Joey Nevada – The Ride – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Als die Countrymusiker Tim McGraw, Toby Keith oder George Strait ihre ersten Platten veröffentlichten, steckte Joey Nevada nicht einmal in seinen ‚Baby-Boots‘. Dass er aber grade diese Musiker als wichtige Vorbilder benennt, muss als gewaltige Hausnummer erst gestemmt werden. Ob seichter Pop-Country von McGraw, die rockigen Southern-Accents bei Keith oder der eher traditionelle Country-Stil von Strait – Joey Nevada gelingt es, sich der Bandbreite seiner Idole anzupassen und das berühmte Southern-Feeling ausgiebig zu verbreiten.

Leider weist das LP-Cover nicht auch James Brickey als Interpreten aus. Dieser ist die kreative Kraft hinter Joey Nevada. Er wirkt als Songschreiber, Gitarrist und Produzent der vielversprechenden Country-Group mit. In der Band um den charismatischen Frontmann beweisen neben dem bereits erwähnten 24-jährigen James Brickey auch dessen Bruder Justus (21 Jahre) am Bass und Rob Shields (23 Jahre) am Schlagzeug ihr Können, denn man bekommt mit „The Ride“ eine abwechslungsreiche Reise durch die Gefilde des modernen Southern Rock geboten – mit echten Highway Songs zum Aufdrehen!

Exemplarisch dafür steht der melodische Road-Trip Opener „Midnight Drive“, der die Erwartungshaltung sofort steigert. Es folgen intensive Stücke, wie „Better Than You“ und „Lazy Day“ und neben Stadion-Rock mit „Good Times All Nighter“, der typische Sommer-Hit „Beach Bum“ – nicht nur für Strandbegeisterte geeignet und besonders empfohlen!

Selbst der langsam daher kommende Track „Didn’t Have A Clue“ entwickelt als prägende Ballade schnell ein angenehmes Country-Eigenleben. Youngster-Idealismus der feinsten Südstaaten-Art spricht aus dem weiteren Aufreißer „Sweet Southern Ride“, der als Titelsong des Albums erst unter Nummer zehn der Playlist präsentiert wird. Für ausufernde Tourneen quer durch die USA ist in den letzten Jahren vor allem Eric Church bekannt gewesen. Da passt es nur zu gut, dass Joey auf „Like Me“ die einzigartige „Chief Performance“ in kluger Voraussicht einübt.

Der Abschluss Track „Pop A Top Or Two“ beendet eine Top Newcomer Scheibe, die ihren Namensgeber zu Recht als Anwärter in die Klasse seiner großen Überväter erkennen lässt. Joey Nevada hat die Aufnahmeprüfung mit Prädikat bestanden, natürlich mit der Verpflichtung, die musikalische Bandleistung couragiert auszubauen und mit seinen Southern-Rock-Boots noch viele weitere Meilen zurückzulegen.

Eigenproduktion (2018)
Stil: Southern Rock, New Country

Tracklist:
01. Midnight Drive
02. Better Than You
03. If I Had It My Way
04. Lazy Day
05. Love Songs
06. Good Time All Nighter
07. Beach Bum
08. Didn’t Have A Clue
09. Pieces To The Puzzle
10. Sweet Southern Ride
11. Like Me
12. Pop A Top Or Two

Joey Nevada
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Davisson Brothers Band – Fighter – CD-Review

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Zweites, ganz hervorragendes Album der Davisson Brothers Band, die ihre musikalische Passion überaus authentisch auf dem Terrain des ’southern-fueled‘ Countryrocks und ’southern-rocking‘ Country auslebt. Obwohl das Quartett um die beiden Brüder Donnie (lead vocals, acoustic guitar) und Chris Davisson (guitars) schon seit Mitte der 90er Jahre in diversen Konstellationen am Start ist, war bisher, trotz zahlreicher Aktivitäten (u. a. partipizierten sie 2017 in Chris Jansons Video-Clip zu „Fix A Drink“) und vielversprechender Beziehungen, nicht mehr als ihr 2009 veröffentlichtes Debütalbum, das immerhin die Top-40 der Bilboard Charts erreichte, und einer Single im Jahre 2014 („Jesse James„), auf der Habenseite zu verzeichnen.

Besagte Single ebnete Ihnen allerdings den Weg zur Kooperation mit dem Grammy-dekorierten Star-Produzenten Keith Stegall (u. a. George Strait, Zac Brown Band, und vor allem Alan Jackson), der mit dem erfolgreichen australischen Musikpromoter Rob Potts und Sony Music Australia eine potente Partnerschaft für seine neu gegründete Dreamlined Entertainment Group abgeschlossen hat. Stegall ließ es sich natürlich nicht nehmen, das nun vorliegende, leider nur acht, dafür ganz hervorragende Stücke umfassende „Mini“-Zweitwerk „Fighter“, des durch Aaron Regester (drums) und Russell Reppert (bass) vervollständigten Quartetts, selbst zu produzieren.

Dabei stellte er den aus Clarksburg, West Virgina, stammenden Jungs mit Michael Rojas (keys), Ilya Toshinsky (banjo), Billy Panda (acoustic guitar), JT Corenflos (electric guitar), Chance McCoy (fiddle) Wes Hightower, John Wesley Ryles und Ronnie Bowman (alle Background vocals) eine überaus prominente und ’schlagkräftige‘ Musikerschaft als weitere Unterstützung zur Verfügung. Auch der dritte Davisson-Bruder Sammy, der nicht mehr zum offiziellen Line-up zählt, ist an einigen Bass-Parts und Harmoniegesängen beteiligt.

Der launige Opener „Po‘ Boyz„, zugleich die erste Single, ist eine gut tanzbare Hommage an das einfache, Redneck-basierte Leben, mit seinen, nach getaner Arbeit, typischen Dingen wie Reiten, Quad-Fahren im Schlamm, Zielschießen und den, mit vielen hübschen Country Girls bestückten Friday Night Parties, wo das Bier dann besonders gut schmeckt.

Mit „Breathe“ folgt eine Gänsehaut verursachende Southern Soul-Ballade. Donnie Davissons (auch insgesamt) engagierter, emotionaler Gesang, die brillante Orgel-Hintergrundarbeit des, auf diesem Album überragend agierenden Mike Rojas und das tolle E-Gitarrensolo, sowie dezente Harmniegesänge im Refrain, werden die Südstaaten Rock-Anhängerschaft absolut begeistern. Ein besonderes Highlight!

Zünftig geht es mit dem polternden Stampfer „Didn’t Come Here To Leave“ und seinem herrlichen ‚Fußwippen‘-Refrain weiter. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch das knackig rockende „Black Like Cash“. Ein durchaus weiterer Kandidat für die Radiostationen in Nashville ist das, mit einem eingängigen und leicht mitsingbaren Refrain versehene, melodische „Get Down South“ (schöne Banjountermalung von Toshinsky).

Das melancholische „Let’s Build A Fire“, das „Can’t You See“-umwehte Titelstück „Fighter“ und der hymnische Abschlusstrack „Appalachian American“ (mit wunderbar traurigem Fiddle-Ausklang von Chance McCoy ), bilden neben dem bereits erwähnten „Breathe“ den ruhigeren Gegenpol.

Vieles erinnert hier von der Art her, an Songs der Band Rambler auf ihrem einstig starken Werk „First Things First„. Auch Lynyrd Skynyrd– und Marshall Tucker Band-Einflüsse sind immer wieder spürbar, genau wie die des traditionellen und modernen Country.

Ingesamt eine durchgehend überzeugende und kurzweilige CD der Davisson Brothers Band. Keith Stegall hat mit den Jungs wieder mal ein feines ‚Näschen‘ bewiesen und nicht zuletzt dank der starken Zusatz-Musiker eine herrliche Balance zwischen knackigem, radiotauglichen Country- und balladeskem Southern Rock gefunden, wie es in so hervorragender Weise bei Montgomery Gentry funktioniert hatte. „Fighter“ ist daher ein absolutes ‚Must-Have‘ für die Klientel dieser Musikrichtungen!

Dreamlined Entertainment Group (2018)
Stil: Southern Country Rock

01. Po‘ Boyz
02. Breathe
03. Didn’t Come Here To Leave
04. Let’s Build A Fire
05. Black Like Cash
06. Fighter
07. Get Down South
08. Appalachian American

Davisson Brothers Band
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Bärchen Records

The Magpie Salute – High Water I – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Man könnte die Scheibe mit einem Wort beschreiben: „Geil“. Doch nun zur Rechtfertigung dieses Schlagwortes. Vor etwa einem Jahr endete die Plattenkritik zum Erstling von Magpie Salute, live aufgenommen und ausschließlich Coversongs (natürlich auch von den Black Crowes) beinhaltend, mit dem Satz: „Nach dieser Platte darf man gespannt sein, was als nächstes geboten wird“.

Nun folgt das erste Studioalbum, mit vielsagenden Namen „High Water 1“. Wie der Titel es schon vermuten lässt, ist im nächsten Jahr auch ein Nachfolger geplant. Doch nun zum aktuellen Werk.

Rich Robinson und seinen Mitstreitern aus Black Crowes-Zeiten, Gitarrist Marc Ford und Sven Pipien am Bass, haben mit Sänger John Hogg, Keyboarder Matt Slocum und Drummer Joe Magistro eine Band geformt, die voll die gesetzten Erwartungen der Liveplatte des letzten Jahres, erfüllt hat.

Obwohl die Musiker zuvor über eine Dekade nicht mehr zusammen musiziert haben, sprang bei der Gründung der Band direkt der Funke über. Dies zeigt sich auch in der Spielfreude, welche auf „High Water 1“ omnipräsent ist, in jedem einzelnen Song. Eine Beschreibung aller Stücke würde den Rahmen einer Rezension sprengen, einzelne Stücke hervorzuheben, würde den anderen Songs allerdings auch nicht gerecht werden.

Auf jedem Fall gelingt es der Band in den zwölf Tracks keine Langeweile aufkommen zu lassen, wobei hier die absolute Stärke die Besinnung auf die Einfachheit von Musik ist, die ohne große künstliche Aufarbeitung von Vocals oder den Instrumenten auskommt, was bei der musikalischen Qualität der Band auch nicht notwendig ist. Der Reigen spannt sich dabei von Southern-lastigen Songs, über leicht Country-angehauchte ruhige Lieder zu fast schon punkig wirkenden gesanglichen Parts der Marke Iggy Pop, um schließlich auch noch Elemente der psychedelisch angehauchten Rockmusik der 70er Jahre mitzunehmen.

Schön ist besonders die Vielzahl der eingesetzten Saiteninstrumente (bis hin zur Hawaigitarre) und die vielseitigen Spielvarianten. Die Keyboards untermalen die etwas ruhigeren Songs zuweilen in träumerischer Art und Weise. Hier kommt auch die Aussage Robinsons zum Tragen, dass in vielen der Kompositionen auch alte Probleme aus Crowes-Zeiten aufgearbeitet wurden und diese nun aus der Welt geschafft worden sind.

Zugute kommt auch der zum Teil mehrstimmige und wechselnde Leadgesang, der jedem Song einen eigenen Charakter verleiht. Wenn die Platte als ein Spiegel der Harmonie der Band gesehen wird, ist von Magpie Salute noch einiges zu erwarten, wobei natürlich die absoluten Stärken in den etwas härteren, southernlastigeren Songs liegt, welche im Ansatz immer wieder die Möglichkeit offerieren, in jammende improvisierende Soundteppiche abzuschweben.

Dies ist absolut positiv, auch für mögliche Liveauftritte zu sehen, wo Southern-Fans die Chance nutzten sollten, die Elster zu begrüßen. Dies aus zwei Gründen: einmal, um ein vermutlich furioses Konzert zu erleben, aber auch einer alten indianischen Tradition zu folgen, da der Gruß der Elster bekanntlich als gutes Omen zu sehen ist. Von daher absolute Kaufempfehlung!!!!

Mascot Records/Provogue (2016)
Stil: Jam Rock

01. Mary The Gypsy
02. High Water
03. Send Me An Omen
04. For The Wind
05. Sister Moon
06. Color Blind
07. Take It All
08. Walk On Water
09. Hand In Hand
10. You Found Me
11. Can You See
12. Open Up

The Magpie Salute
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Netinfect Marketing&Promotion

Dustin Douglas & The Electric Gentlemen – Break It Down – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Nach dem gleichnamigen Debütalbum aus 2016 und der EP „Blues 1“ ist „Break It Down“ ein powervoller Nachfolger der Pennsylvania-Rocker Dustin Douglas & the Electric Gentleman. Die vornehm gekleidete Anzugträger-Combo, bestehend aus Tommy Smallcomb am Schlagzeug, Bassist Matt „The Dane“ Gabriel und Bandleader Dustin Douglas fühlt sich im Blues-Rock-Revier ausgesprochen wohl.

Songs, wie der Drum-Beat lastige Opener „A Little Bit“ oder das groovige, mit Funky-Blues-Tönen gespickte „On The Dance Floor“, sind auf dieser Scheibe häufig vertreten. Klar herausgearbeiteter Retro Rock-Sound auf „Turn Around“ ist ein 60er-Schmankerl der Platte.

Melodischer Southern-Hard-Rock in kluger Black Stone Cherry-Manier wird auf „Goodbye“ und „Hold of Me“ abgeliefert. Ambitioniert erscheint hingegen der selbstvermarktete Vergleich zu Blues-Größen, wie Stevie Ray Vaughan oder ZZ Top. Es sind aber trotzdem gute Ansätze, die sie hier zeigen. Von den spritzig-funkigen Gitarreneffekten und den rhythmischen Drum-Beats auf „My Time Is Precious“ wird man einfach nicht ’satt‘!

Der mit Abstand beste Song ist die Southern-Rock-Ballade „Ain’t No Denyin'“, die alles mitbringt, was Lynyrd Skynyrd-Fans sich so gerne wünschen. Ein entspanntes Open-Space Feeling wird auf diesem Midtempo-Kracher sommerlich verbreitet. Dagegen entwickelt „Fat Cat“ diesen album-typischen Blues Rock-Rhythmus mit einer Prise Funk. Der letzte Track „No More Tears To Cry“ vertieft das Repertoire kerniger Blues Rock-Sounds.

Teilweise wirkt das Album ein bisschen schablonenhaft. Irgendwie scheint die Band noch nicht ganz ihren eigenen Stil gefunden zu haben und die Einordnung fällt dementsprechend schwer. Hervorzuheben ist, dass das Trio alle Songs selbst geschrieben hat und auf für Blues-Alben charakteristische Cover-Songs verzichtet, wie sie z. B. ein Joe Bonamassa gerne auf seinen Platten einzusetzen pflegt.

Leider wartet man ein wenig vergebens auf das eine oder andere Gitarren-Riff, Tempowechsel oder melodische Finessen, durch die das Werk aus der Blues Rock-Masse hervorstechen könnte. Nichtsdestotrotz ist „Break It Down“ ein ambitioniertes Album, mit dem Dustin Douglas & the Electric Gentleman versuchen, im Blues Rock-Genre Fuß zu fassen.

Quad-O Records (2018)
Stil: Blues Rock

01. A Little Bit
02. Destiny
03. On The Dance Floor
04. Turn Around
05. Goodbye
06. Hold Of Me
07. My Time Is Precious
08. Ain’t No Denyin‘
09. Out Of My Mind
10. Fat Cat
11. Your Face Is Strunning
12. Tragedy
13. No More Tears To Cry

Dustin Douglas & The Electric Gentlemen
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Damon Fowler – The Whiskey Bayou Sessions – CD-Review

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Ich weiß nicht, wie es Ihnen als Leser geht. Bei mir ist es jedenfalls so, dass mir manchmal schon allein der Name eines Künstlers oder einer Band suggeriert, ob das gute Musik sein könnte oder nicht. Ok, im Laufe der vielen Jahre, in denen ich jetzt die diversen Tonträger rezensiere, bekommt man halt auch so etwas wie ein gewisses Gespür dafür.

Der Protagonist dieses Reviews, Damon Fowler, der bereits seit 1999 im southern-umwehten Blues- , Roots-und Americana-Sektor tätig ist, hat demnach neben seiner eigenen Musik nicht umsonst Kooperationen mit bekannten Leuten wie u. a. Delbert McClinton, Chris Duarte, Buddy Guy, Johnny Winter, Edgar Winter, Jeff Beck, Robin Trower, Gregg Allman, Junior Brown, Rick Derringer, Little Feat, Jimmie Vaughan, Victor Wainwright und den Radiators vorzuweisen. Hier besonders interessant sicherlich auch seine Mitwirkung in Butch Trucks Freight Train Band, bei Dickey Betts & Great Southern und bei Southern Hospitality, denen ja auch der bei uns vor kurzem rezensierte J.P. Soars angehörte.

Mein erster Berührungspunkt mit Damon war seine Scheibe „Sounds Of Home“, produziert von dem aus Louisiana stämmigen Delta Blues-Spezialisten Tab Benoit. Diese Zusammenarbeit wurde jetzt auf Fowlers neuem Werk „The Whiskey Bayou Sessions“ in einem Studio innerhalb des Zypressenmoors am Ufer des Cane Bayou in Houma, LA, nochmals intensiviert. Auch hier saß Benoit wieder an den Reglerknöpfen und hat sich ergänzend mit der Akustik- und Rhythmus-E-Gitarre bei drei Tracks mit eingebracht.

Mit dabei sind außerdem noch Todd Edmunds am Bass und Justin Headley am Schlagzeug. Damon zeichnet sich für Gesang, Gitarrenspiel und Lap Steel verantwortlich. Wie der Titel des Albums und auch die Aufnahme-Locationes schon andeuten, bekommt man demnach einen schön swampigen Blues Rock geboten. Herausstechend sind natürlich Fowlers angenehmer Gesang und sein vorzügliches Gitarren-/Steelspiel, das sich in vielen quirligen Soli wiederspiegelt.

Vom herrlich shuffligen Opener „It Came Out Of Nowhere“, über das allmaneske „Ain’t Gonna Rock With You No More“ (mit schönem Slide), dem melancholisch groovig souligen „Holiday“ (erinnert mich ein wenig an „Spooky“ von ARS) bis zum Strand-bluesigen „Florida Bay“ (mit „Statesboro Blues“-Reminiszenzen) , erinnert hier vieles auch an die Art von Mike Zito.

Mit „Hold Me Tight“ und „Just A Closer Walk With Thee“ gibt es dazu noch zwei nette Countryschunkler, bei denen Damon zur besagten Lap Steel greift. Somit sind die „The Whiskey Bayou Sessions“ von Damen Fowler insgesamt eine gelungene Sache, die Southern-Freunden bedenkenlos empfohlen werden kann. Sein Name steht für gute Musik. Dazu kommt das Bayou-Flair auf diesem Tonträger bestens zur Geltung, wieviel Whiskey allerdings bei den Aufnahmen zum Gelingen des Ganzen beigetragen hat, bleibt aber vermutlich das Geheimnis der beim Werk involvierten Leute…

Whiskey Bayou Records (2018)
Stil: Southern Blues Rock

01. It Came Out Of Nowhere
02. Fairwheather Friend
03. Hold Me Tight
04. Up The Line
05. Ain’t Gonna Rock With You No More
06. Just A Closer Walk With Thee
07. Pour Me
08. Holiday
09. Running Out Of Time
10. Candy
11. Florida Baby

Damon Fowler
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The Rising – Moving On – CD-Review

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Dass in Großbritannien die Begeisterung für New Country-Musik in den letzten Jahren ihre Wellen schlägt, ist bei uns seit geraumer Zeit anhand diverser Reviews auch immer wieder thematisiert worden. Jetzt erreicht mich sogar Stoff dieser Sorte aus Nordirland, einem Land, dass ich bisher höchstens mit Fußball, der Hauptstadt Belfast und, zu seiner Zeit, mit dem blutigen Unabhängigkeitskonflikt zwischen Katholiken und Protestanten in Verbindung gebracht habe.

Im Rahmen einer PledgeMusic-Kampagne bringt jetzt Anfang August eine Combo namens The Rising ihr zweites Studio-Album „Moving On“ auf den Markt. Der Titel steht sinnbildlich für die Geschehnisse und Entwicklungen der letzten Zeit um die Band herum.

Das war der heimliche Chef des Ensembles, Chris Logan, von einem Bus angefahren worden und mit schweren Knochenbrüchen im gerade begonnenen Entstehungsprozess des Werkes, übelst verletzt worden, sodass sich die Aufnahmen erheblich in die Länge zogen. In dieser Zeit musste dann noch der Aderlass von den zwei Bandmitgliedern verkraftet werden.

Dazu kam mit Chantelle McAteer der Wechsel von rein männlichem Gesang auf dem Debüt „Coming Home“, zu jetzt weiblich geführter Ausrichtung im vokalen Sektor. Logan hat die Saitenarbeit mittels Gitarren, Banjo und Mandoline inne, drittes festes Mitglied ist Brian Mellors am Bass.

Für Farbtupfer auf dem in Chris Logans Heimstudio und in Nashville produzierten Werk, sorgen Gastmusiker wie Chris Bush (drums), Pedal Steel-Spieler Tommy Detamore, John McCullough an den Keys und Lauren Bird an der Ukulele. Mit Pete Maher (U2, The Rolling Stones, Katy Perry) zeichnet sich zudem Prominenz für das Mastering verantwortlich.

Nachdem man nach einigen Hördurchläufen, mit der etwas jungenhafte, aber sehr engagierten Stimme McAteers, Freundschaft geschlossen hat, beginnt die mit satten 13 Songs bestückte Scheibe, durchaus ihren Reiz zu entwickeln, falls man mit weiblich besungenem New Country der zeitgenössischen Art keine Probleme hat.

Die Balance zwischen Pop und Country ist stimmig und schlägt dank Logans toller E-Gitarren-Soli (manchmal sogar mit Southern-Charakter – „Rebound“,  „Yellow House“), Detamores zum Teil leiernder Steel („Rebound“, „Love Is“) und John Mc Culloughs Orgel- und HT-Piano-Einlagen (u. a. bei „Reasonable“), deutlich in Richtung des zweitgenannten Genres aus.

Alles in allem kristallisiert sich „Moving On“ von The Rising als eine Art dynamisch verlaufender Prozess heraus, dessen Weiterführung in dieser Sparte durchaus Sinn macht, sofern sich dieses Niveau in Zukunft aufrecht erhalten lässt. Interessanter Stoff für Freunde von weiblichen Acts der Marke Jo Dee Messina, Kellie PicklerToby Keith-Tochter Krystal, Shawna Russell & Co.

Renegade Maverick Records Limited (2018)
Stil: New Country

01. Moving On
02. Forgive and Not Forget
03. With You
04. Even the Stars Fall For You
05. Back To Me
06. Reasonable
07. Just Another Name
08. Rebound
09. Take A Hint
10. Yellow House
11. Love Is
12. Finally Found A House
13. Roundabouts

The Rising
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Catfish – 28.07.2018, topos, Leverkusen – Konzertbericht

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Die ‚Band of the Year‘ bei den British Blues Awards 2018 bei ihrer Deutschland-Premiere zu Gast in Leverkusen. Möglich machte den Auftritt von Catfish, die für ihr immer wieder tolles Programm bekannte, kleine Kultkneipe topos! Klemens Kübber hatte wieder alle Register gezogen, um die Briten an den Rhein zu bekommen.

Auf der Hinfahrt säumten unzählige junge Menschen mit merkwürdig bläulich-grünlich eingefärbten Gesichtern (und teilweise Klamotten) die Straße am Ufer entlang des Stroms. Die Befürchtung unsererseits eines Störfalls angesichts des unweit liegenden Chemparks des Bayer-Konzerns, relativierte sich durch den Hinweis eines Besuchers auf ein dortig stattfindendes Open-Air-Techno-Event. Der spontane, erste ängstliche Gedanke war, ob meine, sich in elf Jahren anbahnende Rente, wie einst von Nobby Blüm proklamiert, noch wirklich sicher ist…

Aber kommen wir wieder zu guter, anspruchsvoller, handgemachter Musik, die ja den Anlass unseres Besuches abgab. Um 20:20 Uhr zwängten sich die vier Mannen, um ihr Führungsduo Matt und Paul Long, auf diese urige Miniaturfläche, die hinter einer steinernden Sitzgruppe, zum Performen zur Verfügung steht. Musiker, die dort zum aller ersten Mal auftreten, werden vermutlich immer wieder ins Staunen versetzt. Der routiniert wirkende Kevin Yates am Schlagzeug und Neu-Basser Adam Pyke vervollständigten das in unseren Landen immer noch mit Insider-Status bedachte Quartett.

Das zweigeteilte Programm begann mit dem furios rockigen „Hit The Ground Running“. Eine idealer Einstieg, der sofort Matt Longs tolles E-Gitarrenspiel und sein rauchig-kräftiges Stimmorgan in den Fokus rückte. Das folgende „Never Go Back“ war dann gesanglich Paul Long vorbehalten, dessen Stimme durch einen eher weicheren Schmelz gekennzeichnet war und demnach einen Kontrast bildete. Beide wechselten sich in etwa gleichem Verhältnis am Frontmikro, beziehungsweise in den Harmoniegesängen, ab.

Während „So Many Roads“ den ersten starken Beweis für die Slow Blues-Tauglichkeit des Vierers lieferte, schwenkte das Barometer mit „Break Me Down“ wieder in zünftigere, Hendrix-umwehte, rockigere Gefilde. Das von Paul besungene brandneue atmosphärische „Ghosts“ gab einen ersten Ausblick auf die nächste CD.

Dieser machte dann beim nächsten Track („That’s What Love Will Make You Do“, ein knackiger Little Milton-Funky Blues), Platz für das mit der Band befreundete Ehepaar Paul und Tina Jobson, die an diesem Abend auch zugegen waren. Der viel beschäftigte Keyboarder Paul (u. a. Chaka Khaan,  Far Q) und seine blond-rasta-gezöpfte Gattin (lead vocals) boten dabei eine Klasse-Leistung und sorgten für einen schönen Farbtupfer in der Setliste.

Der proggig-angehauchte Titelsong ihres aktuellen Album „Broken Man“ beendete den ersten Teil an diesem warmen Sommer-Abend. Überhaupt wurden immer wieder dezente Reminiszenzen an Bands wie Pink Floyd, Genesis oder Manfred Mann in so manche Stücke einbezogen.

War das erste Set bereits schon auf starkem Niveau, sollte die zweite Phase noch einen Zahn zulegen. Mit „Leading Me On“ ging es direkt wieder rhythmisch in die Vollen. Nach der Verneigung vor BB King mit „Never Make A Move Too Soon“ beeindruckten die Briten anhand einer Wahnsinns-Version von Boz Scaggs‘ „Somebody Loan Me A Dime“ und „Better Days“, einem meiner beiden Favoriten des Gesamt-Gigs. Das southern rockige Stück (mit einem kleinen Reggae-Intermezzo zwischendurch) ist laut scherzhaftem O-Ton von Matt, das einzige fröhliche Lied im ihrem bisherigen Fundus.

Nach „Big Shot“ (inkl. filigranem Bass-Solo von Pyke), gab es mit „Breaking Up Somebody’s Home“, den Kracher des Auftritts. Kleine E-Gitarren- und Piano-Scharmützel, ein exzessives E-Gitarren-Solo von Matt und eine launige Publikums-Mitsing-Interaktion, vergoldeten diesen shuffligen Blues Rocker, in bester Joe Bonamassa-Manier. Emotionaler Höhepunkt und Finale des zweiten Parts, war sicherlich die Hommage an Matts kürzlich verstorbenen Gitarrenlehrer Michael Caswell mit „Make It Rain“, inklusiv einer auch von Kollegen wie Ben Poole oder Alan Nimmo gern praktizierten Leisespiel-Phase im Solo, bei der man im topos eine Stecknadel hätte fallen hören können, das aber anschließend in geradezu epische Sphären münden sollte.

Eigentlich war das Quartett nach stressiger Anreise und nur zwei Stunden Schlaf in der Nacht zuvor fix und fertig, als auch durchgeschwitzt bis auf die Knochen, wollte sich aber auch nicht die Blöße geben, dem sachkundigen (und in Teilen, wie so oft, von rheinischem Frohsinn geprägten und auch trinkfreudigen) Publikum, die vehement eingeforderte Zugabe zu verwähren. Und so wurden auch die Jobsons netter Weise erneut beim satt rockenden „Man Of Many Words“ mit eingebunden (die beiden Pauls am Ende zu zweit auf dem Piano).

Im Nachgang zeigten sich alle Beteiligten am Merchandising-Stand als sympathische Gesellen der Marke ‚Du und Ich‘ und wir hatten noch die Gelegenheit für unser obligatorisches Bild mit dem SoS-Logo. Mit dem Gig war klar, dass die Briten nicht nur auf der Insel für Furore sorgen werden, sondern für ganz Europa und sicherlich auch die Staaten, mit ihrem leidenschaftlichen Blues Rock bestens gewappnet sein dürften. Ein Klasse-Abend, danke an Klemens Kübber für den gewohnt bestens organisierten Support.

Line-up:
Kevin Yates – drums
Adam Pyke – bass
Paul Long – keys and vocals
Matt Long – guitar and vocals

Guests:
Paul Jobson – keys
Tina Jobson – vocals

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Catfish
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topos Leverkusen

6. Dinslakener Blues ’n Jazz Festival – Vorbericht / Gewinnspiel 3 x 2 Karten

Plakat-festival-300-Web

Das Gewinnspiel ist beendet.

Die richtige Antwort hieß ‚Walzwerk‘!

Je zwei Karten werden für

Vera Kalthoff, Peter Lang und Achim Burger an der Kasse am Eintritt des Festivals zurückgelegt.

Sounds Of South wünscht viel Spaß bei diesem schönen Event!

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Am 11.08.2018 ist es wieder soweit. Das 6. Dinslakener Blues ’n Jazz Festival startet erneut mit einem hochwertigen Programm durch. Nachdem wir uns letztes Jahr bereits an toller Musik in atmosphärischem Industrie-Ambiente erfreuen durften, soll dieses Jahr das Publikum mit den Haranni Hurricanes aus dem Emscher Delta, der Bass-Koryphäe Andrew “The Bullet” Lauer & Band und den für ihren gnadenlosen Groove bekannten Dänen Chris Grey & The BlueSpand eingeheizt werden. Dazu hat uns das Team um Klaus Diessner dankenswerter Weise 3 x 2 Karten für ein Gewinnspiel zur Verfügung gestellt.

Folgende Frage muss dazu richtig beantwortet werden:

In welcher ehemaligen Industrie-Location findet das Blues ’n Jazz Festival in Dinslaken statt?

a) Walzwerk
b) Salzwerk
c) Falzwerk

Bitte sende eine E-Mail mit der richtigen Lösung bis zum 08.08.2018 an dan@sounds-of-south.de.

Wir losen unter allen richtigen Einsendern drei Gewinner/innen aus, der/die dann umgehend benachrichtigt werden.

Die Karten werden jeweils am Eintrittsbereich auf den Namen der Gewinner hinterlegt.

Haranni Hurricanes
Andrew “The Bullet” Lauer & Band
Chris Grey & The BlueSpand
Walzwerk Dinslaken

Canned Heat – 25.07.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Ein halbes Jahrhundert Musikgeschichte und eine weltweite Bühnenerfahrung stehen für den Bandnamen Canned Heat, der traditionsbewusst auf einen alten amerikanischen Blues-Song zurückgeht. Gründungsmitglied und Bassist Larry ‚The Mole‘ Taylor hat den starken Markentitel zusammen mit Schlagzeuger Fito de la Parra bis heute erfolgreich aufrechterhalten. Beide Urgesteine spielten bereits zu Woodstock-Zeiten gemeinsam.

Bei nahezu tropischen Temperaturen um die 30° Grad war ein Einheizer eigentlich nicht erforderlich, aber als die ersten Töne des zeitlosen Top-Hits „On The Road Again“, vom legendären 68er-Album, „Boogie With Canned Heat“ erklingen, zeichnet sich für die Menge ein großartiger Konzertabend ab. Den Gesangspart übernimmt zunächst Gitarrist John Paulus, der sich bemüht, die einzigartige Falsetto Stimme von Alan Wilson nachzuahmen und diese Aufgabe durchaus überzeugend bewältigt.

Gefolgt vom Southern-Blues-Rock getränkten „Time Was“ mit harter Bassline, dem bluesigen „I’m Her Man“ und „Bullfrog Blues“ vom Debütalbum aus dem Jahre 1967, kam mit „Goin‘ Up The Country“ der erfrischende, California-Sound angehauchte, Chart-Erfolg vom dritten Studioalbum „Living The Blues“. Dass sie den Blues auch heute noch ‚leben‘, konnte man spätestens auf dem Slow Blues „So Sad“ hören, der an diesem Abend die einzige ruhige Nummer bleiben sollte.

Die ansonsten durch und durch rockige Blues Performance wurde fortgesetzt mit dem Garage-Sound geprägten Blues-Klassiker „Rollin‘ and Tumblin'“ und dem Publikumsliebling „Let’s Work Together“, der während des Konzertes durch Zwischenrufe immer wieder gefordert wurde. Die obligatorische Zugabe mit dem 12 Minuten-Stunner „Fried Hockey Boogie“, inklusive der ausgiebigen Soli von Gitarre, Bass und Schlagzeug, krönte die Leistung, der von vielen Besuchern verehrten Blues-Helden. Eigentlich sollte es das gewesen sein, aber für „Cryin‘ Won’t Help You“ kamen sie nach lauten „We want more“-Rufen nochmals auf die Stage.

Die ehrwürdige Ballroom-Atmosphäre in der Dortmunder Blues Location und die prominente Bühnenbesetzung haben immer wieder eine besondere Beziehung zwischen Publikum und Band entstehen lassen – zum Beispiel während des Refrains von „Same All Over“ oder nach intensiven Mundharmonika- oder Gitarrensoli, die durch überschwänglichen Applaus gewürdigt wurden. So verabschiedeten sich die Blues Rock-Veteranen Larry Taylor und Fito de la Parra eingerahmt und Arm in Arm mit ihren Gefährten nach einer perfekten und kurzweiligen Show von überwältigten Besuchern, für die dieser Abend teilweise auch ein Rückblick in ihre Jugendzeit war.

Eine der kommerziell erfolgreichsten und bekanntesten Blues Rock- und Boogie-Formationen der Musikwelt hat ihre bis heute andauernde Ausnahmestellung und bewegende Bandgeschichte demonstrativ untermauert und vor allem eines bewiesen: Don’t forget to boogie!

Line-up:
Dale Spalding (lead vocals, guitar, harmonica)
John Paulus (electric guitar, bass, vocals)
Larry Taylor (bass, electric guitar)
Fito de la Parra (drums)

Bilder: Adam Zegarmistrz Glagla
Text: Stephan Skolarski

Canned Heat
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Jim Lauderdale & Roland White – Same – CD-Review

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Review: Michael Segets

Die 31. Longplayer-Veröffentlichung von Jim Lauderdale ist eigentlich sein erstes Werk. Als junger Mann lebte Jim Lauderdale, der aus North Carolina stammt, 1979 für fünf Monate in Nashville, wo er versuchte im Musikgeschäft Fuß zu fassen. Dort lernte er Roland White kennen.

Der Mandolinen-Spieler Roland White war bereits in der Bluegrass-Szene etabliert und konnte neben seiner Begleitung von Lester Flat schon auf einige Bandprojekte (The Kentucky Colonels, Country Gazette) und sein erstes Solo-Album „I Wasn’t Born To Rock’n Roll“ zurückblicken. Der damals 22-jährige Lauderdale und der 41-jährige White nahmen in einem Keller zusammen die vorliegenden Songs auf.

Die Master-Bänder lagen fast vierzig Jahre in einer Schachtel, bevor sie von Whites Frau wiederentdeckt wurden. Dem Sound hört man das Alter nicht an und die klassisch gemachten Bluegrass- und Americana-Songs sind sowieso zeitlos.

Mit akustischer Gitarre, Mandoline und Fidel beschränkt sich die Instrumentierung im Wesentlichen auf die genre-typische Begleitung des oftmals mehrstimmigen Gesangs. „(Stone Must Be) The Walls Built Around Your Heart” kratzt an der Vier-Minuten-Grenze, ansonsten erreichen die Song-Miniaturen in der Mehrzahl keine drei Minuten.

Mit „Forgive And Forget“ und „Gold And Silver“ startet die Scheibe locker und schwungvoll. Auch im weiteren Verlauf des Longplayers finden sich einige schnelle und eingängige Titel wie „Don’t Laugh“, „(That’s What You Get) For Loving Me” oder „Gonna Lay Down My Old Guitar“, die mit Mandolinen- und Picking-Einlagen glänzen. Daneben sind mit „Try And Catch The Wind“ und „February Snow” auch langsame Stücke vertreten.

An das Songwriting von Pete Seeger erinnert „I Might Take You Back Again”. „Six Wild Horses” hebt sich durch die tiefe Gitarre von den anderen Songs ab. Interessant sind „Regrets And Mistakes“, bei dem sich die Stimmen der beiden Sänger überlagern, und der Wechselgesang von „Nashville Blues“, der damit in die Nähe eines Gospels rückt.

Für Fans der beiden Künstler oder für Bluegrass-Freunde sind die Entdeckung der Aufnahme und deren Herausgabe durch Yep Roc Records/H’Art sicherlich ein Glücksfall. Die Scheibe ist dabei kein bloß historisches Dokument, sondern bietet immer noch hörenswerte Musik.

Spannend ist der Vergleich zwischen den Anfängen von Jim Lauderdales musikalischem Schaffen und seinem aktuellen, parallel veröffentlichtem Werk „Time Flies“, auf dem die Bluegrass-Wurzeln – wenn überhaupt – nur noch in den Zwischentönen zu erahnen sind.

Yep Roc Records/H’Art (2018)
Stil: Bluegrass/Americana

01. Forgive And Forget
02. Gold And Silver
03. (Stone Must Be) The Walls Built Around Your Heart
04. Six White Horses
05. I Might Take You Back Again
06. Try And Catch The Wind
07. Don’t Laugh
08. Regrets And Mistakes
09. February Snow
10. (That’s What You Get) For Loving Me
11. Gonna Lay Down My Old Guitar
12. Nashville Blues

Jim Lauderdale
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H’ART Musik-Vertrieb GmbH