Jim Lauderdale & Roland White – Same – CD-Review

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Review: Michael Segets

Die 31. Longplayer-Veröffentlichung von Jim Lauderdale ist eigentlich sein erstes Werk. Als junger Mann lebte Jim Lauderdale, der aus North Carolina stammt, 1979 für fünf Monate in Nashville, wo er versuchte im Musikgeschäft Fuß zu fassen. Dort lernte er Roland White kennen.

Der Mandolinen-Spieler Roland White war bereits in der Bluegrass-Szene etabliert und konnte neben seiner Begleitung von Lester Flat schon auf einige Bandprojekte (The Kentucky Colonels, Country Gazette) und sein erstes Solo-Album „I Wasn’t Born To Rock’n Roll“ zurückblicken. Der damals 22-jährige Lauderdale und der 41-jährige White nahmen in einem Keller zusammen die vorliegenden Songs auf.

Die Master-Bänder lagen fast vierzig Jahre in einer Schachtel, bevor sie von Whites Frau wiederentdeckt wurden. Dem Sound hört man das Alter nicht an und die klassisch gemachten Bluegrass- und Americana-Songs sind sowieso zeitlos.

Mit akustischer Gitarre, Mandoline und Fidel beschränkt sich die Instrumentierung im Wesentlichen auf die genre-typische Begleitung des oftmals mehrstimmigen Gesangs. „(Stone Must Be) The Walls Built Around Your Heart” kratzt an der Vier-Minuten-Grenze, ansonsten erreichen die Song-Miniaturen in der Mehrzahl keine drei Minuten.

Mit „Forgive And Forget“ und „Gold And Silver“ startet die Scheibe locker und schwungvoll. Auch im weiteren Verlauf des Longplayers finden sich einige schnelle und eingängige Titel wie „Don’t Laugh“, „(That’s What You Get) For Loving Me” oder „Gonna Lay Down My Old Guitar“, die mit Mandolinen- und Picking-Einlagen glänzen. Daneben sind mit „Try And Catch The Wind“ und „February Snow” auch langsame Stücke vertreten.

An das Songwriting von Pete Seeger erinnert „I Might Take You Back Again”. „Six Wild Horses” hebt sich durch die tiefe Gitarre von den anderen Songs ab. Interessant sind „Regrets And Mistakes“, bei dem sich die Stimmen der beiden Sänger überlagern, und der Wechselgesang von „Nashville Blues“, der damit in die Nähe eines Gospels rückt.

Für Fans der beiden Künstler oder für Bluegrass-Freunde sind die Entdeckung der Aufnahme und deren Herausgabe durch Yep Roc Records/H’Art sicherlich ein Glücksfall. Die Scheibe ist dabei kein bloß historisches Dokument, sondern bietet immer noch hörenswerte Musik.

Spannend ist der Vergleich zwischen den Anfängen von Jim Lauderdales musikalischem Schaffen und seinem aktuellen, parallel veröffentlichtem Werk „Time Flies“, auf dem die Bluegrass-Wurzeln – wenn überhaupt – nur noch in den Zwischentönen zu erahnen sind.

Yep Roc Records/H’Art (2018)
Stil: Bluegrass/Americana

01. Forgive And Forget
02. Gold And Silver
03. (Stone Must Be) The Walls Built Around Your Heart
04. Six White Horses
05. I Might Take You Back Again
06. Try And Catch The Wind
07. Don’t Laugh
08. Regrets And Mistakes
09. February Snow
10. (That’s What You Get) For Loving Me
11. Gonna Lay Down My Old Guitar
12. Nashville Blues

Jim Lauderdale
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H’ART Musik-Vertrieb GmbH

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