anderer Genrebeiträge. Durch die wiederholten Ausflüge in den Swing erscheint der Longplayer im Gesamteindruck aber konzeptionell nicht so stringent wie andere Werke Lauderdales.

Das heißt in einer positiven Wendung allerdings, dass Jim Lauderdale trotz seiner zahlreichen Veröffentlichungen immer noch für Überraschungen gut ist. Er erweitert seine Kompositionen durch neue Elemente und beweist damit, dass er seine musikalische Flexibilität erhalten hat. „Time Flies“ ist ein Album, das ich wohl selten durchgängig hören werde, bei dem es sich aber lohnt, die Highlights herauszupicken.

Yep Roc Records/H´Art (2018)
Stil: Americana, Country and more

01. Time Flies
02. The Road Is A River
03. Violet
04. Slow As Molasses
05. Where The Cars Go By Fast
06. When I Held The Cards
07. Wearing Out Your Cool
08. Wild On Me Fast
09. While You’re Hoping
10. It Blows My Mind
11. If The World’s Still Here Tomorrow

Jim Lauderdale
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H’ART Musik-Vertrieb GmbH

Vanessa Collier – Honey Up – CD-Review

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Was soll man noch großartig schreiben? Wir hatten Vanessa Collier bereits im Review zu ihrer letzten Scheibe „Meeting My Shadow“ überschwänglich gelobt. Jetzt bringt die, besonders was das Thema Live-Präsenz angeht, umtriebige Künstlerin, mit „Honey Up“, ihr drittes Werk heraus.

Dabei knüpft die passionierte Saxofon-Spielerin nahtlos an den Vorgänger an. Die junge Dame hat wieder alle Tracks komponiert, als auch produziert und steuert neben dem Leadgesang noch dezente Gitarrenparts bei.

Umgeben wird sie diesmal von arrivierten Musikern wie Nick Stevens (drums, percussion), Nick Trautmann (bass), Sparky Parker (electric guitar), William Gorman (keys), Laura Chavez (electric guitar) und der Bläserfraktion mit Quinn Carson (trombone) und Doug Woolverton (trumpet).

Wie es nun mal bei Bläser-dominierter Musik so ist, gibt es, wie beim Vorgänger eine stimmig gehaltene Mischung aus swingendem und groovendem Jazz Rock/Pop und dezent südstaatlich umwehten Blues Rock. Klasse die spürbare Energie und Leidenschaft, die Vanessa sowohl beim Singen als auch in Ausübung ihres Blasinstrumentes, dem Saxofon, in ihre Songs investiert.

Meine Favoriten sind der mit so ein wenig New Orleans-Dixie-Flair bedachte Opener „Sweatin‘ Like A Pig, Singin‘ Like An Angel“ (herrliches Piano von Gorman, das durch Mark und Bein groovende Titelstück, und die mehr Blues-umwehten Sachen wie „Bless Your Heart“ (Laura Chavez mit E-Gitarrenspiel a la Peter Green) und der Rausschmeißer „Love Me Like A Man“ (mit furiosem Instrumentalteil im Endbereich des Liedes).

Und wenn schon ein alter Blues-Haudegen wie Buddy Guy in höchsten Tönen von Vanessa schwärmt: „There’s a young lady came onstage with me, I forget where I was but she’s playing an alto saxophone, and man she was amazing.“ Dann bleibt auch in Sachen ihres neuen Lonplayers „Honey Up“ nur hinzuzufügen: An amazing new album!

Eigenproduktion (2017)
Stil: Blues & More

01. Sweatin‘ Like A Pig, Singin‘ Like An Angel
02. Don’t Nobody Got Time To Waste
03. Honey Up
04. Percolatin‘
05. Icarus
06. The Fault Line
07. Bless Your Heart
08. You’re A Pill
09. You Get What You Get
10. Love Me Like A Man

Vanessa Collier
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Bruce Katz Band – Get Your Groove! – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Jemand, der bereits mit John Hammond, Little Milton oder Jimmy Witherspoon zusammengespielt und Alben aufgenommen hat und über den der legendäre Gregg Allman sagte: „He can play jazz, blues, Bach, anything.“, der kann aus einem Erfahrungsrepertoire schöpfen, das in vielerlei Hinsicht unvergleichbar ist. Der mittlerweile 65-jährige, US-Amerikanische Session-Keyboarder Bruce Katz, war als Studiomusiker an weit über 70 Alben beteiligt und hat dazu auch ein umfangreiches Kontingent an eigenständiger Arbeit veröffentlicht. An seinem Lieblingsinstrument, der wohlklingenden und fast schon berühmten Hammond-Orgel, ist er versiert wie kein Zweiter.

Seine Spielkunst hört man sofort auf dem swingigen Opener und Blues-Traditional „Hesitation Blues“. Der zweite Track „Freight Train“ wurde eigentlich für den Allman Brothers Band Drummer, Butch Trucks, geschrieben und ist jetzt als Widmung für ihn hervorgehoben – ein exzellenter, fast zehnminütiger, instrumenteller Jam-Session-Blues! Das schwippige „Beef Jerky“, das jazzige „Shine Together (Tribe Of Lights)“ und der Slow Track „River Blues“, führen zum gitarrenlastigeren „Make Things Right“.

Komplettiert wird die Bruce Katz Band durch den virtuosen Blues-Gitarristen/Sänger Chris Vitarello und Schlagzeuger Ray Hangen. Vorwiegend von ausufernden Instrumental-Songs dominiert, bietet das Album reichlich Zeit und Raum für die Musiker, sich an ihren „Spielzeugen“ auszutoben. So zum Beispiel auf dem catchigen Titelstück „Get Your Groove“, den jammigen Nummern „Rush Hour“ und „The Bun“ oder im Zuge der eher soul-arrangierten Rhythmen von „Wasn’t My Time“. Vor allem diese Stücke werden live, als Improvisationen, ihre Wirkung nicht verfehlen.
Der Sound erinnert unwillkürlich in manchen Teilen an musikalische Weggefährten, wie die Formation Booker T. & the M.G.’s, mit ebenfalls typischen Instrumentals oder die Soul-Leute der Blues Brothers Band, hier nur in kleinerer Besetzung.

Auf dem Longplayer „Get Your Groove!“ verbinden Bruce Katz und seine außergewöhnlichen Mitstreiter traditionellen Blues, Soul-Jazz und ihren typischen Jam Style. Die Anzahl von Instrumentalstücken ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, auch, da Bruce Katz mit Chris Vitarello einen stimmgewaltigen Sänger an seiner Seite hat, der den Aufnahmen mit zusätzlichen Vocal-Tracks durchaus noch mehr Power hätte verleihen können. Am Ende dieses Albums sollte aber eigentlich jeder den Groove spüren!

American Showplace Music (2018)
Stil: Blues/Soul-Jazz

01. Hesitation Blues
02. Freight Train
03. Beef Jerky
04. Shine Together (Tribe Of Lights)
05. River Blues
06. Make Things Right
07. Get Your Groove!
08. Zone 3
09. Rush Hour
10. Wasn’t My Time
11. The Run

Bruce Katz Band
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The Hooters – 16.07.2018, Kantine, Köln – Konzertbericht

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Auf dem Weg nach Köln, an einem hochsommerlichen Montagabend war ich schon gespannt, was uns beim Konzert der Hooters in der Kantine erwarten würde. Mit einem guten Freund, selbst studierter Musiker, der mich begleitete konnte die Fahrzeit, mit Fachsimpeln über Musik, auf ein Minimum verkürzt werden.

Schon eine halbe Stunde vor Einlass war der Biergarten vor der Kantine recht gut besucht. Durch T-Shirts von verschiedensten Touren, die sofort ins Auge fielen, zeigte sich, dass die Hooters über eine treue Fangemeinde verfügen.

Schon fast pünktlich um 19:00 Uhr begann sich die Kantine zu füllen, so dass Joe D’Urso als Support eine halbe Stunde später, vor einer ordentlichen Kulisse mit 30 Minuten feiner Americana-Musik, solo mit akustischer Gitarre, die Zeit bis zu den Protagonisten überbrückte.

D’Urso outete sich dabei selbst als Hooters-Fan und erzählte zu einigen der gespielten Songs nette Hintergrundgeschichten. Neben den Coversongs „Cats In The Craddle“ und „The River“, bei denen einige der Besucher lautstark mitsangen, blieb mir auch das abschließende „One Guitar“ in besonderer Erinnerung. Ein absolut gelungener Auftritt des sympatischen Sängers.

Nach einer kurzen Umbaupause dunkelte das Licht in der Halle gegen 20:10 ab und die knisternde Erwartung der Fans in der nun gut gefüllten Kantine war spürbar. Zum instrumentalen Intro betrat die Band, die erstmals 1980 auftrat und nach einer Trennungsphase ab 1988 konstant in der jetzigen Besetzung spielt, unter frenetischen Applaus die Bühne.

Diese ließ Großes erwarten. Mit drei Gitarren, einem Bass, den Drums und der Untermalung durch das Keyboard, legten die 6 Akteure mit „You Never Know Who Your Friends Are“ und „I’m Alive“, die Latte direkt hoch. Der Titel des Openers war an diesem Abend schnell widerlegt. Auf den ersten Blick war schon zu erkennen, dass eine fast innige Beziehung zwischen Band und Fangemeinde herrschte.

Der meist Gitarre spielende Sänger Eric Bazilian und der Keyboarder Rob Hyman, die sich am Frontmikro abwechselten, als auch schöne Harmoniegesänge zeigten, bekräftigeten in mehreren Ansagen zu Songs insbesondere ihre Sympathie zu den deutschen Fans, die den Hooters immer die Treue gehalten haben,Die sollte im späteren Verlauf auch noch einmal sehr deutlich werden.

Jeden Song einzeln zu erwähnen und zu beschreiben würde absolut den Rahmen sprengen. Was in jedem Fall gesagt werden kann, dass es keinen Spannungsabfall während der ganzen Show gab, die letztendlich über zweieinhalb Stunden dauerte.

Die Hooters zeigten auch immer wieder, welche Musikrichtungen sie insbesondere zu Beginn der Karriere beeinflussten. So war der vom Bass und Keyboard geprägte Grundrhythmus von „Hanging On A Heartbeat“ durchaus dem Reggae nahe. Es waren aber auch immer wieder folkige, machmal leicht punkig angehauchte Einflüsse erkennbar.

Beim Don Henley-Cover, „The Boys Of Summer“ nahm der nun mit Mandoline spielende Bazillian die hochsommerlichen Temperaturen als Anlass um das  Publikum nach dem Befinden zu fragen, Er deutete an, dass er sich bemühen würde, durch Pusten für Luftzug sorgen, was natürlich nicht gelang. Stattdessen brachte die Band dann eine wirklich erfrischende leicht folkige Version, die damit einen eigenen Charakter hatte und nicht ein stumpfsinniges Covern war. Hier zeigte sich das Publikum auch sehr textsicher.

Einer meiner Highlights des Abends, wenn man bei der Masse von abwechslungsreichen und guten Songs überhaupt davon sprechen darf, war das Hedy West-Stück „500 Miles“, einer der alten Hooters-Hits, der auch live nichts von seiner fast hymnischen Stimmung verliert. Wie bei allen Songs dominierte ganz starker Gesang, der vom Soundmixer allerdings etwas mehr in den Vordergrund hätte gestellt werden können. Dieses war allerdings das einzige Manko und bedeutet Jammern auf hohem Niveau, bei einem insgesamt sehr gut ausbalancierten Konzert, bei dem auch der Lichttechniker immer wieder eine entsprechende Dramaturgie herstellte.

Bei der eigenwilligen psychedelischen eher getragenen Version des Beatles-Klassikers „Lucy In The Sky With Diamonds“ durfte sich der Jungspund der Band, Gitarrist Tommy Williams einmal am Leadgesang zeigen, was ihm auch perfekt mit seiner etwas höheren Stimmlage gelang.

Über „All You Zombies“, mit sphärischen Intro von Rob Hyman an den Keyboards in einer meist in dunkelblaues Licht getauchten Kantine, nahm das Konzert immer mehr Fahrt auf.  „Johnny B“ und „And We Danced“ beendeten den Hauptteil des Konzertes. Besonders hervorzuheben war das Intro zu „Johnny B“ das von Bazilian mit einer Flöte performt wurde. Zur generellen Abwechslung trug auch bei, dass die Gitarristen immer wieder die Instrumente austauschten. So konnten Bazilian, Williams und Leadgitarrist John Lilley nicht nur an Ihren Gitarren, sondern auch an verschiedensten Mandolinen, sondern auch an der Melodica begeistern.

Die Rythmussektion um Basser Fran Smith Jr. und Drummer David Uosikkinen (das dritte Ursprungsmitglied) legten im ganzen Konzert eine Soundgrundlage für die Band, wobei Smith auch einige kurze Soli einstreute. Überhaupt zeigte das ganze Sextett eine enorme Präsenz.  Zuweilen streifte sich Hyman auch ein Akkordeon über und nutzte die ganze Breite der Bühne aus.

Als die Männer das Auditorium verließen und die Halle nur noch spärlich  dunkelblau ausgeleuchtet war, hallten vehemente Zugabevorderungen durch die Kantine. Es war aber schon zu diesem Zeitpunkt, nach etwa 90 Minuten erkennbar, dass noch etwas kommen würde.

Hocker wurden auf die Bühne getragen und schon nach kurzer Zeit gingen Spots Richtung Zugang an und nach und nach betraten die Musiker diese, um sich dann zum Teil gemütlich auf den Hockern niederzulassen. Es folgte ein etwa 30 minütiger akustisch vorgetragener Teil des Konzertes, bei dem alle sechs Bandmitglieder nebeneinander vorne an der Bühne saßen oder standen.

Lilley slidete als einziger eine E-Gitarre, Bazzilian und Williams hatten sich Mandolinen umgehängt, Smith hatte einen akustischen Bass sitzend quer über die Beine gelegt, Uosikkinen stand hinter einer Trommel, die er dezent bearbeitete, nun endlich auch einmal mit in Vordergrund.  Hyman hatte natürlich wieder das Akkordeon umgeschwungen. Besonders hervorzuheben aus diesem Teil des Konzertes ist das sehr melodische Steve Miller-Cover „Fly Like An Eagle“ und das sehr politisch geprägte „Mr. Big Baboon“, wo auch die Zuschauer gesanglich wieder unterstützten.

Wer dachte, dass das Konzert nun beendet wäre, sah sich getäuscht. Nachdem es kurz dunkel wurde und alle Mitglieder die Bühne verlassen hatten, ging auf einmal ein Spot zum linken Bühnenrand, wo Williams zu einem mehrminütigen Gitarrenintro einsetzte und die Menge mit Echo und Hall gekonnt in seinen Bann zog.

Nach einigen Minuten untermalte Hyman mit den Keyboards das Ganze noch mit einem Soundteppich, bis nach und nach der Rest der Band wieder mit dem Tourtitel „Give The Music Back“ einstieg. Neben einigen eigenen Titel brachte die Band auch „One Of  Us“ von Joan Osbourne, mit fast akzentfreien, deutschen Gesangspassagen und den Cyndi Laupner-Hit „Time After Time“, die für tolle Stimmung sorgten.

Hier darf man eigentlich gar nicht von Coverstücken sprechen, da Bazzilian und Hyman an beiden Tracks einen großen Anteil als Co-Writer hatten. In dieser Phase des Gigs konnte Bazzilian auch beweisen, dass er das Saxofon bestens beherrscht. Nach knapp zweieinhalb Stunden folgten dann die beiden finalen Stücke, beide in deutsch vorgetragen.

„Pissing In The Rhine“, das eher wie ein Kneipensong rüberkam und zum Abschluss eine Version des NDW-Klassikers „Major Tom“, aber in eine rockiges Gewandt gepackt. Hier wurde nochmals dementsprechend stimmgewaltig mitgesungen.

Nach der Verabschiedung, begaben sich die sechs Musiker in eine Reihe und verließen wie ein Zug die Bühne. Ein kurzweiliger Konzertabend hatte selbst bei drei Stunden Musik, einen würdevollen Abschluss bekommen. Wer die Gelegenheit hat, die Hooters bei ihrer noch andauernden Tour zu besuchen, sollte die Chance wirklich nutzen.

Hier bekommt man einen Konzertabend von einer authentischen Band geboten, die mit einer Spiellaune und Freude von Beginn an mitreißt. Eine einfach phantastische Livetruppe, die auch nach über 30 Jahren Bandgeschichte, nichts von ihrer Energie eingebüßt hat.

Ein Dank auch an die Mitarbeiter der Kantine (namentlich und stellvertretend sei hier Marcus Neu genannt, der mir die Akkreditierung ermöglichte), die mit ihrer freundlichen und wertschätzenden Haltung, auch einen nicht unerheblichen Anteil am Gelingen dieses wunderschönen hochsommerlichen Abends hatten. Neben dem Besuch von Hooters-Gigs, kann auch diese Location selbstredend immer wieder empfohlen werden.

Line-up:
Eric Bazilian (lead vocals, guitars, mandolin, flute, saxophone)
Rob Hyman (lead vocals, keys, accordion)
John Lilley (guitars, vocals)
Tommy Williams (guitars, vocals)
Fran Smith Jr. (bass, vocals)
David Uosikkinen (drums, percussion)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Kantine Köln

Ben Glover – Shorebound – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Der in Glenarm, Nordirland geborene, aber fast seit Beginn seiner musikalischen Karriere in Nashville, TN, lebende Ben Glover hat mit „Shorebound“ sein mittlerweile 8. Soloalbum herausgebracht.

Der Singer/Songwriter, der nun eine CD im besten Americana-Stil hinlegt, hat aber auch schon für andere Künstler des Genres Songs geschrieben oder bei ihnen mitgewirkt. Zu nennen sei die Zusammenarbeit mit Gretchen Peters beim Titeltrack des 2015er Albums „Blackbird“, der auch für die Americana Awards nominiert war.

Nun aber zum aktuellen Werk Glovers. Eine durchweg schöne Scheibe, die ohne Unterbrechung angehört werden kann. Im Vordergrund steht die angenehm klare Stimme Glovers, wobei er sich zu einigen Songs prominente Verstärkung geholt hat, was sich in feinen Duetts widerspiegelt.

Schon der erste Song “What You Love Will Break Your Heart“, stilistisch in bester Tom Petty-Manier, im Midtempobereich präsentiert, klasse arrangiert mit einsetzender, fast singend wirkender Slideguitar und zweiter Stimme von Amy Speace, setzt einen hohen Erwartungshorizont für den Rest des Longplayers.

Das folgende „A Wound That Seeks The Arrow“, im Duett mit der aus Nashville stammenden Sängerin Angel Snow performt, wirkt fast ein wenig träumerisch und countryesk. Neben Glovers wunderbarem transparenten Gesang, wird wieder mit dezent gespielten Instrumenten, diesmal neben Slide- und Akkustikgitarre, auch mit Violin Cello und Glockenspiel operiert . Ein toll produzierter Song, auch für ruhige Stunden.

Das folkige „Northern Star“, mit Unterstützung der Sänger Malojian and Matt McGinn (wieder in Richtung der ruhigerer Petty-Songs einzuordnen), überrascht in der zweiten Hälfte mit einer Passage, die an Lieder der frühen Neil Young-Phase erinnert. Für mich, als absolutem Fan des Kanadiers, natürlich eines der Highlights des Albums.
„Catbird Seat“ mit Mary Gauthier (deren „Rifles & Rosary Beads“ gilt als ein Kandidat für das beste Americana-Album 2018), begleitet im Vordergrund mit akustischer Gitarre, zuerst untermalt mit slidender Gitarre, ist ein Stück in bester Songwriter-Manier, wobei Gauthiers Stimme meist eher unterstützend den zweiten Gesang darstellt. Ein einfaches schönes Lied.

Bei „Dancing With The Beast“ ist o. a. Gretchen Peters am Start. In diesem Song sind beide Vokalisten gleichberechtigt und agieren fast durchweg zweistimmig, nicht wie bei den meisten Duetts, wo sich die Partner abwechseln. Das Lied wirkt von der Stimmung her auch eher etwas düsterer als die meisten anderen Stücke des Albums.  Hier dominiert das Piano in weiten Strecken. Der stimmungsvolle, im mittleren Tempo arrangierte Song, ist trotz seiner Traurigkeit, welche über ihm mitschwingt, einer der Highlights.

Das ruhige „Kindmess“, eines der von Glover allein besungenen Tracks,  ist ein solider American-folkiger Song. Mit dem folgenden „Ride The River“ mit Kim Richery wird wieder etwas Fahrt aufgenommen und es gibt erneut einige Parallelen zur Petty-Ära, als Jeff Lynne mitproduzierte. Ein ganz starkes gefühlvolles Lied. In eine ähnliche Kerbe schlägt  „Song For The Fighting“ mit Neilson Hubbard . Besonders schön in dieser Ballade ist hier die prägnante Violine.

Der Titelsong „Shorebound“, folkig mit Countrytupfern und einem claptonesken E-Gitarren-Intro, kommt eher langsam und ruhig und, wie die meisten Sachen, sehr gefühlvoll.

Das etwas lebhaftere „Wildfire“ unter Assistenz von Ricky Ross, liegt irgendwo zwischen Tom Petty, George Harrison und den Traveling Willburys. Ein Stück mit einer absoluten Fülle, Tempowechseln, ohne chaotisch zu wirken und leicht orchestralen Anklängen.

„My Shipwrecked Friends“ (mit Anthony Timer), wieder mit einer Country-Folk-Note, dazu passender Slide-Gitarre, neben der immer wieder eingesetzten akustischen Gitarre, und das abschließende „Keeper Of My Heart“ (feat. Robert Vincent), bilden einen ruhigen Ausklang.

Fazit: „Shorebound“ kann als durchweg gelungenes Album für Freunde aus dem Metier Folk und Americana gesehen werden. Trotz der durchweg eher im mittleren oder langsamen Tempo gespielten Songs auf diesem, durchweg hörenswerten Werk, gibt es keine unerwünschten Längen.

Die Gastinterpreten mit ihren unterschiedlichen Stimmen sorgen hier für die entsprechende Abwechslung. Interessant wird es sein, wie Glover diese Songs auf der Bühne präsentiert. Er sollte sich zumindest eine Mitsängerin parat halten, da sonst viele Stärken des Albums live verloren gehen könnten.

Proper Records (2018)
Stil: Roots/Singer/Songwriter

01. What You Love Will Break Your Heart
02. A Wound That Seeks the Arrow
03. Northern Stars
04. Catbird Seat
05. Dancing With The Beast
06. Kindness
07. Ride The River
08. Song for the Fighting
09. Shorebound
10. Wildfire
11. My Shipwrecked Friend
12. Keeper Of My Heart

Ben Glover
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Kris Barras (Supersonic Blues Machine / Kris Barras Band) – Interview

-Inti-Haupt

Mit etwa einstündiger Verspätung startete das Interview mit Kris Barras im Backstagebereich der Halle 9 auf dem Gelände der Zeche Zollverein in Essen. 15 Minuten vor Beginn des vereinbarten Termins hatte es begonnen, wie aus Kübeln auf Essen runter zu regnen. So wurde das im Biergarten vorgesehene und vorbereitete ‚Meet & Greet‘, kurzfristig in das Restaurant des Casinos verschoben, welches auch von ‚Nichtkonzertbesuchern‘ schon gut frequentiert war. Der ganze Zeitplan war auf den Kopf gestellt. Zudem lief das ‚Meet & Greet‘ auch nicht ganz problemlos ab. Billy Gibbons ärgerte sich darüber, dass manch einer vermutlich nur deswegen erschien, um Gitarren, LPs oder anderes von ihm signieren zu lassen, diese dann zeitnah auf irgendeiner Internetplattform meistbietend zu verkaufen, sodass er Autogrammwünschen dieser Art nicht nachkam.  Die Wartezeit verkürzten wir, indem wir mit dem Eventmanger nach einem kurzen Smalltalk unsere Presseausweise abholten und dieser uns auch bat, nicht nur vom Topact, sondern auch über Chris Kramer, zu berichten. Überhaupt kann gesagt werden, dass alle Mitarbeiter vom Manager bis hin zu den Security-Leuten, aber auch den Beschäftigten der Zeche Zollverein, sehr zuvorkommend und freundlich waren und man sich als Gast fühlte. Auch die oft praktizierte 3 Stücke-Regel beim Fotografieren war kein Thema. „Du kannst mit dem Pass während des ganzen Konzertes fotografieren und dich überall frei bewegen!“ –  so die Antwort des Organisators. Auch Chris, der eigentlich schon wieder zum Hotel musste, blieb locker und zeigte sich dabei humorvoll und bodenständig. So brachte uns das, dem Zeitdruck geschuldete, eher knappe, kurze Gespräch trotzdem viel Freude. Ein Dank auch an Netinfect Promotion, die uns das Interview ermöglichten.

Nun aber zum Interview, das mit Barras etwa 90 Minuten vor Konzertbeginn stattfand.

Sounds Of South: Es ist ein aufregendes Jahr für ich, nicht wahr?

Kris Barras: Ja, es ist bisher toll verlaufen, Mein Album kam im März bei Mascot Records/Provogue heraus, es war fantastisch, ein bisschen wie ein Wirbelsturm.

Sounds Of South: Wie kam es zu deiner Verpflichtung für Supersonic Blues Machine? Auf der aktuellen CD warst du ja nicht präsent.

Kris Barras: Meine Band wurde als Support für eine ihrer Shows in London gebucht. Zu der Zeit wussten wir noch nicht, dass Lance Lopez zugunsten seiner Solo-Karriere aussteigen würde. Die Jungs schauten sich daraufhin noch ein paar Videos von mir an, wir hatten ein paar gute Gespräche, und so hatte ich den Job.

Sounds Of South: Wie sind die ersten Gigs verlaufen?

Kris Barras: Sehr gut, beim ersten Gig im Shepherd’s Bush Empire, waren viele meiner eigenen Fans zugegen, so war es natürlich eine tolle Nacht.

Sounds Of South: Warst du nervös mit solchen musikalischen Schwergewichten zusammenzuspielen oder bist du so eine ‚coole Socke‘ der sich einfach den Aufgaben stellt, so wie sie anfallen?

Kris Barras: Ja, auf jeden Fall. Vor allem als ich sie zum ersten Mal in Los Angeles traf. Ich hatte einen Jetleg, wir mussten sofort zu den Proben, aber sie sind so tolle Typen und Musiker, was es mir letztendlich ziemlich leicht machte.

Sounds Of South: Wie ist die allgemeine ‚Chemie‘ in der Band?

Kris Barras: Alle sind echt gut drauf, wir haben viel Spaß miteinander. Es ist klasse.

Sounds Of South: Kommen wir zu deiner eigenen Band. Mit „The Devine And Dirty“ hast im Frühjahr ein überragendes Album herausgebracht. Dient die SSBM-Geschichte hier in Essen auch ein wenig, um dich für kommende Auftritte in Deutschland in Stellung zu bringen? Ist schon was in Planung?

Kris Barras: Ich hoffe mal. Dieses Jahr haben wir uns hauptsächlich auf Großbritannien konzentriert, aber nächstes Jahr werden wir uns mehr außerhalb bewegen. Dann haben wir schon mal was in Deutschland vorzuweisen. Es wäre toll wieder bei euch zu spielen.

Sounds Of South: Bist du mit der Resonanz zu deiner Scheibe zufrieden? Gibt es schon Ideen für neue Songs?

Kris Barras: Die Resonanz war bis jetzt großartig, viel besser, als ich vermutet hätte. Mittlerweile schreibe ich für das nächste Album und habe schon so ungefähr zehn Stücke zusammen, die in Frage kämen. Wir werden sie im Dezember über Weihnachten aufnehmen, übrigens die einzige Zeit, wo wir nicht touren. Hoffentlich wird sie dann im nächsten Frühjahr herauskommen.

Sounds Of South: Wofür schlägt dein Herz am meisten, dem Blues-, und Southern Rock-Genre oder eher dem Melodic Rock der britischen Spielart? ich meine alle drei Stile auf deiner neuen Platte geortet zu haben.

Kris Barras: Blues- und Southernrock sind die Stile, wo ich mich persönlich einordnen würde. Ich nenne mich selber ein Kind des Blues‘. Ich bin aber auch ein großer Freund der Musik von den Allman Brothers und Lynyrd Skynyrd. Somit diese beiden Sparten im hauptsächlichen.

Sounds Of South: Was macht dir mehr Spaß: Leuten in die Visage zu hauen (Anspielung auf seine Karriere als Martial Arts-Profi), bzw. in selbige gehauen zu bekommen oder Singen und Gitarre spielen? 🙂

Kris Barras (lacht): Kommt drauf an, in welche Visage du reinschlägst… Aber Singen und Gitarre spielen natürlich.

Sounds Of South: Was gibt es über den Privat-Mensch Kris Barras zu erzählen? Bist du z. B.  in sozialen Projekten engagiert?

Kris Barras: Im Moment habe ich aufgehört, in meinem Studio verschiedene Leute und Kinder in Sachen Martial Arts zu trainieren. Wir sind so mit der Band beschäftigt – Touren, Touren, touren – da bleibt einfach keine Zeit für andere Sachen.

Sounds Of South: Wer wird Fußball-Weltmeister?

Kris Barras: Deutschland wohl nicht (lacht in Anspielung, dass Deutschland schon ausgeschieden ist), dann muss ich wohl England sagen!

Sounds Of South: Danke für das Interview!

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Das Interview in Englisch:

Sounds Of South: It has been an exciting year for you up to now, hasn’t it?

Kris Barras: Yes, it’s been great. My album came out in March via Mascot Records/Provogue, it has been fantastic, it’s been a bit of a whirlwind.

Sounds Of South: What made you doing that Supersonic Blues Machine arrangement? As far as I know you weren’t involved on the current CD.

Kris Barras: My band  was put forward to support them for a London show, we didn’t know at the time that Lance Lopez decided to leave the band, so he left constraint on his own solo career, and the guys saw some videos from me, they liked it and we had a few fun conversations so I got for the job.

Sounds Of South: How did the first gigs run?

Kris Barras: Really good, the first one was in London at Sheperds Bush Empire, there were a lot of fans of mine, it was a great night.

Sounds Of South: Were you a bit nervous to play with such great musicians or were you a ‚cool guy‘ who accepted the challenges as they come?

Kris Barras: Yes defenitely a little bit nervous particually when I first met them in L.A., I was jetlegged, we had to jump straight into rehearsel, but they are great guys, great musicians, great people. so it made it nice and easy.

Sounds Of South: How is the ‚chemistry‘ inside the band?

Kris Barras: Everyone gets really well, we have a lot of fun. It’s great.

Sounds Of South: Let’s get to your own band. With „The Devine And Dirty“ you have published an outstanding album in spring. Does the Supersoncic Blues Machine thing in Essen provide to prepare you for your upcoming solo gigs in Germany, are there any plans?

Kris Barras: I hope so. This year was mainly about concentrating on the UK, but next year we’ll be more out there. Then we played in Germany before. It would be great to come back.

Sounds Of South: Are you satisfied with the response concerning „The Divine And Dirty“ so far? Are there already any ideas for new songs?

Kris Barras:  Yes, the response has been amazing so far, much better than I ever expected, moreover I’m writing in the next album, I’ve got ten songs at the moment, we gonna record the next one in December over Christmas, that’s the only time we got off touring, yeah hopefully it’s  be out toward the start of next year.

Sounds Of South: For what kind of music beats your heart the most: Blues- and Southern Rock-or rather for the British-influenced Melodic Rock? I think I was able to recognize all three styles on your record.

Kris Barras: For me it’s the blues and Southern Rock, a kind of crossover, that’s my main thing. I call myself a blues guy,  I got a lot of influences by the blues I like Southern Rock, especially The Alman Brothers and Lynyrd Skynyrd. I love that stuff, too. So let put these two things together.

Sounds Of South: What makes more fun: To hit someone’s face either to be hit in the face or to sing and play guitar? 🙂

Kris Barras (laughs): It depends on who’s face you’re hitting. But lets say ’sing and play guitar‘.

Sounds Of South: What could you actually tell us about the private person Kris Barras? For example, have you been committed in social projects?

Kris Barras: At the moment I stopped working in the gym to teach and train different people and children in martial arts, we’re so busy with the band, touring, touring, touring. So, I’ve got no time for anything else.

Sounds Of South: Who’s gonna win the football world championship?

Kris Barras: It’s not Germany, isn’t it (laughs)? So I have to say it is England, of course.

Sounds Of South: Thanks for the interview!

Bilder und Textintro: Gernot Mangold
Interview: Daniel Daus

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Zealand – Liberated – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Ein Aufbruch zu neuen Ufern ist das Album „Liberated“ für Phil Joe. Der ehemalige Bassist und Songschreiber der australischen Worship-Rockband Newsboys hat sich mit 45 Jahren den Status einer Rock-Ikone in der christlichen Musikszene erarbeitet und beginnt nun den ersten Schritt mit seiner neuen Band Zealand.

Bandleader Phil Joe, ursprünglich aus Auckland, Neuseeland, aber jetzt in Franklin, Tennessee wirkend, bleibt mit Zealand der Worship Musik treu, die er bereits während seiner Zeit bei den Newsboys zelebriert hat und so präsentieren sich auch Zealand im eingängigen Pop-Rock Gewand.

Diese christliche Sparte der Rockmusik kann trotz ihres Nischendaseins in Europa, vor allem eine breite Fanbasis in den USA hinter sich versammeln und 71 Millionen Aufrufe des Newsboys-Videos „God’s Not Dead“ auf YouTube zeigen, wie viele Menschen diese Worship-Musik erreicht.

Der radiotaugliche Song „Spirit Sing“ – treffender, einprägsamer Refrain, erinnert stark an den Pop-Rock Kracher „Kings And Queens“ von Thirty Seconds To Mars und „Center Of It All“, als Ed Sheeran-ähnliche Nummer mit Akustik-Gitarren-Intro und Keyboard-Pop, bestimmen die klangliche Tendenz des Albums.

Durchaus anspruchsvolle Stücke wie „Beloved“, „Still“ oder „Land Of The Living“ können hierbei als Beispiele einer modernen kirchenmusikalischen Richtung angesehen werden, die Fortführung traditioneller, christlicher Gospel- und Folkgesänge. Phil Joe war als Songwriter an sämtlichen Tracks auf „Liberated“ beteiligt und hat dabei mit vier verschiedenen Produzenten zusammengearbeitet.

Zealand sind hier konsequent im Pop-Rock Bereich unterwegs. Ein bisschen was von Coldplay, A-ha, mehrstimmiger Backstreet Boys-Gesang oder Simple Minds Passagen, greifen passend ineinander. Immer wieder werden die religiösen Motive in den Songs herausgestellt („My heart and lungs cry out to You, the living God/You make my spirit sing“) und eine wärmende, einladende und hoffnungsvolle Atmosphäre wird inszeniert.

Soweit diese fortwährende, christliche Mission und Absicht die Zuhörer nicht stören, wird passable, abwechslungsreiche und zeitgenössische Kunst geboten. Um „Liberated“ auf sich wirken zu lassen, braucht es daher nicht viel, nur ein wenig Gelassenheit und innerhalb dieser kurzweiligen vierzig Minuten, kann man getrost und unbeschwert eintauchen und dem Trubel der Zeit entkommen.

Word Entertainment (2018)
Stil: Pop-Rock, Christian Rock, Worship Music

01. Spirit Sing
02. Liberated
03. Center Of It All
04. Deeper Water
05. Beloved
06. Still
07. Land Of The Living
08. End Of The World
09. Sanctuary
10. Garden’s On Fire

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Hackensaw Boys – Support: Susto – 09.07.2018, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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Pünktlich um 20:30 betrat Susto (Justin Osborne), Leader der gleichnamigen Band die Bühne der leider nur knapp zur Hälfte gefüllten Kulturrampe. Das, was Susto in dem knapp 40-minütigen Soloauftritt bot, war alles, nur nicht angsteinflößend, so wie es der Name Susto im medizinischen Sinne als ‚kulturgebundene Angststörung‘ suggeriert.

Im Gegenteil, Susto verbreitete mit seinen launigen Songs, auf denen er sich nur mit der akustischen Gitarre begleitete, eher Frohsinn im Publikum. Die in bester Singer/Songwriter-Manier gespielten Songs, eine Auswahl aus seinen zwei bisher erschienenen Alben, führten die Zuhörer eher vom Alltagsstress in eine ausgeglichene und relaxte Stimmung.

Einige Songs erinnerten im Gitarrenspiel an Neil Young in seiner folkigen Frühphase. Mit geschlossenen Augen zugehört, hätte jederzeit auch die prägnante Mundharmonika einsetzen können. Das Publikum zollte ihm zwischen den Songs den verdienten Applaus, wobei sich Susto mehrfach gerührt bei der Audienz bedankte.

Der Funke war schnell in beide Richtungen übergesprungen, was meist das schöne an den kleinen Clubkonzerten ist, sodass der Opening Act als gelungener Einstieg in den Abend gesehen werden kann.

Nach dem Konzert beschrieb Osborne noch einmal seine positiven Eindrücke vom Abend und besprach mit Pille Peerlings, dass ein Auftritt mit kompletter Band erstrebenswert wäre. Reizvoll wäre hier, dass der sympathische Künstler, aus der ganze Bandbreite seiner Songs schöpfen könnte und sich nicht nur auf den Teil beschränken muss, der solokompatibel und eher ruhig ist.

Nach einer kurzen Umbaupause legten dann die fünf Mannen von den Hackensaw Boys, wie schon von Susto vor dem letzten Stück angekündigt, direkt energiegeladen und schwungvoll los. Die aus Charlottesville, Virginia, stammende Band um David Sickman spielte eine Mischung aus Folk, Country, American Roots, mit einem gehörigen Einschlag vom Punk der legendären The Clash.

Bestens gelaunt, brachten das Quintett innerhalb kürzester Zeit, die Rampe zum Kochen. Mit Fiddle, Banjo, Kontrabass, Gitarre und einem, zu großen Teilen aus verschiedensten Dosen hergestellten Schlagzeug, welche der Drummer sich umgeschnallt hatte (er absolvierte das ganze Konzert im Stehen), wurde schnell für eine brodelnde Stimmung gesorgt.

Bei der Bandvorstellung wies Sickman darauf hin, dass sein Drummer gestern Geburtstag gehabt habe und dass dies beim Basser heute der Fall wäre, was im späteren Verlauf das Publikum dazu animierte, ein stimmgewaltiges Ständchen hinzulegen. Dieser zückte sofort sein Handy, um diesen emotionalen Moment festzuhalten.

Die Vocals steuerte bei den meisten Songs Sickman mit seiner leicht kratzigen, aber sehr angenehmen Whiskystimme bei. Dabei moderierte er humorvoll mit viel Selbstironie durch die Show. Auch eine gerissene Seite im Verlauf des Konzertes brachte ihn nicht aus der Ruhe, sondern er nutzte das Aufziehen fast schon als Showelement.

Bei mehreren Tracks konnte auch sein Fiddlespieler beweisen, dass er gesangstechnisch überzeugen kann, wobei er fast die ganze Zeit leicht tänzelnd sein Instrument bearbeitete. Auch der Akteur am Banjo durfte einen tragenden Gesangspart übernehmen. Mit einem Wolfsjaulen bei – nomen est omen – „Wolfs Howling“, leitete er seinen Part ein. Die Rhythmussektion samt Bass und dem Schlagzeuger, wenn man dem selbstgebauten umgehängten Instrument damit gerecht wird, sorgten für die nötige Fülle der Songs.

Nach etwa 90 rasanten Minuten wurde das letzte Lied angekündigt. Dabei verließen die Jungs die Rampe und boten an diesem lauen Sommerabend vor der Location inmitten der Besucher noch zwei Open Air-Songs dar.

Mit dabei, wie schon bei den letzten Stücken, auch wieder Susto. In bester Stimmung verabschiedeten sich dann die Musiker nach etwa 100 Minuten Gute-Laune-Musik zum Teil mit Handschlag von den Fans, um noch bis weit nach Mitternacht in der Kneipe der Rampe den Besuchern für den einen oder anderen Smalltalk zur Verfügung zu stehen.

Ein absolut gelungener Abend zu Beginn der Woche, der auch eine volle Rampe verdient gehabt hätte. Wer Spaß an handgemachter American Roots-Musik mit einer Prise Punk hat, dem sei ein Besuch der Hackensaw Boys zu empfehlen.

Text und Bilder: Gernot Mangold

Hackensaw Boys
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Susto
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

The Band Of Heathens, 10.07.2018, Yard Club, Köln – Konzertbericht

BOH_haupt

Wenn die Band Of Heathens in unserer Gegend präsent ist, ist das für uns natürlich ein Pflichtbesuch, besonders in einer Location wie im Yard Club in Köln, zu dem wir ja dank ihres ‚Chefs‘ Marcus Neu ein besonders herzliches Verhältnis pflegen.

Der Termin zu Anfang der Woche, dazu mit dem Fußballweltmeisterschafts-Halbfinalspiel Frankreich-Belgien ein weiterer Störfaktor, ließ in Sachen Zuschauerresonanz nichts Gutes erahnen. Dennoch fanden sich um die 50 musik-begeisterte Leute ein, sodass der Club kein tristes Erscheinungsbild abgab.

Ich persönlich war erfreut, mal wieder Jürgen Thomä von Bärchen Records zu treffen, dem ich ja zumindest auch einen Teil meines musikalischen Wissenshorizontes zu verdanken habe und natürlich auch meine Fan-Freunde von Rot Weiss Essen (u. a. RWE Uralt-Ultras-Präsident Happo), die BOH seit Beginn ihres Treibens, ihre Treue halten und sie immer wieder besuchen, sofern sich die Gelegenheit ergibt.

20.15 Uhr stieg das mit Jesse Wilson um einen neuen Bassspieler modifizierte Quintett mit „Should Have Known“ in den Gig ein. Mit „Sugar Queen“ gab es das erste Stück aus ihrer aktuellen EP „Live Via Satellite“, dem im späteren Verlauf noch das wunderbare semi-akustische „Ruby (Ed Jurdi und Gordy Quist auf der Akustikgitarre, alle mit Eagles-mäßigen Satzgesängen), das poppige „All I’m Asking“ und das herrlich umgesetzte Neil Young-Cover „Alabama“ (der fleißig fotografierende Kollege Gernot als großer NY-Fan war absolut verzückt) folgen sollten.

„Jackson Station“ und der „L.A. County Blues“, die ja schon zu den Klassikern der Texaner zählen, der stark gespielte „Judas Iscariot Blues“, das soulig-melodische, von Ed gesungene „DC 9“ und das famos performte „Hurricane“ zum Abschluss des Hauptteils, wo übrigens zwei Mädels, die hinter mir standen, so textsicher und klasse mitsangen, dass man sie als Verstärkung auf die Bühne hätte holen können, zählten zu meinen Favoriten des Abends.

Der wechselseitige Gesang und das vorzügliche E-Gitarrenspiel der beiden ‚Anführer‘ Gordy Quist und Ed Jurdi ist immer noch eine Reise wert. Trevor Nealon ließ immer wieder seine Klimperqualitäten aufblitzen und Drummer Richard Millsap verlieh vielen Stücken besonders in den Schlussphasen Kraft und Dynamik.

Zum Finale gab es mit „Baby, You’re A Rich Man“ als einzige Zugabe noch ein Beatles-Stück, das die zum Teil etwas poppigere Ausrichtung des Fünfers seit dem Ausstieg von Colin Brooks nochmals unterstrich. Nach 90 kompakten Minuten war dann Feierabend. Am Ende konnten wir Ed und Gordy noch für das obligatorische Bild mit dem SoS-Logo für die VIP-Galerie gewinnen. Unterm Strich ein ordentlicher Band Of Heathens-Gig, bei dem man aber den einen oder anderen Track (z. B. „Look At Miss Ohio“) vermisst hat.

Line-up:
Ed Jurdi (lead vocals, electric, slide and acoustic guitars, vocals)
Gordy Quist (lead vocals, electric, slide and acoustic guitars, vocals)
Jesse Wilson (bass, vocals)
Richard Millsap (drums, vocals)
Trevor Nealon (keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

The Band Of Heathens
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Yard Club Köln