Doyle Bramhall II – Shades – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Für den hiesigen musikalischen Mainstream ist der mittlerweile fast 50-jähhrige Doyle Bramhall ll eher einer Randerscheinung. Wer sich aber mit der Vita des amerikanischen Musikers genauer befasst, wird erkennen, dass Doyle durchaus als eine absolute Größe zu sehen ist.

Schon mit Anfang 20 begann seine musikalische Karriere mit den Arc Angels, wo seine Mitstreiter Chris Layton und Tommy Shannon alias Double Trouble keine geringeren als die damalige Rhythmussektion  von Stevie Ray Vaughan waren. Danach brachte Bramhall II zwei Soloalben auf den Markt und etliche namhafte Musikkoryphäen erkannten seine Qualitäten als Gitarrist, Songwriter, aber auch als Produzent.

So arbeitete er in verschiedenen Funktionen unter anderem für Sheryl Crow, Roger Waters, der Dereck Trucks Band, der Tedeschi Trucks Band, Gregg Allman und nicht zuletzt lange Zeit bei Eric Clapton mit. 2016 brachte er mit „Rich Man“ sein viertes Soloalbum heraus, welches von den Kritikern schon hochgelobt war.

Nun erscheint mit „Shades“ der Nachfolger, in dem Bramhall II wieder seine Klasse als Songwriter, Gitarrist und auch Sänger beweist. Die 12 Songs sind so vielfältig, wie die Stile der Musiker, mit denen er zusammen gearbeitet hat.

Als Einstieg in die Platte wählte der Texaner mit „Love And Pain“ einen psychedelisch angehauchten Rocksong, der in machen Phasen auch an David Bowie erinnert, und in dem er die Waffengewalt in den USA thematisiert, was ihn für mich, unabhängig von seiner Musik, in ein sehr positives Licht stellt. „Hammer Ring“ setzt die Art des Opener fort, wird aber in ein Gewand von härteren Gitarren gelegt.

Danach wird es etwas ruhiger und bei „Everything You Need“ kann sehr schön herausgehört werden, dass der Protagonist nicht umsonst jahrelang als die musikalisch rechte Hand Claptons galt, was nicht nur daran liegt, dass Mr. Slowhand selbst bei dieser sehr melodischen R&B-Nummer als Unterstützer mitwirkt.

„London To Tokyo“ fährt ähnlich fort, wobei dieser Track fast schon episch daherkommt. Ein Lied zum Träumen. Das bluesige Duett „Searching For Love“ mit Norah Jones als Gastmusikerin lässt Reminiszenzen an langsame Songs von Derek and the Dominos aufkommen.

Seine Kollegen von The Greyhounds aus Austin unterstützen ihn bei „Live Forever“, um den Zuhörer jäh aus seinen Phantasien zu reißen. Es wird schneller und rockiger. Die Gitarren werden „dreckiger“ gespielt, leichte psychedelische Züge sind wieder zu erkennen.

Mit „Break Apart To Mend“ wird es wieder ruhiger und DB2 reduziert die Begleitung auf das notwendigste, wobei ein Piano im Vordergrund steht und Gitarren nur vereinzelt im Hintergrund bemerkbar sind. Eine fast schon melancholische, aber wunderschöne Ballade, die dann mit einem virtuosen Gitarrensolo beendet wird.

Das folgende „She’ll Come Around“ eine bluesrockiges Midtempo-Stück, ähnelt in machen Passagen der Musik, als Jeff Lynne Größen wie George Harrisson produzierte, was sich auch bei „The Night“ fortsetzt.

„Parvanah“ unterbricht die vorherige Ruhe und musikalische Harmonie erneut. Es wird psychedelisch, zum Teil orientalische Einklänge und fast jazzige Züge zum Ende sind ein Alleinstellungsmerkmal auf diesem Album, ohne dass man den Eindruck hat, es wäre einfach dazugeschustert. In „Consciousness“ gelingt es Bramhall II verschiedenste Stile, vom Blues, über Americana, Folk, Pop oder Polka zu verschmelzen. Man ist überrascht, dass bei diesem Mix eine Harmonie gelingen kann.

Den Abschluss dieses großen Albums bildet eine bluesige Country-Southern-Nummer mit epischen Ausprägungen. „Going Going Gone“, eingespielt mit einer der zur Zeit größten amerikanischen Acts, der Tedeschi Trucks Band, kann fast schon als Hymne des Albums gesehen werden. Besonders beeindruckend die verschiedenen Soli, die zum Teil auch bei Pink Floyd gefallen würden. Diesen Song stelle ich mir in einer ‚Extended Version‘ als Hammerabschluss eines Livekonzertes vor.

Diese CD ist eine absolute Kaufempfehlung für Fans der Musik, an der Doyle Bramhall II mitgewirkt hat. Gespannt darf man sein, wie er diese Sachen live präsentieren wird. Er hat auf jedem Fall angekündigt, sich sehr zu freuen, sie für seine Fans auf der Bühne zu performen. Wenn dies der Fall ist, ist ein Besuch mit Sicherheit ein musikalischer Hochgenuss, was er schon bei seinem Dortmunder Konzert vor gut anderthalb Jahren bewiesen hatte.

Mascot Label Group (2018)
Stil: Rock & More

01. Love And Pain
02. Hammer Ring
03. Everything You Need
04. London To Tokyo
05. Searching For Love
06. Live Forever
07. Break Apart To Mend
08. She’ll Come Around
09. The Night
10. Parvanah
11. Consciousness
12. Going Going Gone

Doyle Bramhall II
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Netinfect Promotion

Colin James – Miles To Go – CD-Review

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Von Colin James besaß ich bis dato genau eine Scheibe und zwar „Fuse“ aus dem Jahr 2000. Ein heute immer noch zeitloses, durchgehend starkes Rock-Album, mit u. a. den zwei Killerballaden „Hated When I See You Cry“ und „Of All The Things To Throw Away“, das ich auch heute noch jedem Hörer guter Musik nur wärmstens empfehlen kann.

Warum ich mich mit dem aus Regina, Sasketchawan, stammenden Kanadier danach nicht weiter beschäftigt habe, ist mir teilweise selbst ein Rätsel, aber wohl größtenteils meinem schnelllebigen Rezensenten-Leben geschuldet. Wenn man aus irgendwelchen Gründen mit so manchen Künstler nicht wieder direkt konfrontiert wird, fällt er im Wust der ganzen heutigen Veröffentlichungen manchmal einfach durchs Raster, sollte er auch noch so einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben.

Mittlerweile sind jetzt fast 20 Jahre vergangen und da liegt vor kurzem tatsächlich ein neues Werk, des umtriebigen und vielseitigen Musikers in meinem Briefkasten. Der Beipackzettel offeriert mir, dass Colin sich in letzter Zeit altbekannter Blues-Recken verschrieben hat und dies schon auf seinem letzten Silberling „Blue Highways“, als auch jetzt, mit „Miles To Go“ ‚dokumentiert‘ hat.

Und so stammen „One More Mile“, das quasi als Center-Stück, den Longplayer in einer elektrischen und akustischen Version zu Anfang und Ende einrahmt, sowie „Still A Fool“  von einem gewissen McKinley Morganfield, Blues-Anhängern natürlich als Muddy Waters in Haut und Haare übergegangen.

Für die Instrumentierung auf seinem 19. Longplayer hat sich James, der natürlich singt und die elektrischen Gitarrenparts vornehmlich auf einer Gibson ES-335 eingespielt hat, Leute wie Geoff Hicks, Steve Pelletier, Jesse O’Brien, Chris Cadell, Steve Mariner (mit markanter Harmonica-Präsens), Jerry Cook, Rod Murray, The Sojourners (BGV), Colleen Rennison und Colin Nairne ins Studio geholt. Aus alten „Fuse“-Zeiten halten ihm auch heute noch Simon Kendall (Hammond Organ) und Steve Hiliam (Tenor Saxophone) die Treue.

Die neu arrangierten Tracks von damaligen Größen wie u. a. Howlin‘ Wolf, Blind Willie Johnson, John Mertis und Little Willie John (mit dem Southern Rock-Fans auch durch die Allman Brothers bestens bekannten „Need Your Love So Bad“)  oder Robert Johnson, haben ihren besonderen Reiz durch die wesentlich modernere und kräftigere Umsetzung  (teilweise mit zünftig plusternder Bläserfraktion) und Wirkung, auch natürlich dank heutiger technischer Aufnahmestandards.

Highlights für mich persönlich sind allerdings die beiden Stücke aus James‘ eigener Feder. Das slow-bluesige „I Will Remain“ eröffnet sofort Assoziationen an Peter Greens „In The Sky“-Comeback-Zeiten und „40 Light Years“ groovt leicht und lässig in bester J.J. Cale-Manier zu Stratocaster-Klängen vor sich hin.

Auch wenn mir persönlich, ehrlich gesagt, ein Colin James im „Fuse“-Stil etwas mehr zusagt, ist „Miles To Go“ doch ein Album, das im Blues-Kontext für sich gesehen, natürlich ein Klasse-Teil geworden ist und der geneigten Klientel bestens gefallen sollte. Bleibt zu hoffen, dass der Weg des Kanadiers noch viele musikalische Meilen beinhalten wird, und, sofern man mich hoffentlich mit der Nase drauf stößt, gerne dann auch wieder mit der einen oder anderen zukünftigen Rezension…

True North Records (2018)
Stil: Blues Rock

01. Miles To Go
02. Still A Fool
03. Dig Myself A Hole
04. I Will Remain
05. 40 Light Yeras
06. Ooh Baby Hold Me
07. Black Night
08. Soul Of A Man
09. See That My Grave Is Kept Clean
10. I Need Your Love So Bad
11. Miles To Go (Acoustic version)

Colin James
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Rich Webb – Le Rayon Vert – CD-Review

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Review: Michael Segets

Das Video zur ersten Single „Let It Rain” des Albums „Le Rayon Vert” von Rich Webb zeigt ein Konzert der besonderen Art. Auf alle Fälle machte es mich neugierig und Netinfect Promotion sendete mir ein Bemusterungsexemplar der CD.

Der genannte Rocksong eröffnet dann auch scheppernd mit einer Prise Garage, trockener Gitarre und coolem Gesang die Scheibe. Er ist das Highlight des Albums. Das Tempo der meisten Tracks ist langsam oder im mittleren Bereich angesiedelt und hält nicht die Power des Openers. Dafür überrascht Rich Webb mit schönen Melodien sowie mit Varianten im Songwriting und in der Instrumentalisierung.

„Stray Horse Canyon” ist so ein Song, der zunächst einfach anfängt, dann aber durch ein unerwartetes Saxophon mit Hörgewohnheiten bricht. Jon Webb spielt das Instrument und auch sonst bindet Rich Webb seine Familie beispielsweise im Background gelegentlich ein. Sein älterer Bruder David Eugene Webb ist der ständige Drummer der Band.

Die gelungenen Balladen „Our Love, It Don’t Live Here Anymore“ und „Letter To My Replacement (Whoever That My Be)” verzichten auf große Experimente. Sehr schön sind dabei die Akzente, die die E-Gitarren, die Percussion oder die Orgel setzen. Die Arbeit an den Tasteninstrumenten und Gitarren teilen sich Rich Webb und Phil Wakeman. Fest zur Band gehört zudem Bassist George-Savva Georgiou.

Beinah sphärische Klänge, Disharmonien und Brüche in der Melodie rückt „Stoner“ in Independent-Regionen. Mit dem sechs Minuten dauernden Stück kann ich mich nicht so recht anfreunden. Ähnlich geht es mir mit dem Ende von „Me And My Horse Trigger“. Der Track gipfelt in ein seltsamen Miteinander von Klavier, Bläsern und Percussion. Nahtlos geht der anfänglich gut hörbare Song in „The Good Life“ über. Auf diesem Titel, bei dem Webb einen Weg in Richtung Jazz einschlägt, dominiert das Piano und ein auffälliger Backgroundgesang.

Das kurze „The So Called Earl ( ) Palmer” kommt instrumental im dynamischen Big-Band-Sound daher. „Come Home Baby, Get A Job” ist über weite Teile ein sehr schönes Stück, dann baut Webb aber ein Akkordeon ein, das einen Dreivierteltackt aufnimmt und etwas von Zirkus- oder Karussell-Musik hat.

Mehrmals entziehen sich die Kompositionen der eindeutigen Klassifizierung. Von der Grundanlage sind die meisten Songs dem Americana zuzuordnen. Rich Webb greift darüber hinaus auf Elemente anderer Musikrichtungen zurück. Vielleicht gewinnen die musikalischen Innovationen nach mehrmaligen Hören, aber jemand wie ich, der sich für eher gradlinige Musik begeistert, wird wohl die Tracks lediglich in Auswahl hören.

Zu den Songs, die für mich und die meisten SoS-Leser wahrscheinlich passen, zählen die Coverversion von „Shaggy Dad“, die mit einer gehörigen Portion Twang und Slide-Guitar-Begleitung überzeugt, und „Shenandoah“. Der Song mit Violine, Banjo, Mandoline und Trommelwirbeln trifft sicherlich ins Herz der Americana-Fangemeinde.

Leuten, denen reine Americana-Musik musikalisch zu langweilig ist, sollten in das fünfte Album von Rich Webb herein hören. Es bietet für sie vielleicht interessante Varianten und Ausflüge in andere Genres. Aber auch diejenigen, die sie lieber traditionell mögen, werden auf „Le Rayon Vert“ fündig.

Rich Webb nahm „Le Rayon Vert“ in Frankreich und Deutschland auf. Der Australier holte ich als Mitproduzenten Howard Bargroff (Frankie Goes To Hollywood, Grace Jones) ins Boot. Das Mastering wurde von Pete Lyman (Tom Waits, Ben Harper, Chris Stapleton) übernommen.

Zu vermuten ist, dass die experimentellen Klänge bei Konzerten stärker in den Hintergrund treten. Da Rich Webb im Oktober durch Deutschland und die Schweiz tourt, kann man sich vor Ort ein Bild davon machen, ob meine Spekulation zutrifft.

All Killer Music (2018)
Stil: Americana and more

Tracks:
01. Let It Rain
02. Stray Horse Canyon
03. Our Love, It Don’t Live Here Anymore
04. Letter To My Replacement (Whoever That My Be)
05. Stoner
06. The So Called Earl ( ) Palmer
07. Shaggy Dad
08. Come Home Baby, Get A Job
09. Shenandoah
10. Me And My Horse Trigger
11. The Good Life

Rich Webb
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Netinfect
All Killer Music

Layla Zoe – Gemini – CD Review

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Review: Jörg Schneider

Wer Layla Zoe schon mal live auf der Bühne erlebt hat, weiß mit welcher Power und Hingabe sie ihre Songs zusammen mit ihrem langjährigen Gitarristen Jan Laacks performt. Dort fühlt sie sich zu Hause und genießt den direkten Kontakt zum Publikum. Da wundert es auch nicht, dass die Studioarbeit nach eigenem Bekunden nicht zu ihren Präferenzen zählt. Für sie war es daher naheliegend, wieder an ihre frühere Zeit als Independent-Künstlerin anzuknüpfen, um der Enge eines von Plattenfirmen vorgegeben Aufnahme-Locations zu entkommen.

Daher war ihr Entschluss, eine Platte ganz ohne künstlerische Zwänge zusammen mit Jan Laacks in Eigenverantwortung einzuspielen und von ihrem Gitarristen produzieren zu lassen, nur eine Frage der Zeit. Die so gewonnene Freiheit gab ihr jetzt die Möglichkeit ihre Kreativität ohne Einschränkungen auszuleben. So ist nun ihr 13. Album entstanden, welches am 5. Oktober in die Läden kommt.

Zwillingen sagt man ja nach, dass sie zwei Seelen in ihrer Brust beherbergen, was ich als geborener Zwilling voll und ganz bestätigen kann 🙂 … Und natürlich trifft dies auch auch auf Layla Zoe zu, schließlich hat sie am 26. Mai das Licht der Welt unter dem Sternkreiszeichen des Zwillings erblickt.

Wohl deshalb zeigt „Gemini“, so ist ihr neues Werk betitelt, zwei völlig unterschiedliche musikalische Seiten ihrer Persönlichkeit, insgesamt 20 Tracks auf zwei Discs. Sogar das schicke, in rot gehaltene Albumcover orientiert sich grafisch am Zwillingsdasein und baut eine weitere Brücke zur rothaarigen Layla Zoe, dem Firegirl.

Auf der ersten CD des Doppelalbums kehrt Layla Zoe zu ihren Wurzeln zurück, um die zarte und zerbrechliche Seite ihrer Stimme zu zeigen. Treffender Weise heißt die CD dann auch „Fragility“. Es ist in weiten Teilen eine Hommage an den Delta-Blues mit Jan Laacks an der Akustikgitarre der diesen mit schönen Slide-Einlagen („I’ll Be Reborn Blues“, „Turn This Into Gold“, „The Deeper They Bury Me“ „The Good Life“ und „Freedom Flowers“) verfeinert.

Ebenfalls hörenswert sind das ruhige, dahinplätschernde und folkmäßig angehauchte „I Can’t Imagine My Life Without You“, sowie das tranceartige „Mumbai“ mit Weltmusik-Anleihen. Auf dem letzten Stück der ersten Scheibe „Rainbow Pacman And Unicorns“, einem Song mit Schmetterlinge-im-Bauch-Feeling, wird Layla von Jan Laacks nur an der Ukulele begleitet, einfach toll.

Im krassen Gegensatz dazu steht die zweite CD „Courage“. Hier gibt sich Layla Zoe der elektrischen Seite Ihrer Seele hin. Die überwiegend hammerharten Stücke bieten straighte Gitarrenriffs und kommen für Laylas Verhältnisse äußerst rockig, heavy und basslastig daher, immer getragen von ihrer kraftvollen, teils rauen, Stimme.

Eine wohltuende Abwechslung bieten auf der zweiten CD die sehr schöne, melodiöse Ballade „Roses And Lavender und der Slowblues „Are You Still Alive Inside“. Mit „Little Sister“, einem sehr persönlichen Song, setzt die Protagonisten dann zum Abschluss noch mal einen hoffnungsvollen, ja geradezu glücklichen Akzent.

Ursprünglich hatte ich eigentlich in musikalischer Hinsicht nicht allzuviel Neues von Layla Zoe’s 13. Album erwartet. Umso überraschter war ich dann, nachdem ich „Fagility“ gehört hatte. Zeigt diese Scheibe doch eine Seite von Layla Zoe, die in dieser eindringlichen Form von ihr bisher nicht wirklich oft zu hören war.

Von beiden Gemini-CD’s ist „Fragility“ nach meinem Empfinden eindeutig die bessere Hälfte des Doubleplayers. Allein wegen dieser Scheibe lohnt der Kauf, die ‚elektrische‘ Layla Zoe gibt’s dann als zweite CD gratis dazu.

Und last, but not least, darf auch das Zutun von Jan Laacks nicht vergessen werden. Er ist ein Ausnahmegitarrist, der hier wie so oft seine Talente an der Akustik- und Stromgitarre, ebenso wie an der Ukulele, unter Beweis stellt. Ohne ihn wäre das Album nicht das, was es ist. Laacks und Zoe sind halt ein seit Jahren perfekt eingespieltes Team.

Line up:
Layla Zoe – lead vocals, harmonica, back up vocals
Claus Schulte – drums on tracks 1-3 und 2-10
Dirk Sengotta – drums on all other tracks
Jan Laacks – all other instruments and back up vocals

Eigenproduktion (2018)
Stil: Blues/Rock

Tracks CD 1: „Fragility“
01. She Didn’t Believe
02. I’ll Be Reborn Blues
03. Turn This Into Gold
04. The Deeper They Bury Me
05. Mumbai
06. The Good Live
07. I Can’t Imagine My Life Without You
08. Freedom Flowers
09. Let Go
10. Rainbow Pacman And Unicorns

Tracks CD 2: „Courage“
01. Wellness
02. Dark World
03. Ghost Train
04. Bitch With The Head Of Red
05. Gemini
06. Roses And Lavender
07. White Dog
08. Automatik Gun
09. Are You Still Alive Inside
10. Little Sister

Layla Zoe
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Rachelle Coba – Blink – CD-Review

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In der Blues-Szene sind weibliche Singer/Songwriter seit jeher eine Ausnahmeerscheinung, die nach wie vor im breiten Spektrum dieser traditionell von Männern besetzten Domäne oft viel zu wenig Beachtung finden.

Rachelle Coba gehört zu den wenigen, die den schwierigen Schritt in dieses Genre gewagt haben. Nach ihrer ersten Platte „Mother Blues“ (2014) und einer Nominierung für das beste Debüt bei den Blues Bast Music Awards, hat sie sich für den Nachfolger Zeit gelassen und diese Phase kreativ-schöpferisch genutzt. Die Folge daraus war schließlich, dass sie alle Songs auf „Blink“ eigenhändig geschrieben hat und damit ihr ausgereiftes Songwriter-Talent unter Beweis stellt.

Der Blitz-Start durch den blues-rockigen Opener „High and Dry“ fesselt sofort mit Rachelles Gitarrenspiel und den riff-artigen Keyboardakkorden von John Ginty und kommt überhaupt nicht so trocken rüber, wie der Titel vielleicht vermuten lässt. Das Delta Blues Stück „River of Blood“ ist hingegen minimal instrumentalisiert und legt den Fokus auf Rachelles vielseitiges Stimmvermögen. Im melodischen Titelstück „Blink“ gibt es im schönen Refrain angenehme Ausflüge in Pop-Sphären und den Wechsel in eine eher feinere Stimmlage.

Die ruhigeren und verspielten Stücke „Dance These Blues Away“, „You Stole My Heart“ oder “Maybe“ aber auch die impulsiveren Songs „No Deals“ und „Bad Reputation“ leben von Rachelle Cobas wandelbarem Gesangsstil, der perfekt auf das Blues-Rock Genre zugeschnitten scheint. Sowohl den Slow-Blues beherrscht sie („Blame It On The Blues“), als auch das Zusammenspiel mit der schroffen Gitarre („Shuffle Ya“).

Rachelle Coba gelingt es stets in brillanter Art und Weise zum einen mit ihren souveränen Vocal-Parts zu glänzen und zum anderen ihre Gitarre stilsicher ’sprechen‘ zu lassen – was sie z. B. von einer anderen Power-Blues-Frau, wie Beth Hart unterscheidet, die vorwiegend über ihre Stimme das Publikum erreicht. Am nächsten kommt Rachelle Coba noch der Texanerin Dede Priest, die ihre Stimme und ihren Gitarrenstil ebenso gut kombiniert.

Rachelle Coba ist ein beeindruckende Blues-Musikerin, die stimmgewaltig eine berauschende Langzeitwirkung entstehen lässt und mit ihrer zweiten Platte eine Bestätigung ihres Könnens demonstriert. „Blink“ ist nicht nur ein kurzes Blinzeln und eine Momentaufnahme der Bluesgeschichte, sondern eine spannende Reise durch die Landschaft der Bluesmusik.

American Showplace Music (2018)
Stil: Blues

Tracklist:
01. High and Dry
02. Dance These Blues Away
03. Good Ole Heartbreak
04. No Deals
05. River of Blood
06. Blink
07. Bad Reputation
08. You Stole My Heart
09. Shuffle Ya
10. Maybe
11. Blame It On the Blues

Rachelle Coba
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Dirt River Radio – 21.09.2018, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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Die australische Band Dirt River Radio spielte nach ihrem furiosen 2016er-Auftritt in diesem Jahr wieder in der sehr gut gefüllten Kulturrampe. Im Gepäck hatten sie den gerade erschienen Longplayer „Just For Kicks“. Nicht dabei allerdings Sänger und Gitarrist Danger Alexander und Sängerin Sarah Fagan, was im Vorfeld aber schon bekannt war.

Es kann vorab aber schon gesagt werden, dass der Rest der Band das Fehlen der beiden Protagonisten sehr gut kompensierte. Da die Gesangsparts auf alle Vier verteilt wurden, gab es  in dieser Hinsicht sehr viel Abwechslungsreichtum zu vermelden. Die zweite Gitarre wurde natürlich etwas vermisst und hätte den Sound etwas komplexer machen können.

Mit der akademischen Viertelstunde Verspätung stellte Pille Peerlings die Band kurz vor und um 21.15 begann der erste Set mit „Chase The Sun“ vom 2010er Werk „Beer Bottle Poetry“, das zusammen mit den aktuellen Album „Just For Kicks“ die meisten Songs stellte. Das Quartett nahm mit dieser rasanten Country-Rock’n’Roll-Nummer direkt das Publikum mit.

Heath Brady moderierte nun fast jeden Song mit einer kleinen Anekdote an, wobei sich aber auch die anderen Bandmitglieder immer wieder humorvoll einbrachten. Zur Belustigung des Publikums machte Sarah Fagan öfters mal mit einem Augenblinzeln eine Bemerkung in seine Richtung, dass er nur Geschichten erzählt.

Mit „Kill Everyone In The Room“ folgte dann direkt der Opener des aktuellen Albums, wobei der Titel auch als Metapher für das Konzert gesehen werden konnte, zumindest, wenn was die Dynamik der Songs angeht.

Im folgenden reichten sich Country-umwehte Midtempotracks wie „Broken English Girs“ oder „Blackhearted“ mit southernlastigen Songs wie „Devil On The Road“ und Stücken wie „I’ll Be The One“, bei dem durchaus zu erkennen war, dass CCR zu den Bands gehört, welche die Musik von Dirt River Radio beeinflussen, die Klinke in die Hand. Mit dem rockenden „Dangerous“, auch vom neuen Silberling, wurde dann der erste knapp 50 minütige Set unter dem Applaus der Anwesenden beendet.

Nach etwa 20 Minuten Pause begann dann das zweite Set mit dem ruhigen country-southern-mäßigen „Black Eyed Mondays“ vom 17er-Album „Sun City White“. Brady trug nun seine Mähne für ein paar Songs offen und hätte so auch in die Hippie-Woodstock-Ära gepasst. Mit „Kiss Of The Year“ gab es eine brandneue Nummer.

Nachdem Brady sich über die fragwürdige Qualität amerikanischen Biers ausgelassen hatte, folgte selbstredend die  Ballade „American Beer“, einer der stärksten Songs des Konzertes, wobei es schwer fällt, einen explizit hervorzuheben, da es keinen, nennen wir es einmal so, unnötigen Lückenfüller gab.

Nach „The River“ erzählte Brady von einem Erlebnis im Himalaya und Freundschaften, die auch zu Ende gehen können, um dies in der Countryballade „All My Friends“ dann entsprechend charismatisch zu vertonen. Nachdem er im Anschluss seine Neutralität in Sachen Fußball zur Sprache gebracht hatte, präsentierten die Vier das starke „Public Bar“.

Kurz danach kam dann bei einer zunächst sehr slow beginnenden Version von „Proud Mary“ der große Auftritt von Kellie Fernando, die stimmgewaltig das dann immer rasanter werdende Stück intonierte.

Mit „Coooksucking Blues“, einem Hard Rock-Song, in dem Elemente von AC/DC und Led Zeppelin zu erkennen waren, beendeten Dirt River Radio in furioser Manier das Konzert, um nach kurzer Zeit für zwei Zugaben die Bühne wieder zu betreten (welche sie aber eigentlich gar nicht richtig verlassen hatten).

Eine dieser war das schmalzige, mit viel Humor gebotenen Cover „Unchained Melody“ von den Righteous Brothers. Nach knapp zwei Stunden war dann der Gig, aber nicht der Arbeitstag der Band endgültig vorbei, denn die vier Australier nahmen sich noch ausgiebig Zeit,  mit den Fans in der Kneipe der Kulturrampe Smalltalk zu halten.

Ein Dank geht wie immer an das freundliche Team der Rampe, aber auch an Manny Montana von Teenage Head Music, der diese Band wieder nach Krefeld gebracht hat und es sich nicht nehmen ließ einer seiner Lieblingslocations einen Besuch abzustatten.

Wer eine authentische Band mit Rock-, Country- und Southern-Einflüssen erleben will, wird bei einem Dirt River Radio-Konzert mit Sicherheit auf seine Kosten kommen.

Line-up:
Heath Brady – Vocals, Guitar
Matt Bray – Drums, Vocals
Anthony Casey – Bass, Vocals
Kellie Fernando – Vocals, Percussion

Text und Bilder: Gernot Mangold

Dirt River Radio
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Carrie Underwood – Cry Pretty – CD-Review

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CUSounds Of South-Redakteuren geht ja der Ruf voraus, mental gefestigte, an der Sache orientierte Menschen zu sein. Beim Blick auf den Promo-Begleitzettel zu Carrie Underwoods neuem Werk „Cry Pretty“ weckte bei mir, zugegeben,  allerdings nicht, wie gewohnt, zuerst der Text mit den dazugehörigen Album-Informationen mein Interesse, sondern das große, integrierte Foto der langmähnigen blonden Künstlerin. Mann-o-Mann, ist das ein hübsches Mädel…!

Gut, die Sturm- und Drangzeit ist bei einem in unserem Alter schon lange vorüber. Dass der Zahn der Zeit an einem genagt hat (sofern man den Blick in den Spiegel ignoriert hat), merkt man dann relativ schnell, spätestens, wenn man sich über die involvierten Musiker in den Liner-Notes des Booklets informieren möchte. Da ist ohne Lesebrille oder Zuhilfenahme eines Vergrößerungsglases absolut Schicht im Schacht.

Apropos Musiker: Da ist hier natürlich bei der Einspielung mit Leuten wie u. a. Chris McHugh, Jimmy Lee Sloas, Tom Bukovac, Rob McNelly, Danny Radar, Dan Dugmore, Charlie Judge, Ilya Toshinsky & Co. die Crème de la Crème der Nashville-Studio-Musiker-Riege vertreten und trägt samt der Produktion des ebenfalls instrumentell und kreativ involvierten David Garcia zum starken und hochwertigen Klangbild der Stücke bei.

Auch unter den Songwritern befinden sich mit Hillary Lindsay, Tom Douglas, Brett James und Chris DeStefano Leute, bei denen man eine Hitgarantie quasi mitbucht. Lobend muss hier erwähnt werden, dass Carrie satte 9 von 13 Tracks mitgeschrieben hat.

Die CD beginnt direkt mit dem Titellied, einer schönen Powerballade (klasse E-Gitarren-Solo). Wenn hier vier tolle Damen wie Carrie Underwood, Hillary Lindsay, Liz Rose und Lori McKenna was ausklamüsern, muss das eigentlich gut werden. Toller Einstieg!

Für die Wahrung der Country-Etikettierung sorgen in erster Line die Herren Dan Dugmore, Steve Hinson mit Steel- und Ilya Toshinsky samt Bouzouki-, Banjo- und Dobro-Einlagen bei Songs wie „Ghosts In The Stereo“, „Low“, „Drinking Alone“, „The Bullet“ oder dem überwiegend Piano- und Cello-lastigen „Spinning Bottles“.

Ansonsten gilt hier wohl überwiegend bei der Pop- und R&B-Klientel von Damen wie Rihanna, Beyoncé oder Mariah Carey mal vorstellig zu werden. Gipfeln tut es in dem eigentlich keineswegs schlechten Song „The Champion“ als abschließendes Duett mit Rapper Ludacris, der hier seine Sprecheinlagen zum Besten gibt. Diese Stücke leben dann in erster Linie von ihrer Melodik, der versierten Instrumentierung und dem in allen Bereichen starken, immer emotional wirkenden Gesang der Protagonistin.

Am Ende gefallen mir das atmosphärische „Low“ und der flippige ‚Gute-Laune-Song‘ „Southbound“ (klasse Bariton-E-Gitarren-Solo) mit am besten.

Also insgesamt, kein Grund für PETA’s World’s Sexiest Vegetarian von 2007 (was für ein Titel!) in Sachen ihrer neuen CD „Cry Pretty“, zu jammern oder auf Heulsuse zu machen. Das Album wird von kommerziellem Erfolg begleitet werden. Hitpotential ist mehr als genug vorhanden. Trotz der offensichtlichen Avancen in Richtung Pop/R&B bleibt die ehemalige American Idol-Queen, insgesamt noch dem (New) Country verbunden. Und, was das zu Anfang erwähnte rein Äußerliche betrifft, bleibt für mich nur anzumerken: Nie war Weinerei schöner anzusehen, ähm anzuhören…!

Capitol Records Nashville (2018)
Stil: New Country (Pop)

01. Cry Pretty
02. Ghosts On The Stereo
03. Low
04. Backsliding
05. Southbound
06. That Song That We Used To Make Love To
07. Drinking Alone
08. The Bullet
09. Spinning Bottles
10. Love Wins
11. End Up With You
12. Kingdom
13. The Champion (feat. Ludacris)

Carrie Underwood
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Universal Music Deutschland

Blues Caravan – 2018 – CD-/DVD-Review

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Review: Gernot Mangold

Der Blues Caravan von Ruf Records kann mittlerweile als eine Institution gesehen werden, bei der jährlich drei Bluesmusiker gemeinsam einen Abend gestalten. Somit ist eine Abgrenzung zu den ‚klassischen‘ Festivals zu erkennen. Jeder Akteur hat die Möglichkeit, eigene Songs zu performen, wobei immer wieder auch andere Künstler dazu stoßen können  oder alle gemeinsam zu einer Einheit verschmelzen.

Bisher war es so, dass drei aufstrebenden Bluesmusikern die Möglichkeit gewährt wurde, sich einem größerem Publikum zu zeigen und so ihren Bekanntheitsgrad zu steigern.

In diesem Jahr ist Thomas Ruf von dieser Tradition abgewichen und hat mit Mike Zito und Bernard Allison zwei musikalische Schwergewichte der Bluesszene in den Caravan gesteckt und ihnen mit der Kroatin Vanja Sky eine noch junge Bluesmusikerin zur Seite gestellt.

Grund dafür ist vermutlich, dass Ruf mit Luther Allison 1984 in das Bluesgeschäft einstiegen war und sich dieses Jahr der Tod von Luther zum 20ten Mal jährt.

Soviel zu Vorgeschichte über das Projekt Blues Caravan 2018. Im Frühjahr 2018 gaben die drei Protagonisten auch in Dortmund ein begeisterndes Konzert, über welches wir berichteten.

Es kann vorweg genommen werden, dass sich die Eindrücke aus der westfälischen Metropole, auch auf dem Package, bestehend aus CD und DVD, gut wiedergegeben werden. Auf der DVD wird den Musikern bei vielen Nahaufnahmen schön auf die Finger geschaut, aber meist eine Perspektive gewählt, als stände man in einer der ersten Reihe vor der Bühne. Auf unnötigen technischen Aufnahme-Schnickschnack wird lobenswerterweise verzichtet.

Die Aufnahmen sind chronologisch zum realen Ablauf des Konzertes so gewählt, dass alle drei, unabhängig vom Bekanntheitsgrad, mit der selben Zahl von Stücken auf der DVD und auch der CD zu finden sind. Ausnahme ist die Begleitband, bestehend aus Roger Inniss am Bass und Mario Dawson an den Drums, die den Set durchspielen und auch visuell immer wieder in Szene gesetzt werden.

Nach einleitenden Worten von Thomas Ruf und der Vorstellung der Künstler spielen alle drei zusammen, wie könnte es passender sein, mit „Low Down Dirty“ einen Luther Allison-Klassiker. Die wechselnden Gesangsparts von Mike Zito, Vanja Sky und Bernard Allison geben dem Song dabei einen besonderen Charme und alle drei wissen in den Soloparts mit ihrer Fingerfertigkeit zu brillieren.

Die folgenden vier Songs, alle aus dem Soloalbum „Bad Penny“ von Vanja Sky, läuten einen bluesrock`n`rollenden Teil des Konzertes ein. Unschwer ist zu erkennen, dass Rory Gallagher und Stevie Ray Vaughan musikalische Vorbilder der jungen Kroatin sind. Alle vorgetragenen Tracks sind von einem kraftvollen, fast schon hard rockenden, aber immer sehr melodischen Blues geprägt und Sky zeigt ihre vielfältigen Spieltechniken. Dabei beweist sie im Einklang mit ihrer prägnanten Stimme, dass sie durchaus das Zeug hat, bedeutender Bestandteil der aufstrebenden weiblichen Blues-Szene zu werden.

Hier Songs fällt kein Stück ab. Beim kraftvollen „Crossroads Of Life“ offeriert sie ihre jammenden Qualitäten, in „Married Man“, mit Unterstützung vom slidenden Mike Zito, dass sie auch ruhig und gefühlvoll kann. Der erste Gitarrenanschlag ihres letzten Songs reicht, und der Bluesfan weiß, was kommt: Eine kraftvolle Coverversion des Titelsongs ihres Albums „Bad Penny“. Auch eine entsprechende weibliche Stimme kann also zur Musik von Rory Gallagher ganz gut passen.

Die nächsten vier folgenden Tracks gehören Mike Zito, der schon in seiner Ansage ankündigt, was den Zuhörer erwartet. Blues mit texanischen und damit auch einhergehenden Southern-Einflüssen. Ein sehr schöner Kontrast zum etwas raueren Part von Sky. Bei „One More Train“ legt Mike die Latte schon im ersten seiner Songs hoch. Sehr schön kommt die klare Stimme Zitos zum Tragen und ein sichtlich gut gelaunter Musiker lässt Blues und Southern Rock miteinander verschmelzen. Er glänzt mit gefühlvollen Soli an seiner mit dem Peace-Symbol verzierten Gitarre.

Die hier auf der DVD widergespiegelte friedvolle Stimmung könnte mit Sicherheit auch der Welt gut tun. Das folgende „Keep Coming Back“ steht im Zeichen seiner Stärke als einer der besten Slidegitarristen. Mit „Wasted Time“ folgt ein klassischer Bluestrack, gespickt mit texanischen Rock-Elementen. „Make Blues Not War“ von seiner gleichnamigen Platte aus 2016 ist sein letzter Song, der in der Tradition des Blues, sowohl als Programm für das Konzert, als auch als Botschaft an die Menschheit gesehen werden kann.

Nach einem kurzen Break, der bei der Aufnahme durch den Übergang deutlich wird, setzt Bernard Allison die Show fort. Mit „In The Open“ vom 1997 Album „Keepin‘ The Blues Alive“ bringt er zunächst ein Instrumental, das direkt seine Qualitäten an der Gitarre in den Mittelpunkt stellt.

Mit „Rocket 88“ folgt ein Coverstück, das vielfach als eines der ersten im Rock’n’Roll gilt und Anfang der 50er Jahre von Ike Turners Band Kings Of Rhythm unter dem Pseudonym Jackie Brenston And His Delta Cats genutzt wurde.

Allison interpretiert den Song rau und mit furiosen Soli. „The Way Love Was Meant To Be“, eine sehr schöne, 1997 selbst geschriebene, melodisch-ruhige Nummer, wird in ihrer leichten Melancholie nur von mehreren Soli, dann aber jäh, unterbrochen.

Zum Abschluss seines Soloparts lässt Allison im Instrumental „Testify“ noch einmal seine ganze Klasse an seinem Paradeinstrument raus – ganz im Sinne der geerbten musikalischen Gene seines Vaters.

Danach sitzen die Musiker wieder in einem Boot oder besser gesagt, in einem Caravan. Mike Zito stößt im nächsten Lied dazu, um danach auch Vanja Sky wieder miteinzubinden. Zito und Allison würdigen im Medley „Bad News Is Coming“ und „Bad Love“ die beiden Bluesgrößen Luther Allison und Eric Clapton.

Überhaupt stehen die gemeinsamen Songs im Zeichen von Luther Allison. Bei einer knackigen Version von „Life Is A Bitch“ haben alle drei Künstler sowohl ihren stimmlichen wie instrumentalen Anteil, wodurch der Song eine ganz eigene, Strahlkraft bekommt.

Stilistisch zieht sich dieser wechslende Gesang auch durch die folgenden , „Move From The Hood“, „Serious (As A Heartattack)“, einer melancholischen Version des Stückes, das Bernard Allison in seiner Ansage seinem Vater widmet und „Give Me Back My Wig“, welches anfangs fast hymnisch den Abschluß einer gelungenen DVD bildet, um im weiteren Verlauf noch einmal in einer Mischung aus Rock’n’Roll und Blues mit mehreren Gitarrenduellen, inclusive Bass zu enden.

Als Fazit kann gesagt werden, dass Ruf Records mit der DVD/CD zum Bluescaravan 2018 eine, auch in der Songauswahl vortreffliche Kompilation zur Tour gelungen ist, die in der Sammlung eines Bluesfans nicht fehlen sollte, da hier auf einer Scheibe drei sehr unterschiedliche Künstler, verschiedene Arten des Blues miteinander verschmelzen lassen.

Auch nach Veröffentlichung des Packages wird der Blues Caravan mit mehreren Konzerten in Europa, auch in den Niederlanden fortgesetzt und der geneigte Fan hat noch einmal die Möglichkeit diese Spitzenzusammensetzung live zu erleben und sich eventuell einen erstandenen Silberling unterzeichnen zu lassen. In dem Zusammenhang macht es mich persönlich stolz, dass ich einen kleinen Anteil an dem Album, in Form einiger Bildaufnahmen, hatte.

Line-up:
Vanja Sky (lead vocals, electric guitar)
Bernard Allison (lead vocals, electric guitar)
Mike Zito (lead vocals, electric guitar)
Roger Inniss (bass, vocals)
Mario Dawson (drums, vocals)

Ruf Records (2018)
Stil: Blues Rock

DVD:
01. Intro Tom
02. Low Dowwn And Dirty
03. All Night
04. Crossroads Of Life
05. Married Man
06. Bad Penny
07. One More Train
08. Keep Coming Back
09. Wasted Time
10. Make Blues Not War
11. In The Open
12. Rocket 88
13. The Way Love Was Meant To Be
14. Testify
15. Bad News Is Coming / Bad Love (Medley)
16. Life Is A Bitch
17. Move From The Hood
18. Serious (As A Heart Attack)
19. Give Me Back My Wig

CD:
01. Low Dowwn And Dirty
02. All Night
03. Do You Wanna?
04. Married Man
05. Keep Coming Back
06. Wasted Time
07. Make Blues Not War
08. In The Open
09. Rocket 88
10. The Way Love Was Meant To Be
11. Life Is A Bitch
12. Serious (As A Heart Attack)

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Mike Zito
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Ruf Records

Ben Granfelt – 18.09.2018, Yard Club, Köln – Konzertbericht

Been-Haupt

Dienstag Abend – Ben Granfelt hautnah  in Köln – und keiner geht hin. Nun gut, ganz so schlimm war es dann doch nicht, aber knapp 35 Leute bei so einem versierten Musiker wie ihm, ist dann doch schon wirklich bitter zu erleben. Der deutsche Michel und seine Michaela gucken halt lieber Fußball oder besuchen Ed Sheeran und Helene Fischer in anonymer Masse weit weg vom Schuss, dann dafür aber zu Wucherpreisen…

Das frühere Mitglied der Lenningrad Cowboys, von Guitar Slingers und Wishbone Ash, samt seiner Rhythmus-Combo Masa Maijanen (bass, bgv) und Drummer Santeri Saksala (auch Mitglied bei den finnischen Proggern Wheel), ließ sich davon aber nicht schocken und lieferte vom Opener „Check Up From the Neck Up„ an – absolut professionell – einen starken Gig ab.

Als zweites Stück folgte direkt mein Favorit des Abends. Granfelt & Co. brachten eine megastarke Version von Gerry Rafferties „Baker Street“, wobei die berühmten Sax-Parts durch Bens Les Paul ersetzt wurden.

Ein weiteres starkes Cover erfolgte mit Pink Floyds Klassiker „Breathe“. In den Fokus gesetzt wurde natürlich das noch relativ frisch auf dem Markt befindliche, neue Album „My Soul To You“, das dann auch mit Tracks wie „A Better Place“, „Mind Your Head And Watch Your Step“, „Life, Living And You“ und dem bluesig-balladesk angehauchten tollen Titelsong angemessen beworben wurde.

Granfelts Wishbone Ash-Phase wurde anhand von „Faith, Hope And Love“ sowie dem „Almighty Blues“ gehuldigt. Mit „Open Road, Open Book“, dem ZZ Top-shuffligen „Hangman’s Tree“ übergehend in „Wayward Child“ (Rory Gallagher) und seinem Paradelied “Going Home” waren weitere markante Songs in die Setlist integriert, bei denen Ben seine technisch brillanten Solokünste auf den insgesamt drei unterschiedlichen Gitarrentypen zu Hauf in den Vordergrund stellte.

Nach dem Konzert zeigte sich der, auch während des Auftritts locker aufgelegte Finne (immer ’ne kleine Anekdote vor den Songs auf den Lippen) von einem Bild aus einem früheren, von uns beleuchteten Gig, ziemlich beeindruckt, das Gernot auf einer Hochglanz-Stahlplatte herstellen lassen und zum Signieren mitgebracht hatte. Somit insgesamt ein schöner Abend, der wirklich  deutlich mehr Zuschauer verdient gehabt hätte. Vielen Dank wie immer an Marcus Neu für die Akkreditierung.

Line-up:
Ben Granfelt (lead vocals, electric guitars)
Masa Maijanen (bass, bgv)
Santeri Saksala (drums, bgv)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Ben Granfelt
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Yard Club, Köln

Billy F. Gibbons – The Big Bad Blues – CD-Review

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ZZ Top haben wie auch Lynyrd Skynyrd mittlerweile viel von ihrem einstigen Glanz eingebüßt. Kreativ kommt eventuell mal alle Jubeljahre was, live wird sich in der Regel auf den Lorbeeren von einst ausgeruht und weitestgehend immer das Gleiche runtergespult.

Zumindest bei Billy F. Gibbons scheint in letzter Zeit wieder ein gewisser Ehrgeiz zu verspüren zu sein. Neulich in Essen, wo ja einst die Popularität des Texas-Trios bei uns in Deutschland im Rahmen der legendären Rockpalast-Nächte ihren Ursprung fand, konnte man ihn als Gaststar beim Konzert von Supersonic Blues Machine hautnah wie nie, ja fast zum Anfassen, erleben.

Jetzt hat es das Mitglied der Rock And Roll Hall Of Fame auch noch mal in eigener Sache gepackt. Mit „The Big Bad Blues“ bringt er nach dem dezent Latin-behafteten „Perfectamundo“ sein zweites Solo-Album heraus.

Herausgekommen ist ein, wie der Titel es schon andeutet, deutlich mehr traditionell blues-orientiertes Konglomerat aus Eigenkompositionen und einigen Adaptionen von Tracks altbewährter Genre-Recken wie Muddy Waters (“Standing Around Crying” und “Rollin’ and Tumblin’”) und Bo Diddley („Bring It to Jerome“ und „Crackin’ Up“).

Der Opener “‘Missin’ Yo’ Kissin’” wurde von Billies Frau Gilly Stillwater kreiiert. Der Song wimmelt in modifizierter Form nur so vor Reminiszenzen an große ZZ Top-Stücke wie „La Grange“, „I Thank You“ & Co., von daher ein gelungener Einstieg.

Wenn ein Billy Gibbons singt und seine knarzige E-Gitarre beackert, wird man, egal, was da zum Besten gegeben wird, unweigerlich zu Vergleichen mit ZZ Top animiert. Auf diesem Werk ist die Aura des Texas-Trios aufgrund Gibbons‘ fast ebenbürtiger Stellung dort natürlich auch omnipräsent. Wo sind aber diesmal Unterschiede?

Zum einen durch die anderen Mitspieler: Hier sind mit Mike ‘The Drifter’ Flanigin, Joe Hardy, Greg Morrow, Matt Sorum, Austin Hanks und James Harum, wie nicht anders zu erwarten, exzellente Leute eingebunden.

Gerade James Harum und Mike Flanigin sind dann auch die auffälligen Akteure, die vielleicht den marginalen Unterschied ausmachen. Erstgenannter ist mit seinem nöhligen Harpspiel fast in alle Stücke eingebunden (für meine Begriffe fast zu viel, da Billy an diesem Instrument auch noch mitmischt) und auch an die durch Flanigin eingebrachten Pianotupfer kann ich mich bei ZZ Top nicht in dieser Form erinnern.

Austin Hanks trägt mit seinem E-Gitarrenspiel zu noch größerer Varianz in diesem Bereich bei. Das launige, fast schon strandtauglich im Sinne einer Sixties-Retro-Beach-Party in Szene gesetzte Schlussstück „Crackin‘ Up“ überrascht ebenfalls in seiner Form.

Ingesamt ist Billy F. Gibbons mit „The Big Bad Blues“ ein kurzweiliges, schön kauziges Blues (Rock)-Album gelungen, bei dem nichts dem Zufall überlassen worden ist. Wer der texanischen Interpretation des Genres zugetan ist und natürlich auch der überwiegende Teil der ZZ Top-Anhänger werden ohne jeden Zweifel ihre helle Freude haben.

Concord Records (2018)
Stil: Texas Blues (Rock)

01. Missin’ Yo’ Kissin’
02. My Baby She Rocks
03. Second Line
04. Standing Around Crying
05. Let The Left Hand Know
06. Bring It To Jerome
07. That’s What She Said
08. Mo’ Slower Blues
09. Hollywood 151
10. Rollin’ And Tumblin’
11. Crackin’ Up

Billy F. Gibbons
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