Aynsley Lister – Eyes Wide Open – CD-Review

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Nachdem wir unsere Netze nach der schönen Sari Schorr-CD ausgeworfen hatten, blieb als erfreulicher Beifang auch noch das neue Werk von Aynsley Lister mit hängen. Brooklynn Promotion hatte, dankenswerter Weise, das Teil spontan, einfach mal in weiser Voraussicht, mit zur Lieferung beigelegt.

Bei Aynsley Lister kommen in mir natürlich Erinnerungen hoch. Ganz zu Beginn der Internetära hatte ich damals im Backstage-Bereich des Schwarzen Adlers, im Rahmen einer der ersten Konzertreviews, kurz Gelegenheit, mit dem zu dieser Zeit als kommendes Blues Rock-Wunderkind designierten Jungbriten, mittlerweile viel- und hoch dekorierter Awards-Gwinner, ein paar Worte zu wechseln. Seitdem ist viel Wasser den Rhein herunter gelaufen und das digitale Zeitalter hatte noch nicht seine Spuren (vor allem) in meinem allgemeinen Berufsleben hinterlassen.

Der am 14.11.1976 in der Stadt des amtierenden englischen Fußballmeisters geborene und auch noch immer als Gitarrenlehrer arbeitende Musiker, hat seine Augen weit offen gehalten und versucht mit seinem neuen Longplayer „Eyes Wide Open“, dem heutigen Anforderungsprofil des Blues Rocks Genüge zu leisten. Und das klappt, um es vorweg zu nehmen, recht gut.

Lister präsentiert sich als gereifter Musiker, der ganz klar den Fokus auf seine große Stärke legt: sein filigranes E-Gitarrenspiel. Er hat das Werk produziert, natürlich auch die Lead vocals übernommen und bis auf das von Tommy Castro verfasste „Right As Rain“ (Whitesnake-Note) auch alle Tracks im Alleingang komponiert. Begleitet wird er dabei von Musikern wie Steve Almadeo, Boneto Dryden, Andrew Price, Chris Aldridge, Bryan Corbett, Dale Gibson und Bennett Holland. Letztgenannter entpuppt sich mit vielen Orgeleinlagen als markantester Musiker neben Lister.

Die Lieder befinden sich alle im 5-Minuten-Bereich und mehr, bieten somit dem Protagonisten reichlich Gelegenheit, seine vielfältige Saitenspielkunst samt diverser Soli einzustreuen. Positiv ist hier zu vermerken, dass Listers nicht in allzu selbstverliebte Frickeleien ausarten, wie es ja bei vielen Kollegen seiner Zunft oft passiert. Er findet eigentlich immer  ganz gut den richtigen Zeitpunkt des Loslassens.

Berührungspunkte zu unserem Magazin sind eher rar gesät, meist nur, wenn die beteilgten Bläser souliges Ambiente verbreiten, wie bei „Everything I Have To Give“ oder beim Bounstrack „Hold You To It“. Dazu auf jeden Fall noch beim, ein wenig mit unterschwelligem The Band-Flair umgarnten „Other Part Of Me“ mit integriertem, Skynyrd-trächtigen, Southern Rock-E-Solo am Ende.

Im Prinzip erleben wir aber klassischen Blues Rock britischer Prägung. Toll das von alten Mafiafilmen inspirierte „Il Grande Mafioso“, mit über sieben Minuten Spielzeit der längste Track, der schön retromäßig mit typischen Bariton-E-Gitarren atmosphärisch dahin gleitet. Highlight für mich persönlich ist der herrliche Slow Blues „Won’t Be Taken Down“ mit seinen fulminant krachenden E-Gitarren-Bridges. Sehr schön entspannt auch „Kalina“ mit einem, sich fast in epische Sphären steigernden E-Solo.

Die CD kommt in einem sehr schön von Anthony Greentree illustrierten DigiPak, mit eingestecktem 24-seitigen, reich bebilderten Booklet, das alle Texte, sowie partiell auch noch persönliche Anmerkungen von Aynsley zu einzelnen Stücken enthält. Ein rundum gelungenes Teil dieses „Eyes Wide Open“ also in jeder Hinsicht. Schön mal wieder von Aynsley Lister gehört zu haben!

Straight Talkin‘ Records (2016)
Stil: Blues Rock

01. All Of Your Love
02. Everything I Have To Give
03. Il Grande Mafioso
04. Won’t Be Taken Down
05. Time
06. Dishellved
07. Troubled Soul (Intro)
08. Kalina
09. Handful Of Doubt
10. Right As Rain
10. Other Part Of Me
12. Stay
13. Hold You To It (Bonus track)

Aynsley Lister
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Brooke Lynn Promotion

Devon Allman – Ride Or Die – CD-Review

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Hatten wir vor einigen Tagen noch das Vergnügen, Devon Allman und seine Band im schönen Musiktheater in Dortmund live erleben zu können, ist jetzt auch noch seine gerade erschienene CD „Ride Or Die“ bei uns eingetrudelt.

Merkwürdigerweise hat er diese bei seinem Gig fast ganz Außen vor gelassen und lediglich den starken Opener „Say Your Prayers“ (ist auch im Studio eine satt rockende Nummer  mit herrlichen E-Gitarren geworden) als Zugabe gebracht. Ob es daran lag, dass lediglich Bass-Spieler Steve Duerst vom seinem Begleit-Line-up für einige Tracks hier involviert war, bleibt Spekulation. Aber eigentlich war der Name der Tour ja auch noch dem Vorgänger-Album gewidmet.

Wie dem auch sei, der dritte Longplayer in Zusammenarbeit mit Ruf Records, weiß von vorne bis hinten zu überzeugen, Papa Gregg darf zurecht stolz auf seinen Sohnemann sein. Bester Beweis ist der verdiente Spitzenplatz in den Billboard Blues Charts.

Produziert hat Devon selbst, assistiert, sowie Drums/Percussion gespielt, hat der, uns ebenfalls bestens bekannte, Tom Hambridge. Das Werk gefällt vor allem durch die recht unterschiedliche Gestaltung der einzelnen Tracks, die sich aber im Gesamtkontext durchgehend am Leitfaden von Southern-umwehter Blues Rockmusik orientieren. Die wunderbar eingängigen Melodien und Refrains tragen zur Eröffnung eines größeren Publikums bei, woraus sich auch o. a. Erfolg erklären lässt.

Zu den rockigeren Nummern zählen hier, zusammen mit dem bereits erwähnten Opener, das überragende „Galaxies“ (im Song kommt auch der Headder des Albums vor: „…when galaxies collide will you ride or die…“), das von Hambridge geschriebene „Shattered Times“, wobei Devons Les Paul-Unikat natürlich vehemente Spuren hinterlässt.

Die restlichen Stücke bewegen sich, fast immer, samt atmosphärischem Ambiente, im balladesken bis melodischen Midtempobereich. Lieder wie „Find Ourselves“ und „Vancouver“ wurden mit Saxofon-Einlagen (gespielt von Ron Holloway) aufgepeppt. Überragend auch Keyboarder Kevin McKendree, der mit hallenden/gurgelnden Orgel-Klängen, sowie Piano- und gluckernden E-Piano-Klimpereien seine brillanten Tastenqualitäten Preis gibt und oft starke Akzente setzt.

Zu den herausstechenden Liedern zählen das (im Stile wie einst Peter Frampton) mit quäkenden Talkbox-Soli durchzogene „Lost“ und am Ende das 8oer/90er -umwehte „A Night Like This“, das fast schon in Sphären bei David Bowie, Bryan Ferry (Roxy Music) oder dezent auch The Cure angesiedelt werden kann. Ein netter Indiz für Allmans Mut und Variabilität, mal andere Dinge auszuprobieren (wir hätten aber eigentlich lieber, wenn der Schuster auch in Zukunft bei seinen Leisten bliebe…).

Erwähnenswert am Ende ist vielleicht auch noch das tolle Coverbild mit dem, in ein digitales, orientalisch-farbenprächtiges Blumen-Arrangement, integrierten Totenschädel, designed durch Pete Paras (unter Mithilfe von J. Webber).

Devon Allmans neues Werk „Ride Or Die“ bestätigt den starken Eindruck, den wir bereits live von ihm bekommen haben. Ein heißer Kandidat sowohl für unser Album-, als auch Konzert des Jahres. Die Zusammenarbeit Allman/Ruf ist an einem ersten Zenit angelangt!

Ruf Records (2016)
Stil: Southern Blues Rock

01. Say Your Prayers
02. Find Ourselves
03. Galaxies
04. Lost
05. Shattered Times
06. Watch What You Say
07. Vancouver
08. Pleasure & Pain
09. Hold Me
10. Live From The Heart
11. Butterfly Girl
12. A Night Like This

Devon Allman
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Ruf Records

Adam Eckersley Band – 30.09.2016, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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Ein Gig, auf den ich mich schon beim Reviewen ihres Zweitwerkes gefreut hatte, stand gestern Abend in unserer geliebten Kulturrampe an. Die ‚Bartträger‘ aus Down Under, die Adam Eckersley Band, alias, der mich an einen hippieesken Keith Urban erinnernden, Frontmann Adam Eckersley (lead vocals, lead guitar), Scotty Greenaway (bass), Drummer Benny Elliot, und “Arizona” Dan Biederman (hammond organ, keys), machten zum ersten Mal Station in unserem Lande, und, als Teenage Head Music Act, war die beliebte Krefelder Location natürlich absolute Pflicht.

„Die Flugkosten von Australien werden die aber heute Abend wohl nicht einspielen“, scherzte ein Besucher, als die Rampe gegen 21:00 Uhr, kurz vor Beginn des Konzertes, einen noch ziemlich leeren Eindruck machte. Aber nur wenige Minuten danach, mit dem Gang der Jungs zur Bühne, hatte sich das Bild postwendend geändert und etliche, kurz zuvor wohl noch draußen und in der Lounge verweilende Leute, sorgten für eine mehr als stattliche Auslastung, sowie den gewohnt stimmungsvollen Rahmen.

Das Quartett stieg mit einem echten ‚Brett‘ in den, in zwei Sets, gespielten Gig ein. Das überragende „Took That Woman“, performt in einer knapp zehn-minütigen Hammerfassung, brachte das, wie immer heißblütige und sing-freudige Krefelder Publikum, direkt auf Betriebstemperatur. „Talk About Love“ stand mit starkem Piano-Solo im Zeichen von dem lustigen, sich seines Namens – keine – Ehre machenden Dan Biederman, der seine flinken Finger über die mitgeführte Korg-Allround-Klimperstation fliegen ließ. Der übrigens mit einer weiteren Bekannten unseres Magazins, Brooke McClymont (Part des auch in Nashville angesagten Gesangstrios The McClymonts), verheiratete Frontmann Adam Eckersley, pflegte noch ein Harp-Kurz-Solo mit ein.

Über viele starke Eigenkompositionen wie „Should’ve Known Better“, „Good Night“, „Mocha“ (schönes HT-Piano), „Hope It’s Alright“, das progressiv angehauchte „Live On“, ging es zum ersten Coverlied, dem sehr eigenwillig interpretierten J.J. Cale-Klassiker „After Midnight“ (Keyboarder Biederman mit schöner Tanzpirouette), das in einer wirklich fulminanten Version abgeliefert wurde. So machen solche Sachen dann auch Spaß! Mit dem in Marshall Tucker-Manier (Adam einmalig an der Akustikgitarre) gebrachten „Tomorrow Night, Same Again“, das auch überschaubar gehaltene Soli der Rhythmusfraktion enthielt, ging es in die Pause. Ein bärenstarker erster Set!

Die zweite ‚Halbzeit‘ stand dann mehr oder minder im Zeichen berühmter Coverstücke wie „Can’t You“ See“, „All Along The Watchtower“ oder dem Allmanschen „Whipping Post“. Ich persönlich brauche solche Stücke, die mich seit frühesten Jugendtagen hundertfach und mehr (auch in Live-Form) begleitet haben, eher weniger, auch wenn sie, nach wie vor, natürlich als Stimmungsmacher, von den meisten Leute gerne gehört werden. Ich bin eher ein Fan von möglichst viel gespielten Eigenkreationen, wie die, in diesem Fall u. a. sehr schönen „Wheels“ oder „Sex & Money“ & Co.

So verabschiedeten sich die Australier dann mit der stürmisch eingeforderten, einzigen Zugabe „Midnight Rider“ passender Weise in die gegen 23:30 Uhr schon langsam anrückende Nacht. Die Adam Eckersley Band hat mit ihrem ersten Auftreten bei uns eindrucksvoll bewiesen, dass man auch auf dem 5. Kontinenten, klasse Southern Rock zelebrieren kann.

Abschließen möchte ich meinen Bericht mit einem Facebook-Post von Mario Scholten, einem langjährigen passionierten Kulturrampen-Besucher: „Einen absolut tollen Abend mit der Adam Eckersley Band in der Kulturrampe Krefeld erlebt. Ein großartiges Konzert! Vielen Dank an Pille! Ohne ihn wäre das alles nicht möglich. Schön das es sowas gibt! Geht mehr auf Konzerte!“ – Da bleibt uns nur noch zu sagen: Wo er recht hat, hat er recht!

Line-up:
Adam Eckersley (lead vocals, lead guitar)
Dan Biederman (keyboards, vocals)
Scotty Greenaway (bass, vocals)
Benny Elliot (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Adam Eckersley Band
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Radio Birds – Contemporary American Slang – CD-Review

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Sicher eine der eigenwilligsten Scheiben, die ich seit Führung dieses Magazins zum Besprechen erhalten habe. Das aus dem Raum Atlanta, Georgia stammende Ensemble hatte zunächst einige Jahre zu drei-viertel Teilen als JK And The Lost Boys firmiert, bis man sich nach der Hinzunahme eines neuen Drummers und unter Zuhilfenahme eines Online-Votings, für den neuen Namen ‚Radio Birds‘ entschieden hatte.

Justin Keller führt die ‚Radio-Vögel‘ weiterhin mittels Mikro und Gitarre,  Jaz Dixon spielt die zweite Gitarre, Chase Lamondo bedient den Bass zeichnet sich für Harmoniegesänge verantwortlich. Der neue am Schlagzeug heißt Colin Dean. Ihr Debütalbum „Contemporary American Slang“ ist schon zu Anfang dieses Jahres herausgekommen und die Band hat es bereits intensiv ‚betourt‘.

Die Stimme von Justin Keller erinnert mich irgendwie immer an den guten alten Tony Carey, ihre, von vielen Tempo- und Stimmungswechseln und Verschachtelungen gekennzeichneten, zum Teil kauzig wirkende Songs, sehe ich am ehesten in der Indie-Rock-Szene verwurzelt. Diese werden noch mit psychedelischen und Country-/Bluegrass-Zutaten modifiziert. Eine öfters surrend eingesetzte Slide-Gitarre sorgt für ein dezentes Southern Appeal.

Unter dem ganzen Hin und Her und der, in den Refrains, oftmals schwer zu identifizierenden Titel, leidet, trotz durchaus zu attestierender Melodiösität, ein wenig der Wiedererkennungswert der meisten Stücke. Direkt ins Ohr gehen mehr oder weniger nur Sachen wie der stark Led Zeppelin-umwehte Opener „Hold On Me“, die schwermütige Southern-Ballade „Miss Ilene“ (langgezogenes schräges E-Gitarrensolo), das fröhlich-poppige „Paper Moon“ und der schöne countryeske/grassige Abschlusstrack „Wait For Me In The Fall“ (E-Piano, Fiddle, Mandoline).

Sind schon recht bunte Vögel, diese Radio Birds! Sie beweisen mit ihrem Debüt „Contemporary American Slang“ einen gewissen Mut, Stücke nicht nach „Schema F“ zu kreieren und umzusetzen. Mit einigen guten Ansätzen erarbeiten sie sich beim Rezensenten diverse Sympathiepunkte, ohne aber vorerst seine ganz große Liebe zu erlangen zu können!

Brash Music (2016)
Stil: (Southern) Indie Rock

01. Hold On Me
02. Your Favorite Part
03. Sleep City
04. The Beast
05. Dirty Rags
06. Chew Me Up
07. Time Ranger
08. Miss Ilene
09. Paper Moon
10. Red Wine, Hard Liquor
11. Wait For Me In The Fall

Radio Birds
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Teenage Head Music

Ryan McGarvey – 24.09.2016, Blues, Rhede – Konzertbericht

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Unser Trip zum Ryan McGarvey-Gig im Rahmen seiner ‚The Road Chosen-European Tour‘ im Rheder Blues war für mich aus zwei Gründen eine Reise ins Ungewisse. Zum einen bin ich, von Lebtag an, noch nicht in dieser, im westlichen Münsterland gelegenen Stadt (eigentlich gar nicht allzu weit von meinem Heimatort Rheinberg gelegen) gewesen, zum anderen ist der Protagonist des Abends, in musikalischer Hinsicht, auch absolutes Novum. Ich hatte ihn weder bisher live erlebt, noch besitze ich einen seiner Tonträger.

Kollege Gernot hatte ihn in solch hohen Tönen, beharrlich angepriesen, dass ich mich letztendlich überzeugen ließ, zumal McGarveys Abstammung aus Albuquerque, New Mexico, trotz seiner klaren Verankerung im Blues Rock, mir ein gewisses Southern-Flair suggerierte. Ich hatte mich dann, entgegen meiner sonstigen Art, bewusst dafür entschieden, mal völlig unvorbereitet in den Gig zu gehen, um den designierten Blues-(Rock-) Wunderknaben, absolut unvoreingenommen beurteilen zu können.

Unsere Reise führte uns dann hinter Wesel, an sich endlos aneinander reihen zu scheinenden, großzügig umlandeten, zum Teil mit stattlichen Eigenheimen bestückten, Gehöften vorbei. In mir als Miete zahlendem Angestellten, kam sofort ein tiefes Mitgefühl für die offensichtlich von immer mehr akuter Armut bedrohte Bauernschaft hoch und weckte spontanes Verständnis, für den steten Ruf der Zunft, nach weiteren Agrar-Subventionen…

Irgendwann tat sich dann der gepflegte Randbezirk des Städtchens auf und nach kurzer Zeit erreichten wir einen wunderschönen, von pulsierendem Leben begleiteten Ortskern. Inmitten dieses beschaulichen Treibens lag auch das Blues, ausgestattet mit einer einladend wirkenden Vorterrasse. Auch im Inneren konnte die mit weitläufiger Theke, relativ überschaubarem Stagebereich mit sehr kleiner Bühne (mit vielen tollen Künstlerbildern an den Wänden verziert) und einer weiteren Sichtebene in einer höher liegenden Etage, versehene Location, überzeugen.

McGarvey  und seine beiden Mitstreiter, Bass-Legende Carmine Rojas und Drummer Christopher Antoine Hill,  stiegen kurz nach Neun mit dem slideträchtigen „Blues Knockin‘ At My Door“ in den Set ein. Das war schon mal, aus der Sicht unseres Magazins, ein Auftakt nach Maß. Auch das folgende, atmosphärische „All The Little Things“ wurde von Ryan mit einer Gibson Firebird abgewickelt.

Für „Starry Night“ wechselte er zur Stratocaster, dem sich ein Bakersfield-umwehtes Instrumentalintro („Texas Special“) anschloss, das in einen Lenny Kravitz-angehauchten shuffligen Stampfer namens „Wish I Was Your Man“ vom aktuellen Album mündete. Grandios der klasse performte Slow Blues „Blue Eyed Angels Blues“, bei dem Ryan sein filigranes Können auslebte und Kollegen Gernot, in allerlei Posen, ordentlichen Stoff zum Fotografieren offerierte. Tolle Nummer!

Das knallharte „Little Red Riding Hood“, das brandneue Stück „Break My Heart“, die knackig rockenden „My Heart To You“ und „Drunken Dreams“ (fettes Finale) standen im Zeichen einer Les Paul-Gitarre. Ein Wermutstropfen war schon zu diesem Zeitpunkt einige technische Probleme und der schlecht ausgesteuerte Sound, der McGarveys Stimme nur sehr unterschwellig klingen ließ und den eigentlichen Superstar des Abends, den sich generös in den Dienst des Protagonisten stellenden Carmine Rojas (David Bowie, Rod Stewart, Joe Bonamassa), zu einigen, fast schon genervt wirkenden Gesten Richtung Mischpult veranlasste. Es besserte sich leider nichts. Trotzdem zogen sie natürlich den Gig weiter spielfreudig und routiniert durch. Auch das Publikum ließ sich nicht von seiner allgemeinen Begeisterung abbringen.

Der wieder mit seiner Firebird performte Blues „Memphis“ war dann der Vorbote für das von Gernot angepriesene (angedrohte) Paradestück „Mystic Dream“ mit integrierten Led Zeppelinschen „Kashmir“-Einflechtungen. Es wurde dann auch mit psychedelischem Gitarrengewitter zur erwarteten, knapp viertelstündigen Nervenprobe meinerseits. Aber Spaß beiseite, auch wenn solch eine Nummer nicht zu meinen Favoriten zählt, offenbarte sie doch die instrumentelle Klasse des Trios.

Den vehementen ‚Zugabe‘-Forderungen des frenetisch jubelnden Rheder Publikums folgte noch recht kompakt, das Hendrixsche „Spanish Magic Castle“. Nach knapp zwei Stunden Spielzeit, verabschiedeten sich McGarvey, Hill und Rojas, um dann nach kurzer Zeit, am Merchandising-Stand weitere Akquise und Sympathie-Werbung zu betreiben. So signierten sie auch noch ein paar von Gernots, vor kurzem im Schwarzen Adler, geschossene Bildern, die er auf beeindruckende dickwandige DIN A3-formatige Platten hatte konvertieren lassen.

Insgesamt ein gelungener McGarvey-Abend mit tollen und sehr sympathischen Musikern, klasse Stimmung und angenehmen Ambiente, mit dezenten Abzügen in der B-Note wegen dem wenig transparenten Sound. Vielen Dank an Tour-Manager Manni Küsters für die problemlose Akkreditierung.

Line-up:
Ryan McGarvey (lead vocals, guitars)
Carmine Rojas (bass)
Christopher Antoine Hill (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Ryan McGarvey
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Blues Rhede
Double K Booking

The Marcus King Band – Same – CD-Review

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Ich weiß nicht, wie oft ich im Laufe der Führung dieses Magazins, noch meine Verwunderung bzw. Bewunderung, bezüglich des unaufhörlichen musikalischen Talentreservoires äußern werde, das in den Staaten immer wieder zu Tage befördert wird.

Was im Land der unbegrenzten Möglichkeiten auffällt, ist die meist frühkindliche, intensive musikalische Erziehung, die dann auf die weitere Entwicklung meist ihre nachhaltige Wirkung hinterlässt.

Ein erneutes schönes Beispiel ist ein junger, gerade mal 20 Lenze zählender, aus Greenville, South Carolina stammender Spund, namens Marcus King (lead vocals, guitars, steel), der mit seiner Band, bestehend aus Jack Ryan (drums), Stephen Campbell (bass),  Matt Jennings (organ, keyboards)  und der Bläser-Section Justin Johnson (trumpet, trombone) sowie Dean Mitchell (saxophone), mittlerweile die Clubs und Konzerthallen der USA erobert.

Er spielte bereits ganz früh in der Band seines Vaters, dem, wie es für diesen Namen eigentlich nicht anders zu erwarten war, Bluesmusiker Marvin King, bevor er später die Weichen für eine eigene Karriere stellte.

Kein geringerer als Warren Haynes hat den Burschen für das neue, selbst-betitelte Album der Marcus King Band, unter seine Fittiche genommen. Das kommt auch nicht von ungefähr, nach dem Durchhören ist eine Bruderschaft, im Geiste der Musik, unverkennbar. Haynes hat das Werk produziert und fulminante Slides auf dem wohl stärksten Song (zumindest aus meiner Sicht) „Virginia“, einem schweren Southern Rock-Stampfer, eingestreut.

Haynes‘ Bewunderung für den jungen Protagonisten spiegelt sich in folgendem  Statement wider. „Marcus is the first player I’ve heard since Derek Trucks to play with the maturity of a musician well beyond his age. He’s very much influenced by the blues, but also by jazz, rock, soul music, and any timeless genres of music. You can hear the influences, but it all comes through him in his own unique way. He has one of those voices that instantly draws you in, and his guitar playing is an extension of his voice and vice versa.”

King selbst charakterisiert seine musikalische Ausrichtung als „soul-influenced Psychedelic Rock“. Insgesamt treffen beide dabei den Kern der Wahrheit wirklich ganz gut. Es ist in der Tat ein anspruchsvoll gestaltetes und instrumentiertes Konglomerat an Stücken, das aufgrund der starken Bläsereinbindung viele soulige/groovige/funkige/jazzige Momente aufweist (Tower of Power, Little Feat, JJ Grey), die gekonnt in eine Symbiose mit psychedelischen (70er-Flair – Free, Hendrix), Blues- und Southern Rock-Strukturen (Allman Brothers, Gov’t Mule, Elvin Bishop, Marshall Tucker Band) treten. Stellvertretend sei hier vor allem das Instrumental mit dem eigenwilligen Titel „Thespian Esionage“ angeführt.

Relativ überraschend tauchen im letzten Drittel des Werkes mit „Guitar In My Hand“ und „Sorry Bout Your Lover“ noch zwei Country-umwehte Tracks auf, bei denen Marcus auch seine Fähigkeiten in Sachen Akustik- und Steelgitarren offenbart. Beide Songs erinnern an frühere Marshall Tucker-Zeiten. Erwähnenswert vielleicht noch Kings, naturgemäß sehr jung, fast androgyn wirkende Stimme und der starke Gastauftritt von Derek Trucks bei „Self Hatred“.

Insgesamt präsentiert die Marcus King Band ein Album, das eher der anspruchsvolleren Klientel gewidmet ist. Nichts , was man mal eben so neben her laufen lassen kann. Der Respekt gebührt es, sich mit dem Geleisteten dieser jungen Truppe intensiv auseinander zu setzen. Die Musikszene darf sich über einen weiteren King freuen!

Concord Records (2016)
Stil: (Southern) Blues Rock & More

01. Ain’t Nothin‘ Wrong With That
02. Devil’s Land
03. Rita Is Gone
04. Self Hatred
05. Jealous Man
06. The Man You Didn’t Know
07. Plant Your Corn Early
08. Radio Soldier
09. Guitar In My Hand
10. Thespian Esionage
11. Virginia
12. Sorry Bout Your Lover

The Marcus King Band
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Oktober Promotion

Whiskey Myers – Interview

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Kaum war unserer Review zur neuen Scheibe von Whiskey Myers im Kasten, kamen unsere netten Partner von Oktober Promotion auf uns zu, und baten, der Band ein paar Fragen zu stellen. Der Bitte sind wir natürlich gerne nachgekommen und haben die Jungs, über sich und zur aktuellen Situation, ein wenig Stellung beziehen lassen.

Sounds Of South: Woher rührt euer Bandname?
Whiskey Myers: Es gab immer viele Spekulationen, was unseren Namen betrifft. Eines der interessantesten Gerüchte ist aber, dass er von einem mexikanischen Hahnenkampf herrührt.

Sounds Of South: Wie seid ihr persönlich mit dem neuen Album „Mud“ zufrieden? Welchen Rang würde es bei euren vier bisherigen Werken belegen?
Whiskey Myers: Wir sind sehr stolz auf unser neues Album „Mud“. Im Ganzen aber eigentlich auf alle unsere Werke, die wir veröffentlicht haben. Wir bewerten sie aber nicht tabellarisch. Sie sind zu verschiedenen Zeiten in unserem Leben und unserer Karriere entstanden und aufgenommen worden. Wir sind während unseres zehnjährigen Tourens natürlich auch als Menschen und Künstler reifer geworden.

Sounds Of South: Wie war die allgemeine Resonanz bisher?
Whiskey Myers: Sie ist ziemlich toll. Auch, wenn es ziemlich abgedroschen klingen mag, wir haben echt Wahnsinns-Fans, die uns immer wieder durch und durch nach vorne treiben. So versuchen wir jedes Album besser als das letzte hinzu bekommen.

Sounds Of South: Welche Wirkung haben die beiden neuen Musiker Jon Knudson und Tony Kent hinterlassen?
Whiskey Myers: Junge, diese beiden Burschen einiges zu unserem Grundgerüst beigetragen, Knudson spielt sowohl Piano als auch Fiddle. Tony sorgt für Percussion-Klänge. Er ist so eine Art ‚Good Vibes Captain‘. Beide sind fantastische Musiker sorgen für eine gewisse Würze, um den Sound der Band abzurunden. Sehr geschmackvolle Musiker.

Sounds Of South: Welche Dame ist für die herrlichen Harmoniegesänge verantwortlich?
Whiskey Myers: Kristen Rogers. Eine echtes Powermädel!

Sounds Of South: Wer kam auf die Idee mit dem tollen Coverbild?
Whiskey Myers: Unser Sänger Cody Cannon hatte die Idee „Mud“ zum Titelstück auszuwählen und uns irgendwie mit Schlamm ablichten zu lassen. Normalerweise machen wir uns, was diese Dinge betrifft, nicht allzu viele Gedanken. Aber, wenn ein Gedanke zur richtigen Zeit gut klingt, nehmen wir den natürlich auf.

Sounds Of South: Viele der der neuen jungen Acts die aus unserer Sicht mittlerweile den etablierten Bands der Southern Rock-Szene den Rang ablaufen, sehen ihre Musik gar nicht so sehr im Genre verankert. Auch von euch gibt es eigentlich kein so richtiges Bekenntnis. Woran liegt das?
Whiskey Myers: In dieser Sache werden wir eigentlich immer wieder befragt. Wir bestehen aus solch einer Mixtur von verschiedenen Sounds, das es sehr schwer ist, uns zu kategorisieren, gerade vom einen zum nächsten Song gesehen. Wir sind eigentlich ein paaar Southern Jungs, die sich dem Rock’n’Roll verbunden fühlen, egal, wie unsere Musik letztendlich genannt wird.

Sounds Of South: Welche Bands/Interpreten haben einen großen Einfluss auf eure Musik?
Whiskey Myers: Alle sind mit verschiedenen Musikrichtungen groß geworden. Über Led Zeppelin, Lynyrd Skynyrd bis zu Merle Haggard und Waylon Jennings. Ein großes musikalisches Spektrum hat uns alle beeinflusst, seit wir jung waren.

Sounds Of South: Wie realistisch seht ihr die Chance, mal in Europa/Deutschland eine Tour zu spielen? Viele Leute (inkl. mir) würden euch gerne mal hier live sehen!
Whiskey Myers: Bisher sind wir tatsächlich noch nie in Deutschland getourt. Aber euer Land steht auf der Liste ganz oben. Wir haben schon in Italien und Frankreich gespielt. In Großbritannien waren wir dieses Jahr schon ganz oft, letztes Jahr dort auf einigen Festivals und auf einer Tour mit The Cadillac Three. Unsere erste Headliner-Tour im Königreich wird im Dezember beginnen. Hoffen wir mal, dass es in Deutschland auch irgendwann klappt.

Sounds Of South: Was macht ihr privat, wenn die Musik mal ausgeblendet ist?
Whiskey Myers: Wir jagen und fischen sehr viel. Dazu spielen wir Golf. Wir sind alle auch an Liga-Sport-Events interessiert. Einige von uns haben dazu noch eigenständige Firmen, so gibt es eigentlich nie Langeweile.

Sounds Of South: Vielen Dank für das Interview!

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Das Interview in Englisch:

Sounds Of South: Where does the band name come from?
Whiskey Myers: Well there has always been a lot of speculation as to where the name came from. But, the most promising rumor has it came from a Mexican fighting rooster.

Sounds Of South: How do you feel about the result of „Mud“? What ranking does it take in relation to your previous albums?
Whiskey Myers: We are very proud of „Mud“. We’re really proud of all the albums we have released. We don’t really put them into ranks though. Cause they are all at really different times in our lives and career during all the album recordings. We have matured as people and artists throughout these past 10 years of touring.

Sounds Of South: How’s been the general response?
Whiskey Myers: The response has been great. It really has become a cliche term, but we really do have the most kick-ass fans that have continued to support us through and through. We just try to make every album better than the last.

Sounds Of South: What kind of effects has left the new members Jon Knudson and Tony Kent?
Whiskey Myers: Man, those guys have just added to our element so much. Knudson adds piano as well as fiddle and Tony plays percussion / good vibes captain. Two fantasic musicians that have just added the right touch of flavor to make us a more well rounded band. Very tasteful players!

Sounds Of South: Who’s responsible for the wonderful female background vocals?
Whiskey Myers: Kristen Rogers. Powerhouse!

Sounds Of South: Who got the idea concerning the funny cover picture?
Whiskey Myers: Lead singer Cody Cannon had the idea of Mud as a title track and, for the most part, us being covered in mud somehow. We usually don’t put too much thought into much. If an idea sounds good at the time we run with it!

Sounds Of South: Many of the new young acts of the Southern Rock scene , who are better now than most of the established bands, feel they don’t belong to that special genre. You haven’t done a ‘real’ commitment, too. What’s the reason?
Whiskey Myers: Having to categorize your music is just something we have ever been into. We’re such a mixture of different sounds that it gets hard to categorize, especially from one song to the next. Call it whatever you want man. We’re just southern boys playing Rock n Roll committed to playing music, whatever it may have to be called.

Sounds Of South: What kind of bands/performers have the most influence on your music?
Whiskey Myers: We all grew up loving so much different styles of music. From Led Zeppelin / Lynyrd Skynyrd to Merle Haggard and Waylon Jennings. Broad ends of the musical spectrum have influenced all of us since we were young.

Sounds Of South: How realistic are the chances to play a tour in Europe/Germany? Many people me including would like to see you here.
Whiskey Myers: Well we have never toured in Germany, yet! But it is at the top of the list for sure. We have toured Italy and France. And have been to the UK many times this year and last year for festivals as well as a tour with The Cadilac Three. Our first headline tour in the UK is coming in December. Hopefully Germany will not be far away!!

Sounds Of South: What do you do in your spare time apart from music?
Whiskey Myers: A lot of us hunt/fish. We golf. And we are all involved in a few league sporting events. Some of us own separate companies as well so no time is unspent for sure!

Sounds Of South: Thank you very much for the interview!

Whiskey Myers
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Oktober Promotion

Devon Allman – 20.09.2016, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Trotz ungünstiger Voraussetzungen (Arbeitswochentag, zeitgleiches Fußball-Bundesliga-Spiel des Dortmunders heiliger BVB AG bei VW Wolfsburg…), hatten an diesem Abend immerhin weit über 100 Zuschauer den Weg ins schöne Dortmunder Musiktheater Piano gefunden, um den Allman-Sprössling Devon (mittlerweile natürlich längst ein gestandener Mann) erstmals mit eigener Band zu begutachten.

Ihm kam vermutlich, neben seinen bisherigen guten Leistungen als Solo-Künstler, auch noch zu Gute, dass er bereits schon zuvor, seine Visitenkarte als Part der Allstar-Band Royal Southern Brotherhood in der beliebten Szene-Location, hinterlassen hatte.

Devon und seine Mitspieler Anthony Nanney, Steve Duerst sowie der technisch brillierende Zweitgitarrist Bobby Schneck jr. bewiesen nach pünktlichem Beginn um 20:00 Uhr mit dem fulminanten „Half The Truth“ sofort mal, wie herrlich live dargebotener Southern Rock rüber kommt, wenn so richtig kräftig in die Saiten einer Gibson Les Paul gegriffen wird (diese übrigens mit persönlicher geschriebener Widmung des Gitarrenbauers verziert). Für mich direkt einer der Höhepunkte des Gesamtsets.

Mit dem folgenden „Can’t Lose ‚Em All“ wurden erste musikalische Allman-Ur-Gene in nächster Generation weitergeleitet. Auch das später gespielte „Back To You“ (starke Gesangsleistung von Devon) ließ keinen Zweifel an seiner familiären Herkunft. „Mahalo“ entpuppte sich als eines von zwei megastark gespielten längeren Instrumentalstücken (dazu kam noch gegen Ende der grandiose Slow Blues „Midnight Lake Michigan“), bei denen alle Akteure ihr tadelloses Handwerk ausgiebig präsentieren konnten.

In Sachen Coverstücke wurde Claptons „Forever Man“ (vom „Behind The Sun“-Album) in ein schönes knackiges Southern Rock-Gewand gekleidet, Bob Marleys „No Woman, No Cry“ zur Interaktion mit dem gesangsfreudigen, wie immer angenehmen Piano-Publikum genutzt, das durch die legendäre Band von Daddy Gregg bekannt gewordene „One Way Out“ als Rausschmeißer erkoren.

Mit dem atmosphärischen „Left My Heart In Memphis“ wurde seine Royal Southern Brotherhood-Zeit gestriffen, das shufflig funkige „Could Get Dangerous“ lichtete die Honeytribe-Ära ab. „Say Your Prayers“ als erste Zugabe, war dann der einzige Track aus seinem gerade frisch auf den Markt gekommenen, neuen Longplayer „Ride Or Die“, der dann am Merchandising Stand rege Abnahme fand.

Fazit: Ein klasse Abend, der auch von den vielen kleineren Randnotizen lebte. Da war zum einen der sehr angenehme Band-Leader Devon Allman, der zwar klar demonstrierte, wer der Chef in seiner Truppe ist, den anderen Mitmusikern, aber immer auch wieder Gelegenheit gab, sich in den Vordergrund zu spielen.
Da war sein stetiges Bemühen, das Publikum immer wieder gesangstechnisch oder durch Klatschrhythmen einzubinden, sein ausgiebiger Spaziergang durch die Zuschauer bei „Midnight Lake Michigan“, seine sehr schön ausgewogene Bühnenpräsenz zum Wohle der recht vielen anwesenden Fotografen und die nette Geste, eine sehr junge begeisterte Zuschauerin (Kompliment von Sounds Of South übrigens an die Eltern für die gute musikalische Erziehung!) während eines Stückes an den Bühnenrand zu zitieren, um ihr ein Plektron zu schenken.

Am Ende gab er mit stoischer Ruhe noch Autogramme, bis dann auch der letzte Fan versorgt gewesen war. Insgesamt ein absolut runder Abend mit starkem Southern Rock Allmanscher Jung-Prägung, der wie im Nu verflog. Vielen Dank wie immer auch an Jenny von 3Dog Entertainment für die gewohnt unkomplizierte Akkreditierung.

Line-up:
Devon Allman (lead vocals, lead guitar)
Bobby Schneck jr. (guitars, vocals)
Steve Duerst (bass, vocals)
Anthony Nanney (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Devon Allman
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Sari Schorr – A Force Of Nature – CD-Review

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Wenn ein gestandener Musik-Veteran wie Mike Vernon, der in Sachen Blues (Rock) eigentlich alles erlebt hat (Produzent von u. a. der Original-Fleetwood Mac, John Mayall, Ten Years After, Climax Blues Band, Dr. Feelgood usw.) sich für das Erstwerk einer Künstlerin aus dem Ruhestand begibt, muss es dafür mehr als triftige Gründe geben.

Vernon hatte im Rahmen eines Blues-Festivals in Memphis, Tennessee, wo er mit einem Preis bedacht werden sollte, eine gewisse Sari Schorr live erlebt und war von ihrem Auftritt so angetan, dass er sich spontan entschloss, mit der Dame zwecks einer Zusammenarbeit in Kontakt zu treten.

Mittlerweile liegt das amtliche Ergebnis dieser Bemühungen in Form ihres Debütalbums vor und passend zur Urstimmgewalt der Protagonistin, wurde es mit „A Force Of Nature“ betitelt. Vernon hat die kräftige Produktion übernommen und zeichnet sich auch für diverse Percussion-Elemente verantwortlich.

Der  Großteil der Songs wurde von Sari selbst komponiert, assistiert haben Leute wie Henning Gehrke (u. a. Udo Lindenberg), Jimmy Yaeger, Vernon, Dave Fields und Quinque Ronal, der hier als Rhythmus-Gitarrist involviert ist. Dazu gibt es mit dem One-Hit-Wonder „Black Betty“ und dem Supremes-Klassiker „Stop! In The Name Of Love“ zwei sehr extravagant interpretierte Coverstücke, wobei gerade erstgenanntes mit der ‚Gitarrenentschärfung‘ und Temporeduzierung eine sehr interessant Variante darstellt und ehrfurchtsvoller Weise nicht versucht wurde, dieses doch einzigartige Original in irgendeiner Form, dank heutiger fortgeschrittener technischer Möglichkeiten, zu überbieten.

Getragen wird Sari Schorr größtenteils von spanischen Musikern, in persona von Leuten wie Julián Maeso, Nani Conde und Jose Mena, sowie Quinque Ronal. Für die Highlights neben ihrer großartigen Stimme – und das sind auf einem Blues Rock-Album nun mal die E-Gitarren – dürfen dann Szene-Musiker wie Innes Sibun, Oli Brown und Ikone Walter Trout auf seinem selbst verfassten „Work No More“, mit ihren quirligen Fills- und Soli brillieren.

Sari Schorr entpuppt sich bei ihrem Gesang als wahrer, vokales Magma speiender Vulkan, der sich in Sphären von Janis Joplin, über Sass Jordan bis zu einer Beth Hart bewegt. Ich persönlich mag es ungemein (natürlich auch bei männlichen Vertretern), wenn am Mikro nicht die üblichen 80-100 Prozent,  sondern bei jedem Track gleich gefühlte 120 gegeben werden und sich durchgehend  so richtig ‚mit Fleisch und Blut‘ reingehangen wird. Dies ist bei Sari Schorr absolut der Fall.

Was unser Magazin angeht, stellen die starken „Aunt Hazel“ (ZZ-Top-mäßiges Agieren von Sibun) und  das mit dezentem Allman-Teint bedachte „Demolition Man“ (typische Orgel-Klänge, schönes Klimper-Piano), Bezugspunkte her, einige Songs haben ein ähnliches Flair wie die einstige Damen-Southern Rock-Formation The Motherstation, um die Ex-Skynyrd-Backgroundsängerin Susan Marshall.

Ansonsten, werden die typischen Anforderungsprofile einer klassischen Blues Rock-Scheibe mit diversen Zusatz-Facetten bedient. Sehr schön das abschließende, Piano-getränkte, fast in Kammermusik-artigem Ambiente gespielte „Ordinary Life“, bei dem sich Saris grandiose Stimme natürlich besonders entfalten kann.

Fazit: „A Force of Nature“ von Sari Schorr weiß in allen Belangen zu überzeugen. Mit der Protagonistin hat die Damen-Riege des Genres eine weitere Röhre von brachialer Naturgewalt in ihren Reihen, der eine recht verheißungsvolle Zukunft bevorsteht. Ein tolles durchgehend starkes Album, dass auch wir ‚blind‘ empfehlen können. Schön, dass Sari Schorr mit ihrer The Engine Room Band dann nächstes Jahr auch zu uns nach Deutschland kommen werden.

Manhattan Records (2016)
Stil: Blues Rock

01. Ain’t Got No Mercy
02. Aunt Hazel
03. Damn The Reason
04. Cat And Mouse
05. Black Betty
06. Work No More
07. Demolition Man
08. Oklahoma
09. Letting Go
10. Kiss Me
11. Stop! In The Name Of Love
12. Ordinary Life

Sari Schorr
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Brooke Lynn Promotion

Billy Ray Cyrus – Thin Line – CD-Review

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Neuer Stoff von Billy Ray Cyrus! Nach vier Jahren Abstinenz, zumindest was die Neuveröffentlichung von Musik in eigener Sache angeht, hat es den umtriebigen Allround-Künstler erneut gepackt, wieder ins Studio zu gehen und ein weiteres Album aufzulegen.

Cyrus besitzt ja schon seit einiger Zeit mit Blue Cadillac Music sein eigenes Label und genügend finanziellen Spielraum, frei von irgendwelchem Druck, Musik zu komponieren und umzusetzen, wie es ihm gerade in den Sinn kommt.

Diesmal hat er schöne Mischung aus Neukreationen und Altstücken zusammengestellt, bei denen zum Teil in Wertschätzung, Einflussgrößen gehuldigt („Stop Pickin‘ On Willie“, „Hey Elvis“ – beides launige Uptemponummern) oder gecovert (Don Williams- „Tulsa Time“ , Kris Kristofferson – „Help Me Make It Through The Night“, Merle Haggard – „Going Where The Lonely Go“) werden.

Zur Umsetzung hat er dazu ein imposantes Aufgebot an Mitmusikern eingebunden, (teilweise Leute, die man auf einem Countryalbum nicht unbedingt erwarten würde) die dem Ganzen natürlich eine interessante Zusatzwürze geben.

Zunächst hat Shelby Lynne, beim wunderbar melancholischen Opener und Titelsong „Thin Line“ (großartiges Highlight) und dem, an Billys Mega-Hit „Some Gave All“ erinnernden „Sunday Morning Coming Down“, starke Gesangseinsätze, die ganz hervorragend mit Billy Rays Raspel-Organ (übrigens sehr tolle vokale Gesamtleistung  von ihm) in Einklang stehen.

Aerosmith-Gitarrist Joe Perry gibt dem rockig stampfenden „Tulsa Time“ mit furiosen Wah-Wah-E-Gitarreneinlagen einen herrlichen Drive. Shooter Jennings ist bei „Killing The Blues“ und „I’ve Always Been Crazy“ samt seiner schroffen Art mit an Bord und hat die Stücke auch produziert, letzteres wird durch Lee Roy Parnells klirrende Slide-Künste veredelt.

Dem nicht genug. Für den stimmungsreichen, rhythmischen, Fuß-wippenden Country Rocker „Hey Elvis“ bitten Rock-Superstar Bryan Adams und Ex-Deep Purple Bassist, sowie Ex-Black Sabbath-Sänger Glenn Hughes  mit inbrünstigen Harmoniegesängen (ihre markante Stimmen wurden deutlich hörbar zugesteuert) um die ersehnte Rückkehr des Rock’N’Roll Königs („…Hey Elvis,  come back to Memphis, you’re still the king“). Hughes musste dann auch beim balladesken „Hope (Let It Find You)“ nochmal ans Mikro. Jungstar Kenley Shea Holm assistiert beim Klassiker „Help Me Make It Through The Night“.

Das Ende steht dann ganz im Zeichen der Familie Cyrus: Sohnemann Braison beweist sein geerbtes Talent mit Harmoniegesängen und E-Gitarrenspiel auf dem klasse umgesetzten Haggard-Country-Schwofer „Going Where The Lonely Go“. Tochter Miley lässt den Hörer beim ‚Outstanding Track‘ „Angels Protect This Home“ quasi an einer spirituellen Sitzung mit Vater Billy teilhaben. Stoische Klangschalentöne  und tibetanisch anmutende Gesänge von beiden  (dazu ein paar Akustikgitarrenklänge von Billy Ray) fordern imaginär nahezu auf, in den Lotussitz überzugehen und den 9-Minuten währenden Abschluss-Track in Yoga-ähnlichen Sphären zu begleiten – Om!

Eine recht extravagante Zusatz-Geschichte, auf die man sich einlassen kann oder nicht, die aber nichts daran ändert, dass Billy Ray Cyrus mit „Thin Line“ wieder ein richtig starkes Country (Rock)-Werk abgeliefert hat. Der Mann bleibt ein toller authentischer Musiker, dem es immer wieder zuzuhören lohnt. Wir ziehen eine ganz dicke Linie unserer Hochachtung unter dieses gelungene Album!

Blue Cadillac Music (2016)
Stil: New Country

01. Thin Line (feat. Shelby Lynne)
02. Loving Her Was Easier (Than Anything I’ll Ever Do Again)
03. They’re Playin Our Song
04. My Heroes Have Always Been Cowboys
05. Stop Pickin‘ On Willie
06. Sunday Morning Coming Down (feat. Shelby Lynne)
07. Tulsa Time (feat. Joe Perry)
08. Hillbilly On
09. Killing The Blues (feat. Shooter Jennings)
10. I’ve Always Been Crazy (feat. Shooter Jennings & Lee Roy Parnell)
11. Hey Elvis (feat. Bryan Adams & Glenn Hughes)
12. Help Me Make It Through The Night (feat. Kenley Shea Holm)
13. Hope (Let It Find You)
14. Going Where The Lonely Go (feat. Braison Cyrus)
15. Angels Protect This Home (feat. Miley Cyrus)

Billy RayCyrus
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