The Marcus King Band – Soul Insight – CD-Review

cover The Marcus King Band - Soul Insight 300

Review: Stephan Skolarski

Das anhaltende Sammlerinteresse nach zusätzlichen Vinyleditionen bisheriger CD-Releases motiviert manche Band zur Wiederveröffentlichung (fast) vergriffener Longplayer. Diese erfreuliche Entwicklung erreichte auch den amerikanischen Singer/Songwriter und Gitarristen Marcus King, dessen Debut-Album nun als schwarze Doppel-LP wieder erhältlich ist.

Der damals erst 19-jährige Gitarren-Virtuose aus Greenville, South-Carolina, hatte im Oktober 2015 mit „Soul Insight“ einen grandiosen Einstand. Ein Werk, das stilübergreifend Southern Rock, Blues, Psychodelic-Jam-Improvisationen, Soul, Funk, Jazz und Country-Ansätze einfühlsam und explosiv verbindet. Die junge Formation war zuvor mit Marcus King (Lead Vocals, Slide Resonator Guitar), Jack Ryan (Drums), Anthony House (Bass) und Alex Abercrombie (Organ und Keys) Tournee Opener für Johnny Winter, die Foo Fighters und Gov’t Mule, deren Mastermind, Warren Haynes, die Band auf seinem Label zuerst unter Vertrag nahm.

Die sämtlich von Marcus King komponierten Songs reichen in ihren Dimensionen dementsprechend von Vorbild-Einflüssen der Allman Brothers („Boone“, „Keep Moving“) und Stevie Ray Vaughan („No Decency“), Gary Clark jr. („Dyin“) bis zu Warren Haynes himself („Always“); dabei werden zu den stets atemberaubenden Guitar-Passagen und Kings Südstaaten-akzentuierten Lead-Vocals starke Solo-Einlagen (Orgel, Saxophon und Bläser) arrangiert. Zwei Instrumentalstücke (u. a. „Booty Stank“) bilden den Southern-Psychodelic-Jam-Rock Anteil der Scheibe, die in modifizierten Soul/Jazz-Varianten Santana-Improvisationen einbezieht.

Der Versuch, das geniale Guitar-Phänomen Marcus King, auch als Performer und Produzenten, zu beschreiben, führt unweigerlich in eine familienbezogene, tiefgründig verwurzelte Musiktradition, die über frühkindliche Förderung und väterliche Vorbildfunktion wesentliche Grundsteine legte. So ist die Virtuosität des jungen Marcus King auf „Soul Insight“ bereits stilbildend und „electrifying“ und im Akustik-Country-Rock „I Won’t Be Here“ zum Abschluss des Albums nochmals „traditional classic“.

Im Rückblick auf einen inzwischen kometenhaften Aufstieg hat Marcus King mit seinem Debüt „Soul Insight“ alle damaligen Vorhersagen (siehe auch unser Review aus dem Jahr 2018) ausgiebig bestätigt. So auch die von Warren Haynes, seinem Mentor (2015) im Rolling Stone Magazin: „There’s this young guitar player singer from South-Carolina named Marcus King, who is starting to stir up quite a bit of dust, and I think the potential for his music is endless…..“. Eine Aussage, die der talentierte Guitarrissimo mit sprichwörtlicher Begeisterung erfüllt.

Fantasy Records (2021)
Stil: Southern Rock, Blues, Soul, Country

Tracks:
01. Always
02. Boone
03. Fraudulant Waffle
04. Honey
05. Dave’s Apparition Interlude
06. Everything
07. No Deceny
08. Dyin’
09. Booty Stank
10. Opie
11. Keep Moving
12. I Won’t Be Here

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The Marcus King Band – Same – CD-Review

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Ich weiß nicht, wie oft ich im Laufe der Führung dieses Magazins, noch meine Verwunderung bzw. Bewunderung, bezüglich des unaufhörlichen musikalischen Talentreservoires äußern werde, das in den Staaten immer wieder zu Tage befördert wird.

Was im Land der unbegrenzten Möglichkeiten auffällt, ist die meist frühkindliche, intensive musikalische Erziehung, die dann auf die weitere Entwicklung meist ihre nachhaltige Wirkung hinterlässt.

Ein erneutes schönes Beispiel ist ein junger, gerade mal 20 Lenze zählender, aus Greenville, South Carolina stammender Spund, namens Marcus King (lead vocals, guitars, steel), der mit seiner Band, bestehend aus Jack Ryan (drums), Stephen Campbell (bass),  Matt Jennings (organ, keyboards)  und der Bläser-Section Justin Johnson (trumpet, trombone) sowie Dean Mitchell (saxophone), mittlerweile die Clubs und Konzerthallen der USA erobert.

Er spielte bereits ganz früh in der Band seines Vaters, dem, wie es für diesen Namen eigentlich nicht anders zu erwarten war, Bluesmusiker Marvin King, bevor er später die Weichen für eine eigene Karriere stellte.

Kein geringerer als Warren Haynes hat den Burschen für das neue, selbst-betitelte Album der Marcus King Band, unter seine Fittiche genommen. Das kommt auch nicht von ungefähr, nach dem Durchhören ist eine Bruderschaft, im Geiste der Musik, unverkennbar. Haynes hat das Werk produziert und fulminante Slides auf dem wohl stärksten Song (zumindest aus meiner Sicht) „Virginia“, einem schweren Southern Rock-Stampfer, eingestreut.

Haynes‘ Bewunderung für den jungen Protagonisten spiegelt sich in folgendem  Statement wider. „Marcus is the first player I’ve heard since Derek Trucks to play with the maturity of a musician well beyond his age. He’s very much influenced by the blues, but also by jazz, rock, soul music, and any timeless genres of music. You can hear the influences, but it all comes through him in his own unique way. He has one of those voices that instantly draws you in, and his guitar playing is an extension of his voice and vice versa.”

King selbst charakterisiert seine musikalische Ausrichtung als „soul-influenced Psychedelic Rock“. Insgesamt treffen beide dabei den Kern der Wahrheit wirklich ganz gut. Es ist in der Tat ein anspruchsvoll gestaltetes und instrumentiertes Konglomerat an Stücken, das aufgrund der starken Bläsereinbindung viele soulige/groovige/funkige/jazzige Momente aufweist (Tower of Power, Little Feat, JJ Grey), die gekonnt in eine Symbiose mit psychedelischen (70er-Flair – Free, Hendrix), Blues- und Southern Rock-Strukturen (Allman Brothers, Gov’t Mule, Elvin Bishop, Marshall Tucker Band) treten. Stellvertretend sei hier vor allem das Instrumental mit dem eigenwilligen Titel „Thespian Esionage“ angeführt.

Relativ überraschend tauchen im letzten Drittel des Werkes mit „Guitar In My Hand“ und „Sorry Bout Your Lover“ noch zwei Country-umwehte Tracks auf, bei denen Marcus auch seine Fähigkeiten in Sachen Akustik- und Steelgitarren offenbart. Beide Songs erinnern an frühere Marshall Tucker-Zeiten. Erwähnenswert vielleicht noch Kings, naturgemäß sehr jung, fast androgyn wirkende Stimme und der starke Gastauftritt von Derek Trucks bei „Self Hatred“.

Insgesamt präsentiert die Marcus King Band ein Album, das eher der anspruchsvolleren Klientel gewidmet ist. Nichts , was man mal eben so neben her laufen lassen kann. Der Respekt gebührt es, sich mit dem Geleisteten dieser jungen Truppe intensiv auseinander zu setzen. Die Musikszene darf sich über einen weiteren King freuen!

Concord Records (2016)
Stil: (Southern) Blues Rock & More

01. Ain’t Nothin‘ Wrong With That
02. Devil’s Land
03. Rita Is Gone
04. Self Hatred
05. Jealous Man
06. The Man You Didn’t Know
07. Plant Your Corn Early
08. Radio Soldier
09. Guitar In My Hand
10. Thespian Esionage
11. Virginia
12. Sorry Bout Your Lover

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