Dreadful – A Damn Good Ride – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Ein massiver Rock-Sound aus den Glarner Alpen feiert sein 10-jähriges Bestehen: die Band „Dreadful“ unternimmt „A Damn Good Ride“ mit ihrem neuen Longplayer. Dass die fünf Musiker aus dem Muotathal als bodenständige Schweizer ausgerechnet harten Blues-Rock rough and dirty inszenieren können, haben sie bereits mit den beiden Vorgängeralben lautstark bewiesen.

Ihre dritte Scheibe präsentiert nun dementsprechend zehn weitere Eigenkompositionen im selbst als „Kick-Ass-Rock’n’Roll“ bezeichneten und vor Kraft strotzenden Heavy-Rock.

Schon mit dem ersten Stück “ I’ve Got To Move“ kommt der geneigte Musik-Fan ordentlich in Bewegung und fühlt sich als Kenner der Szene durchaus an die schwedischen Kult-Rocker The Hellacopters erinnert. Neben diesem Beispiel haben „Dreadful“ offensichtlich noch von anderen guten Vorbildern musiktechnisch eine Menge gelernt, denn krachende und tiefverwurzelte Southern- und Blues-Rock-Tracks wie “ Three Bucks Gone “ oder “ Please Stop Raping My Mind “ lassen die Einflüsse ungeschminkt wirken.

Die Anspieltips, wie der feine Akustik-Blues „Hangover Day“ und der schwere „Gambler’s Blues “ machen unwillkürlich auf sich aufmerksam und runden die Sound-Wirkung der inzwischen eine Dekade rockenden Schweizer in Richtung ZZ Top und Blackberry Smoke glänzend ab. Auch der schnelle Titel „High Five“ driftet mit seinen schweißtreibenden Gitarren-Soli in das höhere „Südstaatenfieber“, das durch den Texas-typischen Blues „Come Home“ – southbound again – nochmals gerne in die heiße Phase kommt.

Da mit dem Abschlusstrack „Ride Me“ nach rund 39 Minuten die Scheibe leider schon zu Ende ist, stellt sich unweigerlich die Frage, nach der – bisher viel zu bescheidenen – aber dringend angebrachten Promotion für das unverkennbar groovende Quintett!

Ja, das Album strotzt vor Selbstvertrauen und dem sturen Bewusstsein, nicht nur eine altbekannte Geste der Zufriedenheit musikalisch abgeliefert zu haben, sondern es verdient die klare Empfehlung einer schweizer Wertarbeit für den Freund des glaubwürdigen, ehrlichen und echten US-Southern-Sound.

Auf ihrer neuen LP „A Damn Good Ride“ geht die Band Dreadful konsequent und unbeirrt ihren Weg und wurde dabei kongenial von Deezl Imhof, als Mastermind der schweizer Musikszene, begleitet. Der Soundtrack für eine verdammt gute Reise, nicht nur durch die Bergwelt der Alpen, ist der ideale Begleiter für jeden ausgedehnten Road-Trip.

Mono Buster Records (2019)
Stil: Rock, Blues, Rock’n’Roll

Tracklist:
01. I’ve Got To Move
02. Upper-Class Supersucker
03. Three Bucks Gone
04. High Five
05. Hangover Day
06. Like An Arrow
07. Please Stop Raping My Mind
08. Gambler’s Blues
09. Come Home
10. Ride Me

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Blackfoot Gypsies – Handle It – CD-Review

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Junge, Junge. Eigentlich bin ich ja von Interpreten aus Nashville recht feinfühlige, in der Regel perfekt eingespielte und produzierte Kost gewöhnt. Aber wie die Blackfoot Gypsies einem ihren brachialen Sound regelrecht um die Ohren plästern, sucht in Music City wohl seines Gleichen. Die Insassen irgendeines berüchtigten Südstaaten-Gefängnisses kriegen bei der Essensausgabe ihren Haferschleim vermutlich deutlich liebevoller vor den Latz geknallt!

Der Vierer, bestehend aus den, lange im Duo aufgetretenen Bandleadern Matthew Page (Lead vocals, guitars) und Zack Murphy (Drums), sowie den jetzt mit integrierten Dylan Whitlow (Bass) und Ollie Dogg (Harmonica), stellt den gediegenen Hörer wie mich, auf ihrem aktuellen Werk „Handle It“ auf eine harte Probe.

Ihr Stil ist recht schwierig zu charakterisieren. Eine Mischung aus klassischem Rock’n’Roll, gepaart mit Country-, Roots- und Southern Rock-Zutaten sowie Punk- und psychedelischen Eingaben der Seventies dürfte das Ganze einigermaßen annähernd beschreiben.

Pages anhaltend kreischende, rotzige Stimme, die mich ganz entfernt an die von Gordy Quist (The Band Of Heathens) erinnert (sorry Gordy…), sein meist schrammliges und surrendes (wenn der Bottleneck übergestreift wurde) E-Gitarrenspiel und Doggs quäkende Mundharmonika sind dabei in der Regel die Ton angebenden Elemente. Whitlow und Murphy entfachen mit pumpenden Bass und polternden Drums fast immer einen in Richtung Punk gehenden Rhythmusteppich.

Aus meinem Spektrum fallen mir als Vergleichsgrößen im weitesten Sinne Acts wie Delta Saints, die Black Crowes, Sachen aus dem Dan Baird-Dunstkreis („Pork Rind“ mal als Beispiel-Clip) oder Jackson Taylor & The Sinners & Co. ein. Am besten gefällt es mir, wenn wie bei „Spent All My Money“ (mit Akustikgitarre und Fiddle) oder „Dead On The Road“ so ein Hauch von Country durchschimmert.

Die meisten Stücke sind für jemanden meines Alters in den heimischen vier Wänden, angesichts des im trashigen Garagensound produzierten Ganzen und der fortwährenden ‚Wibbligkeit‘, doch ziemlich nervenzehrend, gipfelnd in dem wild zusammen geschusterten Abschlusstrack „Call Me After Midnight“. Lobenswert, die durchgehend vermittelte Authentizität, der selbstironische Teint und das gnadenlose Durchziehen ihres Konzeptes ohne kommerzielle Hintergedanken – für Nashville purer Horror.

Ich assoziiere bei „Handle It“ der Blackfoot Gypsies z. B. Bier-intensive Männer-Grillabende, um evtl. verhasste Nachbarn zu später Stunde zu ärgern (Polizeibesuch garantiert!) oder trunkenreiche Junggesellenabschiede, also alles Dinge, wo eine gehörige Portion alkoholischer Getränke bedingungslose Begleiterscheinungen sind. Am ehesten dürfte dieser Stoff live in beschriebenem Zustand seine Wirkung entfalten (die Band wird übrigens im Mai/Juni auch in unseren Gefilden auftreten). Wie du dieses Werk letztendlich händelst, steht aber natürlich auf einem anderen Blatt Papier…

Plowboy Records (2015)
Stil: Southern Rock’n’Roll

01. Scream My Name
02. Pork Rind
03. Under My Skin
04. Too Bad
05. Spent All My Money
06. In Your Mind
07. Dead on The Road
08. Snake Charmer
09. So Be It
10. Call Me After Midnight

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