The Kris Barras Band – The Divine and Dirty – CD-Review

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Mit Kris Barras vereint mich eine ähnliche Vita. Wir beide haben lange Zeit auf relativ hohem Niveau Sport getrieben, bis wir für uns die Musik als tiefergründigere Beschäftigung entdeckten.

Während meine Wenigkeit fast 30 Jahre einen kleinen weißen Zellouloidball, oftmals gegen die Größen der europäischen und asiatischen Spitzenklasse, über die Platte jagte und sich danach der inhaltlichen und schriftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Rock-Musik widmete, verdiente Kris zunächst seine Brötchen auf eher schmerzhafte Weise als Mixed-Material-Arts-Profi (da traktieren sich, zur Freude einer gaffenden Meute, Leute im Ring, mit Schlägen und Tritten, bis zum Teil der Arzt kommt…), bevor er sich ab 2014 schwerpunktmäßig seinen weiteren Passionen, dem Gitarre spielen, Singen und Komponieren zuwendete.

Nach zunächst einer EP und CD in Eigenregie hat Kris jetzt für sein Album „The Devine And Dirty“ mit der Mascot Label Group einen potenten Partner gefunden und befindet sich jetzt plötzlich in bester Gesellschaft mit Größen wie Walter Trout, Joe Bonamassa, Kenny Wayne Sheperd & Co.

Der mit heroischen ‚Ohohoh‘-Gesängen durchzogene straight rockende Opener „Kick Me Down“ würde perfekt zum Einmarsch in den Kampf-Ring passen, wie man es von größeren medialen Events, wie z. B. beim Boxen, her kennt. Beim, mit Acapella-artigen Gesängen bestückten „Hail Mary„, wie auch u. a.  bei „Lovers Or Losers“ („Dead Or Alive“-Flair“) sowie „Hold On For Tomorrow“, kommen, aufgrund ähnlicher Stimmlage, Assoziationen zu Bon Jovi in den Sinn (allerdings zu deren richtig guten Zeiten).

Freude bereitet immer wieder Kris‘ Hang zu Southern Rock-artigen E-Gitarren-Hooks,-Riffs und -Soli (der Bursche kann wirklich toll in die Saiten greifen), unterstützt von Josiah J. Manning mit seinem überragenden Piano- und Orgelspiel (viel herrliches Geklimper und Gegurgel), in dessen Studio in Plymouth, die Platte auch aufgenommen wurde.  Elliott Blackler (bass) und Will Beavis (drums) als Rhythmusfraktion vervollständigen das agile Quartett. Auch Freunde von weiblichen Backgroundgesängen (wie ich)  kommen auf diesem Werk bei so manchen Tracks voll auf ihre Kosten.

Beste Beispiele sind hier das knarzig mit Slide stampfende „I Don’t Owe Nobody Nothing“ als auch die Black Crowes-umwehten „She’s More Than Enough“ und „Stitch Me Up“ (klasse HT-Piano von Manning). Eines meiner absoluten Lieblingsstücke ist das cool und doch recht explosiv groovende „Propane“ (inkl. schönem E-Gitarren-Solo), das in Richtung britischer Blues Rock-Kollegen wie Ben Poole oder King King eingestuft kann.

Das Melodic Rock-artige, im Survivor-/Toto-Gewand stampfende „Blood On Your Hands“ passt erneut gut zu Barras‘ martialischem Kämpfernaturell, gefolgt vom grandiosen, in progressiver Pink Floyd-Manier gebrachten, grandiosen „Watching Over Me“ (hier ziehen alle Beteiligten nochmal sämtliche Register), bilden den Abschluss eines durchgehend kurzweiligen und abwechslungsreichen starken Longplayers.

Klasse finde ich auch das Coverfoto, wo der rauschebärtige Protagonist zur einen Hälfte skelettiert und zur anderen in seinem drahtig tätowierten realen Erscheinungsbild abgelichtet ist.

In Anbetracht dieses tollen Albums „The Divine and Dirty“ der Kris Barras Band, das sicherlich am Ende mit zu den absoluten Highlights des Jahres zählen wird, kann man den Protagonisten nur zu seinem Entschluss beglückwünschen, den musikalischen Weg eingeschlagen zu haben.

Hier ist viel kreatives und starkes spielerisches Potential vorhanden, das nach intensiver Fortführung nahezu schreit. Und irgendwo sind auf Dauer ein paar verhornte Fingerkuppen und strapazierte Stimmbänder doch sicherlich etwas angenehmer als sich ständig ’ne blutende Nase abzuholen, oder? Ok Kris, der Schlauberger der schreibenden Zunft hält jetzt besser seine Klappe. Ich weiß, noch so’n Spruch – Kieferbruch…!

Mascot Label Group/Provogue (2018)
Stil: (Southern) Rock

01. Kick Me Down
02. Hail Mary
03. I Don’t Owe Nobody Nothing
04. Propane
05. Wrong Place, Wrong Time
06. Lovers Or Losers
07. She’s More Than Enough
08. Stitch Me Up
09. Hold On For Tomorrow
10. Blood On Your Hands
11. Watching Over Me

The Kris Barras Band
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