Speedbuggy USA – Kick Out The Twang – CD-Review

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Wie bereits in unserem Konzertbericht zu ihrem Gig in der Krefelder Kulturrampe erwähnt, hatte mir Lead-Sänger Timbo noch ihre neue, brandaktuelle CD „Kick Out The Twang“ anschließend, zwecks eines weiteren Reviews, mit auf den Weg gegeben, dem ich hiermit natürlich gerne nachkomme.

Die Band hatte ja bereits diverse Tracks in ihrer Setliste vorgestellt, so war die Frage, ob die Studioversionen und der unbekannte Rest genau so zünden würden, wie es auf der Bühne der Fall gewesen war.

Zum Live-Line-up, bestehend aus Sänger Timbo, Gitarrist Seth von Paulus und Drummer Jamie Dawson, kommen diesmal der etatmäßige Bassist Brady Sloan und als Ergänzung noch Pedal Steel Guitar-Spieler Gregg McMullen hinzu. Produziert hat das Werk in einem sehr schön transparenten Sound (alle Instrumente sind jederzeit sehr schön heraus zu hören) Seth von Paulus. Aufgemacht ist die Scheibe in einem schlichten, zu ihrer Musik aber passenden, lebhaft gestalteten Digipak, mit einem Bandbild und den relevanten Informationen in kurzer knapper Form.

Die Kalifornier eröffnen den Silberling mit ihrer neuen Interpretation des Monkees-Hits von 1966 „Last Train To Clarksville“, dem sie der damaligen beatlesken Note, mit einer Bakersfield-Sound-umwehten Variante, jetzt ihren eigenen Stempel aufdrücken. Die Band ist ja großer Fan dieses Musikstils. “ Das fetzige „Get Around“ kommt auf der CD natürlich nicht so brachial wie beim Live-Auftritt herüber, geht aber, dank Dawsons poltrigem Drumming, ebenfalls gut ab.

Gleiches gilt in etwa für die weiteren bereits live präsentierten Stücke wie „Hold My Head Up High“, „South Bound“, „Wood, Screws And Nails“ oder „Rodeo Star“ (allesamt aufgrund ihres stimmungsträchtigen Uptempo-Charakters natürlich nicht rein zufällig für ihre Sets ausgewählt) und das durch Joe Cocker so richtig bekannt gewordene „Unchain My Heart“, hier sehr schön atmosphärisch in Szene gesetzt.

Songs, wie das schon fast Waltz-artige „Shaky Town“, das melancholische „Sorry“, der mit einer Akustikgitarre geführte „Honky Tonk Singer“ und das mit einer klirrenden Mandoline geschmückte „The Devil With Me“ (mein Lieblingsstück des Albums), offerieren das ruhigere Wesen der Band und geben Pedal Steel-Spieler McMullen großzügig Raum, sein Instrument, weinen, leiern oder wimmern zu lassen.

Fronter Timbo, der mich vokal irgendwie immer ein wenig an Dan Baird erinnert, beweist, dass er zu jedem Tempo singen kann, Seth von Paulus lässt seine filigranen Künste auf der Telecaster, meist in Bariton-Manier (z. T. schön retro), natürlich zuhauf einfließen. Launig auch noch, das wieder Mandolinen-bestückte, folkige „Long Gone“ und der dezent Southern-rockige Ausklang mit  „Darlin I’m Comin Home“ (Bluefields-, Blackberry Smoke-Flair).

Speedbuggy USA lassen mit ihrem Studio-Album „Kick Out The Twang“ ebenfalls keinen Zweifel daran, dass sie musikalisch gesehen, das Herz auf dem richtigen Fleck sitzen haben. Ein Werk, mit dem man zuhause nach den ersten paar Bierchen, einen gemütlichen Grill-Nachmittag im Garten, in ein launigen Party-Abend verwandeln kann. Authentischer, unterhaltsamer, sehr empfehlenswerter Country Rock-Stoff!

Wagon Wheel Records (2017)
Stil: Country Rock

01. Take The Last Train To Clarksville
02. Get Around
03. Shaky Town
04. Hold My Head Up High
05. South Bound
06. Sorry
07. Wood, Screws And Nails
08. Unchain My Heart
09. Long Gone
10. Honky Tonk Singer
11. Rodeo Star
12. The Devil With Me
13. Darlin I’m Comin Home

Speedbuggy USA
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Teenage Head Music

The Drugstore Gypsies – Same – CD-Review

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Klasse Debüt einer jungen Band aus Texas namens The Drugstore Gypsies. Das Quintett, bestehend aus Duke Ryan (lead vocals), Dillan Dostal (guitars, vocals), John Wilson (Hammond organ, guitar, vocals) sowie der Rhythmusfraktion Korey Davis (bass, vocals) und Rey Chapa (drums, percussion, vocals), hat sich dabei geradlinigem kraftvollen Rock verschrieben, der auf klassischen Strukturen basiert und mit den beliebten Ingredienzien ihrer Heimat wie Southern Rock, Country, Blues oder auch Americana-Tupfern verifiziert wird.

Der Sound ist schön vollmundig und druckvoll, und wird vornehmlich dominiert von kernigen Gitarren sowie bei dem ein oder anderen Song zusätzlich „erhitzt“ durch eine punktgenau eingesetzte, aber nie zu dominant wirkende Horn-Section. Sehr stark wirkt der prächtig aufspielende Lead Gitarrist Dillan Dostal, der immer wieder mit rauen, dreckigen Soli, auch Slide, daherkommt. Das Songmaterial ist durchweg exzellent und besticht mit einer vorzüglichen Melodik.

Die Jungs, die in letzter Zeit über 200 Gigs zusammen absolviert haben, beginnen ihr zehn Stücke umfassendes Erst-Werk mit dem Titelsong „The Drugstore Gypsy“, einem krachenden Rocker über das teilweise chaotische Flair in ihrem Tourleben, im Stile der Georgia Satellites/Black Crowes (herrlich raunzendes Slide-Intro), der dazu von der zünftig plusternden Bläsersection (Travis Cielieski – trumpet, Tyler Summer- saxophone) Unterstützung erhält. Gleiches gilt für die beiden weiteren Tracks wie das  launige „Breakin‘ The Law“ (erinnert ein wenig an „The Long Run“ von den Eagles) und den shuffligen Midtempo-Rocker „Live The Life“ (hallende Orgel, quirliges E-Solo in Skynyrd-Manier).

Beste Beispiele für ihr euphorisches Auftreten und ihre unbändig erscheinende Energie sind Lieder wie ihre knackige Hommage an eine berühmte Whisky-Sorte aus dem Staate Tennessee mit „Black Label Boogie“(knarzige E-Gitarre, gurgelnde Hammond, deftig polternde Drums), das sich schon fast in Motörhead-Sphären befindliche, aggressiv dahingeschmetterte „Show Up Show Down“ (fast wie Lemmy auf einem Südstaaten-Trip) oder das von einem, an AC/DC reminszierenden E-Gitarren-Lick getragene „Bayou Got The Best Of Me“ (tolles Slide-Solo vom stark auftrumpfenden Dillan Dostal).

Die für ihr noch junges Bestehen (seit 2014) bereits sehr variabel und abgeklärt wirkende Texas-Combo, komplettiert ihre Vielseitigkeit mit dem bluesig-progressiven, wie auf Samtpfoten daherschleichenden „Kitty Strut Blues“ (man assoziiert unweigerlich Songs wie Pink Floyds „Shine On You Crazy Diamond“ oder Blackberry Smokes „The Whippoorwill“) und Americana-umwehten Kleinoden der Marke „Runnin‘ To“ (heulende Orgel, Tom Petty-Touch), dem melodischen Ohrwurm „Keep You Rollin‘ On“ oder dem zurückgenommene, in musikalisch warmen Pastelltönen gezeichneten Finale „Indian Summer“, das besonders Duke Ryans wandlungsreichen Gesang in den Fokus rückt.

Fazit: Ein tolles, vor Energie nur so strotzendes Debüt einer jungen und äußerst hungrig wirkenden texanischen Band, die sicherlich noch einiges vor hat. Anzumerken ist dabei ihr spielerisches als auch schon kompositorisches Talent (alles Eigenkreationen). Wie heißt es in einem amerikanischen Review so treffend: „…they sing about rolling your windows down and letting the good times roll. The Drugstore Gypsies is the ideal album to do just that.“ Wir meinen schlichtweg: Genauso ist es! Ein absolut tolles, mächtig Laune machendes Debüt der Drugstore Gypsies!

Edgewater Music Group (2017)
Stil: Red Dirt / Country Rock

01. Drugstore Gypsy
02. Runnin‘ To
03. Black Label Boogie
04. Breakin‘ The Law
05. Kitty Strut Blues
06. Show Up Show Down
07. Live The Live
08. Bayou Got The Best Of Me
09. Keep You Rollin‘ On
10. Indian Summer

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Bärchen Records

Watermelon Slim – Golden Boy – CD-Review

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Was für ein Leben, was für ein Gesicht! Bill Homans alias Watermelon Slim hat in seinem Leben schon wirklich viel erlebt. Oder sollte man aufgrund seines zerfurchten Charakterantlitzes besser sagen ‚durchgemacht‘? Er ist Vietnam-Veteran, war Arbeiter (aus dieser Zeit stammt sein Spitzname ‚Watermelon Slim‘, als er auf einer Wassermelonenfarm arbeitete), Trucker und Sozialaktivist, bevor er sich vor rund 15 Jahren dazu entschloss, hauptberuflich der Musik zu widmen, nachdem er seine Vietnam-Erfahrungen bereits 1973 in seinem ersten Album „Merry Airbrakes“ verarbeitet hatte.

So ganz nebenbei hat er es in seinem abwechslungsreichen Leben auch noch geschafft, einen Bachelor-Abschluss in Journalistik, sowie einen Masters-Diplom in Geschichte zu erlangen und er ist Mitglied von Mensa International, einem Verein für hochbegabte Leute. Da wundert es nicht, dass er sich das Gitarrespielen selbst beibrachte, während er in Vietnam verwundet im Lazarett lag.

Unterstützt von neun Musikern und einem fünfköpfigen Chor, hat Bill Homans für sein neues Album „Golden Boy“ zehn Stücke aufgenommen, von denen sieben Songs aus seiner eigenen Feder stammen. Alle Tracks der CD lassen sich stilistisch aber nicht so recht in eine einzige Schublade packen. Es ist eher ein Konglomerat verschiedenster Bluesspielarten, aber immer mit durchaus politischen und zeitkritischen Texten versehen. Leider sind diese oftmals nicht gut zu verstehen, was wohl dem, für europäische Ohren, nuscheligen Gesang von Watermelon Slim geschuldet ist.

Hinzukommt, dass seine Bassstimme zwar sehr interessant und authentisch klingt, aber in ihrer Modulation doch eher begrenzt ist. So führt er im, in der CD beiliegenden Booklet im Line-up hinter seinem Namen bezeichnenderweise auch nicht ‚vocals‘, sondern ‚voice‘ an… Glücklicherweise stehen die Lyrics aber ebenfalls zum Nachlesen in dem Heftchen. Gewidmet hat er die CD den ‚Vietnam Veterans Against The War‘ und der kanadischen Nation, mit der ihn viele freundschaftliche Beziehungen verbinden.

Gleich mit dem ersten Stück der CD „Pick Up My Guidon“, welches sich am ehesten dem Chicago-Blues zurechnen lässt und nach meinem Geschmack wohl der beste Titel auf dem Silberling ist, geht es kraftvoll los. Der in den Refrains Zuversicht ausstrahlende Song handelt ganz allgemein davon, sich von Schicksalsschlägen nicht unter kriegen zu lassen.

In dem etwas düsteren „WBCN“ singt Homans, von Marschtrommeln begleitet, mit seiner Grabesstimme gegen Nazis an. Auch der Coversong „Barrett’s Privateers“, im Original von Folksänger Stan Rogers gesungen, wirkt wegen seines reinen A-Capella-Sprechgesanges wie ein Drillsong der US Army. Einen musikalischen Kontrast dazu bieten die Tracks „You’re Going To Need Somebody“ und „Northern Blues“, zwei wunderbare Finger-Picking-Delta-Blues-Songs und „Mean Streets“, einem weiteren harten Blues-Stück, in dem es um die Situation von Obdachlosen geht.

Indianische Einflüsse hingegen finden sich in „Wolf Cry“. So klingt Watermelon Slim wohl, wenn er auf Kriegspfad geht. „Cabbagetown“, geschrieben von Scott Nolan, dem Produzenten dieses Albums, ist, genau wie „Winners Of Us All“, bei dem es um die Opfer des amerikanischen Traums geht, ein schöner melodiöser Slow-Blues, ‚Cabbagetown‘ allerdings mit dezenten irischen Folkeinflüssen. Zum guten Schluss singt er dann noch in ‚Dark Genius‘ über die Verdienste von JFK und Sadat.

Wie gesagt, die Tracks gehören schon alle irgendwie ins Bluesgenre, sind innerhalb dieses Spektrums teilweise aber recht unterschiedlich angelegt. Die alles zusammenhaltende Klammer ist dabei Watermelon Slims sonore, aber schnell monoton wirkende, vom Leben geprägte Stimme.

Review: Jörg Schneider

Dixie Frog Records (2017)
Stil: Blues Rock

01. Pick Up My Guidon
02. You Are Going To Need Somebody On Your Bond
03. WBCN
04. Wolf Cry
05. Barrett’s Privateers
06. Mean Streets
07. Northern Blues
08. Cabbagetown
09. Winners Of Us All
10. Dark Genius

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Speedbuggy USA – 10.04.2017, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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Kulturrampen-Time an einem für Konzerte eher ungewöhnlichen Montag! Speedbuggy USA standen im Schlepptau von Teenage Head Music auf dem Programm und waren unter dem Motto und Titel ihrer neuen CD „Kick Out The Twang“ in Sachen zünftigem Countryrock nach Krefeld angereist.

Das Quartett aus Los Angeles um ihren charismatischen Leader Timbo, sowie Gitarrist Seth von Paulus, Drummer Jamie Dawson und THM-Tourmanager Max Porkrib (!!!), der den etatmäßigen Bassisten Brady Sloan fließend und durchaus angemessen ersetzte (Sloan kann leider berufsbedingt nur die Hälfte der Gigs ihrer sechs-wöchigen Europa-Tour mitspielen) heizten die anwesenden Leute (der Besuch war für diesen extravaganten Termin durchaus in Ordnung) mit ihrer Bakersfield-umwehten, zum Teil punkigen Country-Mucke ordentlich ein und ergatterten dafür zurecht ordentliche Sympathiepunkte.

Die Jungs starteten mit „Truck Drivin Man“ und „Sad And Lonely“, zwei Stücke aus ihrem 2003er-Album „Red Eyed And Rowdy“, gefolgt von dem fast Irish Pub-tauglichen Gröler „Rusted Cars“ und dem tempogeladenen, speed-trächtigen „Movin On“.

Mit dem punkig abgehenden „Get Around“ gab es das erste Stück aus ihrem brandaktuellen Silberling „Kick Out The Twang“, der im späteren Verlauf naturgemäß auch immer stärker in den Vordergrund gerückt wurde.
Eine erste Verschnaufspause gewährte die schon fast dylaneske Ballade „Liars, Thieves & Ramblers“, klasse hier das Telecaster-Solo vom zierlichen Seth von Paulus, der sich ansonsten mit seinen vielen quirligen Bariton-Einlagen für die filigrane Note in den überwiegend ruppigen Songstrukturen verantwortlich zeigte. Er hat übrigens auch das neue Album produziert.

Zwei weitere Tracks dieses neuen Werkes „Hold My Head Up High“ sowie „Wood, Screws And Nails“ standen im Zeichen einer markanten Resonator-Mandoline, die von Fronter Timbo allerdings eher recht ungehobelt als Rhythmus-Instrument traktiert wurde.

Das atmosphärische „Bakersfield eröffnete quasi die zweite Hälfte des immer stimmungsvolleren Gigs. „Set ‚Em Up“ hatte schon was von Dan Baird und seinen Georgia Satellites. Die Hommage an den „Club 190“ in Louisiana (fulminantes Bariton-E-Solo von von Paulus), das von dezenter, alkohol-geschwängerter Kneipen-Melancholie umwobene „Close Down This Honky Tonk“, das fetzige „Rodeo Star“, die herrlich eigenständige Coverversion von Cockers „Unchain My Heart“ (unterschwelliger Rockabilly-Touch) und das erneut cow-punkige „South Bound“ sorgten für viel Abwechslung. Eine furiose Version von Bakersfield-Sound-Legende Buck Owens‘ „Goodbye, Good Luck, God Bless You“ (zum Finale ging richtig die Post ab), den die Burschen ja besonders in ihr Herz geschlossen haben, beendete einen kurzweiligen und sehr unterhaltsamen Hauptteil.

Sehr gut gefiel mir der hingebungsvoll und engagiert singende Bandchef Timbo mit seinen teilweise unterhaltsamen und selbst-ironischen Ansagen. Er und seine agilen Kumpanen taten mit authentischer Spiel- und Bewegungsfreude auf der Bühne (Timbo mit teilweise einbeinigen Verrenkungen, die einmal sogar fast in einen Sturz Richtung Dawsons Schlagzeuganlage mündeten), ihr Übriges, für sehr viel positive Chemie, zwischen ihnen und den Leuten. Das kam natürlich zurecht gut an.

Das Verlangen auf Nachschlag wurde mit drei launigen Zugaben (u. a.  „Nevada“, „I Got Loaded“) bedient, wobei Timbo beim abschließenden poltrigen „Engine No. 9“ nochmals zur Resonator-Mandoline griff. Da gab es selbst für die Blondine unseres Alters direkt vor der Bühne am Ende kein Halten mehr und es wurde erneut fast schon ekstatisch das Tanzbein geschwungen.

Nach dem Konzert überreichte mir der sympathische Timbo noch die neue, besagte CD „Kick Out The Twang“, welche natürlich in Kürze hier ebenfalls beleuchtet wird. Insgesamt ein sehr schöner, motivierender Auftakt für den Rest der kurzen Woche dank Speedbuggy USA – einfach klasse Live-Musik!

Line-up:
Timbo (lead vocals, electric guitar, resonator mandolin)
Seth von Paulus (electric guitar, vocals)
Max Porkrib (bass)
Jamie Dawson (drums, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Trace Adkins – Something’s Going On – CD-Review

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Starkes 12. Album des vielseitigen Country-Raubeins, der jetzt schon seit über 20 Jahren in Nashville und darüber hinaus (auch als viel gebuchter Schauspieler) im Geschäft ist. „Something’s Going On“ heißt sein aktuelles Werk auf seinem neuen Label Wheelhouse Records und beweist, dass der alte Recke es, trotz einiger persönlicher Ups and Downs, immer noch drauf hat.

Trace Adkins zählt ja zu den Interpreten, die in der Regel fast  nie kompositorisch aktiv sind, um so mehr ist da ein gutes ‚Händchen‘ gefragt, passende Songs zu ergattern, und das hat er, ähnlich wie zum Beispiel Tim McGraw, auch diesmal überwiegend gut hinbekommen. Auf dieser Scheibe ist ihm wieder unter der Regie von Produzent Mickey Jack Cones (Joe Nichols, Randy Houser, Dustin Lynch) eine abwechslungsreiche und kurzweilige, auf ihn bestens gemünzte Auswahl zu attestieren.

Getragen wird er hier von einem Musikerteam, das man mit Leuten wie Lonnie Wilson, Nir Z, Mark Hill, Troy Lancester, Jeff King, Kenny Greenberg, B. James Lowry, Tony Harrell, Jim Brown, Mike Johnson, Dan Dugmore, Jenee Fleenor, Wes Hightower, Perry Coleman, Shelly Fairchild und Angela Primm zur Creme de la Creme der Nashville-Gilde zählen kann. Cones hat hier natürlich auch mitgewirkt (E-Gitarre, Keys, Background vocals).

Schon der swampige und coole Opener „Ain’t Just The Whiskey Talkin'“ (dezentes Jason Aldean-Flair) ist für Trace wie auf den Leib geschnitten. Mit Tracks wie „Jesus And Jones“, den humorvollen „I’m Gone“ und „Country Boy Problems“ sowie dem patriotisch gefärbten „“Still A Soldier“ wird er vielleicht nicht gerade bei Frauen- und Friedensbewegungen hoch im Kurs stehen, aber natürlich den großen überwiegenden Teil der amerikanischen Countrymusik-Klientel auf seiner Seite haben.

Richtig poppig und funkig, auch tanzbar,  geht es bei Stücken wie „Gonna Make You Miss Me“ und „Lit“ zu, bei erstgenanntem darf der alte Charmebolzen, rein textlich, auch Taylor Swift ein wenig anflirten.

Die besonderen Momente des Albums bieten ganz starke Tracks wie das atmosphärische „Watered Down“ (typischer Country-Erzählstil, Akustikgitarre, dazu weinende Steel), das überragende Titelstück „Something’s Going On“ (markante Bariton-E-Gitarre, Pianotupfer, Steel, E-Solo mit „Hotel California“-Touch)  und das dezent introvertiert performte „Whippoorwills And Freight Trains“, beide in Montgomery Gentry-Manier performt, sowie der melancholische Abschluss mit „Hang“ (schönes E-Solo). Besonders bei diesen Stücken kann sich Adkins‘ immer noch ausdrucksstarke Stimme bestens entfalten.

Mit seinem erneut richtig guten Album „Something’s Going On“ hat Trace Adkins gezeigt, dass er nach seinen vielen durchgestandenen Problemen (wie u. a. Alkoholsucht, Scheidung, Todesfälle im Umfeld) musikalisch wieder Morgenluft wittert und mit ihm auf diesem Terrain immer noch jeder Zeit zu rechnen ist. Ein starkes Werk, das durchaus mit dem einen oder anderen Hit belohnt werden wird.

Wheelhouse Records (2017)
Stil: New Country

01. Ain’t Just The Whiskey Talkin‘
02. Jesus And Jones
03. Watered Down
04. Something’s Going On
05. If Only You Were Lonely
06. Gonna Make You Miss Me
07. I’m Gone
08. Country Boy Problems
09. Lit
10. Still A Soldier
11. Whippoorwills And Freight Trains
12. Hang

Trace Adkins
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Bärchen Records

Krissy Matthews – Live At Freak Valley – CD-Review

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Bereits 2013 hatte ich das Vergnügen, den damals noch 21-jährigen Krissy Matthews in der Kulturrampe, einem kleinen aber feinen Klub in Krefeld, live zu erleben. Zu der Zeit zupfte noch sein Vater Keith den Bass und Chris Sharley bearbeitete das Schlagzeug. Der Gig war damals schon ziemlich gut, aber leider hatte ich den Jungen danach etwas aus den Augen verloren. Und nun fast vier Jahre und ein Studioalbum später, legt er jetzt endlich seine lang erwartete erste Live-CD vor. Aufgenommen wurde der Gig im Sommer letzten Jahres auf dem seit 2012 jährlich stattfindenden 3-tägigen Freak Valley Festival in der Nähe von Siegen.

Natürlich ist bei solchen Festivals die Dauer der Auftritte der einzelnen Bands immer sehr begrenzt, insbesondere wenn sich in den knapp drei Tagen insgesamt 28 Bands präsentieren möchten. Von daher beinhaltet Krissy Matthews knapp einstündiger Auftritt leider nur acht Songs. Um den Silberling trotzdem voll zubekommen, sind aber noch drei Bonustracks drauf, die im Frühjahr 2016 in einer von Matthews Lieblings-Locations, dem ‚Gerd’s Juke Joint‘ in Joldelund (Norddeutschland) live mitgeschnitten wurden. Und er legt Wert darauf, dass die Aufzeichnung, im Gegensatz zu vielen anderen Konzertmitschnitten, nicht nachvertont wurde und das Konzert samt seiner Atmosphäre deshalb unverfälscht wiedergeben werden.

Leise Töne schlägt der britische Bluesrocker mit norwegischen Wurzeln auf seiner Live-CD gewiss nicht an. Die Songs kommen alle in härterer Gangart daher und besitzen vielfach Headbanger-Qualitäten. Matthews Gitarrenspiel ist wahnsinnig schnell und gereicht dem, als schnellsten Gitarristen der Welt bejubelten Alvin Lee, durchaus zur Ehre. Dennoch, in seinen Stücken wechseln sich die wilden, flirrenden Gitarreneinlagen immer wieder mit ruhigeren oder einfach nur pulsierenden Passagen ab. Die Songs wirken daher nie nur laut oder abgedreht, der Sound ist kraftvoll und frech, Matthews Stimme immer klar und deutlich.

Dafür, dass die CD nicht nachverfolgt wurde, bietet sie einen tollen Sound. Matthews ist Vollblutmusiker mit einer ungeheuren Bühnenpräsenz, der sein Publikum schnell in den Bann zieht. Leider kommt dies auf der CD nicht so gut raus, weil das Konzert nahe liegender Weise hinsichtlich einer optimalen Wiedergabe abgemischt und die Stimmung im Publikum von daher etwas zurückhaltend aufgezeichnet wurde. Schade an sich, weil ja gerade dieser Aspekt einen Großteil dazu beiträgt, die Live-Atmosphäre eines Konzertes einzufangen.

Fast alle Songs des Konzertes stammen von Matthews letzten beiden Alben, so auch der Opener „Feeling For The Blues“ vom 2011er Album „Hit The Rock“, ein Fetzer mit sägenden und schnellen, quirligen Gitarrenriffs, der am Ende ganz unmerklich in das kraftvolle, quäkende und sehr rhythmische „I’ve Been Searching“ übergeht, um anschließend von dem nicht minder rhythmischen „All Night Long“, welches schöne Tempi- und Rhythmuswechsel aufweist, abgelöst zu werden.

Großartig ist auch Matthews kraftvolle Interpretation von „Searching The Desert For The Blues“ (mit sehr schönem, filigranen Gitarrenspiel im Mittelteil), ein Song des bereits 1959 verstorbenen und weniger bekannten Blind Willie McTell, dessen Markenzeichen es war, ausschließlich 12-saitige Gitarren zu spielen. „The Soul Will Never Die“ ist eine Hommage an B. B. King, den Matthews einige Jahre zuvor kennengelernt hatte. Das Stück zeichnet sich durch ein leicht bizarres, spaciges Intro mit etwas verhalltem Gesang aus, welches sich als wiederkehrendes Motiv durch den weiteren Verlauf des Stückes zieht, zwischendurch angereichert mit Matthews wilden, quirligen Gitarrenklängen.

Das letzte Stück des Sets ist dann die bekannte Hendrix-Komposition „Freedom“. Zu dem Song ist an sich nicht viel zu sagen, außer, dass er in der vorliegenden Version wesentlich brachialer klingt als das Original. Ob’s besser oder schlechter ist, mag jeder für sich selbst entscheiden; es ist wie immer in der Musik, eine Frage der persönlichen Vorlieben.

Die drei Bonus Tracks aus ‚Gerd’s Jukebox Joint‘ stammen ebenfalls vom bereits erwähnten 2011er Werk bzw. vom 2015er Album „Scenes From A Moving Window“, hier aber mit Keyboardunterstützung, wobei das fröhliche „Roadsick Blues“ einen einen teils etwas folkigen, teils boogieartigen Touch erhält. Dieser Track und das folgende zunächst relaxte, spacig-psychedelische „Bubbles And The Seven Phones“ stellen, zusammen mit „The Soul Will Never Die“, aus Sicht des Rezensenten die herausragenden Songs dieses Albums dar.

Mit seinem Auftritt auf dem Freak Valley Festival hat Krissy Matthews erneut seine Klasse als Gitarrist und Performer unter Beweis gestellt. Von diesem begnadeten, jungen Musiker wird in Zukunft bestimmt noch viel zu hören sein.

Line-Up:
Krissy Matthews – Guitar, Vocals
Sam Weston – Bass, Vocals
Max Maxwell – Drums
Colin Henney – Keyboard (Tracks 9, 10, 11)
Kristel Morrison – Backing Vocals (Tracks 10, 11)

Review: Jörg Schneider

Proper Records (2017)
Stil: Blues Rock

01. Feeling For The Blues
02. I’ve Been Searching
03. All Night Long
04. Searching The Desert For The Blues
05. Language By Injection
06. The Soul Will Never Die
07. Bad Boy
08. Freedom

Bonus Tracks:
09. Hit The Rock
10. Roadsick Blues
11. Bubbles And The Seven Phones

Krissy Matthews
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The Delta Saints – 31.03.2017, Zentrum Altenberg, Oberhausen – Konzertbericht

Delta Haupt

Dass die Bäume, zumindest hier im Kultur-umkämpften Rhein/Ruhrgebiet, vom Publikumszuspruch, noch nicht in den Himmel wachsen, mussten gestern Abend im Oberhausener Zentrum Altenberg, die talentierten Jungs der Delta Saints aus Nashville, Tennessee, leidvoll erfahren. Die an sich schöne Location war doch nur recht spärlich gefüllt, da hatte die Band zuvor auf ihrer Europa-Tournee, in anderen Ländern deutlich bessere Erlebnisse.

Irgendwie war es auch scheinbar nicht ihr Abend, da konnte auch Ben Ringels Charme-Offensive („it’s great to be here in Oberhausen“) wenig dran ändern. Zu spät angereist, zögerte sich der Umbau nach Josh Hoyers beeindruckendem Auftritt, durch einen noch vorzunehmenden Soundcheck ziemlich heraus, der dann bis in die ersten Stücke hinein sogar weitergeführt werden musste (die Musiker gaben immer wieder Zeichen in Richtung Mischpult), weil es ständig irgendwo anders haperte.

Die Burschen sahen rein äußerlich dazu auf der Bühne so aus, als wenn sie gerade unverhofft, bei einem gemütlichen Grillabend auf einem Campingplatz aus ihren Liegestühlen gerissen worden wären und noch mal eben schnell einen spontanen Gig abliefern sollten. Ich meine auch, irgendwie eine gewisse Enttäuschung über die schlechte Besucher-Resonanz verspürt zu haben.

Wie dem auch sei, die musikalische Leistung war insgesamt absolut in Ordnung. Mit dem starken slide-trächtigen Opener „Cigarettes“, Sachen wie „Bones“ und dem psychedelisch-umwehten „Berlin“ gelangte man mit „Are You?“ zur Vorstellung des neuen Albums „Monte Vista„, das auf dieser Tour natürlich beworben werden soll. Auf dem Fuße folgte mein Favorit des Werkes, das radiotaugliche „California“ und das stampfende „Space Man“ aus selbigem Tonträger.

Für mich persönlich waren die jammigen „Pray On“ (Ben Ringel mit Resonator-Gitarre) und das shufflige NOLA (Bass-Solo Intro von Davis Supica), nicht zuletzt wegen der gurgelnden Orgel-Solos von Nate Kremer, weitere Highlights. Kremer war ja letztes Jahr bei der Tour nicht zugegen und erwies sich jetzt als deutlich belebendes Element. Auch Drummer Vincent “Footz” Williams kam diesmal deutlich kraftvoller rüber. Bei diesen Stücken offenbarte das Quintett dann auch seine unbestrittene spielerische Qualität.

Über weitere Tracks wie „Sometimes I Worry“ (Slidegewitter von Fitch, Trommelwirbel von Williams), „In Your Head“, „Dust“, „Burning Wheels“, ebenfalls vom neuen Album, und dem Vogel namens Angola war das Ende des Gigs erreicht, der am Ende mit dem knackigen, mit schönen Tempowechseln versehenen „Deathletter Jubilee“ als einzige Zugabe, vervollständigt wurde.

Fazit: Unbestritten Ihres musikalischen Talents, sind die mittelgroßen Veranstaltungsorte hier bei uns, so scheint es zumindest, für die Delta Saints momentan noch eine Nummer zu groß. Ihre mutige, wenig kommerziell ausgerichtete, anspruchsvolle Musik ist in unseren Gefilden nicht massen-kompatibel genug. Ungeheures spielerisches Potential und Kreativität reichen ungerechter Weise nicht immer. Ein dickes Fell, in Sachen spürbarem Popularitätszuwachs bei uns, ist von daher weiter gefordert.

Line-up:
Ben Ringel (lead vocals, guitars, percussion)
Dylan Fitch (electric guitar)
David Supica (bass)
Vincent “Footz” Williams (drums)
Nate Kremer (keys, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

The Delta Saints
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Zentrum Altenberg Oberhausen

Josh Hoyer & Soul Colossal – 31.03.2017, Zentrum Altenberg, Oberhausen – Konzertbericht

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Es wird eigentlich höchste Zeit, dass diese Webseite, ein erträgliches Einkommen abwirft. Wo bleibt endlich mal ein Millionen-schwerer Investor? So kann man jedenfalls als berufstätiger Mensch einfach nicht alles an aktuell guter Musik anschauen, geschweige denn besprechen, was hier so durch die Lande schwirrt. Deshalb hatten Gernot und ich uns den Gig von Josh Hoyer & Soul Colossal zwei Tage zuvor in Krefeld erspart.

Kurz vor unserer Anreise zum Delta Saints-Gig im Oberhausener Zentrum Altenberg checkte ich routinemäßig noch mal die Einlasszeit und zu meiner großen Überraschung, war o. a. Act aus Lincoln, Nebraska scheinbar recht kurzfristig mit auf die musikalische Menükarte des Abends gesetzt worden. Manchmal wird man somit, auch durchaus zu seinem Glück gezwungen.

Denn das tolle Quintett um seinen engagiert auftrumpfenden Leader, wusste auf ganzer Linie zu überzeugen, ja ich lehne mich mal aus dem Fenster, war sogar letztendlich der heimliche Gewinner diese Doppel-Events.

Die Burschen ließen von Anfang an keinen Zweifel, dass sie die wenigen Zuschauer (das Zentrum Altenberg war leider nicht mal zur Hälfte gefüllt), auf eine launige und energiegeladene Reise mit Stax-, Motown-, Muscle Shoals-, New Orleans-, Blues-, Soul-, Funk- und Rock-Hörenswürdigkeiten mitnehmen wollten. Und es gelang ihnen bestens!

Obwohl ich nicht ein Stück der Band bis dato kannte, blieben mir Tracks wie u. a. „Time For Love“ (mit kurz integriertem „Miss You“), „Knockout“ (Wah Wah in Kushners Solo), der Schwofer „Nobody’s Fault But Mine“, „Illusion“, der Otis Clay-Schunkler „Trying To Live My Life Without You“ bis zum finalen „Natural“ (wo so richtig vor der Bühne getanzt und gegroovt wurde) in äußerst angenehmer Erinnerung.

Mein Favorit des Abends war allerdings das herrliche „Just Call Me“, in dem Benjamin Kushner ein herrlich intensives Southern Rock-Gitarren-Solo auf seiner Telecaster abließ. Überragend fand ich auch den schmächtigen Schlagzeuger Larell Ware, der zum Teil mit sehr variablem und überaus kraftvollem Drumming, eine ungemeine Dynamik in die Stücke hineinbrachte.

Fazit: Josh Hoyer & Soul Colossal wussten mit ihrer herzerfrischenden, kommunikativen und launigen Spielweise absolut zu gefallen. Die Band werden wir sicherlich nicht zum letzten Mal aufgesucht haben. Tolle Leistung des gesamten Musiker-Kollektivs!

Line-up:
Josh Hoyer (Lead vocals, keys, percussion)
Mike Dee (sax)
James Fleege (bass)
Benjamin Kushner (guitar)
Larell Ware (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Josh Hoyer & Soul Colossal
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Zentrum Altenberg Oberhausen

Led Zeppelin – Gimme Three Zepps – CD-Review

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Die Stones haben es getan, jetzt melden sich auch Led Zeppelin wieder zurück. Sie haben allerdings keine alten Blues-Stücke ins Visier genommen, sondern sich an den großen Southern Rock-Klassikern versucht und dies durchaus mit akzeptablem Ergebnis. Hm, Led Zeppelin und Southern Rock, passt das denn zusammen, werden sich vermutlich viele unserer Leser fragen, aber selbst Ronnie Van Zant war seiner Zeit ein großer LZ-Fan und hatte ja auch manchmal dezenten Spirit der Briten mit in den Skynyrd-Sound einfließen lassen.

Die drei Originalmitglieder Robert Plant, Jimmy Page und John Paul Jones haben sich wieder den Sprösssling ihres 1983 verstorbenen Kompagnons, John Bonham, also Jason als Drummer geschnappt und haben unter der Regie von Tom Hambridge die berühmten Muscle Shoals-Studios in Alabama aufgesucht, um den großen Stücken des Genres wie „Green Grass & High Tides Forever“, „Can’t You See“ oder „Free Bird“ & Co. ihren typischen, psychedelisch umwehten Band-Charme aufzuerlegen.

Hambridge hat dazu natürlich auch viele Stars der SR-Szene wie u. a. Gregg Allman, Gary Rossington, Charlie Daniels, Dave Hlubek, Ed King, Artimus Pyle (spielt das 2. Schlagzeug bei „Whipping Post“), Don Barnes, Dickey Betts, Bruce Brookshire, Jerry Eubanks, Warren Haynes, Dean Daughtry, Billy Gibbons, Henry Paul und Jimmy Hall, etc. mit ins Studio zitiert. Als Kuriosum, bzw. gewolltes Stilelement hat Hambridge keinen Musiker in seinen ‚eigenen‘ Stücken walten lassen, vermutlich aber auch deswegen, damit sich das typische Led Zeppelin-Flair ungehindert entfalten kann. Viele Tracks sind quasi in Live-Atmosphäre performt worden.

Es ist zwar zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, Plants kreischig krakeelende Stimme, in dem, für ihn doch eher fremden Song-Umfeld, zu akzeptieren, aber spätestens nach drei Stücken geht sie in Fleisch und Blut über. „Stillwaters „I Reserved The Right“ war ein guter Einstieg für mich“, gibt Plant zu verstehen. „Die Country-lastigen Sachen waren eine enorme Umstellung, auch wenn ich ja mit Alison Krauss auf diesem Terrain bereits Erfahrung gesammelt habe“. Jimmy Page zeigte sich von der spielerischen Klasse der südstaatlichen Kollegen angetan. „Die vielen Double Leads mit Leuten wie u. a. Warren Haynes, Dickey Betts und Ed King haben richtig Spaß gemacht, allerdings auch viel Konzentration erfordert“, so der vom Rolling Stone-Magazin, als einer der drei besten Gitarristen aller Zeiten, gelistete, aus Heston stammende Musiker.

In ihrem Element sind die vier Engländer natürlich immer dann, wenn Stücke wie „Green Grass & High Tides Forever“, „Grey Ghost“ , oder Whipping Post“ Spielräume für wüstes Improvisieren boten. Hier ließ Tom Hambridge dann auch die Zügel bewusst locker. Da fühlt man sich wieder wie in einstige Siebziger-Zeiten zurückgesetzt, nur mit besserem Klang angesichts der heutigen technischen Möglichkeiten.

Besonders das überragende „Free Bird“ zum krönenden Abschluss mit Page, Bruce Brookshire und Dave Hlubek in ungewöhnlicher Konstellation als Gitarren-Trio, entwickelt gerade im berühmten E-Gitarren-Finish seinen ganz besonderen Reiz. Plant und Gregg Allman bewältigten  den Gesangspart der Südstaaten-Hymne dazu im Duett. Nach fast 80 Minuten währenden psychedelischem Southern Rock-Gewitter lässt man sich schließlich selbst als Hörer erschöpft zurück in den Sessel fallen und spült, falls ein Joint nicht gerade zur Hand ist, am besten mit einem kräftigen Schluck Jackie D. nochmal ordentlich nach. Led Zeppelin wie man sie noch nie erlebt hat. Klasse!

Zum Schluss möchten wir noch den ‚Dirigenten‘ des Werkes, Tom Hambridge, zitieren. „Dieses Projekt war eine der anspruchsvollsten musikalischen Herausforderungen, aber auch zugleich mit die größte Ehre, die ich in meinem bisherigen Leben erfahren durfte. Mein Gott, was war hier im Studio los…!“ Sounds Of South meint dazu, dass er diese Bürde hervorragend gestemmt hat. Sicherlich ist Led Zeppelins „Gimme Three Zepps“ eine der eigenwilligsten und hochkarätigsten Scheiben, die dieses Genre je zu bieten hatte. Das VÖ-Datum des streng limitierten Werkes (Coverartwork: Hypgnosys!!!) steht noch unter absoluter Geheimhaltung, Vorbestellungen können aber gerne exklusiv an unsere Redaktion herangetragen werden.

Southern Swan Records (2017)
Stil: Psychedelic Southern Rock

01. I Reserved The Right
02. Can’t You See
03. Green Grass & High Tides Forever
04. Long-Haired Country Boy
05. Grey Ghost
06. Gator Country
07. I Thank You
08. So Into You
09. Wild Eyed Southern Boys
10. Lonesome Guitar
11. Whipping Post
12. Free Bird

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King King, 30.03.2017, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Es gibt Menschen und Dinge – hat man sie einmal richtig lieb gewonnen – die man im Leben einfach nicht mehr missen möchte. Dazu zählt u. a. das wunderbare Jugendstil-verzierte Musiktheater Piano in Dortmund, mit seiner immer herrlichen und angenehmen Konzertatmosphäre (mittlerweile bei Besitzerin Jennifer Dore dazu noch in äußerst sympathischen und kompetenten Händen) als auch die Nimmo-Brüder aus Glasgow.

Letztgenannte habe ich in den verschiedensten Konstellationen schon recht oft erlebt, an diesem Abend im Piano hatte sich mal wieder Alan Nimmo mit seinem, sich immer größeren Beliebtheit erfreuenden King King-Projekt angesagt.

Nimmo, wieder traditionell mit schwarzem Hemd und rot-kariertem Kilt auf der Bühne, würde mit seiner bulligen Figur und den voluminösen, freiliegenden Waden, bei Unwissenden, vermutlich, statt als filigraner Gitarrist und Fronter, eher als schottischer Meister im Baumstammwerfen durchgehen. Musik-Kenner mögen ihn natürlich aufgrund von Variante 1.

Die zunehmende Popularität des Quartetts, bestehend aus ‚Gentleman‘ Lindsey Coulson, Zopftäger Bob Fridzema, Wayne Proctor und besagtem Alan Nimmo, wurde mit einem, für einen Donnerstag in der Woche, rappelvollen Piano nachhaltig untermauert. Der eingängige, melodische Blues Rock des Vierers steht bei Jung und Alt hoch im Kurs!

Die Briten beschränkten sich bei ihrem gut 90-minütigen Auftritt (inkl. einer Zugabe) auf Bewährtes, bzw. bereits bekanntes Liedgut aus dem Fundus ihrer drei, bisher veröffentlichten Werke. Die Burschen betraten zum „Alright Now“-Einspieler die Bühne und legten passend mit dem rockigen „Lose Control“ (Free-, Bad Co.-Flair) ein fulminanten Start hin.

Es folgte der abgehangene Blues Rock-Schinken von den Fabulous Thunderbirds „Wait On Time“. Das groovig-rhytmische „Waking Up“ beinhaltete die ersten Klatsch-Intervalle. Mit den beiden mega-starken „Rush Hour“ und „Long History Of Love“ gab es die erste Highlight-Phase des Gigs. Gerade bei zweitgenanntem Lied durfte Fridzema seine Hammond-Orgel mal so richtig durchgurgeln lassen, was mit einem Mörder-E-Gitarren-Solo auf dem Fuße, von Alan (überwiegend mit einer Stratocaster zu Gange) nochmals beantwortet wurde.

Über das knackige „More Than I Can Take“, meinen Lieblingssong, der Ohrwurm „You Stopped The Rain“ (mit zwei herrlichen southern-rockige E-Soli), dem atmosphärisch dichten „Take A Look“ (Alan zum ersten Mal mit einer Les Paul), dem vielleicht anspruchsvollsten und verspieltesten Stück „All Your Life“ (inkl. Vorstellung der Band, samt integrierter Kurz-Soli der Beteiligten), stand schon nach rasend vergangener Zeit der bereits finale Höhepunkt der unterhaltsamen Vorstellung an: das Alans Bruder Stevie gewidmete Whitesnake-umwobene „Stranger To Love“.

Ein Stück, das so ziemlich alles hat, was einen Musikkritiker wie mich und die ebenfalls begeisterte Audienz in Verzückung geraten lässt. Tolle Melodie, spielerische Klasse aller Musiker, Interaktion mit dem Publikum, Tempo- und Atmosphärenwechsel und nicht zu vergessen, Nimmos beliebtes Stilmittel, das lange und verschachtelte E-Gitarren-Solo mit integrierter ‚Leise-Spiel-Einlage‘ (ohne Verstärkung, man hört nur das reine Zupfen der Metallsaiten) bei dem Alan, scheinbar überwältigt von der eigenen Spielkunst, ein aufrichtiges „Hah“ aus dem Munde entfiel.

Als Zugabe gaben Nimmo & Co. den begeisterten Leuten noch das launige „Let Love In“ für einen fröhlichen Start ins Wochenende mit auf den Weg. Wieder mal ein toller Abend, wie ihn nur solche Locations der Marke Piano bieten können. Wann sieht man schon mal hautnah, jede einzelne Schweißperle von der Gitarre des Protagonisten herunterlaufen?

King King sind ein hervorragendes Beispiel für sympatische, allürenlos und unterhaltsam performte Musik. Manchmal braucht es keiner großartigen Rezepte für ein erfolgreiches Auftreten. So hat die Begeisterung des Autors sicherlich rein gar nichts mit royaler Verklärtheit zu tun, sondern ausschließlich mit aufrichtiger Musikfreude, wenn es aus ihm herausschallt: „Viele Könige sind tot, es lebe der König König!“

Line-up:
Alan Nimmo (Lead vocals, electric guitar)
Lindsay Coulson (Bass)
Wayne Proctor (Drums, backing vocals)
Bob Fridzema (Keys, backing vocals)

Bilder: Peter Schepers
Bericht: Daniel Daus

King King
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