Vanja Sky – 24.05.2019, topos, Leverkusen – Konzertbericht

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Himmlischer Abend gestern mit Vanja Sky und ihren Jungs. Im Vergleich zum Gig in Köln, den Gernot alleine begutachtet hatte, gab es im kleinen urigen Leverkusener topos zwei Umbesetzungen, die sich am Ende als äußerst effektiv erweisen sollten. Zum einen fehlte mit dem natürlich geschätzten Omnisassa Roger Inness am Bass zwar ein absolutes Schwergewicht der Branche, was man zunächst als großen Verlust einstufen könnte.

Dies wertete jedoch das Standing der Protagonistin (die es im Rahmen des Blues Caravans im Schatten von Mike Zito und Bernard Allison als quasi Newcomerin, in der Hinsicht, erst mal schwer genug hatte) sich zu positionieren, merklich auf, zumal mit Artjom Feldtser ein engagierter Ersatz gefunden worden ist, der seinen Rhythmus-Part (mit Drum-Kollegen Hans Jakob Schüler) einwandfrei erledigte und auch noch dezente Harmoniegesänge beisteuerte.

Überragend allerdings ihr Co-Gitarrist Robert Wendt, der zu meiner großen Überraschung mit seinem Slidespiel auf einem Danelectro-Modell und seinen furiosen Soli auf einem Haar Traditional T aged, die erwartete klassische Blues Rock-Ausrichtung der Kroatin, in unvermutete Southern-Sphären lenkte. Seine klirrenden Einlagen erinnerten teilweise an die von Skynyrd-Gitarreo Allen Collins, nicht zuletzt wurde auch mit „Simple Man“ eine unter die Haut gehende Coverversion mit eingestreut.

Die diesmal mit markant blonden Rasta-Dreadlocks-Extensions aufwartende Vanja, die seit drei Tagen gesundheitlich etwas geschwächelt hatte und laut eigener Aussage mit Hilfe von Whiskey und dem zurecht wieder begeistert mitgehenden topos-Publikum, einen Schnellheilungsprozess erfahren hatte, legte den Fokus mehr auf ihre, sich durch ein hohes Maß an Variabilität auszeichnende Stimme. Da wurde von hoch bis tief und auch rauchig, alles an Registern gezogen, zum Teil auch mal kräftig gefaucht (z. B. bei „Wild Thing“).

Gitarrentechnisch konzentrierte sie sich großzügig auf kleinere Soli, Intros, Fills, Rhythmus- oder Wechselspieleinlagen und überließ hier überwiegend Robert Wendt das Rampenlicht.

Das zweiteilige Set wurde mit dem lupenreinen Southern Rocker „Hard Working Woman“ eröffnet und hatte in Part 1 mit Tracks wie u. a. dem shuffligen „Strange Brew“, „One Reason“, dem delta-bluesig angehauchten „Crossroads Of Life“ sowie dem Klassiker-Trio „Oh Well“ (aus der Fleetwood Mac-Anfangszeit), „House Of The Rising Sun“ (schön rootsig) und dem wunderbaren Schwofer „To Love Somebody“, bereits viele Leckerbissen auf der Menükarte.

Die zweite Hälfte, beginnend mit „All Night“ (mit Twin-Elementen), der eindringlichen Mahnung „Don’t Forget To Rock And Roll“ (drei feurige Southern Rock-Soli von Wendt), dem erwähnten Skynyrd-Evergreen „Simple Man“ (mit Publikumsgesang), dem swampigen „Married Man“, der starken Gallagher-Hommage mit „Bad Penny“ und „Shadow Play“, dem atmosphärisch packenden „I’d Love To Change The World“ und dem launigen Troggs-Feger(bekannt aber eher durch die Fancy-Version) „Wild Thing“ (auch wieder am Ende richtig southern), sowie dem Led Zeppelin-Paradestück „Whole Lotta Love“, weckte nochmal so manche, mittlerweile schlummernde Energiereserve, der überwiegend anwesenden Ü-Fünfziger.

Obwohl das Quartett angesichts der hohen Temperatur auf der beengten Minifläche des topos schon ‚auf Felge‘ lief, ging es mit „Hit Me With The Blues“ nochmal in die stürmisch geforderte Verlängerung. Dann war aber endgültig Schluss. Der „Himmel ist die Grenze“ heißt es so schön. Vanja Sky gelingt es immer besser, sich aus dem einstmaligen Korsett des Blues Caravans zu lösen und ihre eigene Persönlichkeit auf der Bühne zu entwickeln. Das Publikum, Gernot und mich eingeschlossen, schien jedenfalls auf ‚Wolke 7‘ zu schweben.

Am Ende gab es noch Gelegenheit, mit Vanja und ihren Jungs zu quatschen und auch einige Schnappschüsse für unsere VIP-Galerie zu machen. Danke an Klemens Kübber für den grandiosen Abend im topos!

Line Up:
Vanja Sky – Lead vocals, electric guitar, slide guitar
Robert Wendt – Electric guitar, slide guitar
Artjom Feldtser – Bass, vocals
Hans Jakob Schüler – Drums

Bilder: Gernot Mangold
Facebook-Videos: Klemens Kübber
Text: Daniel Daus

Vanja Sky
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Ruf Records
topos Leverkusen

Grady Champion – Steppin‘ In – A Tribute To ZZ Hill – CD-Review

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Die eigentlichen Champions in der Familie Champion sind die Eltern von Grady Champion. Der Sohnemann ist, sage und schreibe, das jüngste von insgesamt 28 Kindern!!! Das nenne ich mal einen Beitrag fürs Rentensystem! Die Suche nach ’ner 30 1/2 Zimmer Wohnung in Canton, Mississipi, war da vermutlich von absolut abenteuerlicher Natur…

Aber Spaß beiseite, die Familie ist dann natürlich auf einer Farm ansässig geworden. Der Protagonist gelangte, wie sooft bei den Amis, über den Kirchenchor in musikalische Sphären, allerdings zunächst im Rap-Milieu, entdeckte Ende der 1990er Jahre dann aber seine Passion für den Blues. Er  lernte Mundharmonika-Spielen und brachte mit „Goin‘ Back Home“ 1998 sein erstes Album in diesem Stil heraus.

Sein größter Erfolg war sein Co-Writing bei „Trust Yourself“, zu finden auf Etta James‘ Grammy-dekoriertem Album „Let’s Roll“. Auf seinem aktuellen Longplayer „Steppin‘ In“ widmet er die Aufmerksamkeit dem schon lange nicht mehr unter uns verweilenden texanischen Bluesmusiker Z. Z. Hill,  der von seiner mittlerweile ebenfalls verstorbenen Mutter sehr verehrt wurde.

Dessen performte Stücke hat Grady Champion jetzt in ein von ihm zugeschnittenes Gewand gekleidet. Ein typischer Blues-Sound im Stil und Gesang der traditionellen dunkelhäutigen Blues-Ikonen King, Collins, Waters & Co., gemischt mit dem Genre-verwurzelten Gibson ES-E-Gitarrenambiente, Harp-, Bläser-, Piano- und Orgelklängen (klasse hier Sam Brady) und gospeligen als auch souligen weiblichen Hintergrundgesängen.

In der zweiten Hälfte schwenkt das Album mit Stücken wie „Three Into Two Won’t Go“, „Cheating in the Next Room“ und „Right Arm For Your Love“ phasenweise in Soulsphären, wobei letztgenanntes mit seiner Southern-angehauchten E-Gitarre und der rauchig-heiseren Stimme sogar ein wenig an Kid Rock erinnert. Mein Favorit des Werkes.

Die beiden finalen Tracks „Everybody Knows About My Good Thing“ (E-Gitarren-betonter starker Slowblues) und „When It Rains It Pours“ finden dann aber wieder den Weg zurück in die klassischen Blues-Gefilde.

Gray Champion liefert mit „Steppin‘ In“ ein solides, gut und gemütlich anhörbares Blues-Album ab, bei dem seine Empathie für den hier Tribut-bezollten Künstler authentisch zum Ausdruck kommt. Ganz klar Stoff für Traditionalisten der 12-Takt-Sparte.

Malaco Music Group (2019)
Stil: Blues

01. Down Home Blues
02. Shade Tree Mechanic
03. Someone Else Is Steppin‘ In
04. Bump and Grind
05. I’m a Blues Man
06. Open House At My House
07. Who You Been Giving it To
08. Three Into Two Won’t Go
09. Cheating in the Next Room
10. Right Arm For Your Love
11. Everybody Knows About My Good Thing
12. When It Rains It Pours

Grady Champion
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Malaco Music Group

Dreadful – A Damn Good Ride – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Ein massiver Rock-Sound aus den Glarner Alpen feiert sein 10-jähriges Bestehen: die Band „Dreadful“ unternimmt „A Damn Good Ride“ mit ihrem neuen Longplayer. Dass die fünf Musiker aus dem Muotathal als bodenständige Schweizer ausgerechnet harten Blues-Rock rough and dirty inszenieren können, haben sie bereits mit den beiden Vorgängeralben lautstark bewiesen.

Ihre dritte Scheibe präsentiert nun dementsprechend zehn weitere Eigenkompositionen im selbst als „Kick-Ass-Rock’n’Roll“ bezeichneten und vor Kraft strotzenden Heavy-Rock.

Schon mit dem ersten Stück “ I’ve Got To Move“ kommt der geneigte Musik-Fan ordentlich in Bewegung und fühlt sich als Kenner der Szene durchaus an die schwedischen Kult-Rocker The Hellacopters erinnert. Neben diesem Beispiel haben „Dreadful“ offensichtlich noch von anderen guten Vorbildern musiktechnisch eine Menge gelernt, denn krachende und tiefverwurzelte Southern- und Blues-Rock-Tracks wie “ Three Bucks Gone “ oder “ Please Stop Raping My Mind “ lassen die Einflüsse ungeschminkt wirken.

Die Anspieltips, wie der feine Akustik-Blues „Hangover Day“ und der schwere „Gambler’s Blues “ machen unwillkürlich auf sich aufmerksam und runden die Sound-Wirkung der inzwischen eine Dekade rockenden Schweizer in Richtung ZZ Top und Blackberry Smoke glänzend ab. Auch der schnelle Titel „High Five“ driftet mit seinen schweißtreibenden Gitarren-Soli in das höhere „Südstaatenfieber“, das durch den Texas-typischen Blues „Come Home“ – southbound again – nochmals gerne in die heiße Phase kommt.

Da mit dem Abschlusstrack „Ride Me“ nach rund 39 Minuten die Scheibe leider schon zu Ende ist, stellt sich unweigerlich die Frage, nach der – bisher viel zu bescheidenen – aber dringend angebrachten Promotion für das unverkennbar groovende Quintett!

Ja, das Album strotzt vor Selbstvertrauen und dem sturen Bewusstsein, nicht nur eine altbekannte Geste der Zufriedenheit musikalisch abgeliefert zu haben, sondern es verdient die klare Empfehlung einer schweizer Wertarbeit für den Freund des glaubwürdigen, ehrlichen und echten US-Southern-Sound.

Auf ihrer neuen LP „A Damn Good Ride“ geht die Band Dreadful konsequent und unbeirrt ihren Weg und wurde dabei kongenial von Deezl Imhof, als Mastermind der schweizer Musikszene, begleitet. Der Soundtrack für eine verdammt gute Reise, nicht nur durch die Bergwelt der Alpen, ist der ideale Begleiter für jeden ausgedehnten Road-Trip.

Mono Buster Records (2019)
Stil: Rock, Blues, Rock’n’Roll

Tracklist:
01. I’ve Got To Move
02. Upper-Class Supersucker
03. Three Bucks Gone
04. High Five
05. Hangover Day
06. Like An Arrow
07. Please Stop Raping My Mind
08. Gambler’s Blues
09. Come Home
10. Ride Me

Dreadful
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Mono Buster Records

Justin Townes Earle – The Saint Of Lost Causes – CD-Review

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Review: Michael Segets

Mit 37 Jahren längst den Kinderschuhen entwachsen, ist es wohl das Schicksal von Justin Townes Earle immer wieder mit seinem Vater Steve Earle verglichen zu werden. Dies soll hier nicht geschehen, denn die beiden gehen musikalisch schon längst getrennte Wege – auch wenn sie derzeit auf dem gleichen Label veröffentlichen.

Auf seinem neunten Studioalbum „The Saint Of Lost Causes” bleibt Justin Townes Earle seiner favorisierten Musik treu. Bei der einen Hälfte der Songs schlägt das Pendel stärker in Richtung Blues aus, bei der anderen bedient sich Earle der klassischen Zutaten des Americana. Genau auf der Grenze liegt der Titelsong, der den Longplayer eröffnet.

Werfen wir zunächst einen Blick auf die Titel, auf denen sich Earle dem Blues zuwendet: Dezent aber fein instrumentalisiert erzählt „Appalachian Nightmare” von einem Verlierer, der auf die schiefe Bahn gerät. Damit greift Earle ebenso wie bei dem flotten „Ain’t Got No Money“ auf ein gängiges Thema des Genres zurück. Sein eindrucksvolles Storytelling rückt dadurch in den Vordergrund, dass er die instrumentale Begleitung auf den Punkt bringt und keine unnötigen Effekte einbaut.

Gleiches gilt für „Don’t Drink The Water”. Das Stück variiert allerdings das Tempo, indem es in seinem Verlauf mit scheppernden Schlagzeug, Bluesgitarre und Mundharmonika-Sprengseln Fahrt aufnimmt. Auf das Schlagzeug verzichtet Earle bei „Say Baby”. Hier gibt eine akustische Gitarre den Rhythmus vor.

Einen langsamen Boogie mit etwas Swing performt Earle mit „Pacific Northwestern Blues“. einen schnelleren – ganz im Stil der guten alten Zeiten des Rock ’n Roll – unter Einsatz eines Backgroundchors im Refrain mit „Flint City Shake It“. Bei seinen bluesinfiltrierten Stücken bewegt sich Earle überwiegend im oberen Tempobereich des Genres.

Die Americana-Titel des Albums sind tendenziell langsamer. „Mornings In Memphis” und „Frightened By The Sound” erinnern an Jackson Browne, „ Over Alemada” an American Aquarium. Besonders die beiden letztgenannten Songs sind starke Vertreter der Musikrichtung. Während der Slide bei den Titeln die typische Atmosphäre erzeugt, ist er mir auf „Talking To Myself“ etwas zu aufdringlich.

Die Gleichförmigkeit von „Ahi Esta Mi Nina“ lenkt die Aufmerksamkeit wiederum auf die Lyrics, die bis auf den titelgebenden Vers auf Englisch gesungen sind. Wie bei den anderen Songs lohnt sich ein genaues Hinhören auf die poetischen Zeilen. Obwohl sich nur wenige Songs direkt im Ohr festsetzen, entwickeln sie Tiefe und Intensität, wenn man das Album mehrfach durchlaufen lässt.

Im Americana-Bereich sind in diesem Jahr bereits einige interessante Veröffentlichungen erschienen, denkt man beispielsweise an die neuen CDs von Ryan Bingham, Hayes Carll, Son Volt oder Josh Ritter. Justin Townes Earles „The Saint Of Lost Causes” setzt diese Reihe fort, unterscheidet sich von diesen durch die deutlichere Akzentsetzung auf den Blues. Sowohl unter den bluesorientierten als auch unter den Americana-Titeln finden sich einige Nuggets, die es zu entdecken gilt. Die volle Wirkung erzielen die Songs, wenn man sich die Muße nimmt, den Texten zu folgen.

Pias/New West Records (Rough Trade) (2019)
Stil: Americana, Blues

Tracks:
01. The Saint Of Lost Causes
02. Ain’t Got No Money
03. Mornings In Memphis
04. Don’t Drink The Water
05. Frightened By The Sound
06. Flint City Shake It
07. Over Alemada
08. Pacific Northwestern Blues
09. Appalachian Nightmare
10. Say Baby
11. Ahi Esta Mi Nina
12. Talking To Myself

Justin Townes Earle
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Oktober Promotion

Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws – Crocuses From Ashes – EP-Review

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Zu den Bereicherungen meines ja nicht gerade kleinen musikalischen Horizonts, zählte im letzten Jahr zweifelsohne die texanisch-niederländische Formation Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws.

Das Vorgängeralbum „Flowers Under The Bridges“ hatte ich nur in Form der positiven Rezension des Kollegen Skolarski vernommen, konnte mich dann aber vom Können der Band anhand ihres starken Konzerts in der Krefelder Kulturrampe leibhaftig überzeugen.

Ihre vermutliche Passion für Blumen (wen wundert es – drei Holländer in der Band…) neben dem Blues Rock, wird mit dem Titel ihrer neuen EP „Crocuses From Ashes“ nun genauer spezifiziert.

Die fünf neuen Stücke stammen allesamt aus der Feder von Dede Priest und Johnny Clark, letztgenannter ist im bürgerlichen Leben unter dem Namen Hans Klerken anzutreffen. Für den transparenten Sound zeichnet sich Erik Spanjers verantwortlich.

Schon der Opener „You Are Gonna Rise“ gibt die Marschrichtung für den weiteren Verlauf des Werkes vor: tolles, in den Siebziger Jahren verankertes E-Gitarrenspiel (Interpreten wie Hendrix oder Clapton & Co. zu damaligen Zeiten lassen grüßen), die markante volumige ’schwarze‘ Stimme der Priest, Clarks überwiegend tolles Rhythmus- und Fillspiel, zusammengeführt in einem texanischen Blues Rock-Ambiente.

Nicht zu vergessen die von Dede bei den Stücken „Vermillion Allure“ und „Crocuses“ eingeflochtene knarzige Violine, die der Band noch ein weiteres markantes Markenzeichen verabreicht. Ray Oostenrijk am Bass und Drummer Leon Toonen erledigen routiniert und gekonnt die erforderliche, taktgebende Hintergrundarbeit.

Highlight für mich ist das frech und angriffslustig gesungene, mit surrenden Slide- und Rhythmusgitarren veredelte und shuffelnde „Texas Hurricane“ (klasse auch die Hendrix-mäßigen Zwischen E-Hooks und das quirlige Solo), das auch von der Melodik ein zu Begeisterungsstürmen bewegender Hinhörer ist.

Johhny Clark hat seinen Auftritt in der Mitte des Kurzsilberlings, wo er beim Creedence Clearwater Revival-umwobenen „Superlovely“, in Sachen Lead Gitarre und -Gesang die Zügel inne hat und diese Aufgaben mit Bravour meistert.

Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws haben mit dem neuen Kurzwerk „Crocuses From Ashes“ einen schönen kleinen musikalischen Zierblumenstrauß gebunden. Der hier verkörperte niederländische Rock-Musik-Calvinismus in Kombination mit der südstaatlichen Wucht eines texanischen Wirbelsturms, ergibt eine kurzweilige Mischung aus ehrlicher, detail-verliebter Instrumental-Arbeit und immer wieder aufbrausender Stimm-Urgewalt.

Creeping Fig Records (2019)
Stil: (Texas) Blues Rock

01. You Are Gonna Rise
02. Vermillion Allure
03. Superlovely
04. Texas Hurricane
05. Crocuses

Dede Priest
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Catfish – 16.05.2019, topos, Leverkusen – Konzertbericht

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Nachdem wir uns zwei Tage zuvor noch bei Joe Bonamassa zum Hochseeangeln in großen Blues Rock-Weltmeeren befunden hatten, galt es an diesem Abend, wieder in die eher etwas übersichtlicheren genretypischen Gewässer, zurückzukehren.

Diesmal hatten wir den Haken, wie schon vor knapp einem Jahr an gleicher Stelle, im urigen Leverkusener topos in Richtung Catfish ausgeworfen, vor geraumer Zeit immerhin noch Gewinner des British Blues Awards.

Klemens Kübber hatte uns unsere bewährten Plätze direkt vor der Bühne reserviert, sodass wir, wie sooft, von den üblichen trinkfreudigen rheinischen Stammgastfrohnaturen in diesem Lokal umgeben waren, die natürlich auch ihren ehrenwerten Anteil an der hervorragenden Stimmung bei diesem Gig hatten.

Hauptverantwortlich war allerdings die erneut starke Leistung des Quartetts, bestehend aus dem Führungsduo Matt und Paul Long, das im Leadgesangsbereich (überwiegend Matt, Paul mit ein paar Stücken wie u. a. dem progressiven „Ghosts“, „Loan Me A Dime“ oder „Big Shot“) sowie den tragenden Instrumenten E-Gitarre und Keyboards, den Stempel aufdrückte und der sich im Hintergrund befindlichen, gut harmonierenden Rhythmussektion mit Bassist Adam Pyke und Schlagzeuger Kevin Yates.

Allein Paul Longs Keyboard-Equipment nahm gefühlt schon fast die Hälfte der kleinen Bühnenfläche im topos ein. Demnach war für den Rest ‚Musizieren auf engstem Raum‘ angesagt.

CF_300Das Quartett hat mit „Burning Bridges“ seit einigen Tagen ein, im wahrsten Sinne des Wortes, brandneues CD-Werk am Start (Review auch demnächst bei uns), ein integrierter Showeffekt in Machart des Albumtitelbildes wäre allerdings im kleinen topos von recht ambitionierter und eher nicht empfehlenswerter Natur gewesen…

Die Briten stiegen dann mit dem flotten „Break Me Down“ aus diesem Silberling in den insgesamt in zwei Sets aufgeteilten Gig ein, dem mit u. a. „Leading Me On“, „The Root Of All Evil“ (schön Southern rockig), “Soulbreaker“ und das sogar mit dezentem Metal-Touch und epischem Flair umwobene „Exile“ (die drei letztgenannten auch vom neuen Longplayer), bis zur Pause folgten. Bereits jetzt schon eine starke Vorstellung.

Der zweite Durchgang stand besonders im Zeichen des stimmgewaltigen und gitarrentechnisch versierten Matt Long. Aber auch der eher in sich gekehrte Bassist Adam Pyke blühte nicht nur bei seinem Solo in „Big Shot“ auf, wo er filigran seine lange dünnen Griffel über den sechsaitigen Tieföner (fast in E-Gitarren-Manier) fliegen ließ.

Hier hießen die Stationen dann „Broken Man“, „Too Far To Fall“ (von Paul gesungener Stampfrocker), „Archangel“ (sehr emotional), mein Highlight „Better Days“ (launiger Blues Rock-Stampfer, dezent Southern) mit integriertem Reggae-Bridge und das großartige „Make It Rain“ (grandioses E-Solo von Matt mit Leisespielphase und krachendem Ende), zu Ehren ihres verstorben früheren Mitspielers, als furioser Abschluss des Hauptteils.

Die stimmungsträchtige Zugabe „Breaking Up Somebody’s Home“ brachte mit launigem Mitgröl-Interaktionsteil, wo auch die besagten Frohnaturen wieder ungehemmt zum Zug kamen, die Statik des denkmalgeschützen topos sinnbildlich ins Wanken. Danach hatten sich die sympathischen Musiker ihren Feierabend redlich verdient, besonders der durchgeschwitzte Matt Long, saß richtig groggy auf seinem Stuhl am Rande der Merchandising-Ecke.

Fazit: Catfish boten auch bei ihrer zweiten Stippvisite im topos eine tadellose, mitreißende Leistung, die ihre Beliebtheitswerte im Genre  somit auch über Großbritannien hinaus nachhaltig steigern müsste. Eine lebensnahe Band, die man aus besagten Gründen hier immer wieder gerne aufsuchen wird! Und wie heißt es im Anglerlatein in etwa doch so schön: „Kommt der Wind aus Westen, beißt der Wels am besten.”

Line-up:
Kevin Yates – drums
Adam Pyke – bass
Paul Long – keys and vocals
Matt Long – guitar and vocals

Bilder: Gernot Mangold
Facebook-Videos: Klemens Kübber
Text: Daniel Daus

Catfish
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topos Leverkusen

Joe Bonamassa – 14.05.2019, Mitsubishi Electric HALLE, Düsseldorf – Konzertbericht

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Nachdem wir Joe Bonamassa im letzten Jahr bereits in größerem Rahmen in Köln erleben konnten, galt es diesmal, den umtriebigen Blues-Musiker mit seiner hervorragenden Band (einzige personelle Veränderung war Mahalia Barnes statt Juanita Tippins im Background) in der Düsseldorfer Mitsubishi Electric HALLE zu begutachten.

Die einstmalige Philipshalle, mit der natürlich so einige Erinnerungen bis zurück in die Jugend (u. a. Wishbone Ash, ZZ Top, Heart, Lynyrd Skynyrd) verbunden sind, war an diesem Abend überaus gut besucht (es waren nur ganz wenige Lücken auszumachen). Von daher hatte sich die Diskussion im Bekanntenkreis zuvor, ob die Eintrittspreise (von 80–150 Euro) gerechtfertigt sind, insofern relativiert, dass es genug Leute gibt, die dem Resultat von Angebot und Nachfrage in diesem Fall, aufgeschlossen gegenüber stehen.

Und ich muss auch ehrlicher Weise sagen, wenn man die ganze zu stemmende Logistik im Hintergrund, samt dem involvierten Personal (inklusive Band), die dahinter steht und nicht zuletzt auch die famose Leistung, die auf der Bühne erbracht wird, berücksichtigt, bewegt sich das Ganze auch durchaus in einem nachvollziehbaren Rahmen. Da ist solch eine Summe sicherlich viel besser investiert, als zum Beispiel jeden Samstag in irgendwelche nichtssagende Fußballsöldner oder sonstige Schaumschläger aller Art.

Nicht zu vergessen, dass sich Joe dieses ‚Standing‘ von der Pike auf (mit akribischer Arbeit, ungeheurem Fleiß und kluger Marketingstrategie) über viele Jahre redlich erarbeitet hat und nicht per Zufall oder durch wahnsinniges Glück dort steht, wo er heute angelangt ist. Jeder seiner ebenso talentierten heutigen aufstrebenden Kollegen im Genre, würde sich solch einer Entwicklung sicherlich auch nicht versperren.

Pünktlich wie die Maurer betraten die Musiker zu einem filmmusikreifen Einspieler um 20:00 Uhr die Bühne, um mit dem Muddy Waters-Cover „Tiger in Your Tank“ in den Spielrhythmus hinein zu finden. Joe ließ auf seiner bordeaux-rot-farbenden Gibson ES ein erstes, seiner danach auf diversen weiteren Modellen (Stratocaster, Les Paul, Firebird, Telecaster), unzählig folgenden quirligen und filigranen Soli ab (auch manchmal in Southern Rock-typischer Slide-Manier) .

Danach standen Stücke seines aktuellen Albums „Redemption“ („King Bee Shakedown“, „Evil Mama“, „Just ‘Cos You Can Don’t Mean You Should”, “Self-Inflicted Wounds” – ) und des Vorgängers “Blues Of Desperation” (“This Train”, “Blues of Desperation”, “No Good Place For The Lonely”) auf dem Plan, die jeweils in zusammenhängenden Blöcken hintereinander ausgesprochen stark performt wurden.

In dieser Phase konnten sich sowohl die beiden eifrig plusternden Bläser Thornburg und Cerra als auch die beiden Backgroundsängerinnen mit kleineren Einlagen profilieren. Grandios und hammermäßig hier vor allem die ruhigeren atmosphärischen Tracks “Self-Inflicted Wounds” und “No Good Place For The Lonely” mit teilweise atemberaubendem Solieren des Protagonisten. Ging schon in Richtung absoluter Weltklasse.

In der ‚zweiten‘ Hälfte, eingeleitet mit meinem Favorit des Abends, dem Tim Curry-Lied „Sloe Gin“, ging es dann Schlag auf Schlag. Joe und seine erfahrenen Mitstreiter spielten sich regelrecht in einen Rausch, was auch vom immer besser mitgehenden und spürbar begeisterten Publikum (in bestuhlten Arenen ist da ja immer so eine Sache), deutlich gewürdigt wurde. Die Stimmung wie auch der Sound waren übrigens insgesamt deutlich besser als letztes Mal in Köln.

„Well Well” (mit engagiertem Wynans an Orgel und HT-Piano), die im Bakersfield-Stil dahinswingende „Boogie Woogie Woman“, der im reduzierten Quartett (ohne Bläser und BGVs) gebrachte B.B. King-Slowblues „Nobody Loves Me But My Mother“ (was für Spielfeuer der vier Schwergewichte Fig, Bonamassa, Rhodes und Wynans), das stampfende „Little Girl“ sowie das wieder in einer wahren Spielorgie endende “Last Kiss“, als letzter Track des Hauptteils, hatten die Leute längst von ihren Stühlen gerissen.

Smokin‘ Joe ließ sich von der Begeisterung regelrecht anstecken und gab zunächst solo bei „Woke Up Dreaming” eine Lehrstunde zum Thema “Was kann ich alles aus seiner Akustikgitarre herausholen?”. Unglaublich, was er da alles an Tönen und Rhythmen (inklusiv Flamenco-artiger Passagen) im steten Wechsel seinem Arbeitsgerät abverlangte.

Das Finale „Mountain Time”, wieder im kompletten Bandgefüge (alle brachten sich nochmals klasse ein – man merkte, dass hier auch die Harmonie im Kollektiv einfach zu stimmen scheint) bewies, dass Joe Bonamassa zu den absoluten Gipfelstürmern der Musikszene zählt.

Eines seiner kommenden anvisierten Bonamassa-Ziele wird wohl darin bestehen, dem geschätzten Kollegen Wynans (der sich mit ihm blendend ergänzte) irgendwann in die Rock & Roll Hall Of Fame nachzufolgen. Er ist, so meine ich, auf bestem Weg dorthin. Ein Hammer-Konzert in Düsseldorf, dass jeden ausgegebenen Euro wert war! Genre-Genuss pur. Joe Bonamassa rules the Blues!

Vielen Dank an Mark Dehler von Netinfect Promotion, der uns erneut dieses tolle Ereignis ermöglicht hat!

Line-up:
Joe Bonamassa (lead vocals, electric, slide and acoustic guitar)
Michael Rhodes (bass)
Reese Wynans (keys)
Anton Fig (drums)
Mahalia Barnes (vocals, percussion)
Jade MacRae (vocals, percussion)
Lee Thornburg (trumpet, vocals)
Paulie Cerra (saxofone, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Joe Bonamassa
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Netinfect Promotion
Mitsubishi Electric HALLE, Düsseldorf

Brian Cottrill – Through The Keyhole – CD-Review

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Review: Michael Segets

Brian Cottrill ist Gitarrist und Sänger bei The Grey Agents, einer Band gestandener Herren, die sich dem Rock der frühen Achtziger-Jahre verschrieben haben. Mit „Through The Keyhole“ verzichtet er auf seine Begleitmusiker und zieht als Singer/Songwriter – nur mit Gitarre und Mundharmonika bewaffnet – eine persönliche Bilanz seines musikalischen Schaffens der letzten 35 Jahre.

Die Werkschau reicht bis zu seinem Song „Lace“ zurück, den er als Teenager geschrieben hat. Neben eigens für die CD verfassten Stücken legt Cottrill mit „The Murder Farm“ einen Titel der Grey Agents in einer akustischen Version neu auf.

Als musikalische Inspirationsquellen nennt er Bob Dylan und Tom Petty, deren Einflüsse auch gelegentlich durchscheinen. So erinnert der Einstieg „Remember My Name“ durch die Mundharmonika und den bitterbösen Text an die Frühzeit Dylans. Bei der Struktur der meisten Lieder orientiert sich Cottrill jedoch weniger am Folk, sondern eher an Rocksongs. Mehrere Titel bewegen sich – für ein akustisches Album – in einem flotteren Tempobereich.

In seinen Texten wendet sich der Mann aus West Virginia alltäglichen Themen zu, die auch gerne im Heartland Rock aufgegriffen werden. Familienbeziehungen und -geschichten nehmen dabei einen wichtigen Platz ein. So ist das leicht süßliche „Erica“ seiner Tochter gewidmet.

Sehr einfühlsam zeichnet er mit „Sammie Lee“ eine schwere Lebensgeschichte nach, die durch die seiner Eltern inspiriert wurde. Der Song hat mit fast acht Minuten eine ungewöhnlich lange Spielzeit für eine akustische Ballade. Er vollbringt dabei das Kunststück nicht eintönig zu werden, was für Cottrills Qualität als Songwriter und Musiker spricht.

Textlich stark ist ebenfalls das gesanglich etwas experimentellere „The Uncertain Keyhole Jangle“. Für das Mitlesen stellt Cottrill die Lyrics aller Titel auf seiner Website zur Verfügung. Um gescheiterte Beziehungen drehen sich „Lost und Forgotten“, das stellenweise Assoziationen zu den Stones weckt, sowie „All I’ve Got Is You”, das neben dem Opener und dem dynamischen „When The Fire Comes“ zu den Highlights auf der Scheibe zählt.

Mit dem Bonus-Track „Gates Of Venus” ergänzt Brian Cottrill sein Album. Anders als auf den neun vorangegangenen Stücken beschränkt er sich hier bei der Instrumentalisierung nicht auf akustische Gitarre und Mundharmonika, sondern spielt elektrische Gitarre, Bass, Schlagzeug, Mandoline und Keyboard, womit er sich als wahrer Multiinstrumentalist erweist. Die Anfangsakkorde klingen nach Tom Petty und in dessen Stil setzt Cottrill einen rockigen Schlusspunkt unter sein Solo-Werk.

Das Solo-Projekt von Brian Cottrill vereint gute Rockrefrains mit der textlichen Tiefe des Folk. Im Gesamteindruck pendelt „Through The Keyhole“ damit zwischen akustischem Rock- und Folkalbum. Durch die Varianz von Tempo, Gesang und Atmosphäre umschifft Cottrill geschickt die Gefahr der Monotonie, der akustisch gehaltene Longplayer tendenziell ausgesetzt sind.

Eigenproduktion/Two Side Moon Promotion (2019)
Stil: Singer/Songwirter

Tracks:
01. Remember My Name
02. Erica
03. All I’ve Got Is You
04. Lace
05. The Murder Farm
06. Lost And Forgotten
07. When The Fire Comes
08. Uncertain Keyhole Jangle
09. Sammie Lee
10. Gates Of Venus (Bonus-Track)

Brian Cottrill
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Two Side Moon Promotion

Ryan McGarvey – 12.05.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbilder

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Unglaublich, aber wahr. ‚Konzertjunkie‘ Gernot Mangold besuchte einen Tag nach Ryan McGarveys starkem Gig im Schwarzen Adler, glatt auch noch seinen Auftritt im Dortmunder Musiktheater Piano. Hier seine wie immer farbenfrohe Bildergalerie.

Line-up:
Ryan McGarvey (lead vocals, guitars)
Artha Meadors (bass)
Logan Miles Nix (drums)

Bilder: Gernot Mangold

Ryan McGarvey
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Ryan McGarvey – 11.05.2019, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Nachdem Ernst Barten ja letzte Woche vor dem saustarken Band Of Friends-Gig die Katze aus dem Sack gelassen hatte, dass mit dem Schwarzen Adler zum Jahresende Schluss ist, sofern sich zeitnah kein Käufer findet, galt es, die sich nun abzeichnende ‚Abschiedstournee‘ in Sachen noch ausstehender Konzerte, ausgiebig zu genießen.

Mit Ryan McGarvey, den ich selbst, zu meiner eigenen Überraschung, letztes Jahr im Rückblick 2018, zum Konzerthighlight des Jahres auserkoren hatte, stand direkt der nächste Hochkaräter an.

Auffällig und positiv zu vermerken war, dass im sehr gut besuchten Adler, diesmal auch recht viele junge Leute vertreten waren. So war ich, ungewohnter Weise, tatsächlich gleich von drei jungen Damen, die vom Alter her, meine Töchter hätten sein können, umsäumt, die sich (vermutlich) brennend für das Gitarrenspiel des aus Albuquerque, New Mexico, stammenden Protagonisten, zu interessieren schienen…

Demnach wurde der Altersdurchschnitt – Bluesfreunde der natürlich wieder überwiegend vertretenen ‚Ü-50 & Mehr‘-Generation mögen mir diese Spitze bitte verzeihen – auf ca. rekordverdächtige 49 Jahre gesenkt. Aber Spaß beiseite, wäre das ein neuer (begrüßenswerter) Trend, wäre dies auch ein vielversprechendes Signal in Richtung potentieller Käufer der Location.

Kommen wir aber nun zum Konzert. McGarvey hatte diesmal auf seinen schon zu früheren Zeiten für ihn aktiv gewesenen Drummer Logan Miles Nix zurückgegriffen, der mit seiner glanzvollen kräftigen Performance, mit zum Gelingen dieser insgesamt schon fast brachial anmutenden Heavy Blues-Vorstellung, erheblich beitrug.

Neu am Bass, Ryans Freund aus Kindertagen, Artha Meadors, der sich am 5-saitigen Bass, ‚mannschaftsdienlich‘ einfügte, und sich McGarveys agiler Körpersprache bei so mancher kraftvollen Passage anpasste (heftiges synchrones Rauf- und Runterschwenken mit den Instrumenten, oft sogar fast bis zum Boden).

Der Gig konnte diesmal quasi in vier Abschnitte unterteilt werden. Der erste Part, den Ryan elektrisch auf einer blues-typischen Gibson ES mit Stücken wie „Surrender“, „Fading Away“, „Right Side Of The Dirt“, „Ain’t Enough Whiskey“ und „Pennies“ bestritt, beinhaltete schon drei Stücke aus dem neuen Album „Heavy Hearted„, das auch im weiteren Verlauf im Mittelpunkt stand.

Dies deutete bereits nicht nur vom Titel her Garveys bluesspezifische Präferenz vorzeitig an, sondern auch, dass der Abend nichts für musikalisch zart Besaitete werden würde. Es ging schon zu dieser frühen Phase, besonders, was seine filigranen und dynamischen Soli anging, furios zur Sache.

Selbst in der sich anschließenden Akustik-Passage mit „Six Feet In The Ground“ (noch im Bandformat) sowie „“My Heart To You“ und „Four Graces“ (jeweils solo), ließ Ryan den Besuchern kaum Zeit zum Durchschnaufen. Atemberaubend sein quirliges Spiel selbst auf der Akustikklampfe, das zum Teil sogar an die fingerfertigen Künste des Al Di Meola-, John McLaughlin- und Paco de Lucía-Trios auf dem legendären „Friday Night In San Francisco“-Album erinnerte.

Die war allerdings nur das Vorspiel für eine einzige Heavy Blues Rock-Schlacht in ‚Phase 3‘, bei der sich vermutlich selbst so mancher Heavy Metal-Fan ungläubig die Augen und Ohren gerieben hätte. Tracks wie „Joyride“, „A Walk In The Rain“, „Memphis“ und das wieder exzessiv zelebrierte McGarvey-Parade-Instrumental „Mystic Dream“ (u. a. mit wildem Herumschalten des Humbucker-Steuerungsschalters in kniender Haltung auf dem Boden als Show-Effekt), mit der nun eingesetzten Gibson Les Paul, waren ein einziger Power- und Genuss-Ritt durch diesen Abschnitt der Setliste.

Bliebe der unweigerliche Zugabenteil. „Blue Eyed Angel Blues“, ein Slowblues, atmosphärisch-progressiv beginnend, wurde in der langen Solo-Passage (Ryan teilweise introvertiert allein spielend) zunächst noch halbwegs songtypisch performt, mündete dann aber in ein, bis zum Abschlussgesang währendes Instrumentalinferno (auch dank der beiden Rhythmusleute). Auch in der sich direkt anschließenden Uptemponummer „Houston“, wurde noch mal alles aus Armen und Fingern herausgeholt, was menschenmöglich war. Atemberaubend!

Fazit: Eine weitere Glanzvorstellung von Ryan McGarvey in Rheinbergs Noch-Blues-Kultstätte, der das Blues-Genre, was Intensität und Härte betrifft, in eine neue Dimension katapultiert zu haben schien! Das Potential für eine ähnliche Erfolgsstory wie die eines Joe Bonamassas, ist hier offenkundig vorhanden.

Und ich wiederhole mich angesichts solch begeisternder Erlebnisse gerne. Diese Abende sollen an der Baerler Straße 96 bald nicht mehr stattfinden? Kaum zu glauben. Aber, lieber Ernst, vielleicht bin ich ja derjenige aus NRW, der den Euro-Jackpot an diesem Wochenende geknackt hat…

Line-up:
Ryan McGarvey (lead vocals, guitars)
Artha Meadors (bass)
Logan Miles Nix (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

Ryan McGarvey
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