Jason Isbell And The 400 Unit – Live From The Ryman, Vol. 2 – CD-Review

Review: Michael Segets

Nach ein paar Begrüßungsworten, die Jason Isbell an das Publikum seiner fünfzigsten Show im Ryman Auditorium, Nashville, richtet, startet das Album mit „Save The World“. Es stammt wie das anschließende, mit einer langen von Sadler Vaden an der elektrischen Gitarre dominierten Instrumentalpassage versehene „King Of Oklahoma“ von seinem letzten Longplayer „Weathervanes“ (2023). Das mit zwei Grammys dekorierte Werk steht neben „Reunions“ (2020) im Zentrum des Doppelalbums.

Meine jeweiligen Favoriten – „It Gets Easier“ und „Death Wish“ – der beiden Longplayer tauchen nicht auf, ansonsten gibt es an der Songauswahl wenig zu bemängeln. Von „Reunions“ wählte Isbell die rockigsten Tracks („Overseas”, „Running With Our Eyes Closed“). Darüber hinaus ist das Album mit der Ballade „Only Children“ vertreten., die auch live auf der ganzen Linie überzeugt. Im Vergleich mit der Studioversion erscheint „River“ etwas schwächer. Hier macht sich das Fehlen von Amanda Shires mit ihrer Geige besonders bemerkbar. Mit „Dreamsicle” gibt es noch einen fünften Beitrag, der sich ursprünglich auf der 2020er Veröffentlichung findet.

Neben den beiden bereits erwähnten Songs greift Isbell auf sechs weitere von „Weathervanes“ zurück. Dabei darf das preisgekrönte „Cast Iron Skillet” natürlich nicht fehlen. Zusammen mit dem unmittelbar ins Ohr gehenden „Strawberry Woman” gehört es zu den ruhigeren Titeln, bei denen die akustische Gitarre den führenden Part übernimmt. Daneben kommen auch Stücke mit einem voluminöseren Sound zu Gehör. „Miles“ oder „This Ain’t It”, mit dem Isbell And The 400 Unit den Abschluss des Longplayers über neun Minuten hinweg zelebrieren, sind hier zu nennen. Zuvor lässt es die Band bei „When We Were Close“ mal richtig scheppern. Die Bühnen-Performance des Songs klingt etwas erdiger und unmittelbarer als die Studioversion, was für Live-Mitschnitte ja nicht ungewöhnlich ist. So oder so bleibt er ein starker Titel.

Es gibt keine Überschneidungen mit Tracks von seiner ersten „Live From The Ryman“ aus dem Jahr 2018. Das einzige ältere Stück von Isbell ist „The Last Song I Will Write“. Weiterhin covert Isbell „Room At The Top“. Ihm gelingt dabei eine gefühlvolle Hommage an Tom Petty, bei der er das Original in seinem eigenen Stil interpretiert.

Die Cover-Gestaltung des zweiten Albums aus dem Ryman Auditorium ist eng an die des ersten angelehnt und schafft so auch optisch eine Verbindung der beiden Werke. Vielleicht folgt in den nächsten Jahren ja noch eine dritte Veröffentlichung. Für Oktober sind bereits weitere Auftritte in dieser Location angesetzt.

Die neuen Aufnahmen aus dem Ryman widmen sich Titeln der Alben „Reunions“ und „Weathervanes“ mit einer ausgewogenen Mischung von Americana und Roots Rock. Dadurch, dass Amanda Shires mit ihrer Geige anders als auf „Vol. 1“ nicht mit von der Partie ist, unterscheiden sich manche Stücke nicht nur von den Studioaufnahmen, sondern auch die Soundatmosphäre des Liveauftritts ändert sich an einigen Stellen. Ungeachtet dessen, präsentieren Jason Isbell And The 400 Unit die aktuelleren, fast druchgängig starken Songs in gewohnt souveräner Art.

Southeastern Records – Thirty Tigers/Membran (2024)
Stil: Rock, Americana, Roots Rock

Tracks:
01. Save The World
02. King Of Oklahoma
03. Only Children
04. Overseas
05. Dreamsicle
06. Running With Our Eyes Closed
07. Middle Of The Morning
08. The Last Song I Will Write
09. Strawberry Woman
10. Cast Iron Skillet
11. Miles
12. River
13. When We Were Close
14. Room At The Top
15. This Ain’t It

Jason Isbell
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Dylan Schneider – Puzzled – CD-Review

Debüt des mit viel Vorschusslorbeeren (Breakthrough Artist to Watch“ – Amazon Music und „Next Rising Star“ –  Billboard) bedachten Singer/Songwriters Dylan Schneider.

Touren als Support von Florida Georgia Line, Morgan Wallen und Kane Brown, als auch seine TikTok-Viral-Hits „Ain’t Missin‘ You“, „Bad Decisions“ sowie das autobiografische „Daddy Drinks Whiskey“ im Vorfeld dürften ebenfalls den Fokus auf ihn verstärkt haben.

Jetzt präsentiert er auf seinem Erstwerk „Puzzled“ satte 16 Songs, alle von ihm mitgeschrieben mit diversen Co-Writern wie u. a. Rodney Clawson, Brett Tyler, Gabe Foust, Zach Abend und Lalo Guzman. Die drei Letztgenannten waren auch produktionstechnisch involviert. Der starke Titelsong „Puzzled“ zum Abschluss geht ganz allein auf Dylans Kappe.

Die Produktion und Instrumentierung entspricht natürlich allen modernen Nashville-Standards, um in den relevanten Charts oben mitzumischen. Schneiders angenehme, mit einem Hauch von Raspel gekennzeichnete Stimme weist zudem gewisse Ähnlichkeiten zu Morgan Wallen auf, was sicherlich nicht minder zuträglich sein dürfte.

Die Songs gehen allesamt gut und leicht, oft mehr poppig ins Ohr, am Ende hätte man sich vielleicht etwas mehr Ecken und Kanten, bzw. eine etwas rockigere und countryesker geprägte Ausrichtung gewünscht.

Ein wenig hat man das Gefühl, dass Dylan auf den Morgan Wallen-Erfolgszug aufspringen soll, im Prinzip werden hier viele ähnliche Melodien und Refrains wie die des Dauer-Chart-Toppers aus dem Ärmel geschüttelt (man höre sich z. B. „Gone Is What I Get “ mal an), aber dazu muss man auch erstmal fähig sein.

Humor hat der Bursche auch, wenn man ihn beispielsweise „Girl, we are good at making bad decisions“ singen hört.

So sind Anhänger von Acts wie Thomas Rhett, Jimmie Allen, Kane Brown, Sam Hunt oder Tebey hier zunächst mehr die Zielgruppe, ich persönlich hätte mir, trotz vieler guter Ansätze, die durchaus vorhanden sind, das Pendel etwas mehr in Richtung  Brantley Gilbert oder Jason Aldean ausschlagend gewünscht. Aber der junge Bursche ist zweifellos sehr talentiert und somit auch sicher noch entwicklungsfähig.

„Mein Debütalbum ist das Ergebnis meiner bisherigen Arbeit und Erfahrungen. Ich kann es kaum erwarten, dass es endlich erscheint! Die Songs spiegeln wider, wer ich bin, woher ich komme und wohin ich will. Ich freue mich schon auf die Reaktionen des Publikums, wenn wir damit auf Tour gehen,“ so Schneiders Fazit zu seinem Gesamtwerk, das ab heute, dem  27. September, käuflich zu erwerben sein wird.

Richtig gut hat mir die Covergestaltung mit dem Puzzlebild des Protagonisten passend zum Titel des Albums gefallen. Somit ist „Puzzled“ von Dylan Schneider als ein erstes Puzzle-Stück auf dem Weg in eine vielversprechende Karriere zu sehen. Man darf gespannt sein, ob hier tatsächlich ‚The next big thing‘ aus den Startlöchern hervorkommt.

BBR Music Group/BMG Nashville (2024)
Stil: New Country

Tracks:
01. Carhartt
02. Country Right
03. Without June
04. Bad Decisions
05. Here Comes The Sun
06. Bad At Breaking Up
07. Ain’t Missin’ You
08. Truck I Grew Up In
09. Buy That Girl A Beer
10. Ruin This Town
11. Put The Whiskey Away
12. Gone Is What I Get
13. Momma’s House
14. Better Than You Left Me
15. Daddy Drinks Whiskey
16. Puzzled

Dylan Schneider
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Lime Tree Music

Tas Cru Band – Live – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Tas Cru’s neueste Scheibe „Live“ betreibt leider ein wenig Etikettenschwindel. „Live“ steht zwar im Titel, aber ist da auch wirklich „Live“ drin, so wie man sich eine richtige Liveaufnahme vorstellt? Darüber lässt sich sicherlich streiten. Richtig ist, das Tas Cru und seine Bandmates das Ding im Studio eingespielt haben, allerdings mit Studiogästen, die als Livepublikum dienen.

Da liegt es in der Natur der Sache, dass sich eine solche Aufnahme natürlich nicht wie ein „echter“ Livemitschnitt aus einem Club anhört. Trotzdem, das Teil ist ziemlich gut, nur eben nicht wirklich live. Das muss man wissen, sollte man mit dem Gedanken spielen, sich die CD der Plattensammlung einzuverleiben.

Aufgenommen hat Tas Cru die zehn Songs des Albums zusammen mit seiner eingespielten Tourband, bestehend aus der Sängerin Mia Casale, die bisher auf jedem seiner Studiowerke dabei war, Tom Terry (Bass, Gesang), Phil Dilorio (Drums, Gesang), Scott Ebener (Piano, Orgel) und natürlich Tas Cru selbst als Gitarrist und Vokalist.

Das Material auf der Scheibe ist nicht neu, vielmehr ist es eine Zusammenstellung der von seinen Fans am meisten geliebten Songs aus seinen Alben der Jahre 2009 bis 2023. Der Opener „Dat Maybe“ stammt von der für den Blues Music Award nominierten Scheibe „Simmered & Stewed“ aus 2016.

Der Gospelblues „Stand Up!“ und das fröhliche „Brown Liquor Woman“ erblickten das Licht der Welt auf dem 2023‘er Longplayer „Riffin‘ The Blue“ und die drei Stücke „Take Me Back To Tulsa“, „Drunk Half The Time“ und „You Keep The Money“ sind erstmals auf dem gleichnamigen Album aus 2014 zu hören. 2018 veröffentlichte Tas Cru das Album „Memphis Songs“ aus dem „Have A Drink“ und der gospelige Rausschmeißer „Heal My Soul“ ihren Weg auf die neue Scheibe gefunden haben. Die ältesten Tracks sind aber „Grizzle n‘ Bone“ vom gleichnamigen 2009‘er Album und „One Eyed Jack“.

Alle zehn Tracks auf diesem Album kommen recht frech und flott daher, teils mit Gospelanleihen oder leicht funky und manche auch mit einer Rockabilly-Note. Auf jeden Fall immer gute Laune verbreitend und in die Tanzbeine gehend. Die Scheibe macht echt Spaß, auch wenn sie in meinen Augen kein reinrassiges Live-Opus ist. Trotzdem kann ich sie nur empfehlen und ich selbst würde ich sie auch meiner Musiksammlung hinzufügen. Die Chance dazu haben alle Interessierten ab dem 27. September.

Subcat Records (2024)
Stil: Indie Rock, Blues & more

Tracks:
01. Dat Maybe
02. Stand Up!
03. Brown Liquor Woman
04. Have A Drink
05. Take Me Back To Tulsa
06. Grizzle n‘ Bone
07. One Eyed Jack
08. You Keep The Money
09. Drunk Half The Time
10. Heal My Soul

Tas Cru
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Thomas Kraft – Americana. Ein zerrissenes Land im Spiegel der Country Music – Buch-Rezension

Review: Michael Segets

Thomas Kraft zieht in „Americana. Ein zerrissenes Land im Spiegel der Country Music“ Verbindungslinien zwischen Country Music und nationaler Identität der Vereinigten Staaten von Amerika. In dem Buch finden viele Musiker_innen Erwähnung, die in der Interpretenskala von Sounds-of-South vertreten sind, sodass es für unsere Leser_innen bereichernd sein könnte. Die Anregung für die erste Buch-Rezension bei SoS gab Andreas Reiffer, in dessen Verlag das Werk am 27.09.2024 erscheint.

Musik muss nicht politisch sein, aber ihre Entstehung ist stets durch den kulturellen und gesellschaftlichen Kontext geprägt. Offensichtlich wird die Verbindung von Musik und Politik, wenn sich die Künstler_innen öffentlich zu politischen oder gesellschaftlichen Problemen äußern oder solche Themen in ihren Texten verarbeiten. Für Politiker_innen wird die Musik interessant, wenn sie deren Popularität für ihre Zwecke instrumentalisieren können. Dass sich die Urheber_innen dagegen wehren, zeigen die zahlreichen Unterlassungsklagen gegen Trump, der ohne Zustimmung Musiktitel in seinem Wahlkampf einsetzt. Kraft zeichnet im ersten Kapitel seines Werks einige Skandale und Kontroversen nach, die im Spannungsfeld von Politik und Musik – speziell der Country Music – in den letzten Jahren aufflammten. Dabei reichen die Beispiele von den Dixie Chicks, den heutigen The Chicks, über Jason Aldeam bis zu Taylor Swift. Gefüllt mit hierzulande kaum wahrgenommenen Hintergrundinformationen bemüht sich Kraft um die Darstellung mehrerer Perspektiven. Deutlich wird dabei, dass die Country-Szene nicht nur in Bezug auf politische Ansichten, sondern auch hinsichtlich der dahinter stehenden Werte gespalten ist.

Eine zentrale Frage wird im zweiten Kapitel, in dem eine Analyse der gesellschaftlichen Situation in den Vereinigten Staaten von Amerika erfolgt, aufgeworfen: „Hat das Land seinen moralischen Kompass verloren?“ (S. 39) Diese Frage stellt sich nicht erst seit der Präsidentschaft von Trump, tritt seitdem aber immer offener zutage. Eine grundlegende These des Autors ist, dass Brüche in der nationalen Identität der USA bestehen, die historische Wurzeln haben. Obwohl sich die Vereinigten Staaten Freiheit und Demokratie auf die Fahnen schreiben, sieht die gesellschaftliche und soziale Realität anders aus. Der Umgang mit der indigenen Bevölkerung während der Kolonalisierung des Kontinents oder die Sklaverei haben Spuren hinterlassen, die bis heute nachwirken. Wie Kraft diagnostiziert, durchziehen tiefe Gräben die amerikanische Gesellschaft, die unter anderem in der Kluft zwischen arm und reich offensichtlich werden.

In weiten Teilen der Bevölkerung besteht ein Gefühl der Unsicherheit, der Benachteiligung oder gar der Existenzbedrohung sowie das Bedürfnis nach Orientierung in einer komplexen Welt. Damit geht ein Rechtsruck in der Gesellschaft einher. Der Ruf nach einem starker Mann, der Klarheit im Sinne einfacher Wahrheiten schafft und Sicherheit verspricht, wird nachvollziehbar. Kraft kommt zu dem Schluss, dass das Phänomen Trump erst aufgrund der existierenden Polaritäten möglich wurde, die er zugleich schürt. Für den Autor stellen sich die Vereinigten Staaten von Amerika als ein gespaltenes Land dar, dessen Risse sich in mehreren Dimensionen und damit auch in der Musik zeigen.

Vor dem Hintergrund dieser Gesellschaftsanalyse widmet sich Kraft in dem folgenden, umfangreichsten Kapitel des Buches wieder der Country Music. Er unterscheidet mehr als zwei Dutzend Spielarten des Country, die er unter dem Sammelbegriff „Americana“ zusammenfasst. Unabhängig davon, ob man alle angeführten Richtungen der Country Music oder dem Americana zuordnen möchte, verdeutlichen die Ausführungen, dass diese kein homogenes Bild abgibt. Der klassische Country, der in ländlichen Regionen seinen Ursprung fand, ist heute nur noch eine Sparte unter anderen. Er dreht sich thematisch um das Leben der arbeitenden Bevölkerung mit ihren mehr oder weniger alltäglichen Problemen. Als traditionelle Volksmusik ist er „weiß, männlich, patriotisch“ (S. 69).

Indem Kraft den Einfluss einzelner Musiker_innen auf den Country in lebendig geschilderten Episoden und Zitaten schildert, verfolgt er dessen Wandlungen und Entwicklungen. Dabei spannt er einen Bogen beginnend in den 1920ern bis in die Gegenwart. Die Verbindungen zum Rock in den sechziger Jahren sowie gesellschaftliche Faktoren wie die Friedens- und Protestbewegung vor dem Hintergrund des Vietnam-Krieges brachten neue Impulse in die Country Music, sodass sich spätestens seitdem die Frage stellt, was noch Country ist und was nicht. „Die Musiker hat diese Frage meist nicht interessiert. Sie wollen kreativ sein, experimentieren und neue Stilrichtungen ausprobieren.“ (S. 126) Gleiches gilt für Künstler_innen, die eher nicht aus der Country-Ecke kommen, aber deren Tradition aufgreifen und verarbeiten. Die Country Music verliert damit endgültig ihre klaren Abgrenzungen und differenziert sich aus, sodass Kraft den Oberbegriff „Americana“ für angemessen hält, um die Facetten neben dem klassischen Country zu erfassen.

Der Autor geht unterschiedlichen Spielarten nach und weist Verknüpfungen zu anderen Musikrichtungen auf, wobei er diese Entwicklungen unter den jeweiligen sozialen und gesellschaftlichen Aspekten im historischen Kontext beleuchtet. Seine Ausführungen sind gespickt mit vielen Details und Querverbindungen. So enthält das Buch auch eine Vielzahl von Informationen, die für die meisten Leser_innen wohl neu sind. Wer hätte gewusst, dass das „erste offen schwule Country-Album der Welt“ (S. 193) von Lavender Country bereits im Jahr 1973 veröffentlicht wurde?

Die Ausführungen machen deutlich, dass die Country Music nicht per se für ein tradiertes, typisch amerikanisches Wertebewusstsein steht. Sie widmet sich auch kritisch und progressiv gesellschaftspolitischen Fragen. Um die Verbindung zwischen Gesellschaft und musikalischer Offenheit zum Ausdruck zu bringen, wählt Kraft den Begriff „Americana“. Kraft beendet seine Ausführungen mit dem Appell in Richtung der Vereinigten Staaten von Amerika – und vielleicht auch in Richtung sämtlicher Country-Fans –, Co-Existenz und Vielfalt nicht als Bedrohung, sondern als Chance zu sehen und Freiheit tatsächlich ernst zu nehmen.

Dem weiten Begriff „Americana“ folgend stellt der Verfasser zum Abschluss eine Empfehlungsliste von rund 500 Alben mit Anspieltipps zusammen. Die Liste beginnt mit dem Jahr 1966 und umfasst auch Longplayer, die man vielleicht nicht unmittelbar im Bereich der Country Music verortet hätte. Die meisten Werke werden mit ein bis zwei Sätzen kommentiert. Manchmal fallen die Bemerkungen auch ausführlicher aus. Die Aufstellung bereitet Freude, wenn man bekannte Alben wiederfindet und zudem liefert sie Anregungen zur weiteren Auseinandersetzung und Recherche im weiten Bereich der Country affinen Tonträger. Von den sieben bereits aus dem laufenden Jahr in der Liste verewigten Longplayern sind zumindest zwei – „Chains & Stakes“ von The Death South sowie „Mellow War“ von Taylor McCall – auch bei SoS besprochen. Wünschenswert wäre ein Register über die Musiker_innen und Bands gewesen, um gezielt nachschlagen zu können. Ansonsten gibt es nicht viel an dem Buch auszusetzen. Hervorzuheben sind die vielen Fotographien von Musiker_innen, die den Text begleiten. Sie stammen oft von Helmut Ölschlegel.

Thomas Kraft liefert in seinem flüssig zu lesenden Buch eine Bestandsaufnahme der amerikanischen Gesellschaft und diagnostiziert ihr eine Identitätskrise. Zusammenhänge zwischen Politik, Gesellschaft und Country Music zeichnet er in unterhaltsamer, aber oft nachdenklich stimmender Weise nach. Dabei zeigt sich ein facettenreiches Bild des Country, der eben nicht mehr als die traditionsverbundene Volksmusik der Amerikaner zu betrachten ist. Country Music entwickelt sich, schafft kreative Verbindungen zu anderen Stilrichtungen und greift aktuelle und kontroverse Themen auf. Das Buch regt Musikliebhaber an, den Blick über den Tellerrand zu werfen, und eröffnet eine Perspektive, Country Music als „Americana“ neu zu hören und zu entdecken.

Der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Thomas Kreft ging bereits dem Einfluss literarischer Werke auf die Rockmusik nach. „Rock’n Read. Wie Literatur Rockmusik inspiriert“ erschien ebenfalls im Verlag Andreas Reiffer. Das Programm des seit fünfundzwanzig Jahren bestehenden Verlags legt einen Schwerpunkt auf Veröffentlichungen zur Popkultur und berücksichtigt dabei besonders Titel, die um Musik kreisen. Ein Besuch der Website mag sich daher lohnen.

Kraft, Thomas (2024)
Americana. Ein zerrissenes Land im Spiegel der Country Music
Verlag Andreas Reiffer. 320 Seiten.
Hardcover, mit zahlreichen Fotographien von Helmut Ölschlegel und andern
ISBN 978-3-910335-25-7
25,00 €

Thomas Kraft
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Verlag Andreas Reiffer

Old Dominion – Odies But Goodies – Doppel-CD-Review

Nach ihrem in 2023 erschienenen Studio-Album „Memory Lane“ (erreichte Platz 13 in den Billboard-Country-Charts), gönnt sich die Multi-Award-nominierte und -gekrönte Band Old Dominion dieses Jahr eine Überbrückungsphase bis zum nächsten Kreativwerk und veröffentlicht im Rahmen ihres zehn-jährigen Bestehens mit „Odies But Goodies“ eine Art „Best Of-Doppel-CD“, vollgepackt mit insgesamt 31 Songs.

In solchen Fällen stellt sich immer automatisch die Frage, für wen sich solche Tonträger lohnen. Da gibt es natürlich die ‚Die Hard‘-Fans, die eh alles von einer Band, in die sie vernarrt sind, haben müssen. Für Leute wie mich, die eigentlich fast nur noch Musik konsumieren, um den nächsten Review zu schreiben, eine schöne Gelegenheit, sich mit der Band wieder zu befassen.

Andere freuen sich vielleicht darüber, die Songs mal in einer anderen Reihenfolge hören zu können. Gegebenenfalls kann man die Zusammenstellung mit seiner eigenen Vorstellung der besten Old Dominion-Tracks vergleichen und darüber sinnieren, welche man selbst auf so eine Doppel-Scheibe gepackt hätte.

Und dann gibt es natürlich auch die Gruppe der Neueinsteiger, die sich nicht alle Werke der Gruppe zulegen möchten und denen eine komprimierte Werkschau zum überschaubaren Kus erst mal reicht.

Der eigentliche Mehrwert ist aber, dass es mit „Coming Home“ ein neues typisches flockiges OD-Lied (mit Heartland-Flair) als Opener gibt, das aktuell auch als Single verbreitet wird. Dazu gibt mit „Lookin’ For Love“ eine herrlich luftige Studio-Version des Johnny Lee-Songs, den Old Dominion im Jahr 2020 im Rahmen der CMA-Awards live zu Ehren des Films „Urban Cowboy“ präsentiert hatten, der besonders Eagles-Fans begeistern dürfte.

“We love that the people who love our music love all of it,” Obviously we love the songs on the radio, but some of the deeper dive stuff, that Johnny Lee song we got to perform to honor him, Mickey Gilley and Urban Cowboy, all those things are as much a part of who we are as the hits. So when you listen to „Odies But Goodies“, I think you get a very good sense of who we are as a band, but also as individuals—and even a sense of the people who show up for this music”, so Bandleader Matthew Ramsey zur Intention zum Track und Album.

Die beiden CDs lassen sich aus meiner Sicht auch ein wenig thematisch einordnen, Während es auf Silberling 1 mehr um überwiegend launig gehaltene Beziehungs-Songs (mit viel integrierter Selbstironie) geht, verbreiten die Nummern auf Silberling 2 mehr Urlaub-Sonne-Sand-Meer–Good Time-Feeling. Da bekommt man selbst morgens auf dem Weg zur Arbeit im Auto schon gute Laune.

Am Ende liegt die Entscheidung natürlich beim Konsumenten, ob man für „Odies But Goodies“ in die Tasche greifen möchte oder nicht. Aus unserer Sicht lohnt es in jedem Fall, sich mit Old Dominion, die uns auch schon mal  live in der Kölner Live Music Hall in 2019 sehr überzeugt hatten (das sind nicht nur gute Songschreiber, sondern auch sehr versierte Musiker!), zu befassen. Lockerer, leicht ins Ohr fließender, aber auch sehr stilvoller New Country mit Gute-Laune-Garantie-Faktor!

RCA Records Nashville/Sony Music (2024)
Stil: New Country

Tracks:
Disc 1:
01. Coming Home
02. Lookin’ For Love
03. Song For Another Time
04. Beer Can In A Truck Bed
05. Make It Sweet
06. My Heart Is A Bar
07. All I Know About Girls
08. Wrong Turns
09. Snapback
10. Stars In The City (feat. Little Big Town)
11. Break Up With Him
12. I Should Have Married You
13 Written In The Sand
14 Hear You Now
15 How Good Is That
16. Some People Do

Disc 2:
01. Hotel Key
02. I Was On A Boat That Day
03. Not Everything’s About You
04. Some Horses
05. No Such Thing As A Broken Heart
06. Memory Lane
07. One Man Band
08. Nowhere Fast
09. Shut Me Up
10. Hawaii
11. Lonely Side Of Town (feat. Gladys Knight)
12. Can’t Break Up Now (with Megan Moroney)
13. Never Be Sorry
14. No Hard Feelings
15. Still Writing Songs About You

Old Dominion
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Sony Music

J.D. Simo & Luther Dickinson – Do The Rump! – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Ihre gemeinsame Zeit als Tour-Mates bei Phil Lesh & Friends, einer Grateful Dead-Nachfolgeband, brachte die Guitar-Individualisten J.D. Simo und Luther Dickinson zusammen ins Studio. “Do The Rump!” heißt das Debüt der beiden und ist das Ergebnis einer ideellen Partnerschaft. Die Blues- und Americana-Eigenproduktion liefert sieben Old-School- Song-Favoriten als Cover-Versionen, sowie eine neue Komposition von Simo und Dickinson.

Los geht das Album mit der Bobby Charles-New OrleansHymne “Street People” (1977), ursprünglich ein Swamp-/Cajun-Original und nun ganz nach Intention der Interpreten eine zeitgenössische electric-bluesy Rock-Nummer und Lead-Single des Longplayers. Der raue und kraftvolle Gitarrensound des Openers bestimmt auch bei den anderen, einflussreichen Klassikern die Wirkung der Aufnahmen, wobei Adam Abrashoff an den Drums ebenfalls durchweg besonders erwähnenswerte Basisarbeit leistet.

J.J. Cales “Right Down There“ aus dem Jahr 1972 wird so zum aktuellen, tiefsouligen Blues Rocker und Junior Kimbroughs Cajun-Delta-Blues “Lonesome Road” (1997) bekommt ein massives Gitarren-Gewand. Die John Lee Hooker- Kompositionen “Come & Go With Me” (1960) und “Serve Me Right To Suffer” (1966) entwickeln über die ausgeprägten und verstärkten Soli-Parts moderne Interpretationen, neue, kreative Impressionen zeitloser Meisterwerke.

Die Auswahl der Cover-Titel macht den andauernden und breiten Wirkungskreis der Originale deutlich: J.D. Simo, 39 Jahre, Gitarrist, Singer-Songwriter, Produzent, Toningenieur mit fast 25 Jahren Musikerfahrung, und erfolgreich mit Solo-Alben und der Band SIMO in den Billboard Blues Charts, ist gern gesehener Gast bei Tourneen und Recording Sessions, z. B. bei Jack White, Dave Cobb, Joe Bonamassa, Bob Weir u.a., um nur einige zu nennen.

Luther Dickinson, geb. 1973, startete 1987 seine Studioarbeit mit einem kurzen Mini-Gastspiel für die einflussreiche Indie-Band The Replacements. Seitdem ist der Sänger, Gitarrist, Komponist und Produzent ausgesprochen vielseitig unterwegs. Eigene Gruppen, wie DDT und die unverwüstlichen North Mississippi Allstars, sowie eine lange Liste von Studio-Parts für die Black Crowes, John Hiatt, Devon Allman und Seasick Steve sind nur ein kleiner Ausschnitt seiner vielen Beteiligungen.

Wenig überrascht insoweit auch der Albumtitel “Do The Rump!” und die sehr moderne 8 Minuten Blues-Rock-Fassung des Titelsongs von Junior Kimbrough, mit dem Dickinson befreundet war – vielleicht eine offene Herausforderung nach der starken Black Keys- Version des Songs aus dem Jahre 2009. Ihre enge Beziehung zu Old School Vibes der legendären Blues-Ära zeigen Simo und Dickinson mit dem eigenen, etwas knapp gehaltenen Electric-Boogie “Come On”, einer schönen Reminiszenz zwischen Canned Heat und Savoy Brown.

Das altehrwürdige “Peaches”, ebenfalls von Junior Kimbrough, passt in einer reichlich ausgedehnten, psychedelisch rockigen Einspielung, samt experimentellen free-jazz Ending an den Schluss der Scheibe. In gefühlvoller Übereinstimmung und harmonischer Leichtigkeit haben J.D. Simo und Luther Dickinson klassische Favoriten in moderne, anspruchsvolle Cover-Versionen transportiert und “Do The Rump!” ohne Overdubs und technische Gitarrentricks als groovendes Gesamtwerk produziert.

Forty Below Records (2024)
Stil: Blues, Americana

Tracks:
01. Street People
02. Right Down There
03. Lonesome Road
04. Come and Go With Me
05. Serves Me Right To Suffer
06. Do The Rump
07. Come On
08. Peaches

J.D. Simo
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Devious Planet Pomotion

Kenny Wayne Shepherd Band – Dirt On My Diamonds Vol. 2 – CD-Review

Jetzt ist es soweit, Teil 2 des „Dirt On My Diamonds“-Projekts von Kenny Wayne Sheperd steht zum Erwerb für die Blues Rock-Gemeinde an. .Zum ersten Mal in seiner langen Karriere war Shepherd gezwungen, neues Material zurückzuhalten, und er gibt zu, dass es eine Qual war, diese neuen Songs unter Verschluss zu halten. Bei den Proben klangen sie großartig, und wir konnten es kaum erwarten, sie zu spielen“, so der Protagonist.

Und in der Tat, KWS und seine Mannen bieten hier ganz großes Blues Rock-Kino. Acht schnörkellose Tracks, die nur so vor Kraft, Rauheit und Dreck strotzen und einen direkt  gefangen nehmen. Allein der Auftakt mit den beiden wuchtigen bläsergetriebenen Nummern „I Got Woman“ und „In The Middle“ ist, in Kombination mit Kennys wüstem E-Gitarrenspiel, wie die Frau im Opener charakterisiert, ‚wild as a hurricane‘, sodass man froh ist, beim tollen Slowblues „My Guitar Is Crying“ (und Kenny lässt hier seine Gitarre im wahrsten Sinne des Wortes weinen) mal kurz ein paar Minuten durchatmen zu können.

Das war es dann aber auch mit Innehalten. Die restlichen fünf Tracks sind ein wahres Fest für Liebhaber des E-Gitarren-basierten Blues Rocks, wobei sich „Never Made It To Memphis“ (hier natürlich auch wieder mit für die Stadt typischen gezielten Bläsersätzen und unwiderstehlichen E-Gitarrensoli), mit den herrlichen Harmony Vocals von Corinna Gill, als mein persönlicher Favorit herauskristallisiert. 

Apropos Gesang: Fall ich es richtig eruiert habe, scheinen sich Noah Hunt und Kenny die Lead Vocals im Wechselrhythmus ziemlich brüderlich zu teilen. Klasse gefällt mir auch die textliche Metapher „I hate to see you leavin‘,  but I love to watch you go“ im von Noah Hunt gesungenen „Watch You Go“. Als Rausschmeißer gibt es am Ende noch eine schöne Coverversion von ZZ Tops „She Loves My Automobile“.

Fazit: Kenny Wayne Shepherd zaubert auf „Dirt On My Diamonds – Vol. 2“ weitere acht hochkarätige Song-Diamanten aus seiner Kreativschatulle, bearbeitet im bewährten modernen Blues Rock-Schliff, serviert von ihm samt seiner brillanten Mitstreiter und Co-Songwriter wie u. a. Marshall Altman (auch Co-Produzent) , Noah Hunt, Joe Krown, Chris Layton, Kevin McCormick, James LeBlanc, Jace Everett, und vielen mehr. Ein Blues Rock-Must Have!

Provogue Records (2024)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. I Got A Woman
02. The Middle
03. My Guitar Is Crying
04. Long Way Down
05. Never Made It To Memphis
06. Watch You Go
07. Pressure
08. She Loves My Automobile

Kenny Wayne Shepherd
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Mascot Label Group

Willie Watson – Same – Album-Review

Review: Michael Segets

Willie Watson hatte in seiner Jugend eine quasi spirituelle Begegnung mit der traditionellen Folkmusik. In einer Apfelplantage sang er zusammen mit einem flüchtigen Bekannten ein paar alte Songs und verfiel dieser Musik bis ins Mark. Diese Episode greift er im letzten Stück „Reap ‘em In The Valley“ des neuen, selbstbetitelten Albums auf. Der autobiographische Text wird über weite Teile gesprochen und nur mit der akustischen Gitarre begleitet. Der achtminütige Track ist daher verhältnismäßig sperrig. Davor finden sich aber sieben melodiöse Lieder, mit denen Watson auf den Spuren der klassischen Singer/Songwriter wandelt. Er veröffentlichte bereits zwei Alben, auf der er Folkstücke covert, nun legt er sein erstes Solo-Werk mit selbstgeschriebenen Liedern vor.

Das Werk steht für Watson am Ende eines Selbstfindungsprozesses und hat eine gleichsam kathartische Funktion. Selbstzweifel und das Gefühl, dass etwas in seinem Leben fehlt, waren wohl seine ständigen Begleiter. Die Frage nach Gott spielt dabei auch eine Rolle. Im akustischen „Slim And The Devil“ thematisiert er auf witzige Weise eine Wette, die der Protagonist an der Himmelstür abschließt, damit er nochmals auf die Erde zurückkehren kann. Der Song basiert auf dem Gedicht „Slim Greer in Hell“ von Sterling A. Brown. Harte und vielleicht falsche Entscheidungen stehen bei „Already Gone“ im Zentrum. Nachdenklich stimmen „One To Fall“, „Play It One More Time“ und „Sad Song”. Daneben finden sich aber auch versöhnliche Töne auf der CD („Real Love“).

Die Eigenkompositionen werden durch die beiden Interpretationen von „Mole In The Ground“ und „Harris And The Mare“, die ursprünglich von Bascom Lamar Lunsford beziehungsweise Stan Rogers stammen, ergänzt. Watson spielt mehrere Instrumente, holt sich aber eine Band ins Studio. Diese agiert mit dem Gastmusiker Benmont Tench (Tom Petty And The Heartbreakers) dezent im Hintergrund, sodass der Folkcharakter bei jedem Song erhalten bleibt.

Vor seiner Solokarriere gründete Watson Old Crow Medicine Show mit. An einigen Soundtracks der Coen-Brüder war er beteiligt und spielte in „The Ballad of Buster Scruggs“ auf der Leinwand. Watson ist bei weitem kein Neuling in der Branche, dennoch bezeichnet er sein aktuelles Album als Debüt. Als Songwriter, der sich dem Folk verschrieben hat, präsentiert Watson eine Reihe traditionsorientierter Stücke. Er legt ein persönliches Werk vor, dass er folgerichtig „Willie Watson“ nennt. Man kann seine Zeit weitaus schlechter verbringen als ihn in einer ruhigen Dreiviertelstunde kennenzulernen.

Little Operation Records and More – Thirty Tigers (2024)
Stil: Folk

Tracks:
01. Slim And The Devil
02. Real Love
03. Already Gone
04. Sad Song
05. One To Fall
06. Harris And The Mare
07. Play It One More Time
08. Reap ’em In The Valley

Willie Watson
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Thitzy Tigers
Oktober Promotion

Allen-Forrester Band – Eastbound – Digital-EP-Review

Die Allen-Forrester Band, die zur Zeit noch im Süden und einem Gig in Berlin unterwegs ist, mit  einem kleinen Zwischen-Intermezzo,, einer nur digital veröffentlichten Live-EP mit vier Stücken. Alle Kennt man von ihrer tollen Debüt-CD, als auch, wer sie wie wir,, schon des Öfteren  auf der Bühne gesehen hat, von ihren engagierten Auftritten.

Auch hier bekommt man den typischen an Lynyrd Skynyrd-ausgerichteten Sound der Anfangsphase des klassischen 70er-Southern Rock, ohne Schnörkel,, ehrlich gearbeitet,, man hört und sieht den imaginären Schweiß der Burschen beim Spielen förmlich aus den heimischen Boxen tropfen. 

Was sind die Kaufargumente? Bei „Good Situation Gone Bad“ bekommt man gegen Ende ein dynamisches Drum-Solo von Matze Böhm, das finale „Running For Your Life“ wird mit einem groovigen Bass-Intro von dem ansonsten auch wieder klasse zupfenden Hendrik Herder eingeleitet.

Josh Allen geht mit seinem kämpferischen Frontgesang voran, Ben Forrester setzt die gewohnten Highlights im Leadgitarrenspiel. Insgesamt eine schöne Sache, sich das Live-Können des Quartetts auch für zuhause zu sichern und vor allem eine ideale Gelegenheit, solche lebensnahe Bands auf ihrem weiteren Weg ein wenig zu unterstützen und ehrliche Live-Musik am Leben zu erhalten.

Die beiden aus dem Osten der USA stämmigen Musiker samt ihrer Rhythmusfraktion beweisen mit „Eastbound“ erneut, dass sie den Sound des Südens perfekt beherrschen.

EBF Music / Timezone Records (2024)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Stand Up
02. Burning Daylight
03. Good Situation Gone Bad
04. Running For Your Life

Allen-Forrester Band
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EBF Music

Willie Nile – Live At Daryl’s House Club – Album-Review

Review: Michael Segets

Willie Nile rockt mit der Energie eines Jungspunds, obwohl er Mitte der Siebzig ist. 2022 arbeitete er eine temporeiche Setlist im New Yorker Daryl’s House Club ab, die einen Querschnitt durch seine Karriere widerspiegelt. Seit ich ihn vor einer Dekade live erleben durfte, scheint er nichts an Elan verloren zu haben. Seine letzten Konzert-Aufnahmen, die auf CD gepresst wurden, stammen aus dem Jahr 2011. Danach veröffentlichte Nile sieben Studio-Werke, sodass ein aktuelles Live-Album längst überfällig wurde.

Einen leichten Schwerpunkt bei der Liedauswahl legt Nile auf „New York At Night“ (2020). Von dem Longplayer sind neben dem Titeltrack zwei weitere vertreten („Lost And Lonely World“, „Run Free“). Ansonsten präsentiert er fast von jedem seiner Alben einen Song. Vom Anfang seiner Karriere wählt er „Shoulders“. Das einzige langsame Stück auf der CD leitet Nile mit einem Klavier ein. Hier gibt er Jimi Bones für ein längeres Gitarrensolo Raum. Der Break zwischen den straight forward gespielten Rockern, bei denen Jon Weber am Schlagzeug und Johnny Pisano am Bass für den richtigen Druck sorgen, liegt genau in der Mitte des Albums und ist so geschickt platziert, um ein kurzes Durchatmen zu gestatten.

Die musikalische Karriere von Nile wurde von Rechtsstreitigkeiten behindert und verlief daher nicht ohne längere Unterbrechungen. Aus den 1990ern finden sich „Places I Have Never Been“ und „Black Magic And White Lies”. Richtig in Schwung gekommen ist Nile dann in der ersten Dekade des neuen Jahrtausends. Mit „House Of A Thousand Guitars“ (2009), „The Innocent Ones“ (2010) und das auf Blue Rose Records veröffentlichte „American Ride“ (2013) legte der in Buffalo, New York, gebürtige Songwriter drei stake Longplayer in Folge vor. „House Of A Thousand Guitars“, „One Guitar“ und „ This Is Our Time“ stammen von diesen Werken.

Die CD „World War Willie“ (2016) ist mit „Trouble Down In Diamond Town“ vertreten, während die Balladen von „If I Was A River“ (2014) nicht berücksichtigt werden. Die Titelauswahl ist gelungen, auch wenn einige meiner Favoriten nicht auftauchen. Der charismatische Songwriter hätte also genug Material in der Hinterhand für weitere Live-Mitschnitte.

Neben Stücken, die einfach Spaß machen, schlägt Nile auch sozialkritische Töne an, die vor allem seine letzen Veröffentlichungen prägen. „Earth Blues“ und „The Day The Earth Stood Still“ sind hier beispielsweise zu nennen. In diese Kategorie fällt auch „Wake Up America“. Der bislang auf keinem Studio-Album vertretene Track wurde im Original 2022 als Duett mit Steve Earle veröffentlicht.

Die Setlist des Konzerts im Daryl’s House Club gibt einen Überblick über Willie Niles mehr als vierzigjährige Karriere. Nile wählt aus seinem Katalog an Eigenkompositionen fast ausschließlich rockige Nummern, die er mit unbändiger Dynamik performt. Wer authentischen Gitarrenrock mag, kommt auch heute noch an Willie Nile nicht vorbei.

River House Records (2024)
Stil: Rock

Tracks:
01. Places I Have Never Been
02. This Is Our Time
03. Black Magic And White Lies
04. Earth Blues
05. Lost And Lonely World
06. The Day The Earth Stood Still
07. Shoulders
08. New York At Night
09. Trouble Down In Diamond Town
10. Wake Up America
11. House Of A Thousand Guitars
12. Run Free
13. One Guitar

Willie Nile
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