Ally Venable – Real Gone – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Die ungebrochene Dominanz männlicher Musiker hat im rauen Texas-Blues-Rock die musikalische Stilrichtung über Jahrzehnte hinweg geprägt. Heavy und Powerful, die Sounds des Genres wurden unwillkürlich mit ZZ Top, Stevie Ray Vaughan oder Albert Collins in Verbindung gebracht. Dass auch seit einiger Zeit talentierte, weibliche Interpreten in diesen Southern-Rock-Gefilden eine starke Rolle spielen, beweist u.a. die Texanerin Ally Venable. Die erst 23-jährige Gitarristin, Songwriterin und Sängerin hat mit ihrem neuen Longplayer “Real Gone” ein packendes Album vorgelegt.

Die Scheibe beeindruckt von Beginn an (Titeltrack “Real Gone”) mit ausgefeilten, natürlich gitarrenlastigen Stücken. Straight-up Rock-Songs, Mid-Tempo und Slow-Blues Nummern wechseln die Blues-Farbe und den traditionellen Rhythmus, lassen aber keinen Zweifel aufkommen: die American-Texas-Blues Produktion ist Venables bisher bestes Studio-Album. Verantwortlich zeichnet Tom Hambridge, Produzent, Co-Writer und Schlagzeuger der Sessions. Der Grammy-Winner Hambridge (u. a. Buddy Guy, Susan Tedeschi) hat die ungeschliffen wirkenden Recordings erneut perfekt arrangiert.

Als hätte Ally Venable nicht ohnehin genug neue Titel zur Verfügung, folgt dabei ein herausragender Song auf den anderen und die Playlist der “Highlights” registriert nur einen kleinen Teil der technisch versierten Passagen der jungen Texanerin. So z. B. beim Slow-Blues “Broken And Blue” feat. Joe Bonamassa, Venables soulful voice und die extra Solo-Time für den Guitar-Hero bieten eine ebenso extravagante wie elegante Interpretation. Mit dem ruppig, funkigen “Don’t Lose Me” folgt ein bassgetriebener Gegensatz, der das Rhythmusgefühl intensiv herausfordert und die Saitenenergie der Gibson Les Paul massiv zu strapazieren scheint.

Dass auch ein 60er Jahre Soul Blues mit “Old-Style Vocals” und weichen Gitarrenakzenten modern getragen werden kann, wird bei “Any Fool Should Know” formschön und originell vorgeführt: immer wieder ein Anspieltipp. Dies gilt umso mehr für die erste Single des Longplayers, den Southern Blues Rock “Texas Louisiana”. Während des Duetts mit dem 86-jährigen Blues-Urgestein Buddy Guy kommt ein Gefühl früherer blues-rockiger Jahre auf und begeistert in seiner Ausgelassenheit und ungestümen Vitalität.

Ebenso rau im Text wie im Sound verbreitet “Kick Your Ass” als Südstaaten-Kracher jedoch eine deutliche Verehrungssympathie für das ausdrucksstarke Guitar-Play von Stevie Ray Vaughan. Einflussreiche Vorbilder, z. . Buddy Guy, SRV oder Bonnie Raitt, kennzeichnen die dynamische Spielweise von Ally Venable, die ihre Leidenschaft für die unterschiedlichen Stilrichtungen auch songtechnisch gerne betont. Mit dem am Dobro Sound orientierten Track “Blues Is My Best Friend” zelebriert die junge Musikerin nicht nur im besten Wortsinn eine Rückkehr zu ursprünglichen Blues-Jam Passagen, sondern findet intuitiv ebenso die passende Stimmlage zum komplexen Thema. Das Album schließt, wie es begonnen hat, mit einem starken Texas Blues. “Two Wrongs” hinterlässt noch einmal – vielleicht etwas zu kurz geraten – den bleibenden Eindruck einer herausragenden Studio Produktion.

Mit “Real Gone”, ihrem 5. Solo Album, ist es Ally Venable erneut offenbar mühelos gelungen, modernen Texas-Blues-Rock mit traditionellen Einflüssen zu verbinden. Die authentische Aufnahme-Session wird ihre Wirkung in der Roots-Szene nicht verfehlen und die inzwischen tournee-erfahrene Musikerin weiter motivieren. Mit dem Blues Caravan ist Ally Venable in Kürze auch bei uns im SoS-Sektor wieder unterwegs.

Ruf Records (2023)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Real Gone
02. Going Home
03. Justifyin’
04. Broken & Blue (feat. Joe Bonamassa)
05. Don’t Lose Me
06. Any Fool Should Know
07. Texas Louisiana (feat. Buddy Guy)
08. Kick Your Ass
09. Blues Is My Best Friend
10. Gone So Long
11. Hold My Ground
12. Two Wrongs

Ally Venable
Ally Venable bei Facebook
Ruf Records

Marcus King – 16.03.2023 – Carlswerk Victoria, Köln – Konzertbericht

Um 20:00 Uhr beginnt Leah Blevins den Support für Marcus King mit seiner Band. In einem 30-minütigen Auftritt verkürzt die aus Sandy Hook, Kentucky, stammende, nun in Nashville lebende Sängerin die Wartezeit zum Topact. Mit ihrem Auftritt, den sie solo nur mit der Akustikgitarre spielt, kommt sie beim Publikum gut an, was sich am Applaus nach den Countrysongs zeigt.

Nach einer etwa 30-minütigen Umbaupause ist es soweit. Markus King und seine Musiker betreten unter Applaus die noch abgedunkelte Bühne im Carlswerk, wo sich zwischen 900 und 1000 Besucher in der Halle, in der  das letzte Viertel abgehängt ist, eingefunden haben und so der offene Bereich sehr gut gefüllt ist. Im Vergleich zum letzten King-Konzert ist die Besetzung um einen weiteren Gitarristen und Bläser erweitert, was den Sound noch einmal kraftvoller macht.

Im Zentrum der Bühne steht natürlich der mit Cowboyhut bedeckte King, links von ihm Keyborder und Orgelspieler Mike Runyon, auf der rechten Seite Drew Smithers (Bishop Gun) als zweiter Gitarrist, Bassist Stephen Campbell, während Drummer Jack Ryan und die drei Bläser nach hinten versetzt spielten, wobei die Bläser auf einem Podest stehen und so auch gut zu sehen sind. In dem über zweistündigen Auftritt umspannt King die Bandbreite von Southern Rock, Blues, Country und Soul, sodass den Fans ein sehr abwechslungsreiches Konzert geboten wird.

King zeigt dabei, dass er sowohl ein exzellenter Gitarrist als auch auch ein guter Sänger ist und kann sich bei seiner Soloarbeit voll auf seine Band verlassen, die ihm mit ihrem starken Zusammenspiel den Freiraum gibt, sich zuweilen regelrecht auszutoben. Auch wenn er mittlerweile als Soloartist und nicht mehr als Marcus King Band auftritt, ermöglicht er seinen Musikern genügend Gelegenheiten, in Soloparts ihr Können zu zeigen. Mit Drummer Ryan und Bassist Campbell hat er dabei seine aus der King Band bewährte Rhythmusfraktion dabei, wobei Ryan in einem der letzten Songs mit einem etwa fünfminütigen Drumsolo auf der Bühne allein gelassen wird und dafür Szenenapplaus einheimst.

Mike Runyon sorgt an den Tasten für einen voluminösen Sound, bringt in jammenden Phasen psychedelische Einflüsse und hat in den Songs mehrfach kurze Soloparts. Drew Smithers ist mehr als nur ein zweiter Gitarrist, der insbesondere die Rhythmusarbeit leistet. Einige starke Soli, zum Teil sich mit King duellierend und slidendend, offerieren, dass er eine absolute Bereicherung ist. Die drei Bläser bringen oft souliges Flair in die Tracks und sorgen bei den jammenden Parts für eine besondere Dynamik. In manchen Stücken legen sie aber ihre Blasinstrumente beiseite, um mit verschiedensten Perkussioninstrumenten mit der Rhythmusfraktion für einen gewaltigen Beat zu sorgen. 

Es fällt schwer aus den allesamt starken Songswelche herauszuheben. Ein besonderer Moment war, als die Band „Saturday Night Special“ von Lynyrd Skynyrd ertönen ließ. In den Augen mancher Fans sah man das sprichwörtliche Tränchen im Auge (mit Rossington ist das letzte Alltime-Mitglied der Southern-Legende vor wenigen Tagen verstorben). Dies war dann allerdings ganz schnell Schnee von Gestern, als die Band den Song in die Halle feuert und beweist, dass spätestens jetzt eine neue Epoche im Southern Rock eingeläutet ist, in der Markus King mit Sicherheit eine wichtige Rolle spielen wird. 

Eine schöne Geste ist, als King Leah Blevins auf die Bühne holt und mit ihr einen ruhigen Countrysong im Duett aufführt. Zum Ende des Konzertes bringt King mit dem hymnischen „Oh Carolina“ einen absoluten Höhepunkt, um nach Zugabeforderungen noch einmal nachzulegen. Mit „Coming Home“, das von einem mehrminütigen Mörderintro eingeleitet wird, verabschiedet Marcus King mit seiner Band die Fans gegen 23:10 Uhr von einem großartigen Abend, in dem der Hauch des Südens das Carlswerk erfasst hatte.

Line-up:
Marcus King – guitars & vocals
Stephen Campbell – bass
Jack Ruyan – drums
Mike Runyon – keyboards
Drew Smithers – guitars
Alex Bradley – trumpet
Chris Spies – sax
Kyle Snuffer – trombone

Text & Bilder: Gernot Mangold

Marcus King
Marcus King bei Facebook
Leah Blevins
Leah Blevins bei Facebook
Carlswerk Victoria
Prime Entertainment Promotion

Bart Ryan – Messenger – CD-Review

Review: Michael Segets

Bart Ryan machte sich einen Namen als Produzent, Film- und Sessionmusiker in Nashville. Auf seinem bisherigen Solo-Output, einer EP und fünf Longplayern, widmet er sich hauptsächlich dem Rock beziehungsweise dem Blues Rock. Mit „Messenger“ schlägt er nun einen anderen Weg ein. Die Stücke sind akustisch gehalten und changieren zwischen Blues und Americana.

Ryan geht aber auch hier nicht puristisch vor, sondern setzt weiterhin auf die Bandbegleitung und lässt seine Fähigkeiten an den Saiten freien Lauf. Dabei ist Ryans Arbeit an der Gitarre nie aufdringlich oder ausufernd, sondern setzt immer wieder Akzente, die sich in die Songs einpassen. Lap Steel, Dobro, Resonator erzeugen einen Sound, der durchgängig erdig wirkt. Die neue Richtung wird bei dem veränderten Arrangement von bereits bekannten Songs augen- beziehungsweise ohrenfällig. Die ursprünglichen Versionen des rockigen „Healer“ und des souligen „Wanna Be“, diesmal ohne Bläser, finden sich auf der vorherigen Scheibe „Starlight And Tall Tales“ (2020). Neu interpretiert wird zudem „One World“, das von „Temptation“ (2009) stammt.

Die restlichen sieben Tracks dürften aktuelle Kompositionen sein, sofern ich das richtig im Blick habe. Das Album beginnt folkig mit „All Go Home“, einem rhythmisch interessanten Track mit eingängigen Chorus, der mit harmonischen Backgroundgesang unterlegt ist. Nach dem gelungenen Einstieg folgt die flotte Fabel „Balled Of The Lizard And The Frog“. Der witzige Song stellt einen Seitenhieb auf einen US-amerikanischen Ex-Präsidenten dar, beispielsweise indem er dessen Parole umformuliert: Let’s make the swamp great again.

Im weiteren Verlauf des Longplayers dominieren Stücke im gemäßigten Tempo, denen Ryan eine Bluesnote mitgibt. „I Am A King“, „Who Do You Think You Are“ und „Stronger Still“ fallen in diese Kategorie. Vor allem der letztgenannte Titel ist atmosphärisch dicht und lädt zum mitträumen ein. Er erinnert an die US Rails – dort besonders an die Beiträge von Ben Arnold. Daneben liefert Ryan ein paar schnellere Nummern ab. Das mittig platzierte „Street Corner Angel“ lockert den Longplayer zum richtigen Zeitpunkt auf. Mit „Working On A Dream“ groovt Ryan zum Abschluss, sodass ein positiver Gesamteindruck des Werks haften bleibt.

Bart Ryan verändert auf „Messenger“ seinen bisherigen Sound. Das Album bietet mit neuen und bereits in anderen Versionen veröffentlichten Titeln handgemachten Blues und Americana ohne große Schnörkel. Das Songwriting bewegt sich zwischen unaufgeregten, bluesinfiltrierten Tracks und gemäßigtem Folkrock. Auf dem insgesamt homogenen Album stechen „Stronger Still“ als stimmungsvolle Introspektion sowie „Balled Of The Lizard And The Frog“ als politisches Statement hervor.

Im April und Mai tourt Ryan durch Frankreich, Dänemark, Deutschland und die Niederlande.

Eigenproduktion (2023)
Stil: Americana/Blues

Tracks:
01. All Go Home
02. Balled Of The Lizard And The Frog
03. Healer
04. I Am A King
05. One World
06. Street Corner Angel
07. Stronger Still
08. Wanna Be
09. Who Do You Think You Are
10. Working On A Dream

Bart Ryan
Bart Ryan bei Facebook
JohThema Promotions

Blackberry Smoke – Support: Read Southall Band – 15.03.2023, Carlswerk Victoria, Köln – Konzertbericht

Köln entpuppt sich immer mehr als gutes Pflaster für Blackberry Smoke und steht auch so ein wenig als Synonym für das Steigerungspotential der Mannen um Bandleader Charlie Starr. Meine persönlichen Besuche der Southern Rocker aus Georgia über die vielen Jahre hinweg entwickelte sich so: Das kleinere Luxor ausverkauft, danach die Kantine rappelvoll, das Stollwerck als nächste Station ausverkauft, das gleiche diesmal, in dem für Kölner Location-Verhältnisse schon beachtlichen Carlswerk Victoria. Wo mag das noch enden?

Aber zunächst galt es den blutjungen Nachwuchs der Szene in Form der Read Sothall Band zu begutachten, die von Blackberry Smoke ins Schlepptau genommen wurden. Das Sextett um Fronter Read Southall hat immerhin schon mit „For The Birds“ das dritte Album am Start, das jetzt den ersten größeren Karrieresprung einleiten soll.

In einer Dreiviertelstunde wurden dann Songs wie „Stickin‘ n Movin'“, „Don’t Tell Me“, „Scared Money“, „Why“, „Beautiful Eyes“, „High- Speed Feed“, „Damn“ und  „DLTGYD“ präsentiert. Die engagierte Vorstellung kam insgesamt beim Publikum gut an.  Ähnlich wie bei den Georgia Thunderbolts im Vorprogramm von Black Stone Cherry, gab es ein ziemlich lautes Riff-Gedresche, sodass die zweifellos gute Stimme von Southall erst ab dem ruhigeren „Why“ besser zur Geltung kam.

So hatte ich am Ende, der die Musik bis dato nur marginal zur Kenntnis genommen hat, doch etwas Probleme mit dem Wiedererkennungswert der Tracks und auch die Bühnenpräsenz von Read hatte eher etwas vom Sänger einer High School Band, statt der eines charismatischen Southern Rock-Fronters. Hier gilt es den Cowboyhut aufzusetzen und demnächst noch etwas an seiner Ausstrahlung zu arbeiten. Trotzdem ein, für eine Vorband, ansprechender Auftritt. Die junge Read Southall Band, da bin ich mir sicher, wird sich noch weiter positiv entwickeln.

Line-up:
Read Southall (lead vocals)
John Tyler Perry (electric guitar, vocals)
Reid Barber (drums)
Jeremee Knipp (bass)
Braxton Curliss (keys)
Ryan Wellman (electric guitar)

Nach ganz kurzer Umbaupause wählte das seit geraumer Zeit als Septett agierende Kollektiv (Perkussionist Preston Holcomb und Gitarrist Benji Shanks sind als neue Personalien zu vermelden) mit dem rockigen „Six Ways To Sunday“ direkt einen idealen Einstieg, um das prall gefüllte Carlswerk Victoria sofort in gute Stimmung zu versetzen.

Das erste Drittel mit Songs wie u. a. „Good One Comin‘ On“, „Workin‘ For a Workin‘ Man“ „You Her Georgia“, Pretty Little Lie“ oder „Hey Delilah“ stand dann ganz im Zeichen von Charlie Starr, dass man sich teilweise fragte, wofür eigentlich ein dritter Gitarrist mit dazu genommen wurde. Es war fast eine gefühlte One Man Show bis dahin, natürlich auf absolut hohem und sehr unterhaltsamen Niveau.

Mit dem verschachtelten „Sleeping Dogs“ (mit eingebautem Tom Petty-„Don’t Come Around Here No More“-Intermezzo), wandelte sich das Blatt aber, und immer mehr kam zur Geltung, warum Benji Shanks als absoluter Gewinn für die Band gesehen werden kann. Der spielte sich im weiteren Verlauf, vor allem mit schönen Slideeinlagen immer mehr in den Vordergrund und gab dem Gesamtsound von Blackberry Smoke deutlich mehr Fülle. Gut dabei war, dass der Soundmischer einen glänzenden Tag erwischt hatte und sämtliche Instrumente sehr schön transparent zur Geltung kamen.

Das herrlich progressive „The Whippoorwill“, das countryeske „What Comes Naturrally“, das saustarke „All Rise Again“ und das mit schöner E-Hook von Shanks versehene „Ain’t Gonna Wait“ waren dann die Vorboten einer furiosen Schlussphase, in der es mit den ‚Hits‘ wie „Resstless“ (Einleitung mit Skynyrds „Things Goin‘ On“), dem Countrygassenhauer „Ain’t Got The Blues“ (die Halle singt mit), dem eingängigen „Run Away From It All“, der Covernummer „Sunrise In Texas“, dem „Ohrwurm „One Horse Town“ (auch wieder mit Publikumsgesang) und dem, den Hauptteil abschließenden  „Old Scarecrow“, dann absolut kein Halten mehr gab. Eine wirklich tolle Stimmung im Carlswerk.

Der Zugabenteil stand dann natürlich wieder ganz im Zeichen von Charlie Starr, der nun mit Hut bedeckt, zunächst „Old Enough To Know“ (erneut im Countryambiente) und schließlich das überragend performte „Ain’t Much Left Of Me“ (auch hier wieder mit integriertem „Mississippi Kid“ von Skynyrd) ganz fett seinen Stempel aufdrückte. Man sieht zu jeder Zeit, dass er  seine Mitstreiter fest im Griff hat und einen echten Plan zielstrebig verfolgt. Tosender Beifall am Ende für die eindeutig beste Vorstellung von Blackberry Smoke, die ich bis jetzt gesehen habe.

Auch wenn ich nicht ausschließen möchte, dass Lynyrd Skynyrd nach dem Tod von Gary Rosssington vor einigen Tagen, trotzdem weiter machen wird, spürte man an diesem Abend, dass der Macht- und Generationenwechsel im Southern Rock endgültig vollzogen ist. Das neue Flagschiff des Genres heißt eindeutig Blackberry Smoke! Und wer weiß, wo das demnächst in der Domstadt noch hinführen wird – in eine ausverkaufte Lanxess-Arena etwa…?

Line-up:
Charlie Starr (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar, percussion)
Paul Jackson (acoustic guitar, electric guitar, vocals)
Benji Shanks (electric guitar, acoustic guitars)
Brandon Still (keys)
Brit Turner (drums)
Richard Turner (bass, vocals)
Preston Holcomb (percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Blackberry Smoke
Blackberry Smoke bei Facebook
Read Southall Band
Read Southall Band bei Facebook
Oktober Promotion
Carlswerk Victoria

The Band Of Heathens – Simple Things – CD-Review

Die ganz große Zeit bei uns hier hatte die Band Of Heathens zweifellos in ihren Anfangstagen mit dem tollen Debütalbum und auch dem Nachfolger „One Foot In The Ether„, als man noch als Trio im Vordergrund agierte.  Da wurde nahezu jede Gelegenheit genutzt, die Band in hier einigermaßen erreichbaren Sphären live zu sehen. Ich erinnere mich u. a. an einen schönen Gig im holländischen grenznahen Venlo mit meinen trinkfreudigen RWE-Freunden (die auch große BOH-Fans sind).

Mit dem Ausstieg von Colin Brooks und der Hinzunahme des Keyboarders Trevor Nealon 2011 begann sich dann das Personalkarussell zu drehen.  Auch die Rhythmusfraktion mit Seth Withney und John Chipman beendete ihre Dienste nur wenig  später, mit Richard Milsap und mittlerweile Jesse Wilson hat sich das verbliebene Front-Duo alias Ed Jurdi und Gordy Quist nun als Quintett aufgestellt.

Ein einschneidendes Break wie ich meine. Damit einher ging für mich persönlich der Wandel von einem angesagten Act mehr zu einem eher ‚geschätzten‘ Status. Nichtsdestotrotz standen die Texaner auch weiterhin immer auf der To-Do-Liste bei Konzerten, wenn sie sich hier in der Gegend aufhielten, wie zuletzt, als wir BOH dann mal wieder im Kölner Yard Club sahen, aber das ist auch schon eine Weile her.

Jetzt am 17. März gibt es mit „Simple Things“ endlich mal wieder ein neues Studioalbum. Ihr mittlerweile achtes. Und auf diesem präsentieren sich die Burschen in absoluter Bestform. Allein schon mit dem Opener „Don’t Let The Darkness“ fahren Sie direkt einen grandiosen Ohrwurm auf, wie er schöner nicht sein kann, selbst das verschrobene Organ-Kurz-Solo tut hier kein Abbruch. Besonders die hinzugefügten weiblichen Backgrounds setzen dem Lied die Krone auf. Toll!

Und so reiht sich im weiteren Verlauf ein schöner und stilvoll arrangierter Song an den anderen, wobei sich Ed und Gordy wie gewohnt bei den Leadgesängen die Klinke in die Hand reichen (Ed jedoch mit gefühlt etwas mehr Präsenz). Wir hören dezente Jackson Browne-/Radney Foster-Einflüsse („Heartless Year“, „Long Lost Son“), ein wenig Stones- und Skynyrd-Honky Tonk bei „I Got The Time“ und „Stormy Weather“ (herrlich spacige Keys von Nealon), ein wenig Eagles-Flair beim weiteren Ohrschmeichler „The Good Doctor“.

Freunde ihres ‚Hits‘ „Jackson Station“ werden mit dem Little Feat-trächtigen „Damaged Goods“ upgedatet. Der Titeltrack, das melancholische „Single In the Same Summer“ und das abschließende „All That Remains“ (mit psychedelischem Ende) stehen dann mit inkludierten Streichern für die eher experimentelle und emotionale Seite des Fünfers, letztgenannter Song hat sogar was von späten Beatles bis hin zu ELO.

„Die neuen Songs verkörpern den Geist unseres neuen Albums „Simple Things“: Überleben, Dankbarkeit, Resilienz und eine neu entdeckte Konzentration auf die einfachen Dinge, die das Leben lebenswert machen. Mit Songs wie „Stormy Weather“ und „Heartless Year“ konnten wir mit neuen Perspektiven auf unsere Triumphe und Misserfolge zurückblicken und die besten Versionen von uns selbst finden, indem wir zu den Sounds zurückkehrten, die die erste Inspiration in der Band auslösten, als wir vor 17 Jahren, in Austin, TX gegründet, anfingen.“ So die beiden Bandchefs.

Mein Fazit zur neuen Band Of Heathens-Scheibe fällt da deutlich kürzer aus: „Simple Things“ – einfach gut“. Absolute Kaufempfehlung!

Blue Rose Records (2023)
Stil: Americana / Roots / Country Rock

01. Don’t Let The Darkness
02. Heartless Year
03. I Got the Time
04. Simple Things
05. Long Lost Son
06. Stormy Weather
07. Single In the Same Summer
08. Damaged Goods
09. The Good Doctor
10. All That Remains

The Band Of Heathens
The Band Of Heathens bei Facebook
V2 Records Promotion GSA

The Poor – 11.03.2023 – Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

The Poor spielen erstmals in der Krefelder Kulturrampe und schon Tage vorher konnte ein ausverkauftes Haus vermeldet werden. Dabei ist die Band kein Newcomer, sondern trat schon ab den neunziger Jahren als Support für z. B. Rose Tattoo auf.

Um 21:00 Uhr begibt sich die Band auf die Bühne, die mit einem Vorhang abgehängt ist und nach einer kurzen Ankündigung öffnet sich der Vorhang. Fronter Skenie begrüßte kurz das Publikum und es folgen nicht ganz 90 Minuten Hard Rock aus Australien, bei dem die Band direkt auf die Überholspur geht und diese auch nicht mehr verlässt.

Skenie, rockt singend und schreiend die Bühne und nimmt die Fans von Beginn an mit, dass sich die Rampe schnell in ein headbangendes Tollhaus verwandelt. Gegen Ende des Konzertes geht er sogar durchs Publikum, um die Treppe zum nicht genutzten Obergeschoss zu entern, um schließlich von dort über den Köpfen der Fans weiter zu singen.

Daniel Cox schmettert das eine oder andere Hard Rock-Riff in die Rampe und zeigt dabei auch vielfältige Poserqualitäten unter dem Motto „Das Auge isst mit“. Der fast dauerhaft grinsende Drummer Matt Whitby und der am rechten Bühnenrang agierende Bassist Gavin Hansen geben krachend den Takt vor, der sich über die gesamte Zeit im hohen Drehzahlbereich befindet.

Nach etwa 80 schweißtreibenden Minuten, auf und vor der Bühne, verabschieden sich die Aussie-Rocker, um sich direkt zum Merchstand zu den zahlreichen wartenden Fans zu begeben und so einen stimmungsvollen Hard Rock- Abend ausklingen zu lassen.

Line-up:
Skenie– vocals, guitar
Daniel Cox – guitars, backing vocals
Matt Whitby – bass
Gavin Hansen – drums

Text & Bilder: Gernot Mangold

The Poor
The Poor bei Facebook
Teenage Head Music
Kulturrampe

Sari Schorr & Band, 07.03.2023, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Nach mehreren coronabedingten Verschiebungen kann Sari Schorr mit ihrer Band endlich die Freedom Tour in Deutschland im Dortmunder Musiktheater Piano starten. In dem knapp 100 minütigen Auftritt zeigt die New Yorkerin, dass sie mit Ihrer Präsenz und gesanglichen Qualitäten mit Sicherheit zu den Top Acts in der Blues Rock-Szene zu zählen ist. Dies hat sich scheinbar auch bei den geneigten Fans herumgesprochen. So ist es ihr gelungen mit über 200 Besuchern gelungen, die Zuschauerzahl im Vergleich zur Tour vor der Corona-Epidemie fast zu verdoppeln.

Die meisten Songs des Sets sind von den beiden letzten Studiowerken, ergänzt um einige bisher noch nicht auf einem Album veröffentlichte Stücke. Mit den vier Engländern hat Sari Schorr eine Band um sich versammelt, die sie selbst als richtige Band beschreibt und nicht nur als angemietete Musiker. Gitarrist Ash Wilson ist dabei der einzige, der sie schon seit Jahren begleitet und fast schon als musikalischer Partner zu sehen ist. Mit seinem Gitarrenspiel, auch in vielen Soli, setzt er den Songs auch eine Stempel auf, den Keyboarder Adrian Gautrey nochmals zum Teil psychedelisch verfeinert.

Mit dem umtriebigen Roger Inniss am Bass, dem man an seinem Dauergrinsen ansieht, mit welcher Freude er live spielt und Ash Wilsons Bruder Phil an den Drums, hat die Band, in der sich Sari als Bestandteil sieht, ein Rhythmusfraktion gefunden, die auf den Punkt, die Grundlage für den fetten bluesigen Sound legt.

Sari selbst zeigt sich stimmlich bestens aufgelegt und trifft mit ihrem emotionalen Auftritt genau den Nerv der Fans und es ist Ihr anzusehen, wie sie die tolle Stimmung im Musiktheater Piano regelrecht aufsaugt und diese Energie auf der Bühne wieder rauslässt.

Aus einer starken Setlist ragten für mich die fast mystische vorgetragene Version von „Black Betty“, das vom Keyboardspiel an Doors aber auch Gregg Allman erinnernde „Oklahoma“, das melancholische „Damn The Reason“ wo sie nur von Ash an der Gitarre begleitet wird und der letzte Song „Beautiful“, den Sie gestenreich den Besuchern widmete.

Gespannt darf man auf die im Herbst erscheinende neue Platte sein, die sie mit Sicherheit nächstes Jahr im Piano präsentieren wird.

Line-up:
Sari Schorr – vocals
Ash Wilson – guitars, backing vocals
Roger Inniss – bass
Adrian Gautrey – keyboards
Phil Wilson – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

Sari Schorr
Sari Schorr bei Facebook
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Mike Zito & Albert Castiglia – Blood Brothers – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Über die beiden Bluesgrößen Mike Zito und Albert Castiglia müssen an dieser Stelle sicherlich keine großen Worte verloren werden. Vielleicht nur soviel, dass Zito und Castiglia als Duo im Sommer letzten Jahres ihre äußerst erfolgreiche „Blood Brothers“-Tour abgeschlossen haben und daher nun ein gleichnamiges Album nachlegen.

Produziert wurde das Album von dem Gespann Joe Bonamassa / Josh Smith und aufgenommen wurde es im Dockside Studio in Maurice, Louisiana. Beide, Bonamassa und Smith, sind auch zusätzlich zu den Musikern der Bands von Zito und Castiglia, als Gastmusiker auf der Scheibe zu hören. Der Sound des Albums ist satt und voll, was sicherlich auch dem Aufgebot von Zitos und Castiglias Bandmates geschuldet ist, die hier unheimlich gut zusammen spielen und den Songs einen mächtigen Drive verleihen. Stilistisch deckt „Blood Brothers“ die Bandbreite von Slowblues, Blues, Boogie-Woogie und Blues Rock ab. Es sollte also für jede Geschmacksrichtung etwas dabei sein.

Zu den flotten Nummern zählen der von Mike Zito kreierte Opener „Hey Sweet Mama“, der auch als Singleauskopplung erschienen ist, und „Bag Me, Tag Me, Take Me Away“. Ein Song der aus der Feder von Graham Wood Drout, dem Sänger und Mastermind der zumindest in Florida legendären „IKO IKO Blues Band“ stammt. Beides sind mitreißende Boogie-Woogie Fetzer, die vom ersten Ton an unweigerlich Bock auf Abrocken machen.

„In My Soul“ und „A Thousand Heartaches“ hingegen sind ruhige und balladeske Songs. Ersterer von Mike Zito unter dem Eindruck einer Krebsdiagnose bei seiner Ehefrau geschrieben, besticht u. a. durch die melodischen und vollen Stimmen der Sängerinnen Jade MacRae und Dannielle DeAndrea, die einen starken Kontrast zu den teilweise sägenden Gitarrenriffs bilden. In „A Thousand Heartaches“ begleitet Joe Bonamassa mit seiner wunderbar melodiös gespielten Gitarre Castiglias Gesangstimme, die auch hier durch das einfühlsame Sängerinnengespann unterstützt wird.

Freunde der etwas härteren Gangart kommen mit dem kraftvoll stampfenden Blues Rocker „Tooth And Nail“, der durchaus auch leichte Southernanteile aufweist, und dem sehr dynamischen „My Business“ auf Ihre Kosten. Übrigens wurde „Tooth And Nail“ von keinem geringeren als Tinsley Ellis extra für das „Blood Brothers“-Projekt geschrieben.
Weitere satte Bluesnummern sind der vor Kummer schwer triefende Slowblues „You’re Gonna Burn“ und das bedächtige „No Good Woman“.

Auch der 5-fache Grammy Award Nominee, Produzent und Gitarrist Fred James steuert auf „Blood Brothers“ einen durchaus souligen Anteil bei. Sein Midtemposong „Fool Never Learns“ begeistert mit starken Bläsersätzen und fantastischem Backgroundgesang der bereits mehrfach erwähnten Sängerinnen Jade MacRae / Dannielle DeAndrea. Der Song sticht damit etwas aus dem übrigen Material heraus. Ähnliches gilt für „Hill Country Jam“ von Mike Zito und Josh Smith.

Das 7-minütige Instrumentalstück ist zwar nicht soulig angelegt, weist aber im Verlauf immer wieder musikalische Risse und Tempowechsel zwischen eingängigen Keyboardeinlagen und harschen Gitarrenriffs auf. Ein Jam eben, der herausragt. Mit der feinen Reminiszenz an J. J. Cale „One Step Ahead Of The Blues“, geschrieben von dem bereits 2013 verstorbenen und in der Tulsa-Musikszene verankerten Roger Tillison, endet das Album schließlich in einem Gesangsduett zwischen Zito und Castiglia.

„Blood Brothers“ zeigt eine tiefe, musikalische Verbundenheit zwischen den beiden Hauptprotagonisten. Da haben sich offenbar zwei gefunden, die ähnlicher kaum ticken und fühlen könnten. Der Albumtitel ist Programm und kann gleichermaßen auch für die Bandmusiker von Zito und Castiglia gelten, die sich hier auch, trotz der Komplexität des Albums, meisterlich zusammen gefunden haben. Es ist ein starkes 5-Sterne-Album, welches sich der geneigte Bluesfan auf jeden Fall zulegen sollte. Die Möglichkeit dazu hat er ab dem 17. März.

Gulf Coast Records, Proper/Bertus Musikvertrieb (2023)
Stil: Blues & More

Musiker:
Mike Zito: Gesang/Gitarre
Albert Castiglia: Gesang/Gitarre
Douglas Byrkit: Bass
Matt Johnson: Drums/Percussion
Ephraim Lowell: Drums/Percussion
Lewis Stephens: Keyboards

Weitere Musiker:
Josh Smith – Gitarre
Joe Bonamassa – Gitarre „A Thousand Heartaches“
Lemar Carter – Drums
Calvin Turner – Bass
Steve Patrick – Trompete
Mike Haynes – Trompete
Jimmy Bowland – Saxophon
Jonathan Salcedo – Posaune
Matt Jefferson – Posaune
Jade Macrae: Hintergrundgesang
Dannielle DeAndrea: Hintergrundgesang

Tracks:
01. Hey Sweet Mama
02. In My Soul
03. Tooth And Nail
04. Fool Never Learns
05. A Thousand Heartaches – featuring Joe Bonamassa
06. My Business
07. You’re Gonna Burn
08. Bag Me, Tag Me, Take Me Away
09. No Good Woman
10. Hill Country Jam
11. One Step Ahead Of The Blues

Mike Zito
Mike Zito bei Facebook
Albert Castiglia
Albert Castiglia bei Facebook
Blood Brothers

Marc Broussard – S.O.S. 4: Blues For Your Soul – CD-Review

Es soult ganz schön im Blues in diesen Tagen. Nachdem das Jungtalent Connor Selby in unserem Magazin mit seinem souldurchtränkten Bluesalbum vorgelegt hat, wird heute, am gleichen Tag, auch das neue Werk von Marc Broussard, „S.O.S. 4: Blues For Your Soul“, veröffentlicht, und wer wäre für solch eine Art von Musik nicht mehr prädestiniert als der aus Louisiana stammende Singer-Songwriter mit seiner grandiosen Stimme?

Das ungewöhnliche an meiner Beziehung zu Broussard ist, dass sie eigentlich durch ein Melodic Rock-Ding ausgelöst wurde. Im Rahmen eines Interviews mit dem The Ladder-Gitarristen Gerhard Pichler lernte ich einen Bekannten von ihm kennen, der mir damals Broussards Frühwerke (wie u. a. „Carenco“ oder „Keep Coming Back“) wärmstens empfiehl. Diese besorgte ich mir dann auch wenig später und war in der Tat begeistert.

Live sah ich ihn dann erstmals 2015 im Musiktheater Piano in Dortmund vor sehr spärlicher Kulisse und dann nochmals drei Jahre später im diesmal rappelvollen Pitcher in Düsseldorf. Seit er albentechnisch hier bei uns deutlich besser promotet wird, scheint auch der Bekanntheitsgrad mit zu steigen. Den nächsten Step dürfte Marc jetzt im Rahmen seiner S.OS.-Cover-Alben-Reihe (Save Our Souls) machen, die mit der Idee von ihm ins Leben gerufen wurden, Geld für die unterprivilegierte Jugend in den Staaten zu sammeln.

Hierfür konnte er nämlich diesmal keinen geringeren als Joe Bonamassa gewinnen, der für den Longplayer nicht nur sein eigenes Label zur Verfügung stellte, sondern auch auf drei Tracks ganz kräftig mit in die Saiten greift, wie u. a. beim famosen Little Milton-Klassiker „That’s What Love Will Make You Do“, der hier mit ein Highlight darstellt.

Broussard dazu: „Little Milton in Angriff zu nehmen, war eine gewaltige Aufgabe. Er hatte eine epische Stimme, die mich eingeschüchtert hat. Ich hoffe nur, ich bin ihm gerecht geworden. Ich wollte es nicht übertreiben, aber wir wollten ihm unseren Stempel aufdrücken. Ich bin so froh, dass wir das geschafft haben.“

Auch in Sachen Produktion sind Smokin Joe und sein langjähriger Kollege und Kooperationspartner Josh Smith, der hier beim deltabluesigen „Locked Up In Jail (Prison Blues)“ seine E-Gitarre herrlich grummeln lässt, mit involviert. Mit JJ Grey bei “ Asked for Water“ und Eric Krasno bei „I Like To Live the Love“ standen weitere, in diesem Magazin bekannte Größen parat, die für zusätzlichen Glanz im Retro-umwobenen Soul-Blues-Konglomerat sorgen.

Aus dem Rahmen fällt ein wenig das recht aggressiv und psychedelisch performte Son House-Stück „Empire State Express“, bei dem man bei entsprechender Lautstärke doch schon gute Nerven und Durchhaltevermögen mitbringen muss.

Am Ende ist dann mit den beiden relaxten Nummern „Driving Wheel“ und „When Will I Let Her Go“ nochmals Bonamassa-Time. Wenn man ganz fies sein möchte, könnte man unterstellen, dass der stimmlich ja nicht unbedingt eine Übergröße abgebende, aber immer nach Perfektion strebende Blues Rock-Gigant (obwohl er sich in den letzten Jahren in dieser Hinsicht ja deutlich verbessert hat) auf diesem Werk mal die Gelegenheit genutzt hat, zu prüfen, wie sich seine Musik mit einem phänomenalen Sänger wie Marc Broussard anhört…

Aber das ist natürlich völliger Quatsch. Hier geht es wirklich eindeutig um die gute Sache und dieser werden Broussard, Bonamassa & Co. absolut gerecht. Ein regelrechtes Freudenfest für Blues- und Soul-Freunde der guten alten Retroschule, von absoluten Klasseleuten und einem begnadeten Sänger perfekt in die heutige Zeit transformiert. Somit steht jetzt schon fest, dass für diese an „S.O.S. 4: Blues For Your Soul“ von Marc Broussard kein Weg vorbei führen wird.

Überaus erfreulich ist auch, dass Marc in diesem Jahr im September wieder in unseren Sphären live zu sehen sein wird, u. a. auch wieder im Musiktheater Piano in Dortmund (siehe dazu auch unsere Konzerttipps).

Ktba Records (Rough Trade) (2023)
Stil: Soul Blues Rock

Tracks:
01. I’ve Got To Use My Imagination
02. I’d Rather Drink Muddy Water
03. That’s What Love Will Make You Do (feat. Joe Bonamassa)
04. Cuttin‘ In (feat. Roddie Romero)
05. Dreamer
06. Empire State Express
07. Love The Time Is Now (feat. Bobby Junior)
08. I Asked For Water (feat. JJ Grey)
09. I Like To Live The Love (feat. Eric Krasno)
10. Locked Up in Jail (Prison Blues) (feat. Josh Smith)
11. Driving Wheel (feat. Joe Bonamassa)
12. When Will I Let Her Go (feat. Joe Bonamassa)

Marc Broussard
Marc Broussard bei Facebook
Another Dimension

Drayton Farley – Twenty On High – CD-Review

Review: Michael Segets

„Twenty On High“ hat seine Gänsehautmomente. Die sind vor allem Farleys Gesang geschuldet, der an manchen Stellen brüchig oder verletzlich wirkt und so pures Gefühl transportiert. Drayton Farley zählt zu einer neuen Generation von Songwritern, die einen frischen Wind in die Americana-Szene bringen. Ich denke da beispielsweise an die Kollegen Ian Noe, Arlo McKinley oder Vincent Neil Emerson. Farley tourte bereits mit Nikki Lane und promotet sein neues Album unter anderem mit Wiskey Myers, Lukas Nelson & Promise Of The Real sowie 49 Winchester.

Farleys vierter Longplayer mit zehn Eigenkompositionen erscheint auf seinem eigenen Label Hargrove Records. Als Produzenten konnte er Sadler Vaden (Jason Isbell And The 400 Unit) und für die Tontechnik Matt Ross-Spang (Lucero) gewinnen. „Twenty On High“ ist Farleys erstes Album, das er mit kompletter Bandbesetzung einspielte. Die Band gibt meinem Favoriten und zugleich der ersten Auskopplung „Norfolk Blues“ dann auch einen kräftigen Drive mit.

Die anderen Stücke sind ruhiger und lassen den Melodien Raum. Der Titeltrack oder auch der Opener „Stop The Cloud“ sind eingängige und stimmungsvolle Songs im Midtempo. „Above My Head“ wirkt zunächst etwas zahm, hat aber im hinteren Teil seine dynamischen Momente. Eine besondere Intensität entwickeln „Wasted Youth“ durch das Slide-Gitarrenspiel sowie „How To Feel Again“, das zwischen semi-akustischen und opulent arrangierten Parts wechselt. Die Ausflüge, die Farley in Richtung Country mit „Something Wrong (Inside My Head)“ und mit „Devil’s In NOLA“ unternimmt, bewegen sich in bekannten Bahnen und nehmen mich nicht so mit.

Bei den beiden Balladen am Ende des Albums scheint dann aber wieder seine Klasse als Songwriter auf. Katie Crutchfield (Waxahatchee) unterstützt Farley gesanglich auf „The Alabama Moon“. Hier sorgen Klavier und Geige für eine atmosphärische Untermalung. Beim abschließenden „All My Yesterdays Have Passed“ konzentriert sich die Begleitung auf die akustische Gitarre. Die Musik soll nach Farleys Vorstellung den Texten dienen. Über diese gibt er seiner Gefühls- und Gedankenwelt Ausdruck. Die persönlichen Einblicke, die er gewährt, wirken authentisch und sind manchmal mit einer Prise humorvoller Distanz gewürzt.

Drayton Farley hofft, dass ihm mit „Twenty On High” der Durchbruch gelingt. Es wäre ihm zu wünschen. Als Sänger mit eindringlicher Stimme und als Songwriter, der etwas zu erzählen hat, liefert er eine beachtenswerte Scheibe ab, die einige großartige Momente bereithält.

Hargrove Records – Thirty Tigers/Membran (2023)
Stil: Americana

Tracks:
01. Stop The Cloud
02. Norfolk Blues
03. Wasted Youth
04. Above My Head
05. Twenty On High
06. Something Wrong (Inside My Head)
07. Devil’s In NOLA
08. How To Feel Again
09. The Alabama Moon
10. All My Yesterdays Have Passed

Drayton Farley
Drayton Farley bei Facebook
Thirty Tigers
Oktober Promotion