Band Of Friends – 05.05.2017, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Blues Rock-Legenden-Time im Schwarzen Adler zu Rheinberg! Der mittlerweile stramm auf die Siebzig zugehende Gerry McAvoy hatte mit seiner, seit 2012 bestehenden Formation Band Of Friends, mit dem wuchtigen Marcel Scherpenzeel und Drummer-Urgestein Ted McKenna (Alex Harvey Band, Rory Gallagher, Gary Moore, Michael Schenker Group) im Vierbaumer Blues Rock-Tempel, Halt gemacht.

Aber ähnlich wie auch bei Hundred Seventy Split mit u. a. Gary Lyons vor ein paar Monaten, war hier ebenfalls absolut kein gemütlicher Alt-Herren-Abend angesagt, sogar ganz im Gegenteil, McAvoy & Co. bluesrockten mit einer Energie und Dynamik, von der sich viele Jungtruppen unserer Zeit (egal welchen Genres), gleich mehrere Scheiben abschneiden können.

Ich habe McAvoy das letzte Mal vor ewigen Zeiten live gesehen und zwar im Rahmen eines zweitägigen Rockpalast-Festivals auf der Loreley (mit u. a. Molly Hatchet, The Band und Lynyrd Skynyrd), als er für Nine Below Zero, zu Ehren seines langjährigen, berühmten Bandkollegen Rory Gallagher, in seiner unnachahmlichen Art, den Bass zupfte. Apropos Rory Gallagher: Band Of Friends wurden ja von Gerry ins Leben gerufen, um sich dem Songkatalog des 1995 verstorbenen Irens wieder intensiver widmen zu können, aber auch gleichzeitig eigenes Material zu entwickeln.

So ging es mit „The Man I Am“ von ihrem aktuellen Studio-Album „Repeat After Me“ mit der vollen Blues Rock-Seite zum Auftakt in den zweiteilig angelegten Set, um dann das ebenfalls gut mitgehende Ü40/50-Publikum, mit einem fetten Rory Gallagher-Brett, bestehend aus launigen Tracks wie u. a. „The Last Of The Independance“, „Shin Kicker“, „Follow Me“ (mit schönem Southern E-Solo von Scherpenzeel), „Moonchild“, „Philby“ und dem für mich überragenden „Do You Read Me“ (mit herrlichem ‚Leisespiel‘-Bridge von Scherpenzeel und McAvoy im Solo-Part) bestens in Stimmung zu bringen. Beim melodischen BOF-Stück „Homeland“ bewies Gerry neben seinen fulminanten Entertainer- und Bass-Spiel-Qualitäten, auch sein Talent als Leadsänger. Dieser Track war der einzige, der auch ohne intensive E-Gitarren-Solo-Passage punktete, und den 1. Set abschloss.

Nach einer knappen halben Stunde Pause ließ auch der zweite Abschnitt nicht in seiner Intensität nach. McAvoy erstickte jeden aufkommenden Anflug von Alters-Müdigkeit im Auditorium sofort im Keim. Er pushte, was das Zeug hielt, rannte ins Publikum und bat sogar eine blonde Dame zum Tanz auf die Bühne. Dazu kamen zu den Songenden oft launige Erweiterungs-Finishes, wo er McKenna nochmals ordentlich die Drums beackern ließ. Lediglich der überragende Slow Blues „A Million Miles Away“ (aber auch da animierte er zum Mitsingen) gab mal Gelegenheit zum Durchatmen. Mit „Bad Penny“ und dem überragend gespielten „Shadow Play“ gab es am Ende kein Halten mehr.

Die vom Publikum mit lauten Rufen und Gesängen eingeforderten Zugaben wurden dann mit einer starken Version von u. a. „Bullfrog Blues“ erhört, bzw. bedient, Scherpenzeel war hier von der ansonsten, auch für Gallagher typischen, abgewetzten Stratocaster, mal auf eine Telecaster umgestiegen.

Insgesamt war der Gig der Bands Of Friends eine höchst unterhaltsame, dynamische und temperamtvolle Angelegenheit (wie man es auch an den tollen Bildern von Gernot Mangold unten in der Galerie nochmal nachvollziehen kann). Das Trio um Gerry McAvoy hatte merklich, richtig Bock zu spielen, und dies übertrug sich natürlich absolut positiv auf alle Beteiligten. Auch die Akustik war trotz des powervollen Treibens der Band wieder klasse. Einer der besten Abende, die ich, als eigentlich passionierter Southern Rocker, bis jetzt im Adler erlebt habe. Hut ab, meine Herren Bandfreunde!

Line-up:
Marcel Scherpenzeel (lead vocals, electric guitar)
Gerry McAvoy (bass, lead vocals)
Ted McKenna (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Band Of Friends
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Schwarzer Adler

Chris Stapleton – From A Room Volume 1 – CD-Review

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Ich schreibe ja schon seit mittlerweile fast zwanzig Jahren CD-Reviews und ein Großteil davon war immer dem New Country-Bereich gewidmet gewesen. Ein über die Jahre gefühlter, unterschwelliger Begleiter war Chris Stapleton, zwar nicht rein musikalisch, allerdings auf geschätzt, unglaublich vielen Alben, meist als Co-Songwriter. Und in der Tat hat er ja auch so ziemlich für alles, was Rang und Namen hat, wie u. a. George Strait, Kenny Chesney, Luke Bryan, Tim McGraw und sogar für Popstern Adele als kreativer Ideengeber gewirkt.

Selbst auf dem neuen Jubileumsalbum der ebenfalls preisgekrönten Rascal Flatts, das demnächst hier besprochen wird, hat er mit „Vandalized“ schon wieder seine Finger mit im Spiel. Unterdrückt man mal seine ersten eigenen überschaubaren musikalischen Erfolge als reiner Musiker mit der Bluegrass-Band The SteelDrivers, ging es bei ihm aber erst 2015 mit dem Solo-Album „Traveller“ so richtig los, ja es brach mit den CMA-Awards, als er gleich drei Titel abräumte, fast schon ein richtiger Hype um seine Person aus.

Ob dem kauzigen, eher introvertiert wirkenden  Rauschebartträger der ganze Rummel so recht ist, wird er vermutlich nur selber wissen. „Traveller“ hat mich natürlich ebenfalls begeistert. Diese unaufdringlich instrumentierten Songs mit ihrer Melodik, dem hohen Wiederkennungswert und der starken Stimme des Protagonisten, sind schon wirklich faszinierend. So stieg die Spannung auf den Nachfolger in den letzten Wochen natürlich beträchtlich.

Jetzt ist sein neues Werk mit dem Namen „From A Room – Volume 1“ endlich da. Der Titel ‚Volume 1‘ suggeriert natürlich bereits, dass es weitere Auflagen geben wird und tatsächlich ist auch für Ende des Jahres die nächste Ausgabe geplant.

Was soll man sagen, die Scheibe ist klasse, aber auch von einer ergreifenden Schlichtheit geprägt! Das fängt mit dem nicht sonderlich visuell auffälligen Cover-Artwork an (nicht mal der Titel der Scheibe wurde auf dem Frontbild abgebildet, mit gerade mal neun, kompakt gehaltenen, kurzen Tracks, wurde die Maximalspielzeit einer CD nicht gerade ausgereizt, und die natürlich wieder bestechenden Songs, orientieren sich verständlicher Weise auch am sparsam instrumentierten Erfolgsrezept des Vorgängers.

Der vorab ausgekoppelte Opener „Broken Halos“ erinnert an den Titelsong des Debüts, beim folgenden Schwofer „Last Thing I Needed, First Thing This Morning“ (mit schön quäkender Mundharmonika, klasse Harmoniegesänge von seiner Frau Morgane), der einzigen Fremdkomposition, ist die spannende Frage, ob Chris einen ähnlichen Erfolg, wie einst 1983 Willie Nelson, mit dem Lied erzählen kann.

Kommen wir zu meinem Lieblingsstück: „Second One To Know“ ist der lebende beweis, dass Stapleton auch richtig (southern) rocken kann, klasse hier seine rotzige Stimme und sein E-Gitarren-Solo.  „Up To No Good Livin'“ ist ein steel-getränkter Slow-Waltz, wieder ist der Duettgesang des Ehepaars beeindruckend. ‚Reduktion‘ ist das Stichwort bezüglich des nur mit einer Akustikgitarre und Gesang konstruierten „Either Way“. Hier greift natürlich Stapletons grandiose Stimme, die sich dann auch brillant entfaltet.

Mit Stück 6 „I Was Wrong“ wechselt der Protagonist von der Countryschiene mehr auf die Bluesebene. Ein wunderbarer Slow-Blues voller Atmosphäre, tollen E-Gitarren und ergreifendem Gesang. Hier hast du wirklich, zumindest, was den Song betrifft, nix falsch gemacht, Chris!

Das ruhige „Without Your Love“ hätte auch gut auf Claptons damaliges „Ocean Boulevard 461“ gepasst. Tolle Nummer! Der Countryrock-Blues „Them Stems“ hat ein ähnlich rotzig freches Flair wie die eines Dan Bairds. Macht Laune. Bevor es jetzt zu überschwänglich wird, tritt Chris dann aber wieder auf die Bremse, um sich mit einem dezent introvertiert und psychedelisch-bluesig gehaltenen „Death Row“ wieder in seine Komfortzone zu begeben und gleichzeitig zu verabschieden.

Fazit: Das neue Album von Chris Stapleton „From A Room Volume 1“ ist schon richtig stark, aber nicht unbedingt auch ein Grund, vor Freude einen Doppelsalto mit dreifach angeschlossenem Flickflack zu machen. Bei allem Tamtam, das jetzt vermutlich wieder um seine Person veranstaltet wird, meine ich, dass man hier bei neun Stücken und nicht revolutionär neuer Musik, durchaus den Ball auf angepasster Höhe halten könnte. Und ich spekuliere mal, Chris persönlich wird das, von seinem Typus her, im Innersten, vermutlich auch ähnlich sehen. Trotzdem ist natürlich eine absolute Kaufempfehlung zu attestieren.

Mercury Records (2017)
Stil: New Country

01. Broken Halos
02. Last Thing I Needed, First Thing This Morning
03. Second One To Know
04. Up To No Good Livin‘
05. Either Way
06. I Was Wrong
07. Without Your Love
08. Them Stems
09. Death Row

Chris Stapleton
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Universal Music International

Frankie Ballard – 03.05.2017, MTC, Köln – Konzertbericht

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Eine Fahrt zu Konzerten nach Köln mit ihren verkehrstechnischen Besonderheiten (an vielen Stellen darf man z. B. nicht links abbiegen, abenteuerlich anmutende Parkplatzsuche), ist doch immer wieder schön, besonders, wenn man sich zu den, in dichtbesiedelten Wohngebieten liegenden Clubs, wie in diesem Fall, dem MTC, im Studentenviertel der Stadt, begeben darf.

Man mag es eine glückliche Fügung des Schicksals nennen, als nach mehreren vergeblichen Runden durch das Gebiet, sich plötzlich zwei junge Burschen, direkt vor der Nase, in ihr Auto zur Wegfahrt setzten, und der mitgereiste Fotograf Jörg Schneider und meine Wenigkeit sich dann in die enge Parklücke quetschen konnten.

Es war unser/mein erster Besuch im schlauchförmigen MTC-Club, der mich dann irgendwie an eine etwas verengte und etwas düstere Variante des ebenfalls nicht weit weg liegenden Luxors erinnerte. Nach und nach füllte sich die Location und als um 21:00 Uhr etwas unverhofft eine junge hübsche Dame, namens Marla, sich mit ihrer Akustikgitarre auf den bereitstehenden Barhocker vors Publikum setzte, hatten sich für einen Mittwoch in der Woche, geschätzt, gute 150 Zuschauer, für den eigentlichen Hauptact, den New Country Rocker Frankie Ballard, eingefunden.

Das langhaarige Mädel aus dem schönen Heidelberg ‚melancholierte‘ dann eine knappe halbe Stunde englisch gesungene Songs, aber im Stile und mit der Nonchalance einer französischen Liedermacherin/Chanteuse. Da das Anliegen der Reise jedoch nicht ‚Verliebt in Paris‘, sondern eher ‚Hungrig auf Nashville‘ war, ist man dann doch irgendwann froh gewesen, als Frankie Ballard inklusive ’seiner Jungs‘ Eddie Robinson, Travis McNabb und Robbie Harrington, mit dem launigen Opener „Drinky Drink“ die Bude ordentlich in Schwung brachte. Die Stimmung war von Beginn an bis zum Ende prächtig.

Das lag nicht zuletzt an der instrumentellen Qualität der beteiligen Burschen, ihrem agilen Auftreten, dem tollen Songmaterial (plus sehr stark interpretierter Covernummern wie u. a. „Folsom Prison Blues“ – Johnny Cash, „L.A. Woman“ – The Doors, „Hound Dog“ – Elvis, „You’ll Accomp’ny Me“ – Bob Seger) und natürlich auch an der mitnehmenden, freundlichen und humorvollen Führungsqualität des immer noch lausbubig wirkenden Protagonisten samt seiner tollen Stimme.

Frankie präsentierte im weiteren Verlauf unterhaltsame, kurzweilige, immer melodische Stücke aus dem eigenen Fundus seiner drei bisherigen Werke wie „Young & Crazy“, „Little Bit Of Both“, „Tell Me You Get Lonely“, „Wasting Time“, „It All Started With A Beer“ (die beiden letztgenannten Lieder mit Frankie an der Akustikgitarre), „Cigarette“, „Helluva Life“, „Good As Gold“ und „El Camino“, wobei man an der Setlist deutlich sieht, dass man sich naturgemäß vordergründig auf sein aktuelles Album „El Rio“ konzentrierte.

Wie bereits erwähnt, ein tolles Kollektiv dieses Quartett. Ballard überzeugte mit seinem rauchigen Gesang, guter und variabler Gitarrenarbeit sowie seiner aufs Publikum eingehenden und kommunikativen Art. Das kam hervorragend an. Der schlaksige Eddie Robinson beeindruckte mit vielen filigranen Fills und Soli, besonders klasse war’s, wenn er mit seinem Glasröhrchen zum Sliden ansetzte. Herrlich auch immer, wenn sich die beiden Gitarrenkönner zu den Southern Rock-typischen Twins ‚vereinten‘. Die Rhythmusfraktion mit Kraftpaket McNabb und Harrington, polterte, pumpte und groovte, was das Zeug hielt.

Mit der fulminanten, southern-rockigen Version von „Sunshine & Whiskey“ von gleichnamiger CD (erneut grandiose E-Gitarren von Robinson und Ballard) zum Abschluss des Hauptteils und der tosend eingeforderten Zugabe „You Could’ve Loved Me“ (wunderbare semi-akustische Ballade) verabschiedeten sich Ballard & Co. nach tollem Gig, wobei der Protagonist es nicht versäumte, am Ende auch noch ausgiebig Autogramme am Bühnenrand zu verteilen. Insgesamt somit eine fantastische Gesamtleistung von Frankie Ballard und Band! Er hat an diesem Abend hier sicherlich viele Freunde gefunden. Und auch die gute alte Domstadt am Rhein war deshalb mal wieder ihre Reise wert…!

Line-up:
Frankie Ballard (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar, percussion)
Eddie Robinson (electric guitar, slide guitar, vocals)
Robbie Harington (bass, vocals)
Travis McNabb (drums)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

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Wizard Promotions
MTC Köln
Jörg Schneider Webseite

The Regulators – Same – CD-Review

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1992, als die noch amtierenden bekannten Southern Rock Bands, aus vielerlei Gründen (aufblühende Popularität des Synthesizers, Druck der Plattenfirmen in Richtung Mainstream, aufkommende Konkurrenz-Stile wie u. a. Grunge, Sleaze Rock, personelle Veränderungen)  gehörig daran zu knabbern hatten, ihr Musik-Genre halbwegs gewinnträchtig am Laufen zu halten und dabei ihre Fan-Gemeinschaft nicht vollständig zu vergrätzen, brachte ein Sextett aus Huntington Beach, Süd-Kalifornien, relativ unbemerkt ihr Debüt heraus. Und dies direkt mit einem Major-Kontrakt im Rücken. Ein Grund, die Scheibe wurde zunächst nur für den amerikanischen Markt produziert und war hier damals demnach sehr schwierig zu beziehen.

Die sechs Herren Clifford Smith (lead vocals , harmonica), Jimi Hughes (acoustic and electric guitars, keys, bgv), Johnny Barnes (acoustic and electric guitars, bgv), Bobby Bird (acoustic and electric guitars), Randy Smith (bass, bgv) und Mark Aceves (drums, percussion, bgv) präsentierten sich im südstaatlich klassischen 3er-Gitarren-Line-up und erzielten mit ihrem Erstling einen hochwertigen, launigen Kompromiss, Southern Rock, im Rahmen der damaligen Begebenheiten, eine Frischzellenkur zu verabreichen.

Auch wenn das JFK-Attentat bereits zu diesem Zeitpunkt thematisch ausgelutscht erschien, kann der treibende Opener „Trouble In Dallas“ mit seinen krachenden E-Riffs und schönem Solo musikalisch punkten. „Outskirts“ brodelt und stampft in Skynyrd-mäßiger Tradition. Mit „Let It Ride“ lässt man Marshall Tucker Band-Ingredienzien mit Outlaws-typischen Vokal-Harmonien wie zu besten Zeiten wunderbar verschmelzen, toller Song.

„Good To Go“ versucht ein wenig, sich an ZZ Tops  einstigen „Eliminator“-Erfolgskonzept zu berauschen, klasse hier das Honkytonk-Piano, diesmal in der eher seltenen E-Variante. Überhaupt kommt die Scheibe mit recht wenig Keyboard-Anteilen aus, der ungeliebte Synthesizer bleibt, für ein Major-Projekt in dieser Ära, sogar erfreulicher und erstaunlicher Weise, ganz außen vor.

Hymnen-Charakter hat die Ballade „Last Chance“, die wieder viel Outlaws-Esprit aufweist, Clifford Smiths Gesang erinnert tendenziell an Hughie Thomasson. Hätte man vielleicht mit einem Gitarrenfinish noch ergänzen und am Schluss platzieren können. Das befreiende „Lay Down Your Money“ ist ein shuffliger Gute-Laune-Rocker, bei dem der Titel zum Mitgrölen animiert.

Mit das größte Hitpotential hatte vermutlich der „Texas Lawman“, ein herrliches Duett hier von Smith mit dem raunzenden Gastssänger Marq Torien. Die größte Aufmerksamkeit erzielten aber zwei der folgenden Tracks: Zum einen gelangte „Need For Speed“, bei dem die spielerische Gangart wirklich die Bezeichnung  ‚Nomen est Omen‘ verdient, in den Film „Kuffs“ (Ein Kerl zum Schießen) mit Christin Slater in der Hauptrolle und das groovige, mit einer satten Horn-Section unterstützte „Whiskey Fever“ in den Kinohit „Under Siege“ (Alarmstufe: Rot) mit Steven Seagal.

Das launige, poltrige „The Boys Are Goin‘ Out“ und die Bad Co.-Covernummer „Circles“ zum Ausklang, fallen unter die Rubrik ‚angenehmes Beiwerk‘. Aus meiner Sicht ein tolles, kurzweiliges Album mit jeder Menge filigraner und quirliger E-Gitarren, auch inklusiver Twin-Parts, neben dem einstigen Debüt von Copperhead (mit Neil Carswell) mit die unverhoffte Überraschung des damaligen Jahres.

Nur ein Jahr später, 1993, kam es dann allerdings knüppeldick für die Band. Die beiden markantesten Figuren (auch was das Songwriting anging), Jimi Hughes (bei einer Rauferei vor einem Hotel erschossen) und Clifford Smith (exzessive Lebensweise) verstarben unerwartet. Man versuchte 1998 mit veränderter, teils prominenter Neubesetzung (u. a. Ronnie Farrell und Asphalt Ballet-Fronter Gary Jeffries –  vom Original-Line-up waren nur noch Johnny Barnes und Randy Smith dabei) schlicht unter etwas reduzierter Firmierung ‚Regulators‘ mit dem Album „Bar & Grill“ (später noch mal modifiziert als „Above The Law“ herausgebracht) ein Comeback.

Dies ließ, vom Stil her, den Sound und Spirit der einstigen Truppe durchaus wieder aufleben, enthielt auch mit der Jimi Hughes-Hommage „Sweet Sustain“ eine echte Genre-Hymne (viele SR-Hardliner werden es insgesamt, aufgrund des raueren und weniger kommerziell angelegten Grundschemas, vermutlich sogar besser finden),  konnte, meiner Ansicht nach, aber gesanglich sowie von der Leichtigkeit und Eingängigkeit der Songs, nicht mit dem Erstling mithalten. Die Band (erneut personell verändert) rief sich im neuen Jahrtausend mit ein paar sporadischen Auftritten mal kurzzeitig in Erinnerung, ist aber sonst bis zum heutigen Tage nicht mehr großartig in Erscheinung getreten.

Polydur Records (1992)
Stil: Southern Rock

01. Trouble In Dallas
02. Outskirts
03. Let It Ride
04. Good To Go
05. Last Chance
06. Lay Down Your Money
07. Texas Lawman
08. Need For Speed
09. Boys Are Goin‘ Out
10. Whiskey Fever
11. Circles

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Cale Tyson – Careless Soul – CD-Review

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Der Rolling Stone führte ihn im Herbst 2014 unter den ’10 New Artists You Need to Know‘ und charakterisierte seine Musik als „old school, sad-bastard outlaw country for a new generation of excited country fans“. Auch das prominente Blatt The Guardian titelte begeistert über den jungen, aus Forth Worth stammenden Texaner “A traditionalist for the future”.

Mittlerweile liegt mir Cale Tysons zweites Album „Careless Soul“ zur Rezension vor, und in der Tat, traditionelle Countrymusik, wird hier, mit all ihren Facetten von einst, wirklich groß geschrieben. Für mich, um es zuzugeben, der lieber die rockigen Variationen des Country bevorzugt, eher gewöhnungsbedürftiger und schwieriger Stoff.

Tyson hat sich dazu mit gestandenen Musikern wie Jeremy Fetzer, Pete Lindberg, Skylar Wilson, Brett Resnick, David Hood, Jon Radford, Dan Knobler und Michael Rinne in die berühmten Fame Studios in Muscle Shoals, Alabama, begeben. Hinzu kommen noch eine Horn Section, ein String Quartett sowie diverse Backgroundsänger/-innen (u. a. Caitlin Rose). Michael Rinne (Emmylou Harris, Rodney Crowell) hat das Werk produziert.

Und so fühlt man sich beim Hören von Tysons Eigenkompositionen auch wie in die Sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurückversetzt. Eine Mischung aus Country im Stile der großen Meister (Johnny Cash/Hank Williams  z. B. bei „Dark Dark“, manchmal mit ein wenig Bakersfileld-Touch („Easy“, „Railroad Blues“), Waltz-artige, Melancholie-getränkte Schwofer („Somebody Save Me“, Traveling Man“) und ein paar Schunkler (High Lonesome Hills“), wie man sie vermutlich in den damaligen Dancehalls und Honkytonks vorgesetzt bekam, garniert mit etwas Soul („Staying Kind“, „Some Love A Woman“), teilweise an Sachen aus der Phil Spector-Ära erinnernd („Careless Soul“), und ein wenig Blues („Pain In My Heart“).

Cales Stimme und Brett Resnicks weinende, wimmernde und leiernde Pedal Steel (ohne dabei allerdings aufdringlich zu wirken), setzen naturgemäß die markantesten Akzente auf diesem Silberling.

Die zweite Scheibe von Cale Tyson „Careless Soul“ ist Wasser auf die Mühlen der Anhänger von Countrymusik der guten alten Schule. Interpreten wie u. a. Dwight Yoakam und J.P. Harris würde ich in etwa als ungefähre zeitgenössische Bezugsgrößen hier anführen. Der Bursche wird im Mai in Kürze zu drei Terminen auf Bühnen in unserem Lande vorstellig, darunter auch am 08.05.2017 in unserer geliebten Kulturrampe in Krefeld (siehe dazu auch unsere Konzert-Tipps).

Clubhouse Records (2017)
Stil: Country

01. Staying Kind
02. Somebody Save Me
03. Careless Soul
04. Easy
05. Traveling Man
06. Pain In My Heart
07. Railroad Blues
08. Dark Dark
09. High Lonesome Hill
10. Gonna Love A Woman
11. Pain Reprise
12. Ain’t It Strange

Cale Tyson
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H’ART Musik-Vertrieb GmbH

Thorbjørn Risager & The Black Tornado – 27.04.2017, Piano, Dortmund – Konzertbilder

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Thorbjørn Risager & The Black Tornado im Rahmen ihrer neuen CD „Change My Game“ zu Gast im vollen Dortmunder Musiktheater-Piano.

Unser Fotograf Peter Schepers war angesichts der spektakulären Leistung der Dänen, die er bis dato nicht kannte, absolut begeistert.  Seine, wie immer, auf den Punkt gebrachten Schnappschüsse des in zwei Sets geteilten Konzerts, diesmal hier bei uns in einer unten angefügten Bildergalerie.

Line-up:
Thorbjørn Risager (lead vocals, guitar)
Peter Skjerning (guitars, vocals)
Emil Balsgaard (Keys)
Søren Bøjgaard (bass)
Martin Seidelin (drums, percussion, vocals)
Hans Nybo (saxophone, vocals)
Peter W Kehl (trumpet, percussion, vocals)

Bilder: Peter Schepers

Thorbjørn Risager & The Black Tornado
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Jack The Radio – Badlands – CD-Review

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Letzten Monat besuchten Daniel und ich American Aquarium in der Kulturrampe Krefeld. Nach dem Konzert kamen wir ins Gespräch mit George Hage, der die Band auf der Tour verstärkte. Er drückte uns eine Promoversion von „Badlands“, dem immer noch aktuellen Werk von Jack The Radio, seiner eigentlichen Band, in die Hand. Die hier nahezu unbekannte Truppe aus North Carolina wurde schon 2009 gegründet und ist musikalisch unter anderem beeinflusst von Jack White, Tom Petty, The Black Keys, Spoon, My Morning Jacket, Jason Isbell, Ryan Adams und auch Taylor Swift.

Nun aber zu „Badlands“. Ich hörte die von George Hage selbst produzierte Scheibe das erste mal im Auto auf dem Weg zur Arbeit, ohne zuvor von JTR je etwas gehört zu haben. Bei den ersten Klängen von „Bad Man“ fühlte ich mich in meine Jugend zurückversetzt. Das Intro, in bester Manier von Filmmusik damaliger Italowestern, machte mich direkt neugierig. Der Song selbst ist leicht psychedelisch getragen mit schönen Gitarrensoli, meist im Hintergrund, und einem Refrain, der leicht an Indianergesänge erinnert und dem Song einen hohen Wiedererkennungswert gibt.

Mit „The Runaway“ wird es etwas rockiger und man vernimmt die Einflüsse der „Black Keys“ mit einem getriebenen Gitarren- und Schlagzeugspiel sowie zum Teil psychedelisch anmutenden Gesang. Ein Song, der in Rockdiskos alter Schule  zum Tanzen einladen würde. Mit „Ain’t So Bad“ spielen Jack The Radio einen Song, der die Einflüsse von Tom Petty erahnen lässt, ohne wie ein Abklatsch zu wirken. Auffällig sind mehrere Tempowechsel und Gitarrensoli, sowie der Einsatz vom Keyboard, welches wieder psychedelische Akzente setzt.

„The Takedown“, ein ruhiger Song, der auch im Hintergrund mancher Roadmovies ablaufen könnte, hat wie schon „Bad Man“ melodische Tendenzen, die der Italosparte zugeordnet werden können. „Leaves“, ein sehr melodischer Midtemposong mit schönen Keyboardeinlagen, könnte ebenfalls Bestandteil einer Petty-Scheibe sein. „Moonlight“, vom Stil her ähnlich wie der Song zuvor, ist durchaus als radiotauglich zu bezeichnen. Mit „My Way“ zeigen Jack The Radio, dass sie auch Southern Rock können. Schön anzuhören ist dabei das Gitarrensolo mit Bootleneck in der Mitte des Songs. Vom Gesangsstil her, sind hier Ähnlichkeiten zu Jaren Johnston von The Cadillac Three zu konstatieren. Könnte auch durchaus ein in Nashville produzierter Song sein.

Ihre Vielseitigkeit beweisen sie mit „City Slippin“, wo von Soul, Blues bis hin zu Southern Rock mehrere Musikrichtungen harmonisch miteinander verzahnt werden. „Criminals“, im Duett mit Elizabeth Hopkins, hat einen starken Coutryflair und man könnte meinen, Jeff Lynne hätte bei der Produktion Pate gestanden. Für mich persönlich der absolute Favorit des Albums. Einfach schöne Musik zum Genießen und Entspannen. Für mich passt auf diesen Song der Spruch eines Freundes: „Musik ist Liebe“!

Mit „Wild West Woman“ wird es wieder psychedelischer und der Rhythmus erinnert an indianische Tänze. Hier hätten auch Freunde von Potthead vermutlich ihren Spass. Der Midtempo-Track „Wayfared Warriors“  mit Country-Einflüssen, pettyesken Gesang, anmutigem Gitarrenspiel und leicht treibenden Drums, ist die Einleitung zum Finale des Werks. „Hills“ ein Song, der dem Southern-Genre zuzuordnen ist, bildet einen starken und auch sehr rockigen Abschluss. Den Song stelle ich mir mit seinem zum Teil brachialen Gitarrenspiel live als absoluten Abräumer vor.

Insgesamt eine starke Scheibe mit keinen musikalischen Längen oder Ausfällen, die insbesondere Fans von Tom Petty, NC und Southernrock gefallen wird. Durch die Vermischung mehrerer Stile kommt keine Langeweile auf. Ich war beim Hören nie in der Situation, mal schnell auf das nächste Stück zu drücken, so wie es bei einigen CDs manchmal der Fall ist. Schön wäre es, Jack The Radio mal in hiesigen Breiten live zu erleben. In ihrer Heimat spielten sie unter anderen immerhin schon als Support von Hall & Oates und George Thorogood.

Musiker:
George Hage – Vocals/Guitar/Keys/Producer
A.C. Hill – Vocals/Acoustic Guitar
Danny Johnson – Backing Vocals/Baritone Guitar/Lap Steel/Keys
Chris Sayles – Backing Vocals/Bass
Brent Francese – Drums
Elizabeth Hopkins – guest vocals on „Criminals“
BJ Barham – guest vocals on „Wayfared Warriors“

Review: Gernot Mangold

Pretty Money (2015)
Stil: Rock

01. Bad Man
02. The Runaway
03. Ain’t So Bad
04. The Takedown
05. Leaves
06. Moonlight
07. My Way
08. City Slippin
09. Criminals
10. Wild West Woman
11. Wayfared Warriors
12. Hills

Jack The Radio
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Dudley Taft – 22.04.2017, Blue Notez, Dortmund – Konzertbilder

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Der Ur-Groß-Neffe des 27. Amerikanischen Präsidenten spielte, an seinem zweiten Abend der Europatour, mit seinen Mitstreitern (Kasey Williams am Bass und Darin Watkins am Schlagzeug) ein zweigeteiltes Set, das keine Wünsche offen ließ. Neben einem Querschnitt aus seinen letzten drei Alben präsentierte er solche Klassiker wie: „Leland Mississippi Blues“ (Johnny Winter), „When The Levee Breaks“ (Led Zeppelin), If Heartaches Were Nickels“ (Warren Haynes, Joe Bonamassa), „Backdoor Man“ (Willie Dixon) und „Oh Well“ (Fleetwood Mac). Die Musik, eine Mischung aus Rock-, Blues-, Blues Rock- sowie Grunge-Einflüssen, von einigen als Seattle Blues bezeichnet, kam jedenfalls beim Publikum richtig gut an.
CD Tipp: „Live in Europe“

Bilder: Peter Schepers

Dudley Taft
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Blue Notez Dortmund

Patricia Vonne – 20.04.2017, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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Hochkarätige Kulturrampen-Zeit an einem Donnerstag in der Woche! Die heißblütige, aber dabei immer charmant und sympathisch agierende Patricia Vonne aus Austin, Texas, mit mexikanischen Wurzeln, hatte mit ihrer Band in der beliebten Krefelder Szene-Location zum Auftakt ihrer Europa-Tournee 2017, Halt gemacht. Mr. Kulturrampe, Markus ‚Pille‘ Peerlings durfte sich bei seiner einleitenden Ansage über eine ausverkaufte Hütte freuen. Eine schöne Anerkennung, wie ich meine, für seine engagierte, mit viel offen gezeigtem Herzblut, vollzogene tolle Arbeit in Sachen guter Live-Musik!

Patricia Vonne und ihre Mitstreiter Robert LaRoche, Harmen de Bresser (mit Beatles-typischem Bass) und Drummer Ben Bakker brachten mit dem Desert-rockigen Opener „This Cat’s In The Doghouse“ die Besucher der rappelvollen Rampe sofort auf Betriebstemperatur. Klasse hier das schrammlige E-Gitarren-Solo von LaRoche auf seiner imposanten schwarz-weißen Rickenbacker. Mit „Ravage Your Heart“ (schöne Tempowechsel, poppiger Refrain) von ihrem noch aktuellen Album „Rattle My Cage“ bewies die Vonne ihr Talent zu radiotauglichem Songwriting.

Zur schönen Tex-Mex-Ballade „Traeme Paz“ lieferte die Protagonistin mit „Bring Me Peace“ direkt die englische Übersetzung. Hier kamen auch die an ihrem Gürtel hängenden Kastagnetten (in rot und schwarz, passend zum Outfit) erstmals zum Einsatz. Weitere spanisch gesungene Lieder wie „Fuente Vaqueros“, „Guitarras Y Castañuelas“, „El Marinero“ (akustisch performt), „Que Maravilla“ oder „Severina“ zogen sich dann auch wie ein roter Faden durch das in zwei Sets angelegte Programm, wobei die umtriebige Fronterin, ihre omnipräsente Beweglichkeit (von den Füßen bis in die Haarspitzen) samt geräkelter lasziver und schlängelnder Gestik sowie filigranem Kastagnetten-Geklacker, in der Tradition einer energiegeladenen, rassigen Flamenco-Tänzerin, zur Schau stellte.

Das war wirklich schon toll anzusehen und auch unser schwer schuftende Fotograf Jörg Schneider schien, angesichts des attraktiven ‚Motivs‘, den Finger vom Auslöser seiner Kamera kaum runterzukriegen (er machte knapp 1.000 Bilder!!! – seine besten Schnappschüsse siehe dazu auch in der unten angefügten Galerie).

Überhaupt trug Patricia mit ihren kleinen Anekdoten und Anmerkungen zu sich und den Songs, zu einer durchweg ausgelassenen Stimmung bei. Ein Zuschauer erwiderte z. B. eine ihrer englischen Ansagen mit einem lauten „Muchas gracias“, was diese schlagfertig mit einem kurzen und trockenen „Bitte sehr“ konterte.

Als weitere Highlights auf meinem Notizettel habe ich Tracks wie „Mudpies And Gasoline“ (den Song kann man ja auch in Quentin Tarantinos Film „Hell Ride“ bewundern), das melodische „Worth It“ (Fleetwood Mac-Flair), das ZZ Top-infizierte „Sax Maniac“ (starke kratzige Gitarre von LaRoche), natürlich den, vor Power nur so strotzenden Titelsong ihres aktuellen Silberlings „Rattle My Cage“ (raunzende Bariton-E-Gitarre), das dezent Heartland-/Country-umwobene „Top Of The Mountain“ (brandneuer Song) und den starken, fetzigen Rausschmeißer „Rebel Bride“ (hatte was von Billy Idol), zum Ende des Hauptteils, vermerkt.

Ach ja, dann war da auch noch das von ihr und Bruder Roberto Rodriguez kreierte Instrumental „Mexicali di Chispa“, wo Patricia ihre Fingerfertigkeit auf einer Telecaster offerierte. Die Vonne stammt ja aus einer Großfamilie (lt. eigener Aussage neun Geschwister), wobei ihre Schwester Angela Lanza es zu Schauspieler-Ehren brachte und besagter Roberto mit Filmen wie u. a. „El Mariachi“,„Desperado“, „Once Upon A Time In Mexico“ und dem Kultstreifen „From Dusk Till Dawn“ als Regisseur brillierte.

Als das Quartett letztendlich mit dem von Robert LaRoche gesungenen Buddy Holly-Cover „Rave On“ (Patricia übernahm hierbei die Drums, der agile Schlagzeuger Ben Bakker dafür die Akustikgitarre) und einem weiteren spanisch gesungenen launigen Tex-Mex-Feger („Cancion del Mariachi“?) einen nach scharfen Chili-Schoten anmutenden, unterhaltsamen, äußerst kurzweiligen und schweißtreibenden Gig im Zugabenteil beendet hatte, konnte es eigentlich dann bei Pilles netten Bedienungen an der Theke in der KR-Lounge, anschließend nur noch heißen: „Señorita, una cerveza grande por favor…!“

Line-up:
Patricia Vonne (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar, drums, percussion)
Robert LaRoche (electric guitar, acoustic guitar, vocals, lead vocals „Rave On“)
Harmen de Bresser (bass, vocals)
Ben Bakker (drums, acoustic guitar)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

Patricia Vonne
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Kulturrampe Krefeld
Jörg Schneider

Henrik Freischlader – 19.04.2017, Zentrum Altenberg, Oberhausen – Konzertbericht

Freischlader_Haupt

Mit einer neuen Scheibe im Gepäck starte Henrik Freischlader eine recht spontane Tour unter dem gleichnamigen Motto „Blues For Gary“. Nachdem ich kurzfristig und unproblematisch eine Akkreditierung über die Florence Miller Agency erhalten hatte, ergab sich spontan und zufällig vor dem Konzert die Möglichkeit zu einem Gespräch mit der Chefin höchstpersönlich über den Ursprung der Tournee.

Henrik hatte schon länger geplant, ein Werk zu Ehren seines Idols Gary Moore zu produzieren und Anfang des Jahres war wohl der richtige Moment dafür gekommen. Zusammen mit etlichen Gastmusikern und den damaligen Begleitern von Gary Moore, Pete Rees am Bass und Vic Martin an den Keyboards, wurde innerhalb kurzer Zeit ein Album produziert, das Stücke, welche Gary Moore in seiner leider viel zu kurzen Karriere veröffentlicht hat, beinhaltet. Mit den Worten „viel Spaß und du wirst Großes hören“, endete unsere Konversation und genau mit dieser Erwartungshaltung ging ich dann auch in das Konzert.

Gegen 20 Uhr eröffnete der Support ROMI, ein Duo mit Mickey Neher an den Drums und Gesang sowie Roman Babik an den Keyboards. Unterhaltsame knapp 40 Minuten, bestehend aus einer Mischung von Jazz und Blues mit stark psychedelischem Hintergrund, kamen im ordentlich gefüllten Zentrum Altenberg gut an.

Gegen 21 Uhr begann nach einer kurzen Umbaupause Henrik Freischlader mit seiner Band. Zunächst beschrieb er die Intention und Bedeutung von Gary Moore für seine eigene Karriere, um nicht ungeschickt, passend zum Thema, mit dem Moore-Klassiker „Still Got The Blues“ zu beginnen. Schon am Anfang stellte Freischlader unter Beweis, dass er mit Sicherheit einer der besten deutschen Bluesmusiker ist und den Vergleich zur englischen oder amerikanischen Konkurrenz nicht zu fürchten braucht. Es folgten „You Upset Me Baby“, ein B.B. King-Klassiker, den Moore 2001 coverte sowie „Oh Pretty Woman“ und „Stormy Monday“ aus der Feder von Albert King.

Beeindruckend war dabei die Harmonie der Band. Pete Rees am Bass hatte, sich Duelle mit Freischlader liefernd, immer ein Lächeln im Gesicht, Moritz Meinschäfer beeindruckte mit variationsreichem Drumspiel und der oft in sich gekehrte Vic Martin an den Keyboards, oder besser gesagt, an der guten alten Hammond, untermalte die performten Tracks zuweilen mit regelrechten Klangteppichen. „I Loved Another Woman“ , „Don’t You Lie To Me“ schlossen sich an, wobei es Henrik gelang, das Publikum für den Backgroundgesang einzubinden. Hier war zu merken, wie der Funke von den Musikern aufs Publikum übersprang, aber auch, wie im Gegenzug diese Atmosphäre auch von ihnen aufgenommen wurde.

In den eher ruhigen Passagen hätte man die sprichwörtliche Nadel fallen hören können. Mit „Since I Met You Baby“ und dem Hathaway-Klassiker „I Love You More Than You’ll Ever Know” ging es dynamisch weiter und Freischlader samt seiner Begleiter, untermalten körpersprachlich das Spiel der Instrumente. Der Hauptteil wurde mit „Too Tired“ und „The Sky Is Crying” abgeschlossen, wobei das letzte Stück durchaus das Seelenleben des Protagonisten offerierte, dass Gary Moore nicht mehr unter uns weilt.

Schön waren hier auch die Passagen, als der Bandleader an der Gitarre und Martin an den Keys sich duellierten und Letztgenannter nach einer gewissen Zeit aufgab und nur noch staunend dem exzellenten Saitenspiel zuschaute. War er im Gedanken bei seinem alten Bandleader Moore oder war es der Respekt vor den Gitarrenkünsten Freischladers? Vermutlich von beidem etwas.

Nach den Ovationen des Publikums – Florence Miller stand mittlerweile sichtlich glücklich über den bisherigen Abend, auch direkt vor der Bühne – folgte als Zugabe noch eine ausgedehnte Version von „The Messiah Will Come Again“, passend zum vorherigen Stück. Wenn man Moore als Messias sieht, dürfen wir uns wenig Hoffnung machen. Da müssen wir uns leider wohl eher auf die alten Aufnahmen beschränken. Wenn man aber den heutigen Abend betrachtet, darf man getrost sagen, dass wir uns keine Sorge machen müssen, dass der Blues im Stile eines Gary Moore in Vergessenheit geraten wird.

Insgesamt ein starkes Konzert, mit gut gelaunten spielfreudigen Musikern, der Lust auf Zukünftiges macht. Wer auf Henrik Freischlader und Gary Moore steht, sollte alles versuchen, sich für eines, der in den nächsten Wochen stattfindenden Konzerten, Karten zu sichern. Wenn ich an den Gesichtern der Zuschauer in Oberhausen die Güte des Gigs ableiten möchte, so habe ich kein einziges enttäuschtes gesehen.

Line-up:
Henrik Freischlader (lead vocals, electric guitar)
Vic Martin (keys)
Pete Reese (bass)
Moritz Meinschäfer (drums)

Text+Bilder: Gernot Mangold

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Zentrum Altenberg Oberhausen