Supersonic Blues Machine, Support: Chris Kramer – 11.07.2018, Casino Zeche Zollverein, Essen – Konzertbericht

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Das war mal ein Abend, gestern im Essener CASINO Zollverein, wo sich Supersonic Blues Machine mit ihrem schillernden Gast Billy F. Gibbons, zum einzigen Konzert in Deutschland angesagt hatten. Dazu hatten wir im Vorfeld auch noch ein Interview mit deren Neu-Sänger Kris Barras im Vorfeld vor der Brust.

Obwohl ich schon fast 30 Jahre in Essen berufstätig bin, habe ich mit diesem historischen Areal, bisher kaum Berührungspunkte gehabt und bin in dieser Gegend auch so gut wie nie unterwegs. Vor langer Zeit hatte ich in der Zeche Zollverein mal Dan Baird erlebt. Umso beeindruckender war es von daher, diese Location Halle 9, mit der liebevoll integrierten und drum herum gestalteten Gastronomie, vorher ganz bewusst auf sich wirken lassen zu können.

Nach einem ellenlangem Meet-And-Greet-Geplänkel im Vorfeld und dem dadurch recht schnell ‚abgefrühstückten‘ Inti mit dem Briten, heizte zunächst Chris Kramer mit seinem Beatbox ’n‘ Blues-Projekt, die geschätzten 400 Zuschauer, mit für mich und vermutlich vielen anderen auch, eigenwilliger Bluesmusik ein.

Der charismatische, wuchtige Fronter, der Gesang, sein Paradeinstrument, die Mundharmonika, und auch die E-Gitarre vereinigte, sowie sein toller E-Gitarrist Sean Athens, mit wirklich furiosem Spiel, wurden rhythmisch durch mündlich erzeugte Töne am Mikro unterstützt, was sich wohl in geneigten Kreisen als Beatboxing etabliert hat und mittlerweile wettbewerbsmäßig sogar im Rahmen von  Weltmeisterschaften durchgeführt wird. Der etatmäßige Beatboxer Kevin O’Neal wurde adäquat durch Lino Beatbox vertreten.

Kramer mixte seinen Harpblues mit klassischen, Western-, Tex-Mex- und auch dezenten Southern Rock-Anleihen. Durch die Beatbox-Geschichte bekam die Sache einen eigenwilligen und etwas juvenileren Charakter. Es passte. So musste das Trio noch für eine Zugabe ran. Hier wurde dann das einzige deutsch gesungene Lied „Lass Uns Tanzen Gehen“ als Finale zum Besten gegeben. Insgesamt ein sympathischer, kurzweiliger und gelungener Support.

Die Protagonisten der Supersonic Blues Maachine konzentrierten sich in der ersten Hälfte ihrer Performance (ohne Gibbons) naturgemäß auf Songs der beiden bisherigen Alben „West Of Floating, South Of Frisco“ und dem aktuellen „Californisoul“. Neu-Sänger Kris Barras, der den bisherigen Fronter Chris Lopez ersetzte, machte dabei seine Sache, sowohl als Sänger, wie auch als Lead-Gitarrist, vorzüglich.

Gitarrentechnisch bekam er erstklassige Unterstützung von Serge Simic (erinnerte rein äußerlich an Jon Bon Jovi), der sporadisch (z. B. beim herrlichen „Remedy“) auch mal die Lead vocals übernahm. Die Fäden in der Hand hatte Fabrizio Grossi, der einen Hammer-Groove in die Stücke brachte (klasse Bass-Solo bei „Bad Boys“). Nicht zu vergessen Weltklasse-Drummer Kenny Aronoff, der wie ein Tier trommelte und eine Snare Drum sogar ‚krankenhausreif‘ prügelte, dass sie ausgetauscht werden musste.

Alex Alessandroni Jr. Lieferte solide als auch variable Keyboard-Arbeit ab und die beiden Backgroundsängerinnen sorgten für die optische Note im überwiegend von Männern dominierten Auditorium.

Nachdem Barras nochmals beim megastarken „Hard Times“ – das Stück, das mir am gesamten Verlauf des Abends am besten gefiel – seine gesanglichen Qualitäten unter Beweis stellen konnte, ging der Stimmungspegel mit Grossis Ankündigung von Billy F. Gibbons dann richtig in die Höhe.

Klar, dass mit dem kauzigen ZZ Top-Fronter, dann Klassiker wie „La Grange“, „Dust My Broom“ und, last but not least, „Sharp Dressed Man“ abgefeiert wurden. Billy hatte enormen Spaß und lobte die Stadt Essen der schönen Location wegen, nicht zuletzt natürlich auch, weil die Karriere des texanischen Trios in Deutschland, mit dem Rockpalast damals hier eingeläutet wurde.

Mit den Zugaben „Got My Mojo Working“ und dem furiosen „Going Down“ verabschiedeten sich die Starmusiker nach einem Klasse-Gig von den begeisterten Zuschauern in die Nacht, wobei man sich beim Verlassen nochmals am tollen, atmosphärisch beleuchteten Zechen-Ambiente, optisch erfreuen konnte.

Vielen Dank an Mark Dehler von Netinfect Promotion und Michael Schmitz (Mascot Records) für die Akkreditierung.

Line-up Supersonic Blues Machine:
Billy Gibbons (lead vocals, electric guitar, vocals)
Kris Barras (lead vocals, electric guitar, vocals)
Fabrizio Grossi (bass, vocals)
Kenny Aronoff (drums)
Alex Alessandroni Jr. (keys)
Serge Simic (electric guitar, vocals)
Andrea Grossi (background vocals)
Francis Benitez Grossi (background vocals)

Line-up Chris Kramer:
Chris Kramer (lead vocals, electric guitar, harp)
Sean Athens (electric guitar, vocals)
Lino Beatbox (beatbox)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

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Netinfect Promotion
Casino Zeche Zollverein Essen

Deep Purple & Friends – 08.07.2018, Sparkassenpark, Mönchengladbach – Konzertbericht

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Im letzten Jahr veröffentlichten die inzwischen doch ergrauten „alten Herren“ in der aktuellen Mark VIII-Besetzung das mittlerweile 20. Album „Infinte“, um anschließend, ab Mai, ihre weltweite „Long Goodbye Tour“ zu starten, die noch bis zum 22.10.2018 andauern wird und die Band nun auch mit einem einzigen Konzert in NRW in den Sparkassenpark nach Mönchengladbach führte.

Nachdem die Support-Acts Navarone aus den Niederlanden und Axel Rudi Pell im zu Beginn noch nicht einmal halb gefüllten Sparkassenpark dem Publikum bei schönstem Sommerwetter mit mäßigem Erfolg einzuheizen versuchten, betraten die Altrocker um Frontmann Ian Gillan (lead vocals), Roger Glover (bass), Ian Paice (drums), Don Airey (keyboards) und Steve Morse (guitars) pünktlich um 20 Uhr die Bühne und eröffneten das Konzertspektakel mit dem Klassiker „Highway Star“.

Der unverwechselbare Snaredrum-Groove von Ian Paice zündete sofort und riss das Publikum vom ersten Takt an mit. Ohne Atempause ging’s dann mit einem Medley, bestehend aus „Pictures From Home“, „Hard Lovin‘ Man“ und „Strange Kind Of Woman“, weiter, welches die Zuhörer anschließend mit lautstarkem Applaus belohnten.

Einige der dargebotenen älteren Stücke („Sometimes I Feel Like Screaming“, „Uncommon Man“ und „Lazy“) hatte die Band sogar mit neuen Variationen arrangiert, sodass diese Klassiker wesentlich frischer und moderner rüber kamen.

Zwischendurch durften dann natürlich auch einige Sachen aus dem letzten Album „Infinite“ nicht fehlen. Besonders hervorzuheben sind hier das etwas düstere „Bedlam“ und „Birds Of Prey“ mit einem überwältigendem E-Gitarrenspiel von Steve Morse.

Nach „The Surprising“ verabschiedeten sich Gillan & Co.  für eine kurze Pause vom begeisterten Publikum und ließen Don Airey allein auf der Bühne zurück und das Auditorium wurde Zeuge eines überragenden Keyboard-Solos, welches letztendlich, nun wieder mit der kompletten Truppe, nahtlos in „Perfect Stranges“ überging.

Zum Abschluss des Gigs gab es dann vom „Machine Head“ Album, das sicherlich mit zu den besten Werken der Band überhaupt gehört, mit „Space Trucking“ und dem Partyknaller „Smoke On The Water“ noch einmal zwei Hammersongs auf die Ohren.

Natürlich durfte Deep Purple nicht so einfach ohne lautstark eingeforderte Zugaben die Bühne verlassen. Nach einer wirklich kurzen Pause wurde dann von den fünf Altrockern mit einer neuen Version von „Hush“ das grandiose Ende des Abends eingeleitet. Neu und einfach nur klasse, folgte dann ein von Roger Glover gespieltes und Ian Paice unterstützes Bass Solo, welches das in den finalen Track „Black Night“ mündete.

Nach einer ziemlich genau 1 3/4 Stunden andauernden, furiosen Reise durch die 50-jährige musikalische Bandgeschichte ging schließlich ein Wahnsinnskonzert, gekennzeichnet durch die unbändige Spielfreude und Bühnen-Action der Band, zu Ende. Deep Purple versteht es immer noch bestens, mit dem Publikum zu spielen und große Menschenansammlungen zum Kochen zu bringen. Dazu trägt sicherlich auch Ian Gillans Stimme bei, die immer noch vor Ausdrucksstärke strotzt, wenngleich sie in den hohen Tonlagen nicht mehr ganz so stark ist wie früher. Aber er ist ja nun mittlerweile auch schon 73 Jahre alt, da darf schon mal ein bisschen was fehlen.

Auch die Rhythmussektion mit Roger Glover und Ian Paice war fit wie eh und je. Seinen kleinen Schlaganfall aus 2016 hat Ian Paice offenbar ohne weitere Folgen gut weggesteckt und Steve Morse und Don Airey bewiesen einmal mehr, dass sie würdige Nachfolger für Ritchie Blackmore und den viel zu früh verstorbenen Jon Lord sind.

Insgesamt hat sich Deep Purple mal wieder übertroffen und ein grandioses knapp 2-stündiges Konzert gerockt. Die alten Haudegen (bis auf Steve Morse sind alle bereits 70 oder älter!) haben es noch immer richtig drauf, wirklich schade, dass ihr aufhören wollt! Aber man soll ja niemals nie sagen …. -:)

Zum Abschluß gilt noch unser Dank Frau Jardena Kifle vom Sparkassenpark-Marketing für die freundliche und reibungslose Akkreditierung.

Set-List:
01. „Highway Star“ (from „Machine Head“)
02. „Pictures of Home“ (from „Machine Head“)
03. „Hard Lovin‘ Man“ (from „Deep Purple In Rock“)
04. „Strange Kind Of Woman“ (from „Fireball“)
05. „Sometimes I Feel Like Screaming“ (from „Purpendicular“)
06. „Uncommon Man“ (from „Now What?!“)
07. „Lazy“ (from „Machine Head“)
08. „Time For Bedlam“ (from „Infinite“)
09. „Birds Of Prey“ (from „Infinite“)
10. „The Surprising“ (from „Infinite“)
11. Don Airey Keyboard-Solo
12. „Perfect Strangers“ (from „Perfect Strangers“)
13. „Space Truckin'“ (from „Machine Head“)
14. „Smoke On The Water“ (from „Machine Head“)

Zugaben:
15. „Hush“ (from „Shades Of Deep Purple“)
16. Roger Glover Bass-Solo
17. „Black Night“ (from „Deep Purple In Rock“)

Line-up Deep Purple:
Ian Gillan (lead vocals)
Steve Morse (guitars)
Don Airey (Keyboards)
Roger Glover (bass)
Ian Paice (drums)

Text: Rolf Kulm
Bilder: Jörg Schneider

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Sparkassenpark Mönchengladbach
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Vaudeville Etiquette – Divisions – EP-Review

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Review: Stephan Skolarski

Erfolgreiche Singer/Songwriter Duos gab es in der Musikgeschichte viele: Lennon/McCartney, Jagger/Richards, Forster/McLennan, um nur einige zu nennen. Von daher dürfte es auch kein Zufall sein, dass die kreativen Köpfe von Vaudeville Etiquette, Tayler Lynn und Bradley Laina, über die gemeinsame Begeisterung für „Exile On Main Street“ und damit durch eines dieser Duos zueinander gefunden haben.

Das US-Amerikanische Quintett hat nach zwei überzeugenden Studioalben den beschwerlichen Schritt ins Musikbusiness geschafft und bereits den Weg über den großen Teich auf die Konzertbühnen in Europa gefunden. Jetzt sind sie mit einer neuen EP am Start und bewegen sich auf den vier Tracks gekonnt durch unterschiedlichste Musikgenres.

Beispielhaft hierfür das Midtempo-Neo-Folk-Synthie Stück „Divisions“, ergänzt durch fein abgestimmten, harmonischen Gesang, ist als erstes Lied ein wenig zurückhaltend, aber das voluminöse „Ontario“, mit eindringlichem Synthie-Intro und Florence + The Machine-Instrumentalisierung, kommt sofort aus den Startlöchern.

Was den ersten beiden Songs noch an Durchschlagskraft gefehlt hat, bügelt das Stoner-getränkte „White Horse“ aus. Wuchtige Drums, die man zuletzt so perfekt noch zu „White Stripes“-Zeiten gehört hat und ein markantes Gitarren-Riff sollten den Song auf jede Blues Rock-Playlist pushen. Im dem vierten Song „Swamp Witch“ ist Tayler Lynn dann im Patti Smith-Modus und ein feuriges E-Gitarrensolo bringt den letzten Schwung für ein tolles Uptempo-Finale.

Auf dieser EP gleicht kein Stück dem nächsten. Diese abwechslungsreiche Zusammenstellung spricht die unterschiedlichsten Musikgeschmäcker an und man darf daher mit großer Zuversicht und Vorfreude auf ein neues Album der jungen Band um das Singer/Songwriter Duo Lynn/Laina aus Seattle gespannt sein.

Sunvata Records (2018)
Stil: Classic Rock

01. Divisions
02. Ontario
03. White Horse
04. Swamp Witch

Vaudeville Etiquette
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Black Pike Favorites

The Bennett Brothers – Not Made For Hire – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Die hierzulande noch recht unbekannten Jimmy und Peter Bennett sind in den Staaten allerdings kein unbeschriebenes Blatt, sind sie doch in der Vergangenheit bereits zusammen mit B.B. King, Bo Diddley und anderen Blues-Größen aufgetreten. Nun haben sie ihr erstes eigenes Album „Not Made For Hire“ vorgelegt.

Die Scheibe wird von der Plattenfirma vollmundig damit beworben, ins Auto zu springen, die CD einzulegen und dann bei laut aufgedrehter Musik den Ausflug zu genießen, dabei aber kein Knöllchen wegen Geschwindigkeitsübertretung zu riskieren. Das hat mich natürlich neugierig gemacht und entsprechende Erwartungen auf zündende Beats geweckt.

Also bei der nächsten längeren Autofahrt rein mit der Scheibe in den CD-Player und die Lautstärke hochgedreht. Beim ersten Hören ist dann bei mir der Funke allerdings noch nicht wirklich übergesprungen, vielleicht lag’s am nieseligen Wetter oder an der Tatsache, dass mich die Reise nach Norden und nicht gen Süden führte. Bei wiederholtem Hören hat mir der Silberling dann jedenfalls doch noch ganz gut gefallen. Nur muss man wirklich nicht befürchten vor lauter Begeisterung einen Strafzettel wegen zu schnellen Fahrens zu riskieren. Die Songs laden eher zum entspannten cruisen als zu temporeicher Fahrt ein.

Insbesondere gefallen der Opener „Junkyard Dog“, ein flotter Shuffle mit genretypischer quietschender Gitarre im Mittelteil, das relaxte southernartige „Hold On Tight“ mit absoluten Ohrwurmqualitäten und „Rocking Chair“, ein zum Tanzen einladender Gute-Laune-Boogie-Woogie.

Die übrigen Stücke kommen größtenteils als solide Blues Songs wie z. B. „I Just Don’t Want The Blues Today“ (mit schönen Sopran-Gesangseinlagen von Linda Pino) oder „How Long“ und R ’n B-Stampfern („Not Made For Hire“) daher.

Obwohl alle Songs des Album gut arrangiert und handwerklich ohne Fehl und Tadel sind, lässt die Scheibe dann aber nach einem starken Start für meinen Geschmack im weiteren Verlauf leider etwas nach. Bitte nicht falsch verstehen, insgesamt ist das Album nicht schlecht, andererseits aber auch kein Must-Have.

Die Bennett Brothers servieren mit ihrem Debütalbum solide Hausmannskost mit genretypischen Zutaten (wilde Gitarreneinlagen, untermalende Teppiche aus der Hammondorgel und satte Bassrhythmen), abgeschmeckt und verfeinert und angerichtet nach Southern Art. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Line up:
Jimmy Bennett – guitars, vocals
Peter Bennett – bass, vocals
Lee Falco – drums, vocals
John Ginty – hammond, pianos
Linda Pino – vocals on „I Just Don’t Want The Blues Today“
Mike Mclaughlin – backing vocals on „What’d I Do“

Showplace Music (2018)
Stil: Southern Blues

01. Junkyard Dog
02. Hold On Tight
03. I Just Don’t Want The Blues Today
04. Blues #9
05. What’d I Do
06. Rocking Chair
07. How Long
08. The Only Way To Be
09. Walk With The Devil
10. Not Made For Hire
11. I Got A Woman

The Bennett Brothers
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The Big Pine Band – SelfRich – CD-Review

BPB

Herrje, das war so eine richtig schwere Geburt. Zunächst spielte  ‚Kommissar Zufall‘ eine Rolle. Ich hatte beim Surfen durchs Netz auf einem US-Festival-Plakat, den Namen der mir bis dato unbekannten Big Pine Band entdeckt und bin einfach mal so auf ihre Homepage ‚gewandert‘.

Die offerierte ihr vor geraumer Zeit erschienenes Debütalbum, das man sich auch in kompletter Länger dort anhören konnte. Ich beschloss die Truppe aus dem Süden Floridas zu kontaktieren und um ein Rezensionsexemplar zu bitten. Der Einfachheit halber, bot ich auch die Möglichkeit an, die Daten via Dropbox zu übermitteln.

Dann sollte ein Hin- und Her seines Gleichen erfolgen (vorab bemerkt, ohne Schuld der Band). Zunächst kam die legitime Frage, warum ich denn nicht die Scheibe anhand des Materials auf der Webseite besprechen würde. Die beantwortete ich damit, dass ich Musik vom PC wie Streamings und Dergleichen nicht rezensieren würde, sondern erst, ganz ‚old school‘, nach intensivem Anhören auf einer Anlage, beurteilen würde.

Das wurde akzeptiert und man wollte mir die CD auf dem Postweg zuschicken, wobei ich vorschlug, noch ein signiertes Exemplar, für eine Leser-Aktion beizufügen. Dies wurde dann auch recht fix in die Tat umgesetzt. Allerdings hatten wir die Rechnung ohne unsere Beamten vom deutschen Zoll gemacht. Es vergingen Wochen, ohne ein Ankommen der Lieferung, Nachfrage bei der Band, die mailte sofort den Liefernachweis.

Die schriftliche Recherche beim Zoll ergab die automatisierte Antwort: Sache in Bearbeitung. Wieder Warten, nichts passierte. Anruf beim Zoll. Nach einer endlosen Anzahl von gescheiterten Versuchen, mal dort einen Menschen an die Strippe zu bekommen, fand sich doch noch eine Dame, die Hilfe anbot.

Dann nach weiteren Wochen des Wartens eine Meldung ohne Angabe von Gründen, dass die Sendung in die Staaten zurückgegangen sei. Erneuter Kontakt zur Band, die dann bejahte, dass das Päckchen zurückkam. Irgendwann haben wir uns dann auf die Dropbox-Variante geeinigt, sodass mir jetzt die Daten in einer vernünftigen Qualität vorliegen. Was für ein Bohai…

Das Warten hat sich letztendlich natürlich dennoch gelohnt. Dass die Musik klasse ist, war ja im Prinzip schon von Anfang an klar. Zehn tolle, glasklar produzierte und eingespielte Tracks, die Liebhaber des klassischen Southern Rocks der großen Anfangsjahre in Verzückung versetzen sollten.

Die Initialzündung für die Entstehung des Süd-Florida-Fünfers war 2015 ein LA-Film, für den die beiden Gitarristen Kevin McLoughlin und George Schoeppner Musik komponieren sollten. Dabei realisierten sie schnell, nachdem sie mit Smokey Gage einen starken Sänger ins Visier genommen hatten, dass es Zeit wäre, eine Band zu gründen. Die Big Pine Band wurde schließlich dann mit der begabten Rhythmusfraktion Randy Finn am Bass und Zeke Merkel am Schlagzeug vervollständigt.

Der herrliche Opener „Day By Day“ erscheint dann auch schon als eine Art Blaupause für den Rest des Longplayers: Akustikgitarrenintro, zu dem sich dann markante E-Gitarrenhooks gesellen, die irgendwann in quirlige Wechsel-Soli münden, und sich schließlich oft in surrenden Twins  vereinigen. Nicht zu vergessen, der engagierte, Charisma versprühende Gesang von Gage, der auch sporadisch immer wieder von Harmoniegesängen begleitet wird.

Erstaunlich ist es immer wieder, wie es manche Acts schaffen, das „Can’t You See“-Thema der Marshall Tucker Band aufzunehmen und gekonnt mit eigenen Ideen zu modifizieren. Hier geschehen, beim hevorragenden Titellied „Self Rich“ als auch bei „Nothing At All“.

Freunde von Instrumentalstücken nach Allman-/Gov’t Mulescher-Prägung können sich an Titeln wie „Long Way From Home“ (herrlich hallt hier die E-Gitarre durch den Pinienwald) und dem „Jamestown Jam“ laben (allerdings, von der Länge her, weniger ausufernd). Meine Favoriten sind neben den bereits erwähnten „Day By Day“ und „SelfRich“, noch das in Molly Hatchet-/Jackson Stone Band-Manier, deftig polternde „Bullseye“, das bluesige, in Gregg Allman-Tradition performte „The Minky Stinky Man“ und das verspielt E-Gitarrenlastig rockende „Set Up“ als Rausschmeißer.

Ich bin mir sicher, dass diese Scheibe ein durchweg positives, ja, sogar begeistertes Echo in der hiesigen Southern Rock-Szene hervorrufen wird. Deshalb sei in jedem Fall der Besuch der Big Pine Band-Homepage angeraten, wo man „SelfRich“ in Gänze, wenn auch nur am PC, antesten, beziehungsweise genießen kann. Die Erlangung des physikalischen Tonträgers unterliegt dann vermutlich allerdings, wie beschrieben, nur Gott und dem deutschen Zoll…

Eigenproduktion (2018)
Stil: Southern Rock

01. Day By Day
02. That’s The Way She Moves
03. SelRich
04. Suffered Too Long
05. Bullseye
06. Long Way From Home
07. Nothing At All
08. The Minky Stinky Man
09. Jamestown Jam
10. Set Up

The Big Pine Band
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Sons Of Bill – Oh God Ma’am – CD-Review

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Die musikalische Karriere von James Wilson, Sänger und Gitarrist der in Virginia beheimateten Band Sons Of Bill, war im vergangenen Sommer nach einer Handverletzung akut gefährdet. Aber zum Glück konnte er das ‚Handicap‘ gut auskurieren und damit auch die Erfolgsgeschichte der Band fortsetzen. Jetzt führen sie auf ihrem fünften Studioalbum das weiter, was The War On Drugs auf „A Deeper Understanding“ im letzten Jahr begonnen haben: eingängigen, melancholischen 80er Rock!

Aufgenommen in zwei Musikhauptstädten der USA: Seattle, „Quelle“ des Grunge und in der Country-Hochburg Nashville, haben sie sich mit Phil Ek (u.a. Fleet Foxes), Peter Katis (u.a. The National) und Sean Sullivan (u.a. Sturgil Simpson), erfahrene Produzenten an die Seite geholt. Auf dieser Platte entfernen sich die Virginia-Boys deutlich von den früheren Americana-Rock Klängen und flirten mit entspanntem Indie/Alternative Rock bis hin zu sphärischem Dream Pop und Ambient.

Sie selbst beschreiben den neuen Sound als Cinematic-Rock. Vergleichbar sind hier z.B. The Shins oder auch das aktuelle Jonathan Wilson (nicht verwandt mit den Bandmitgliedern!) Album „Rare Birds“.

Mittlerweile sind sie aus ihrer unbekümmerten Jugendphase rausgewachsen und legen ein reifes Werk vor, wie auch James Wilson anmerkt: „Wir hatten alle die Unschuld der Jugend verloren, jeder auf seine Weise, und in vielerlei Hinsicht ist diese Unschuld ein essentieller Teil davon, überhaupt in einer Band zu sein. Zu viel Realität ist der Tod für eine bestimmte Art der Kunst – besonders für Rockmusik.

Sie braucht eine gewisse infantile Grandiosität, den Mut zu ihren Illusionen und Träumen. Deshalb lieben wir sie ja so, und deshalb wird es immer schwieriger lebendige Musik zu schreiben, wenn man älter wird und die fiesen Nichtigkeiten des Alltags dir immer mehr den Blick versperren.“ Diese Lebenserfahrung mit leidenschaftlicher Begeisterung in ihren Songs zu verarbeiten, haben Sons Of Bill durchgehalten.

Der bittersüße Opener „Sweeter, Sadder, Farther Away“, das wunderschöne Duett „Easier“ mit der US-Amerikanischen Sängerin Molly Pardon oder das spärlich ausgestaltete „Old And Gray“, verdeutlichen diesen „Imagewandel“. Mit „Believer/Pretender“ gelingt der Band um die drei Wilson-Brüder, Bassist Seth Green und Drummer Todd Wellons eines der Lieder des Jahres, das durch seinen eindringlichen und anziehend-hypnotischen Rhythmus in jedem Jahrespoll einen Platz verdient hätte. Es sind die sehnsüchtigen Töne, die sie in „Firebird ʹ85“ oder „Where We Stand“ anschlagen und die den Longplayer so zu einem Hörerlebnis machen.

Nach dem starken Americana-Album „Love & Logic“ kommt mit Oh „God Maʹam“ ein gleichwertiger Nachfolger, voller Ideenreichtum. Der Stilwechsel vom unbeschwerten Heartland-Country-/Roots-Rock zu tiefgründigen Songs wurde perfekt gemeistert. So können die Sons Of Bill gerne weitermachen!

Loose Music (2018)
Stil: Alternative Rock

01. Sweeter, Sadder, Farther Away
02. Firebird ʹ85
03. Believer/Pretender
04. Easier (feat. Molly Pardon)
05. Where We Stand
06. Good Mourning (They Canʹt Break You Now)
07. Before The Fall
08. Green To Blue
09. Old and Gray
10. Signal Fade

Sons Of Bill
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Oktober Promotion

Jason Morton And The Chesapeake Sons – Same – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Um den Sprung ins große Musikbusiness zu starten, haben Jason Morton und seine Band sicherlich festgestellt, dass Nashville, Tennessee, der perfekte Ort hierfür ist. Die lange Country-Tradition hat diese Stadt nachhaltig geprägt und ist für viele aufstrebende Musiker, aufgrund zahlreicher Aufnahmestudios und Konzerthallen, seither noch ein Ort mit magischer Anziehungskraft, der ebenso Songwriter und Produzenten der erfolgreichen US-Amerikanischen Musikrichtung zusammenbringt und immer noch neue, kreative Sounds entstehen lässt.

Für Jason Morton, gebürtig aus Annapolis, Maryland, war Nashville dementsprechend die ideale Stadt, um das Southern-Rock Genre gehörig aufzumischen. Das Debütalbum der vierköpfigen Gruppe hat die dortigen Einflüsse, im Schmelztiegel von Country, Folk, Blues und Rock hörbar aufgesaugt und grenzt sich damit weitgehend von Hard- und Blues-Rock dominanten Southern-Groups, wie Black Stone Cherry oder ZZ Top ab und liebäugelt vielmehr mit melodischen Südstaaten-Rock-Harmonien im Stile Lynyrd Skynyrds oder der Allman Brothers Band.

Am besten ist das auf der gewaltigen Southern-Rock-Hymne „Southern Sound“ gelungen. Der Sieben-Minuten-Track ist die meistertaugliche Songwriting-Perle dieses Longplayers und knüpft fast nahtlos an altbekannte Southern-Hits an, wie z.B. „Sweet Home Alabama“, „Southern Accents“ oder „Ballad Of A Southern Man“. Aber bereits mit dem frischen und modernen Summer Song „Ride All Night“, nimmt uns die Gruppe auf einen spannenden Road-Trip mit. „Matacumbe“ glänzt hingegen mit einem ausgefallenen Schlussteil aus Karibik-Sound und Bläsersätzen und beweist, dass sich die US-Amerikaner auch problemlos in anderen Musikrichtungen wie zu Hause fühlen.

Das balladenartige „One More Night“ erfreut durch eingängigen Refrain, der auch als Stadion Track stimmungsvoll glänzt und geradezu einlädt, die Feuerzeuge hervorzuholen, um im Takt mitzuschwingen. Auf „Round The Corner“ rockt die Gitarre intensiv und auffallend durch den Song. Der frenetische Schrei von Jason leitet die Rock-Ballade „No Time“ ein und das Stück fasziniert in den nachwirkenden Schlussakkorden durch Chor-Gesang, impulsives Gitarrensolo und deutliche Streichersätze.

Die Southern-Rocker durften bereits als Opening Act für Slash oder den Country-Superstar Eric Church mitwirken und haben in Person von Will Edwards einen kongenialen Produzenten gefunden, der ihre Southern-, Blues-, Gospel- und Folk-Einflüsse exzellent zur Geltung kommen lässt.

Jason Morton And The Chesapeake Sons zeigen auf der, zehn Lieder umfassenden Scheibe eine beeindruckende Leistung und verlieren ihre Wurzeln als Working-Class-Band nicht aus den Augen, wie Frontmann Jason Morton anmerkt: „If you want to go get a thousand new fans, go shake a thousand hands“. Es ist zu hoffen, dass sie einen ähnlichen Weg einschlagen können, wie andere Nashville-Acts (z.B. Kings of Leon, The Cadillac Three oder Florida Georgia Line). Selten hat ein Debütalbum mehr überzeugt und begeistert!

Copperline Music Group (2018)
Stil: Southern Rock

01. Ride All Night
02. The Things Iʹve Done
03. Southern Sound
04. Matacumbe
05. I Knew
06. Before It Gets Better
07. One More Night
08. Mexico
09. Round The Corner
10. No Time

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Bärchen Records

Soul Return – 22.06.2018, Musiekcentrum De Bosuil, Weert – Konzertbericht

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Arbeitsteilung in Sounds Of South. Während Gernot Mangold den Gig von Captain Ivory in der Krefelder Kulturrampe alleine ’schulterte‘, besuchten  Jörg Schneider (nach gerade fertiggestelltem, neuen Domizil, wieder richtig heiß auf Livemusik) und ich, die noch recht frisch formierte Band Soul Return im niederländischen Musiekzentrum De Bosuil in Weert.

Für mich war es nach dem VoltageAuftritt, der zweite Besuch, für Jörg, der das CD-Debüt des Quartetts vor geraumer Zeit begeistert reviewt hatte, die Premiere. Die Holländer sind in Sachen Livemusik ein Phänomen. Freier Eintritt an einem Freitag Abend (!), die Location, die, wie wir schon damals  sehen konnten, wird variabel den Begebenheiten angepasst.

Diesmal war der hintere Bereich zu einer Art kleinen Kneipe mit Bühne umgestaltet, von den perfekten Lichtverhältnissen samt stetig varierender Bühnenbeleuchtung und dem brillanten Sound ganz zu schweigen. Dazu noch die perfekt funktionierenden Bewirtungsstrukturen mit einem freundlichen Personal, das wirklich ‚auf Zack‘ ist.

Nur die Publikumspräsenz spielte leider nicht mit. Knapp etwas über 30 Zuschauer fanden sich zum Europa-Debüt der Kalifornier ein. Diese wurden aber mit einer grandiosen Show für ihr Kommen belohnt. Kellie Rucker, ihr kongenialer Partner JJ Holiday (bekannt auch durch die Imperial Crowns) und die songdienliche Rhythmusfraktion, bestehend aus Michael Barsimanto und Dal Martino (auch Mitglied der deutschen Band Nighthawks), spielten so furios, als wenn das ganze Musiekcentrum aus allen Nähten geplatzt wäre. Tolle Einstellung!

Kein Soul, wie es der Name vielleicht suggeriert, sondern herrlich knarziger Blues Rock mit viel Seele und Southern-Esprit war angesagt. Im Fokus stand natürlich das komplett durchgespielte, neue Werk. Die kleine zierliche Kellie Rucker erwies sich als umso größere schwergewichtigere Shouterin mit grandiosem Gesang, ähnlich veranlagten Interpretinnen wie Sass Jordan, Eve Selis oder Kim Carnes in Nichts nachstehend, dazu mit toller Harp-Performance (sie hatte ein Riesenarsenal an Plustergeräten in einem Klappkoffer vor sich liegen), die – zumindest mir geht es bei diesem Instrument so – auch trotz ständigen Einsatzes, nie zu nerven begann.

Dazu kam ihre kommunikative, mitnehmende Art, die in eine unterhaltsame Tanzperformance im Publikum, zu der sie sich einen der anwesenden Männer geschnappt hatte, beim launigen „Talk To Me“ mündete. Begeisternd auch die Gitarrenkünste von JJ Holiday, der mit allen Techniken vertraut ist und hier, besonders im Slide-Bereich, Maßstäbe setzte. Einfach klasse!

So vergingen die beiden Sets mit Highlight-Stücken wie dem balladesken „Life Of Crime“, den deltabluesigen „FYI/Walking Blues“ und „Throwin‘ And Fumblin'“, dem Las Vegas-gewidmeten Song „Va Va Voom“ (herrlich fetter Sound am Ende), den atmosphärischen „Kiss Me“ und „Had We Not“, dem unterhaltsamen, bereits erwähnten Talk To Me“ und dem live, als finaler Track, noch besser zur Geltung kommenden „If Walls Could Talk“, wie im Zeitraffer.

Bei der fälligen Zugabe, dem Elmore James-Klassiker „Shake Your Moneymaker“, hatten sich dann die anwesenden Zuschauer komplett vor der Bühne versammelt und rockten zusammen mit den Soul Return-Musikern den Gig stimmungsvoll zu Ende.

Ein – von der Besucherresonanz abgesehen – sehr gelungener Auftakt des spielfreudigen Quartetts, dass leider nicht bei uns, sondern nur in den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Luxemburg zu sehen sein wird. Die äußerst sympathischen Kellie und JJ stellten aber eine Visite im nächsten Jahr in Aussicht. Jörg und ich traten schwer beeindruckt und froh über den guten ‚Riecher‘ die Rückreise in die heimischen Gefilde an. Bestnote für Soul Return!

Line-up:
Kellie Rucker (lead vocals, harp, percussion)
JJ Holiday (electric guitar, vocals)
Dal Martino (bass)
Michael Barsimanto (drums, vocals)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

Soul Return
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Captain Ivory- 22.06.2018, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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Am Tag der Mittsommerwende machten Captain Ivory Stop in der Kulturrampe in Krefeld. Im Gepäck hatten sie ihre neue, bisher nur auf der Tour erhältliche Platte „Hang Fire“, ihr mittlerweile drittes Werk. Um kurz nach Neun sagte Pille Peerlings, wie gewohnt, in der nun doch recht gut gefüllten Rampe, das Quartett aus Nashville an, das dann direkt mit dem Titelsong loslegte.

Die Vier starteten leicht psychedelisch, soulig, dazu mit Blueselementen, wobei das kraftvolle Gitarrenspiel von Jayson Traver und Robbie Bolog zunächst im Vordergrund stand und Bolog mit seinen energiegeladenen Soli begeistern konnte. Traver, der Fronter, war, neben dem Gesang, überwiegend für den Rhythmus zuständig, konnte jedoch aber auch sporadisch in den Soloparts, sein spielerisches Können unter Beweis stellen. Gesangstechnisch zeigte Jayson während des Konzertes alle Facetten: Von ruhig, fast melancholisch, bis hin zu kraftvollem, dem Blues verwandten, kehligen Gesang.

In manchen Passagen war auch eine gewisse Nähe zu den befreundeten Delta Saints zu erkennen, wobei Captain Ivory eine Spur härter rockend daherkommt. Neben den beiden genannten Protagonisten, seien aber auch Brett Smith am Bass und Russ Sternglass, der den eigentlichen Drummer Seth Maschari auf der Europatour ersetzt, zu erwähnen, die eine starke Rhythmusgrundlage bildeten, um so den beiden Gitarrenfreaks, genügend Freiraum für deren Aktionsradius zu geben. Dabei hatten beide auch eingestreute Soloparts, die vom Publikum mit dem verdienten Applaus, mehr als einmal, Anerkennung bekamen.

Traver moderierte schon ab dem ersten Stück, gut gelaunt durch die Stücke, sodass in Kombination mit der Spielfreude des Quartetts, der Funke auf das Krefelder Publikum, schnell übersprang. Es war bei den 15 gespielten Songs (aus allen Alben) keiner dabei, der ins Negative abfiel.

So rockten sich die vier jungen Musiker voller Energie durch Sachen wie u. a. „Curse Or Cure“, „Here You Are“ und „False Remedy“, um schließlich einen richtigen Kracher zu landen.

Der Billy Cobham-Covertrack „Stratus“, ein jazziger Fusion-Song, bei dem alle Musiker mit zum Teil ausladenden Soli das Publikum begeisterten, endete in einem infernalischen Ende, bei dem sich Traver und Bolog an den Gitarren, scheinbar von einem Solo zum nächsten jagten. Die Rampe bebte sprichwörtlich.

Nach dieser wilden Gitarrenschlacht, gab es mit „Six Minutes To Midnight“ von ihrem Debüt, ein, im Vergleich, eher ruhiges Lied, das aus mehrerlei Hinsicht, eines der Highlights des Abends war. Robbie Bolog hatte seine E-Gitarre gegen eine Slideguitar getauscht und es folgte ein Song mit leichtem Countryeinschlag, der vom Stil her, am ehesten dem klassischen ‚Nashville-Sound‘ verbunden war. Er begab sich währenddessen schließlich mitten in das begeisterte Publikum, um von dort weiter zuspielen.

Danach wurde noch einmal richtig Fahrt aufgenommen und nach etwa 100 Minuten schweißtreibenden Rocks, beendete Captain Ivory nach „Feelin‘ Allright“, (einem Titel, der nach dem Gig eindeutig mit ‚Ja‘ beantwortet werden konnte) und „Skinning The Hand“, den Hauptteil unter dem starken Applaus der Fans. Mit „Paper Town“ kam noch eine Zugabe, die sich das begeisterungsfähige Krefelder Publikum auch redlich verdient hatte.

Wie in der Rampe gewohnt, nahmen sich die Musiker nach dem Konzert wieder genügend Zeit zum Smalltalk mit den Fans, die eine großen Abend feiner Livemusik miterlebt hatten. Auch ein großer Dank an Pille und sein Team, für die freundliche Bewirtung und den wieder einmal tollen Sound in der Rampe.

An dieser Stelle sei auch ein Gespräch mit einem Kollegen erwähnt, der auf dem Guns ’n‘ Roses-Event letzte Woche war, das nach seiner Aussage wirklich gelungen war. Wenn man aber gut ausgesteuerte Musik haben will, ist das, was Malte Menzer in der Rampe zaubert, ‚gefühlt‘ eine Kategorie besser, als der Sound in einer Stahl-Beton-Arena mit geschlossenen Dach.

Auch die Nähe zur Band ist ein erheblicher Faktor, welcher immer wieder ein Highlight der ‚kleinen‘ Clubkonzerte ist. Es ist doch etwas anderes, einem Musiker quasi direkt auf die Hände zu schauen, als dies über Videoleinwände zu tun, wobei man die Akteure auf der Bühne von den meisten Plätzen mit bloßem Auge kaum erkennen kann.

Deshalb, wie immer, der Aufruf, die lokalen Liveclubs zu unterstützen, ohne die es viele der jetzt ‚großen‘ Bands niemals gegeben hätte.

Line-up:
Jayson Traver (lead vocals, electric guitar)
Robbie Bolog (electric guitar)
Brett Smith (bass)
Russ Sternglass (drums)

Bilder und Text: Gernot Mangold

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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

J.P. Soars – Southbound I-95 – CD-Review

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Wie schon öfter attestiert, freue ich mich immer, wenn ich mit der Nase auf neue Musik gestoßen werde. So geschehen bei dem in Kalifornien geborenen, in Arkansas aufgewachsenen und seit 1985 in Florida lebenden J.P. Soars, der jetzt mit „Southbound I-95“ sein bereits 4. Studio-Album veröffentlicht.

In seiner Vita wird ein ‚wildes‘ Konglomerat an Einflüssen benannt, die laut seiner eigenen Aussage von T-Bone Walker, Pete Fountain, Louis Armstrong, Guitar Slim, Muddy Waters, Howlin‘ Wolf bis zu Willie Nelson, George Jones, Tito Puente, Black Sabbath, Van Halen und Metallica reichen.

Das merkt man dann naturgemäß auch an dem mit 15 Tracks reichhaltig bestückten neuen Longplayer, wobei allerdings die der Heavy-Faktor der letztgenannten Bands allerdings keine Rolle spielt. Wir bewegen uns im Southern-soulig umwobenen Blues Rock-Bereich (mit vielen Bläser-Einlagen) der traditionellen Schule, der einem in etwa von Leuten wie Paul Thorn, JJ Grey, Josh Hoyer & Co. geläufig ist.

So ausgiebig wie die Trackliste ist auch die Anzahl der beteiligten Musiker, wobei sich neben dem Protagonisten J.P. Soars (lead vocals, guitars, bass), Chris Peet (drums, bass), Travis Colby (keys) und die starke Backgroundsängerin Teresa James, für die Hauptakzente verantwortlich zeigen.

Für kleine vereinzelte Farbtupfer sorgen Musiker wie Paul DesLauries mit schönem Slide-Solo beim Opener „Ain’t No Dania Beach“, der uns auch bestens bekannte Albert Castiglia mit Gast-Gesang und -E-Gitarrenspiel auf „Deep Down In Florida“, Lee Oskar mit tollem Harp-Solo bei „Across The Desert“ und Scott Ankrom mit jazziger Klarinetten-Einlage während „Go With The Flow“.

Mir gefällt es natürlich am meisten, wenn Soars Southern Rock-Ingredienzien, wie bei „Ain’t No Dania Beach“, der schönen Ballade „Shining Through The Dark“ oder dem, wie eine Mischung aus „Can’t You See“ und „Sweet Home Alabama“ daherkommenden „Troubled Waters“ (mit typischem Piano-Geklimper), miteinfließen lässt. Einzig allein über die Gesamtdauer etwas anstrengend ist sein etwas hölzerner, nörgelnder Gesang im Stile von Leuten wie John Hiatt oder Paul Thorn.

Trotzdem bewegt sich J.P. Soars mit „Southbound I-95“ eindeutig auf dem richtigen Highway. Sein neues Werk ist ein Beweis für mit viel Herzblut zelebrierte musikalische Leidenschaft. Wer einen hier eher unbekannten Musiker mal entdecken möchte, dürfte mit J.P. Soars eine gute Entscheidung treffen.

Soars High Productions (2018)
Stil: (Southern Soul) Blues Rock

01. Ain’t No Dania Beach
02. Sure As Hell Ain’t Foolin‘ Me
03. Southbound I-95
04. Shining Though The Dark
05. The Grass Ain’t Always Greener
06. Arkansas Porch Party
07. Satisfy My Soul
08. Born In California
09. When You Walk Out That Door
10. Deep Down In Florida
11. Across The Desert
12. Dog Catcher
13. Troubled Waters
14. Go With The Flow
15. Sure As Hell Ain’t Foolin‘ Me (Radio Edit)

J.P. Soars
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