Tom Russell – October In The Railroad Earth – CD-Review

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Review: Michael Segets

Tom Russell ist ein künstlerisches Allround-Talent: Seine Bilder hängen in Museen und Galerien, er schreibt Bücher und veröffentlichte eine enorme Anzahl Alben. Überragende Charterfolge konnte Russell bislang zwar nicht verbuchen, aber seine Songs wurden von einigen Musikgrößen aufgenommen. Zu diesen zählen Johnny Cash, Doug Sahm, Nanci Griffith, Ian Tyson, Dave Alvin und Joe Ely.

Aufgewachsen in Los Angeles wechselte Russell mehrfach seinen Wohnort. Er lebte in Austin, New York, Europa und zurzeit in El Paso. Nach zwei wenig erfolgreichen Alben in Kooperation mit Patricia Hardin zu Beginn seiner Karriere zog er sich zeitweise aus dem Musikgeschäft zurück, bis ihn Robert Hunter in den 1980er-Jahren wieder dafür gewann, Songs herauszubringen. In diesen verarbeitet er u. a. literarische Einflüsse von Charles Bukowski und aktuell bei „October In The Railroad Earth” von Jack Kerouac.

Die Stimme von Tom Russell ähnelt stark der von Johnny Cash. Von diesem nimmt er „Wreck Of The Old 97“ auf sein Album. Die anderen Songs schrieb Russell selbst. Neben dem Cash-Titel sind mit „October In The Railroad Earth” und „When The Road Gets Rough“ zwei tendenziell schnellere Country-Nummer auf dem Werk vertreten, die sich auch auf den Scheiben der verstorbenen Legende hätten finden können.

Das rockige „Hand-Raised Wolverines” sticht auf der CD durch die gelungene Kombination von dynamischer Songstruktur, kraftvollem Gesang und Bill Kirchens Gitarrenarbeit hervor. Die meisten Stücke schlagen als countryfizierte Folkballaden ein gemäßigtes Tempo an. „Red Oak Texas“ und das fast gesprochene „Pass Me The Gun, Billy” sind gut hörbar, bleiben aber nicht so richtig im Gedächtnis. Ganz anders als „Small Engine Repair“, das bereits für den Soundtrack zum gleichnamigen Film (2007) geschrieben wurde und zu meinen Favoriten auf dem Album gehört.

Durch den Begleitgesang von Eliza Gilkyson gewinnen „Back Streets Of Love” und „Highway 46”, das eine Reminiszenz an die Bakersfielder Countryszene mit ihrem prominenten Vertreter Merle Haggard darstellt, eine hohe Intensität. Sehr stimmungsvoll ist auch „T-Bone Steak And Spanish Wine”, bei dem eine helle akustische Gitarre Russells tiefen Gesang untermalt. Zusammen mit der Band Los Texmaniacs drückt Russel „Isadore Gonzalez” – im Dreivierteltakt mit Akkordeon und viel Ay, Ay, Ay – einen gehörigen Tejano-Stempel auf.

Tom Russell gelingt mit „October In The Railroad Earth” ein ausgewogenes Album zwischen Country und Folk mit gewichtiger Stimme und ausgefeilten Texten. Musikalisch folgt es traditionellen Pfaden und punktet dabei mit eingängigen Melodien und harmonischen Arrangements.

Proper Records/H’Art (2019)
Stil: Folk, Country

Tracks:
01. October In The Railroad Earth
02. Small Engine Repair
03. T-Bone Steak And Spanish Wine
04. Isadore Gonzalez
05. Red Oak Texas
06. Back Streets Of Love
07. Hand-Raised Wolverines
08. Highway 46
09. Pass Me The Gun, Billy
10. When The Road Gets Rough
11. Wreck Of The Old 97

Tom Russell
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Proper Records
H’Art

Quaker City Night Hawks – QCNH – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Ein Rock-Trio, das aus Fort Worth,Texas, stammt und nicht nur zuweilen härtere Gitarrenriffs in seine Songs einbaut, wird unweigerlich auch mit Vergleichen zu den texanischen Blues-Großmeistern von ZZ Top konfrontiert werden. Im Falle der dynamischen Quaker City Night Hawks sind solche Assoziationen keineswegs ungerechtfertigt, aber umfassen die musikalische Bandbreite der Band nur teilweise.

Aufgenommen wurde das insgesamt vierte Album und der Nachfolger der Erfolgs-LP „El Astronauta“ (2016) in ihrer Heimatstadt. Im Niles City Studio konnten sie zusammen mit Ex-White Denim-Gitarrist und Produzent Austin Jenkins an den Tracks feilen. Eine klare Aufgabenteilung war das Songwriting, bei dem sowohl David Matsler als auch Sam Anderson ihre Ideen und Gitarrensounds in eigenen Songs beisteuerten.

Der Opener „Better In The Morning“ versprüht ein klassisches Roots-Rock-Feeling, „Suit In The Back“ den coolen Funk-Blues, gespickt mit heftigen Gitarrenriffs. Die Staaten-Hymne „Colorado“ ist ein angenehmer Road-Trip-Song im Heartland-Rock Charakter und ein typischer Matsler-Track, der Highway Erlebnisse über zahllose Autostunden von Texas nach Colorado und New Mexico schildert. Den dirty Texas-Blues-Rock bringen sie auf „Fox in the Henhouse“ und liefern im Folgenden „Hunter’s Moon“ einen powervollen Tex-Mex Stoner-Rock ab.

„Elijah Ramsey“ erinnert an einen akustischen Tom Petty-Song und behandelt die Kriegserfahrungen eines jungen Soldaten. Matsler wurde hier besonders durch Steve Earles LP „Copperhead Road“ (1988) angeregt, sich mit dem Thema Kriegsveteranen auseinanderzusetzen. „Grackle King“ ist psychedelisch angehaucht und hier scheint der experimentelle Einfluss des Produzenten Jenkins durchzusickern. Von den Funk-Gitarren bei „Tired of You Leaving“ geht es dann zum letzten Stück des Longplayers, „Freedom“, das mit straighten Rock-Riffs die Scheibe hart und rau beendet.

Auch für die aktuell angesagte Southern Rock-Band Blackberry Smoke waren QCNH schon als Support-Act unterwegs und sogar Country-Star Chris Stapleton hat die Band für seine Tour verpflichtet. Die Platte ist von einem fesselnden Sound gefärbt, der wesentlich auf die Produktion mit dem Retro-Studio-Equipment im Lo-Fi Vintage-Style zurückzuführen ist.

Der Musikmix der Quaker City Night Hawks reicht von 70s Classic Rock, über Desert bis hin zu Funk und psychedelischen Elementen, wobei auf dem vorliegenden Longplayer kaum ein Track dem anderen gleicht. Artverwandte Bands wie z. B. Wille & The Bandits, aber auch die Zuma Birds, The Picturebooks, Delta Saints oder Black River Delta, zeigen ähnliche Ansätze einer musikalischen Ausrichtung.

Quaker City Night Hawks sind jedenfalls schon seit längerem ein Gewinn, nicht nur für die texanische Musik-Szene, sondern auch für die Liebhaber kompromissloser Songs vom Texas-Blues bis zum Southern-Country.

Lightning Rod Records (2019)
Stil: Southern Rock, Stoner/Desert, Funk

Trackliste:
01. Better In The Morning
02. Suit In The Back
03. Colorado
04. Pay To Play
05. Fox In The Henhouse
06. Hunter’s Moon
07. Elijah Ramsey
08. Grackle King
09. Tired Of You Leaving
10. Freedom

Quaker City Night Hawks
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Oktober Promotion

The Cactus Blossoms – Easy Way – CD-Review

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Review: Michael Segets

The Cactus Blossoms unterstützten bereits Kacey Musgraves und Lucius auf ihren Tourneen. Mit „Mississippi“ erlangten sie einigen Bekanntheitsgrad, da es der Song auf den Soundtrack der letzten Staffel von Twin Peaks schaffte. Er findet sich auch auf ihrem Debüt „You’re Dreaming”. Für den Nachfolger „Easy Way“ ließen sich The Cactus Blossoms drei Jahre Zeit. Mit ihm führen Page Burkum und Jack Torrey ihren musikalischen Weg fort.

Feine Kompositionen mit sorgfältig arrangierten Melodien prägen auch die zehn Tracks des neuen Albums. Obwohl Burkum und Torrey eine Leidenschaft für alte Country-Songs teilen, treten die Country-Anleihen im Vergleich zu ihrem Erstlingswerk etwas in den Hintergrund. Die Titel bewegen sich überwiegend im Alternative Folk. Dabei geben The Cactus Blossoms ihren Stücken einen speziellen Retro-Touch, der in dieser Konsequenz zurzeit ein Alleinstellungsmerkmal ist.

Die Arrangements lassen die Songs oft so klingen, als würden sie aus den 1950ern stammen. Sie sind sanft („Boomerang“) und harmonisch („I’m Calling You“), manchmal vielleicht etwas zu harmlos („Blue As The Ocean”). Gelegentlich mischen sich Westcoast- („I’m Calling You“), leichte Psychodelic- („Please Don’t Call Me Crazy“) und dezente Jazz-Elemente („Easy Way“) in die Kompositionen. Besonders eingängig ist „I Am The Road“, bei dem sich The Cactus Blossoms dann doch noch am Country orientieren. Die mehrstimmigen Gesangspassagen erinnern mal an The Byrds („Desperado“), mal an Simon & Garfunkel („Got A Lotta Love“).

Trotz der unterschiedlichen musikalischen Einflüsse, die sich auf dem Album wiederfinden, wirkt es insgesamt sehr homogen. Auch die Gastmusiker Michael Lewis am Saxophon und Joel Paterson an der Pedal-Steel-Gitarre fügen sich mit ihren Instrumenten unaufdringlich bei „Downtown“ beziehungsweise „See It Through“ ein.

Die aus Minneapolis stammenden Page Burkum und Jack Torrey entwerfen einprägsame Melodien und atmosphärisch dichte Songs, auch wenn sie stilistisch nicht immer auf meiner Wellenlänge liegen. The Cactus Blossoms sind ein interessantes Duo und daher ist es nicht verkehrt, „Easy Way“ für ruhige Momente im Regal zu haben.

Walkie Talkie Records/Redeye/H’ART (2019)
Stil: Alternative Folk

Tracks:
01. Desperado
02. I’m Calling You
03. Please Don’t Call Me Crazy
04. Got A Lotta Love
05. Easy Way
06. Downtown
07. Boomerang
08. See It Through
09. I Am The Road
10. Blue As The Ocean

The Cactus Blossoms
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H’ART

Rozedale – 23.02.2019, Blue Notez, Dortmund – Konzertbericht

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Nachdem Rozedale am Vortag in Köln im Deutschlandfunk einige Songs für den Radiosender live eingespielt hatten, ging es an einem frühlingshaften Samstagabend nach Dortmund, um sich im hiesigen Blue Notez Club, den meist bluesbegeisterten Fans zu präsentieren.

Im Gepäck hatten sie neben dem im Herbst 2018 erschienen Albums „Wide Awake“ auch ihren Erstling „Long Way To Go“, der 2017 erschienen war. Kurz nach 20:00 Uhr betrat die Band um die jungen Fronter Amandyn Roses, als stimmgewaltige Sängerin, aber auch Entertainerin und Charlie Fabert, einen wahren Hexer an der Gitarre, die Bühne des recht gut besuchten Clubs. Wenn man bedenkt, dass die Band, abgesehen von einem Festival in Weert, hier erstmals als Newcomer in der Region auftrat, ist das schon erfreulich.

Schon beim Betreten der Bühne genossen sie sichtlich den Applaus der Besucher zur Begrüßung. Dieser sollte sich dann in den zwei, je etwa einstündigen Sets des Abends, in enthusiastische Ausmaße steigern. Die fünf Musiker präsentierten den Fans dabei eine bunte Mischung ihrer beiden Platten, gespickt mit einigen stark interpretierten Coversongs.

Mit „Racing At The Wheel“, „Smoking Gun“ und „ Fireplace“ widmeten Sie den Beginn der Show dem neuen Album und es gelang fast von Beginn an, das Publikum zu begeistern und zum Mitklatschen und Mitsingen von Textpassagen zu animieren.

Sie spielten die Bluessongs in einem zum Teil rockigen als auch souligen Gewand, wobei Fabert seine Gitarre phasenweise zweistimmig bespielte und mit tollen Soli in verschiedenen Tempi begeisterte. Ihm war dabei zu jedem Zeitpunkt anzumerken, mit welcher Freude er sich fast in Extase spielte. Auch Roses spielte zu Teil divenartig mit dem Publikum, wobei das nicht negativ gemeint ist.

Sie stellte einen tollen Kontakt zu den Fans her, und man merkte ihr und der Band an, wie sie die Stimmung im Blue Notez sprichwörtlich in sich aufsaugten.

Mit „Nutbusch City Limits“ von Ike und Tina Turner legten sie das erste Cover in einer ganz eigenen bluesigen Interpretation nach; gewagt aber gelungen, was auch am Applaus der Audienz erkennbar war. Weiter ging es mit einem Griff in den Erstling „Long Way To Go“ und die Band zauberte „Soul Posession“ und „Bad News“ auf die Bretter des Blue Notez.

Nach dem ‚Neuling‘ “The Sun Won‘t Rise Today“ verließen alle, bis auf die beiden Fronter die anderen die Bühne und es wurde eine gefühlvolle Version des Gil Scott Heron Klassikers „I‘ll Take Care Of You“ vorgetragen. Im roten Licht der Bühne präsentierten die beiden den Song mit ganz ruhig integrierten Passagen, in denen man die sprichwörtliche Stecknadel im Heuhaufen hätte fallen hören können.

Hier auch ein Kompliment an das Publikum, welches ein feines Gespür hatte, wann der Zeitpunkt für lauten Applaus und wann der für eine fast ehrfürchtige Ruhe gegeben war. Nach diesem emotionalen Highlight schickte Charlie Fabert die Besucher in eine Pause, um sich an der Theke des Clubs noch einmal fürs zweite Set zu stärken.

Diese Pause nutzte der Lichttechniker des Clubs, um schnell zwei defekte Fronscheinwerfer auszutauschen, sodass die eh schon recht gut ausgeleuchtete Bühne in einem noch besseren Licht stand. Hier schon einmal ein Kompliment an den wirklich guten und differenzierten Sound und die schönen Lichteffekte, zu denen auch die metallenen Traumfänger der Band sorgten, die das Hintergrundbild, für ein traumhaftes Konzert darstellten.

Mit dem Titelsong von „Long Way To Go“ ging es dann in die zweite Hälfte des Gigs. Nach dem rockenden „Drifting“ folgte der Eddie King-Klassiker “Hideaway“ mit einer langen instrumentalen Phase, in der alle ihr Können als Solisten beweisen konnten. Überhaupt muss gesagt werden, dass die drei Musiker die leicht im Hintergrund standen, einen erheblichen Anteil am Gelingen des Konzerts hatten. Séraphin Palmeri glänzte an den Keyboards. Mal erzeugte er Klangteppiche mal legte er furiose Soli ein.

Denis Palatin an den Drums bewies, dass er ein Könner seines Faches ist und neben Speed auch die gefühlvollen Einlagen beherrscht. Im zweiten Part konnte er auch mit einem furiosen Solo glänzen.

Pili Tempo beackerte seinen Bass stoisch, meist im Hintergrund stehend, absolut souverän und hatte seinen großen Auftritt im Intro von “When Evil Sets Its Sights On You“, das er über etwa eine Minute stark einleitete und Besucher hinter mir zu Aussagen, wie “das ist ganz groß“ hinriss.

Stark und Gefühlvoll war auch die Tracy Chapman-Nummer „Sorry“, die Roses und Fabert zu zweit vortrugen. Eine ‚Extended Version‘ von „The Kind Of Man“ beendete zunächst den Hauptteil. Toller Gesang, klasse Soloeinlagen aller Musiker und ein Gitarrensolo von Fabert, welches sich über Minuten hinzog versetzten das Publikum in fast ungläubiges Staunen.

Als Zugabe legten die Fünf noch „Go Your Mojo Working“ von Muddy Waters nach. Nach Endes des Konzertes dauerte es aber noch einige Zeit, bis das Blue Notez sich leerte. Gefühlt jeder zweite der Besucher begab sich an den Merchandising-Stand, an dem Managerin Florence Miller alle Hände voll zu tun hatte, um die Besucher mit CDs zu versorgen, die dann auch direkt von den Künstlern signiert wurden. Dabei nahmen sie sich auch Zeit für einen kurzen Plausch und für das eine oder andere Fanfoto.

Abschließend noch ein Dank an alle Beteiligten für einen tollen Abend, an dem Rozedale eine starke Werbung in eigener Sache betrieb. Mit Sicherheit wird es nicht ihre letzte Präsenz in Dortmund gewesen sein und vermutlich wird jeder der Anwesenden beim nächsten Mal mindestens einen zusätzlichen Besucher ins Schlepptau nehmen.

Line Up:
Amandyn Roses : Lead vocals
Charlie Fabert : Guitars
Séraphin Palmeri : Keyboards
Denis Palatin : Drums
Pili Tempo : Bass

Text und Bilder: Gernot Mangold

Rozedale
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Blue Notez Dortmund

Reese Wynans and Friends – Sweet Release – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Reese Wynans braucht man eingefleischten Fans der Blues- und Southern-Rock-Szene eigentlich nicht mehr vorzustellen! In den letzten Jahren vor allem als „rechte Hand“ von Joe Bonamassa bekannt, ist eine Albumveröffentlichung von Reese unter eigenem Namen längst überfällig gewesen. Der Keyboarder wird als Studio- und Begleitmusiker bereits seit fast 50 Jahren hoch geschätzt. Er agierte nie ganz vorne im Rampenlicht, konnte aber seine Qualitäten und Erfahrungen als Musiker jahrzehntelang vielfältig einbringen, sodass er 2015 sogar in die Rock and Roll Hall of Fame berufen wurde.

Um seine Bedeutung für den Blues hervorzuheben, hier ein kurzer Abriss seiner musikalischen Biografie: Schon Ende der 1960er spielte der heute 71-jährige US-Amerikaner in einer Vorgängergruppe der Allman-Brothers-Band mit Dickey Betts und Berry Oakley. Die prägendste und produktivste Phase seiner Musikkarriere bestand in der 5-jährigen Zusammenarbeit mit Gitarren-Phänomen Stevie Ray Vaughan. In den letzten 20 Jahren hat er seinen Weg konsequent weiterverfolgt und an den schwarz-weißen Tasten viele Blues- und Southern-Größen (z.B. John Mayall, Buddy Guy, Joe Ely) unterstützt. Einige von ihnen haben sich für Reese auf diesem Longplayer die Ehre gegeben.

Das Album ist vor allem eine Retrospektive seiner Karriere geworden mit vielen Erinnerungsstücken, so zum Beispiel das erste Cover „Crossfire“, das neben „Say What!“, „Riviera Paradise“ und „Hard To Be“ zum Quartett der Stevie Ray Vaughan-Songs gehört. Auf diesen Stücken haut Reese so energiegeladen in die Tasten, wie zu seiner Double Trouble Zeit. Soul-Legende Sam Moore beweist auf „Crossfire“, dass seine Stimme noch die gleiche charmante Ausstrahlung wie früher verbreitet.

Wer glaubt, es reicht, Joe Bonamassa als Produzenten an seiner Seite zu haben, der auch noch auf fünf Titeln seine Gitarre „sprechen“ lässt („Sweet Release“, „Hard To Be“, „Riviera Paradise“, „Take The Time“ und „So Much Trouble“), hat die Rechnung ohne Kenny Wayne Shepherd gemacht. Die Gitarren-Ikone begleitet Reese Wynans u.a. fulminant auf der Arc Angels-Nummer „Shape I’m In“. Für das Titelstück (im Original von Boz Scaggs) hat sich Wynans einen ganzen Chor zusammengestellt und gleich acht verschiedene Lead Vocals untergebracht, die prominent von Warren Haynes angeführt werden und eine entspannte Southern-Rock-Ballade erschaffen.

Den Abschluss des Longplayers – der die Bezeichnung wirklich verdient hat, mit seinen 13 Titeln und insgesamt 70 Minuten Spielzeit – bildet das Beatles-Cover „Blackbird“, auf dem Reese Wynans die ganze „Stage“ für sich hat und ein meisterhaftes, instrumentales Grand-Piano-Lehrstück improvisiert.

Bedenken, „Sweet Release“ könnte ein ‚Alterswerk‘ sein, werden sich von Beginn an schnell in Luft auflösen. Die LP ist eine große Blues-Jam-Party und verbreitet die befreiende Atmosphäre, den Spaß und die Frische eines junggebliebenen Blues-Rock-Altmeisters.

Provogue – Mascot Label Group – (2019)
Stil: Blues Rock

Tracklist:
01. Crossfire
02. Say What!
03. That Driving Beat
04. Your Killing My Love
05. Sweet Release
06. Shape I’m In
07. Hard To Be
08. Riviera Paradise
09. Take The Time
10. So Much Trouble
11. I’ve Got A Right To Be Blue
12. Soul Island
13. Blackbird

Reese Wynans
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Rival Sons – Support: The Sheepdogs – 24.02.2019, Essigfabrik, Köln – Konzertbericht

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Die in Deutschland noch nicht so populären Sheepdogs konnten sich im Vorprogramm einer Band in der ausverkauften Essigfabrik einem größeren Publikum präsentieren. Einzig der erst später zur Band gestoßene Gitarrist Jimmy Bowskill tourte vor Jahren schon einmal mit seiner Band durch Europa. In der Kölner Kantine trat er damals im Vorprogramm der legendären Wishbone Ash auf.

Die fünf Kanadier taten dies mit Bravour und konnten die Besucher, die vornehmlich für den Hauptact gekommen waren, mit ihrem Southern Rock-artigen Stil begeistern. Die drei Musiker im Vordergrund erfüllten auch vom Aussehen viele Klischees bezogen auf den Musikstil; Bärte, lange Haare Hut etc. Insbesondere die Jugendfreunde Ewan Currie und Ryan Gullen, die als Hauptgründer der Band zu sehen sind, erinnerten mich sofort an den Schlag Mensch, den ich vor über 25 Jahren am Rande der Rocky Mountains in Kneipen traf: Urige Kanadier, Holzfäller mit rauer Schale, aber einem ehrlichen kumpelhaften Kern.

Ewan Currie, der Fronter, überzeugte gesanglich und unterstützte den meist als Leadgitarristen fungierenden Jim Bowskill, der mit einigen Southern Rock-typischen Soli glänzte, sodass ein satter Gitarrensound die Essigfabrik erfüllte. Sam Corbett an den Drums und Ryan Gullen am Bass legten eine Klasse Rhythmusgrundlage und steuerten Backgroundgesang bei, was den Songs eine gute Note verlieh.

Zudem legte Gullen am Bass einige ansehnliche Posen hin. Welche Bedeutung ein gut eingesetztes Piano hat, bewies Shamus Currie eindrucksvoll, sowohl in kurzen Soli, wie auch beim Legen von Klangteppichen. Zudem offenbarte er bei „Help Us All“, dass er auch die Posaune beherrscht und diese auch ein gutes Stilelement in der Rockmusik sein kann. Die Keys übernahm für den Song der Fronter Ewan Currie. Leider waren die knapp 40 Minuten viel zu schnell vorbei.

Zudem hatte ich das Vergnügen nicht nur meinen Freund Marcus Neu von der Kantine/Yardclub samt Frau vor der Halle zu treffen, sondern auch den sympathischen Gitarristen von den Sheepdogs Jim Bowskill, mit dem ich mich noch kurz unterhielt und erfuhr, dass die Band im Sommer im Yucca in Köln auftreten werde, und wir uns gerne vorher noch zu einem Gespräch treffen können, um uns über Musik und den Alltag auszutauschen.

Dem werde ich auch gerne nachkommen, da Marcus mir verriet, dass es da einige wirklich interessante Anekdoten zu dem Ausnahmegitarristen, aber bestimmt auch zu der bei uns noch nicht so bekannten Band gibt. Die Sheepdogs bestätigen sowohl musikalisch, wie auch menschlich die positiven Erfahrungen, die wir mit kanadischen Bands wie u. a. Shred Kelly oder Samantha Martin & Delta Sugar, die wir in den letzten Monaten bei Konzerten gemacht haben.

Wer auf gitarrenorientierte Rockmusik mit Southern-Flair steht, dem sei angeraten Mitte des Jahres zu schauen, ob die Sheepdogs in einer Halle in der Nähe auftreten. Im Konzertanzeiger steht in Köln der 10. Juni im Kölner Yuca Club auf dem Programm und es ist zu erwarten, dass die Band die Besucher in diesem relativ kleinen Club mit ihrer Spielfreude und ehrlichen Musik, begeistern wird.

Der Headliner des Abends, Rival Sons, boten einen Querschnitt aus älteren und aktuellen Songs samt zweier Zugaben. Fotografieren war – verstehe diesen Unsinn, wer will – nur bei The Sheepdogs erlaubt.

Line-up Rival Sons:
Jay Buchanan (lead vocals)
Scott Holiday (guitars)
Mike Miley (drums)
Dave Beste (bass)
Todd E. Ögren-Brooks (keys)

Line-up The Sheepdogs:
Ewan Currie (lead vocals, guitar, keys)
Ryan Gullen (bass, vocals)
Sam Corbett (drums, vocals)
Jimmy Bowskill (guitars)
Shamus Currie (keyboards, trombone, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Essigfabrik Köln

Ryan McGarvey – Heavy Hearted – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Mit „Heavy Hearted“ legt der 33-jährige Ausnahmegitarrist Ryan McGarvey nach dem 2014 erschienenen „The Road Chosen“ nun sein viertes Studiualbum nach. In der zwischenzeit wurde ein feines Live-Werk eingeschoben, was das Warten auf neuen Stoff ein wenig verkürzte.

Nun gelingt McGarvey mit „Heavy Hearted“ ein würdiger Nachfolger. Im Line-up vertraut der aus Albuquerque, New Mexico, stammende Musiker den Instrumentalisten, die ihn vornehmlich in den letzten zwei Jahren begleiteten.

Miles Logan Nix schwingt, wie schon auf allen Vorgängern, die Drumsticks und am Bass glänzt mit Carmine Rojas, ein echter Schwerkaräter, der schon für Musiker wie David Bowie, Tina Turner, Rod Stewart oder im Bereich des Blues, Joe Bonamassa, tätig war. Verstärkt wir das bewährte Trio im Studio von Brant Leeper am Piano.

Nach dem knapp einminütige Intro „Prelude“, einem leicht esoterisch klingenden ruhigen Instrumental, wird man dann vom folgenden „Feelin‘ Like I Do“ jäh aus dem Lehnstuhl gerissen. Wie aus dem Nichts weckt die treibende Gitarre, zu Beginn hinterlegt mit Keyboardklängen, den Zuhörer.

Nix und Rojas sorgen mit zum Teil stampfenden Spiel dafür, dass eine harte Bluesnummer im Stile eines Stevie Ray Vaughan, direkt die Meßlatte für das gesamte Album hochlegt. Im Vergleich zu den älteren Platten macht McGarvey auch gesanglich einen sehr gereiften Eindruck, über die Qualität seines Gitarrenspiels brauchen im Prinzip keine Worte verloren werden, Extraklasse, was er immer wieder, auch in den Folgestücken, in starken und variablen Soli, von rasant bis ruhig getragen, beweist.

Auch das Mitwirken des Tastenspielers Brant Leeper entpuppt sich als sehr positiv, da den Songs so noch eine größere Fülle gegeben wird. Mit „Bright Side Of The Dirt“ geht es im Sinne des harten Blues weiter, während Ryan bei „I Shoulda Known Better“ auch den Old Stile Blues perfekt beherrscht.

Bei „Break My Heart“ besinnt sich der junge Amerikaner wieder auf seine härtere Gangart, welche ihn auch von vielen Bluesmusikern sehr positiv abgrenzt. Mit „Houston“ baut McGarvey ein Instrumental ein, in dem er, rhythmisch unterstützt von seiner Band, praktisch ein vier-minütiges, facettenreiches bluesiges Solo hinlegt.

Im countryumwehten „Six Feet In The Ground“ gelingt es McGarvey, Blues und Country zu verknüpfen. „Ain’t Enough Whiskey“, eine fast schon sentimental klingende Bluesnummer mit dezent sphärischem Gitarrenspiel, welches ein wenig in Richtung Gary Moore geht, beeindruckt durch gefühlvolles Songwriting. Dieser fast schon episch daherkommende Track fühlt sich ein wenig an wie die Hymne der Platte.

Bei „Walk In The Rain“ ist es mit der Ruhe vorbei. Eine satte Bluesnummer mit zum Teil Soli in Hard Rock-Manier. Auch das folgende „Surrender“ ist trotz eher ruhigen Gesangs ein rockender Song, der mit einer unglaublichen Sounddichte imponiert.

„Who Would’ve Thought“, eine schöne Ballade, wird natürlich, sonst wäre es nicht McGarvey-like, mit einem ausladenden, zum Teil heftigen Solo beendet. Was aber besonders beeindruckt, ist der Einstieg in den Song, wo der Protagonist die ersten Riffs einer der schönsten Balladen, die ich kenne, das legendäre „Love Hurts“ von Nazareth, in einer anderen Tonlage nutzt, um einen Spannungsbogen für den Track zu erreichen.

Das instrumentale „Conclusion“ schließt im Stile des Intros, eine ganz starke Paltte ab, in der Ryan seine ganze Spielkunst auffährt und von absoluten Ausnahmemusikern unterstützt wird.

Was soll als Fazit gesagt werden? Absolute Kaufempfehlung der Platte und der Besuch eines der vermutlich im Frühjahr anstehenden Konzerte. Wenn man diese Platte, aber auch die alten Scheiben hört, ist es nicht erstaunlich, dass McGarvey an der ‚Keeping The Blues Alive At Sea‘- Tour teilnimmt und er das Boot mit Musikern wie Joe Bonamassa, Peter Frampton, Joanne Shaw Taylor, aber auch aufstrebenden Künstlern wie King King oder Robert Jon & The Wreck teilt.

McGarveys Auftritt wird mit Sicherheit eines der Highlights dort sein und ich kann mir gut vorstellen, wie bei einem seiner Klassiker, dem phantastischen „Mystic Dream“, die Sonne Ende August im Mittelmeer versinkt. „Heavy Hearted“ entpuppt sich als weiterer Meilenstein in der Blueskarriere Ryan McGarveys.

Eigenproduktion (2018)
Stil: Blues Rock

01. Prelude
02. Feelin‘ Like I Do
03. Right Side Of The Dirt
04. I Shoulda Known Better
05. Break My Heart
06. Houston
07. Six Feet In The Ground
08. Ain’t Enough Whiskey
09. A Walk in the Rain
10. Surrender
11. Who Would’ve Thought
12. Conclusion

Ryan McGarvey
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Double K Booking

Samantha Martin & Delta Sugar, 22.02.2019, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Nach knapp zwei Monaten Liebesentzug war es am 22.02.2019 endlich wieder soweit: Kulturrampen-Time! Dafür schien das Wiedersehen um so leidenschaftlicher zu werden, denn mit Samantha Martin & Delta Sugar hatte sich ein überaus heißer Blues-Soul-Rock-Act in großer Septett-Formation aus dem kanadischen Ontario im kleinen Krefelder Club angesagt.

Auch KR-Macher Markus Pille Peerlings musste dringend seine Akkus wieder aufladen und war aus einer länger-wöchigen Reha-Phase nun wieder für große musikalische Events und Taten einsatzbereit. Er feierte ebenfalls seine diesjährige Konzert-Premiere in seinem zweiten ‚Wohnzimmer‘.

21:15 Uhr schlängelte sich die Band um ihr anführendes Energiebündel Samantha Martin durch die proppenvolle Location, um mit Tracks wie dem satt groovenden Opener „Rocky“, dem CCR-angehauchten „All Night Long“ oder dem herrlichen Schwofer „Gonna Find It“ schwül-heiße New Orleans-Frenchquarter-Atmosphäre im Auditorium zu verbreiten.

Die kleine aber durchaus charismatische Fronterin überzeugte mit gewaltiger Energie und Emotionalität in ihrer Stimme und ansteckender Bühnenpräsenz, die von den beiden dunkelhäutigen Sängerinnen Sherie Marshall und Mwansa Mwansa (was für eine Erscheinung!), noch weitere vokale Vehemenz in Sachen Harmonien und Backgrounds erhielt.

Aber auch die beiden überragend agierenden Curtis Chaffey (mit akribisch genauem E-Gitarrenspiel) und Andrew Moljgun mit seinen Keyboard-Klimpereien sowie einigen furiosen Saxofoneinlagen, als auch die satt groovende Rhythmusfraktion, bestehend aus Ian MacEwan am Bass und ‚Babyface‘ Stephen Adu am Schlagzeug, hatten erheblichen Anteil daran, dass es in der Rampe wie in einem Hexenkessel brodelte.

Das Publikum tanzte, wippte und tobte schon im ersten Set, das mit dem swampigen Stomper „Don’t Shoot“, dem Stones-Cover „Happy“ sowie dem progressiv-umwobenen „My Crown“, weitere intensive Highlights bot.

Klar, dass der Umsatz an kühlen Gersten-Getränken nicht nur in der folgenden Pause florierte. „Feel Good“, der Opener des zweiten Abschnittes, stand quasi metaphorisch für den Rest der Show.  Die Stimmung und Begeisterung in der Rampe steigerte sich von Minute zu Minute, man blickte allseits in beglückte und euphorisierte Gesichter.

Mein persönlicher Favorit  des Abends, das countryeske Lucinda Williams-Stück „Fruits Of My Labor“ (sinnbildlich auch vielleicht auch als Belohnung für Pille Peerlings grandiose Arbeit zu sehen) sowie das furiose Cover-Trio mit „Hard To Handle , „Proud Mary“ (mit Duett-Einbindung unseres Facebook-Freundes ‚Mod Idul‘), und „The Letter“ in jeweils grandiosen Versionen brachten zum Abschluss die Grundmauern der Rampe regelrecht ins Wanken.

Jedem Besucher war am Ende klar, dass Manny Montanas Teenage Head Music mit Samantha Martin & Delta Sugar wieder mal ein absolutes Ass aus dem Ärmel gezogen hatte. Ein unvergesslicher Abend in Krefelds-Parade-Rock Club und zugleich schon ein früher Konzerthöhepunkt 2019!

Line-up:
Samantha Martin (lead vocals, acoustic guitar)
Curtis Chaffey (electric guitar)
Ian MacEwan (bass)
Stephen Adu (drums)
Andrew Moljgun (keys, saxophone)
Sherie Marshall (bgv)
Mwansa Mwansa (bgv, percussion)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

Samantha Martin & Delta Sugar
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld
Jörg Schneider Webseite

The Long Ryders – Psychedelic Country Soul – CD-Review

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Review: Michael Segets

The Long Ryders haben es geschafft, sich innerhalb von fünf Jahren Kultstatus zu erspielen. Mit ihrem progressiven Sound, der zwischen Rock und Country changiert sowie Psychedelic-, Punk- und Garage-Elemente aufnimmt, gelten sie als Vorreiter des Alternativ Country. Wie beispielsweise Green on Red zählen sie zu den Vertretern des kalifornischen Paisley Underground. The Long Ryders orientierten sich aber stärker an den Byrds. Gene Clark wirkte dann auch auf ihrem Debüt „10-5-60“ (1983) mit.

Nach der Bandauflösung im Jahr 1987 fand sich die Band zwar noch sporadisch zusammen, spielte jedoch kein neues Studioalbum mehr ein. Livekonzerte, Zusammenstellungen mit Demoversionen oder Jubiläumsversionen ihrer früheren Werke wurden veröffentlicht, die substantielle Phase der Band schien allerdings vorbei.

Mehr als dreißig Jahren sind ins Land gegangen, bevor jetzt ein Album mit wirklich neuen Tracks der Band erscheint. Bereits im Titel und in der Cover-Gestaltung, die wie gewohnt die (sichtlich gealterten) Bandmitglieder zeigt, wird deutlich, dass „Psychedelic Country Soul“ im Wesentlichen dort weitermacht, wo The Long Ryders ihre Bandgeschichte unterbrochen hatten. Gitarren und Schlagzeug sind allerdings nicht mehr so scheppernd und der Gesang etwas glatter als früher.

Die Songs versprühen weniger Punk-Attitüde, was dem Reifungsgrad der Bandmitglieder geschuldet sein mag. Sid Griffin, Stephen McCarthy, Tom Stevens und Greg Sowders müssen nichts mehr beweisen. Entsprechend leicht und entspannt wirken sowohl die langsameren als auch die meisten Uptempo-Nummern des Albums.

Mit Harmoniegesang in bester Westcoast-Manier stimmt „Greenville“ als Auftakt des Werks in dessen Grundausrichtung ein. In eine ähnliche Kerbe schlägt das sofort ins Ohr gehende „Walls“. Neben den beiden schnelleren Titeln verleugnet auch die Ballade „Bells Of August“ die Herkunft der Band aus dem Sonnenstaat nicht.

Atmosphärisch etwas dunkler angelegt ist das melodiöse „Molly Somebody“ und der gradlinige Rocker „What The Eagle See“, der durch den eingängigen Refrain und die härteren Gitarrenriffs mitreißt. Unheimliche Energie verströmt „All Aboard”, bei dem Sid Griffins Gesang knarziger als auf den anderen Stücken klingt und durch eine kratzige Gitarre unterstützt wird.

Die Gitarrensprengsel auf „Let It Fly“ geben dem Song eine herrlichen Southern-Flair. Mit Geige und mehrstimmigen Background spiegelt er ebenso wie das locker rockende „The Sound“ sowie die mit Slide unterlegte Ballade „California State Line“ das Spektrum des Alternative Country wider, das die Band abdeckt.

Sid Griffin umschifft bei der sanften Ballade „If You Want To See Me Cry” gekonnt eine übermäßige Rührseligkeit. Der Rhythmus im Refrain des langsamen „Gonna Make It Real” setzt sich direkt in den Gehörgängen fest. Insgesamt halten sich ruhigere und rockige Titel auf dem Longplayer die Waage. Psychedelische Elemente sind zurückgenommen und scheinen nur noch im abschließenden Titelstück auf.

The Long Ryders können es noch. Vielleicht wirken die Songs ihres Spätwerks nicht mehr so zukunftsweisend wie in den 1980ern, aber ihr eigenwilliger Sound hat immer noch einen hohen Wiedererkennungswert. Auch heute ist er frisch und interessant, wenn er auch weniger Ecken und Kanten aufweist als früher. „Psychedelic Country Soul“ vereint Westcoast, Alternativ Country und straight gespielten Rock in abwechslungsreicher Mischung. The Long Ryders revolutionieren den Country-Rock nicht mehr, sie bereichern ihn aber souverän mit ihrer Reunion.

Omnivore Recordings/Cherry Red Records/Rough Trade (2019)
Stil: Alternative Country, Alternative Rock

Tracks:
01. Greenville
02. Let It Fly
03. Molly Somebody
04. All Aboard
05. Gonna Make It Real
06. If You Want To See Me Cry
07. What The Eagle See
08. California State Line
09. The Sound
10. Walls
11. Bells Of August
12. Psychedelic Country Soul

The Long Ryders
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Omnivore Recordings
Cherry Red Records
Rough Trade

Andy Frasco And The U.N. – Change of Pace – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Der amerikanische Keyboarder und Sänger Andy Frasco war ein Party-Typ, wie ihn die Geschichte der Rock-Musik immer wieder hervorbringt. Getreu dem alten Ian Dury Song „Sex & Drugs & Rock’n’Roll“ waren durchzechte Nächte und Drogen Exzesse keine Seltenheit. Sein Lebensstil brachte ihn jedoch nach einem längeren Drogentrip zu der Erkenntnis, dass Kreativität und musikalische Fantasie nicht grenzenlos zur Verfügung stehen.

Das neue Album von Andy Frasco & The U.N., „Change of Pace“, ist daher zunächst einmal aus einem Sinneswandel heraus entstanden – ein Tempowechsel in Form eines Longplayers. Für den Bandleader ist das Werk vor allem eine Verarbeitung seiner „Party-First-Phase“, aber auch ein Schritt in eine andere Lebenssituation.

Produzent Dave Schools, Gründungsmitglied und Bassist der Southern-Rock Band „Widespread Panic“, verhalf Andy maßgeblich durch seine ‚Weckrufe‘ zu diesem Kurswechsel. Seine insgesamt vierte LP ist durch eine Art Studio-Tournee entstanden. In einem abgelegenen Bergstudio in Sonoma County begann dann die Produktionsreise an der Seite von Schools und jeder Song spiegelt die Umgebung der Aufnahme-Orte wieder – sei es das New Orleans ‚Bourbon Street Feeling‘, die Indie Atmosphäre von Los Angeles oder die besondere ‚Energie‘ von New York.

Das Titelstück „Change of Pace“ reitet auf einer gewaltigen Keyboard-Wave und gefühlvollen Gospelgesängen dahin. „Don’t Let it Fool Ya“ beginnt zögerlich und geht dann in einen treibenden RnB-Refrain über. Auf „Love, Come Down“ werden moderne Pop- und Soul-Ansätze miteinander verbunden, die auch von einem Bruno Mars-Album stammen könnten. Ein bluesig, ausufernder Bläser-Rhythmus prägt das dynamische Funk-Stück „Up/Down“. Die wunderschöne Soul/Gospel-Perle „Let Your Mind Be Free“ ist der ausdrucksstärkste und intimste Song, auf dem Andy größtenteils solo performt und im Refrain von harmonisch anmutenden Background-Gospel begleitet wird.

Andy Frascos Band „The U.N.“ besteht aus wenigen Mitgliedern und einer Vielzahl von weiteren Musikern, die als Studiogäste ihr Können in das neue Werk einbringen. So auch in die Vorab-Single „Waiting Game“, die auch gehobene Ansprüche eines puren Soul-Rock erfüllt. Auf „Find a Way“ geht es mit dichten Bläsersätzen wieder deutlich funkiger zur Sache. Das letzte Stück „Don’t Let the Haters Get You Down“ erinnert an das Pogues-Feier Lied „Fiesta“ und Andy Frasco beendet das Album somit stilecht nach seinem früheren Motto: „What Happened Last Night?“

Der Blues-Rock der Vorgänger-Alben kommt nicht so stark zur Geltung. Die Pfade führen Andy Frasco & The U.N. eher zu hippen Soul-Rock und R&B-Sounds. Auf dem Blues und Jazz Festival in Bamberg 2016 wurde sein feuriges Live-Album „Songs From The Road“ aufgenommen und auch das Konzert bei Rock am Ring öffnete ihm nicht nur hierzulande die Pforte zu einer treuen Fan-Gemeinde. Mit „Change of Pace“ reiht sich Andy Frasco spätestens jetzt in die Garde erfolgreicher „Tasten-Bandleader“ ein.

Rough Trade (2019)
Stil: Soul, Blues-Rock, R&B

01. Change of Pace
02. Don’t Let it Fool Ya
03. Love, Come Down
04. Up/Down
05. Let Your Mind Be Free
06. Waiting Game
07. Somedays
08. Find A Way
09. Can’t Force Love
10. The Walk
11. Don’t Let the Haters Get You Down

Andy Frasco And The U.N.
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