Outlaws – Hurry Sundown – CD-Review

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Wir schreiben das Jahr 1977. Ein Jahr, das jeden Southern Rock-Liebhaber bis zum heutigen Tage erschaudern lässt. Ich erinnere mich noch genau, wie ich als 14-jähriger Bursche gerade das „Street Survivors“-Album in einer Nachbarstadt (Rheinberg hatte keinen Plattenladen) käuflich erworben hatte und auf der Rückfahrt auf dem Beifahrersitz des DS-Citröens meines Vaters (die Platte auf den Oberschenkeln liegend neugierig studierend) im Radio die Hiobsbotschaft von Skynyrds Flugzeugabsturz auf dem momentanen Zenit ihrer Karriere zur Kenntnis nehmen musste. Es war wie ein Schock.

Noch heute stellt sich mir, wie vielen anderen Southern Rock-Fans vermutlich auch, die hypothetische Frage, wie sich das Genre weiterentwickelt hätte, wäre ein Ronnie Van Zant am Leben geblieben. Wir werden es leider nie erfahren. Kommen wir aber zu einem erfreulichen Ereignis dieses Jahres 1977. Die Outlaws, die durch besagten Ronnie Van Zant einen Plattenvertrag bei Arista Records vermittelt bekommen hatten, befanden sich nach zwei starken Alben in ihrer wohl besten Besetzung aller Zeiten (Hughie Thomasson, Henry Paul, Billy Jones, Harvey Dalton Arnold, Monte Yoho) ebenfalls im Höhenflug und sollten mit „Hurry Sundown“ ihr in Kritikerkreisen meist gelobtes Werk veröffentlichen.

Der zu dieser Zeit schon renommierte Producer Bill Szymczyk (u.a. Eagles, B.B. King, Michael Stanley, J. Geils Band, Elvin Bishop) hatte die von ihm später selbst betitulierte ‚Florida Guitar Army‘ erstmalig unter seine Fittiche genommen. Dank der gesammelten Eagles-Erfahrungen gelang es ihm vor allem in beeindruckender Weise, die vier völlig unterschiedlichen Gesangscharaktere mittels brillant eingestreuter Harmonies zu kollektivieren. Auch das filigrane E-Gitarrenzusammenspiel vom wie aufgedreht wirkenden Stratocaster-Artisten Thomassen in Kombination mit Billy Jones‘ einfühlsamen Les Paul-Künsten, dazu mit Pauls glänzender Akustikklampfenuntermalung, wurde nie wieder besser zur Geltung gebracht. Nicht zu vergessen der knochentrockene Bass von Arnold und Yohos effektives und sehr variables Schlagzeugspiel (herrlich z.B. die tippelnden Becken in der E-Solopassage von „Gunsmoke“).

Das Werk bietet insgesamt eine tolle Mischung aus agilem Southern Rock und gut dazu harmonierenden Country- und Westcoast-Ingredienzen. Höhepunkte. Die gitarrenlastigen „Gunsmoke“ und „Hurry Sundown“, der Countryfeger „So Afraid“ (klasse Banjoarbeit hier von Thomasson), das flotte, treibende „Holiday“ und der schon fast progressiv wirkende Waltz „The Man Of The Hour“ (mit dezenten Steel- und Synthie-Einlagen).

Genau wie Skynyrd sollten danach auch die Outlaws bis zum heutigen Tage nie wieder zur Ruhe kommen. Die fortwährende Hassliebe zwischen Henry Paul und Hughie Thomasson brachte nach „Hurry Sundown“ die erste daraus resultierende, länger währende Trennung (Paul gründete dann die Henry Paul Band). Das folgende Live-Album und das Anfang der achtziger Jahre kommerziell recht erfolgreiche „Ghost Riders In The Sky“ ließen nochmals aufhorchen. Spätestens ab da aber dümpelte die Band in unterschiedlichen Besetzungen vor sich hin. Auf „Soldiers Of Fortune“ taten sich Thomasson und Paul 1986 nochmals zusammen, trennten sich danach aber sofort wieder. Mit dem recht guten „Diablo Canyon“ gab es den letzten kreativen, aber weitestgehend unbeachteten Output dieser Band.

Wie vielen bekannt sein dürfte, nahm sich Billy Jones 1995, von Depressionen und Alkoholsucht gezeichnet, im Alter von 44 Jahren das Leben (das hier auf dem Album befindliche von ihm geschriebene „Night Wines“ wirkt im Nachhinein schon bald wie eine Art Prophezeiung) und auch Bandleader Hughie Thomasson erlag nach vielen Jahren seiner zwischenzeitlichen Skynyrd-Mitgliedschaft überraschend (oder auch weniger) einem Herzinfarkt, als er sich gerade wieder dem Outlaws-Projekt vollständig widmen wollte. Das Erbe der Band wird seitdem wieder von Henry Paul mittels kontinuierlicher Live-Auftritte weitergepflegt (aktuelle Mitglieder. Paul, Chris Anderson, Billy Crain, Jon Coleman, Brett Cartwright und Monte Yoho), ein angekündigtes neues Outlaws-Studioalbum lässt bereits seit längerer Zeit auf sich warten.

Arista Records (1977)
Stil. Southern Rock

01. Gunsmoke
02. Hearin‘ My Heart Talkin‘
03. So Afraid
04. Holiday
05. Hurry Sundown
06. Cold & Lonesome
07. Night Wines
08. Heavenly Blues
09. Man Of The Hour

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